An die Verlagsetage

«Ich möchte dazu beitragen, dass dieser Laden läuft»

Hunderte Verlegerinnen engagieren sich ehrenamtlich in der Project R Genossenschaft für die Republik und den Journalismus. Was bewegt, was motiviert sie? Wir haben bei sechs von ihnen nachgefragt.

Von Ihrem Expeditionsteam (Text) und Goran Basic (Bilder), 10.12.2021

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Dreissig Verleger möchten sich in den kommenden drei Jahren im Genossenschafts­rat zu regel­mässigen Sitzungen treffen, Arbeits­gruppen bilden, diskutieren, streiten, Projekte ausarbeiten. Knapp tausend Komplizinnen sprechen im ganzen Land über die Republik, hängen Fahnen an ihre Balkons, verteilen Print­ausgaben, kommen an Veranstaltungen.

Dieses ehrenamtliche Engagement ist grossartig – aber alles andere als selbst­verständlich. Was motiviert einen dazu, seine kostbaren freien Stunden für eine Genossenschaft, ein Magazin, für Journalismus einzusetzen?

Wir haben nachgefragt. Bei vier Genossenschafts­räten (zwei sind ganz frisch dabei, zwei sind schon seit drei Jahren im Gremium). Und bei zwei Komplizinnen der Republik.

Hier erzählen sie von ihren persönlichen Beweg­gründen:


«Ich bin gut vernetzt mit anderen jungen Menschen, und mir ist es wichtig, dieses Netzwerk dem Genossenschafts­rat zugänglich zu machen.»
Jan Burckhardt, Genossenschafts­rat seit 2021

«Wenn ich so die Schweiz anschaue, dann ist es eine Freude, dass es so etwas wie Project R und insbesondere die Republik gibt. Eine Institution, die sich mit Miss­ständen nicht einfach zufrieden­gibt, sondern dort hinschaut. Raum öffnet für die Gedanken­gänge, die es braucht, um den Krisen gerecht zu werden, in denen wir stecken. Das finde ich sehr wichtig. Und wenn das mit demokratischen Strukturen und nicht gewinn­orientiert passiert, dann ist es umso sympathischer – also eigentlich finde ich es absolut zentral, dass das möglich ist und dass man so ein Projekt stärkt. Den Genossenschafts­rat sehe ich als eine Art ‹Feedback-Loop› für dieses Projekt, und dann ist es natürlich cool, wenn dort verschiedene Perspektiven aufeinander­treffen. Ich bin gut vernetzt mit anderen jungen Menschen, und mir ist es wichtig, dieses Netzwerk dem Genossenschafts­rat zugänglich zu machen. Allerdings sehe ich mich nicht per se als Vertreter der Generation Z. Ich bin grund­sätzlich etwas skeptisch, wenn jemand behauptet, für eine ganze Generation sprechen zu wollen. Aber klar, es gibt Themen, die meine Generation besonders betreffen oder betreffen werden, wie etwa die Klima­krise. Anders gesagt: Natürlich sitze ich als Einzel­person mit meinen Meinungen in diesem Genossenschafts­rat. Trotzdem habe ich den Anspruch, die Interessen von jungen Menschen wahrzunehmen, sie so gut wie möglich zu bündeln und einzubringen.»


«Ich finde es spannend, dass die Leserinnen und Leser hier als Gegenüber gedacht werden, das nicht einfach nur konsumiert, sondern mitdenkt, mitredet und dadurch auch mitgestaltet.»
Margarethe Letzel, Genossenschafts­rätin seit 2018

«Besonders wichtig ist mir die Frage der Partizipation. Also danach, wie sich die Verlegerschaft einbringen kann in so ein Zeitungs­projekt, ohne der Redaktion in die Texte einzugreifen. Und ich habe den Eindruck, dass die Republik da versucht, neue Pfade einzuschlagen. Ich finde es spannend, dass die Leserinnen und Leser hier als Gegenüber gedacht werden, das nicht einfach nur konsumiert, sondern mitdenkt, mitredet und dadurch auch mitgestaltet. Es gibt natürlich die Option, sich einfach an gutem Journalismus zu erfreuen. Aber es gibt eben auch die Option, sich aktiv daran zu beteiligen. Und das zeigt sich, wie ich finde, exemplarisch am Republik-Dialog (es gelingt nicht immer gleich gut, aber was gelingt schon jedes Mal im Leben?): Hier werden Wissen, verschiedene Blick­winkel und Lebens­erfahrungen zusammen­getragen, die über die Recherche eines Beitrags hinaus­gehen. Und ich bin überzeugt, dass das auf all jene zurückwirkt, die die Texte geschrieben haben, und auch auf die Gruppe von Leuten, die sie gelesen haben.»


«Meiner Erfahrung nach ist es besser, die Lauten und die Leisen zusammen in einer Gruppe zu haben. Das sorgt für einen fruchtbaren Dialog.»
Sophia Graber, Genossenschafts­rätin seit 2021

«Ich bin sehr angetan davon, dass eine Genossenschaft Journalismus macht, das gibt es doch sehr selten. Und ich finde, es ist die richtige Form. Journalismus ist etwas, was die Gesellschaft braucht und was sie zusammen­hält. Dass man dazu diesen gemeinschaftlichen Grund­gedanken hat, das ist mir sympathisch. Dass viele Leute zusammen­arbeiten. Ich selber bin ein zurück­haltender Mensch. Im Alltag sind ja viele Leute eher leise, schweigen oft, dabei hätten sie eigentlich viel zu sagen. Wenn man sich ansieht, wer diese Leute in allen möglichen Gremien vertritt, dann sind das meistens Typen, die laut sind und gerne im Mittelpunkt stehen. Aber anstatt mich jetzt darüber zu ärgern, still für mich, habe ich beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen. Also habe ich für den Genossenschafts­rat kandidiert. Meiner Erfahrung nach ist es besser, die Lauten und die Leisen zusammen in einer Gruppe zu haben. Das sorgt für einen fruchtbaren Dialog.»


«Ich möchte etwas dazu beitragen, dass dieser Laden läuft.»
Oliver Reinhardt, Genossenschafts­rat seit 2018

«Es ist per se schon mal sehr interessant, mit dreissig Leuten zusammen­zuarbeiten, die man überhaupt nicht kennt. Jetzt gerade freue ich mich wahnsinnig auf diese neue Konstellation und darauf, was dieses Gremium dann für eine Dynamik entwickeln wird. Das ist total spannend. Und wenn es dabei noch um eine Sache geht, die eine gewisse Reichweite und Bedeutung hat, dann setzt man sich doch gerne dafür ein. Die Republik hat sich sehr gut positioniert als räsonierendes Meinungs­bildungs­institut. Auch mit der Community, in der vernünftig miteinander debattiert wird. Logisch gibt es immer auch Beiträge, bei denen sorgfältig moderiert werden muss. Aber ich finde, das Ganze ist so aufgebaut, dass es der Gesellschaft und dem demokratischen Diskurs etwas bringt. Und ich möchte gerne etwas dazu beitragen, dass dieser ganze Laden läuft.»


Wer sich für Project R und die Republik engagieren möchte, muss nicht gewählte Genossenschafts­rätin sein. Mehrere hundert Komplizen tragen dazu bei, dass die Republik bekannter wird, nehmen an Veranstaltungen teil und werden über einen eigenen Newsletter darüber auf dem Laufenden gehalten, was im Rothaus bewegt.

Zum Beispiel Tobias Bockstaller und Dorothee Brumann.


«Man ist sich bewusst: Hey, es braucht diesen Einsatz, es braucht auch mich als Einzel­person – auch wenn ich nur einen Artikel teile.»
Tobias Bockstaller, Komplize

«Ich bin seit dem Anfang bei der Republik dabei. Ich habe schon das Crowd­funding 2017 unterstützt. Und danach habe ich bei allen weiteren Schritten weiter mitgemacht – weil ich von diesem Projekt begeistert bin. Ich arbeite selber in einem Bereich, in dem wir sehr stark auf Freiwillige angewiesen sind, und deshalb weiss ich, wie wichtig Freiwilligen­arbeit ist. Entsprechend engagiere ich mich selber auch. In diesem Zusammen­hang finde ich die Kommunikation bei der Republik genial, vor allem den Komplizen-Newsletter. Da weiss man immer ganz genau, was gerade läuft und was gerade gebraucht wird. Ausserdem sieht man auch immer, wie notwendig der Einsatz der einzelnen Personen ist. Das weiss ich sehr zu schätzen, und das finde ich auch beeindruckend. Man ist sich bewusst: Hey, es braucht diesen Einsatz, es braucht auch mich als Einzel­person – auch wenn ich nur einen Artikel teile. Am coolsten finde ich übrigens genau das: dass man alle Artikel mit allen teilen kann. Das ist das beste Instrument, das ich als Komplize habe. Denn dadurch habe ich viele Leute davon überzeugen können, selbst auch ein Abo bei der Republik zu machen.»


«Schon damals beim Crowd­funding hat mich überzeugt, dass es ein Magazin geben soll, das wirklich transparent und unabhängig ist.»
Dorothee Brumann, Komplizin

«Ich bin eigentlich seit der ersten Stunde mit der Republik unterwegs. Schon damals beim Crowdfunding hat mich überzeugt, dass es ein Magazin geben soll, das wirklich transparent und unabhängig ist. Über die Jahre hinweg hat sich die Republik von der Qualität der Berichte her sehr deutlich von der restlichen Medien­landschaft abgehoben. Ich teile wahnsinnig viele Beiträge der Republik. Sie geben einem eine gute Gesprächs­grundlage bei komplexen Themen. Denn die Republik schafft es, diese einfach darzulegen. Am Anfang war ich beispiels­weise sehr beeindruckt vom Format ‹Auf lange Sicht›, bei dem Zahlen wirklich aufgeschlüsselt werden und hinter Statistiken geschaut wird. Vom Thema her eigentlich total trocken, aber man nimmt sich ja selber nie die Zeit für so was, und als Grundlage für Diskussionen finde ich diese Beiträge sehr hilfreich. Als Komplizin habe ich auch Werbe­material für die Republik verteilt. Am besten fand ich dabei immer die Kleberli. Die klebe ich überall hin, wo ich denke, es passt – und ich habe einen ‹Wollen Sie es wirklich wissen?›-Kleber auf meinem Laptop, der kommt regelmässig sehr gut an oder sorgt für Nachfragen. Ich finde das so toll, wenn man irgendwo sitzt und den Laptop aufklappt und die Leute als Erstes diesen Kleber sehen (lacht). Er löst jedes Mal etwas aus, weil es natürlich provokativ ist für alle, die die Republik nicht kennen. Und alle, die die Republik kennen, die finden dann jedes Mal: Hey, so cool, du liest auch die Republik! Die Kleber sind ein richtiger ‹Door-Opener›.»


Sie wollen mehr über die Komplizinnen wissen oder selber eine werden? Hier erfahren Sie mehr.

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