Sommerfragebogen

«Alle immer erst mich fragen»

Was wäre Sibylle Berg gerne nach ihrer Wiedergeburt als Haustier? Was fällt ihr zu Angela Merkel ein? Wir haben die Autorin gefragt.

Von Sibylle Berg (Antworten) und David Leutert (Illustration), 19.07.2022

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Sibylle Berg findet, alle sollten immer erst sie fragen. Wenn Sie finden, wir sollten viel eher Sie fragen – lernen Sie uns kennen. 21 Tage zur Probe, kostenlos und unverbindlich. Denn: Bei uns reden Verlegerinnen mit.

Die Sonne scheint, es ist warm, vielleicht nicht gerade die ideale Zeit für lange, komplexe Beiträge. Aber die Gedanken schweifen, etwas unkontrolliert, also vom Gestern übers Heute bis ins Morgen. Was uns da alles in den Sinn kommt! Und deshalb haben wir einen Fragebogen entworfen, der sich um möglichst vieles dreht. Also geniessen Sie den Sommer und die Antworten der Prominenz, die wir angefragt haben. Wie zum Beispiel die von Autorin Sibylle Berg.

Was wären Sie als Kind gerne geworden?
Mikrobiologin. Oder unsichtbar. Oder erwachsen.

Warum haben Sie Ihre Meinung später geändert (falls Sie das taten)?
Weil Erwachsene meistens sehr langweilig sind und nur in den Erwartungen anderer agieren.

Was wäre der in Ihren Augen unpassendste Name für ein Haustier?
Sibylle Berg.

Realitätscheck: Welches Haustier wären Sie gerne nach Ihrer Wiedergeburt?
Ein grauer Staffordshire Bullterrier. Wegen süss.

Füllen auch Sie den Fragebogen aus!

Sie finden Sibylle Bergs Antworten inspirierend? Dann laden wir Sie herzlich ein, den Fragebogen ganz nach Ihren Ideen, Ihren Wünschen, Ihren Erfahrungen selbst auszufüllen.

Würden Sie gerne 10 IQ-Punkte mehr haben, wenn der Preis dafür 10 Warzen auf der Nase wäre?
(Nach Warzen­entfernungs­spezialisten­suche) Ja!

Gibt es das Böse?
Ja.

Falls ja: Was kann man dagegen tun?
Ich hab in meinem letzten Buch die Lösung gefunden. Das müsste jetzt nur noch ordentlich umgesetzt werden.

Was fällt Ihnen als Erstes zu Angela Merkel ein?
Mit wissenschaftlicher Ernst­haftigkeit Deutschland als Niedriglohn­land etablieren.

Welche wissenschaftliche oder technische Entdeckung hat Sie am meisten beeindruckt?
Stickstoffdünger – für das Bevölkerungs­wachstum.
Und das Internet – für die Bevölkerungs­reduktion.

Und welche unwissenschaftliche Entdeckung?
Dass ich und der Rest weniger intelligent sind, als ich dachte.

Welches Naturgesetz würden Sie gerne einführen?
Alle immer erst mich fragen.

Haben Pflanzen eine Seele?
Nein, ich halte Seele für einen Bullshit­begriff. Ein Bewusstsein vielleicht, wir werden es nie erfahren. Wenn ich Pflanze wäre, ich würde nicht mit Menschen reden.

Welche Leistung eines Ihnen unsympathischen Menschen bewundern Sie? (Und wer wars?)
So viele kluge Männer haben grossartige wissenschaftliche Arbeit geleistet. Und doch Frauen für unterlegene Lebe­wesen gehalten, die sie von den grossen Erkenntnissen ablenkten. Wie sogenannt genial konnten sie also sein, wenn das Hirn schon bei so einer einfachen Übung ausstieg.

Würden Sie die Republik auch dann lesen, wenn exakt dieselben Artikel bis hierhin alle von einem Roboter mit künstlicher Intelligenz verfasst worden wären?
Erst recht. Menschen überraschen einen ja selten. So eine AI hat da noch alle Möglichkeiten.

Sie sind Meisterin der Hypnose und haben den Gesamt­bundesrat in Ihre Gewalt gebracht. Ihr erster Befehl?
Immer erst mich fragen. Das würde ich schnell revidieren und dann den Zwang zur Rotation für alle nach 3 Jahren eingeben.

Was würden Sie mit Geld­strafe verbieten?
Den Kapitalismus.

Angeblich ist Ihr Ich eine Illusion Ihres Gehirns. Glauben Sie das?
Ja.

Welcher Club würde deutlich an Niveau verlieren, wenn Sie dort Mitglied wären?
«Forbes»-Reichstenliste. (Alternativ: «Bilanz» – die reichsten SchweizerInnen)

Was war ein echtes Risiko, das Sie eingingen?
In Kriegs­gebiete zu reisen und an den Amazonas in Goldgräber­camps und zu den Roten Khmer – vermutlich all diese Reisen, die ich unternommen hatte, um die Welt zu verstehen. Was nicht gelang.

Realitätscheck: Würden Sie es wieder tun?
Ja.

Eine Zeitmaschine – wo reisen Sie als Erstes hin?
Unbedingt in die Zukunft. Es muss gut leer sein dann.

Kennen Sie wenigstens einen guten Schweizer Witz? Welchen?
Wie verhüete Hüener?
Mit Clerasil, de giz nämlech kener Bibeli!
(Nicht gut, aber Bern.)

Was wird von den meisten Menschen unterschätzt?
Freundlichkeit. Und Nerds.

Ihre Idee, was man eine Ewigkeit lang im Paradies tun müssen könnte (ausser natürlich: singen)?
Forschen, bis in die Unendlichkeit. Und bitte nicht singen. Und bitte nicht nackig sein.

Was würden Sie auf Ihren Grabstein schreiben lassen, falls Sie das Ziel hätten, damit Passanten zu ärgern?
Das ist alles, was von Ihnen bleiben wird.
Bald.

Was an Ihnen ist grösser als Sie?
Meine dünnen Nerven sind zusammen­gelegt 282 Kilometer lang.

Was war Ihr letzter grosser Irrtum?
Zu glauben, dass mal eine Ruhe ist.

Letzte Frage: Warum?
Um auf Hotel­terrassen in Italien am Meer zu sitzen. Oder noch besser: zu liegen. Und dann in die Schweiz. Und sagen: ach ja, zu Hause ist zu Hause.

Zur Person

Sibylle Berg ist Schriftstellerin und Dramaturgin. 2020 wurde sie mit dem Grand Prix Literatur für ihr Gesamt­werk ausgezeichnet. Ihr neuester Roman «RCE» ist «nichts weniger als ein Weltrettungsplan».

Sibylle Berg findet auch: Menschen überraschen einen selten. Bei der Republik arbeiten wir jeden Tag daran, Ihnen das Gegenteil zu beweisen. Lernen Sie uns kennen, 21 Tage kostenlos und unverbindlich:

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