«Scheisse verkaufen», Geld haben, Kreuzfahrt machen – das ist das Leben: Dimitry (Zlatko Burić) und Ludmilla (Carolina Gynning). Xenix Films

Zum Kotzen

Der vielleicht beste Film des Jahres ist auch der widerlichste: In «Triangle of Sadness» macht der schwedische Satire-Gross­meister Ruben Östlund eine faszinierende Empfindung zum Star: Ekel.

Von Theresa Hein, 14.10.2022

Vorgelesen von Danny Exnar

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In diesem Text geht es viel um unangenehme Situationen, um Säfte, die aus Körper­öffnungen pfeifen, und hell­braune Bröckchen, die quer durch den Raum sprühen.

Na, schon angewidert? Kein Grund zur Beunruhigung. Denn jede Sprache hat ihre Wege, um den menschlichen Stoff­wechsel in Extrem­situationen so ästhetisch wie möglich zu beschreiben. Während sie diese Begriffe verwenden, ist den Sprechenden aber meist bereits klar, dass alle diese Worte zutiefst euphemistisch, wenn nicht geradezu lächerlich unzulänglich sind, den Vorgang zu beschreiben, um den es geht.

«Magen-Darm-Infekt»

«Gastro­enteritis»

«Lebensmittel­vergiftung»

Wer einmal im Urlaub eine solche hatte, erinnert sich vielleicht daran, dass das mit Leben nicht viel zu tun hat; sehr viel aber mit Ekel vor sich selbst, körperlicher Schwäche, vor allem mit Demut. Um solche Vorgänge zu beschreiben, gibt es nun aber auch andere tolle Worte, die, die in Klang und Nach­ahmung und damit in der – ha! – Substanz viel näher an solche Erlebnisse heran­reichen. Onomato­poesie nennt man das.

Selten tauscht man sich in wort­reicher Drastik über solche Erfahrungen aus. Und noch seltener sieht man sie sich wohl freiwillig an. Das ist verständlich, denn wo Sprache noch beschönigend, distanzierend und damit abmildernd wirken kann, trifft der visuelle Eindruck eines, sagen wir, Magen-Darm-Infekts, auf das ungeschützte, eventuell sogar komplett unvorbereitete Auge und landet einen angewiderten Voll­treffer im Gehirn.

Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Kino­herbst mit einer ganzen Reihe absolut ekelhafter Filme aufwartet. Der kanadische Regisseur David Cronen­berg lässt in «Crimes of the Future» Menschen einander aus Jux und Tollerei aufschneiden. Sein Kollege Luca Guadagnino, bekannt dafür, malerisch zwischen­menschliche Beziehungs­nuancen auf die Leinwand zu bringen, wartet mit einem Kannibalismus­drama auf («Bones and All»). Und bei Regisseur Ruben Östlund, der in Cannes mit der Goldenen Palme belohnt wurde, wird gekotzt was das Zeug hält.

Der Film polarisierte schon vor dem Kinostart

«Triangle of Sadness» heisst Östlunds neuester Film und er wird von den einen als Genie­streich gefeiert, von den anderen als kruder Blödsinn abgetan. Grob lässt sich der Film einteilen in die schon vor dem Kinostart aufgrund der Festival­berichterstattung und des Trailers berühmt gewordene Kotz­szene und den ganzen Rest.

Widmen wir uns zunächst mal dem unschönen Teil.

Alles beginnt ganz harmlos. Model Carl (Harris Dickinson) und seine Freundin, ebenfalls Model, Yaya (gespielt von der noch vor dem Kinostart verstorbenen Charlbi Dean), nehmen an einer Luxus­kreuzfahrt teil, für die sie nichts bezahlen müssen, weil ihre Influencer-Tätigkeit – ergo ihre jeweilige Schönheit – das über­nimmt. Im Verlauf dieser Kreuz­fahrt kommt es dann am Abend des «Captain’s Dinner», eines Abend­essens, bei dem der Kapitän mit den Gästen diniert, zu einer beinahe sinn­betäubenden Darstellung von Durchfall und Erbrechen. Danach geht das nächste Kapitel des Filmes los, das mit Über­raschungen aufwartet, die ich hier nun wirklich nicht verraten kann.

So viel: Östlund bringt auf die Leinwand, was weh tut, und wer den Mittelteil mit den sich erbrechenden Kreuzfahrt­gästen überstanden hat (die eine schamlose Rette-sich-wer-kann-Performance abliefern), der hat noch einiges vor sich, was es zu verdauen gilt.

Woran liegt das aber, dass man diesen Film nicht nur emotional mitgenommen, sondern ernsthaft sprachlos verlässt? «Nur» an der Empfindung, die sich bei vielen Menschen schon beim Ansehen des Trailers einstellt, am Ekel? Oder daran, dass der Rest des Filmes ebenso emotional berührt?

Und da die Ekel­szene eine zentrale Position einnimmt: Ist der Film nun wegen oder trotz dieser Szene gut? Zerstört die Szene den Film, weil sie so banal (und so lang) ist? Und was ist eigentlich Ekel?

Das Ekel­hafte will man von sich weghalten

Vielleicht beginnen wir mal bei der letzten Frage. Zur Empfindung des Ekels sind schon viele Über­legungen angestellt worden. Eine der treffendsten liefert auch heute noch Immanuel Kant. Ekel entstehe immer durch etwas, das es «von sich zu stossen» gilt, etwas, mit dem man nichts zu tun haben will. Sogar über das Erbrechen schrieb Kant ganz konkret. Er sah es als Möglichkeit, sich «des Genossenen durch den kürzesten Weg des Speise­canals zu entledigen». Der Literatur­wissenschaftler Winfried Menning­haus, der mit «Ekel» ein ganzes Buch über «Theorie und Geschichte einer starken Empfindung» geschrieben hat, bringt es so auf den Punkt:

Das elementare Muster des Ekels ist die Erfahrung einer Nähe, die nicht gewollt wird. Eine sich aufdrängende Präsenz (…) wird spontan als Kontamination bewertet und mit Gewalt distanziert.

Wo Ekel auftritt, gibt es jemanden, der etwas als «ekelhaft» bewertet, jemanden, der über den Ekel urteilt, wie Menning­haus schreibt. Damit tritt der Ekel ein ins Reich der Moral. Verkürzt: Kann ja sein, dass du erbrechen musst, aber mach bitte die Toilettentür hinter dir zu. Ekel kann Spaltung bedeuten, wie beim Beispiel mit der Toilettentür, das aussagt: «Du bist eklig, ich distanziere mich davon, wenn nicht empathisch, dann zumindest räumlich.»

Der Regisseur Ruben Östlund macht diese Spaltung mit seiner Dinner­sequenz offenbar, denn die Zuschauer im Kinosaal oder vor dem Bildschirm zu Hause erleiden (hoffentlich) nicht das gleiche Schicksal wie die sich physisch in alle Richtungen erleichternde Menschen­masse auf der Leinwand und können bequem darüber urteilen, dass das, was sich dort abspielt, ziemlich ätzend ist.

An dieser Stelle eine Warnung, bevor Sie sich ins Kino trauen. Ob man sich eine Viertel­stunde das durch­inszenierte Erbrech-Inferno ansehen muss, ist eine Frage, die jede Zuschauerin ihrem eigenen Bauch­gefühl überlassen muss. Haben Sie den Magen dazu? Wem es schon während des Trailers graut, der lässt es vielleicht lieber bleiben, man kann es niemandem verübeln. Ich behaupte, man verpasst dann aber einen beeindruckenden Film, der nicht wegen, sondern trotz dieser ellen­langen Kotz­sequenzen ziemlich toll ist.

Der Film bietet nämlich nicht nur eine, sondern mehrere Parabeln an.

Da ist die Parabel von Yaya und Carl, deren Darsteller Dean und Dickinson sich ein schau­spielerisches Kräfte­messen liefern. Auf der Luxus­kreuzfahrt sind die beiden Influencer zwar ärmer als die Menschen um sie herum (reiche Industrielle, haupt­sächlich), aber zugleich besitzen sie beinahe das Einzige, was die anderen haben wollen und (fast) nicht kaufen können – Jugend und Schönheit. Währungen, die in diesem Kosmos beinahe so viel gelten wie Geld.

Jugend und Schönheit, hier nochmal kurz zurück zur Geschichts­schreibung des Ekels, sind Attribute, denen man auch dort immer wieder begegnet.

Unebenheiten wie Grübchen

Ab dem 18. Jahr­hundert wurde Ästhetik nämlich zum einzig denkbaren Gegenpol des Ekels. Denker wie Lessing, Herder und Kant geben dem Ekel sogar eine eindeutige physische Form, nämlich die einer alten, faltigen Frau. (Gut nur, haben die Herren sich selbst nicht zum Gegen­stand ihrer Unter­suchungen gemacht.) Schön und damit «das Andere», das sich vom Ekel absetzt, gilt Herder alles, was «sanft» und frei von «Unebenheiten» ist, zu denen der Klassiker sogar Wangen­knochen und Grübchen zählt.

Weniger streng, weil auch sie Grübchen und Wangen­knochen besitzen, aber doch auch in der klaren Absicht der Inszenierung eines Gegenpols zum Ekelhaften verfuhr Östlund bei der Auswahl seiner Protagonisten: Die Schauspieler Harris Dickinson und Charlbi Dean spielen nicht nur die Influencer Carl und Yaya, sie haben auch in echt schon als Models gearbeitet.

Carl und Yaya sind die einzigen, denen der Regisseur die demütigende Kotzorgie erspart. Sie spielen in einer anderen Liga. Es ist eine der subtileren Andeutungen der Klassen­frage, die Östlund im Rest des Films, eigentlich von Beginn an, immer wieder auch sehr direkt stellt.

Das schöne Leben der Influencer: Yaya (Charlbi Dean) und Carl (Harris Dickinson). Xenix Films
Gehts da vielleicht raus aus diesem Albtraum? Carl prüft die Lage. Xenix Films
Der Marxist lenkt das Schiff: Woody Harrelson als Kapitän (rechts, daneben Arvin Kananian als Darius). Xenix Films

«Triangle of Sadness» ist über zwei Stunden lang ein total über­triebenes Porträt einer kleinen, feinen Gruppe der Gesellschaft, die die Kapitalismus­logik derart verinnerlicht hat, dass sie diese, ohne darüber nachzu­denken, auf ihre Mitmenschen anwendet. Etwas wert ist auf dem Kreuzfahrt­schiff, wer etwas besitzt (Schönheit oder Geld). Mehr wert ist, wer mehr besitzt. Bis diese Logik plötzlich nicht mehr funktioniert, weil es nichts mehr zu besitzen gibt. Das ist die Kern­parabel des Films.

Die Menschen auf dem Kreuzfahrt­schiff, einschliesslich des jungen Influencer­paares, halten sich für besonders viel wert, auch wenn vor allem Carl seine Rolle in diesem Spiel ab und zu hinter­fragt. Der Mensch, dem die ganze geldgeile Nabelschau am meisten auf die Nerven geht, ist der Kapitän des Kreuzfahrt­schiffes (gespielt von Woody Harrelson).

Der Kapitän ist nämlich Marxist. Und während seine Gäste beinahe ohnmächtig werden vor See­krankheit, übernimmt er den Schiffs­lautsprecher und liest aus seinem philosophischen Tagebuch vor, wohl wissend, dass niemand seiner über das ganze Schiff dröhnenden Stimme entkommen kann. Diese Zweiteilung – hier leidende, schwer­reiche Gäste, die sinn­bildlich am Kapitalismus verenden, dort ein sie über Laut­sprecher quälendes Gewissen – ist genauso wenig subtil wie ein Zitate­duell, das sich der Kapitän mit einem russischen, schwer­reichen Industriellen am Dinnertisch liefert.

Apropos Subtilität. Dieser Industrielle erzählt allen, die es hören wollen, stolz: «Ich verkaufe Scheisse.» Er ist Chef eines Düngeimperiums.

«Ich wollte immer weiter gehen»

Nein, wer eine derart bewusst viel zu lange und schwer zu ertragende Dinner­szene inszeniert wie Ruben Östlund in «Triangle of Sadness», will nun wirklich nicht subtil sein. Das ist keine Ausrede. Der Regisseur hat vor allem in seinem Film­drama «Force Majeure», in dem ein Familien­vater angesichts einer heran­rollenden Lawine vor seinen Kindern geradezu wegrennt und es danach kaum über sich bringt, sein Versagen zuzugeben, gezeigt, dass er Subtilität kann, wenn er will.

Hier wollte er nicht. «Ich wusste zum Beispiel von Anfang an, dass ich diesen marxistischen Kapitän haben wollte, der sich an seinen Gästen rächt, indem er das Dinner bei Schlecht­wetter abhält», erzählt Östlund am Telefon. Seine Mutter wurde in den Sechziger­jahren eine überzeugte Linke. «Als Kind ist mir aufgefallen, wie viel Freude Erwachsene haben, wenn sie über Politik diskutieren.» Diese Diskussions­freude wollte er mit der Figur des Kapitäns abbilden.

Hatte Östlund nie das Gefühl, dass er mit seiner viertel­stündigen Darstellung der Darm­entleerung (die sich im Kino viel länger anfühlt) zu weit gegangen sein könnte?

«Nein, ich wollte da schon immer weiter gehen, als das Publikum es erwarten würde», sagt Östlund fröhlich. «Das macht doch Spass. Und dann finde ich es auch wichtig, dass man sich daran erinnert, dass es Fiktion ist.» Zudem habe er sich im Schneide­raum ziemlich an das Kotz­material gewöhnt.

Auf den Spass, ohne den man diesen Film wirklich nicht erträgt, komme ich noch zurück.

Östlund ist ein Meister darin, «soziale Codes zu durch­brechen», wie er es nennt, man konnte das in seinen Filmen «The Square», «The Play» und «Force Majeure» sehen. «Wir haben», erzählt Östlund am Telefon, «so viel Angst davor, das Gesicht zu verlieren, und sind derart besorgt darum, was passieren könnte, wenn wir uns anders verhalten, als es von uns vermeintlich erwartet wird.»

Wenn man sich also, wie es im aktuellen Film passiert, auf einen Porzellan­teller übergibt.

Während die Empfindung des Ekels uns Zuschauerinnen zwar von den Kreuzfahrt­gästen trennt, ist das, was sie hervorruft, alles andere als trennend. In Form der See­krankheit, die eine aufgebrezelte Dinner­gesellschaft in teurer Kleidung und mit Edel­steinen behängt ereilt, erinnert Östlund daran, dass es jede und jeden treffen kann. Der Regisseur übertreibt masslos, aber eines seiner Argumente, das zur viel wichtigeren Kernthese des Films führt, ist das hier: Wer noch nie geschwächt mit runter­gelassenen Hosen auf einem Toiletten­sitz sass, der werfe den ersten Stein.

Hat mir jetzt etwa der Kotzfilm gefallen?!

Wenn ein Kunstwerk dadurch an Qualität gewinnen sollte, dass es Fragen aufwirft, ist Östlunds Film ein Meister­werk. Wer aus dem Kino tritt, hat sich was zu fragen. Nämlich entweder: Moment mal, hat dir jetzt gerade «der Kotzfilm» gefallen?! Und wenn es so ist, ist das schlimm? Liegt es daran, dass ich Ekel­darstellungen auf eine verquere Weise geniesse? Oder lag es vielleicht gerade nicht an der bewussten Szene? Eine andere Frage könnte sein: Bin ich zu empfindlich, wenn mir der Film nicht gefällt, weil die geschmack­lose Dinner­szene alles überschattet?

Es sind Fragen, die man sich getrost stellen kann, ohne sie voll­umfänglich beantworten zu müssen. «Triangle of Sadness» ist stellen­weise von einer ungewohnten Direktheit, um nicht zu sagen plump. Die Ereignisse in der zweiten Hälfte, von denen ich mich hüten muss, sie preiszu­geben, sind dann auch ziemlich erwartbar. Trotzdem ist es ein kluger Film, Direktheit und Klugheit schliessen sich nicht aus. Ausserdem muss man es erstmal hinbekommen, dass man eine Viertel­stunde Körper­säfte inszeniert und trotzdem keinen totalen Blödsinn erzählt.

Kleiner Dämpfer am Ende

Östlund lässt sich sehr viel Zeit und geht sehr weit mit seinem sozialen Experiment, in das sich der Film mit fort­schreitender Dauer immer mehr verwandelt. Er zeigt gerade durch die Drastik des Drehbuchs die unauflösliche Zwangs­lage auf, in der wir uns als Gesellschaft und als im kapitalistischen System lebende Subjekte befinden. Und das betrifft uns auch, wenn wir nicht an einer Luxus­kreuzfahrt teil­nehmen. Ab und zu mal wieder darüber nachzu­denken, schadet nicht, oder? Das ist schliesslich der Sinn einer Parabel.

Eine Szene, die etwas enttäuscht, auch, wenn man gewillt ist, diesen Film zu mögen, ist die vorletzte. Bei der Zuschauerin kommt die Handlung einer eigentlich smarten Figur inkonsistent und als grober Schnitzer an. Wenn man den Film von Anfang an als Versuchs­ordnung ansieht, ist das, was passiert, konsequent, aber das wird wahr­scheinlich niemand tun (weil man den Film dann zweimal ansehen müsste, um zu wissen, wie man ihn lesen soll). Wenn man den Film als immersive Film­erzählung ansieht, wie eine normale Kino­zuschauerin, ist es die Holzhammer­wucht, die dann am Ende doch etwas zu viel des Guten ist.

Der Spass an der Sache

Verzeihen kann man das, weil der Holz­hammer in Östlunds Film über lange Strecken einfach sehr lustig ist.

Das ist nämlich das, was dem Film zusätzliche Qualität verleiht: Würde er sich ernst nehmen, wäre er peinlich. Aber das tut er nicht, und das macht ihn zu etwas Besonderem. Man muss ziemlich viel lachen. Im Humor, und das ist dann doch etwas, das alles andere als einfach umzusetzen ist, ist der Film teilweise nämlich durchaus subtil (Betonung auf teilweise, über die Kotzerei haben wir ja nun schon genug gesprochen). Ein paar Beispiele:

Als Carl frustriert versucht, seine Partnerin davon zu über­zeugen, dass sie doch gleich viel wert seien, tut er das, indem er sie anschreit.

Als die Cruise­managerin an der Kapitänstür klopft und sagt, jeder Abend sei gut für das Captain’s Dinner ausser Donnerstag, gibt die Stimme von Woody Harrelson trocken zurück: «Dann Donnerstag.»

Und als eine der Teil­nehmerinnen der Kreuzfahrt (Sunnyi Melles) einer armen Stewardess befiehlt, sie solle jetzt sofort den Moment geniessen, weiss diese offen­sichtlich nicht, ob sie dem Wunsch dieser durch­geknallten Frau nun nach­kommen muss (zuvor hat sie gelernt, niemals «Nein» zu einem Gast zu sagen) oder ob das alles ein schlechter Witz sein soll. «Ich befehle Ihnen, jetzt diesen Moment zu geniessen», herrscht die alte, reiche die junge, auf Trinkgeld angewiesene Frau an.

Da muss man sich im Kino­sessel winden, und wenn man nicht empört auflachen muss, muss man zumindest fremd­beschämt grinsen. Östlund hat den berühmten Spass an der Sache nicht vergessen, sondern behält ihn über zwei Stunden bei.

Es ist ratsam, nicht auf nüchternen Magen in diesen Film zu gehen, eine hohe Toleranz­schwelle für die berüchtigte Szene mitzu­bringen und sich bereit zu machen für eine sich immer weiter ins Absurde steigernde und doch mit vielen Wahrheiten gespickte Kapitalismuskritik.

Wie sagte der Regisseur?

Es sei wichtig, sich daran zu erinnern, dass es Fiktion sei.

Zu Film und Buch

Ruben Östlund (Regie): «Triangle of Sadness». Mit: Charlbi Dean, Harris Dickinson, Woody Harrelson, Dolly de Leon u. A. Kinostart Deutschschweiz: 16. Oktober. Ca. zweieinhalb Stunden.

Winfried Menninghaus: «Ekel. Theorie und Geschichte einer starken Empfindung». Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1999. 592 Seiten, ca. 32 Franken.

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