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Chronologie der Schweizer Medien­konzentration

Die letzten dreieinhalb Jahrzehnte im Überblick – regelmässig auf den neusten Stand gebracht.

Von Dennis Bühler und Christof Moser, 17.05.2018, letztes Update 25.11.2025

Inhaltsverzeichnis
2025: Bei der SRG geht’s ans Eingemachte – und «20 Minuten» streicht die Print­ausgabe sowie 80 Stellen
2024: Massenentlassung bei Tamedia – und auch andere Verlage reduzieren ihre Druck­kapazitäten
2023: Die Grosskonzerne CH Media und Tamedia senken die Kosten
2022: Das Stimmvolk lehnt einen Ausbau der Medien­förderung ab
2021: Bei Tamedia und SRG kommt es zu Einsparungen und Entlassungen
2020: Corona trifft die Verlage hart, die Konsequenzen sind nachhaltig
2010er-Jahre: Blocher steigt ins Medien­geschäft ein, bei SDA und SRG wird gespart – und Tamedia siegt
2000er-Jahre: Die Gratis­zeitungen beschleunigen den Konzentrations­prozess, grosse Gewinnerin ist Tamedia
1990er-Jahre: Erste Gross­fusionen in Luzern und in der Zentral- und Ostschweiz führen zu Monopol­zeitungen

2025: Bei der SRG geht’s ans Eingemachte – und «20 Minuten» streicht die Print­ausgabe sowie 80 Stellen

Ende November konkretisiert die SRG die seit langem kursierenden Abbau­pläne: Bis 2029 will sie 900 ihrer 5600 Vollzeit­stellen abbauen, um so rund 270 Millionen Franken einzusparen. Dies sei notwendig, weil der Bundesrat die Radio- und Fernseh­gebühren reduziert habe, die kommerziellen Einnahmen zurück­gingen und die Betriebs­kosten teuerungs­bedingt stiegen, heisst es in einer Mitteilung. Weitere «Veränderungen und Abstriche im Programm» seien unausweichlich, sagt General­direktorin Susanne Wille. Bei der Pendler­zeitung «20 Minuten» endet derweil eine Ära: Ab Anfang 2026 konzentriert sich das zur TX Group gehörende Unternehmen auf Online­journalismus, die gedruckte Ausgabe wird eingestellt. Zudem legt es die Redaktionen in der Deutsch- und Westschweiz zusammen und löst mehrere Regional­büros auf. Auf einen Schlag gehen 80 Vollzeit­stellen verloren.

  • 24. November 2025: Noch bevor die Stimm­bevölkerung Anfang März 2026 über die Halbierungs­initiative abstimmt, schafft die SRG Tatsachen. Bis ins Jahr 2029 baue man 900 Vollzeitstellen ab, schreibt das gebühren­finanzierte Medienhaus in einer Mitteilung. Damit konkretisiert es die von General­direktorin Susanne Wille ein Jahr zuvor angekündigte Transformation. Von der Sparkur dürften somit insgesamt weit über tausend Mitarbeiter betroffen sein – nie zuvor mussten in der Schweiz innerhalb eines Unternehmens so viele Medien­schaffende um ihren Job bangen. Dabei ist der Unmut in der Belegschaft schon jetzt gross. Bereits im Gang ist gemäss SRG-Mitteilung der Abbau von etwa einem Drittel der 900 Vollzeitstellen, nun sollen 600 weitere dazu­kommen. Wille hofft, «gut die Hälfte aller Stellen» via natürliche Fluktuation abbauen zu können. Entlassungen seien jedoch unausweichlich. Dies werden auch die Zuschauerinnen und Zuhörer spüren, wie Wille sagt. «Bei einem derart hohen Sparbetrag, wie er uns von der Politik vorgeschrieben wird, ist es nicht zu vermeiden, dass er sich auch auf das Angebot auswirkt.» Noch viel schlimmer komme es, sollte die Halbierungs­initiative angenommen werden. Diese sei so radikal, dass sie laut Wille das Ende des heutigen medialen Service public bedeuten würde. Mit der Halbierungs­initiative würden bei der SRG rund 800 Millionen Franken wegfallen.

  • 14. Oktober 2025: Die kostenlose Tessiner Sonntags­zeitung «La Domenica» wird zur Wochenend­beilage der Tageszeitung «Corriere del Ticino» umfunktioniert. «La Domenica» war erst im Sommer 2021 als Nachfolge­produkt für die renommierte Gratiszeitung «il Caffé» gegründet worden, doch seien die Einnahmen aus dem Werbemarkt «kontinuierlich gesunken», wie ein Verantwortlicher des Verlags sagt. Deshalb sei «die Wirtschaftlichkeit der Zeitung bei weitem nicht mehr gewährleistet» gewesen. Die Mitarbeitenden der Redaktion werden vom «Corriere del Ticino» übernommen, den Verträgerinnen wird gekündigt.

  • 5. September 2025: Das Magazin «Annabelle» reduziert den Publikations­rhythmus. Die Zeitschrift erscheint neu statt 16 Mal lediglich noch 12 Mal pro Jahr. Im Zuge dieser Neuaufstellung werden 2 der 24 Angestellten der Redaktion entlassen.

  • 21. August 2025: Die «Obersee Nachrichten» werden eingestellt. Mit der Rapperswiler Wochenzeitung wurden die Bewohner der Regionen March-Höfe und See-Gaster seit 1981 kostenlos über das Geschehen in der regionalen Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Sport informiert, zuletzt erschien sie in einer Auflage von 43’000 Exemplaren. Gegründet hatte die «Obersee Nachrichten» der umtriebige Unternehmer Bruno Hug. 1999 verkaufte er sie an Somedia, blieb aber noch zwei Jahrzehnte lang Verleger. 2022 reichte Somedia das Blatt an den Glarner Verlag Fridolin Druck und Medien weiter.

  • 24. Juli 2025: Die lokale Gratiszeitung «Küsnachter» erscheint – nach 40 Jahren – zum letzten Mal. Die Einstellung erfolgt, nachdem die Herausgeberin Lokalinfo AG den Auftrag, der Zürichsee-Gemeinde als amtliches Publikations­organ zu dienen, an einen Verlag aus dem Nachbardorf verlor. Zudem machten dem «Küsnachter» sinkende Werbe­erlöse und steigende Kosten zu schaffen.

  • 14. Juli 2025: Die Westschweizer Zeitung «La Région» ist zahlungs­unfähig, 19 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle. Die im Jahr 2007 in Yverdon-les-Bains gegründete Zeitung wurde zuletzt an vier Tagen pro Woche an rund 3500 Abonnenten verteilt, jeweils donnerstags wurde eine Grossauflage von etwa 46’000 Exemplaren an sämtliche Haushalte des Einzugs­gebiets geliefert. Als Grund für die finanziellen Probleme führte der Verwaltungs­rat unter anderem an, dass «La Région» Anfang Jahr 50’000 Franken aus der Presse­förderung verloren hatte.

  • 27. Juni 2025: Die beiden Radio­stationen Energy St. Gallen und Energy Luzern stellen ihren Sende­betrieb per Ende Jahr ein, wie die Energy-Gruppe in einer Medienmitteilung schreibt. Die Konzentration gelte fortan jenen drei Stationen, die aus Zürich, Bern und Basel senden. Von der Schliessung sind 10 Mitarbeitende betroffen: 5 Personen sollen in neuen Funktionen weiterbeschäftigt werden, für 5 Mitarbeitende endet das Arbeitsverhältnis.

  • 17. Juni 2025: «20 Minuten» gibt bekannt, die gedruckte tägliche Ausgabe per Ende Jahr einzustellen. Der Schritt erfolge «aufgrund der sich rasch wandelnden Medien­nutzung und sinkender Erträge im Print­geschäft», schreibt das Tochter­unternehmen der TX Group in einer Medien­mitteilung. Dafür werde nun in «innovative kommerzielle Angebote» sowie in Anwendungen der künstlichen Intelligenz investiert. Die bisher separat geführten Redaktionen in der Deutsch- und Westschweiz führt «20 Minuten» zu einer nationalen Redaktion zusammen, die in Lausanne, Bern und Zürich präsent ist. Aus den Städten Basel, Genf, Luzern und St. Gallen, wo es bisher Regional­büros gab, zieht sich die Redaktion zurück. Neben dem deutsch­sprachigen «20 Minuten» und dem französischen «20 minutes» verschwindet auch die Tessiner Tageszeitung «20 minuti», die von einem Joint Venture herausgegeben wird, an dem die TX Group beteiligt ist. Mit dem Tod der Pendler­zeitungen endet eine Ära. Der norwegische Medien­konzern Schibsted lancierte «20 Minuten» in der Schweiz im Dezember 1999 – und setzte damit einen Trend: Vorübergehend erschienen mit «Metropol», «.ch», «News» und «heute» (später «Blick am Abend») etliche weitere Gratis­blätter, die sich an eine ähnliche Zielgruppe richteten. Ab 2003 war der später zu TX Group umbenannte Tamedia-Verlag an «20 Minuten» beteiligt, 2005 übernahm er es ganz. In den letzten Jahren sank die Reichweite der Print­ausgaben markant, und so entschied sich die Leitung schon im Oktober 2023 zum Abbau von rund drei Dutzend Vollzeit­stellen.

  • 12. Juni 2025: Am Tag, an dem der Nationalrat die Nein-Parole zur Halbierungs­initiative beschliesst, gibt das Tessiner Radio und Fernsehen RSI einen weiteren Abbau bekannt. Es streicht 37 Vollzeit­stellen, weil bis 2026 zusätzliche 7 Millionen Franken eingespart werden müssten, wie es in einer Mitteilung heisst. Schon im September 2024 hatte RSI 15 Vollzeit­stellen abgebaut und 5 Millionen Franken gespart. Die Einschnitte sind Teil eines SRG-weiten «Transformations­prozesses».

  • 10. April 2025: Der Freiburger Verlag St-Paul Médias, der unter anderem die Tageszeitung «La Liberté» und die dreimal wöchentlich erscheinende Zeitung «La Gruyère» herausgibt, entlässt 20 Mitarbeitende, die sich 5,8 Vollzeit­stellen teilten. Zudem gibt er bekannt, auf Anfang 2026 die regionale Wochen­zeitung «Le Messager» einzustellen, die sich dem Geschehen im Vivisbach­bezirk widmete. Bereits im Dezember 2023 hatte der Verlag fünf Stellen streichen müssen. St-Paul Médias ist in der Schweizer Medien­landschaft ein Spezialfall: Von 1873 bis 2014 war die katholische Ordens­gemeinschaft der Paulus­schwestern Allein­aktionärin, seither sind auch die Freiburger Kantonalbank und das halb­staatliche Energie­unternehmen Groupe E beteiligt. In einem Republik-Interview lobte Publizist Roger de Weck das Modell im Herbst 2024 als vorbildlich.

  • 31. März 2025: Weil Radio Top keine eigenen Nachrichten mehr produziert, sondern diese vom Grossverlag CH Media bezieht, kann Personal eingespart werden. Der Winterthurer Sender spricht zwei Entlassungen aus. «Die News sind heute kein Grund mehr, Radio zu hören», kommentiert der Geschäfts­führer der Top-Medien. Deshalb werde in jenem Bereich gespart, der dem Publikum am wenigsten wichtig sei. «Ich weiss, dass diese Entscheidung gerade bei Journalisten wenig Freude auslöst.»

  • 21. März 2025: Die Westschweizer Privatradio-Gruppe Media One, zu der unter anderem die Sender Radio Lac, One FM und Rouge FM gehören, entlässt circa zehn Mitarbeitende, darunter drei Journalisten in Lausanne und Genf. Die Spar­massnahme sei wegen sinkender Werbe­einnahmen unumgänglich, sagt der Direktor von Media One und klagt: «Ohne öffentliche Unterstützung wird es immer schwieriger, Informationen auf unseren regionalen Radiosendern zu produzieren.» 2018 hatte sich die Privatradio-Gruppe von vier Mitarbeitern getrennt, im Jahr 2023 hatte sie drei Journalisten in Genf entlassen.

  • 26. Februar 2025: Bei der Tessiner Tageszeitung «La Regione», die bis dahin 30 Mitarbeitende beschäftigt, werden 5,5 Vollzeit­stellen gestrichen. Begründet wird der Abbau von den Verantwortlichen der hinter dem «Corriere del Ticino» zweitgrössten Zeitung des Kantons mit einem drastischen Rückgang der Werbe­einnahmen.

  • 5. Februar 2025: Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF, das bereits im September und November 2024 einschneidende Spar­massnahmen verkündet hat, nimmt weitere Kürzungen an seinem Programm vor. Im TV-Bereich streicht es unter anderem die TV-Gesellschafts­sendung «G&G – Gesichter und Geschichten», die bis 2021 «Glanz & Gloria» geheissen hatte. Das Radio stellt unter anderem das Wirtschafts­magazin «Trend», die Kultur­sendungen «Kontext» und «Passage» sowie das «Wissenschafts­magazin» ein. Generell würden «längere Wortinhalte durch kürzere Beiträge ersetzt», heisst es in einer Mitteilung. Die Massnahmen werden von verschiedenen Exponenten scharf kritisiert, so etwa vom ehemaligen Medien­minister Moritz Leuenberger und der Satirikerin Patti Basler oder von Medien­wissenschaftler Mark Eisenegger. Für Empörung sorgt zudem, dass SRF mehrere Mitarbeitende dazu anhält, kritische Social-Media-Posts zu löschen – mit Verweis auf seine Publizistischen Leitlinien und der Begründung, Kritik am Arbeitgeber solle intern angebracht werden. Insgesamt baut das Unternehmen mit den nun kommunizierten Mass­nahmen bis Ende Jahr rund 50 Vollzeit­stellen ab, bis Ende 2026 spart es damit knapp 8 Millionen Franken. Bereits zu Jahres­beginn hatte SRF Ärger auf sich gezogen, als es den erfolgreichen Podcast «Zivadiliring» aus dem Programm nahm.

  • 30. Januar 2025: Der Grossverlag CH Media übernimmt das im Jahr 1873 gegründete, bisher eigenständige «Zofinger Tagblatt». Die meisten der rund dreissig Mitarbeitenden werden übernommen, es kommt jedoch zu vier Kündigungen. Neben der Tages­zeitung werden ab Anfang Mai auch die beiden wöchentlich erscheinenden Gratis­zeitungen «Wiggertaler» und «Der Landanzeiger» von CH Media heraus­gegeben. Mit diesem Schritt ist die Medien­konzentration im Mittelland so gut wie abgeschlossen: Der Verlag der Familie Wanner hat kaum noch Konkurrenz.

2024: Massen­entlassung bei Tamedia, Personal­abbau bei der SRG – und ein Rückgang der Druck­kapazitäten

Ringier baut Dutzende Stellen ab, nachdem sich der deutsche Verlag Axel Springer wenige Monate zuvor aus dem gemeinsamen Joint Venture zurück­gezogen hat. Hiobs­botschaften gibt es auch aus dem Druckerei­geschäft: Weil die Firma Swissprinters, die den Verlagen Ringier und NZZ gehört, den Betrieb einstellt, fallen 144 Arbeitsplätze weg. Noch drastischer spart Tamedia: Bis Ende 2026 will der grösste private Medien­konzern des Landes zwei seiner drei Druckereien stilllegen, wodurch 200 Vollzeit­stellen verloren gehen. Zudem streicht Tamedia – je nach Lesart – zwischen 55 und 90 Redaktions­stellen. Auch die SRG-Sender SRF, RTS und RSI bauen Personal ab. Und CH Media stellt seine sechs «Today»-Plattformen ein.

  • 29. Dezember 2024: Das «SonntagsBlick-Magazin», das 1969 gegründet worden und seit 1996 als eigenständiges Heft erschienen ist, liegt der Sonntags­zeitung aus dem Hause Ringier zum letzten Mal bei. Wie schon früher bekannt geworden ist, gehen zwei Stellen verloren. Grund für den Abbau ist der Leser­schwund beim «SonntagsBlick»: Innert eines Jahres hat die gedruckte Ausgabe 14 Prozent ihrer Leserinnen verloren.

  • 12. November 2024: CH Media nimmt die Online-Plattformen «FM1 Today», «Argovia Today», «Bärn Today», «Pilatus Today», «Züri Today» und «32 Today» vom Netz und spricht 34 Kündigungen aus. Der Verlag begründet das sofortige Aus mit mangelnder Wirtschaftlichkeit und fehlender Perspektive. Der drastische Schritt löst lautstarke Kritik aus: Eine entlassene Redaktorin sagt, die Geschäfts­leitung habe «sehr emotions- und teilnahmslos» informiert; rund 170 CH-Media-Mitarbeiter monieren in einem Protest­brief, die Führung habe im Widerspruch zu Unternehmens­werten gehandelt, die kurz vorher in einem Image­film präsentiert worden seien; und die Gewerkschaft Syndicom zeigt sich «erschüttert» und «irritiert», weil CH Media auf eine echte Konsultation der Belegschaft verzichtet hatte.

  • 4. November 2024: Die neue SRG-General­direktorin Susanne Wille gibt bekannt, ihr Unternehmen müsse bis 2029 rund 270 Millionen Franken einsparen, was einer Budget­reduktion von etwa 17 Prozent entspreche. Auf Arbeitsplätze umgerechnet wären das rund tausend Vollzeit­stellen. Als erste Massnahme kommt es bei SRF zu einer «Angebots­fokussierung» im Bereich «Gesellschaft & Kultur». Konkret bedeutet das, dass «wirkungs­schwache» Audio­formate eingestampft werden, wozu auch die einstige Kultur-Flagg­schiff «Kontext» zählt, die seit 2021 allerdings bloss noch als Podcast ausgestrahlt wurde. Noch mehr Gewicht erhalten dafür jegliche Sendungen mit Moderatorin Mona Vetsch. Rund fünfzig Redaktorinnen und Redaktoren unterzeichnen ein Protest­schreiben.

  • 24. Oktober 2024: Die Nachrichten­agentur Keystone-SDA führt ihren Sparkurs fort. Sie streicht im Regional­dienst und am Bilddesk je eine Stelle, zwei Personen werden entlassen. Generell prüft die Agentur gemäss dem Branchen­dienst «Persoenlich.com» bei Vakanzen stets, ob Stellen nicht mehr oder nur teilweise neu besetzt werden können, wodurch in den letzten Jahren eine nicht näher bezifferte Anzahl Arbeits­plätze abgebaut worden sei. Mehrmals seien günstigere Stagiaires angestellt worden statt ausgebildete Journalistinnen. Hanspeter Kellermüller, CEO des Unternehmens, begründet den Sparkurs mit dem generellen Umsatz­rückgang aufgrund des Struktur­wandels im Medienbereich.

  • 23. September 2024: Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) gibt bekannt, innert weniger Monate 75 Stellen abzubauen. Gespart wird auch beim Programm. Die wichtigsten Neuerungen: Ab Sommer 2025 werden die «Tagesschau»-Ausgaben am Mittag und um 18 Uhr durch moderierte Newsflashs ersetzt, am Wochenende entfällt die Mittags­ausgabe. Das Angebot der Regional­journale im Radio wird am Wochen­ende «punktuell reduziert», und etliche Online­formate wie etwa das beliebte feministische «We, Myself & Why» werden eingestellt. Zudem soll bis 2026 eine gemeinsame, multimediale Chef­redaktion geschaffen werden, die die Trennung in Video und Audio/Digital ablöst – ein Schritt, den SRF-Direktorin Nathalie Wappler vor wenigen Jahren noch kategorisch ausgeschlossen hatte. Auch das West­schweizer Radio und Fernsehen RTS und das Tessiner Radio und Fernsehen RSI geben den Abbau von Stellen bekannt: Bei RTS fallen 55 Stellen (respektive deren 46) weg, bei RSI 15 Stellen. Begründet werden die Massnahmen mit einem Rückgang der Werbe­einnahmen sowie der Tatsache, dass der SRG-Anteil an den Serafe-Gebühren nicht an die Teuerung angepasst wird. Dadurch müssten gesamt­schweizerisch 50 Millionen Franken gespart werden.

  • 17. September 2024: Drei Wochen nach der Verkündung der grössten Massen­entlassung in der Schweizer Medien­geschichte gibt Tamedia erste Details des Spar­programms bekannt. Der «Züritipp» wird eingestellt, das West­schweizer Magazin «Femina» erscheint neu einmal pro Monat statt einmal pro Woche. Zudem teilt Tamedia mit, dass wegen interner Wechsel und von Mitarbeitern eingereichter Kündigungen nun lediglich 55 Vollzeit­stellen von Personal­massnahmen betroffen seien statt wie ursprünglich kommuniziert deren 90. In der Deutsch­schweiz sollen 30 Stellen abgebaut werden, in der Westschweiz 25. «Mit der neuen Organisation reduzieren wir die Komplexität in den Redaktionen und ändern die Prozesse und Strukturen in den Newsrooms, um uns besser und agiler in der sich sehr dynamisch verändernden Medienwelt aufzustellen», wird Simon Bärtschi, publizistischer Leiter bei Tamedia, zitiert. «Den Wandel werden wir mit grösster Sorgfalt begleiten.» Zwei Monate später gibt Tamedia bekannt, die nun noch bestehenden Arbeits­plätze bis mindestens September 2026 zu erhalten – bis dahin seien Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen ausgeschlossen.

  • 2. September 2024: Die Online-Plattform «Die Ostschweiz» wird eingestellt, drei Mitarbeiter werden entlassen. Der Verwaltungsrat der Ostschweizer Medien AG begründet den drastischen Schritt mit dem starken Rückgang im Werbemarkt, der sich im Online­bereich besonders stark ausgewirkt und 2024 nochmals akzentuiert habe. Es sei offen­kundig, dass «sich die digitalen Medien weder auf lokaler, regionaler noch auch nationaler Ebene kommerziell rechnen».

  • 27. Juni 2024: Das Schweizer Radio und Fernsehen teilt mit, es werde bis Anfang 2025 rund 70 Vollzeit­stellen abbauen. Damit will Direktorin Nathalie Wappler einerseits ein ausgeglichenes Budget sicherstellen und andererseits Geld freischaufeln, um den digitalen Wandel voranzutreiben. Nötig sei der Personal­abbau wegen weiter rückläufiger kommerzieller Einnahmen und der Teuerung. Nichts zu tun habe er mit einem Entscheid, den der Bundesrat wenige Tage zuvor gefällt hat: Trotz lautstarker Kritik in der Vernehmlassung will die Landes­regierung an ihrem Plan festhalten, die Radio- und Fernseh­abgabe bis 2029 auf jährlich 300 Franken zu senken und rund 80 Prozent der mehrwertsteuer­pflichtigen Unternehmen ab 2027 von der Abgabe zu befreien. Somit steht dem öffentlichen Medienhaus so oder so eine weitere grosse Sparübung bevor – selbst dann, wenn die SVP-Halbierungs­initiative an der Urne abgelehnt werden sollte. Diese fordert eine Gebühren­reduktion auf 200 Franken.

  • 24. Mai 2024: Das Freiburger Lokalradio Radio Kaiseregg gibt bekannt, per Ende August seinen Sendebetrieb einzustellen. Die Schwierigkeiten hätten sich bereits zu Beginn der Pandemie abgezeichnet, sagt der Präsident des Radio­senders, bei dem sich alle Mitarbeitenden ehrenamtlich engagierten. Es hätten keine Gäste mehr ins Studio eingeladen werden können, zudem seien die Werbe­einnahmen zurückgegangen.

  • 20. Februar 2024: Die Westschweizer Mediengruppe ESH Médias streicht 27 von 340 Stellen. Sechs Entlassungen betreffen die Redaktionen der Gruppe, die die Zeitungen «Arcinfo», «Le Nouvelliste», «La Côte», «Journal de Cossonay», «Journal de Sierre» und «Gazette de Martigny» herausgibt. Das Unternehmen begründet den Abbau insbesondere mit dem rückläufigen Werbe­markt für die Printmedien. ESH Médias wurde Anfang der Nullerjahre vom französischen Medien­unternehmer Philippe Hersant gegründet.

  • 25. Januar 2024: Der Medienverlag CH Media stellt das Erscheinen der Wochen­zeitungen «Anzeiger Luzern» und «Stadtanzeiger Olten» ein, die bis anhin als Amtsblätter der jeweiligen Stadt gedient haben. Damit bricht CH Media bezüglich Luzern ein nur gerade vier Monate zuvor abgegebenes Versprechen: Damals hatte der Verlag nach einem Zeitungs­tausch mit der Swiss Regiomedia AG von Christoph Blocher angekündigt, den «Anzeiger Luzern» fortzuführen. Entsprechend schockiert reagiert der Luzerner Stadtpräsident. «Dass CH Media nach der Übernahme der Luzerner Rundschau dem Stadtanzeiger nicht mehr Zeit für eine positive Entwicklung gegeben hat, enttäuscht uns sehr», lässt sich Beat Züsli in einer Mitteilung zitieren. CH Media begründet den Entscheid mit ungenügender Wirtschaftlichkeit. 3 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle.

  • 22. Januar 2024: Roger Schawinskis Radio 1 produziert keine eigenen Nachrichten mehr, sondern bezieht diese neu von CH Media. Dies hat zur Folge, dass 6 Fest- und Teilzeit­angestellte ihren Job verlieren. Somit spielt CH Media seine Radio­nachrichten nun bei 16 privaten Stationen aus: 12 davon gehören zum eigenen Verlag, 4 sind in Fremdbesitz.

  • 15. Januar 2024: Die Druckerei Swissprinters in Zofingen – eine Tochter­gesellschaft der Medien­unternehmen Ringier und NZZ – gibt bekannt, den Betrieb Ende September einzustellen. Begründet wird die Schliessung mit einer rückläufigen Nachfrage nach Druck­produkten, dem Verlust wichtiger Aufträge sowie anhaltend hohen Papier- und Energie­preisen. Ab Herbst 2024 wird es in der Schweiz somit nicht mehr genügend Druck­kapazitäten geben, weshalb einige Zeitschriften womöglich bald im Ausland gedruckt werden müssen. In Zofingen fallen 144 Arbeitsplätze weg, 96 Mitarbeiterinnen werden entlassen.

  • 9. Januar 2024: Als Ringier im September 2023 die volle Kontrolle über das zuvor gemeinsam mit dem deutschen Verlag Axel Springer geführte Joint Venture Ringier Axel Springer Schweiz (Rasch) übernahm, hiess es, auf einen Stellen­abbau in den Redaktionen werde verzichtet. Nun zeigt sich: Das war nicht die Wahrheit. Zunächst wird kommuniziert, insgesamt würden 75 Personen ihre Stelle verlieren, nach dem Konsultations­verfahren mit der Belegschaft wird dieser Wert auf 55 reduziert. Wie eine Auflistung von «Persoenlich.com» zeigt, sind etliche Personen betroffen, die redaktionelle Inhalte erstellt oder produziert haben.

2023: Die Grosskonzerne CH Media und Tamedia senken die Kosten

Die wirtschaftliche Lage der Schweizer Medien bleibt angespannt. Das Jahr voller Hiobs­botschaften beginnt mit einem Kostensenkungs­programm bei CH Media und endet mit einem speziell düsteren Herbst: Tamedia entlässt im September fast 50 Mitarbeitende, «20 Minuten» stellt im Oktober 35 Angestellte auf die Strasse – und CH Media verkündet im November den Abbau von 150 Vollzeitstellen (der letztlich auf 140 reduziert wird). Mit der Einstellung von «Kultz» und der «Fabrik­zeitung» sowie einer Angebots­reduktion bei «Frida» wird zudem der Kultur­journalismus hart getroffen.

  • 19. Dezember 2023: Der Freiburger Medien­verlag St-Paul Médias SA, der rund 190 Personen beschäftigt, streicht 5 Stellen. Der Verlag gibt die Titel «La Liberté», «La Gruyère», «La Broye Hebdo» und «Le Messager» heraus.

  • 13. Dezember 2023: Das Zürcher Kultur­zentrum Rote Fabrik stellt die 1984 gegründete «Fabrik­zeitung» ein, die zehnmal jährlich erschien und sich kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Themen widmete. Dies geht aus einem internen Schreiben hervor, aus dem der «Tages-Anzeiger» zitiert.

  • 11. Dezember 2023: Der NZZ Verlag übernimmt «The Market», ein 2019 vom früheren Republik-Chefredaktor Mark Dittli gegründetes digitales Finanz­magazin für Investoren, vollständig. Dies schreibt die NZZ in einer Mitteilung. Bisher hatte sie 40 Prozent der Aktien besessen.

  • 6. Dezember 2023: Das Online-Kulturmagazin «Frida» sieht sich gezwungen, sein Angebot massiv zu reduzieren. Publizistisch sei er zwar sehr zufrieden, schreibt Gründer und Co-Leiter Mathias Balzer in einer Mitteilung. «Das grosse Aber ist die finanzielle Seite: Sie präsentiert sich weit weniger erfreulich. Das Ziel, das Magazin ausschliesslich über Abos zu finanzieren, haben wir nicht erreicht.» Nach einer zwei­monatigen Pause werde die Kadenz der Beiträge und Newsletter deshalb ab März 2024 stark gesenkt und auf eine regelmässige Bericht­erstattung zu aktuellen Ausstellungen und Bühnen­projekten verzichtet. Beibehalten werden sollen hingegen Serien, vertiefende Porträts, Interviews und Kommentare. Mehrere freischaffend tätige «Frida»-Mitarbeitende verlieren Aufträge.

  • 1. Dezember 2023: Nach knapp sieben Jahren stellt die «Kleinstadt» ihren Betrieb ein. Die Macherinnen des Online­magazins für Familien schreiben in einer Mitteilung: «Für uns ist es ein absolut glückliches Ende, eine Erfolgs­geschichte. Wir sind einfach im besten Sinne fertig mit unserem Online-Magazin. Wir haben alles gemacht, was wir machen wollten.»

  • 29. November 2023: Der Freiburger Regional­sender RadioFr. entlässt 6 von 44 Mitarbeitenden, der Abbau entspricht 4,8 Vollzeit­stellen. Gemäss einer Mitteilung sind die Spar­massnahmen unumgänglich, um den Fortbestand des Unter­nehmens zu sichern. Genannt werden zwei Gründe: Zum einen seien die nationalen Werbe­einnahmen stark zurück­gegangen, zum anderen habe sich der Freiburger Staatsrat «zweimal geweigert, auf eine Unter­stützung einzugehen, obwohl die Verfassung vorsieht, dass der Staat die Zwei­sprachigkeit fördert». Die kantonale Regierung kontert, der Kanton könne weder Privat­unternehmen noch bestimmte Tätigkeits­bereiche unterstützen.

  • 27. November 2023: Der Basler Regional­sender Telebasel streicht 2,8 seiner 60 Vollzeit­stellen, 3 Redaktorinnen verlieren den Job. «Der Einbruch bei der Werbung erfolgte unerwartet schnell», begründet André Moesch, CEO des Senders, den Abbau. «Vor allem nationale Kampagnen sind weggebrochen. Darunter leidet derzeit die ganze Regionalfernseh-Branche.»

  • 23. November 2023: Weil Ringier bei «Blick TV» zurück­buchstabiert, werden 6 Mitarbeitende entlassen, die sich 4,5 Vollzeit­stellen teilten. «Leider ist dieser Schritt alternativlos», kommentiert der Chief Digital & Distribution Officer der «Blick»-Gruppe den Abbau.

  • 8. November 2023: CH Media streicht 150 Vollzeitstellen, was fast 10 Prozent aller Stellen entspricht. Gemäss einer Mitteilung soll es im ersten Quartal 2024 zu 90 Entlassungen kommen, der Rest sei über natürliche Fluktuation zu bewältigen. Eineinhalb Monate später wird bekannt, dass der Abbau etwas kleiner ausfällt: Dank alternativen Spar­vorschlägen der Personal­kommission müssen «bloss» 140 Vollzeit­stellen gestrichen werden, die Anzahl Entlassungen reduziert sich auf 80. CH Media begründet den unverändert massiven Einschnitt mit einem starken Umsatz­einbruch in den Kernmärkten Entertainment und Publishing. Ein weiterer Grund dürfte sein, dass sich der Verlag 2019 beim Kauf der TV-Sender­gruppe 3+ finanziell übernommen hat – bezahlt wurden damals 150 Millionen Franken, wie der damalige CEO bei einer internen Veranstaltung sagte. Seit 2020 folgen sich bei CH Media in hoher Kadenz «Effizienz- und Kostensenkungs­programme» (siehe unten, Eintrag vom 6. Februar 2023).

  • 7. November 2023: Das Zentral­schweizer Kultur­magazin «Kultz» wird per Ende Jahr eingestellt. In einem Beitrag in eigener Sache schreibt die Redaktion, das Ende sei unvermeidlich, weil «uns die finanziellen Mittel ausgehen». Kultz war im Februar 2021 online gegangen.

  • 25. Oktober 2023: «20 Minuten» streicht 35 Stellen, vier Fünftel davon in der Romandie. Zwar habe man die digitale Reichweite zuletzt ausbauen können und online entsprechend höhere Umsätze erzielt, heisst es in einer Mitteilung. Dieser Zugewinn könne die sinkenden Printumsätze jedoch nicht kompensieren: Insgesamt habe sich der Betriebs­umsatz seit 2019 von 147 auf 115 Millionen Franken verringert. Die Gewerkschaft Syndicom und der Journalisten­verband Impressum zeigten sich empört über das Ausmass der Entlassungen und wiesen darauf hin, dass «20 Minuten» nach wie vor profitabel sei. «Selbst wenn die Titel der TX-Gruppe hervor­ragende Zahlen schreiben, können sich die Redaktionen nie vor Personal­kürzungen sicher fühlen», sagt Impressum-Präsident Edgar Bloch.

  • 27. September 2023: Axel Springer zieht sich aus der Schweiz zurück. Die deutsche Verlags­gruppe hielt bisher 35 Prozent der Aktien an dem 2010 mit Ringier eingegangenen Joint Venture Ringier Axel Springer Schweiz (Rasch). Nun übernimmt Ringier die volle Kontrolle über die rund 20 zum Portfolio gehörenden Magazin- und Zeitschriften­titel, darunter der «Beobachter», die «Bilanz», die «Schweizer Illustrierte» und die «Glückspost». Über den Verkaufs­preis wurde Stillschweigen vereinbart. Auf einen Personal­abbau auf den Redaktionen soll verzichtet werden, auf Verlags­ebene aber werde es «Synergien» geben. Zwei Monate später wird bekannt: Geplant ist eine Reduktion von rund 5 Prozent der Kosten.

  • 26. September 2023: CH Media und Christoph Blochers Regiomedia-Verlag teilen den Zentral­schweizer Markt für kostenlose Wochen­zeitungen untereinander auf. Per Ende 2023 gehen die Verlags­rechte der «Zuger Presse» und des «Zugerbieters» an den Regiomedia-Verlag über, der diese einstellt respektive in die «Zuger Woche» integriert. Gleichzeitig übernimmt CH Media die Verlags­rechte der «Luzerner Rundschau», wobei auch diese Wochen­zeitung nicht weitergeführt, sondern in den «Anzeiger Luzern» integriert wird. Mehrere Mitarbeitende verlieren ihre Stelle.

  • 21. September 2023: Tamedia entlässt 20 Mitarbeitende in der Deutsch­schweiz und 28 Mitarbeitende in der Romandie. Insgesamt werden so 6 Millionen Franken gespart. In den letzten drei Jahren waren die Ausgaben der Redaktionen in den beiden Landes­teilen bereits um 70 Millionen Franken gesenkt worden, was unter anderem zur Fusion der zuvor getrennten Lokal­redaktionen von «Berner Zeitung» und «Bund» führte. In den nächsten Monaten sei auch bei der Redaktion der ebenfalls zum hoch­profitablen Medien­konzern TX Group gehörenden «20 Minuten» mit einem Stellen­abbau zu rechnen, teilt eine Sprecherin mit.

  • 1. September 2023: Die welsche Tages­zeitung «Le Temps» senkt die Kosten um 5 Prozent, was rund 1,5 Millionen Franken entspricht. Zwei Personen aus dem redaktionellen und eine aus dem kommerziellen Bereich werden entlassen. Hinzu kommen freiwillige Pensen­reduktionen.

  • 28. Juni 2023: Die ZT Medien AG gibt bekannt, die in einer Auflage von 81’000 Exemplaren erschienene kostenlose Wochen­zeitung «Solothurner Woche» aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen. «Die Pandemie hat zu einem erheblichen Umsatz­einbruch geführt», wird die Leiterin des in Zofingen ansässigen Unternehmens zitiert. «Hinzu kommen der über­durch­schnittliche Preis­anstieg im Papier­bereich sowie die gestiegenen Energie­kosten.»

  • 22. Mai 2023: Die Zeitungshaus AG von Christoph Blocher und dessen Tochter Rahel Blocher entlässt 6 ihrer 158 Mitarbeitenden. Diese hätten zentrale Stabs­funktionen ohne redaktionellen Einfluss innegehabt, beteuert der Verlag in einer Mitteilung. Die Zeitungshaus AG sowie ihr Tochter­konzern Swiss Regiomedia geben 25 Gratis­zeitungen heraus, die meisten davon in der Ost- und Zentral­schweiz. Am bekanntesten ist das «Tagblatt der Stadt Zürich».

  • 18. April 2023: «Wir haben Fehler gemacht», verkündet die Republik in einem Newsletter. Eine im Sommer 2022 gewählte Wachstums­strategie habe nicht den erhofften Effekt erzielt, weshalb die Kosten im Hinblick auf das im Juli beginnende siebte Geschäftsjahr um «mindestens eine Million Franken» gesenkt werden müssten. Konkret bedeutet das: Die Republik entlässt 8 Personen, darunter 3 in der schreibenden Redaktion. Zudem tritt der Verwaltungsrat geschlossen zurück, um «einen kompletten Neustart zu ermöglichen», wie es im Newsletter heisst.

  • 6. Februar 2023: Der Verlag CH Media gibt bekannt, die Kosten bis Ende 2024 um 20 Millionen Franken senken zu wollen. Mit diesem «neuen Effizienz- und Kosten­senkungs­programm» reagiere man auf die steigenden Energie-, Papier- und Lohnkosten sowie auf die wegen des russischen Angriffs­krieges in der Ukraine wirtschaftlich allgemein unsichere Situation, heisst es in einer Medien­mitteilung. Nur gerade fünf Wochen zuvor – Ende 2022 – hatte CH Media ein im Herbst 2020 verkündetes Effizienz­programm zum Abschluss gebracht.

  • 18. Januar 2023: Nach 7 Jahren und 24 Ausgaben stellt das unabhängige Schweizer Gesellschafts­magazin «Ernst» seine Publikation ein. «Die Flügel der Ideen mögen uns zwar durchs Jahr tragen – aber die Finanzen halten nicht mit», heisst es in einer online veröffentlichten Stellungnahme. Das von Chefredaktor und Geschäftsführer Adrian Soller verantwortete «Ernst» war 2016 aus der «Männerzeitung» hervorgegangen.

  • 11. Januar 2023: Die Programm­zeitschrift «TV8» wird eingestellt, 5,5 Vollzeit­stellen gehen verloren. Die Inhalte von «TV8» werden in das Magazin «L’illustré» integriert, das seinerseits im Mai 2020 einen Personal­abbau hatte hinnehmen müssen.

2022: Das Stimmvolk lehnt einen Ausbau der Medien­förderung ab

An der Urne scheitert am 13. Februar 2022 ein vom Parlament beschlossenes Massnahmen­paket, das einen starken Ausbau der indirekten Presseförderung sowie die direkte Unterstützung von Online­portalen vorsah. Später im Jahr werden das Wissenschafts­magazin «Higgs», das Oltner Lokal­magazin «Kolt», das Bundeshaus-Radio und die «Medienwoche» eingestellt. Besser geht es den Grossen: Im Frühjahr 2022 geben die vier Grossverlage TX Group, CH Media, Ringier und NZZ bekannt, im Vorjahr sehr hohe Gewinne erzielt zu haben – freilich vorwiegend in anderen Geschäfts­feldern als dem Journalismus.

  • 16. Dezember 2022: Die G. Maurer AG, der bisher 50 Prozent der Berner Oberland Medien gehörten, verkauft ihre Anteile an die neue Allein­eigentümerin Tamedia. Über den Preis wird Still­schweigen vereinbart. Der grösste Schweizer Medien­konzern übernimmt damit die publizistische Verantwortung für die Regional­redaktionen von «Berner Oberländer» und «Thuner Tagblatt» – für die Medien­vielfalt im Kanton Bern ist der Deal, dem die Wettbewerbs­kommission im Mai 2023 ihren Segen erteilt, ein weiterer herber Dämpfer.

  • 9. November 2022: Die «Medienwoche» gibt bekannt, dass sie per Ende Jahr den Betrieb einstellt, weil es nicht gelungen sei, ausreichend Einnahmen aus dem Werbe- und Leser­markt zu generieren. Die von Chefredaktor Nick Lüthi verantwortete «Medienwoche» hatte während 12 Jahren über die Branche berichtet.

  • 2. November 2022: Nun wird bekannt, welches Tamedia-Ressort am stärksten vom Personal­abbau betroffen ist, den die Republik am 27. September vermeldet hat. Es ist das Ressort «Leben», zu dem die Bereiche Wissen, Kultur, Gesellschaft und Service gut zwei Jahre zuvor fusioniert wurden und in dem bisher rund 30 Personen arbeiteten. 4 langjährige Redaktoren werden per Ende Januar 2023 entlassen oder frühzeitig in Pension geschickt. Zugleich wird publik, dass 2 ebenfalls schon lange bei Tamedia tätige «Leben»-Redaktoren kurz zuvor von sich aus gekündigt haben. Auch im Wirtschafts­ressort wird eine Stelle eingespart.

  • 20. Oktober 2022: Das Bundeshaus-Radio stellt nach 26 Jahren seinen Betrieb ein. In seinen besten Zeiten belieferte das von Radio Zürisee betriebene Korrespondenten­büro rund 20 Stationen mit O-Tönen und Berichten aus Bundesbern. In den letzten Jahren hatten immer mehr Lokalradios ihr Abo gekündigt.

  • 27. September 2022: An einer kurzfristig anberaumten Orientierung informiert Tamedia die eigene Belegschaft über mindestens zwanzig Entlassungen. Betroffen ist einerseits die überregionale Mantel­redaktion, bei der zudem ein Teil der zahlreichen zurzeit offenen Stellen nicht neu besetzt wird; und andererseits die Produktions­abteilung (Tamedia Editorial Services), bei der in den letzten Jahren bereits mehrfach der Rotstift angesetzt wurde. In beiden Einheiten werden je rund 10 Personen entlassen. Die meisten von ihnen sollen früh­pensioniert werden, womit der Staat einen Teil der für sie bis zum Renten­alter anfallenden Kosten übernähme. Mittel­fristiges Ziel der Spar­übung: Die Anzahl Artikel soll sinken, genauso der Umfang der gedruckten Zeitungen – denn beides senkt die Produktions-, Papier- und Energie­kosten.

  • 21. September 2022: Der bisherige Inhaber Alfons Spirig verkauft die drei Inner­schweizer Radiosender Central, Sunshine und Eviva an den Grosskonzern CH Media, der Preis wird nicht genannt. Die Redaktionen bleiben eigenständig, auf einen Stellenabbau soll vorerst verzichtet werden. CH Media, das in der Region mit Radio Pilatus bereits einen Sender betreibt, hat damit neu zwölf Radio­stationen im Portfolio.

  • 3. Juli 2022: Der St. Galler Verlag Künzler Bachmann stellt die Wochen­zeitung «Spick News» ein, die 10- bis 15-jährige Jugendliche seit 2019 über das Welt­geschehen informierte. Die Gründe seien «rein wirtschaftlicher Art». Das monatlich erscheinende Schüler­magazin «Spick» hingegen wird weitergeführt.

  • 16. Juni 2022: Die Personal­kommission der Nachrichten­agentur Keystone-SDA bricht den Kontakt zur Unternehmens­leitung ab. Grund für den Streit ist ein neues Personal­reglement, mit dem vor allem ältere und langjährige Angestellte ab 2023 «zu weitaus schlechteren Vertrags­bedingungen arbeiten», wie die rund 200 Köpfe zählende Redaktion kritisiert. Es geht unter anderem um Einbussen beim Ferien­anspruch, beim Kündigungs­schutz sowie bei der Kompensation von Abend- und Wochenend­einsätzen.

  • 25. Mai 2022: Somedia stellt die Gratiszeitung «Glarner Woche» ein, die in den vergangenen 14 Jahren wöchentlich und zuletzt mit einer Auflage von mehr als 20’000 Exemplaren erschienen ist. Die Rapperswiler Gratiszeitung «Obersee Nachrichten», die Somedia an Fridolin Medien aus Schwanden verkauft, wird von der neuen Besitzerin weitergeführt.

  • 28. April 2022: Nach viereinhalb Jahren stellt das Wissenschafts­magazin «Higgs» seinen Betrieb per Ende Juli ein. Nachdem in den beiden Pandemie­jahren 2020 und 2021 zahlreiche Leserinnen hatten gewonnen werden können, seien die Nutzer­zahlen in den vergangenen sechs Monaten stark gesunken, heisst es in einer Mitteilung. Gleichzeitig hätten Stiftungen und Sponsoren ihre Beiträge gekürzt oder sich komplett zurückgezogen – Verluste, die auch ein im Oktober 2021 eingeführtes Membership-Modell nicht hätten kompensieren können. Sieben Arbeitsplätze von fest angestellten Mitarbeiterinnen sowie zwei Praktikums­stellen gehen verloren.

  • 28. April 2022: In der Redaktion von «20 Minuten» kommt es zum Abbau von 1,8 Vollzeit­stellen, eine im Videoteam beschäftigte Person wird entlassen. Zudem kommt es zu einer Vielzahl von Sparmassnahmen, die nicht genauer erklärt werden. Begründet werden sie mit «schlechten Perspektiven» wegen des Krieges in der Ukraine.

  • 25. März 2022: Unmittelbar vor seinem 100. Geburtstag wird das Schweizer Agrarmagazin «Landfreund» eingestellt, das zuletzt von einem deutschen Verlag herausgegeben wurde.

2021: Bei Tamedia und SRG kommt es zu Einsparungen und Entlassungen

Weiterhin wirkt sich das Coronavirus stark auf die Medien­branche aus: Kleinere Zeitungen werden eingestellt, bei den Grösseren kommt es zu teilweise massivem Stellen­abbau. So spart die SRG bei der Kulturbericht­erstattung und zwingt Radio­mitarbeitende, statt in Bern in Zürich zu arbeiten. Und Tamedia legt die Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» zusammen, lässt die kantonale Bericht­erstattung von fünf Zürcher Zeitungen zentral erstellen und spart sowohl in der Produktions­abteilung als auch in der Westschweiz.

  • 27. Oktober 2021: Beim Aargauer Verlag ZT Medien, der unter anderem das «Zofinger Tagblatt» herausgibt, kommt es zu einer Massen­entlassung. Bis zu 37,5 Vollzeit­stellen werden abgebaut, betroffen sind rund 50 von 175 Mitarbeiterinnen aus allen Unter­nehmens­bereichen. Der radikale Schritt sei notwendig, weil man mit dem Magazin «Tierwelt» Ende Jahr den grössten Kunden verliere, heisst es in einer Mitteilung. Wegen des Wegfalls dieses Druck­auftrags sei die Rotations­maschine viel schlechter ausgelastet, weshalb man sogar eine Schliessung in Betracht ziehen müsse.

  • 20. Oktober 2021: Die seit Mitte September schrittweise erfolgte Fusion der zuvor voneinander unabhängigen Lokal­redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» ist endgültig vollzogen. Zuvor hatten sich die Personal­kommission von Tamedia und die Geschäfts­leitung des grössten Verlags auf einen Sozialplan einigen können – nach langwierigen Verhandlungen und nur dank der Vermittlung der eidgenössischen Einigungs­stelle. Als Gegenprojekt zur Tamedia-Einheits­redaktion formiert sich ein neues Online­medium namens «Hauptstadt», das mit einem Crowdfunding bis zum 19. November mindestens tausend Abonnentinnen gewinnen will.

  • 24. August 2021: Tamedia setzt bei seinen Deutsch­schweizer Produktions­abteilungen (Editorial Services) den Rotstift an. 9 Mitarbeiter erhalten die Kündigung oder müssen eine Vertrags­änderung hinnehmen, zudem verzichtet der Verlag fortan ganz oder teilweise auf die Dienste von 8 freien Mitarbeiterinnen. Neu nennt Tamedia Letztere in internen Schreiben und Interviews euphemistisch «Honorar­empfänger».

  • 4. Juli 2021: Die jedes Wochen­ende von rund 70’000 Tessinern gelesene Gratis­zeitung «Il Caffè», die für ihre investigativen Recherchen bekannt war, erscheint nach 27 Jahren zum letzten Mal. Zwar gibt es mit der vom Verlag Gruppo Corriere del Ticino heraus­gegebenen Wochen­zeitung «La Domenica» ab Ende August ein Nachfolge­produkt, doch erweist sich dieses rasch als journalistisch weniger anspruchsvoll.

  • 17. Juni 2021: Die linksorientierte Westschweizer Zeitschrift «Domaine Public» wird eingestellt. 1963 als vierzehntägige Abonnementszeitschrift gegründet, erschien sie später vorübergehend wöchentlich, bevor sie ab 2007 nur noch digital veröffentlicht wurde.

  • 3. Juni 2021: Tamedia gibt bekannt, in der Westschweiz 6,5 Vollzeitstellen abzubauen. Einen knappen Monat später einigt sich der Konzern mit den Gewerkschaften und Personalvertretungen auf einen Sozialplan und reduziert den Abbau auf fünf Vollzeitstellen. Betroffen sind die Redaktionen von «Femina», «Le Matin Dimanche» und «T» sowie der redaktionelle Dienst. Der Stellenabbau ist Teil des von der TX Group im August 2020 angekündigten Sparplans.

  • 8. April 2021: Tamedia verkündet die definitive Zusammen­legung der Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» per Oktober 2021. Obwohl ab diesem Zeitpunkt von einer einzigen Redaktion über das Geschehen in der Stadt und im Kanton Bern berichtet werden wird, bleiben die beiden Zeitungs­titel bestehen. Das Kalkül dahinter: Die Abonnentinnen sollen möglichst nicht bemerken, dass sich an «ihrer» Zeitung etwas verändert. Die neue Redaktion wird rund 70 Mitarbeiter umfassen; 20 Vollzeit­stellen werden abgebaut. «In der Führungs­funktion finden fast alle bisherigen Kader­personen Platz», schreibt der anonyme Twitter-Account «EinheitsbreiBern». Entlassungen seien nur beim Fussvolk zu erwarten.

  • 29. März 2021: Die Waadtländer Wochen­zeitung «Journal de Moudon» wird nach 182 Jahren eingestellt. Schuld seien die Corona-Krise, ein starker Rückgang der Inserate und eine bei rund 1700 stagnierende Abonnenten­zahl, so der Verleger Anthony Demierre.

  • 10. Februar 2021: Tamedia schickt die Mitarbeiterinnen ihrer Mantel­redaktionen, der «Sonntags­Zeitung», von «Das Magazin» und der sogenannten «Editorial Services» (Layout, Bild, Korrektorat etc.) in Kurzarbeit. Die Lokal­redaktionen der zum Unternehmen gehörenden Zeitungen sind davon ausgenommen. Schon im Vorjahr hatte Tamedia monatelang Kurzarbeit ausgerufen. Für Aufruhr sorgen im grössten Verlags­haus des Landes zudem neue Leistungs­vereinbarungen: Redaktorinnen erhalten bei der Mitarbeitenden­beurteilung neu Punkte, wenn sie die Anzahl der engaged minutes ihres Ressorts, ihrer Zeitung oder des gesamten Verbundes stärken. Auf Deutsch: Wenn sie dazu beitragen, dass die Leserschaft länger auf den Tamedia-Onlineplattformen verweilt.

  • 9. Februar 2021: Das Online­magazin «Heidi News» macht publik, dass Tamedia in der Westschweiz im ersten Halbjahr 2021 rund 10 Stellen streichen wird. Von den Massnahmen sind die «Tribune de Genève», «24 Heures» und «Le Matin Dimanche» betroffen.

  • 29. Januar 2021: SRF spart bei der Kultur­berichterstattung. Abgebaut wird sowohl im TV- als auch im Radio­programm, dafür lanciert der Sender eine tägliche Kultur­bericht­erstattung bei Instagram. Während 20 Vollzeitstellen gestrichen werden – 3,6 von ihnen über Entlassungen –, werden 11 neue Stellen geschaffen. Ähnlich geht die SRG bei den Kultur­radios im Tessin («Rete Due») und in der Romandie («Espace 2») vor. Gewerkschaften kritisieren den «Kahlschlag». Der Abbau ist Teil der Ende September 2020 angekündigten und Anfang Oktober konkretisierten umfangreichen Sparmassnahmen.

  • 21. Januar 2021: Die Nachrichten­agentur Keystone-SDA wird verpflichtet, bei einem geplanten Personal­abbau in der Redaktion oder einer Anpassung ihres Leistungs­angebots vorgängig das Bundesamt für Kommunikation zu informieren. Im Gegenzug erhält sie seit Anfang 2021 jährlich 4 statt wie zuvor 2 Millionen Franken aus der Staatskasse. Das Bundesgeld lindert die Sorgen der Agentur, die seit Anfang Jahr auf Einnahmen von CH Media, «20 Minuten», «Walliser Bote» und auch NZZ verzichten muss, weil all diese Redaktionen ihre Abos auslaufen liessen. Trotz der erhöhten Zuwendungen vom Bund bleibt die Lage von Keystone-SDA gemäss CEO Jann Jenatsch ernst. Es sei klar, dass der Bedarf an staatlicher Unterstützung in Zukunft noch grösser werde, sagt er in einem Interview.

  • 13. Januar 2021: Die «Freiburger Nachrichten» streichen 5,5 ihrer 47,1 Vollzeitstellen. Grund dafür sei ein Rückgang der Werbe­einnahmen um 20 Prozent seit Beginn der Pandemie, teilt die Tages­zeitung mit.

  • 12. Januar 2021: Tamedia gründet ein «Redaktionsnetzwerk Zürcher Zeitungsverbund», das ab Juni die kantonale Bericht­erstattung für die Tages­zeitungen «Tages-Anzeiger», «Landbote», «Zürichsee-Zeitung», «Zürcher Unter­länder» und «Zürcher Ober­länder» übernimmt. Die Zusammen­legung stellt einen weiteren markanten Schritt in der Schweizer Medien­konzentration dar. Im besten Fall soll durch Kündigungen «nur» eine einstellige Anzahl Vollzeit­stellen abgebaut werden, heisst es an einer internen Mitarbeiterinformation.

  • 5. Januar 2021: Die Kleinbasler Zeitung «Vogel Gryff», die bis zum Beginn der Pandemie alle 14 Tage und danach einmal pro Monat erschien, stellt ihr eigenständiges Erscheinen aus wirtschaftlichen Gründen ein. Die rund 70-jährige, traditions­reiche Zeitung wird in das Monats­magazin «Basel aktuell» integriert, das als Stadt­ausgabe der bestehenden Publikation «Regio aktuell» neu lanciert wird. Wie viele Kündigungen ausgesprochen würden, sei noch nicht klar, heisst es in einer Mitteilung.

2020: Corona trifft die Verlage hart, die Konsequenzen sind nachhaltig

Das Jahrzehnt beginnt mit einer Pandemie: Im Zuge der Corona-Krise brechen die Werbe­erlöse ein. Mehrere Gross­verlage reagieren mit der Einführung von Kurzarbeit – und schütten gleichzeitig hohe Dividenden an ihre Aktionäre aus. Mehreren kleineren Verlagen hilft auch Kurzarbeit nichts mehr: Sie gehen in Konkurs oder müssen einen Teil der Redaktion entlassen. Unter anderen werden CNN Money Switzerland, das Mode- und Lifestyle-Magazin «Style» und «Le Régional» eingestellt.

  • 17. Dezember 2020: Der «Walliser Bote» gibt bekannt, überregionale Artikel ab Anfang 2021 nicht mehr von Keystone-SDA, sondern von der Zentral­redaktion von CH Media zu beziehen. Innert weniger Tage hat die Nachrichten­agentur damit die zweite Abokündigung zu verkraften: Auch das Gratismedium «20 Minuten» steigt aus. Dessen Chefredaktion will die Agentur­berichte und -bilder mit selbst produzierten Inhalten ersetzen: So soll jede Redaktorin mindestens drei Handy­fotos pro Woche ins interne Bildarchiv hochladen. In einer E-Mail kombiniert die Chefredaktion die Aufforderung mit einer unverhohlenen Drohung: «Und ja, wir können nachschauen, wer das tut und wer nicht.»

  • 28. Oktober 2020: Die Redaktionen der beiden Tages­zeitungen «Der Bund» und «Berner Zeitung» sollen per April 2021 zusammengelegt werden. Das verkünden die beiden Tamedia-Geschäftsführer Marco Boselli und Andreas Schaffner an einer internen Informations­veranstaltung. Es kommt zu einem Personal­abbau in noch unbestimmter Höhe. Für Bestürzung in den Redaktionen sorgt unter anderem Bosellis Rat an das Kultur­ressort des «Bundes», künftig mehr über Netflix­serien zu berichten. Artikel über Opern brächten zu wenig Klicks.

  • 29. September 2020: Die SRG verkündet, in den Jahren 2021 bis 2024 einen Sparplan im Umfang von 50 Millionen Franken umzusetzen. Gerechnet werde mit dem Abbau von rund 250 der aktuell insgesamt 5500 Vollzeit­arbeits­plätzen, heisst es in einer Mitteilung. Entlassungen seien dabei nicht zu vermeiden. Begründet wird das Spar­programm mit dem Werbe­rückgang wegen Covid-19: Im Vergleich zur Vorjahres­periode habe man im ersten Halbjahr 2020 65 Millionen Franken weniger eingenommen. Gestrichen werden unter anderem die Formate «Netz Natur», «Blickpunkt Religion», «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» und «52 beste Bücher»; die Swiss Music Award, Art on Ice und Basel Tattoo werden nicht mehr übertragen.

  • 29. September 2020: Der «Tages-Anzeiger» gibt seine (bereits seit Beginn der Corona-Krise pausierte) Fern­ausgabe nach 53 Jahren auf, wie das Branchen­magazin «Schweizer Journalist» berichtet. Zuletzt waren nur noch 300 Exemplare der 16-seitigen Wochen­zeitung gedruckt worden, die ein Best-of der Tagi-Artikel enthielt und unter anderem auf die Insel Bora Bora geliefert wurde. 60 Prozent der Auflage waren nach Europa, 30 Prozent nach Nord- und Süd­amerika sowie 10 Prozent nach Asien versandt worden.

  • 24. September 2020: Der Verlag CH Media lanciert ein neues Effizienz­programm mit dem Ziel, bis zum Ende des übernächsten Jahres 30 Millionen Schweizer Franken einzusparen. Es kommt zu einem Stellenabbau in noch unbestimmtem Umfang. Dem «Schweizer Journalist» sagt CH-Media-Verleger Peter Wanner, corona­bedingt rechne er bis Ende 2020 mit einer Einbusse von 70 Millionen Franken. «Mehr als die Hälfte davon können wir mit Einsparungen kompensieren.» Dazu gehöre ein Investitions­stopp, das Nicht­besetzen vakanter Stellen, Kurzarbeits­entschädigung, die Umfang­reduktion bei allen Print­erzeugnissen, der Verzicht auf die Produktion neuer TV-Formate sowie Einsparungen bei Marketing und Werbung.

  • 25. August 2020: Die TX Group gibt bekannt, bei ihren Bezahlzeitungen in den nächsten drei Jahren 70 Millionen Franken sparen zu wollen – dies entspricht rund 15 Prozent der Kosten. Damit dürfte es unter anderem beim «Tages-Anzeiger», der «Basler Zeitung» und den Zürcher Landzeitungen zu einem drastischen Personalabbau kommen. Die Tamedia-Geschäftsführer Andreas Schaffner und Marco Boselli kündigten an, der Abbau werde gestaffelt über drei Jahre laufen. «Zu rechnen ist mit dem Wegfall Dutzender journalistischer Stellen.» Zudem könnte die Co-Existenz von «Berner Zeitung» und «Der Bund» gefährdet sein – auch wenn Schaffner und Boselli es als ihre Ambition bezeichnen, beide Titel im Markt zu halten: «Wir glauben, dass es in der Zusammenarbeit unserer beiden Zeitungen in Bern noch erhebliches Synergie­potenzial gibt». Die Einschnitte erfolgen, obwohl der Verkauf der digitalen Abonnemente im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 46 Prozent gesteigert werden konnte.

  • 25. August 2020: Die zwölfköpfige Redaktion des Social-Media-Magazins «Izzy» wird aufgelöst. Man werde Gespräche über Weiterbeschäftigungen der Angestellten führen, teilt der Ringier-Verlag mit. Es komme jedoch zu Entlassungen. Ab Oktober soll ein komplett neues Team die «Izzy»-Hülle übernehmen (sprich: die reichweitenstarken Accounts auf Instagram, Facebook und Youtube) – und mit einem nicht näher ausgeführten «frischen Konzept» weiterführen.

  • 20. August 2020: Das Schweizer Fernsehen SRF spart. Gestrichen wird unter anderem die Wirtschaftssendung «Eco» und «Sportaktuell», zudem werden künftig fast keine Filme, Dokumentationen und Serien mehr aus dem Ausland eingekauft. Statt ins lineare Programm wird ins digitale Storytelling und in Podcasts investiert: So sind auf Youtube und Instagram neue Musikkanäle geplant.

  • 18. August 2020: CNN Money Switzerland stellt den Betrieb ein. «Der Ball liegt nun beim Konkursrichter», sagt Gründer und CEO Christophe Rasch. An den Standorten Zürich und Gland (Waadt) verlieren 25 Mitarbeiter ihren Job, darunter die prominente Wirtschafts­journalistin Patrizia Laeri, die erst kurz zuvor von SRF gekommen ist. CNN Money Switzerland hat während zweieinhalb Jahren werktags von 18 bis 21 Uhr in englischer Sprache gesendet.

  • 11. August 2020: Ringier Axel Springer Schweiz will bei den Publikums­zeitschriften sparen und baut 35 Stellen ab. Das Mode- und Lifestyle-Magazin «Style» wird eingestellt, die Produktion des alle zwei Monate als Beilage der «Handels­zeitung» und der «Bilanz» erscheinenden Mode- und Kultur-Magazins «Bolero» wird an zwei bisherige Redaktionsmitglieder ausgelagert. Zudem werden die Redaktionen von «Schweizer Illustrierte» und «SI online» verkleinert und organisatorisch zusammen­geführt.

  • 29. Juni 2020: «Im laufenden Jahr 2020 stehen für die Gruppe die Kosten im Vorder­grund», hatte die TX Group im März bei der Präsentation des Geschäfts­berichts angekündigt. Drei Monate später wird klar, was das bedeutet: Der grösste Schweizer Medien­konzern gibt bekannt, bis 2023 bei den zentralen Diensten (Corporate-, Group- sowie Technology-Services) 20 Prozent der Kosten reduzieren und damit Einsparungen in Höhe von 20 Millionen Franken erzielen zu wollen. Neben der Senkung von Sachkosten ist ein Abbau von rund 40 Stellen vorgesehen.

  • 25. Juni 2020: Die NZZ-Mediengruppe verkündet eine sogenannte «Strategieschärfung». Gemeint sind damit eine unternehmens­weite Senkung der Kosten um rund 13 Millionen Franken oder knapp 10 Prozent sowie ein Stellen­abbau von etwa 5 Prozent – wobei es nur «vereinzelt» zu Entlassungen kommen soll. Nach NZZ-Angaben sind 780 Mitarbeiterinnen für das Medien­haus tätig. Der Branchen­verband Impressum rechnet entsprechend mit «mehreren Dutzend» Betroffenen.

  • 29. Mai 2020: CH Media gibt bekannt, die Ostschweizer Wochen­zeitung «A» eine Woche darauf letztmals heraus­zugeben. «‹A› wird aufgrund rasant sinkender Umsätze im Zusammen­hang mit der Corona-Krise und einem negativen Ausblick eingestellt», sagt ein Konzern­sprecher. Vom Ende des Blatts nach drei Jahren sind 3 Mitarbeiter betroffen.

  • 24. Mai 2020: Die Herausgeber der Westschweizer Wochen­publikation «Micro» geben bekannt, sechs Tage darauf zum letzten Mal eine Ausgabe zu veröffentlichen. Die Hauptkunden der Zeitung – Cafés, Arztpraxen und Coiffeursalons – hätten besonders stark unter der Covid-19-Pandemie gelitten, begründen die Verantwortlichen. Die Veröffentlichung in Papierform hatten sie bereits ab dem 17. März ausgesetzt.

  • 6. Mai 2020: Ausgerechnet am Tag ihres 25-Jahr-Jubiläums sieht sich die Waadtländer Wochen­zeitung «Le Régional» gezwungen, die Bilanz zu deponieren. Zwar erreicht die Redaktion mit 102’000 Lesern so viele wie nie in ihrer Geschichte, doch brechen ihr die ausbleibenden Werbe­erlöse das Genick. Alle 13 Mitarbeiter werden entlassen.

  • 24. Februar 2020: Das Zofinger Traditionsunternehmen ZT Medien stellt die beiden Gratis-Wochenzeitungen «Surentaler» und «Oberwiggertaler» aus wirtschaftlichen Gründen ein und zieht sich aus den Regionen zurück. Vier Wochen später erscheint auch der «Oberaargauer» zum letzten Mal.

  • 30. Januar 2020: CH Media gibt bekannt, dass die Redaktion der «Appenzeller Zeitung» von Herisau nach St. Gallen zügelt, an den Haupt­sitz des «St. Galler Tagblatts». Nach Obwalden ist Appenzell Ausser­rhoden damit der zweite Halbkanton, der ohne eigene Bericht­erstatter vor Ort auskommen muss. «Wenn ich zwischen Personal­abbau und Umzug entscheiden muss, dann wähle ich den Umzug», sagt der Leiter der Ausserrhoder Redaktion.

Die 2010er-Jahre: Blocher steigt ins Medien­geschäft ein, bei SDA und SRG wird gespart – und Tamedia siegt

SVP-Politiker Christoph Blocher steigt bei der «Basler Zeitung» ein und wieder aus, bevor er Chef von mehr als zwei Dutzend Gratis­zeitungen wird. Die SRG übersteht zwar die No-Billag-Initiative, muss aber dennoch sparen. Bei der Nachrichten­agentur SDA kommt es zum Streik. Und während der Aufstieg von Tamedia zum mächtigsten Medien­konzern des Landes unaufhaltsam weitergeht, bündeln die AZ Medien und die NZZ Regional­medien im Joint Venture CH Media ihre Kräfte.

  • 26. November 2019: Journalismus verliert bei Tamedia weiter an Bedeutung. Der grösste private Medienkonzern des Landes wird zu einer holdingähnlichen Organisation mit vier weitgehend eigenständigen Unternehmen umgebaut und in TX Group umbenannt. Dies dient dem Ziel, die wenig rentablen Bezahlmedien zunächst für staatliche Medien­förderung zu positionieren und in einem späteren Schritt allenfalls gar abzustossen. Die Krise des Tamedia-Journalismus manifestiert sich schon früher im Jahr, als der Verlag immer stärker auf «Native Advertising» zu setzen beginnt. Zunächst kritisiert der Schweizer Presserat den Täuschungs­versuch der Leserschaft, dann verfassen 128 Redaktorinnen und Produzenten von «Tages-Anzeiger», «Bund» und «Berner Zeitung» einen Protestbrief («Nicht in unserem Namen!»). Doch Verleger Pietro Supino zeigt sich uneinsichtig.

  • 24. Oktober 2019: Tamedia gibt bekannt, die Printausgabe des kostenlosen Lifestyle-Magazins «20 Minuten Friday» nach elf Jahren einzustellen, obwohl es immerhin 681’000 Leserinnen und Leser hat. Es kommt zu fünf Kündigungen und Pensen­reduktionen. «Es ist ein Jammer», sagt Chefredaktor Gaudenz Looser in einem Interview. «Aber es ist die Konsequenz aus der wirtschaftlichen Situation. Und es ist die Konsequenz aus dem Verhalten des Werbemarktes.» Weil Inserate fehlten war «20 Minuten Friday» bereits ab Februar 2018 nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch monatlich erschienen – diese Umstellung hatte drei Mitarbeiterinnen den Job gekostet.

  • 26. September 2019: CH Media schliesst in der Ost-, der Zentral- und der Nordwest­schweiz mehrere Standorte und baut rund 15 Vollzeitstellen ab, es kommt zu Kündigungen. Aufgegeben wird unter anderem das Büro des «St. Galler Tagblatts» in Rorschach. Die Redaktionen der «Urner Zeitung», der «Obwaldner Zeitung» und der «Nidwaldner Zeitung» werden in Stans zusammen­gelegt. Die «Aargauer Zeitung» schliesst ihre Reporter­büros in Muri und Reinach.

  • 23. Mai 2019: Der «Corriere del Ticino» entlässt sieben Personen, zwei weitere werden frühpensioniert. Es ist die zweite Hiobs­botschaft in der Tessiner Zeitungs­landschaft innert eines Jahres, nachdem von der Schliessung des kirchennahen «Giornale del Popolo» im Mai 2018 30 Mitarbeitende betroffen waren. Grund hierfür war der Konkurs der Werbe­agentur Publicitas gewesen.

  • 5. November 2018: Die Basler «Tageswoche» stellt ihren Betrieb ein. Die Stiftung für Medienvielfalt, die das Projekt zu grossen Teilen finanzierte, will die Defizite nicht länger decken. Gründe für die tiefroten Zahlen sind ein rückläufiger Inserate­verkauf und sinkende Abozahlen. Nach sieben Jahren ist damit für knapp 30 Angestellte Schluss.

  • 19. September 2018: Ein halbes Jahr nach der überstandenen Abstimmung über die Volksinitiative zur Abschaffung der Radio- und Fernseh­gebühren (No-Billag-Initiative) entscheidet der SRG-Verwaltungsrat, Ende 2020 rund 170 Mitarbeiter und somit einen Grossteil der Radio-Informations­abteilung zum Umzug von Bern nach Zürich zu verdonnern. Mit der Massnahme sollen ohne Abbau von Arbeits­plätzen jährlich 5 Millionen Franken gespart werden. Politiker mehrerer Parteien gehen auf die Barrikaden: Der Medienplatz Bern drohe zum Satelliten von Zürcher Verlags­häusern und des in Zürich domizilierten SRF zu verkommen. Im Juni 2019 verkündet die neue SRF-Direktorin Nathalie Wappler, die Pläne zu überdenken – allenfalls könnten zumindest die Radio­sendungen «Echo der Zeit», «Tagesgespräch» und «Rendez-vous» doch weiterhin in Bern produziert werden. Definitiv entschieden sei allerdings noch nichts.

  • 18. April 2018: Tamedia kauft die «Basler Zeitung» von der Zeitungshaus AG um Christoph Blocher, die im Gegenzug von Tamedia das «Tagblatt der Stadt Zürich», den «Rümlanger» und den «Furttaler» übernimmt. Die «Basler Zeitung», um die auch die AZ Medien buhlte, soll nach der Übernahme sofort ins «Projekt 2020» der Tamedia integriert werden. «Allein wäre die ‹Basler Zeitung› zum Tode verurteilt», sagt Blocher. Die Wettbewerbs­kommission prüft die Übernahme und bewilligt sie am 10. Oktober 2018 ohne Auflagen.

  • 30. Januar 2018: Die Redaktion der Nachrichtenagentur SDA tritt in einen unbefristeten Streik, nachdem ihr Geschäfts­führer wenige Wochen zuvor den grössten Abbau in der Geschichte des Unter­nehmens bekannt gegeben hat: Drei Monate nach Bekannt­werden der Fusion mit der Fotoagentur Keystone fallen 35 bis 40 von insgesamt 150 Stellen weg; Mitarbeiter über 60 Jahre sollen pauschal entlassen werden, egal, wie gut vernetzt sie sind, egal, wie lange sie schon für die Agentur arbeiten; wer von sich aus kündigt, wird nicht ersetzt. Nach dreieinhalb Tagen setzt die Redaktion den Streik aus, da der Verwaltungsrat in Verhandlungen eingewilligt hat. Am Ende schauen einige Verbesserungen des Sozialplans heraus, zudem wird die kollektive Entlassung aller Redaktorinnen über 60 zurück­genommen; die SDA aber bleibt ausgepresst wie eine Zitrone.

  • 17. Januar 2018: Das Unternehmen Société Neuchâteloise de Presse SA gibt bekannt, dass seine beiden Zeitungen «L’Express» und «L’Impartial» künftig unter einem Titel erscheinen werden. Das neue Einheitsblatt trägt den Titel «ArcInfo», wie das schon seit 2008 gemeinsam geführte Online-Portal.

  • 12. Januar 2018: Mode­unternehmer Fredy Bayard übernimmt die Mengis Druck und Verlag AG, die unter anderem die Oberwalliser Tages­zeitung «Walliser Bote» herausgibt und eine Beteiligung am Lokal­sender Radio Rottu Oberwallis hält. Die rund 200 Mitarbeitenden werden weiter­beschäftigt. Der Verlag war seit 1931 im Besitz der Familie Mengis gewesen.

  • 7. Dezember 2017: Die NZZ-Mediengruppe und AZ Medien kündigen an, ihr Regionalzeitungs­geschäft in ein Joint Venture zusammen­zuführen. Eine gemeinsame Zentral­redaktion soll mehr als zwanzig Titel – darunter die «Aargauer Zeitung», das «St. Galler Tagblatt» und die «Luzerner Zeitung» – in dreizehn Kantonen mit Inhalten beliefern. Am 16. August 2018 stimmt die Wettbewerbskommission dem Deal nach vertiefter Prüfung zu. Am 1. Oktober 2018 nimmt die gemeinsame Mantelredaktion die Arbeit auf.

  • 23. August 2017: Tamedia fusioniert ihre 14 Redaktionen zu je einer Einheits­redaktion in der Deutsch- und in der Westschweiz. Drei sogenannte Kompetenzzentren in Zürich, Bern und Lausanne beliefern den «Tages-Anzeiger», den «Landboten», die «Zürichsee-Zeitung», den «Zürcher Unterländer», die «Berner Zeitung», den «Bund», den «Berner Oberländer», das «Thuner Tagblatt» und ein halbes Dutzend weitere Titel in beiden Landesteilen ab 2018 mit Inhalten zu Inland, Ausland, Wirtschaft, Sport, Wissen, Kultur und Gesellschaft.

  • 22. August 2017: Tamedia kündigt an, die Redaktionen von «20 minutes» und «Le Matin» zu fusionieren. Damit werden ab 2018 78 Prozent aller Leserinnen in der Romandie von nur noch einer Redaktion eines Konzerns informiert: Tamedia.

  • 16. August 2017: Die Basler BaZ Holding von Christoph Blocher, Markus Somm und Rolf Bollmann übernimmt rückwirkend auf Anfang 2017 den Ostschweizer Zehnder-Verlag mit 24 Gratiszeitungen.

  • 23. Januar 2017: Ringier Axel Springer stellt das Magazin «L’Hebdo» ein.

  • 11. April 2014: Ringier kauft die Mehrheit an «Le Temps».

  • 27. August 2013: Tamedia übernimmt von der Winterthurer Ziegler Druck- und Verlags-AG die Mehrheit am «Landboten».

  • 2010: Financier Tito Tettamanti und Medienanwalt Martin Wagner kaufen die «Basler Zeitung» («BaZ»). Erst 2013 bestätigt sich das Gerücht, dass Christoph Blocher hinter dem Deal steckt. 2014 übernehmen Blocher, der Journalist Markus Somm und der Medienmanager Rolf Bollmann die «BaZ» offiziell. In der Westschweiz übernimmt der französische Medien­konzern Hersant die Mehrheit am «Nouvelliste» und schliesst ihn mit «La Côte», «L’Impartial», «L’Express» und «Journal du Jura» zusammen.

  • 2010: Tamedia übernimmt von der NZZ die Beteiligungen an «Zürcher Unterländer», «Zürichsee-Zeitung» und «Zürcher Oberländer». Im Gegenzug übernimmt die NZZ von Tamedia die «Thurgauer Zeitung».

Die 2000er-Jahre: Die Gratis­zeitungen beschleunigen den Konzentrations­prozess, grosse Gewinnerin ist Tamedia

Die Gratiszeitungen saugen die Werbegelder aus den Bezahlzeitungen, lassen den Lesermarkt erodieren und verschaffen Tamedia damit den Hebel, um die Konkurrenz in Bern und der Westschweiz endgültig in die Knie zu zwingen.

  • 2009: Tamedia übernimmt bis Ende 2011 die Westschweizer Edipresse und damit die Tageszeitungen «24 Heures», «Tribune de Genève» und «Le Matin» sowie die Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche». «Le Matin Bleu» wird eingestellt. Im Aargau übernimmt die AZ Medien die Solothurner Vogt-Schild AG und deren «Solothurner Zeitung».

  • 2007: Tamedia kauft Espace Media und übernimmt damit «Berner Zeitung», «Bund» und Beteiligungen an «Berner Oberländer» und «Thuner Tagblatt». Dafür wird das Nachrichtenmagazin «Facts» geschlossen. Ringier schliesst «Cash». Die AZ Medien kaufen die «Basellandschaftliche Zeitung».

  • 2006: Tamedia lanciert die Gratiszeitung «20 minutes». Ringier steigt mit «heute» und «Cash daily» ins Gratiszeitungs­geschäft ein. «heute» wird 2008 durch den «Blick am Abend» ersetzt, «Cash daily» 2009 wieder eingestellt. Ebenfalls 2006 wird das Appenzeller Medienhaus an das «St. Galler Tagblatt» verkauft, nachdem die «Appenzeller Zeitung» ihre überregionalen Inhalte schon seit 1998 aus St. Gallen bezog.

  • 2005: Tamedia übernimmt von der Familie Huber die «Thurgauer Zeitung», die vier Jahre zuvor aus der Fusion von «Thurgauer Tagblatt», «Thurgauer Volksfreund», «Thurgauer Volkszeitung», «Bischofszeller Zeitung» und «Bischofszeller Nachrichten» entstanden war. In der Romandie lanciert Edipresse die Gratiszeitung «Le Matin Bleu».

  • 2004: Die NZZ-Gruppe übernimmt die Mehrheit an der LZ Medien Holding, der Herausgeberin der «Neuen Luzerner Zeitung».

  • 2003: Die Espace Media kauft die Aktienmehrheit der NZZ am «Bund».

  • 2001: «Aargauer Zeitung», «Solothurner Zeitung», «Oltner Tagblatt» und «Zofinger Tagblatt» schliessen sich zur «Mittelland-Zeitung» zusammen.

Die 1990er-Jahre: Erste Gross­fusionen in Luzern und in der Zentral- und Ostschweiz führen zu Monopol­zeitungen

Nach frühen Fusionen in Bern und Basel erreicht die Medienkonzentration ihren ersten grossen Höhepunkt zu Beginn der 1990er-Jahre. Innerhalb von nur fünf Jahren wird aus drei Luzerner Zeitungen nur noch eine. Das gleiche Szenario wiederholt sich kurz darauf in der Ostschweiz.

  • 1999: Die norwegische Schibsted und die schwedische Metro International S.A. lancieren in der Schweiz kurz nacheinander zwei Gratiszeitungen: «20 Minuten» und «Metropol». 2003 wird «Metropol» wieder eingestellt und Tamedia kauft «20 Minuten».

  • 1998: Die Zeitung «Ostschweiz» erscheint nach 125 Jahren zum letzten Mal. In Bern übernimmt die NZZ die Aktienmehrheit am «Bund».

  • 1997: Zehn Blätter aus Graubünden, Glarus, St. Gallen und Schwyz bilden die Zeitung «Südostschweiz». Zur neuen Somedia gehören auch «Bündner Zeitung», «Bündner Tagblatt» und die romanische «La Quotidiana». In der Romandie fusionieren «Le Nouveau Quotidien» und «Le Journal de Genève» zu «Le Temps». Die «Berner Tagwacht» wird nach 105 Jahren eingestellt.

  • 1996: Aus Ringiers «Luzerner Neusten Nachrichten» und der 1991 fusionierten «Luzerner Zeitung» wird die «Neue Luzerner Zeitung». Das «Aargauer Tagblatt» und das «Badener Tagblatt» fusionieren zur «Aargauer Zeitung».

  • 1994: Im Kanton Aargau arbeiten «Aargauer Tagblatt», «Zofinger Tagblatt» und «Oltner Tagblatt» unter dem gemeinsamen Titel «Mittelland-Zeitung» zusammen, im Kanton Bern «Thuner Tagblatt», «Berner Oberländer» und «Oberländisches Volksblatt» unter dem Titel «Berner Oberland Zeitung». Beides sind Vorboten späterer Fusionen. Im Jura fusionieren «Le Pays» und «Le Démocrate» zu «Le Quotidien Jurassien». Die Genfer Tageszeitung «La Suisse» wird aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.

  • 1991: Die NZZ steigt beim «St. Galler Tagblatt» als Mehrheitsaktionärin ein. In Luzern schliessen sich «Vaterland» und «Luzerner Tagblatt» zur «Luzerner Zeitung» zusammen. In der Romandie fusionieren «Journal de Genève» und «Gazette de Lausanne» zum «Journal de Genève et Gazette de Lausanne».

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