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Biografien über Wolodimir Selenski und ein Porträt seiner Frau OIena. Dazu: Binswangers Wochenkommentar

20.08.2022

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Ladies and Gentlemen – and everybody beyond

Willkommen im Wochen­ende. Das haben wir heute im Angebot:

Gross war die Empörung, als Wolodimir Selenski und seine Frau Olena Selenska kürzlich für ein Foto­shooting der Mode­zeitschrift «Vogue» posierten: Darf man das, mitten im Krieg? Etwas kurz kamen dabei Gedanken wie diese: dass es mit der Aktion vielleicht auch darum ging, dem Aggressor stolz und selbst­bewusst andere Bilder als die der Zerstörung entgegen­zuhalten. Dass der Krieg, auf den die Empörten nun so nachdrücklich verwiesen, im urlaubs­hungrigen Europa bereits wieder aus dem Fokus verschwunden war. Oder auch, dass es gegenüber den Ukrainerinnen mit der Besser­wisserei aus Mittel­europa jetzt auch mal genug sein könnte. Womöglich waren viele auch einfach nur überrascht über diese vermeintlich neue Seite des Präsidenten und der First Lady, weil man ihn erst seit kurzem und sie im Grunde gar nicht kennt – und über beide im Grunde noch immer herzlich wenig weiss? Nun gut, zumindest das lässt sich ändern.

  • Gleich vier Biografien über Wolodimir Selenski sind vor kurzem auf den deutsch­sprachigen Buchmarkt gekommen: angefertigt im Eiltempo während der ersten Kriegs­wochen, unter Hochdruck übersetzt und gedruckt. Kann das gut gehen?, hat sich Feuilleton-Redaktor Daniel Graf gefragt. Und wichtiger: Was verraten uns die Bücher über den ukrainischen Präsidenten, seinen Werdegang, sein Umfeld? Vertiefen sie das Bild vom unerwarteten Kriegs­helden oder fordern sie es heraus? Nicht zuletzt: Wo helfen sie, das aktuelle Geschehen besser zu verstehen?

  • Als der Krieg ausbrach, tauchte Olena Selenska mit ihren Kindern unter. Die Familie des ukrainischen Präsidenten war im Visier der russischen Angreifer. Doch zum Muttertag am 8. Mai war sie wieder da. Und seither ist sie eine öffentliche Figur, die auf dem internationalen Parkett die Ukraine verteidigt. Und bereits jetzt arbeitet Selenska daran, dass ihre vom Krieg traumatisierten Lands­leute die Hilfe erhalten, die sie brauchen. Das Porträt einer Präsidenten­gattin in Zeiten der Gewalt.

  • Liz Cheney ist eine stramme Konservative, die euphorisch reagierte, als der Supreme Court das Grund­recht auf Abtreibung widerrief. Trumps Lügen und seinen Putsch­versuch wollte sie aber nicht hinnehmen – und darum wurde sie bei der partei­internen Vorausscheidung zu den Kongress­wahlen brutal abgestraft. Wie kann es sein, dass der Ex-Präsident die Republikanische Partei noch immer dermassen dominiert? Der Wochen­kommentar von Daniel Binswanger über populistische Propaganda­strategien, die ins Anti­demokratische kippen.

Ausserdem:

Und damit zum Rückblick auf die Woche.

Marie Schleef: «Was ich am Theater hasse, ist brüllendes Schauspiel.» Tereza Mundilová
  • Wie geht erfolgreiches Theater in einer Zeit, in der das Publikum konstant abgelenkt ist? Wo sich Diskurse statt auf Bühnen bei Tiktok, auf Twitter oder Netflix entfachen? Die Regisseurin Marie Schleef schafft es, die Aufmerksamkeit ihres Publikums zu gewinnen. Was ist ihr Erfolgs­geheimnis? Ein Gespräch.

  • Wir bleiben bei den sogenannt «sozialen» Medien: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sieht seine Firma vor schweren Zeiten – und will darum, dass sich seine Angestellten selber ausmustern. «Ich hoffe, dass der eine oder andere von Ihnen sagt: Das ist nicht der richtige Ort für mich», verkündete er vor versammelter Mannschaft. Die neue Führungs­kultur bei Facebook: Zuckerberg und Peitsche.

  • Ein einzelner Bürger klagt gegen das Public-Cloud-Projekt des Bundes. Dieses lagert Daten von Schweizer Einwohnerinnen zu amerikanischen und chinesischen Anbietern aus. Der Kläger könnte das Vorhaben womöglich zum Stoppen bringen, schreibt Adrienne Fichter. Fällt die Bundes­kanzlei bald aus allen Wolken?

  • Die Schulden­bremse hielt den Bundes­haushalt jahrelang im Gleich­gewicht. Doch wie sehr strapazieren die Ausgaben der nahen Zukunft das Staats­budget? Aktuelle Prognosen zeigen: Die fetten Jahre sind vorbei. Thomas Preusse hat sich durch die Budget­zahlen gegraben – im Daten­briefing «Auf lange Sicht».

Der Autofriedhof von Irpin bei Butscha. Lesha Berezovskiy
  • Der ukrainische Fotograf Lesha Berezovskiy kann mit seiner Frau Agata Geburtstag feiern. Endlich! Bei einem Auftrag trifft er zudem den Schweizer Botschafter und erzählt ihm von seiner Foto­kolumne für die Republik. Die neue Folge über das Leben in Trümmern.

  • Diese Woche wurde die Initiative gegen die F-35-Kampfjets eingereicht. Aber selbst aus der Friedens­bewegung erklingt die Forderung, die Initiative fallen zu lassen. Die Fixierung auf die Flugzeuge ist kontra­produktiv – es gäbe nämlich dringendere Themen, schreibt Bundeshaus­redaktorin Priscilla Imboden.

  • Über 30 Jahre nachdem radikale Islamisten in einer Fatwa zu seiner Ermordung aufriefen, wird der Schrift­steller Salman Rushdie nieder­gestochen. Das habe wenig mit seinen Büchern zu tun und viel mit dem Wesen des Fundamentalismus, analysiert Feuilleton-Redaktor Daniel Graf.

  • Die Gerichtskolumne behandelt eine neue und umstrittene Strafnorm: Diskriminierung und Aufruf zu Hass aufgrund der sexuellen Orientierung. Ein selbst ernannter «Bussprediger» hat an der Zürcher Bahnhof­strasse gegen die «Gräuel­sünde Homo­sexualität» angepredigt und landet deshalb vor dem Richter. Brigitte Hürlimann war für uns vor Ort.

Christopher Anderson/Magnum Photos/Keystone
  • Wie bedrohlich ist die Lage zwischen China und Taiwan? Der Politik­wissenschaftler Andreas Fulda ist ein Kenner der Region und lebte selber schon auf dem Festland und auf der Insel. Elia Blülle und Oliver Fuchs haben ihn gefragt: Herr Fulda, wieso riskiert China so viel für diesen kleinen Flecken Erde?

  • «Wir haben uns an den Gedanken gewöhnt, dass Eigentum unangreifbar ist, weil sonst die ganze Rechts­ordnung sofort über den Haufen geworfen würde», sagt Katharina Pistor im Interview mit Daniel Binswanger. Die Rechts­professorin spricht über den Stellenwert von Privat­besitz, Sanktionen gegen russische Oligarchen und was das alles mit der Geschichte des Kapitalismus zu tun hat.

  • Das «Briefing aus Bern» ist aus der Sommer­pause zurück. Dieses Mal geht es um die Sommer­bilanz der Bundesräte, die fieberhafte Suche nach Strom für den Winter und um den SP-Präsidenten, der noch mal für den Nationalrat antreten darf. Ausserdem: Die Bürgerlichen wollen den Eigen­mietwert komplett abschaffen. Das Wichtigste aus dem Bundeshaus, kompakt zusammengefasst.

  • Was diese Woche weltweit passiert ist, erfahren Sie im Nachrichten­briefing: Auf der Krim ist es zu weiteren Explosionen gekommen, die Trockenheit bedroht die Rhein­schiff­fahrt – und an der deutsch-polnischen Grenze findet gerade eine Öko-Katastrophe statt. Das und mehr in «Was diese Woche wichtig war».

Geniessen Sie Ihr Wochenende. Bis Montag wieder, wenn Sie mögen.

Ihre Crew der Republik

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