Halbzeit im Klima­labor: So geht es jetzt weiter

In der zweiten Etappe des Klimalabors ist vor allem hinter den Kulissen viel passiert – wo wir stehen, und was nun als Nächstes kommt.

Von David Bauer, Theresa Leisgang (Text) und Cristina Spanò (Illustration), 19.04.2023

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Anfang Januar haben wir das Klimalabor gestartet, als Ort für Austausch und Experimente. Unser Ziel: bis im Sommer herauszu­finden, wie Journalismus aussehen sollte, der Sie in der Klimakrise weiter­bringt. In welcher Form und mit welchen Schwer­punkten soll die Republik die Klimakrise behandeln?

Über 7000 Menschen begleiten uns inzwischen auf dieser Expedition. Mit dem Ende von Etappe 2 sind wir nun auf halber Strecke angelangt. Dank Tausenden Anregungen von Ihnen haben wir etwas ganz Wichtiges erreicht:

Wir haben das Ziel nun klar im Blick. Und wissen, welchen weiteren Weg wir einschlagen.

Ein guter Moment, kurz fest­zuhalten, wo wir stehen und wie es weiter­geht.

Worum es in Etappe 2 ging

Ziel der zweiten Etappe des Klima­labors war, dass wir ein klares Bild bekommen über Ihre Bedürfnisse im Umgang mit der Klima­krise.

Wie ist die Klima­krise in Ihrem Leben präsent? Wo und wie wünschen Sie sich mehr Orientierung oder Unterstützung? Was würde Ihnen helfen, besser mit der Klima­krise umzugehen?

Dazu haben wir Tausende Kommentare und Eindrücke aus Gesprächen systematisch ausgewertet. Und mit zwei sehr unterschiedlichen Mitmach­formaten nochmals weitere Anregungen gesammelt.

  1. Über 1700 Menschen haben unsere 15 Fragen zum Klima beantwortet. Einige der Fragen waren eher spielerisch gedacht, andere haben uns nochmals wertvolle Einblicke gegeben, etwa diese: «Auf welche Frage zum Klima konnte Ihnen noch niemand eine richtig gute Antwort liefern?»

  2. Wir haben eine Reihe von Gesprächs­runden veranstaltet, in denen sich jeweils bis zu sieben Klimalabor-Teilnehmerinnen persönlich über ihre Bedürfnisse im Umgang mit der Klima­krise ausgetauscht haben. Wir sind glücklich damit, wie es gelaufen ist – und wir haben auch hier vieles erfahren, was uns bei der Identifikation drängender Bedürfnisse hilft.

Diese Fülle an Erkenntnissen haben wir schliesslich verdichtet: Zunächst zu einem repräsentativen Bild der Bedürfnisse, die Sie am häufigsten zum Ausdruck gebracht haben. Am Ende eines langen Auswertungs­prozesses haben wir uns schliesslich für vier Bedürfnisse entschieden, die wir nun mitnehmen in die nächste Etappe, um konkrete Antworten zu entwickeln.

Was wir mitnehmen

Dies sind die vier Bedürfnisse, für die wir uns entschieden haben. Sie erfüllen jeweils zwei entscheidende Kriterien: Sie sind Ihnen sehr wichtig – und wir glauben, dass die Republik dazu substanziell einen Beitrag leisten kann.

  • Ich will wissen, wer die Scharlatane und Bremser sind. Und Gewissheit haben, dass ihnen jemand auf die Finger schaut.

  • Die Klimakrise fühlt sich über­wältigend an. Ich brauche etwas, das mir Zuversicht gibt und Motivation, nicht zu resignieren.

  • Ich wünsche mir Austausch mit anderen Menschen, die sich ebenfalls Sorgen machen und ebenfalls etwas unter­nehmen wollen.

  • Ich möchte anderen klar­machen, wie dringend es ist, jetzt zu handeln, und sie dazu motivieren, Teil der Lösung zu sein.

Natürlich zeigen sich in den Tausenden Rückmeldungen noch ganz andere Bedürfnisse: Viele Menschen suchen Orientierung in der komplexen Lage, eine Einordnung von fachlichen Debatten, Argumentations­hilfen. Viele wünschen sich konkrete Handlungs­empfehlungen. Und wir spüren eine grosse Sehnsucht nach Inspiration, den Wunsch, von Entwicklungen zu erfahren, die schon gut laufen, über Menschen zu lesen, die etwas bewegen in der Welt.

Dass wir nicht allen Ihren Wünschen entsprechen können, war uns von vornherein klar. Wir können nur ein gutes Angebot entwickeln, wenn wir uns auf einige wenige Bedürfnisse konzentrieren. Um auf unsere Auswahl zu kommen, haben wir diese Kriterien angewandt: Wie wichtig ist Ihnen das Bedürfnis? Wie häufig braucht es eine Lösung dafür? Wie gut decken wir und andere dieses Bedürfnis bereits ab? Und: Sind wir als Republik mit unserer Mission und unseren Stärken die Richtigen, um dieses Bedürfnis zu adressieren?

Wenn wir uns also gegen ein Bedürfnis entschieden haben, das Ihnen persönlich besonders am Herzen liegt, dann kaum, weil wir es nicht auch wichtig finden. Sondern weil wir es lieber anderen überlassen, die besser dafür geeignet sind, gute Antworten zu liefern.

Für uns ist entscheidend: Für welches Bedürfnis können wir als Medium ein Angebot schaffen, das unserem Kern­geschäft entspricht und neue Formen ausprobiert – einen journalistischen Ansatz, der überzeugt und tatsächlich gebraucht wird?

Ich will es genau wissen: Die 16 Bedürfnisse

Aus allen Anregungen und Eindrücken aus der Klimalabor-Community haben wir 16 Bedürfnisse abgeleitet, die häufig und in ähnlicher Form zum Ausdruck gebracht wurden. Die komplette Liste, ohne spezielle Sortierung.

- Ich möchte anderen klar­machen, wie dringend es ist, jetzt zu handeln, und sie dazu motivieren, Teil der Lösung zu sein.

- Ich möchte in meinem Alltag konkrete und effektive Dinge tun, die im Kampf gegen die Klima­krise hilfreich sind, bin aber oft damit überfordert, wo ich ansetzen und was ich priorisieren soll.

- Ich will verstehen, warum wir das Problem nicht gelöst bekommen, wo doch alle Informationen da sind und die Dringlichkeit offensichtlich.

- Ich will die Klima­krise in allen ihren Dimensionen und Facetten verstehen, um fundierte Entscheidungen treffen und sach­kundig diskutieren zu können.

- Die Klimakrise fühlt sich über­wältigend an. Ich brauche etwas, das mir Zuversicht gibt und Motivation, nicht zu resignieren.

- Ich will verstehen, was da alles auf uns zukommt, in naher und ferner Zukunft.

- Ich will wissen, wer die Scharlatane und Bremser sind. Und Gewissheit haben, dass ihnen jemand auf die Finger schaut.

- Ich wünsche mir Austausch mit anderen Menschen, die sich ebenfalls Sorgen machen und ebenfalls etwas unternehmen wollen.

- Ich möchte von Dingen erfahren, die schon gut laufen, von Menschen, die etwas bewegen.

- Zu Neuigkeiten und aktuellen Debatten brauche ich jemanden, der mir erklärt, was sie bedeuten, was wichtig ist und was nicht, damit ich das Gefühl habe, gut informiert zu sein.

- Ich möchte Zugang zu Menschen, die kluge Fragen stellen und meinen Horizont erweitern, so­dass ich immer wieder Momente habe, in denen ich denke: Wow, das wusste ich nicht, das ist neu.

- Ich wünsche mir, dass mein Umfeld (Gemeinde, Arbeit­geber etc.) nachhaltiger wird, damit mein Leben auch unabhängig davon, was ich selber beeinflussen kann, nachhaltiger wird.

- Ich brauche einen Ort, wo ich mich gut aufgehoben fühle, wenn ich mich angesichts der Klimakrise verloren fühle, eine Sache, mit der ich mich identifizieren kann.

- Bei Wahlen möchte ich Kandidatinnen unterstützen, die sich fürs Klima einsetzen.

- Ich möchte mit wenig Energie- und Zeit­aufwand etwas konsumieren, das mich weiter­bringt.

- Ich brauche Hilfe und Unterstützung, um mit negativen Gefühlen, die die Klimakrise bei mir auslöst, umzugehen.

Arbeiten Sie selber auch an Ideen und Angeboten, die diese Bedürfnisse adressieren? Bei Interesse teilen wir gerne weitere Details unserer Auswertung sowie Roh­daten (soweit dies unsere Datenschutz­regeln zulassen). Melden Sie sich bei uns: klimalabor@republik.ch.

Wie es weitergeht

Jetzt, da wir wissen, welche Bedürfnisse wir angehen wollen, machen wir uns in Etappe 3 des Klimalabors daran, ein konkretes Angebot zu entwickeln, eine überzeugende Antwort auf die Frage, wie der Journalismus zur Klima­krise bei der Republik künftig daher­kommen soll.

Parallel dazu befassen wir uns intensiv mit der weiteren Finanzierung. Das, was im Sommer aus dem Klimalabor hervor­geht, soll sich weitgehend selbst tragen. Und natürlich ist unser Anspruch, etwas mit Strahl­kraft zu lancieren. Das bedeutet, wir benötigen einen guten Plan, wie wir viele zusätzliche Menschen davon überzeugen, die Republik (und damit unseren Klima­journalismus) mit einer Mitgliedschaft zu unterstützen. Gleichzeitig sind wir mit verschiedenen Stiftungen im Gespräch. Wir werden in einigen Wochen noch konkreter auf Sie zukommen, wie Sie uns unterstützen können. Sollten Sie jetzt schon Ideen oder Fragen dazu haben, melden Sie sich gerne jederzeit bei uns: klimalabor@republik.ch.

Unmittelbar geht es nun weiter mit drei Online-Veranstaltungen. Sie können sich jeweils bis am Tag der Veranstaltung noch anmelden.

👩‍🚒 Ich stehe am Anfang meiner beruflichen Laufbahn und möchte möglichst viel bewirken fürs Klima. Was tun? (19.4.2023)

🧒 Meine Kinder fangen an, Fragen zu stellen zur Klimakrise. Was tun? (26.4.2023)

🪄 Die Klimakrise ist global, systemisch, komplex – was kann ich da überhaupt tun? (3.5.2023)

Beiträge der zweiten Etappe

«Wir können eine globale Katastrophe abwenden»

Verschiedenste Persönlichkeiten, die sich seit Jahren mit dem Klima beschäftigen, haben wir gefragt: Was wünschten Sie, würden alle über die Klimakrise verstehen? Das sind ihre Antworten.

04.04.2023

15 Fragen zum Klima – Ihre Antworten

Können Sie einer Fünfjährigen die Klimakrise erklären? Worauf schaffen Sie es nicht zu verzichten, obwohl Sie wissen, dass es für das Klima besser wäre?

03.03.2023

Sie lieben Fleisch und Käse? Das lässt sich ändern

Wie wir lernten, Essen zu mögen, das wir früher verschmäht hatten. Eine Entdeckungs­reise mit einer der besten veganen Köchinnen der Schweiz.

18.03.2023

Ein Gespräch über das Verhältnis von Klimakrise und Justiz

Rentnerinnen aus der Schweiz wollen den Klima­schutz juristisch durchsetzen. Aber ist das nicht Sache der Politik? Nein, sagt Klima­anwältin Roda Verheyen.

10.03.2023

Wir freuen uns, wenn Sie uns auf unserer Expedition weiter begleiten. Wenn Sie mögen, laden Sie gern noch ein paar Freundinnen und Bekannte ein. Entweder über unser Einladungs­formular oder indem Sie diesen Link mit ihnen teilen. Das Klimalabor steht allen offen, egal ob mit oder ohne Republik-Abo.

Schliesslich die Erinnerung: Alles zum Klimalabor und wie Sie sich aktuell einbringen können, finden Sie auch jederzeit unter republik.ch/klimalabor.

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