
Eine Smartwatch lügt nicht
Sexuelle Übergriffe von Taxi-Chauffeuren kommen allzu häufig vor. Fast immer steht danach Aussage gegen Aussage. Eine schwierige Ausgangslage für die Gerichte. Ausser, es taucht ein unerwartetes Beweismittel auf.
Von Brigitte Hürlimann, Gérôme Martin und Boas Ruh, 24.11.2025
Es ist Dezember, kurz vor Weihnachten. Nach einem Geschäftsessen in der Stadt Zürich ziehen die Arbeitskollegen weiter, es wird eine lange Nacht mit reichlich Alkohol. Als eine der Frauen kaum noch auf den Beinen stehen kann, organisiert eine fürsorgliche Vorgesetzte ein Uber-Taxi für die junge Frau.
Das Schweizer Justizsystem hat seine Tücken. In «Dritte Gewalt» spricht die langjährige Gerichtsreporterin Brigitte Hürlimann mit Boas Ruh über ihre spannendsten Fälle. Über fehlerhafte Gutachten, die parallele Militärjustiz und die schwierige Wahrheitsfindung bei Vier-Augen-Delikten.
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Die Fahrt dauert knapp dreissig Minuten, doch dann bleibt der Chauffeur noch eine Stunde lang vor dem Wohnhaus seiner Kundin stehen, die im Taxi auf der Rückbank eingeschlafen ist. Was ist in dieser Zeit geschehen? Die Schilderungen der Frau und des Fahrers gehen diametral auseinander. Was die Aussagen der Kundin jedoch eindrücklich unterstützt, ist die Smartwatch an ihrem Handgelenk.
Gerichtsreporterin Brigitte Hürlimann spricht mit Boas Ruh über die Häufung von Übergriffen in Taxis, über Ratschläge von Fachleuten – und darüber, was forensic nurses sind.
Der Artikel zur Gefahr im Uber erschien in der Republik im März dieses Jahres. Im Republik-Archiv finden Sie auch alle anderen Beiträge des Briefings «Am Gericht».
Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich hat im April 2024 ein Pilotprojekt gestartet, um die Hürden für forensische Abklärungen bei Verdacht auf Sexualdelikte zu senken. In vielen Fällen wird von Betroffenen verlangt, Anzeige zu erstatten, nur dann wird eine Untersuchung gewährt. Nicht so im Kanton Zürich. Die forensic nurses sind kostenlos unter der Nummer 0800 09 09 09 erreichbar und kommen für die Abklärung auch zu Betroffenen nach Hause.
Auch manche Spitäler in der Schweiz bieten Opfern von Gewalt und Übergriffen diskrete Untersuchungen an, ohne automatisch die Polizei zu involvieren. Dazu gehören unter anderem Bern, Chur, die Ostschweiz und die Romandie.