Chronologie der Schweizer Medienkonzentration
Die letzten dreieinhalb Jahrzehnte im Überblick – regelmässig auf den neusten Stand gebracht.
Von Dennis Bühler und Christof Moser, 17.05.2018, letztes Update 25.11.2025
Inhaltsverzeichnis
2025: Bei der SRG geht’s ans Eingemachte – und «20 Minuten» streicht die Printausgabe sowie 80 Stellen
2024: Massenentlassung bei Tamedia – und auch andere Verlage reduzieren ihre Druckkapazitäten
2023: Die Grosskonzerne CH Media und Tamedia senken die Kosten
2022: Das Stimmvolk lehnt einen Ausbau der Medienförderung ab
2021: Bei Tamedia und SRG kommt es zu Einsparungen und Entlassungen
2020: Corona trifft die Verlage hart, die Konsequenzen sind nachhaltig
2010er-Jahre: Blocher steigt ins Mediengeschäft ein, bei SDA und SRG wird gespart – und Tamedia siegt
2000er-Jahre: Die Gratiszeitungen beschleunigen den Konzentrationsprozess, grosse Gewinnerin ist Tamedia
1990er-Jahre: Erste Grossfusionen in Luzern und in der Zentral- und Ostschweiz führen zu Monopolzeitungen
2025: Bei der SRG geht’s ans Eingemachte – und «20 Minuten» streicht die Printausgabe sowie 80 Stellen
Ende November konkretisiert die SRG die seit langem kursierenden Abbaupläne: Bis 2029 will sie 900 ihrer 5600 Vollzeitstellen abbauen, um so rund 270 Millionen Franken einzusparen. Dies sei notwendig, weil der Bundesrat die Radio- und Fernsehgebühren reduziert habe, die kommerziellen Einnahmen zurückgingen und die Betriebskosten teuerungsbedingt stiegen, heisst es in einer Mitteilung. Weitere «Veränderungen und Abstriche im Programm» seien unausweichlich, sagt Generaldirektorin Susanne Wille. Bei der Pendlerzeitung «20 Minuten» endet derweil eine Ära: Ab Anfang 2026 konzentriert sich das zur TX Group gehörende Unternehmen auf Onlinejournalismus, die gedruckte Ausgabe wird eingestellt. Zudem legt es die Redaktionen in der Deutsch- und Westschweiz zusammen und löst mehrere Regionalbüros auf. Auf einen Schlag gehen 80 Vollzeitstellen verloren.
24. November 2025: Noch bevor die Stimmbevölkerung Anfang März 2026 über die Halbierungsinitiative abstimmt, schafft die SRG Tatsachen. Bis ins Jahr 2029 baue man 900 Vollzeitstellen ab, schreibt das gebührenfinanzierte Medienhaus in einer Mitteilung. Damit konkretisiert es die von Generaldirektorin Susanne Wille ein Jahr zuvor angekündigte Transformation. Von der Sparkur dürften somit insgesamt weit über tausend Mitarbeiter betroffen sein – nie zuvor mussten in der Schweiz innerhalb eines Unternehmens so viele Medienschaffende um ihren Job bangen. Dabei ist der Unmut in der Belegschaft schon jetzt gross. Bereits im Gang ist gemäss SRG-Mitteilung der Abbau von etwa einem Drittel der 900 Vollzeitstellen, nun sollen 600 weitere dazukommen. Wille hofft, «gut die Hälfte aller Stellen» via natürliche Fluktuation abbauen zu können. Entlassungen seien jedoch unausweichlich. Dies werden auch die Zuschauerinnen und Zuhörer spüren, wie Wille sagt. «Bei einem derart hohen Sparbetrag, wie er uns von der Politik vorgeschrieben wird, ist es nicht zu vermeiden, dass er sich auch auf das Angebot auswirkt.» Noch viel schlimmer komme es, sollte die Halbierungsinitiative angenommen werden. Diese sei so radikal, dass sie laut Wille das Ende des heutigen medialen Service public bedeuten würde. Mit der Halbierungsinitiative würden bei der SRG rund 800 Millionen Franken wegfallen.
29. Oktober 2025: Im Zuge einer Reorganisation der Video- und Audiobereiche von Ringier Medien Schweiz werden 10 Mitarbeitende entlassen.
14. Oktober 2025: Die kostenlose Tessiner Sonntagszeitung «La Domenica» wird zur Wochenendbeilage der Tageszeitung «Corriere del Ticino» umfunktioniert. «La Domenica» war erst im Sommer 2021 als Nachfolgeprodukt für die renommierte Gratiszeitung «il Caffé» gegründet worden, doch seien die Einnahmen aus dem Werbemarkt «kontinuierlich gesunken», wie ein Verantwortlicher des Verlags sagt. Deshalb sei «die Wirtschaftlichkeit der Zeitung bei weitem nicht mehr gewährleistet» gewesen. Die Mitarbeitenden der Redaktion werden vom «Corriere del Ticino» übernommen, den Verträgerinnen wird gekündigt.
5. September 2025: Das Magazin «Annabelle» reduziert den Publikationsrhythmus. Die Zeitschrift erscheint neu statt 16 Mal lediglich noch 12 Mal pro Jahr. Im Zuge dieser Neuaufstellung werden 2 der 24 Angestellten der Redaktion entlassen.
21. August 2025: Die «Obersee Nachrichten» werden eingestellt. Mit der Rapperswiler Wochenzeitung wurden die Bewohner der Regionen March-Höfe und See-Gaster seit 1981 kostenlos über das Geschehen in der regionalen Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Sport informiert, zuletzt erschien sie in einer Auflage von 43’000 Exemplaren. Gegründet hatte die «Obersee Nachrichten» der umtriebige Unternehmer Bruno Hug. 1999 verkaufte er sie an Somedia, blieb aber noch zwei Jahrzehnte lang Verleger. 2022 reichte Somedia das Blatt an den Glarner Verlag Fridolin Druck und Medien weiter.
24. Juli 2025: Die lokale Gratiszeitung «Küsnachter» erscheint – nach 40 Jahren – zum letzten Mal. Die Einstellung erfolgt, nachdem die Herausgeberin Lokalinfo AG den Auftrag, der Zürichsee-Gemeinde als amtliches Publikationsorgan zu dienen, an einen Verlag aus dem Nachbardorf verlor. Zudem machten dem «Küsnachter» sinkende Werbeerlöse und steigende Kosten zu schaffen.
14. Juli 2025: Die Westschweizer Zeitung «La Région» ist zahlungsunfähig, 19 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle. Die im Jahr 2007 in Yverdon-les-Bains gegründete Zeitung wurde zuletzt an vier Tagen pro Woche an rund 3500 Abonnenten verteilt, jeweils donnerstags wurde eine Grossauflage von etwa 46’000 Exemplaren an sämtliche Haushalte des Einzugsgebiets geliefert. Als Grund für die finanziellen Probleme führte der Verwaltungsrat unter anderem an, dass «La Région» Anfang Jahr 50’000 Franken aus der Presseförderung verloren hatte.
1. Juli 2025: Erneut gibt das Schweizer Radio und Fernsehen SRF Sparmassnahmen bekannt: 66 Vollzeitstellen werden abgebaut, das Budget wird um 12 Millionen Franken gekürzt. Dieses Mal soll man dem Programm den Abbau nicht anmerken: Gespart werde unter anderem beim Immobilienunterhalt und durch die Stilllegung einzelner Studios, heisst es. Auch in der Romandie wird der Rotstift angesetzt: RTS streicht bis 2026 rund 70 Stellen und will so 16,5 Millionen Franken sparen. Zudem führt das von Generaldirektorin Susanne Wille angestossene Transformationsprojekt «Enavant SRG SSR» zu einer konzernweiten Neuorganisation: Die bisher dezentralen Funktionsbereiche HR, Finanzen und Technologie werden künftig SRG-weit gemeinsam geführt.
27. Juni 2025: Die beiden Radiostationen Energy St. Gallen und Energy Luzern stellen ihren Sendebetrieb per Ende Jahr ein, wie die Energy-Gruppe in einer Medienmitteilung schreibt. Die Konzentration gelte fortan jenen drei Stationen, die aus Zürich, Bern und Basel senden. Von der Schliessung sind 10 Mitarbeitende betroffen: 5 Personen sollen in neuen Funktionen weiterbeschäftigt werden, für 5 Mitarbeitende endet das Arbeitsverhältnis.
17. Juni 2025: «20 Minuten» gibt bekannt, die gedruckte tägliche Ausgabe per Ende Jahr einzustellen. Der Schritt erfolge «aufgrund der sich rasch wandelnden Mediennutzung und sinkender Erträge im Printgeschäft», schreibt das Tochterunternehmen der TX Group in einer Medienmitteilung. Dafür werde nun in «innovative kommerzielle Angebote» sowie in Anwendungen der künstlichen Intelligenz investiert. Die bisher separat geführten Redaktionen in der Deutsch- und Westschweiz führt «20 Minuten» zu einer nationalen Redaktion zusammen, die in Lausanne, Bern und Zürich präsent ist. Aus den Städten Basel, Genf, Luzern und St. Gallen, wo es bisher Regionalbüros gab, zieht sich die Redaktion zurück. Neben dem deutschsprachigen «20 Minuten» und dem französischen «20 minutes» verschwindet auch die Tessiner Tageszeitung «20 minuti», die von einem Joint Venture herausgegeben wird, an dem die TX Group beteiligt ist. Mit dem Tod der Pendlerzeitungen endet eine Ära. Der norwegische Medienkonzern Schibsted lancierte «20 Minuten» in der Schweiz im Dezember 1999 – und setzte damit einen Trend: Vorübergehend erschienen mit «Metropol», «.ch», «News» und «heute» (später «Blick am Abend») etliche weitere Gratisblätter, die sich an eine ähnliche Zielgruppe richteten. Ab 2003 war der später zu TX Group umbenannte Tamedia-Verlag an «20 Minuten» beteiligt, 2005 übernahm er es ganz. In den letzten Jahren sank die Reichweite der Printausgaben markant, und so entschied sich die Leitung schon im Oktober 2023 zum Abbau von rund drei Dutzend Vollzeitstellen.
12. Juni 2025: Am Tag, an dem der Nationalrat die Nein-Parole zur Halbierungsinitiative beschliesst, gibt das Tessiner Radio und Fernsehen RSI einen weiteren Abbau bekannt. Es streicht 37 Vollzeitstellen, weil bis 2026 zusätzliche 7 Millionen Franken eingespart werden müssten, wie es in einer Mitteilung heisst. Schon im September 2024 hatte RSI 15 Vollzeitstellen abgebaut und 5 Millionen Franken gespart. Die Einschnitte sind Teil eines SRG-weiten «Transformationsprozesses».
26. Mai 2025: Das bis anhin national ausgerichtete Unternehmen Nau Media AG übernimmt die lokale Wochenzeitung «Bärnerbär». Diese hatte einst zu Tamedia gehört, war aber seit 2017 unabhängig gewesen. Die Redaktionen des «Bärnerbärs» und des Onlineportals Nau.ch bleiben voneinander unabhängig.
10. April 2025: Der Freiburger Verlag St-Paul Médias, der unter anderem die Tageszeitung «La Liberté» und die dreimal wöchentlich erscheinende Zeitung «La Gruyère» herausgibt, entlässt 20 Mitarbeitende, die sich 5,8 Vollzeitstellen teilten. Zudem gibt er bekannt, auf Anfang 2026 die regionale Wochenzeitung «Le Messager» einzustellen, die sich dem Geschehen im Vivisbachbezirk widmete. Bereits im Dezember 2023 hatte der Verlag fünf Stellen streichen müssen. St-Paul Médias ist in der Schweizer Medienlandschaft ein Spezialfall: Von 1873 bis 2014 war die katholische Ordensgemeinschaft der Paulusschwestern Alleinaktionärin, seither sind auch die Freiburger Kantonalbank und das halbstaatliche Energieunternehmen Groupe E beteiligt. In einem Republik-Interview lobte Publizist Roger de Weck das Modell im Herbst 2024 als vorbildlich.
31. März 2025: Weil Radio Top keine eigenen Nachrichten mehr produziert, sondern diese vom Grossverlag CH Media bezieht, kann Personal eingespart werden. Der Winterthurer Sender spricht zwei Entlassungen aus. «Die News sind heute kein Grund mehr, Radio zu hören», kommentiert der Geschäftsführer der Top-Medien. Deshalb werde in jenem Bereich gespart, der dem Publikum am wenigsten wichtig sei. «Ich weiss, dass diese Entscheidung gerade bei Journalisten wenig Freude auslöst.»
21. März 2025: Die Westschweizer Privatradio-Gruppe Media One, zu der unter anderem die Sender Radio Lac, One FM und Rouge FM gehören, entlässt circa zehn Mitarbeitende, darunter drei Journalisten in Lausanne und Genf. Die Sparmassnahme sei wegen sinkender Werbeeinnahmen unumgänglich, sagt der Direktor von Media One und klagt: «Ohne öffentliche Unterstützung wird es immer schwieriger, Informationen auf unseren regionalen Radiosendern zu produzieren.» 2018 hatte sich die Privatradio-Gruppe von vier Mitarbeitern getrennt, im Jahr 2023 hatte sie drei Journalisten in Genf entlassen.
26. Februar 2025: Bei der Tessiner Tageszeitung «La Regione», die bis dahin 30 Mitarbeitende beschäftigt, werden 5,5 Vollzeitstellen gestrichen. Begründet wird der Abbau von den Verantwortlichen der hinter dem «Corriere del Ticino» zweitgrössten Zeitung des Kantons mit einem drastischen Rückgang der Werbeeinnahmen.
5. Februar 2025: Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF, das bereits im September und November 2024 einschneidende Sparmassnahmen verkündet hat, nimmt weitere Kürzungen an seinem Programm vor. Im TV-Bereich streicht es unter anderem die TV-Gesellschaftssendung «G&G – Gesichter und Geschichten», die bis 2021 «Glanz & Gloria» geheissen hatte. Das Radio stellt unter anderem das Wirtschaftsmagazin «Trend», die Kultursendungen «Kontext» und «Passage» sowie das «Wissenschaftsmagazin» ein. Generell würden «längere Wortinhalte durch kürzere Beiträge ersetzt», heisst es in einer Mitteilung. Die Massnahmen werden von verschiedenen Exponenten scharf kritisiert, so etwa vom ehemaligen Medienminister Moritz Leuenberger und der Satirikerin Patti Basler oder von Medienwissenschaftler Mark Eisenegger. Für Empörung sorgt zudem, dass SRF mehrere Mitarbeitende dazu anhält, kritische Social-Media-Posts zu löschen – mit Verweis auf seine Publizistischen Leitlinien und der Begründung, Kritik am Arbeitgeber solle intern angebracht werden. Insgesamt baut das Unternehmen mit den nun kommunizierten Massnahmen bis Ende Jahr rund 50 Vollzeitstellen ab, bis Ende 2026 spart es damit knapp 8 Millionen Franken. Bereits zu Jahresbeginn hatte SRF Ärger auf sich gezogen, als es den erfolgreichen Podcast «Zivadiliring» aus dem Programm nahm.
30. Januar 2025: Der Grossverlag CH Media übernimmt das im Jahr 1873 gegründete, bisher eigenständige «Zofinger Tagblatt». Die meisten der rund dreissig Mitarbeitenden werden übernommen, es kommt jedoch zu vier Kündigungen. Neben der Tageszeitung werden ab Anfang Mai auch die beiden wöchentlich erscheinenden Gratiszeitungen «Wiggertaler» und «Der Landanzeiger» von CH Media herausgegeben. Mit diesem Schritt ist die Medienkonzentration im Mittelland so gut wie abgeschlossen: Der Verlag der Familie Wanner hat kaum noch Konkurrenz.
2024: Massenentlassung bei Tamedia, Personalabbau bei der SRG – und ein Rückgang der Druckkapazitäten
Ringier baut Dutzende Stellen ab, nachdem sich der deutsche Verlag Axel Springer wenige Monate zuvor aus dem gemeinsamen Joint Venture zurückgezogen hat. Hiobsbotschaften gibt es auch aus dem Druckereigeschäft: Weil die Firma Swissprinters, die den Verlagen Ringier und NZZ gehört, den Betrieb einstellt, fallen 144 Arbeitsplätze weg. Noch drastischer spart Tamedia: Bis Ende 2026 will der grösste private Medienkonzern des Landes zwei seiner drei Druckereien stilllegen, wodurch 200 Vollzeitstellen verloren gehen. Zudem streicht Tamedia – je nach Lesart – zwischen 55 und 90 Redaktionsstellen. Auch die SRG-Sender SRF, RTS und RSI bauen Personal ab. Und CH Media stellt seine sechs «Today»-Plattformen ein.
29. Dezember 2024: Das «SonntagsBlick-Magazin», das 1969 gegründet worden und seit 1996 als eigenständiges Heft erschienen ist, liegt der Sonntagszeitung aus dem Hause Ringier zum letzten Mal bei. Wie schon früher bekannt geworden ist, gehen zwei Stellen verloren. Grund für den Abbau ist der Leserschwund beim «SonntagsBlick»: Innert eines Jahres hat die gedruckte Ausgabe 14 Prozent ihrer Leserinnen verloren.
12. November 2024: CH Media nimmt die Online-Plattformen «FM1 Today», «Argovia Today», «Bärn Today», «Pilatus Today», «Züri Today» und «32 Today» vom Netz und spricht 34 Kündigungen aus. Der Verlag begründet das sofortige Aus mit mangelnder Wirtschaftlichkeit und fehlender Perspektive. Der drastische Schritt löst lautstarke Kritik aus: Eine entlassene Redaktorin sagt, die Geschäftsleitung habe «sehr emotions- und teilnahmslos» informiert; rund 170 CH-Media-Mitarbeiter monieren in einem Protestbrief, die Führung habe im Widerspruch zu Unternehmenswerten gehandelt, die kurz vorher in einem Imagefilm präsentiert worden seien; und die Gewerkschaft Syndicom zeigt sich «erschüttert» und «irritiert», weil CH Media auf eine echte Konsultation der Belegschaft verzichtet hatte.
4. November 2024: Die neue SRG-Generaldirektorin Susanne Wille gibt bekannt, ihr Unternehmen müsse bis 2029 rund 270 Millionen Franken einsparen, was einer Budgetreduktion von etwa 17 Prozent entspreche. Auf Arbeitsplätze umgerechnet wären das rund tausend Vollzeitstellen. Als erste Massnahme kommt es bei SRF zu einer «Angebotsfokussierung» im Bereich «Gesellschaft & Kultur». Konkret bedeutet das, dass «wirkungsschwache» Audioformate eingestampft werden, wozu auch die einstige Kultur-Flaggschiff «Kontext» zählt, die seit 2021 allerdings bloss noch als Podcast ausgestrahlt wurde. Noch mehr Gewicht erhalten dafür jegliche Sendungen mit Moderatorin Mona Vetsch. Rund fünfzig Redaktorinnen und Redaktoren unterzeichnen ein Protestschreiben.
24. Oktober 2024: Die Nachrichtenagentur Keystone-SDA führt ihren Sparkurs fort. Sie streicht im Regionaldienst und am Bilddesk je eine Stelle, zwei Personen werden entlassen. Generell prüft die Agentur gemäss dem Branchendienst «Persoenlich.com» bei Vakanzen stets, ob Stellen nicht mehr oder nur teilweise neu besetzt werden können, wodurch in den letzten Jahren eine nicht näher bezifferte Anzahl Arbeitsplätze abgebaut worden sei. Mehrmals seien günstigere Stagiaires angestellt worden statt ausgebildete Journalistinnen. Hanspeter Kellermüller, CEO des Unternehmens, begründet den Sparkurs mit dem generellen Umsatzrückgang aufgrund des Strukturwandels im Medienbereich.
23. September 2024: Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) gibt bekannt, innert weniger Monate 75 Stellen abzubauen. Gespart wird auch beim Programm. Die wichtigsten Neuerungen: Ab Sommer 2025 werden die «Tagesschau»-Ausgaben am Mittag und um 18 Uhr durch moderierte Newsflashs ersetzt, am Wochenende entfällt die Mittagsausgabe. Das Angebot der Regionaljournale im Radio wird am Wochenende «punktuell reduziert», und etliche Onlineformate wie etwa das beliebte feministische «We, Myself & Why» werden eingestellt. Zudem soll bis 2026 eine gemeinsame, multimediale Chefredaktion geschaffen werden, die die Trennung in Video und Audio/Digital ablöst – ein Schritt, den SRF-Direktorin Nathalie Wappler vor wenigen Jahren noch kategorisch ausgeschlossen hatte. Auch das Westschweizer Radio und Fernsehen RTS und das Tessiner Radio und Fernsehen RSI geben den Abbau von Stellen bekannt: Bei RTS fallen 55 Stellen (respektive deren 46) weg, bei RSI 15 Stellen. Begründet werden die Massnahmen mit einem Rückgang der Werbeeinnahmen sowie der Tatsache, dass der SRG-Anteil an den Serafe-Gebühren nicht an die Teuerung angepasst wird. Dadurch müssten gesamtschweizerisch 50 Millionen Franken gespart werden.
18. September 2024: Christoph Blocher übernimmt per Anfang 2025 die vier Quartierzeitungen «Zürich 2», «Zürich West», «Zürich Nord» und «Züriberg» – und stellt sie ein respektive lässt sie im «Tagblatt der Stadt Zürich» aufgehen, das ihm seit 2018 gehört. Ob es zu einem Personalabbau kommt, ist noch unklar. Grund für die Zusammenlegung seien die hohen Verteilkosten, sagt Blocher. «Zeitungsmachen ist ein hartes Business geworden.» Die vier Quartierzeitungen waren im Besitz von Autoimporteur Walter Frey, der einst ebenfalls für die SVP im Nationalrat politisiert hatte.
17. September 2024: Drei Wochen nach der Verkündung der grössten Massenentlassung in der Schweizer Mediengeschichte gibt Tamedia erste Details des Sparprogramms bekannt. Der «Züritipp» wird eingestellt, das Westschweizer Magazin «Femina» erscheint neu einmal pro Monat statt einmal pro Woche. Zudem teilt Tamedia mit, dass wegen interner Wechsel und von Mitarbeitern eingereichter Kündigungen nun lediglich 55 Vollzeitstellen von Personalmassnahmen betroffen seien statt wie ursprünglich kommuniziert deren 90. In der Deutschschweiz sollen 30 Stellen abgebaut werden, in der Westschweiz 25. «Mit der neuen Organisation reduzieren wir die Komplexität in den Redaktionen und ändern die Prozesse und Strukturen in den Newsrooms, um uns besser und agiler in der sich sehr dynamisch verändernden Medienwelt aufzustellen», wird Simon Bärtschi, publizistischer Leiter bei Tamedia, zitiert. «Den Wandel werden wir mit grösster Sorgfalt begleiten.» Zwei Monate später gibt Tamedia bekannt, die nun noch bestehenden Arbeitsplätze bis mindestens September 2026 zu erhalten – bis dahin seien Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen ausgeschlossen.
2. September 2024: Die Online-Plattform «Die Ostschweiz» wird eingestellt, drei Mitarbeiter werden entlassen. Der Verwaltungsrat der Ostschweizer Medien AG begründet den drastischen Schritt mit dem starken Rückgang im Werbemarkt, der sich im Onlinebereich besonders stark ausgewirkt und 2024 nochmals akzentuiert habe. Es sei offenkundig, dass «sich die digitalen Medien weder auf lokaler, regionaler noch auch nationaler Ebene kommerziell rechnen».
27. August 2024: Tamedia streicht fast ein Viertel ihrer Arbeitsplätze. 290 von 1225 Vollzeitstellen fallen weg – 200 im Druckereibereich, 90 auf den Redaktionen in der Deutsch- und in der Westschweiz. Es handelt sich um die grösste Massenentlassung in der Schweizer Mediengeschichte. Der Entscheid löst vor allem in der Romandie Wut und Empörung aus, wo man sich von der Tamedia-Führungsspitze in Zürich seit längerem schlecht behandelt fühlt. Doch auch in der Deutschschweizer Leserschaft dominiert Unverständnis, vor allem auch über die schönfärberische Kommunikation des radikalen Sparprogramms.
27. Juni 2024: Das Schweizer Radio und Fernsehen teilt mit, es werde bis Anfang 2025 rund 70 Vollzeitstellen abbauen. Damit will Direktorin Nathalie Wappler einerseits ein ausgeglichenes Budget sicherstellen und andererseits Geld freischaufeln, um den digitalen Wandel voranzutreiben. Nötig sei der Personalabbau wegen weiter rückläufiger kommerzieller Einnahmen und der Teuerung. Nichts zu tun habe er mit einem Entscheid, den der Bundesrat wenige Tage zuvor gefällt hat: Trotz lautstarker Kritik in der Vernehmlassung will die Landesregierung an ihrem Plan festhalten, die Radio- und Fernsehabgabe bis 2029 auf jährlich 300 Franken zu senken und rund 80 Prozent der mehrwertsteuerpflichtigen Unternehmen ab 2027 von der Abgabe zu befreien. Somit steht dem öffentlichen Medienhaus so oder so eine weitere grosse Sparübung bevor – selbst dann, wenn die SVP-Halbierungsinitiative an der Urne abgelehnt werden sollte. Diese fordert eine Gebührenreduktion auf 200 Franken.
24. Mai 2024: Das Freiburger Lokalradio Radio Kaiseregg gibt bekannt, per Ende August seinen Sendebetrieb einzustellen. Die Schwierigkeiten hätten sich bereits zu Beginn der Pandemie abgezeichnet, sagt der Präsident des Radiosenders, bei dem sich alle Mitarbeitenden ehrenamtlich engagierten. Es hätten keine Gäste mehr ins Studio eingeladen werden können, zudem seien die Werbeeinnahmen zurückgegangen.
20. Februar 2024: Die Westschweizer Mediengruppe ESH Médias streicht 27 von 340 Stellen. Sechs Entlassungen betreffen die Redaktionen der Gruppe, die die Zeitungen «Arcinfo», «Le Nouvelliste», «La Côte», «Journal de Cossonay», «Journal de Sierre» und «Gazette de Martigny» herausgibt. Das Unternehmen begründet den Abbau insbesondere mit dem rückläufigen Werbemarkt für die Printmedien. ESH Médias wurde Anfang der Nullerjahre vom französischen Medienunternehmer Philippe Hersant gegründet.
25. Januar 2024: Der Medienverlag CH Media stellt das Erscheinen der Wochenzeitungen «Anzeiger Luzern» und «Stadtanzeiger Olten» ein, die bis anhin als Amtsblätter der jeweiligen Stadt gedient haben. Damit bricht CH Media bezüglich Luzern ein nur gerade vier Monate zuvor abgegebenes Versprechen: Damals hatte der Verlag nach einem Zeitungstausch mit der Swiss Regiomedia AG von Christoph Blocher angekündigt, den «Anzeiger Luzern» fortzuführen. Entsprechend schockiert reagiert der Luzerner Stadtpräsident. «Dass CH Media nach der Übernahme der Luzerner Rundschau dem Stadtanzeiger nicht mehr Zeit für eine positive Entwicklung gegeben hat, enttäuscht uns sehr», lässt sich Beat Züsli in einer Mitteilung zitieren. CH Media begründet den Entscheid mit ungenügender Wirtschaftlichkeit. 3 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle.
22. Januar 2024: Roger Schawinskis Radio 1 produziert keine eigenen Nachrichten mehr, sondern bezieht diese neu von CH Media. Dies hat zur Folge, dass 6 Fest- und Teilzeitangestellte ihren Job verlieren. Somit spielt CH Media seine Radionachrichten nun bei 16 privaten Stationen aus: 12 davon gehören zum eigenen Verlag, 4 sind in Fremdbesitz.
15. Januar 2024: Die Druckerei Swissprinters in Zofingen – eine Tochtergesellschaft der Medienunternehmen Ringier und NZZ – gibt bekannt, den Betrieb Ende September einzustellen. Begründet wird die Schliessung mit einer rückläufigen Nachfrage nach Druckprodukten, dem Verlust wichtiger Aufträge sowie anhaltend hohen Papier- und Energiepreisen. Ab Herbst 2024 wird es in der Schweiz somit nicht mehr genügend Druckkapazitäten geben, weshalb einige Zeitschriften womöglich bald im Ausland gedruckt werden müssen. In Zofingen fallen 144 Arbeitsplätze weg, 96 Mitarbeiterinnen werden entlassen.
9. Januar 2024: Als Ringier im September 2023 die volle Kontrolle über das zuvor gemeinsam mit dem deutschen Verlag Axel Springer geführte Joint Venture Ringier Axel Springer Schweiz (Rasch) übernahm, hiess es, auf einen Stellenabbau in den Redaktionen werde verzichtet. Nun zeigt sich: Das war nicht die Wahrheit. Zunächst wird kommuniziert, insgesamt würden 75 Personen ihre Stelle verlieren, nach dem Konsultationsverfahren mit der Belegschaft wird dieser Wert auf 55 reduziert. Wie eine Auflistung von «Persoenlich.com» zeigt, sind etliche Personen betroffen, die redaktionelle Inhalte erstellt oder produziert haben.
2023: Die Grosskonzerne CH Media und Tamedia senken die Kosten
Die wirtschaftliche Lage der Schweizer Medien bleibt angespannt. Das Jahr voller Hiobsbotschaften beginnt mit einem Kostensenkungsprogramm bei CH Media und endet mit einem speziell düsteren Herbst: Tamedia entlässt im September fast 50 Mitarbeitende, «20 Minuten» stellt im Oktober 35 Angestellte auf die Strasse – und CH Media verkündet im November den Abbau von 150 Vollzeitstellen (der letztlich auf 140 reduziert wird). Mit der Einstellung von «Kultz» und der «Fabrikzeitung» sowie einer Angebotsreduktion bei «Frida» wird zudem der Kulturjournalismus hart getroffen.
19. Dezember 2023: Der Freiburger Medienverlag St-Paul Médias SA, der rund 190 Personen beschäftigt, streicht 5 Stellen. Der Verlag gibt die Titel «La Liberté», «La Gruyère», «La Broye Hebdo» und «Le Messager» heraus.
13. Dezember 2023: Das Zürcher Kulturzentrum Rote Fabrik stellt die 1984 gegründete «Fabrikzeitung» ein, die zehnmal jährlich erschien und sich kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Themen widmete. Dies geht aus einem internen Schreiben hervor, aus dem der «Tages-Anzeiger» zitiert.
11. Dezember 2023: Der NZZ Verlag übernimmt «The Market», ein 2019 vom früheren Republik-Chefredaktor Mark Dittli gegründetes digitales Finanzmagazin für Investoren, vollständig. Dies schreibt die NZZ in einer Mitteilung. Bisher hatte sie 40 Prozent der Aktien besessen.
6. Dezember 2023: Das Online-Kulturmagazin «Frida» sieht sich gezwungen, sein Angebot massiv zu reduzieren. Publizistisch sei er zwar sehr zufrieden, schreibt Gründer und Co-Leiter Mathias Balzer in einer Mitteilung. «Das grosse Aber ist die finanzielle Seite: Sie präsentiert sich weit weniger erfreulich. Das Ziel, das Magazin ausschliesslich über Abos zu finanzieren, haben wir nicht erreicht.» Nach einer zweimonatigen Pause werde die Kadenz der Beiträge und Newsletter deshalb ab März 2024 stark gesenkt und auf eine regelmässige Berichterstattung zu aktuellen Ausstellungen und Bühnenprojekten verzichtet. Beibehalten werden sollen hingegen Serien, vertiefende Porträts, Interviews und Kommentare. Mehrere freischaffend tätige «Frida»-Mitarbeitende verlieren Aufträge.
1. Dezember 2023: Nach knapp sieben Jahren stellt die «Kleinstadt» ihren Betrieb ein. Die Macherinnen des Onlinemagazins für Familien schreiben in einer Mitteilung: «Für uns ist es ein absolut glückliches Ende, eine Erfolgsgeschichte. Wir sind einfach im besten Sinne fertig mit unserem Online-Magazin. Wir haben alles gemacht, was wir machen wollten.»
29. November 2023: Der Freiburger Regionalsender RadioFr. entlässt 6 von 44 Mitarbeitenden, der Abbau entspricht 4,8 Vollzeitstellen. Gemäss einer Mitteilung sind die Sparmassnahmen unumgänglich, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Genannt werden zwei Gründe: Zum einen seien die nationalen Werbeeinnahmen stark zurückgegangen, zum anderen habe sich der Freiburger Staatsrat «zweimal geweigert, auf eine Unterstützung einzugehen, obwohl die Verfassung vorsieht, dass der Staat die Zweisprachigkeit fördert». Die kantonale Regierung kontert, der Kanton könne weder Privatunternehmen noch bestimmte Tätigkeitsbereiche unterstützen.
27. November 2023: Der Basler Regionalsender Telebasel streicht 2,8 seiner 60 Vollzeitstellen, 3 Redaktorinnen verlieren den Job. «Der Einbruch bei der Werbung erfolgte unerwartet schnell», begründet André Moesch, CEO des Senders, den Abbau. «Vor allem nationale Kampagnen sind weggebrochen. Darunter leidet derzeit die ganze Regionalfernseh-Branche.»
23. November 2023: Weil Ringier bei «Blick TV» zurückbuchstabiert, werden 6 Mitarbeitende entlassen, die sich 4,5 Vollzeitstellen teilten. «Leider ist dieser Schritt alternativlos», kommentiert der Chief Digital & Distribution Officer der «Blick»-Gruppe den Abbau.
8. November 2023: CH Media streicht 150 Vollzeitstellen, was fast 10 Prozent aller Stellen entspricht. Gemäss einer Mitteilung soll es im ersten Quartal 2024 zu 90 Entlassungen kommen, der Rest sei über natürliche Fluktuation zu bewältigen. Eineinhalb Monate später wird bekannt, dass der Abbau etwas kleiner ausfällt: Dank alternativen Sparvorschlägen der Personalkommission müssen «bloss» 140 Vollzeitstellen gestrichen werden, die Anzahl Entlassungen reduziert sich auf 80. CH Media begründet den unverändert massiven Einschnitt mit einem starken Umsatzeinbruch in den Kernmärkten Entertainment und Publishing. Ein weiterer Grund dürfte sein, dass sich der Verlag 2019 beim Kauf der TV-Sendergruppe 3+ finanziell übernommen hat – bezahlt wurden damals 150 Millionen Franken, wie der damalige CEO bei einer internen Veranstaltung sagte. Seit 2020 folgen sich bei CH Media in hoher Kadenz «Effizienz- und Kostensenkungsprogramme» (siehe unten, Eintrag vom 6. Februar 2023).
7. November 2023: Das Zentralschweizer Kulturmagazin «Kultz» wird per Ende Jahr eingestellt. In einem Beitrag in eigener Sache schreibt die Redaktion, das Ende sei unvermeidlich, weil «uns die finanziellen Mittel ausgehen». Kultz war im Februar 2021 online gegangen.
25. Oktober 2023: «20 Minuten» streicht 35 Stellen, vier Fünftel davon in der Romandie. Zwar habe man die digitale Reichweite zuletzt ausbauen können und online entsprechend höhere Umsätze erzielt, heisst es in einer Mitteilung. Dieser Zugewinn könne die sinkenden Printumsätze jedoch nicht kompensieren: Insgesamt habe sich der Betriebsumsatz seit 2019 von 147 auf 115 Millionen Franken verringert. Die Gewerkschaft Syndicom und der Journalistenverband Impressum zeigten sich empört über das Ausmass der Entlassungen und wiesen darauf hin, dass «20 Minuten» nach wie vor profitabel sei. «Selbst wenn die Titel der TX-Gruppe hervorragende Zahlen schreiben, können sich die Redaktionen nie vor Personalkürzungen sicher fühlen», sagt Impressum-Präsident Edgar Bloch.
4. Oktober 2023: Bei den vom Verlag Neue Mediengesellschaft Zürich herausgegebenen Fachzeitschriften «Computerworld» und «PCtipp» wird mehr als die Hälfte der Stellen gestrichen, 9 Mitarbeitende verlieren ihren Job. «Wir werden vermehrt auf freie Journalistinnen und Journalisten setzen», sagt Verlagschef Ingo Rausch. Die Sparvorgabe komme vom deutschen Mutterhaus Ebner Media Group. Bei «Computerworld» war es schon Anfang 2023 zu einem Personalabbau gekommen.
27. September 2023: Axel Springer zieht sich aus der Schweiz zurück. Die deutsche Verlagsgruppe hielt bisher 35 Prozent der Aktien an dem 2010 mit Ringier eingegangenen Joint Venture Ringier Axel Springer Schweiz (Rasch). Nun übernimmt Ringier die volle Kontrolle über die rund 20 zum Portfolio gehörenden Magazin- und Zeitschriftentitel, darunter der «Beobachter», die «Bilanz», die «Schweizer Illustrierte» und die «Glückspost». Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Auf einen Personalabbau auf den Redaktionen soll verzichtet werden, auf Verlagsebene aber werde es «Synergien» geben. Zwei Monate später wird bekannt: Geplant ist eine Reduktion von rund 5 Prozent der Kosten.
26. September 2023: CH Media und Christoph Blochers Regiomedia-Verlag teilen den Zentralschweizer Markt für kostenlose Wochenzeitungen untereinander auf. Per Ende 2023 gehen die Verlagsrechte der «Zuger Presse» und des «Zugerbieters» an den Regiomedia-Verlag über, der diese einstellt respektive in die «Zuger Woche» integriert. Gleichzeitig übernimmt CH Media die Verlagsrechte der «Luzerner Rundschau», wobei auch diese Wochenzeitung nicht weitergeführt, sondern in den «Anzeiger Luzern» integriert wird. Mehrere Mitarbeitende verlieren ihre Stelle.
21. September 2023: Tamedia entlässt 20 Mitarbeitende in der Deutschschweiz und 28 Mitarbeitende in der Romandie. Insgesamt werden so 6 Millionen Franken gespart. In den letzten drei Jahren waren die Ausgaben der Redaktionen in den beiden Landesteilen bereits um 70 Millionen Franken gesenkt worden, was unter anderem zur Fusion der zuvor getrennten Lokalredaktionen von «Berner Zeitung» und «Bund» führte. In den nächsten Monaten sei auch bei der Redaktion der ebenfalls zum hochprofitablen Medienkonzern TX Group gehörenden «20 Minuten» mit einem Stellenabbau zu rechnen, teilt eine Sprecherin mit.
1. September 2023: Die welsche Tageszeitung «Le Temps» senkt die Kosten um 5 Prozent, was rund 1,5 Millionen Franken entspricht. Zwei Personen aus dem redaktionellen und eine aus dem kommerziellen Bereich werden entlassen. Hinzu kommen freiwillige Pensenreduktionen.
17. August 2023: Christian Keller übernimmt die tief in den roten Zahlen steckende «Kleinbasler Zeitung», die elfmal im Jahr in einer Auflage von 42’000 Exemplaren erscheint, per Anfang 2024. Keller ist Geschäftsführer des «Nebelspalters» und Besitzer des Basler Nachrichtenportals «Prime News».
12. Juli 2023: Die Ostschweizer Medien AG stellt die lokale Newsplattform «Hallowil.ch» ein. Allerdings verliert deren einzige Redaktorin ihre Stelle nicht, sondern wird für «Die Ostschweiz» weiterhin über die Region Wil berichten.
28. Juni 2023: Die ZT Medien AG gibt bekannt, die in einer Auflage von 81’000 Exemplaren erschienene kostenlose Wochenzeitung «Solothurner Woche» aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen. «Die Pandemie hat zu einem erheblichen Umsatzeinbruch geführt», wird die Leiterin des in Zofingen ansässigen Unternehmens zitiert. «Hinzu kommen der überdurchschnittliche Preisanstieg im Papierbereich sowie die gestiegenen Energiekosten.»
22. Mai 2023: Die Zeitungshaus AG von Christoph Blocher und dessen Tochter Rahel Blocher entlässt 6 ihrer 158 Mitarbeitenden. Diese hätten zentrale Stabsfunktionen ohne redaktionellen Einfluss innegehabt, beteuert der Verlag in einer Mitteilung. Die Zeitungshaus AG sowie ihr Tochterkonzern Swiss Regiomedia geben 25 Gratiszeitungen heraus, die meisten davon in der Ost- und Zentralschweiz. Am bekanntesten ist das «Tagblatt der Stadt Zürich».
18. April 2023: «Wir haben Fehler gemacht», verkündet die Republik in einem Newsletter. Eine im Sommer 2022 gewählte Wachstumsstrategie habe nicht den erhofften Effekt erzielt, weshalb die Kosten im Hinblick auf das im Juli beginnende siebte Geschäftsjahr um «mindestens eine Million Franken» gesenkt werden müssten. Konkret bedeutet das: Die Republik entlässt 8 Personen, darunter 3 in der schreibenden Redaktion. Zudem tritt der Verwaltungsrat geschlossen zurück, um «einen kompletten Neustart zu ermöglichen», wie es im Newsletter heisst.
6. Februar 2023: Der Verlag CH Media gibt bekannt, die Kosten bis Ende 2024 um 20 Millionen Franken senken zu wollen. Mit diesem «neuen Effizienz- und Kostensenkungsprogramm» reagiere man auf die steigenden Energie-, Papier- und Lohnkosten sowie auf die wegen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine wirtschaftlich allgemein unsichere Situation, heisst es in einer Medienmitteilung. Nur gerade fünf Wochen zuvor – Ende 2022 – hatte CH Media ein im Herbst 2020 verkündetes Effizienzprogramm zum Abschluss gebracht.
18. Januar 2023: Nach 7 Jahren und 24 Ausgaben stellt das unabhängige Schweizer Gesellschaftsmagazin «Ernst» seine Publikation ein. «Die Flügel der Ideen mögen uns zwar durchs Jahr tragen – aber die Finanzen halten nicht mit», heisst es in einer online veröffentlichten Stellungnahme. Das von Chefredaktor und Geschäftsführer Adrian Soller verantwortete «Ernst» war 2016 aus der «Männerzeitung» hervorgegangen.
11. Januar 2023: Die Programmzeitschrift «TV8» wird eingestellt, 5,5 Vollzeitstellen gehen verloren. Die Inhalte von «TV8» werden in das Magazin «L’illustré» integriert, das seinerseits im Mai 2020 einen Personalabbau hatte hinnehmen müssen.
2022: Das Stimmvolk lehnt einen Ausbau der Medienförderung ab
An der Urne scheitert am 13. Februar 2022 ein vom Parlament beschlossenes Massnahmenpaket, das einen starken Ausbau der indirekten Presseförderung sowie die direkte Unterstützung von Onlineportalen vorsah. Später im Jahr werden das Wissenschaftsmagazin «Higgs», das Oltner Lokalmagazin «Kolt», das Bundeshaus-Radio und die «Medienwoche» eingestellt. Besser geht es den Grossen: Im Frühjahr 2022 geben die vier Grossverlage TX Group, CH Media, Ringier und NZZ bekannt, im Vorjahr sehr hohe Gewinne erzielt zu haben – freilich vorwiegend in anderen Geschäftsfeldern als dem Journalismus.
16. Dezember 2022: Die G. Maurer AG, der bisher 50 Prozent der Berner Oberland Medien gehörten, verkauft ihre Anteile an die neue Alleineigentümerin Tamedia. Über den Preis wird Stillschweigen vereinbart. Der grösste Schweizer Medienkonzern übernimmt damit die publizistische Verantwortung für die Regionalredaktionen von «Berner Oberländer» und «Thuner Tagblatt» – für die Medienvielfalt im Kanton Bern ist der Deal, dem die Wettbewerbskommission im Mai 2023 ihren Segen erteilt, ein weiterer herber Dämpfer.
9. November 2022: Die «Medienwoche» gibt bekannt, dass sie per Ende Jahr den Betrieb einstellt, weil es nicht gelungen sei, ausreichend Einnahmen aus dem Werbe- und Lesermarkt zu generieren. Die von Chefredaktor Nick Lüthi verantwortete «Medienwoche» hatte während 12 Jahren über die Branche berichtet.
2. November 2022: Nun wird bekannt, welches Tamedia-Ressort am stärksten vom Personalabbau betroffen ist, den die Republik am 27. September vermeldet hat. Es ist das Ressort «Leben», zu dem die Bereiche Wissen, Kultur, Gesellschaft und Service gut zwei Jahre zuvor fusioniert wurden und in dem bisher rund 30 Personen arbeiteten. 4 langjährige Redaktoren werden per Ende Januar 2023 entlassen oder frühzeitig in Pension geschickt. Zugleich wird publik, dass 2 ebenfalls schon lange bei Tamedia tätige «Leben»-Redaktoren kurz zuvor von sich aus gekündigt haben. Auch im Wirtschaftsressort wird eine Stelle eingespart.
20. Oktober 2022: Das Bundeshaus-Radio stellt nach 26 Jahren seinen Betrieb ein. In seinen besten Zeiten belieferte das von Radio Zürisee betriebene Korrespondentenbüro rund 20 Stationen mit O-Tönen und Berichten aus Bundesbern. In den letzten Jahren hatten immer mehr Lokalradios ihr Abo gekündigt.
27. September 2022: An einer kurzfristig anberaumten Orientierung informiert Tamedia die eigene Belegschaft über mindestens zwanzig Entlassungen. Betroffen ist einerseits die überregionale Mantelredaktion, bei der zudem ein Teil der zahlreichen zurzeit offenen Stellen nicht neu besetzt wird; und andererseits die Produktionsabteilung (Tamedia Editorial Services), bei der in den letzten Jahren bereits mehrfach der Rotstift angesetzt wurde. In beiden Einheiten werden je rund 10 Personen entlassen. Die meisten von ihnen sollen frühpensioniert werden, womit der Staat einen Teil der für sie bis zum Rentenalter anfallenden Kosten übernähme. Mittelfristiges Ziel der Sparübung: Die Anzahl Artikel soll sinken, genauso der Umfang der gedruckten Zeitungen – denn beides senkt die Produktions-, Papier- und Energiekosten.
21. September 2022: Der bisherige Inhaber Alfons Spirig verkauft die drei Innerschweizer Radiosender Central, Sunshine und Eviva an den Grosskonzern CH Media, der Preis wird nicht genannt. Die Redaktionen bleiben eigenständig, auf einen Stellenabbau soll vorerst verzichtet werden. CH Media, das in der Region mit Radio Pilatus bereits einen Sender betreibt, hat damit neu zwölf Radiostationen im Portfolio.
3. Juli 2022: Der St. Galler Verlag Künzler Bachmann stellt die Wochenzeitung «Spick News» ein, die 10- bis 15-jährige Jugendliche seit 2019 über das Weltgeschehen informierte. Die Gründe seien «rein wirtschaftlicher Art». Das monatlich erscheinende Schülermagazin «Spick» hingegen wird weitergeführt.
16. Juni 2022: Die Personalkommission der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bricht den Kontakt zur Unternehmensleitung ab. Grund für den Streit ist ein neues Personalreglement, mit dem vor allem ältere und langjährige Angestellte ab 2023 «zu weitaus schlechteren Vertragsbedingungen arbeiten», wie die rund 200 Köpfe zählende Redaktion kritisiert. Es geht unter anderem um Einbussen beim Ferienanspruch, beim Kündigungsschutz sowie bei der Kompensation von Abend- und Wochenendeinsätzen.
3. Juni 2022: «Kolt» gibt auf. Es sei ihm und seinem Team nicht gelungen, das Oltner Lokalmagazin nachhaltig über Abonnements zu finanzieren, begründet Herausgeber Yves Stuber den Schritt, der neben ihm auch drei Festangestellte und vier auf Mandatsbasis engagierte Personen den Job kostet. Gegründet hatte Stuber «Kolt» 2009 als gedrucktes Kulturmagazin, ab Herbst 2020 konzentrierte es sich auf Lokaljournalismus. Die vorab online veröffentlichten Texte wurden alle zwei Wochen zu einem Heft gebündelt, das per Post verschickt wurde.
25. Mai 2022: Somedia stellt die Gratiszeitung «Glarner Woche» ein, die in den vergangenen 14 Jahren wöchentlich und zuletzt mit einer Auflage von mehr als 20’000 Exemplaren erschienen ist. Die Rapperswiler Gratiszeitung «Obersee Nachrichten», die Somedia an Fridolin Medien aus Schwanden verkauft, wird von der neuen Besitzerin weitergeführt.
6. Mai 2022: Tamedia baut im Druckzentrum Lausanne im grossen Stil Stellen ab: Die Hälfte der 130 Angestellten soll bleiben können, den anderen wird eine Stelle im mehr als hundert Fahrkilometer entfernten Druckzentrum Bern angeboten. «Die Tatsache, dass die Westschweiz einmal mehr bestraft wird, um die Gewinne des bereits hochprofitablen Zürcher Unternehmens zu steigern, ist mehr als bedauerlich», kritisiert die Gewerkschaft Syndicom.
28. April 2022: Nach viereinhalb Jahren stellt das Wissenschaftsmagazin «Higgs» seinen Betrieb per Ende Juli ein. Nachdem in den beiden Pandemiejahren 2020 und 2021 zahlreiche Leserinnen hatten gewonnen werden können, seien die Nutzerzahlen in den vergangenen sechs Monaten stark gesunken, heisst es in einer Mitteilung. Gleichzeitig hätten Stiftungen und Sponsoren ihre Beiträge gekürzt oder sich komplett zurückgezogen – Verluste, die auch ein im Oktober 2021 eingeführtes Membership-Modell nicht hätten kompensieren können. Sieben Arbeitsplätze von fest angestellten Mitarbeiterinnen sowie zwei Praktikumsstellen gehen verloren.
28. April 2022: In der Redaktion von «20 Minuten» kommt es zum Abbau von 1,8 Vollzeitstellen, eine im Videoteam beschäftigte Person wird entlassen. Zudem kommt es zu einer Vielzahl von Sparmassnahmen, die nicht genauer erklärt werden. Begründet werden sie mit «schlechten Perspektiven» wegen des Krieges in der Ukraine.
25. März 2022: Unmittelbar vor seinem 100. Geburtstag wird das Schweizer Agrarmagazin «Landfreund» eingestellt, das zuletzt von einem deutschen Verlag herausgegeben wurde.
2021: Bei Tamedia und SRG kommt es zu Einsparungen und Entlassungen
Weiterhin wirkt sich das Coronavirus stark auf die Medienbranche aus: Kleinere Zeitungen werden eingestellt, bei den Grösseren kommt es zu teilweise massivem Stellenabbau. So spart die SRG bei der Kulturberichterstattung und zwingt Radiomitarbeitende, statt in Bern in Zürich zu arbeiten. Und Tamedia legt die Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» zusammen, lässt die kantonale Berichterstattung von fünf Zürcher Zeitungen zentral erstellen und spart sowohl in der Produktionsabteilung als auch in der Westschweiz.
1. Dezember 2021: Zum letzten Mal wird die zu jeder vollen Stunde ausgestrahlte Nachrichtensendung im Radiostudio Bern produziert – nach 57 Jahren müssen die Mitarbeitenden von Radio SRF 4 und der Nachrichtenredaktion an den Standort Zürich Leutschenbach zügeln. Rund 70 Personen sind von dem bereits im Sommer 2018 angekündigten Umzug betroffen. Ein Grossteil von ihnen macht den Wechsel allerdings gar nicht mit: In den letzten drei Jahren ist mehr als die Hälfte der Redaktorinnen abgesprungen. «Ein einzigartiger Braindrain in der Geschichte von Radio SRF», schreibt die Gewerkschaft SSM. Immerhin: Unerwartet starker politischer Gegenwind hat dazu geführt, dass die vertiefenden Informationssendungen «Rendez-vous» und «Echo der Zeit» sowie das Regionaljournal Bern-Freiburg-Wallis in der Bundesstadt verbleiben und das Radiostudio Bern nicht komplett geschlossen wird.
17. November 2021: Die SBB stellen das Reisemagazin «Via» nach 28 Jahren per März 2022 ein. Begründet wird der Schritt mit der Pandemie, die bei den SBB zu einem drastischen Einbruch der Einnahmen führte – bereits 2020 und 2021 waren nur noch sechs Ausgaben pro Jahr erschienen statt wie zuvor zehn. Das Magazin erreichte mehr als 400’000 Leserinnen. Die SBB sind nicht das einzige Unternehmen, das bei hauseigenen Publikationen an der Grenze zwischen Journalismus und Corporate Publishing den Rotstift ansetzt: Seit Pandemiebeginn bietet die Fluggesellschaft Swiss ihr Bordmagazin nur noch digital an, ebenfalls 2020 hat die Credit Suisse ihr während 125 Jahren herausgegebenes «Bulletin» – das mit etlichen Preisen ausgezeichnete älteste Bankenmagazin der Welt – eingestellt.
27. Oktober 2021: Beim Aargauer Verlag ZT Medien, der unter anderem das «Zofinger Tagblatt» herausgibt, kommt es zu einer Massenentlassung. Bis zu 37,5 Vollzeitstellen werden abgebaut, betroffen sind rund 50 von 175 Mitarbeiterinnen aus allen Unternehmensbereichen. Der radikale Schritt sei notwendig, weil man mit dem Magazin «Tierwelt» Ende Jahr den grössten Kunden verliere, heisst es in einer Mitteilung. Wegen des Wegfalls dieses Druckauftrags sei die Rotationsmaschine viel schlechter ausgelastet, weshalb man sogar eine Schliessung in Betracht ziehen müsse.
20. Oktober 2021: Die seit Mitte September schrittweise erfolgte Fusion der zuvor voneinander unabhängigen Lokalredaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» ist endgültig vollzogen. Zuvor hatten sich die Personalkommission von Tamedia und die Geschäftsleitung des grössten Verlags auf einen Sozialplan einigen können – nach langwierigen Verhandlungen und nur dank der Vermittlung der eidgenössischen Einigungsstelle. Als Gegenprojekt zur Tamedia-Einheitsredaktion formiert sich ein neues Onlinemedium namens «Hauptstadt», das mit einem Crowdfunding bis zum 19. November mindestens tausend Abonnentinnen gewinnen will.
24. August 2021: Tamedia setzt bei seinen Deutschschweizer Produktionsabteilungen (Editorial Services) den Rotstift an. 9 Mitarbeiter erhalten die Kündigung oder müssen eine Vertragsänderung hinnehmen, zudem verzichtet der Verlag fortan ganz oder teilweise auf die Dienste von 8 freien Mitarbeiterinnen. Neu nennt Tamedia Letztere in internen Schreiben und Interviews euphemistisch «Honorarempfänger».
4. Juli 2021: Die jedes Wochenende von rund 70’000 Tessinern gelesene Gratiszeitung «Il Caffè», die für ihre investigativen Recherchen bekannt war, erscheint nach 27 Jahren zum letzten Mal. Zwar gibt es mit der vom Verlag Gruppo Corriere del Ticino herausgegebenen Wochenzeitung «La Domenica» ab Ende August ein Nachfolgeprodukt, doch erweist sich dieses rasch als journalistisch weniger anspruchsvoll.
17. Juni 2021: Die linksorientierte Westschweizer Zeitschrift «Domaine Public» wird eingestellt. 1963 als vierzehntägige Abonnementszeitschrift gegründet, erschien sie später vorübergehend wöchentlich, bevor sie ab 2007 nur noch digital veröffentlicht wurde.
3. Juni 2021: Tamedia gibt bekannt, in der Westschweiz 6,5 Vollzeitstellen abzubauen. Einen knappen Monat später einigt sich der Konzern mit den Gewerkschaften und Personalvertretungen auf einen Sozialplan und reduziert den Abbau auf fünf Vollzeitstellen. Betroffen sind die Redaktionen von «Femina», «Le Matin Dimanche» und «T» sowie der redaktionelle Dienst. Der Stellenabbau ist Teil des von der TX Group im August 2020 angekündigten Sparplans.
8. April 2021: Tamedia verkündet die definitive Zusammenlegung der Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» per Oktober 2021. Obwohl ab diesem Zeitpunkt von einer einzigen Redaktion über das Geschehen in der Stadt und im Kanton Bern berichtet werden wird, bleiben die beiden Zeitungstitel bestehen. Das Kalkül dahinter: Die Abonnentinnen sollen möglichst nicht bemerken, dass sich an «ihrer» Zeitung etwas verändert. Die neue Redaktion wird rund 70 Mitarbeiter umfassen; 20 Vollzeitstellen werden abgebaut. «In der Führungsfunktion finden fast alle bisherigen Kaderpersonen Platz», schreibt der anonyme Twitter-Account «EinheitsbreiBern». Entlassungen seien nur beim Fussvolk zu erwarten.
29. März 2021: Die Waadtländer Wochenzeitung «Journal de Moudon» wird nach 182 Jahren eingestellt. Schuld seien die Corona-Krise, ein starker Rückgang der Inserate und eine bei rund 1700 stagnierende Abonnentenzahl, so der Verleger Anthony Demierre.
10. Februar 2021: Tamedia schickt die Mitarbeiterinnen ihrer Mantelredaktionen, der «SonntagsZeitung», von «Das Magazin» und der sogenannten «Editorial Services» (Layout, Bild, Korrektorat etc.) in Kurzarbeit. Die Lokalredaktionen der zum Unternehmen gehörenden Zeitungen sind davon ausgenommen. Schon im Vorjahr hatte Tamedia monatelang Kurzarbeit ausgerufen. Für Aufruhr sorgen im grössten Verlagshaus des Landes zudem neue Leistungsvereinbarungen: Redaktorinnen erhalten bei der Mitarbeitendenbeurteilung neu Punkte, wenn sie die Anzahl der engaged minutes ihres Ressorts, ihrer Zeitung oder des gesamten Verbundes stärken. Auf Deutsch: Wenn sie dazu beitragen, dass die Leserschaft länger auf den Tamedia-Onlineplattformen verweilt.
9. Februar 2021: Das Onlinemagazin «Heidi News» macht publik, dass Tamedia in der Westschweiz im ersten Halbjahr 2021 rund 10 Stellen streichen wird. Von den Massnahmen sind die «Tribune de Genève», «24 Heures» und «Le Matin Dimanche» betroffen.
29. Januar 2021: SRF spart bei der Kulturberichterstattung. Abgebaut wird sowohl im TV- als auch im Radioprogramm, dafür lanciert der Sender eine tägliche Kulturberichterstattung bei Instagram. Während 20 Vollzeitstellen gestrichen werden – 3,6 von ihnen über Entlassungen –, werden 11 neue Stellen geschaffen. Ähnlich geht die SRG bei den Kulturradios im Tessin («Rete Due») und in der Romandie («Espace 2») vor. Gewerkschaften kritisieren den «Kahlschlag». Der Abbau ist Teil der Ende September 2020 angekündigten und Anfang Oktober konkretisierten umfangreichen Sparmassnahmen.
21. Januar 2021: Die Nachrichtenagentur Keystone-SDA wird verpflichtet, bei einem geplanten Personalabbau in der Redaktion oder einer Anpassung ihres Leistungsangebots vorgängig das Bundesamt für Kommunikation zu informieren. Im Gegenzug erhält sie seit Anfang 2021 jährlich 4 statt wie zuvor 2 Millionen Franken aus der Staatskasse. Das Bundesgeld lindert die Sorgen der Agentur, die seit Anfang Jahr auf Einnahmen von CH Media, «20 Minuten», «Walliser Bote» und auch NZZ verzichten muss, weil all diese Redaktionen ihre Abos auslaufen liessen. Trotz der erhöhten Zuwendungen vom Bund bleibt die Lage von Keystone-SDA gemäss CEO Jann Jenatsch ernst. Es sei klar, dass der Bedarf an staatlicher Unterstützung in Zukunft noch grösser werde, sagt er in einem Interview.
13. Januar 2021: Die «Freiburger Nachrichten» streichen 5,5 ihrer 47,1 Vollzeitstellen. Grund dafür sei ein Rückgang der Werbeeinnahmen um 20 Prozent seit Beginn der Pandemie, teilt die Tageszeitung mit.
12. Januar 2021: Tamedia gründet ein «Redaktionsnetzwerk Zürcher Zeitungsverbund», das ab Juni die kantonale Berichterstattung für die Tageszeitungen «Tages-Anzeiger», «Landbote», «Zürichsee-Zeitung», «Zürcher Unterländer» und «Zürcher Oberländer» übernimmt. Die Zusammenlegung stellt einen weiteren markanten Schritt in der Schweizer Medienkonzentration dar. Im besten Fall soll durch Kündigungen «nur» eine einstellige Anzahl Vollzeitstellen abgebaut werden, heisst es an einer internen Mitarbeiterinformation.
5. Januar 2021: Die Kleinbasler Zeitung «Vogel Gryff», die bis zum Beginn der Pandemie alle 14 Tage und danach einmal pro Monat erschien, stellt ihr eigenständiges Erscheinen aus wirtschaftlichen Gründen ein. Die rund 70-jährige, traditionsreiche Zeitung wird in das Monatsmagazin «Basel aktuell» integriert, das als Stadtausgabe der bestehenden Publikation «Regio aktuell» neu lanciert wird. Wie viele Kündigungen ausgesprochen würden, sei noch nicht klar, heisst es in einer Mitteilung.
2020: Corona trifft die Verlage hart, die Konsequenzen sind nachhaltig
Das Jahrzehnt beginnt mit einer Pandemie: Im Zuge der Corona-Krise brechen die Werbeerlöse ein. Mehrere Grossverlage reagieren mit der Einführung von Kurzarbeit – und schütten gleichzeitig hohe Dividenden an ihre Aktionäre aus. Mehreren kleineren Verlagen hilft auch Kurzarbeit nichts mehr: Sie gehen in Konkurs oder müssen einen Teil der Redaktion entlassen. Unter anderen werden CNN Money Switzerland, das Mode- und Lifestyle-Magazin «Style» und «Le Régional» eingestellt.
17. Dezember 2020: Der «Walliser Bote» gibt bekannt, überregionale Artikel ab Anfang 2021 nicht mehr von Keystone-SDA, sondern von der Zentralredaktion von CH Media zu beziehen. Innert weniger Tage hat die Nachrichtenagentur damit die zweite Abokündigung zu verkraften: Auch das Gratismedium «20 Minuten» steigt aus. Dessen Chefredaktion will die Agenturberichte und -bilder mit selbst produzierten Inhalten ersetzen: So soll jede Redaktorin mindestens drei Handyfotos pro Woche ins interne Bildarchiv hochladen. In einer E-Mail kombiniert die Chefredaktion die Aufforderung mit einer unverhohlenen Drohung: «Und ja, wir können nachschauen, wer das tut und wer nicht.»
4. Dezember 2020: Die Bieler Mediengruppe Gassmann, zu der unter anderem das «Bieler Tagblatt», das «Journal du Jura» und das Lokalradio Canal 3 gehören, wird an den Walliser Modeunternehmer Fredy Bayard verkauft. Bayard gibt seit drei Jahren als Inhaber der Mengis-Gruppe den «Walliser Boten» heraus und erhält den Vorzug vor Konkurrenten wie etwa der TX Group, die sich in den letzten Jahren wiederholt für die Gassmann-Gruppe interessiert hat. Ein Stellenabbau ist nicht vorgesehen.
3. Dezember 2020: Gemeinsam mit mehr als 60 Investoren gründet der ehemalige «Basler Zeitung»-Chefredaktor Markus Somm eine Firma namens Klarsicht AG und übernimmt die Satirezeitschrift «Nebelspalter». Während die Printausgabe des fast 150 Jahre alten Blatts vorerst nicht verändert werden soll, will Somm den Onlineauftritt neu konzipieren und Satire-Formate und Cartoons mit Recherchen und Kommentaren kombinieren. Verwaltungsratspräsident der Klarsicht AG wird der ehemalige Privatbankier und NZZ-Präsident Konrad Hummler.
3. November 2020: Die vom früheren Genfer FDP-Staatsrat François Longchamp präsidierte Stiftung Aventinus kauft die Westschweizer Zeitung «Le Temps» von Ringier Axel Springer. Die Redaktion zieht von Lausanne nach Genf, auf einen Personalabbau will die neue Besitzerin verzichten. Hinter Aventinus steht unter anderem die finanzstarke Stiftung Hans Wilsdorf, die Eigentümerin von Rolex. Gleichentags gibt Aventinus bekannt, das im Mai 2019 gestartete Onlineportal «Heidi News» zu übernehmen, das rund 5500 Abonnenten zählt.
28. Oktober 2020: Die Redaktionen der beiden Tageszeitungen «Der Bund» und «Berner Zeitung» sollen per April 2021 zusammengelegt werden. Das verkünden die beiden Tamedia-Geschäftsführer Marco Boselli und Andreas Schaffner an einer internen Informationsveranstaltung. Es kommt zu einem Personalabbau in noch unbestimmter Höhe. Für Bestürzung in den Redaktionen sorgt unter anderem Bosellis Rat an das Kulturressort des «Bundes», künftig mehr über Netflixserien zu berichten. Artikel über Opern brächten zu wenig Klicks.
20. Oktober 2020: Tamedia entlässt acht Sportredaktoren, was etwa einem Viertel des Ressorts entspricht. Begründet werden die Kündigungen mit der Ablösung von «20 Minuten»: Während die für die Bezahlzeitungen der TX Group tätigen Journalisten künftig hochwertige Inhalte produzieren sollen, für die die Leserschaft zu zahlen bereit ist, konzentriere sich die Sportredaktion des Gratisblatts im Onlinebereich fortan auf Bewegtbilder, Podcasts und Social Media. Gleichzeitig beendet die Tamedia-Sportredaktion die Zusammenarbeit mit rund der Hälfte der zwei Dutzend regelmässig für sie tätigen Freelancern.
7. Oktober 2020: Die SRG spart nicht nur in der Deutschschweiz, sondern in allen Landesregionen: Das Westschweizer Fernsehen RTS streicht bis 2024 zwischen 50 und 65 von insgesamt 1518 Vollzeitstellen und senkt die Kosten so um 15 Millionen Franken; das Tessiner Radio und Fernsehen RSI spart in den nächsten vier Jahren 46 von 1039 Vollzeitstellen und 8 Millionen Franken; beim rätoromanischen Radio und Fernsehen RTR sind es rund 1,5 Millionen Franken sowie zehn Vollzeitstellen.
29. September 2020: Die SRG verkündet, in den Jahren 2021 bis 2024 einen Sparplan im Umfang von 50 Millionen Franken umzusetzen. Gerechnet werde mit dem Abbau von rund 250 der aktuell insgesamt 5500 Vollzeitarbeitsplätzen, heisst es in einer Mitteilung. Entlassungen seien dabei nicht zu vermeiden. Begründet wird das Sparprogramm mit dem Werberückgang wegen Covid-19: Im Vergleich zur Vorjahresperiode habe man im ersten Halbjahr 2020 65 Millionen Franken weniger eingenommen. Gestrichen werden unter anderem die Formate «Netz Natur», «Blickpunkt Religion», «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» und «52 beste Bücher»; die Swiss Music Award, Art on Ice und Basel Tattoo werden nicht mehr übertragen.
29. September 2020: Der «Tages-Anzeiger» gibt seine (bereits seit Beginn der Corona-Krise pausierte) Fernausgabe nach 53 Jahren auf, wie das Branchenmagazin «Schweizer Journalist» berichtet. Zuletzt waren nur noch 300 Exemplare der 16-seitigen Wochenzeitung gedruckt worden, die ein Best-of der Tagi-Artikel enthielt und unter anderem auf die Insel Bora Bora geliefert wurde. 60 Prozent der Auflage waren nach Europa, 30 Prozent nach Nord- und Südamerika sowie 10 Prozent nach Asien versandt worden.
24. September 2020: Der Verlag CH Media lanciert ein neues Effizienzprogramm mit dem Ziel, bis zum Ende des übernächsten Jahres 30 Millionen Schweizer Franken einzusparen. Es kommt zu einem Stellenabbau in noch unbestimmtem Umfang. Dem «Schweizer Journalist» sagt CH-Media-Verleger Peter Wanner, coronabedingt rechne er bis Ende 2020 mit einer Einbusse von 70 Millionen Franken. «Mehr als die Hälfte davon können wir mit Einsparungen kompensieren.» Dazu gehöre ein Investitionsstopp, das Nichtbesetzen vakanter Stellen, Kurzarbeitsentschädigung, die Umfangreduktion bei allen Printerzeugnissen, der Verzicht auf die Produktion neuer TV-Formate sowie Einsparungen bei Marketing und Werbung.
14. September 2020: Die NZZ und die «NZZ am Sonntag» legen ihre Auslands- und Wirtschaftsressorts zusammen, im Zuge davon wird der langjährige NZZ-Wirtschaftschef in die neu geschaffene Position des «Chefökonomen» wegbefördert. Eine Woche später gibt der Filmredaktor des Blattes via Twitter bekannt, sein Arbeitgeber habe ihm aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt – ausgerechnet am Tag, bevor das Zurich Film Festival beginnt, welches sich seit 2016 im Besitz der NZZ befindet. Es ist nicht die einzige Entlassung an der Falkenstrasse, wie Recherchen der Republik zeigen: Gehen müssen auch ein Inlandredaktor der NZZ und eine Inlandredaktorin der «NZZ am Sonntag» sowie zwei Personen im NZZ-Wirtschaftsressort. Zudem werden freie Stellen nicht besetzt, und es kommt unter anderem in der Bildredaktion, im Feuilleton sowie im Zürich- und im Wirtschaftsressort zu unfreiwilligen Pensenreduktionen und Frühpensionierungen. «Die Zahl der Kündigungen insgesamt beträgt unter 30», sagt eine Sprecherin zur «Medienwoche».
25. August 2020: Die TX Group gibt bekannt, bei ihren Bezahlzeitungen in den nächsten drei Jahren 70 Millionen Franken sparen zu wollen – dies entspricht rund 15 Prozent der Kosten. Damit dürfte es unter anderem beim «Tages-Anzeiger», der «Basler Zeitung» und den Zürcher Landzeitungen zu einem drastischen Personalabbau kommen. Die Tamedia-Geschäftsführer Andreas Schaffner und Marco Boselli kündigten an, der Abbau werde gestaffelt über drei Jahre laufen. «Zu rechnen ist mit dem Wegfall Dutzender journalistischer Stellen.» Zudem könnte die Co-Existenz von «Berner Zeitung» und «Der Bund» gefährdet sein – auch wenn Schaffner und Boselli es als ihre Ambition bezeichnen, beide Titel im Markt zu halten: «Wir glauben, dass es in der Zusammenarbeit unserer beiden Zeitungen in Bern noch erhebliches Synergiepotenzial gibt». Die Einschnitte erfolgen, obwohl der Verkauf der digitalen Abonnemente im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 46 Prozent gesteigert werden konnte.
25. August 2020: Die zwölfköpfige Redaktion des Social-Media-Magazins «Izzy» wird aufgelöst. Man werde Gespräche über Weiterbeschäftigungen der Angestellten führen, teilt der Ringier-Verlag mit. Es komme jedoch zu Entlassungen. Ab Oktober soll ein komplett neues Team die «Izzy»-Hülle übernehmen (sprich: die reichweitenstarken Accounts auf Instagram, Facebook und Youtube) – und mit einem nicht näher ausgeführten «frischen Konzept» weiterführen.
20. August 2020: Das Schweizer Fernsehen SRF spart. Gestrichen wird unter anderem die Wirtschaftssendung «Eco» und «Sportaktuell», zudem werden künftig fast keine Filme, Dokumentationen und Serien mehr aus dem Ausland eingekauft. Statt ins lineare Programm wird ins digitale Storytelling und in Podcasts investiert: So sind auf Youtube und Instagram neue Musikkanäle geplant.
18. August 2020: CNN Money Switzerland stellt den Betrieb ein. «Der Ball liegt nun beim Konkursrichter», sagt Gründer und CEO Christophe Rasch. An den Standorten Zürich und Gland (Waadt) verlieren 25 Mitarbeiter ihren Job, darunter die prominente Wirtschaftsjournalistin Patrizia Laeri, die erst kurz zuvor von SRF gekommen ist. CNN Money Switzerland hat während zweieinhalb Jahren werktags von 18 bis 21 Uhr in englischer Sprache gesendet.
11. August 2020: Ringier Axel Springer Schweiz will bei den Publikumszeitschriften sparen und baut 35 Stellen ab. Das Mode- und Lifestyle-Magazin «Style» wird eingestellt, die Produktion des alle zwei Monate als Beilage der «Handelszeitung» und der «Bilanz» erscheinenden Mode- und Kultur-Magazins «Bolero» wird an zwei bisherige Redaktionsmitglieder ausgelagert. Zudem werden die Redaktionen von «Schweizer Illustrierte» und «SI online» verkleinert und organisatorisch zusammengeführt.
5. August 2020: Das kostenlose Wochenblatt «Rhone Zeitung», mit 42’000 Exemplaren die auflagenstärkste Zeitung des Kantons Wallis, wird definitiv eingestellt. Wegen der Corona-Krise war die seit 1998 existierende Zeitung schon seit März nicht mehr erschienen. «Allein mit Werbung lässt sich die RZ nicht mehr finanzieren», wird der Leiter des herausgebenden Verlags Mengis Media zitiert.
29. Juni 2020: «Im laufenden Jahr 2020 stehen für die Gruppe die Kosten im Vordergrund», hatte die TX Group im März bei der Präsentation des Geschäftsberichts angekündigt. Drei Monate später wird klar, was das bedeutet: Der grösste Schweizer Medienkonzern gibt bekannt, bis 2023 bei den zentralen Diensten (Corporate-, Group- sowie Technology-Services) 20 Prozent der Kosten reduzieren und damit Einsparungen in Höhe von 20 Millionen Franken erzielen zu wollen. Neben der Senkung von Sachkosten ist ein Abbau von rund 40 Stellen vorgesehen.
25. Juni 2020: Die NZZ-Mediengruppe verkündet eine sogenannte «Strategieschärfung». Gemeint sind damit eine unternehmensweite Senkung der Kosten um rund 13 Millionen Franken oder knapp 10 Prozent sowie ein Stellenabbau von etwa 5 Prozent – wobei es nur «vereinzelt» zu Entlassungen kommen soll. Nach NZZ-Angaben sind 780 Mitarbeiterinnen für das Medienhaus tätig. Der Branchenverband Impressum rechnet entsprechend mit «mehreren Dutzend» Betroffenen.
24. Juni 2020: Die Nachrichtenagentur Keystone-SDA streicht 8,8 Vollzeitstellen. Die Redaktion ist davon nicht betroffen, gespart wird stattdessen in den Bereichen PR und Corporate Production, Human Resources und IT. Zudem wird die Geschäftsleitung um einen Sitz verkleinert. Der Abbau erfolgt einen Monat nachdem der Verwaltungsrat entschieden hat, dass sich die Nachrichtenagentur in Zukunft auf ihre Kernaufgabe fokussiert.
23. Juni 2020: Tamedia informiert die Belegschaft über Kürzungen im Korrektorat. Aus Kapazitätsgründen werden ab Juli etliche Rubriken – etwa Leserbriefe, Beilagen und Veranstaltungshinweise – nicht mehr korrigiert, zudem überprüft das Korrektorat die richtige Schreibweise von Namen nicht mehr. Fehlerfreiheit gehöre zur Basis des journalistischen Handwerks, sagt eine Tamedia-Sprecherin dazu. Bereits im März wurde 2 Korrektorinnen gekündigt, in der Bildverarbeitung waren 3 Personen von einer Frühpensionierung betroffen. Grünen-Politikerin Regula Rytz protestiert via Twitter: «Das Parlament hat ein Medienunterstützungspaket beschlossen, um genau dies zu verhindern! Wir brauchen unabhängige Qualitätsmedien für die Demokratie! Wie sollen wir den Inhalten vertrauen, wenn die Fehler zunehmen?»
11. Juni 2020: SRF streicht die Onlineauftritte der einzelnen Regionalredaktionen bei srf.ch/news. Trotz grosser Bemühungen erreiche das heutige, stark auf die News-Vermittlung ausgerichtete Angebot nur geringe Zugriffszahlen, heisst es in einer Mitteilung. Publik geworden waren die Pläne schon im Herbst zuvor – und hatten damals für Kritik gesorgt. SRF betont, es handle sich bei der Abschaffung der regionalen Seiten nicht um ein Sparprogramm.
29. Mai 2020: CH Media gibt bekannt, die Ostschweizer Wochenzeitung «A» eine Woche darauf letztmals herauszugeben. «‹A› wird aufgrund rasant sinkender Umsätze im Zusammenhang mit der Corona-Krise und einem negativen Ausblick eingestellt», sagt ein Konzernsprecher. Vom Ende des Blatts nach drei Jahren sind 3 Mitarbeiter betroffen.
28. Mai 2020: Die Herausgeber der Zeitung «Der Frutigländer» verkünden, ihr Blatt Ende Juni einzustellen. Die seit 2005 zweimal wöchentlich erscheinende unabhängige Publikation sei ein Opfer der Corona-Krise geworden, der Umsatz drastisch eingebrochen. Zwei Wochen später erfolgt die Kehrtwende: «Der Frutigländer» wird doch weitergeführt.
26. Mai 2020: Das Onlineportal Nau.ch baut 3 Vollzeit- und 6 Teilzeitstellen in Redaktion und Produktion ab – damit wird auf einen Schlag ein Fünftel der Belegschaft entlassen. Wirtschaftliche Gründe infolge der Corona-Krise seien ausschlaggebend, heisst es beim Unternehmen.
24. Mai 2020: Die Herausgeber der Westschweizer Wochenpublikation «Micro» geben bekannt, sechs Tage darauf zum letzten Mal eine Ausgabe zu veröffentlichen. Die Hauptkunden der Zeitung – Cafés, Arztpraxen und Coiffeursalons – hätten besonders stark unter der Covid-19-Pandemie gelitten, begründen die Verantwortlichen. Die Veröffentlichung in Papierform hatten sie bereits ab dem 17. März ausgesetzt.
19. Mai 2020: Die traditionsreiche Westschweizer Zeitschrift «L’Illustré» streicht 8 Stellen. 4 Personen werden entlassen, 4 weitere frühpensioniert. Die Werbeumsätze der Zeitschrift hätten sich in den letzten sechs Jahren «mehr als halbiert», schreibt die Gruppe Ringier Axel Springer in einer Mitteilung.
6. Mai 2020: Ausgerechnet am Tag ihres 25-Jahr-Jubiläums sieht sich die Waadtländer Wochenzeitung «Le Régional» gezwungen, die Bilanz zu deponieren. Zwar erreicht die Redaktion mit 102’000 Lesern so viele wie nie in ihrer Geschichte, doch brechen ihr die ausbleibenden Werbeerlöse das Genick. Alle 13 Mitarbeiter werden entlassen.
März 2020: Die Corona-Krise erfasst die Schweiz mit voller Wucht. Auch die Medien werden hart getroffen: Die Werbeerlöse brechen innert kürzester Zeit in sich zusammen. Etliche Verlage melden Kurzarbeit an, als Erstes die TX Group. Für Unruhe in den eigenen Reihen und Kritik in der Politik sorgt der Umstand, dass der grösste Medienverlag des Landes, aber auch die NZZ trotz Krise üppige Dividenden an die Aktionäre ausschütten. «Ein solidarischer Dividendenverzicht der gesamten Branche hätte geholfen», kritisiert CH-Media-Chef Peter Wanner in der Republik.
24. Februar 2020: Das Zofinger Traditionsunternehmen ZT Medien stellt die beiden Gratis-Wochenzeitungen «Surentaler» und «Oberwiggertaler» aus wirtschaftlichen Gründen ein und zieht sich aus den Regionen zurück. Vier Wochen später erscheint auch der «Oberaargauer» zum letzten Mal.
30. Januar 2020: CH Media gibt bekannt, dass die Redaktion der «Appenzeller Zeitung» von Herisau nach St. Gallen zügelt, an den Hauptsitz des «St. Galler Tagblatts». Nach Obwalden ist Appenzell Ausserrhoden damit der zweite Halbkanton, der ohne eigene Berichterstatter vor Ort auskommen muss. «Wenn ich zwischen Personalabbau und Umzug entscheiden muss, dann wähle ich den Umzug», sagt der Leiter der Ausserrhoder Redaktion.
Die 2010er-Jahre: Blocher steigt ins Mediengeschäft ein, bei SDA und SRG wird gespart – und Tamedia siegt
SVP-Politiker Christoph Blocher steigt bei der «Basler Zeitung» ein und wieder aus, bevor er Chef von mehr als zwei Dutzend Gratiszeitungen wird. Die SRG übersteht zwar die No-Billag-Initiative, muss aber dennoch sparen. Bei der Nachrichtenagentur SDA kommt es zum Streik. Und während der Aufstieg von Tamedia zum mächtigsten Medienkonzern des Landes unaufhaltsam weitergeht, bündeln die AZ Medien und die NZZ Regionalmedien im Joint Venture CH Media ihre Kräfte.
26. November 2019: Journalismus verliert bei Tamedia weiter an Bedeutung. Der grösste private Medienkonzern des Landes wird zu einer holdingähnlichen Organisation mit vier weitgehend eigenständigen Unternehmen umgebaut und in TX Group umbenannt. Dies dient dem Ziel, die wenig rentablen Bezahlmedien zunächst für staatliche Medienförderung zu positionieren und in einem späteren Schritt allenfalls gar abzustossen. Die Krise des Tamedia-Journalismus manifestiert sich schon früher im Jahr, als der Verlag immer stärker auf «Native Advertising» zu setzen beginnt. Zunächst kritisiert der Schweizer Presserat den Täuschungsversuch der Leserschaft, dann verfassen 128 Redaktorinnen und Produzenten von «Tages-Anzeiger», «Bund» und «Berner Zeitung» einen Protestbrief («Nicht in unserem Namen!»). Doch Verleger Pietro Supino zeigt sich uneinsichtig.
24. Oktober 2019: Tamedia gibt bekannt, die Printausgabe des kostenlosen Lifestyle-Magazins «20 Minuten Friday» nach elf Jahren einzustellen, obwohl es immerhin 681’000 Leserinnen und Leser hat. Es kommt zu fünf Kündigungen und Pensenreduktionen. «Es ist ein Jammer», sagt Chefredaktor Gaudenz Looser in einem Interview. «Aber es ist die Konsequenz aus der wirtschaftlichen Situation. Und es ist die Konsequenz aus dem Verhalten des Werbemarktes.» Weil Inserate fehlten war «20 Minuten Friday» bereits ab Februar 2018 nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch monatlich erschienen – diese Umstellung hatte drei Mitarbeiterinnen den Job gekostet.
26. September 2019: CH Media schliesst in der Ost-, der Zentral- und der Nordwestschweiz mehrere Standorte und baut rund 15 Vollzeitstellen ab, es kommt zu Kündigungen. Aufgegeben wird unter anderem das Büro des «St. Galler Tagblatts» in Rorschach. Die Redaktionen der «Urner Zeitung», der «Obwaldner Zeitung» und der «Nidwaldner Zeitung» werden in Stans zusammengelegt. Die «Aargauer Zeitung» schliesst ihre Reporterbüros in Muri und Reinach.
30. Juni 2019: Die Ära der regionalen Sonntagspresse ist zu Ende: Die «Zentralschweiz am Sonntag», zuletzt in einer Auflage von rund 90’000 Exemplaren gedruckt, und die seit Ende 2017 nur noch als E-Paper publizierte «Ostschweiz am Sonntag» erscheinen zum letzten Mal. In den Redaktionen werden rund 10 Vollzeitstellen abgebaut, zudem verlieren in der Innerschweiz rund 330 Personen ihren Job bei der Post-Tochter Presto Vertriebs AG, bei der sie als Zusteller beschäftigt waren.
23. Mai 2019: Der «Corriere del Ticino» entlässt sieben Personen, zwei weitere werden frühpensioniert. Es ist die zweite Hiobsbotschaft in der Tessiner Zeitungslandschaft innert eines Jahres, nachdem von der Schliessung des kirchennahen «Giornale del Popolo» im Mai 2018 30 Mitarbeitende betroffen waren. Grund hierfür war der Konkurs der Werbeagentur Publicitas gewesen.
29. Januar 2019: Tamedia baut bei der Frauenzeitschrift «Annabelle» 14 Stellen ab. Künftig würden vermehrt Leistungen von externen Lieferanten und freischaffenden Journalisten bezogen, teilt der Verlag mit. Zudem werde die traditionsreiche «Annabelle» vermehrt Partnerschaften mit anderen Titeln eingehen. Am 25. September 2019 gibt Tamedia den Verkauf an den Aargauer Verlag Medienart bekannt. Alle verbliebenen Mitarbeiterinnen werden vom neuen Besitzer übernommen.
28. November 2018: Nach gut zehn Jahren ist Schluss. Ringier gibt bekannt, dass die letzte gedruckte Ausgabe des Gratisblatts «Blick am Abend» am 21. Dezember erscheinen wird. Online lebt die Marke noch für knapp zwei Jahre weiter. Mit der Einstellung des Printprodukts, von der 11 Mitarbeiterinnen betroffen sind, reagiert der Konzern auf seit Jahren sinkende Werbeeinnahmen.
15. November 2018: CH Media, das Joint Venture von AZ Medien und NZZ-Regionaltiteln, kündigt den Abbau von 200 Vollzeitstellen an. Betroffen ist der ganze Betrieb. CH Media reduziert mit dem Stellenabbau, der sich über zwei Jahre hinziehen wird, 10 Prozent ihrer Betriebskosten und beschäftigt danach noch rund 2000 Personen. Einen Monat später gibt der Konzern bekannt, die Mantelredaktion ab Mitte 2019 vollständig in Aarau anzusiedeln. Wie sich zeigen wird, besteht dieses neue, 45-köpfige Team von da an zu zwei Dritteln aus Journalisten der früheren AZ Medien, was in St. Gallen und Luzern zu lautstarker Kritik führt.
5. November 2018: Die Basler «Tageswoche» stellt ihren Betrieb ein. Die Stiftung für Medienvielfalt, die das Projekt zu grossen Teilen finanzierte, will die Defizite nicht länger decken. Gründe für die tiefroten Zahlen sind ein rückläufiger Inserateverkauf und sinkende Abozahlen. Nach sieben Jahren ist damit für knapp 30 Angestellte Schluss.
19. September 2018: Ein halbes Jahr nach der überstandenen Abstimmung über die Volksinitiative zur Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren (No-Billag-Initiative) entscheidet der SRG-Verwaltungsrat, Ende 2020 rund 170 Mitarbeiter und somit einen Grossteil der Radio-Informationsabteilung zum Umzug von Bern nach Zürich zu verdonnern. Mit der Massnahme sollen ohne Abbau von Arbeitsplätzen jährlich 5 Millionen Franken gespart werden. Politiker mehrerer Parteien gehen auf die Barrikaden: Der Medienplatz Bern drohe zum Satelliten von Zürcher Verlagshäusern und des in Zürich domizilierten SRF zu verkommen. Im Juni 2019 verkündet die neue SRF-Direktorin Nathalie Wappler, die Pläne zu überdenken – allenfalls könnten zumindest die Radiosendungen «Echo der Zeit», «Tagesgespräch» und «Rendez-vous» doch weiterhin in Bern produziert werden. Definitiv entschieden sei allerdings noch nichts.
7. Juni 2018: Tamedia stellt «Le Matin» ein, die meistgelesene Tageszeitung der Westschweiz. «Le Matin» habe in den letzten zehn Jahren insgesamt 34 Millionen Franken Verlust gemacht, so die Begründung. Betroffen sind 40 Mitarbeitende. Am 3. Juli treten die Redaktionen aller Tamedia-Publikationen in der Westschweiz in einen zwanzigstündigen Streik. Sie erreichen: nichts. Die Regierungen der Kantone Waadt und Genf versuchen zu vermitteln, doch die Mediation scheitert, weil Tamedia einseitig aussteigt. Am 21. Juli erscheint «Le Matin» zum letzten Mal.
18. April 2018: Tamedia kauft die «Basler Zeitung» von der Zeitungshaus AG um Christoph Blocher, die im Gegenzug von Tamedia das «Tagblatt der Stadt Zürich», den «Rümlanger» und den «Furttaler» übernimmt. Die «Basler Zeitung», um die auch die AZ Medien buhlte, soll nach der Übernahme sofort ins «Projekt 2020» der Tamedia integriert werden. «Allein wäre die ‹Basler Zeitung› zum Tode verurteilt», sagt Blocher. Die Wettbewerbskommission prüft die Übernahme und bewilligt sie am 10. Oktober 2018 ohne Auflagen.
22. März 2018: Die Somedia will zunächst «Südostschweiz» und «Bündner Tagblatt» fusionieren, entscheidet sich dann doch nur für eine «enge Zusammenarbeit» und streicht die «Südostschweiz»-Bundeshausredaktion.
30. Januar 2018: Die Redaktion der Nachrichtenagentur SDA tritt in einen unbefristeten Streik, nachdem ihr Geschäftsführer wenige Wochen zuvor den grössten Abbau in der Geschichte des Unternehmens bekannt gegeben hat: Drei Monate nach Bekanntwerden der Fusion mit der Fotoagentur Keystone fallen 35 bis 40 von insgesamt 150 Stellen weg; Mitarbeiter über 60 Jahre sollen pauschal entlassen werden, egal, wie gut vernetzt sie sind, egal, wie lange sie schon für die Agentur arbeiten; wer von sich aus kündigt, wird nicht ersetzt. Nach dreieinhalb Tagen setzt die Redaktion den Streik aus, da der Verwaltungsrat in Verhandlungen eingewilligt hat. Am Ende schauen einige Verbesserungen des Sozialplans heraus, zudem wird die kollektive Entlassung aller Redaktorinnen über 60 zurückgenommen; die SDA aber bleibt ausgepresst wie eine Zitrone.
17. Januar 2018: Das Unternehmen Société Neuchâteloise de Presse SA gibt bekannt, dass seine beiden Zeitungen «L’Express» und «L’Impartial» künftig unter einem Titel erscheinen werden. Das neue Einheitsblatt trägt den Titel «ArcInfo», wie das schon seit 2008 gemeinsam geführte Online-Portal.
12. Januar 2018: Modeunternehmer Fredy Bayard übernimmt die Mengis Druck und Verlag AG, die unter anderem die Oberwalliser Tageszeitung «Walliser Bote» herausgibt und eine Beteiligung am Lokalsender Radio Rottu Oberwallis hält. Die rund 200 Mitarbeitenden werden weiterbeschäftigt. Der Verlag war seit 1931 im Besitz der Familie Mengis gewesen.
7. Dezember 2017: Die NZZ-Mediengruppe und AZ Medien kündigen an, ihr Regionalzeitungsgeschäft in ein Joint Venture zusammenzuführen. Eine gemeinsame Zentralredaktion soll mehr als zwanzig Titel – darunter die «Aargauer Zeitung», das «St. Galler Tagblatt» und die «Luzerner Zeitung» – in dreizehn Kantonen mit Inhalten beliefern. Am 16. August 2018 stimmt die Wettbewerbskommission dem Deal nach vertiefter Prüfung zu. Am 1. Oktober 2018 nimmt die gemeinsame Mantelredaktion die Arbeit auf.
23. August 2017: Tamedia fusioniert ihre 14 Redaktionen zu je einer Einheitsredaktion in der Deutsch- und in der Westschweiz. Drei sogenannte Kompetenzzentren in Zürich, Bern und Lausanne beliefern den «Tages-Anzeiger», den «Landboten», die «Zürichsee-Zeitung», den «Zürcher Unterländer», die «Berner Zeitung», den «Bund», den «Berner Oberländer», das «Thuner Tagblatt» und ein halbes Dutzend weitere Titel in beiden Landesteilen ab 2018 mit Inhalten zu Inland, Ausland, Wirtschaft, Sport, Wissen, Kultur und Gesellschaft.
22. August 2017: Tamedia kündigt an, die Redaktionen von «20 minutes» und «Le Matin» zu fusionieren. Damit werden ab 2018 78 Prozent aller Leserinnen in der Romandie von nur noch einer Redaktion eines Konzerns informiert: Tamedia.
16. August 2017: Die Basler BaZ Holding von Christoph Blocher, Markus Somm und Rolf Bollmann übernimmt rückwirkend auf Anfang 2017 den Ostschweizer Zehnder-Verlag mit 24 Gratiszeitungen.
16. Februar 2017: Ringier Axel Springer restrukturiert «Le Temps», es kommt zu einer Massenentlassung. Insgesamt werden bei «L’Hebdo» und «Le Temps» 36 Stellen gestrichen.
23. Januar 2017: Ringier Axel Springer stellt das Magazin «L’Hebdo» ein.
11. April 2014: Ringier kauft die Mehrheit an «Le Temps».
27. August 2013: Tamedia übernimmt von der Winterthurer Ziegler Druck- und Verlags-AG die Mehrheit am «Landboten».
2010: Financier Tito Tettamanti und Medienanwalt Martin Wagner kaufen die «Basler Zeitung» («BaZ»). Erst 2013 bestätigt sich das Gerücht, dass Christoph Blocher hinter dem Deal steckt. 2014 übernehmen Blocher, der Journalist Markus Somm und der Medienmanager Rolf Bollmann die «BaZ» offiziell. In der Westschweiz übernimmt der französische Medienkonzern Hersant die Mehrheit am «Nouvelliste» und schliesst ihn mit «La Côte», «L’Impartial», «L’Express» und «Journal du Jura» zusammen.
2010: Tamedia übernimmt von der NZZ die Beteiligungen an «Zürcher Unterländer», «Zürichsee-Zeitung» und «Zürcher Oberländer». Im Gegenzug übernimmt die NZZ von Tamedia die «Thurgauer Zeitung».
Die 2000er-Jahre: Die Gratiszeitungen beschleunigen den Konzentrationsprozess, grosse Gewinnerin ist Tamedia
Die Gratiszeitungen saugen die Werbegelder aus den Bezahlzeitungen, lassen den Lesermarkt erodieren und verschaffen Tamedia damit den Hebel, um die Konkurrenz in Bern und der Westschweiz endgültig in die Knie zu zwingen.
2009: Tamedia übernimmt bis Ende 2011 die Westschweizer Edipresse und damit die Tageszeitungen «24 Heures», «Tribune de Genève» und «Le Matin» sowie die Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche». «Le Matin Bleu» wird eingestellt. Im Aargau übernimmt die AZ Medien die Solothurner Vogt-Schild AG und deren «Solothurner Zeitung».
2007: Tamedia kauft Espace Media und übernimmt damit «Berner Zeitung», «Bund» und Beteiligungen an «Berner Oberländer» und «Thuner Tagblatt». Dafür wird das Nachrichtenmagazin «Facts» geschlossen. Ringier schliesst «Cash». Die AZ Medien kaufen die «Basellandschaftliche Zeitung».
2006: Tamedia lanciert die Gratiszeitung «20 minutes». Ringier steigt mit «heute» und «Cash daily» ins Gratiszeitungsgeschäft ein. «heute» wird 2008 durch den «Blick am Abend» ersetzt, «Cash daily» 2009 wieder eingestellt. Ebenfalls 2006 wird das Appenzeller Medienhaus an das «St. Galler Tagblatt» verkauft, nachdem die «Appenzeller Zeitung» ihre überregionalen Inhalte schon seit 1998 aus St. Gallen bezog.
2005: Tamedia übernimmt von der Familie Huber die «Thurgauer Zeitung», die vier Jahre zuvor aus der Fusion von «Thurgauer Tagblatt», «Thurgauer Volksfreund», «Thurgauer Volkszeitung», «Bischofszeller Zeitung» und «Bischofszeller Nachrichten» entstanden war. In der Romandie lanciert Edipresse die Gratiszeitung «Le Matin Bleu».
2004: Die NZZ-Gruppe übernimmt die Mehrheit an der LZ Medien Holding, der Herausgeberin der «Neuen Luzerner Zeitung».
2003: Die Espace Media kauft die Aktienmehrheit der NZZ am «Bund».
2001: «Aargauer Zeitung», «Solothurner Zeitung», «Oltner Tagblatt» und «Zofinger Tagblatt» schliessen sich zur «Mittelland-Zeitung» zusammen.
Die 1990er-Jahre: Erste Grossfusionen in Luzern und in der Zentral- und Ostschweiz führen zu Monopolzeitungen
Nach frühen Fusionen in Bern und Basel erreicht die Medienkonzentration ihren ersten grossen Höhepunkt zu Beginn der 1990er-Jahre. Innerhalb von nur fünf Jahren wird aus drei Luzerner Zeitungen nur noch eine. Das gleiche Szenario wiederholt sich kurz darauf in der Ostschweiz.
1999: Die norwegische Schibsted und die schwedische Metro International S.A. lancieren in der Schweiz kurz nacheinander zwei Gratiszeitungen: «20 Minuten» und «Metropol». 2003 wird «Metropol» wieder eingestellt und Tamedia kauft «20 Minuten».
1998: Die Zeitung «Ostschweiz» erscheint nach 125 Jahren zum letzten Mal. In Bern übernimmt die NZZ die Aktienmehrheit am «Bund».
1997: Zehn Blätter aus Graubünden, Glarus, St. Gallen und Schwyz bilden die Zeitung «Südostschweiz». Zur neuen Somedia gehören auch «Bündner Zeitung», «Bündner Tagblatt» und die romanische «La Quotidiana». In der Romandie fusionieren «Le Nouveau Quotidien» und «Le Journal de Genève» zu «Le Temps». Die «Berner Tagwacht» wird nach 105 Jahren eingestellt.
1996: Aus Ringiers «Luzerner Neusten Nachrichten» und der 1991 fusionierten «Luzerner Zeitung» wird die «Neue Luzerner Zeitung». Das «Aargauer Tagblatt» und das «Badener Tagblatt» fusionieren zur «Aargauer Zeitung».
1994: Im Kanton Aargau arbeiten «Aargauer Tagblatt», «Zofinger Tagblatt» und «Oltner Tagblatt» unter dem gemeinsamen Titel «Mittelland-Zeitung» zusammen, im Kanton Bern «Thuner Tagblatt», «Berner Oberländer» und «Oberländisches Volksblatt» unter dem Titel «Berner Oberland Zeitung». Beides sind Vorboten späterer Fusionen. Im Jura fusionieren «Le Pays» und «Le Démocrate» zu «Le Quotidien Jurassien». Die Genfer Tageszeitung «La Suisse» wird aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.
1991: Die NZZ steigt beim «St. Galler Tagblatt» als Mehrheitsaktionärin ein. In Luzern schliessen sich «Vaterland» und «Luzerner Tagblatt» zur «Luzerner Zeitung» zusammen. In der Romandie fusionieren «Journal de Genève» und «Gazette de Lausanne» zum «Journal de Genève et Gazette de Lausanne».