Antworten, klatschen, Unterstützung holen
Wir haben die Downvotes abgeschafft! Vorerst. Ausserdem: ausgewählte Dialogdiskussionen rund ums Erben, das Recht auf digitale Unversehrtheit und Ihre Sprachkenntnisse.
Von Lucia Herrmann, 24.11.2025
Vielleicht ist es Ihnen auch schon einmal so gegangen wie dieser Verlegerin:
Wenn ich hier selber kommentiere, bin ich oft irritiert über ein «bluttes» Downvoting. Weil eigentlich interessiert es mich nicht, ob jemand anderer Meinung ist, sondern warum man meinem Kommentar nicht zustimmt. Eine formulierte andere Ansicht führt zur Reflektion meinerseits, wozu ich grundsätzlich immer gerne bereit bin.
Wer einen Dialogbeitrag kommentarlos mit einem Pfeil nach unten bewertet, bringt damit Ablehnung zum Ausdruck – oder war es Unbehagen, Ärger, Gegenrede? So ganz genau weiss das bloss die Person, die das Downvote gesetzt hat. Alle anderen ziehen ihre eigenen Schlüsse daraus.
In den vergangenen Jahren haben uns Verlegerinnen zurückgemeldet, dass sie sich nicht oder nur ungern am Dialog beteiligen, weil sie befürchten, negativ bewertet zu werden. Und die Downvotes waren jüngst auch in der Debatte zur Urabstimmung Thema.
Wir wünschen uns, dass der Republik-Dialog ein einladender Ort ist, an dem Sie Fragen stellen, Erfahrungen und Meinungen austauschen und diskutieren können – ein Ort, der Sie und den Journalismus der Republik weiterbringt. Und an dem sich jede Person äussern kann, die das möchte.
Deshalb setzen wir die Up- und Downvotes ab heute aus und machen ein paar kleinere Anpassungen:


Klatschen: Wenn Ihnen ein bestimmter Dialogbeitrag positiv auffällt, dann sorgen Sie mit einem «Klatschen» dafür, dass er für andere sichtbarer wird. Dialogbeiträge, die besonders häufig beklatscht werden, rutschen in der Sortierung «Beliebteste» nach oben. Wer neu zum Dialog dazustösst, sieht so die viel beklatschten Beiträge zuerst. Damit richten wir die Aufmerksamkeit auf Dialogbeiträge, die besonders interessant, bewegend, originell oder konstruktiv sind.
Flagge: Wenn Sie den Eindruck haben, ein Dialogbeitrag verstosse gegen die Etikette, dann machen Sie die Moderation darauf aufmerksam. Beim Klick auf die «Flagge» erscheint ein Eingabefeld, in das Sie eine kurze Begründung schreiben. Zum Beispiel: «Ich empfinde diese Antwort als persönlichen Angriff» oder «Verstösst diese Aussage nicht gegen die Etikette?». Daraufhin wird das Moderationsteam benachrichtigt und schaut sich den betreffenden Dialogbeitrag so schnell wie möglich an. Die «Flagge» ist nicht neu, aber nun deutlich besser sichtbar.
Inhaltlicher Widerspruch ist selbstverständlich weiterhin möglich. Wir bitten Sie aber, Ihre Gedanken oder Fragen in Form einer Antwort auszuformulieren. So können andere Mitlesende oder Ihr Gegenüber darauf reagieren, wenn sie dies möchten.
Insbesondere bei polemisch oder provokativ formulierten Äusserungen lohnt es sich häufig, einen Schritt zurück zu machen, einmal tief durchzuatmen und nicht darauf zu reagieren. Anstatt solchen Stimmen zusätzliche Aufmerksamkeit zu schenken.
Wir werden in den kommenden Monaten beobachten, ob und wie sich die kleinen Änderungen auf die Dialogkultur auswirken. Ob sich zum Beispiel mehr Frauen am Dialog beteiligen. Oder ob sich mehr Verleger zu Wort melden, die das davor noch nie oder bloss selten getan haben.
Und damit zu einer Auswahl an lesenswerten Stimmen aus dem Dialog der vergangenen Wochen, die Sie vielleicht verpasst haben:
Wie war das schon wieder mit der digitalen Unversehrtheit?
In der Schweiz wird immer intensiver um digitale Selbstbestimmung gerungen. Die Kantone Genf und Neuenburg haben das Recht auf digitale Integrität bereits in ihre Verfassungen aufgenommen. Am 30. November entscheidet das Zürcher Stimmvolk, ob der Kanton Zürich einen ähnlichen Verfassungsartikel erhält. In diesem Zusammenhang hat Adrienne Fichter aufgezeigt, was die Argumente der Befürworterinnen sind und wo diese auf Widerstand stossen. Im Dialog meldete sich eine der genannten Aktivistinnen gleich selber zu Wort:
Ich finde die Initiative hat gute Elemente und Denkanstösse, geht aber in ihrer Absolutheit definitiv viel zu weit. [...] Ich kann diverse Punkte nachvollziehen, aber es ist leider viel zu schwammig definiert, als dass es klar wäre, was dies nun in der Praxis bedeutet.
[...] Was jetzt passiert ist ein Bewusstwerdungsprozess über unsere Rechte und damit eine dringend nötige Explizierung, was das Recht auf Privatsphäre konkret bedeutet und welche Rechte sich daraus ergeben. [...]
Was das Grundrecht in jedem einzelnen Fall bedeutet, ist danach ein forwährender gesellschaftlicher Aushandlungsprozess, der ebenfalls einen bewussten Umgang schärft mit der Frage, wie und inwiefern wir digitalisieren und was nötig ist, um unsere Demokratie und damit untrennbar zusammenhängend: unsere Privatsphäre zu schützen.
Den weiteren Verlauf der Diskussion, in die sich auch zusätzliche Verleger einschalteten, können Sie hier nachlesen. Ausserdem reichte die Autorin noch einen Hinweis nach, der es aus Zeitgründen nicht in den eigentlichen Beitrag geschafft hatte:
Ich habe noch der Neuenburger SP-Kantonsrätin Anne Bramaud du Bucheron - die das Thema dort stark vorantrieb- ein paar Fragen gestellt, warum in Neuenburg selbst die bürgerlichen Politiker:innen dafür gestimmt haben:
Leider kamen die Antworten erst nach Redaktionsschluss rein, deshalb publiziere ich sie hier 1:1: [...]
Reichtum bewegt
Auf nationaler Ebene entscheiden die Stimmbürgerinnen Ende November über die Einführung einer Erbschaftssteuer auf Bundesebene. Kein Wunder, diskutierte auch die Republik-Community in letzter Zeit viel über die Verteilung von Reichtum über Generationen und innerhalb der Gesellschaft. Es gab inhaltliche Nachfragen, die Bezeichnung «Superreiche» wurde hinterfragt und ein Verleger stellte die These auf, dass Erbschaftssteuern im eigentlichen Sinne liberal seien. Es wurden weiterführende Interview-Hinweise geteilt und der Vorschlag eines «Philanthropie-Rankings» diskutiert. Dazu kam immer wieder die Frage auf: Wie radikal ist die aktuelle Abstimmungsvorlage?
Warum Sie Fremdsprachen lernen
Über folgende Frage wird in diesem Herbst zwar nicht abgestimmt, sie löst aber immer wieder emotionale Diskussionen aus (jüngst in Zürich): Soll das Frühfranzösisch an Deutschschweizer Schulen abgeschafft werden? Anstatt den Streit im Dialog weiterzuführen, wollten wir von Ihnen wissen, was es Ihnen heute gibt, eine Fremdsprache gelernt zu haben.
Einigen hat die Fremdsprache den Einstieg ins Berufsleben erleichtert:
Oder neue berufliche Erfahrungen ermöglicht:
Es wurde und wird nicht nur Französisch gelernt, auch Dänisch, Englisch, Tschechisch, sogar Isländisch. Bei dieser Verlegerin hat ein engagierter Lehrer seine Begeisterung für die unterrichtete Fremdsprache erfolgreich vermittelt, bei diesem Verleger war das Gegenteil der Fall – setzt Sprachenlernen gute Beziehungen voraus?
Viele weitere haben ihre Erfahrungen geteilt, vielleicht decken sie sich ja mit Ihren eigenen? Ein Verleger schrieb jedenfalls nach der Lektüre:
Danke an alle, die den Republik-Dialog mit ihren Beiträgen zu dem machen, was er ist.
Was sonst noch bei der Republik zu reden gibt, sehen Sie in der Übersicht auf unserer Dialogseite. Schalten Sie sich ein, lesen und diskutieren Sie mit – insbesondere, wenn Sie das bis jetzt noch nie oder bloss selten getan haben.
Zur Debatte: Wie geht es Ihnen im Republik-Dialog?
Jede Diskussion ist nur so gut wie ihre Teilnehmer. Der Republik-Dialog soll für alle Verlegerinnen zugänglich sein. Alle dürfen sich einschalten, aber niemand muss. Wir sind kritisch und direkt, aber immer höflich und respektvoll. Ist Ihnen in letzter Zeit etwas positiv oder negativ aufgefallen, hat Sie etwas irritiert? Haben Sie Vorschläge, wie der Dialog noch besser werden kann? Dann lassen Sie es uns wissen. Hier gehts zur Debatte über die Debatte.