Joël Hunn

Dritte Gewalt

Eine Smartwatch lügt nicht

Sexuelle Übergriffe von Taxi-Chauffeuren kommen allzu häufig vor. Fast immer steht danach Aussage gegen Aussage. Eine schwierige Ausgangs­lage für die Gerichte. Ausser, es taucht ein unerwartetes Beweis­mittel auf.

Von Brigitte Hürlimann, Gérôme Martin und Boas Ruh, 24.11.2025

Eine Smartwatch lügt nicht
0:00 / 30:27

Es ist Dezember, kurz vor Weihnachten. Nach einem Geschäfts­essen in der Stadt Zürich ziehen die Arbeits­kollegen weiter, es wird eine lange Nacht mit reichlich Alkohol. Als eine der Frauen kaum noch auf den Beinen stehen kann, organisiert eine fürsorgliche Vorgesetzte ein Uber-Taxi für die junge Frau.

Zu diesem Podcast

Das Schweizer Justiz­system hat seine Tücken. In «Dritte Gewalt» spricht die langjährige Gerichts­reporterin Brigitte Hürlimann mit Boas Ruh über ihre spannendsten Fälle. Über fehlerhafte Gutachten, die parallele Militär­justiz und die schwierige Wahrheits­findung bei Vier-Augen-Delikten.

Wir freuen uns über Rück­meldungen im Dialog oder via Sprach­nachricht an 079 507 60 59.

Die Fahrt dauert knapp dreissig Minuten, doch dann bleibt der Chauffeur noch eine Stunde lang vor dem Wohn­haus seiner Kundin stehen, die im Taxi auf der Rück­bank eingeschlafen ist. Was ist in dieser Zeit geschehen? Die Schilderungen der Frau und des Fahrers gehen diametral auseinander. Was die Aussagen der Kundin jedoch eindrücklich unterstützt, ist die Smart­watch an ihrem Handgelenk.

Gerichtsreporterin Brigitte Hürlimann spricht mit Boas Ruh über die Häufung von Über­griffen in Taxis, über Ratschläge von Fach­leuten – und darüber, was forensic nurses sind.

Der Artikel zur Gefahr im Uber erschien in der Republik im März dieses Jahres. Im Republik-Archiv finden Sie auch alle anderen Beiträge des Briefings «Am Gericht».

«Forensic nurses»

Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich hat im April 2024 ein Pilot­projekt gestartet, um die Hürden für forensische Abklärungen bei Verdacht auf Sexual­delikte zu senken. In vielen Fällen wird von Betroffenen verlangt, Anzeige zu erstatten, nur dann wird eine Untersuchung gewährt. Nicht so im Kanton Zürich. Die forensic nurses sind kostenlos unter der Nummer 0800 09 09 09 erreichbar und kommen für die Abklärung auch zu Betroffenen nach Hause.

Auch manche Spitäler in der Schweiz bieten Opfern von Gewalt und Übergriffen diskrete Untersuchungen an, ohne automatisch die Polizei zu involvieren. Dazu gehören unter anderem Bern, Chur, die Ostschweiz und die Romandie.

Von der Redaktion empfohlen

Was andere lesen

Die meistbeachteten Beiträge der vergangenen Tage

Verpasst?

Was in den letzten Wochen zu reden gab