Sommerfragebogen

«Das Leben hält sich selten an Pläne»

Welchen guten Schweizer Witz kennt Samira Marti? Was überzeugte sie an ihren Eltern? Wir haben die SP-Nationalrätin gefragt.

Von Samira Marti (Antworten) und David Leutert (Illustration), 21.07.2022

Teilen6 Beiträge6
Synthetische Stimme
0:00 / 7:31

Die Republik ist ein digitales Magazin für Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur – finanziert von seinen Leserinnen. Es ist komplett werbefrei und unabhängig. Überzeugen Sie sich selber: Lesen Sie 21 Tage lang kostenlos und unverbindlich Probe:

Die Sonne scheint, es ist warm, vielleicht nicht gerade die ideale Zeit für lange, komplexe Beiträge. Aber die Gedanken schweifen, etwas unkontrolliert, also vom Gestern übers Heute bis ins Morgen. Was uns da alles in den Sinn kommt! Und deshalb haben wir einen Fragebogen entworfen, der sich um möglichst vieles dreht. Also geniessen Sie den Sommer und die Antworten der Prominenz, die wir angefragt haben. Wie zum Beispiel die von SP-Nationalrätin Samira Marti.

Was wären Sie als Kind gerne geworden?
Ich war eine fleissige «Spick»-Leserin. Investigativ­journalistin, um die Ungerechtigkeiten dieser Welt bekannter zu machen.

Warum haben Sie Ihre Meinung später geändert (falls Sie das taten)?
Das Leben hält sich selten an Pläne. Eines führte zum anderen und so wurde ich Politikerin. Meines Erachtens ist das mit dem Beruf der Journalistin nicht zu vereinbaren.

Was wäre der in Ihren Augen unpassendste Name für ein Haustier?
Kalikukazu.

Realitätscheck: Welches Haustier wären Sie gerne nach Ihrer Wiedergeburt?
Geht auch Wildtier? Dann gerne ein Panther. Wobei, überlebens­strategisch wohl eher ein Schnabel­tier – die haben sogar den Meteoriten­einschlag überlebt, der den Dinos zum Verhängnis wurde.

Füllen auch Sie den Fragebogen aus!

Sie finden Samira Martis Antworten inspirierend? Dann laden wir Sie herzlich ein, den Fragebogen ganz nach Ihren Ideen, Ihren Wünschen, Ihren Erfahrungen selbst auszufüllen.

Seit Putin die Ukraine überfallen hat, haben Sie eine tiefe Überzeugung infrage gestellt? (Etwa: das Modell Schweiz, die Rolle der USA in der Welt, den Pazifismus …?)
Ja. Vor der russischen Invasion war ich relativ überzeugt, nicht in naher Zukunft Angst vor einem Atomkrieg haben zu müssen. Das hat sich in den letzten Monaten geändert.

Würden Sie gerne 10 IQ-Punkte mehr haben, wenn der Preis dafür 10 Warzen auf der Nase wären?
Lieber nicht. Ich bin ganz zufrieden mit dem Ist-Zustand, also sowohl mit meinen Hirn­kapazitäten als auch mit meiner Nase.

Gibt es das Böse?
Ja. Die Menschheits­geschichte ist der schmerzliche und deutliche Beweis dafür.

Falls ja: Was kann man dagegen tun? Falls nein: Wie haben Sie die Welt zuletzt ein bisschen aufregender gemacht?
Wir können uns dafür einsetzen, dass die Menschen emanzipiert, also frei von Angst und existenziellen Nöten, leben können. Das scheint mir die beste Prävention gegen das Böse.

Was fällt Ihnen als Erstes zu Angela Merkel ein?
Wir schaffen das.

Welche wissenschaftliche oder technische Entdeckung hat Sie am meisten beeindruckt?
Das Internet. Ich verstehe bis heute nicht ganz, wie es technisch funktioniert.

Und welche unwissenschaftliche Entdeckung?
Mich beeindruckt, dass sich der sogenannte Trickle-down-Effekt bis heute hält. Die Ungleichheit in der Schweiz, sowohl bei den Vermögen wie auch bei den Einkommen, steigt seit zwanzig Jahren wieder kontinuierlich an.

Welches Naturgesetz würden Sie gerne einführen?
Die Fähigkeit, mich von Ort zu Ort zu beamen. Das wünsche ich mir oft, wenn ich nach Hause laufen muss und viel zu müde bin. Oder wenn Menschen fliegen könnten. Das würde einen Teil des Klima­problems lösen und wäre sicher recht witzig.

Haben Pflanzen eine Seele?
Nein. Aber ich mag sie trotzdem.

Welches Zitat aus Literatur, Film, Musik oder Geschichte hätten Sie gerne selber zuerst gesagt?
«I have a dream.» Träumen ist in der heutigen Zeit ein revolutionärer Akt.

Würden Sie die Republik auch dann lesen, wenn exakt dieselben Artikel bis hierhin alle von einem Roboter mit künstlicher Intelligenz verfasst worden wären?
Ehrlich gesagt lese ich die Republik selten.

Sie sind Meisterin der Hypnose und haben den Gesamt­bundesrat in Ihre Gewalt gebracht. Ihr erster Befehl?
Die Erbschafts­steuer einführen. Eine der seltenen politischen Massnahmen, die wirklich nur Vorteile bieten.

Was würden Sie mit Geldstrafe verbieten?
Die E-Scooter dieser privaten Tech-Firmen, die billig und mit durch­schnittlicher Lebens­zeit von zirka 40 Tagen produziert werden, kostenlos im öffentlichen Raum parkiert sind und von Menschen gewartet und aufgeladen werden, die zu den prekärsten Bedingungen angestellt sind. Für mich sind diese Trottis Ausdruck des unökologischen, ausbeuterischen Wegwerf­kapitalismus.

Angeblich ist Ihr Ich eine Illusion Ihres Gehirns. Glauben Sie das?
Ja, kann gut sein. Aber lassen Sie mich damit bitte in Ruhe, ich ertrag solche Gedanken­spielereien nicht so gut. Filme wie «Inception» oder das Weltall machen mir Angst.

Welcher Club würde deutlich an Niveau verlieren, wenn Sie dort Mitglied wären?
Die Offiziers­gesellschaft. Ich habe keinen Rang und «kä Luscht».

Was werden Ihre tatsächlichen oder zukünftigen Kinder einmal an Ihnen sehr peinlich finden?
Meine Witze an der Coop-Kasse, die niemand versteht und abgesehen davon auch nicht witzig sind.

Was überzeugte Sie an Ihren Eltern?
Ihr Versuch, uns Kinder mit viel Leichtigkeit zum Leben hinzuführen.

Was war ein echtes Risiko, das Sie eingingen?
Ich bin eher risikoavers und zum Glück sehr privilegiert. Einmal habe ich im Seilpark die Fortgeschrittenen-Linie gemacht.

Realitätscheck: Würden Sie es wieder tun?
Die Seilparklinie? Nein.

Eine Zeitmaschine – wo reisen Sie als Erstes hin?
Am 7. Februar 1971 gab es in Bern sicher ein ziemlich gutes Fest. Da wär ich gerne dabei gewesen. (Wer nicht steigt: googeln!)

Kennen Sie wenigstens einen guten Schweizer Witz? Welchen?
Die Credit Suisse lernt aus ihren Fehlern.

Was wird von den meisten Menschen unterschätzt?
In der Schweiz: unsere Privilegien. Die Selbstverständlichkeit für unsere saubere Luft, unser fliessendes Trinkwasser, unseren Service public.

Ihre Idee, was man eine Ewigkeit lang im Paradies tun müssen könnte (ausser natürlich: singen)?
Schlafen.

Was würden Sie auf Ihren Grabstein schreiben lassen, falls Sie das Ziel hätten, damit Passanten zu ärgern?
Daran kommst auch du nicht vorbei.

Was war Ihr letzter grosser Irrtum?
Dass alles schon irgendwie gut kommt.

Hat Gott Ihrer Meinung nach
a) Dank,
b) ein Gerichts­verfahren oder
c) Mitleid verdient? (mehrere Antworten möglich)
Das kommt auf das Verständnis von Gott an. Für mich ist Gott vor allem ein Spiegelbild der Gesellschaft, darum würde ich sagen: alle drei.

Zur Person

Samira Marti sitzt für die SP im Nationalrat. Als sie im Dezember 2018 im Amt vereidigt wurde, war die Basel­bieterin die zweitjüngste National­rätin aller Zeiten.

Sie sind sich immer noch nicht sicher, ob die Republik etwas für Sie ist? Dann testen Sie uns! Für 21 Tage, kostenlos und unverbindlich: