Debatte

Könnten Sie ohne Ihr Smartphone leben?

Die Debatte zur Serie «Im digitalen Rausch»: Wie präsent ist das Smartphone in Ihrem Alltag? Und wenn Sie häufig online sind: Was macht das mit Ihnen? Teilen Sie Ihre Erfahrungen, Meinungen und Fragen mit der Republik-Community!

Von Ihrem Expeditionsteam, 14.06.2021, Update 19.06.2021

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Der automatische Griff in die Tasche, kurzer Blick auf die Push-Meldungen, dann: Bildschirm entsperren, rein in den Twitter-Feed, durch zwei Threads, rüber zu Instagram, like, like, selber ein Bild posten, wie wird eigentlich das Wetter morgen? Dann ploppt eine Nachricht auf, schnell antworten – und dann das Handy weglegen, vielleicht, oder doch nochmals E-Mails checken?

Das Smartphone ist für viele zum steten Begleiter geworden. Der Tag beginnt und endet mit einem Blick auf den Bildschirm.

Mit der Serie «Im digitalen Rausch» gehen wir dieser sonderbar engen Beziehung nach: Autorin Anna Miller spürt den Versuchungen und Abhängigkeiten rund um ihren eigenen Umgang mit Handy und Internet nach. Sie lässt Sie an ihrem Gedankengang teilhaben, der sie ausgehend von persönlichen Erfahrungen zu sehr grund­legenden Fragen und Problemen unserer Zeit führt. Begleitend zur Serie interessiert uns:

Wie stark prägt das Smartphone Ihren Alltag? Könnten Sie ohne leben? Und wenn Sie häufig online sind: Was macht das mit Ihnen?

Erkennen Sie sich in Millers Erfahrungen wieder? Spiegeln die Eindrücke der Autorin das, was Sie in Ihrem Alltag selber auch wahr­nehmen, was Sie anzieht, abschreckt, verwirrt? Haben Sie ähnliche Bedenken?

Oder geht es Ihnen ganz anders? Irritieren Sie die Beobachtungen, weil sie nicht zu dem passen, was Sie selbst erleben? Und wenn ja, was fällt Ihnen stattdessen auf? Welche Fragen beschäftigen Sie?

Teilen Sie Ihre Perspektive mit der Republik-Community!

Wir freuen uns, von Ihnen zu lesen.

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Vor dem Smartphone waren die Gratisblätter wie zB 20Min der tägliche Info-Brei zum Pendeln am Morgen und am Abend.

Mit dem Smartphone entdeckte ich, dass man auf Twitter zwei Tage früher liest, was später in 20Min steht.

Also konsumierte ich nun dort. Immer noch Brei.

Seit ich das Republik Abo habe, lasse ich den Brei weg, und konsumiere zwei bis drei Stück feste Nahrung – danke für Ihren interessanten Beitrag, ich freue mich auf die weiteren Folgen.

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Die Serie liess mich einige Tage etwas ratlos. Viele der beschriebenen Situationen und Zwänge sind nachvollziehbar, der Text packend geschrieben, aber dann am Schluss blieb mir doch ein leeres, fahles, Gefühl. Gibts die Person, die das schreibt, in der Intensität? Wie sehr ist die so tagebuchartig verfasste Story dann doch ein Konstrukt? Die Autorin ist ja Psychologin, die Persona, die scheinbar schreibt, reflektiert aber kaum über ihre momentane Verzweiflung mit all dem "zuviel" hinaus. Kurz: ja, schlimm, aber was nun?

Bis ich heute realisierte, was der Serie eben fehlt. Sie wirft das ganze "Digitale" von A-Z mehr oder weniger in einen Topf, in dem dann eine undefinierbare und unlösbare Problembrühe kocht.

Als jemand, der nicht in die digitale Welt hineingeboren wurde, sondern parallel mit ihr gewachsen ist und jeden Schritt selbstbestimmt (weil immer brennend am Thema interessiert) nachvollzogen oder bisweilen eben auch verweigert hat, bin ich heute durchaus intensiver Nutzer vieler digitaler Geräte. Ich könnte zwar ohne mein Smartphone leben, aber ich habe wenig Grund dazu das zu wollen. Wieso? Das Ding terrorisiert mich nicht! Es ist ein Werkzeug, ein kleiner Computer, der dann, wenn ich ihn brauche, in der Tasche ist, und als solcher viele Male pro Tag einfach nützlich. Stören darf er mich nur, wenn ich das will (Notifications weitgehend: aus). Ich habe davon mit 15 geträumt sowas zu haben, heute mit 55 gibt es das. Ähnliches könnte ich zum Internet an sich sagen.

Dabei denke ich, dass das Digitale "nur" als Verstärker und Beschleuniger dient, aber keineswegs die Ursache ist. Denn hier zeigt sich einfach (wieder einmal) die hässlichste Seite des kapitalistischen Systems, nämlich eine weitestgehende a-priori Absolution für gnadenlose Ausbeutung, wenn damit genug Geld zu machen ist. So hat eine Billionen-Industrie entstehen können, deren Produkte scheinbar nützliche Dinge wie Messaging, Vermittlung, Organisation, Information sind - aber die letztlich ausschliesslich von der Ausbeutung jedes letzten Quäntchens Privatsphäre (und Zeitautonomie) der Social-Media Sklav*innen lebt, um via Werbung Geld umzusetzen und daran zu verdienen.

Von der Sklaverei der Silo-Betreiber müssen wir uns befreien, aber gleichzeitig einen selbstbestimmter(er) Umgang mit den digitalen Möglichkeiten fördern! Beides im selben Topf vermischt macht nur hilflos!

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Anonym 5
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Ok, ich dachte ja, ich sei schlimm mit 1-2h pro Tag: Tagi, Republik, Email & Banking; vielleicht mal einen Abend lang Youtube (habe keinen Fernseher) und beruflich noch Slack. Aber nach dieser Artikelserie: WTF?

Am wenigsten verstehe ich den Exhibitionismus: woher kommt dieses Bedürfnis alles mitzuteilen und öffentlich zu machen? Die normale menschliche Durchschnittlichkeit ist doch sowas von öde?! Ich hatte nie Facebook, Insta, Twitter, und zwar genau darum: ich wüsste gar nicht, was schreiben, was posten, ist doch alles irrelevant für andere, und es hätte mich peinlich berührt, all das private Zeug von anderen ständig angeworfen zu bekommen. Tagebuch ist ja auch nicht öffentlich.

Ich mag es nicht, dass ich das Handy inzwischen so oft brauche, auch um Bücher und Zeitung zu lesen (die ich auch noch auf Papier habe); aber das ganze Social Media Zeug ist mir ein Graus und ich meide es, wie der Teufel das Weihwasser. Hatte noch nie das Gefühl, etwas zu verpassen.

Habe lange überlegt, ob ich überhaupt was schreiben soll, aber vielleicht hilft es ja jemandem zu lesen, dass komplett ohne Social Media problemlos geht.

Tipp für die Ferien: Andere SIM-Karte (international) und Reisehandy, nur mit Browser, Email & SMS (kein Messenger!) drauf. Die neue Nummer nur an wenige Notfallkontakte geben. Alle anderen informieren mit Abwesenheitsmeldung: bin dann mal weg & habe mein Handy nicht dabei. Dann gibt es bei der Rückkehr auch was zu erzählen.

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Nach den Politkatastrophen der letzten Wochen (Abstimmungen, Rahmenvertrag) sollen wir uns jetzt also mit unserer eigenen kleinen Süchtigkeit beschäftigen. Nachdem die grosse Sucht nach guten Gewinnen und unangetastetem Geldbeutel wieder mal gewonnen hat.
Ich bin aber grad nur sauer auf die Lügenkampagnen, die Tatsachenverdreher, die Realitätsverweigerer, die Ewiggestrigen…

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Timon Zielonka
Sales @ zukunft.com
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Genau das Smartphone könnte eine wichtige Ursache sein, warum Lügenkampagnen derzeit sehr gut funktionieren. Viele sind es gewohnt, die "one click solution" zu wählen. Wir lassen es zu, dass unsere Aufmerksamkeit immer wieder auf die falschen Dinge gelenkt wird oder wie Neil Postman es formuliert hat, "Wir amüsieren uns zu Tode".
Meine Lösungsansatz: e.foundation und push Dienste abstellen.

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Es ist keine „kleine Süchtigkeit“. Vergessen sie die gesellschlaftliche Dimension nicht.

Hat sich ihr Unmut nach Abstimmungen über die letzten Jahren verstärkt? Lügenkampagnen sind ein Problem. Hat das nicht etwas mit dem Internet/Smartphone-Konsum zu tun?

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Anonym 1
· editiert

Look, I get it.
Wie viele andere in den Kommentaren hier auch verlauten lassen, gibt es negative Reaktionen auf einige Aspekte "von Smartphones" (mehr dazu gleich) - und das zurecht. Einige der Effekte wurden auch schön um- oder beschrieben, und die negativen Seiten sind nicht einfach, pardon, wegzuwischen. Kurz: Die Autorin hat nicht Unrecht.

Aber:
Die Zusammenfassung der Probleme unter dem "Smartphone" ist nur bedingt hilfreich, wenn nicht sogar schädlich wenn man diese negativen Aspekte angehen möchte.
Denn das Smartphone ist eine Technologie, die vieles ermöglicht. Sie ermöglicht das Filmen von Polizeibrutalität in den USA, sie ermöglicht Geflüchteten, mit ihren Familien in Kontakt zu bleiben, sie ermöglicht den DemonstrantInnen in Hong Kong, sich sehr kurzfristig vor Polizeiaufgeboten zu warnen und sich neu zu positionieren, sie ermöglicht, anonymes Corona-Contact tracing.
Wenn man gegen das Smartphone argumentiert, öffnet man sich diesen (und noch viel weiteren) Gegenargumenten, und das zurecht.

Die Probleme sind nämlich nicht Smartphone-Probleme.

Das ChefIn, das verlangt, dass man ständig via E-Mail erreichbar ist, ist ein Arbeitsrechtsproblem, und sollte als solches angegangen werden.
Facebook (und auch Youtube, und Andere), das so designed ist, einen möglichst lange an den Bildschirm zu binden mit (meist eher) negativem (und somit auch belastendem) "Engangement" ist ein Werbeindustrie (im weiteren Sinne ein Kapitalismusproblem), und sollte als solches angegangen werden.
Das PartnerIn, das einen auf Google, oder via Whatsapp etc. stalked, ist ein Beziehungs-/Kommunikationsproblem, und sollte als solches angegangen werden.
Google (und Facebook, und Andere), die einen die ganze Zeit tracken ist ein Überwachungskapitalismusproblem, und sollte als solches angegangen werden.
Das Leute sich im Bus nicht hallo sagen, ist ein komplexeres Problem (Arbeitszeit ist zu lange/anstrengend, Isolierung von Personen/Zerstörung von Gemeinschaftlichkeit etc., auch vieles davon eine Kapitalismuskonsequenz. Ja ich weiss, dieser Punkt ist schwach gemacht).

Das Smartphone hat sicher die Türen aufgestossen, die gewisse Effekte verstärkt, und einige vielleicht sogar ermöglicht hat.
Ausser die Gesellschaft kollabiert komplett (kurzer Blick nach draussen... naja, mal sehn), wird das Smartphone nicht verschwinden. Und solange die Argumente bezüglich den Problemen sich auf einem "Technology bad"-Niveau bewegen, werden wir nicht vorwärtskommen.

Nochmal: I get it. Und ich hoffe die Autorin konnte sich und anderen Lesern etwas Frust von der Seele schreiben. Ich unterstütze das in diesem Aspekt auch vollständig.
Aber wenn wir weiter kommen möchten als nur Dampf ablassen, sollten wir genauer, und anders hingucken und argumentieren.

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B. J.
· editiert

Dann machen Sie mal vor. In eigenen Worten, nicht aus der Konserve.

Und hier noch meine zwei Cents: mit Substanzen und Handlungen umgehen lernen, die Suchtpotenzial haben, gehört zum Erwachsenwerden. Früher wars diesbezüglich wohl einfacher. Da gabs grob gerechnet Arbeiten, Glücksspiel und Alkohol, denn kamen Medikamente dazu, Life-Style und andere Drogen, mit der Digitalisierung Gaming und social media. Das Oberthema kann man aus meiner Sicht aber immer Umgang mit Suchtmitteln nennen. Diese Erziehung sollte früh anfangen: Kleinkinder, die vors Tablet gesetzt werden, finde ich einen schmerzhaften Anblick. Aber was tun, wenn die nächste Möglichkeit, mit Dreck, Holz und Steinen vielleicht noch gemeinsam mit andern eine eigene Welt zu schaffen, unerreichbar weit entfernt liegt?
Ich selber bin froh, hatte ich schon einigermassen gelernt, mit Versuchungen umzugehen, als die Digitalisierung kam. Aber auch ich merke den Sog, obwohl ich mich ausser hier in diesem Forum von allen digitalen Schwatzbuden, Schaustegen und Stammtischen fernhalte und meine sozialen Bedürfnisse nach Zugehörigkeit, Anerkennung und Bestätigung in natura zu befriedigen suche. Klappt nicht immer gleich gut, misslingt gelegentlich ganz, aber lässt keine Leere zurück.
Mein Handy ist immer noch primär Telefon, schreiben mag ich darauf nicht, lesen auch eher wenig, ich liebe es, vor dem Einschlafen ein in einem richtigen Buch zu blättern, mag die Haptik und das Geraschel echter Zeitungen, nur draussen im Wind ist das Handy praktischer, aber dann setze ich mich lieber irgendwo in den Windschutz. Die Republik lese ich am Computer, nur schon der Bilder wegen. Als Fotoapparat mag ich mein Handy, auch wenn ich beim Fotografieren eine Masslosigkeit bemerke, die mich an mir stört: es ist zu leicht, geht zu billig, und braucht (zu) viel Zeit, all das Verwackelte, Langweilige, Mehrfache wieder auszusortieren. Und auf dem Computer stapeln sich die Fotoordner. Noch habe ich hier zu wenig Struktur, zu wenig Disziplin, um aus dem Zusammengerafften etwas Sinnvolles zu machen. Ich glaube, das ist es, was das digitale Überangebot bei mir auslöst: Raffgier. Es zeigt mich mir so, wie ich mich nicht mag. Das verhilft zu einer einigermassen lebbaren Distanz.

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Simon Reber
Software Entwickler, Familienvater
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Das Problem wird allgemein von der falschen Seite her angegangen. Ist das, was hier ungemein wortreich dargestellt wird, wirklich ein Problem der Technik?
Ist das Smartphone die Ursache, dass Frau keinen perfekten Mann findet?
Ist das Smartphone die Ursache, dass Menschen oberflächlich sind?
Ist es das Smartphone welches die Leute dazu treibt, um die halbe Welt zu fliegen, um dort genau das zu erwarten, was sie zu Hause haben?
Ich meine nein. Es gab diese Phänomene lange vor dem Smartphone.
Es ist die Organisation unseres Erwerbslebens, die Notwendigkeit arbeiten zu müssen, um Lohn zu bekommen um Steuern, Miete und das tägliche Brot zu bezahlen, so viel zu verdienen, dass man sich Statussymbole wie protzige Autos riesige Fernseher oder eine hübsche junge Frau leisten kann.
Es ist die Grundidee, dass ich besser sein muss als alle anderen um mich herum, dass ich beim Plauschmatch das Tor schiesse, schneller mit dem Rad den Pass hochfahre als meine Kumpels oder eben, so viel Geld verdiene, dass ich mir edlere Dinge anschaffen kann.
Es ist die Idee der Konkurrenz, welche auf der Idee des Kampfes beruht, welche auf der Idee des gewaltsamen Aneignens des Besitzes anderer beruht.
Das Problem besteht darin, dass wir nicht miteinander das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen versuchen, sondern miteinander um begrenzte Ressourcen konkurrieren, sei Raum, Aufmerksamkeit, Essen, Wasser oder was auch immer.
Diese Einstellung wird uns von klein auf gewaltsam eingetrichtert, mit der Begründung das mache das Leben besser.
Aber ist das Leben besser geworden? Technisch auf jeden Fall. Wir werden älter, haben kaum je Hunger, müssen uns körperlich kaum mehr anstrengen, Krankheiten sind meist nur unangenehm aber nicht lebensbedrohlich, wir können uns weltweit bewegen, uns mit Menschen austauschen welche auf dem ganzen Erdball verteilt leben, usw.
Aber über all diese technischen Erfolge haben wir aus den Augen verloren, was das Menschsein ausmacht.

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Anna Miller
Journalistin & Psychologin
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· editiert

Lieber Herr Reber,

Ich bin absolut einverstanden mit Ihnen, dass das Problem komplex ist. Genau so wie die menschliche Psyche. Das Problem per se ist nicht die Technik. Doch einige Menschen, die Technik machen, haben es auf sehr intelligente, teils perfide Art und Weise verstanden, unsere niedersten Instinkte und unsere grössten Hoffnungen zu triggern. Insofern: Es ist ein menschliches Problem - und es braucht deshalb den mündigen Menschen, um die Digitalisierung neu oder zumindest anders zu denken.

Denn niemand wird süchtig von zu viel Google Maps. Und ich würde nicht ohne sein wollen. Und doch müssen und dürfen wir uns fragen, was die zunehmende Digitalisierung von verschiedensten Lebensbereichen, Zuständen und Interaktionen mit uns Menschen, unserer Psyche, unserem Körper, unserem Denken und unserer Gesellschaft macht. Damit wir neu entscheiden können, was wir davon wollen und in welcher Form. Denn das Schlimmste an der aktuellen Lage finde ich, dass nicht genügend Menschen bewusst und aktiv in die Prozesse involviert werden und die Debatte oft noch einseitig geführt wird.

Doch natürlich ist nicht alles einfach die Schuld von Unternehmen oder einzelnen Personen. Sondern natürlich hat Suchtverhalten und Obsession auch immer mit dem Einzelnen zu tun und der Frage, wie sehr Bewältigungsstrategien und Persönlichkeitsentwicklung eine Rolle spielen. Doch die Obsession mit unseren Geräten ist derzeit ein globales Massenphänomen. Und führt zu ersten Kollateralschäden.

Die Mehrheit der Apps, die sich aktuell damit beschäftigen, uns so lange wie möglich vor einem Bildschirm kleben zu lassen, haben eine soziale, interaktive Komponente oder triggern ganz bewusst entweder Angst, Spass oder Belohnung. Sie sind per se nicht des Teufels - brauchen aber Regulierung, bewusstes Ausbalancieren in Form von Offline-Aktivitäten und schlicht: bewussten Umgang. Dazu spricht Larry Rosen noch ausführlicher im Interview zum Abschluss der Serie.

Es gibt zahlreiche kluge Leute, die konstruktiv über das Thema nachdenken und da vielleicht ein Denkanstoss sein können - beispielsweise Tristan Harris mit seinem Center vor Humane Technology.

Dies als erster Input.

Viel Spass weiterhin beim kritischen Lesen!

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Simon Reber
Software Entwickler, Familienvater
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Natürlich ist die Problemstellung extrem komplex, wenn man die zugrundeliegenden Wirtschafts und Sozialmodelle einbezieht.
Aber es ist halt auch einfach. Warum schaffen die Programmierer süchtig machende Apps? Weil sie vom Management angewiesen werden den monetären Gewinn des Unternehmens zu optimieren. Ich bin sicher, weder Larry Page, noch Mark Zuckerberg schwebte am Anfang ihrer Arbeiten eine milliardenschwere, monopolistische, Datenkrake vor dem inneren Auge. Allein, man braucht Geld um zu leben und Angestellte zu bezahlen, so kommt ganz sachte eines zum Anderen.
Smartphone und Computer sind beiliebe nicht das erste solche Phänomen. Das Auto, mit dem sich fast die ganze männliche, westliche Welt seit 60 Jahren exzessiv beschäftigt schafft noch viel extremere Probleme, es droht inseren Planeten zu sterilisieren!
All die, eigentlich sinn- und wertlosen Statussymbole sind der eher mühsamen zwischenmenschlichen Interaktion geschuldet. Es ist enorm schwierig die Anerkennung anderer zu erhalten, aber genau das ist eigentlich unser Daseinszweck. Von daher kommt die enorme Nachfrage nach Diensten und Mittel um Anerkennung, bzw. eine Simulation davon, zu generieren. Es ist dieser Mechanismus, welcher Reiche dazu bringt immer reicher werden zu wollen, der Männer zu Prostituierten treibt, Menschen allgemein dazu verführt immer auffälligere Statusymbole anzuhäufen. Selbst die ursprünglichsten Naturvölker sind nicht davor gefeiht, auch wenn ihre Statusymbole weniger Schaden anrichten. Andererseits, die Ausrottung praktisch aller grossen Tiere ging vermutlich auf das Konto der Geltungssucht und war wohl nie dem Hunger geschuldet.
Es ist dieser Drang nach Anerkennung, welcher uns immer wieder zu Höchstleistungen anstachelt und darum evolutionsmässig so erfolgreich war.
Ihn gälte es zu zähmen, oder abschliessend zu befriedigen. Vielleicht ist tatsächlich die KI die Lösung des Problems. Indem wir uns mit Maschinen umgeben, welche uns die benötigte Aufmerksamkeit zukommen lassen, werden wir vielleicht die Finger von unseren Mitmenschen lassen...

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wunderbare lebendige sprache, weites gedankennetz mit schwingenden querverbindungen, gefällt mir sehr, trotz deprimierendem kern. doch das beunruhigende daran: ich muss es im bildschirm lesen, kein papier in der hand.

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Christof Moser
Chefredaktion
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Aber doch immerhin ohne Blingbling, Werbung, Nudging, Klickbait etc. Lesen wie auf Papier am Bildschirm. So gehts jedenfalls mir. Aber okay, ich bin ein wenig befangen.

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Sarah Genner
Wissenschaftlerin & Dozentin
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Die Diskussion um die Bildschirmzeit läuft aus meiner Sicht falsch. Was wir mit digitalen Geräten machen und warum, ist viel interessanter als wie lange.

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Die Bildschirmzeit ist eine super Metrik für den Kontrollverlust. Sie fragen nach qualitativen statt quantitativen Daten. Weiss nich ob das eine Rolle spielt…

Ich glaube nicht dass jemand auch nur Ansatzweise mit dem Smarphone produktiv arbeitet (Telefonie ausgenommen), daher halte ich das „Was“ für zweitrangig.

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Anna Miller
Journalistin & Psychologin
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· editiert

Liebe Frau Genner, lieber Herr Vonrotz,

Danke für diesen wichtigen Hinweis. In der Tat geht es nicht bloss um die reine Bildschirmzeit, sondern u.a. auch darum, welchen Absichten wir folgen, wenn wir Online sind, ob es passives Konsumieren oder aktives Beitragen ist, wie wir uns danach fühlen (energetisiert oder aber ausgelaugter als davor) und WARUM wir in erster Linie überhaupt connecten.

Auch kann das compulsive checking, also die ständigen Mikrounterbrechungen, neurologisch problematischer sein als der Inhalt, der konsumiert wird. Dreimal eine halbe Stunde täglich am Phone ist was ganz anderes als 150 Mal 30 Sekunden.

Wichtig scheint mir in dieser Debatte um Chancen und Grenzen der Digitalisierung vor allem, dass sie überhaupt geführt wird, dass wir alle mündiger und informierter entscheiden können und wieder ein Stück mehr Kontrolle über unser Leben, unsere Zeit und unsere Energie erlangen. Um die Digitalisierung für das zu nutzen, was uns wirklich wichtig ist und uns Mensch bleiben lässt.

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Wenn man das Gespräch mit Rosen gelesen hat, fragt man sich, ob die Republik mit dem Aufschalten von upvote/downvote wirklich sinn volles tut - oder ob dies nicht genau diese (sehr menschliche) Abhängigkeitsproblematik von Falsch-Selbst-Belohnungen, die Rosen eindrücklich erwähnt, unterstützt. Diese „Benotung“ finde ich deshalb völlig unnötig und kontraproduktiv!

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T. S.
"Physiker"
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Ich habe schon mehrmals gebeten, wenigstens die Downvotes auszuschalten, wobei gemäss Rosen wohl die Upvotes die gefährlicheren sind.

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Christof Moser
Chefredaktion
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· editiert

Die Votes sind ein Element der Selbstregulierung. Die Redaktion diskutiert in diesem Dialog zwar mit, kann aber nicht jeder unangemessenen Tonalität eines Dialogbeitrags oder der Verbreitung falscher Fakten entgegentreten. Das erledigen Downvotes und Gegenreden oder Klarstellungen aus dem Kreis der Verlegerinnen. Bei klaren Verstössen gegen die Etikette schreiten wir ein, den Rest regelt die Community. Über alles gesehen hat sich das bisher ausgezahlt: die Republik-Dialogbeiträge und damit die Community gehören zu den qualitativ Besten weit und breit. Wer mit Anstand und nachvollziehbar argumentiert, erhält auch bei unbequemen Meinungen Zustimmung. Und wird über die Reiter "Beliebteste" oder "Meistdiskutiert" dann auch gelesen, während Pöbeleien eher sang und klanglos untergehen. Was wiederum nicht bedeutet, dass wir in der Weiterentwicklung des Dialogs nicht andere Formen selbstregulativer Mechanismen finden werden. Freundliche Grüsse!

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N. O. H.
· editiert

Viele Downvotes zu bekommen, ist möglicherweise auch nicht so schlimm wie überhaupt keine Votes zu kriegen. Denn keine Votes bedeuten, dass das Grundbedürfnis nach Bindung nicht erfüllt ist bzw. dass man vermeintlich keine Resonanz erzeugt. Und das Bindungsbedürfnis ist in der Regel noch elementarer als das Bedürfnis nach Anerkennung und Selbstwerterhöhung. Aber das empfindet sicher jeder anders. Wenn man sich zum Beispiel als Rebell oder Outlaw begreift, dann können einen sicher auch Downvotes „anmachen“.

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Liebe Frau Miller, ein grossartiger Artikel! Sie haben mir direkt von der Seele gekotzt. Vielen Dank!

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L. C.
Angehender Student
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Vielen Dank für diesen Artikel. Auf so einen Text in der Republik habe ich mich schon länger gefreut, vor allem auch weil mich das Thema in letzter Zeit so sehr beschäftigt.
Ich probiere meinen Handykonsum ständig einzuschränken, doch mittlerweile habe ich an arbeits- oder schulfreien Tagen Mühe aufzustehen, ohne dass ich die ersten 30 Minuten des Wachseins am Smartphone verbracht habe. Twitter, Instagram, News, NBA-Scores (da die Spiele in der Nacht sind, gibt es morgens genug zum Nachlesen) gehören zu den ersten Dingen, die ich am Morgen sehe, und wenn ich mich mal diesem Drang entgegensetzen kann, herrscht schon FOMO.
Wenn ich in der Wohnung bin, probiere ich das Handy in meinem Schlafzimmer zu lassen, damit ich's nicht mit mir schleppe, doch wenn ich das Zimmer betrete, ist der Bildschirm fast schon wie ein Magnet.
Obwohl ich auch Monate ohne Social Media problemlos aushalten konnte, lud ich die Apps früher oder später doch wieder runter, zunächst mit vermindertem und dann doch wieder verstärktem Konsum, bis es wieder deinstalliert wurde. Jojo-Effekt halt.

Da ich Jahrgang 2001 bin, bin ich wahrscheinlich einer der ersten, der schon mit 13 sein erstes Smartphone hatte, ein Galaxy SII. Wir sind so auch eine Übergangsgeneration, da man spürte, dass das für alle neu war und alle den Umgang damit noch lernen mussten.
Vor einigen Monaten hatte ich einen Zivildiensteinsatz in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, wo die Patient*innen (die im Schnitt ca. 4 Jahre jünger waren als ich) das Smartphone genau an zwei Stunden pro Tag brauchen durften und alle schon 10-15 Minuten vor der "Handyzeit" vor dem Stationsbüro warteten, um ihr Handy zu holen. Das fand ich auch beunruhigend.

Ich glaube, dass man die Einführung neuer Technologien, wie z.B. bei der Digitaliserung immer auch kritisch betrachten und vorsichtig einführen sollte. Ich mache mir Sorgen um meine Generation, aber auch die nach mir, da sie nie etwas anderes als eine "Always-On"-Gesellschaft kennen werden. Zudem werden junge Menschen zu vielen Möglichkeiten auf einmal ausgesetzt, was (fast) unmöglich kontrollierbar für die Eltern ist.
Hier ein tolles (Musik-)Video von Bo Burnham, der dieses Thema thematisiert.

Ich freue mich schon auf Teil 2. Weiter so!

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J. K.
Fachperson
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· editiert

Niemand hätte sich vor ein paar Jahren vorstellen können, wie viel dieses Gerät heute kann, wie vernetzt wir alle damit sind. Freut euch auf die Möglichkeiten der Digitalisierung. Denn wir haben keine Alternative.

Solche Sätze sind Horror.
Ohne Konkretes einfach „Sachzwang“ und „Istsoweilistso“.

Es gibt Dinge, die ohne Digitalisierung nicht möglich wären. Das Genom eines gewissen Virus zu entschlüsseln zum Beispiel. Das ist ein riesiger Schritt zu einem besseren Leben.

Und dann gibt es andere konkrete Dinge, die schrecklich sind mit Digitalisierung. Einen Abend durch vorgeschlagene Youtubevideos treiben. AGB lesen. Liken und sharen und commenten und retweeten. Identitätsdiebstahl, Shitstorms, Lynchmobs.

Es kommt auf die Verbindung zwischen dem Abstrakten und dem Konkreten an.
Wir müssen uns immer fragen:
Diese Veränderung - genau diese hier: Tut uns die gut? Oder schadet sie uns?

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Diese Veränderung - genau diese hier: Tut uns die gut? Oder schadet sie uns?

Ja - diese Fragen sind in der ganzen Debatte vermutlich der richtige Ansatz! Vielleicht noch abgestuft: wie weit (tut sie uns gut) und ab wann (schadet sie uns)?

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A. J.
· editiert

Ein nachdenklich machender Artikel, der einen das Smartphone-Verhalten schamlos vor die Augen setzt. Ich versuche dennoch immer wieder ohne Smartphone zu sein: gehe ich in die Stadt zum Einkaufen, oder wenn ich mich mit jemandem treffe, lasse ich es zu Hause. Im ÖV bleibt es in der Tasche. Auf dem Klo habe ich Bücher und Comics.
Wenn ich das hier so schreibe, tönt es aber trotzdem irgendwie lächerlich. Irgendwie ein bisschen hilflos. Und ja, ich lese die Republik auch auf dem Smartphone.
Ohne Smartphone leben können? Vielleicht ja, aber ohne Internet bestimmt nicht.

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N. O. H.
· editiert

Wenn man eine höhere Aufmerksamkeitsspanne als 3-6 min hat und das Interview mit Larry Rosen in einem durchliest, dann wird klar, dass der Titel „Je mehr Zeit wir vor Bildschirmen verbringen, desto instabiler werden wir psychisch“ so nicht stimmt. Es kommt eben ganz entscheidend darauf an, wie man konsumiert und mit welchen Inhalten man sich beschäftigt. Ich erkenne mich jedenfalls in seinen Beschreibungen zum Glück nicht wieder, obwohl ich auch finde, dass ich manchmal zu viel Zeit am Handy verbringe. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich mich gar nicht auf Social Media aufhalte bzw. keine Accounts habe. Oder es liegt an der Republik, in der mir auch längere Texte zugemutet werden und höchstens mal eine Animation zu einem Artikel aber keine Werbung blinkt. Vielleicht liegt es auch an meinem Umfeld, dem ich nicht klarmachen muss, warum ich nicht ständig erreichbar bin. Auf die Idee würde ich gar nicht kommen.

Nachdem ich also vor der Lektüre des Interviews die ängstlich nervöse Erwartung hatte, zu erfahren, wie schlimm es um uns und persönlich um mich bestellt ist, sehe ich nun nicht so schwarz wie Larry Rosen, auch wenn er die psychologischen Mechanismen sicher richtig erfasst. Wir können trotzdem etwas tun, unser Verhalten steuern und Verantwortung übernehmen. Die allermeisten von uns sind eben trotz der Omnipräsenz von alkoholischen Getränken keine Alkoholiker, um eine Analogie offline zu bemühen.

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Als Informatiker durchaus technikaffin, verweigerte mich stets den Smartphones. Mails, Websites usw. mit selbstgewählter Zeiteinteilung am PC genügten vollauf. Plus Handy ausschliesslich für SMS des Pikettdienstes. Oder kurz eingeschaltet bei Treffen mit unterschiedlichen Anreisewegen.
Aber: Aus Solidarität wollte ich bei der Covidapp mitmachen und so war es geschehen. Ein Smartphone musste her. Mangels Suchtgefahr wird dieses aber bloss für hie und da für die Suche der nächsten öV-Haltestelle mit Fahrplan und Ansehen der topographischen Karte bei der Orientierung in der weglosen Natur eingesetzt.
Mein Motto: Die Technik soll nur für das absolut Nützliche/Notwendige eingesetzt werden. Mit enger Definition. Dann ist sie ein Segen. Sonst kann sich der Fluch schleichend anpirschen.

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Ich möchte Sie nicht entmutigen, aber warnen: Ihren Kommentar hätte ich fast wortgleich* schreiben können. Vor 10 Jahren. Heute schreibe ich stattdessen auf dem Smartphone um 23:30, im Bett liegend, diesen Kommentar hier. Im Schnitt schaue ich täglich 3.5h ins Smartphone. Ich fühle mich nicht machtlos, aber ich weiss nicht, ob das immer so bleiben wird. Auch ich hatte einmal den Vorsatz, diesem Ding nur den allernötigsten Raum in meinem Leben zu geben. Davon bin ich nun weit entfernt.

*wenn Sie "Covid-App" durch etwas anderes ersetzen.

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A. M.
einer unter vielen
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Ich überlege mir: Kommentarspalten sind auch ein schönes Beispiel der oben genannten Ambivalenzen. Wenn mich ein Artikel wie dieser beschäftigt und etwas ratlos zurücklässt habe ich das Bedürfnis, zu fühlen, obs anderen ähnlich geht, das beruhigt mich dann. Selten ist jemand da, mit wem man das Gelesene bereden könnte und so orientier ich mich dann an ein paar teils zweifelhaften Zeichenketten, die mir eigentlich nicht geben können, was ich suche. Und trotzdem gaukel ichs mir vor und kann nach ein paar Kommentaren Artikel und Handy tatsächlich einfacher beiseite legen...

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J. K.
Fachperson
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Das Smartphone kann uns im Leben helfen -
es kann aber auch vom Leben ablenken.

Seine Hilfe nutze ich gern!
Die Ablenkung habe ich sehr eingeschränkt:

Mein Smartphone darf nur selten einen Ton von sich geben oder den Bildschirm verändern. Keine roten Punkte auf App-icons, keine Benachrichtigungen, kein Gepiepse nachts.

Ein Heer von Psychologen wird dafür bezahlt, unser user engagement zu erhöhen.
Das Behaviour Design Lab der Stanford University hat die ersten Generationen dieser Massenmanipulatoren hervorgebracht. Mittlerweile ist es sich dieser grossen Verantwortung besser bewusst.

Milliarden Lebensstunden werden täglich abgesogen, um sie mit Werbung zu Geld zu machen.

Naive Menschen wenden hier ein, dass die Nutzer ja frei wählen könnten.
Aber wie frei, das zeigt sich jeweils bei Experimenten. Unser unwillkürliches Verhalten ist leicht zu steuern.

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Ich finde es wichtig, dass darüber reflektiert wird. Danke für den Artikel, in Vielem habe ich mich wiedererkannt. Unsere Abhängigkeit, auch meine, ist sehr gross. Und treffend ist auch die Schilderung der Kurzatmigkeit als Folge des "Immer-online-Seins", daraus resultierend die Ungeduld mit völlig banalen Dingen. Ich mache manchmal, aber zu selten, Fastentage vom Handy, schalte es einmal abends kurz ein. Um nicht das idiotische Gefühl zu haben, "etwas zu verpassen". WIR VERPASSEN DAS LEBEN, indem wir die ganze Zeit wegen dieses Geräts woanders sind, als wir sind! Ich fahre viel Zug: Unglaublich, kaum jemand ohne Handy vor dem Gesicht. Als ich jünger war, gab es mal eine Umfrage, die zeigte, dass Liebespaare sich entweder an der Arbeit oder im Zug kennengelernt haben. Ist heute, mit Maske noch, reine Nostalgie. Ich habe auch immer gern Kontakt aufgenommen beim Zugfahren, schon nur ein Lächeln bringt schon was. Heute undenkbar!
Etwas noch: Ich spüre auch, wie sich das Handy zwischen meine Beziehung stellt. Man ist nicht mehr hier, wo das Gegenüber ist, mit der vollen Aufmerksamkeit. Oft komme ich zu meinem Partner, wir wohnen nicht zusammen, und er schaut kaum vom Laptop auf und murmelt eine Begrüssung. Ich finde das je länger je schlimmer. Und beleidigend dazu! Es braucht einen BEWUSSTEN Umgang. Besonders im Zusammensein mit Kindern: Handy weg, volle Präsenz, die das Kind verdient!

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Mein Handy ist ein altes Klapphandy ohne Internetzugang - ich weigere mich, ein neues Handy zu kaufen, solange meines noch funktioniert. Ohne die Online-Ablenkung habe ich auf den Tramfahrten Zeit, mit meinen Kindern Pixibücher anzuschauen und auf dem Spielplatz Sandburgen zu bauen, statt auf dem Bänkli meine Mails zu lesen. Falls das Handy mal in den Sand fällt, kein Problem, das Klapphandy ist kaum kaputt zu kriegen.
Interessant sind manchmal auch die Kommentare. Und plötzlich bin ich in einer Diskussion über Nachhaltigkeit mit der Verkäuferin, die mir die Kundenkarte schmackhaft machen möchte, die ich ganz praktisch auf mein Smartphone laden kann und irritiert ist über meine Antwort: "Danke, ich habe kein Smartphone."

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J. K.
Fachperson
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· editiert

Teil 5 zu lesen, tut mir in der Seele weh! Die vielbeschworene Handysucht: Jeder hat eine Geschichte dazu.

Nutzt Euer Handy nicht um Eure Gefühle zu steuern.

Nicht gegen die Langeweile. Nicht gegen die Einsamkeit. Nicht gegen die Entfremdung.

Wer diesen Gefühlen ausweicht und ins Handy flüchtet, verliert sein eigenes Leben. Nur wer sich ihnen stellt, ändert sein Leben so, dass sie verschwinden.

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Ich habe mich heute Morgen sehr gefreut, als ich die neue Serie gesehen habe. Ironischerweise so sehr, dass ich mein Smartphone eingepackt habe, damit ich den Beitrag im Zug lesen kann.

Seit ca. 2 Monaten versuche ich meinen Smartphone-Konsum stark einzuschränken, genau auch aus den Gründen, welche im Text erwähnt wurden. Auch ich habe mein Handy auf lautlos und die meisten Benachrichtigungen ausgestellt. Bis auf LinkedIn habe ich kein Social-Media Profil. Trotzdem kribbelte es mich schon fast in den Fingern nachzuschauen, ob ich eine Nachricht, eine Email, verpasst habe. Vor allem leere Zeiten habe ich ständig mit dem Griff zum Handy gefüllt, damit ich mich im Zug, in der Mittagspause oder beim Warten nicht "hobbylos" gefühlt habe. Ein Buch lesen mit den Smartphone neben dem Bett ging zwar schon, wurde aber ständig durch den unbewussten Griff zum Uhrzeit/Nachrichten checken unterbrochen, das endete nicht selten im nächtelangen Feed durchscrollen.

Für mich gehts am Besten, wenn ich meine digitalen Gadgets wieder oldschool nach Funktion aufteile. Lesen auf dem Tolino oder ein klassisches Buch, auf meiner Garmin kann ich die Uhrzeit lesen, den Timer nutzen, Musik hören und per NFC bezahlen. Fürs telefonieren und SMS schreiben nutze ich seit neustem ein Nokia Klapphandy. Browser, Email und Messenger gibt es zuhause auf dem Smartphone oder Laptop, unterwegs bin ich offline. Ausser heute, dieser Beitrag hat mich schwach gemacht! 😄 So klappt es für mich sehr gut. Ich bin ausgeglichener, konzentrierter und viel präsenter.

Ich freue mich schon auf die nächsten Beiträge der Serie. Es war eine sehr spannende Zug-Lektüre.

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Anonym 4
Geschäftsführerin
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Darauf verzichten an Arbeitstagen geht nicht gut. Checke dort Kalender, SBB-Fahrplan, Wetter, Chat. Suche Infos auf Google. Und lese morgens die Republik. Am arbeitsfreien Tag sowie an den Wochenenden kann ich es gut weglegen, schaue nur wenig darauf. Am schönsten sind mehrtägige Wanderungen in den Bergen, da bin ich ‚nicht erreichbar‘ und nutze das Ding nur als Fotoapparat.
Auf den üblichen Social Media bin ich nicht (Ausnahme Linkedin, dort nur aus beruflichen Gründen). Darum kenne ich Liken und Swishen und Posten kaum. Ich lese lieber ein gutes Buch oder telefoniere mit jemandem (und vor der Pandemie ging ich gerne essen und tanzen, und da bleibt das Smartphone in der Handtasche). Und ja, ich bin eine Ü50 😊!

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Albert America
Grafik und Webdesign
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Vielleicht bin ich hier im falschen Forum (im falschen Film). Ich benutze keine Tablets und Smartphones. Ich besitze wohl solche Geräte zum Testen meiner Arbeit, aber ohne SIM-Karte kann ich sie sogleich wieder ausschalten wenn ich sie nicht mehr brauche.
Seit 1993 ist meine Arbeit als Grafiker, später Entwickler von Websites und Apps, ohne Computer zunehmend nicht mehr denkbar. Ich verbringe Heute viel Zeit vor dem Bildschirm, auch Republik lesend, möchte mir aber die Möglichkeit das Gerät auschalten zu können, ohne weiter erreichbar zu sein, nicht zumüllen mit "SocialMedia".

Anna Millers interessante Artikelserie beschreibt eindrücklich viele Ein- oder Übergriffe in die Alltagswelt, die durch eine digitale Parallelwelt, über uns reinbrechen. Ohne SBB-App wird es schwieriger die Anschlussinfos und Tickets zu bekommen, meine Mastercard ist ohne SMS nur noch teils einsetzbar, dass ich in einigen Restaurants keine Covid-Registrierung ausführen kann, bringt ein leichtes Lächeln auf meine Lippen.

Das ich beim Lesen der meist spannenden Diskussionen in Republik-Foren von Likes und Dislikes beinflusst werde, auch damit kann ich Leben. Zumindest versuche ich darüber weg zu schauen. Es gibt schon Momente wo ich denke: "Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Internet zerstört werden muss". Das ist Ausdruck einer Verärgerung, nicht einer Lösung. Aber dass wir digitale Nutzung, Künstliche Intelligenz, Internetkommerz kritisch hinterfragen müssen, halte ich für dringend nötig. Zukünftige Entwicklungen passieren nicht einfach, sie werden gemacht.

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V. B.
Eigenbrötler
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Ich selbst besitze kein Mobiltelefon. In Gesellschaft betrachtet man mich als Spinner. Das hat schon in der Schulzeit angefangen. Einige Menschen haben sich selbst zur Mission gemacht, es mit Fanatismus versucht, mich zu Kauf eines Smartphones und ein Flatrate-Abo zu überreden. Man hat mir diverse und teure Smartphones geschenkt, damit ich endlich auch mitmache solle. Selbst im Geschäft habe ich eins davon gekriegt. Ich habe die Anrufumleitung auf das Festnetz eingerichtet und das Gerät irgendwo im Schrank verstaut.

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U. T.
Produzentin, Lektorin, Texterin
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Dass da einer nicht nur als Experte Auskunft gibt, sondern als «Leidensgenosse» – als ebenso anfällig und vulnerabel wie der Rest der Gesellschaft, der er die Diagnose stellt –, verstärkt die Betroffenheit. Und das macht den Beitrag so gelungen.

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vielen herzlichen dank frau miller für diesen artikel! die 4 hat mich berührt und ertappt und hoffenltich geweckt. ich setze mich jetzt in den schatten eines baumes und sehe was passiert.

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Wow! Eine sprachliche Wucht, dich mich nachdenklich zurücklässt …

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Anna Katharina Bertsch
Organisationsberaterin
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Ich drifte beim Handykonsum zwischen Fressattacken und Diät hin und her. Ich kann mich tage- und stundenlang verlieren in Games, Feeds, Foren, Filmen, Talks bis mich das Gefühl meines Handys als verlängerter Arm verstört und ankotzt. Dann fahre ich eine Woche ganz ohne Bildschirm in die Ferien, lenke mich mit Lesen ab und finde zur Ruhe… zuhause lösche ich alle Apps, sperre das Handy nach dem Znacht in den Schrank und mühe mich mit dem alten Wecker ab. Eine Zeitlang gehts gut, ich schlafe ausreichend und fühle mich belesen und ein wenig aus der Zeit gefallen… Irgendwann reisst es wieder ein und alles geht von vorne los… Warum auch nicht? So bleibt es spannend im Leben!

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Janik Vonrotz
Mensch
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Eine Verbindung entsteht aus einer Verbindungsaufnahme. Werde ich benachrichtigt oder nehme ich Kontakt auf? Handle ich mit dem Smartphone extrinsisch oder intrinsisch? Die Interaktion mit dem Smartphone müssen wir überdenken. Die Vorzüge zu überdenken ist undenkbar.

Hier noch ei paar persönliche Inputs: Habe mir einen Wecker gekauft, der Schlaf hat sich verbessert. Mein Smartphone schickt mir auf Wunsch (fast) keine Benachrichtigungen mehr. Meine Aufmerksamkeitsspanne hat sich verbessert. Ein Toilettenbesuch ohne Smartphone fühlt sich immer noch komisch an.

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Ein Toilettenbesuch ohne Smartphone fühlt sich komisch an.

Wie kann man nur auf die Idee kommen, das Smartphone auf die Toilette mitzunehmen? Das kommt mir ziemlich beschissen vor! 😉

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Ja sie sagen es :) Alles Scheisse!

Versuche diese Woche kalter Entzug, nur ich, mein Kopf und die Toilette. Wünscht mir Glück!

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Ich habe mein iPhone fast nie bei mir, ausser ich brauche es für das Zugsbillett oder E-Banking. Sonst liegt es irgendwo und ein- bis zweimal am Tag schaue ich ob sms gekommen sind. Ich finde auch meine Fotos sofort, weil nur etwa 12 drauf sind. Ich habe auch schon gesagt, vielleicht entferne ich den ganzen Digitalplunder, kaufe mir einen schönen Mont Blanc Füllfederhalter und schreibe wieder Briefe.

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Antonia Bertschinger
Ratsmitglied Project R Genossenschaft
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Ich habe kein Smartphone und lebe gut damit. (Noch - ich rechne damit, dass es irgendwann leider nicht mehr ohne gehen wird.) Einige der im Artikel angesprochenen Verhaltensweisen kenne ich natürlich trotzdem, z.B. ständiges Abrufen von e-mails und diffuser Unruhe, wenn ich zu lange offline bin. Es wäre daher wahrscheinlich verkürzt, dem Gerät Smartphone die Schuld an diesen "Bedürfnissen" zu geben (?).

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Das Smartphone kann man als Symbol für diese Verbundenheit/Abhängigkeit sehen.

Das Smartphone ist kein Teufelszeug, hat aber seine Versuchungen. Wenn wir uns im Umgang mit dem Smartphone als Produzenten statt Konsumenten betrachten (oder Procumer), könnte das vieles ändern - oder nicht?

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Ich bin noch am Leben ohne Smartphone ;-) ... allerdings nehme ich Einschränkungen in Kauf, welche durch die Digitalisierungstreiber erzwungen werden. Zum Beispiel habe ich keine Möglichkeit die günstigsten Bahnbillette zu lösen (auch nicht am Bahnschalter). Ich muss z.B. Teil weit gehen, damit ich die Parkgebühr bezahlen kann. In gewissen Restaurants wie "Frau Geroldsgarten ZH" sind solche wie ich als Kunden unerwünscht. Usw. Ich bein kein Digitalisierungsgegner (IT Umfeld), aber ich möchte selber entscheiden, wann ich diese Optionen verwende und nicht dazu genötigt werden. Wer meint wir seien weit vom chinesischen Weg weg, der täuscht sich. Da man ja sieht, dass auch staatliche Betriebe die Kunden zur Nutzung der digitalen Funktionen zwingen wollen. Siehe z.B. auch die Ortungsfunktion der SBB-Apps. Über kleine Schritte und die Bequemlichkeit der Benutzer bringt man die Gesellschaft dazu sich der totalen Kontrolle zu unterwerfen. Wer nicht spurt, wird mit Nadelstichen darauf aufmerksam gemacht. Und das logischerweise immer häufiger. Empfehlenswert mal "Jäger, Hirten, Kritiker" von Richard David Precht zu lesen. Wir könnten es noch wählen, wo wir landen, aber ewig bleibt dazu nicht Zeit. Zu meinen etablierte Überwachungsstaaten später wieder einfach loszuwerden, das Rad zurückzudrehen, der ist ziemlich naiv. Schade, das Smartphone ist/wäre eigentlich eine gute Sache, wenn nicht Unternehmen (mit staatlicher Erlaubnis) und der Staat selber (über staatliche Unternehmen) dieses zur Überwachung und Ausspionierung nutzen würde.

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P. B.
· editiert

Ein grosses Dankeschön an die Autorin. Ich habe mir diese Woche immer wieder die Frage gestellt und reflektiert, wozu es ein Smartphone aus meiner Sicht wirklich braucht.

Fazit: Messaging, Verkehr, Republik, Tagesanzeiger

Diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass ich mein Smartphone immer öfters liegen gelassen habe, meine Smartwatch abgelegt habe und sich meine (Smartphone-) Bildschirmzeit auf eine Stunde pro Tag gesenkt hat. (von 3.5 und davon sind ca. 45 Minuten Republik)

Und plötzlich habe ich das Gefühl, so viel Zeit zu haben zum reden, kochen, spazieren oder einfach nur aus dem Fenster zu schauen, ohne Grund.

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Es gibt sie, diese Verbundenheit ohne Rausch. Wir bewegen uns nicht am Rand der digitalen Verwahrlosung und der einsamen Bank im Dorf. Dazwischen gibt es noch ganz viel. Online Gemeinschaften mit Akzenten, Noten und Werten. Sie teilen die Begeisterung für Geocaching, eine Fantasiewelt aus einem Buch oder wie man den besten Kaffee macht.

Ich plädiere für mehr Regionalität im digitalen Raum. Wenn wir an Online denken, denken wir immer an die kosmopolitische Grossstadt mit den Eliten auf den Dächern und den Verlierern in den Gassen. Darum herum gibt es aber noch weite Flächen.

Und ich spreche hier nicht von den Bubbles, die unsere Gedanken züchten. Nein im Gegenteil, es sind gesunde und offene Gemeinschaften, die Werte pflegen und eine Perspektive besitzen.

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Diese praktischen Helferchen, die man ruft und dann nicht mehr loswird, haben in Mythen und Märchen einen Namen: Dämonen. Smart wie sie sind, haben sie auch die Aufklärung ganz munter überlebt.

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N. O. H.
· editiert

Dann passt auch der Begriff Obsession bzw. der deutsche Begriff Besessenheit aus dem Interview mit Larry Rosen gut. Von Dämonen ist man ja bekanntermassen besessen.

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Dämonen lassen sich auflösen, wenn sie als das erkannt werden, was sie sind: Produkte unseres Geistes. In diesem Zusammenhang finde ich das Design des Smartphones interessant: Es hat die Form eines Fensters wie auch eines Handspiegels. Ein spekulativer Gedanke dazu: Irgendwie scheint es nicht so ganz klar zu sein, ob wir durch den Bildschirm in die Welt hinausschauen oder uns selber betrachten. Vermutlich beides, in einer verwirrenden Mischung.

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Anonym 2
Smartphone Benutzerin
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· editiert

Sehr spannender Beitrag. Mein Verhältnis ist ambivalent. Ursprünglich wollte ich kein Smartphone. Es gab aber dann doch Gründe und Zwänge die mich umstimmten. Auf Bergtouren inzwischen unverzichtbar. Wetterbericht, Laui-Bulletin, Hüttenreservation usw. Sofern Energie ausreicht (im Winter ein Problem) und Empfang besteht. Ich lebe allein. Depressionen und Einsamkeit quälen mich. Da bietet sich mir ein Fenster zur Welt draussen. Auch wenn es oft unverbindlich ist. Ich möchte dieses Fenster nicht mehr missen. Wirklich souverän im Umgang damit bin ich nicht. Aber das wäre ein zu hoher Anspruch. Habe mich bewusst entschieden, es nicht im Schlafzimmer zu lassen. Benutze einen anderen Wecker. Auf der Toilette gerne zum Republik lesen.

Richtig übergriffig wird es dann, wenn gewisse Dienstleistungen oder Grundbedürfnisse nur noch mit dem Smartphone möglich sind. Wie zb eine hier geschilderte Fahrt mit der Bergbahn.

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J. K.
Fachperson
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Ja: Mark Zuckerberg bringt uns nicht enger zusammen, sondern ersetzt unsere Zeit mit Freunden und Familie durch Zeit am Bildschirm.

Ja: Kreativität braucht Langeweile.

Und ja: Das Smartphone kann total hilfreich sein. Wenn man es für sein eigenes reales Leben nutzt. Wenn der social media-post in einem gemeinsamen Spaziergang mündet.

Kommende Generationen werden mit Unverständnis auf uns zurückschauen. Warum verbringen wir Menschen jeden Tag Milliarden von Stunden mit beliebiger Zerstreuung? Unsere Enkel werden das nicht verstehen, so wie wir heute nicht verstehen, dass man sich im Rokoko parfümierte statt sich zu waschen.

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E. L.
· editiert

Dystopisch und unheimlich vertraut lesen sich diese Essays! Muss mich beim Lesen daran erinnern, dass dies Gegenwart ist, nicht irgendeine abgedrehte Zukunftsvision, in der Menschen zu Cyborgs werden und ohne die Verbindung zur vernetzten Maschinenwelt kaum mehr etwas auf die Reihe bringen.
Persönlich habe ich zwar ein Smartphone - ein sehr altes Gerät bei dem ich regelmässig darauf hingewiesen werde, wie unsicher es sei, da keine Updates mehr verfügbar etc.
Schon alleine deshalb würde mir nicht einfallen, irgendwas heikles damit zu tun wie eBanking oder auch nur ein Onlineticket damit zu kaufen. Aber wie andere hier auch schon geschrieben habe, verzichte/verweigere ich damit manche Vergünstigung/Bequemlichkeit.
Hab keine Apps installiert, meine Termine analog auf Papier, ebenso die Telefonnummern meiner wichtigsten Menschen.
Wenn ich mit Freundinnen unterwegs bin, brauche ich manchmal viel Geduld um auszuhalten, dass da so viele Smartphones für Ablenkung sorgen. Und sie brauchen vielleicht auch Geduld mit meinem mangelnden Interesse an ihrer stets mitlaufenden Parallelwelt. Noch haben wir genug analoge Verbindung, damit es funktioniert und ich hoffe das bleibt so.

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Anne Burgmer
Theologin/Pfarreiseelsorgerin
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Facebook habe ich vor ca. 5 Jahren den Rücken gekehrt. Twitter vor einigen Monaten. Das Handy hat seit rund 6 Jahren Schlafzimmer-Verbot (Ausnahme: bei Krankheit). Für meinen Geschmack habe ich es dennoch noch zu häufig in der Hand. Gleichzeitig habe ich ein gutes Gespür dafür, wann es zu viel ist. Dann schalte ich es ab oder lasse es daheim. Eine herrliche Erfahrung diesbezüglich waren Schweigeexerzitien vor ein paar Wochen.

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Die Unterscheidung zwischen "Online" und "in Echt" ist total künstlich. "Online" ist Teil der Realität.

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Meinen Sie das konstruktivistisch? Dass man sich also aus seinen Wahrnehmungen, seien sie nun online vor dem Bildschirm oder „in echt“ erworben, seine eigene Realität erschafft?

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Nein, ich meine es als Gegenpunkt zu der gerne verbreiteten Idee, dass Dinge auf dem Computer irgendwie "virtuell" seien und in Konsequenz darum weniger ernst zu nehmen.
Natürlich ist es ein Medium aber die Unterscheidug ist genau so hilfreich wie wenn ich sagen würde "in der Zeitung und in Echt", oder "am Telefon und in Echt".

Ein sehr krasses Beispiel sind z.B. Morddrohungen. Diese scheinen (naja, ausser den Behörden) viele doch ernst zu nehmen. Aber andere Dinge sind dann irgendwie "nur virtuell" - Bekanntschaften, Communities, Rechte etc.

Das scheint auch hier mitzuschwingen - Tinder ist irgendwie anders als in der Bar alle (um die Perspektive zu übernehmen) Männer im Raum anzugucken, oder die Profilaufbesserung ist etwas anderes als beim ersten Date die depressiven Phasen die man durchlitt nicht zuerst zu erwähnen.

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Auch das Foto Ihrer Freundin ist Teil der Realität. Wenn Sie es küssen, merken Sie den Unterschied.

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Ob ich das Foto auf dem Tablet küsse oder im Holzbilderrahmen ist jetz schon bischen vergleichbar.

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Interessant, was alles zusammengetragen und aufgehypt wird. Wir erleben hier zwei parallel laufende Technologien, beide mit gründlicher Umwälzung der Gesellschaft, des Verhaltens der Gesellschaft, welche hier vereint sind. Das eine ist der Mobilfunk. Ich wurde schon recht alt mit dem Festnetz. Der Apparat, erst mit Waehlscheibe, dann mit Tasten wurde für 20Fr/Mt von der PTT gemietet. Dass dieser Betrag völlig überzogen war wurde klar, als plötzlich die japanischen Telephone, erhältlich fuer vielleicht 60Fr aufkamen. Die Gespräche waren auch teuer. Speziell Internationale. Ich erinnere mich noch an 8Fr pro Minute von Australien heim. Während mir dort Leute von einer Flatrate schwärmten. Sie würden während des Kochens telefonieren, den Hoerer einfach 2 Stunden hinlegen und quasseln. Der wirklich die Gesellschaft umwälzende Effekt ist, dass man die Leute auch erreichen kann. Leute ohne Bürozeit. Wann sind sie (die Person) schon zuhause, noch zuhause, noch am Kochen, schon am Kochen, schon im Bett. Jetzt weiss man die Mobilnummer und erreicht die Person. Oder eben nicht., wenn man die Nummer nicht hat. Beim Festnetz hat man sich noch mit dem Namen gemeldet. Der Anrufer wusste wen er anrief, aber es könnte ja wer anders sein. Heute ist die Zuordnung der Nummer zum Besitzer nur dem Netzbetreiber und den Ermittlungsbehörden bekannt. plus den Leuten, welchen man die Nummer gegeben hat. Dafür meldet man sich nur noch mit "Hallo", oder "Pronto", es könnte ja Werbung, oder eine Umfrage sein. Mit dem Mobiltelephon kann ich aus den Bergen auch den Heli rufen, etwas Glueck vorausgesetzt. Der Effekt ist, man ist eigentlich nie wirklich weg. Auch 3 Tagesmaersche weg von der Zivilisation, irgendwo in den Schwedischen Huegeln bin ich quasi da. Erreichbar und kann jemanden erreichen.
Afrika hat mit den Mobiltelefonen den Sprung von Nichts, dh ohne Festnetz, in die moderne Zeit geschafft. Deren Mobilfunk Netze überspannen mehr als Landesgrenzen, damit haben sie auch ein Finanzsystem, mit Bezahlung per Mobiltelephon eingeführt. Früher waren sie am Noten und Münzen in lokaler Währung zählen. Sowas hat hier in Europa eigentlich nur Schweden.
Die andere Technologie, resp Infrastruktur ist das Internet, Zugriff zu weltweiten Inhalten, und die Möglichkeit selbst etwas zu verbreiten. Beides zusammen ist sehr umwälzend, global. Da muss man sich erst mal dran gewöhnen. Alles ist neu, neue Möglichkeiten, neue Fallen. Je nach Umgebung anders ausgeprägt.

Ich habe auch schon bemerkt eine kurze Aufmerksamkeitsspanne zu haben. Allerdings nicht von Social Media. Früher bekam ich Stösse von Werbung per Papier, jeden Tag. die habe ich alle abbestellt, und bekomme sie nun per email. Vielleicht erlaubt es mir mein Mailclient in der Zukunft Absendergruppen zu definieren, fuer die ich nicht gleich eine Benachrichtigung bekommen muss.

Es wäre auch interessant zu hören welche persönlichen Auswirkungen diese Technologien anderswo haben.

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Dieser Absatz, ein Faustschlag mit ausgestrecktem Zeigefinger in die Magengrube :

Wir halten es plötzlich nicht mehr aus, dass wir nach drei Monaten Studium noch keinen Master gemacht haben und nach drei Blog­einträgen noch kein gefeierter Autor sind, dass wir nach drei Wochen Youtube-Filmen noch nicht so viele Follower­zahlen haben wie die anderen. Wir wundern uns, warum wir im Berufs­leben die Karriere­leiter nicht erklimmen. Und bald denken wir uns, irgendwas stimmt nicht mit mir, ich bin nicht schnell genug, nicht klug genug, alles dauert so lange, ich dauere zu lange. Ich muss alles beherrschen, bevor ich es kann, ich muss Dinge können, ohne sie jemals gelernt zu haben. Für Lernen und Fehler­machen und Dranbleiben ist keine Zeit mehr, verstehst du!

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Konstantin Appenzeller
Mathematiker in IT, Bildung und Beratung
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· editiert

Neben den Unterscheidungen wie digital/analog und social-media/smartphone scheint ist mir besonders synchron vs. asynchron hilfreich. Bei eigentlich synchronem Kommunikationsverhalten, nehme ich wenn möglich gesprochene Spache, resp versuche darauf zu wechseln, dank Corona-Homeoffice mehr und mehr mit eingeschalteter Kamera. Und bei all dem anderen (Mail, Chat, SMS, dies Forum und und und …) versuche ich mich bewusst asynchroner und langsamer zu verhalten als ich könnte … - manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Erfolg (auch auf dieser Platttform ;) .

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Grandiose Artikelreihe! Herzlichen Dank.

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A. Z.
System Engineer
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An einem spanischen Strand erstickt ein Baby­delfin in den Händen einer Meute Touristen, weil sie ihn so lange rumtragen, um Selfies mit ihm zu machen, bis er stirbt.

Ich dachte Delphine atmen normale Luft wie wir Menschen auch?
Nicht das ich den Fall nicht tragisch fände, nur der Satz ist komisch.

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Christof Moser
Chefredaktion
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Das primäre Problem ist nicht die Atmung an und für sich, sondern dass ausserhalb des Wassers die inneren Organe von Delfine durch ihr eigenes Gewicht zerquetscht werden.

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Das ist ein mega exakt konstruierter Beitrag; er zielt genau ab, tatsächliche oder vermeintliche Realitäten, die wir alle teilen, abzubilden, damit wir uns im Geschriebenen emotional wiederfinden.

Während dem Lesen habe ich das gespürt, besonders das Sichmitteilenwollen in der Öffentlichkeit und habe mir schon oft gedacht, dass man aber mit den meisten Menschen keine solchen Gespräche führen kann, weil sie zu verschieden, zu wenig introspektiv, zu wenig offen oder einfach dann nicht bereit oder nicht sympathisch sind. Die Fälle, wo es sich doch ergibt, sind schon seltener.

Nach dem Lesen dachte ich, ist das nicht alles fake? Nämlich wie ein Horoskop. Etwas, das allgemein ist und auf alle zutrifft. Und insbesondere ist das irgendwie das Bild, das man sich macht, was denn die Probleme der anderen Dreissigjährigen sind. Aber es leben sicher nicht alle so. Diese beschriebenen Probleme, das ist die oberste und dünnste Schicht der Existenz.

Und diese Probleme verschärfen sich erst dann, wenn man selber sowieso keinen Halt im Leben hat.

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Ich "brauche" ein Smartphone, auch wenn es nur ums Einwählen in unser Firmen-VPN geht. Jedoch ist mir bewusst, wie das Telefon auf mich wirkt und ich habe vor ein paar Jahren mein Smartphone auf permanente Lautlosigkeit gestellt. Es vibriert auch nie. Die Konsequenz davon ist, dass mich das Telefon durch die Benachrichtigungen nicht kontrollieren kann. Die meisten Benachrichtigungen sind ausgeschalten.
So verpasse ich natürlich die meisten Anrufe, aber das ist es allemal wert. Im schlimmsten Fall kann ich ja zurückrufen, aber wer ruft mich denn heute noch an ausser Callcenters, die mir eine neue Versicherung verkaufen wollen?
Positiv an dieser Entscheidung ist aber, dass der "Dopaminrausch" einer Benachrichtigung und vor allem das Warten auf diesen Dopaminrausch kein Bestandteil meines Lebens mehr ist.

Das Phone dimmt sich Abends automatisch zeitlich synchronisiert mit der Dämmerung.

Viel Kritik im Artikel war auch auf die sozialen Medien gerichtet, die wir zwar mit dem Smartphone sofort erreichen können, aber nicht müssen. Somit bin ich kaum aktiv auf jeglichen sozialen Medien und gebe mir Mühe, dass ich meine Stimmung nicht vom Online-Geschehen abhängig mache. So meide ich selbstverständlich auch viele Kommentarspalten (die der Republik natürlich nicht). Ich frag mich aber, ob ich online aktiver sein sollte, weil vieles politisches Geschehen unterdessen auf sozialen Medien entschieden wird.

Ein Tag ohne Smartphone geht gut, geniesse ich auch. Es ist auch schön Abends dann die vielen Nachrichten von Freunden zu sehen, dann aber auch schade (aber definitiv verkraftbar), dass ich spontane Einladungen verpasst habe.

Das Handy aus dem Schlafzimmer zu verbannen ist nach wie vor etwas schwierig, aber ich müsste einfach mal einen guten Platz in der Wohnung einrichten, wo ich das Telefon nachts gut laden kann.

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Underrated post
Ich benutze keine sozialen Medien und kommuniziere ausschliesslich per email/SMS ..
und oh Wunder: ich lebe auch noch.
Pro-Tip:
Nur Ferien ohne WLAN und Daten-Tarif sind richtige Ferien.

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M. H.
· editiert

Liebe Anna Miller, sehr gut beobachtet und für uns aufgezeichnet. Ich finde mein Smartphone sehr nützlich, kann aber alles was Sie schreiben nachvollziehen.
Besonders schmunzeln musste ich nach dem Lesen des folgenden Satzes:

Privat isst sie noch immer gleich viel Fleisch wie immer, doch online kuratiert sie ihr Essverhalten Bubble-getreu.

Einfach genial.

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Im Artikel hat es den folgenden Satz bei der Reflektion des Lockdowns noch knapp ins Thema eingeschoben:

Häusliche Gewalt nimmt dramatisch zu, weil die Frauen nirgends hinkönnen, wenn er anfängt zu toben.

allgemeines Tabu: häusliche Gewalt nimmt dramatisch zu, weil die Männer nirgends hinkönnen, wenn sie anfängt zu toben

Lustig? Nein, Erbärmlich. Das Thema häusliche Gewalt und die Formen der Gewalt + Aggresionen in Partnerschaften ist einseitig und sexistisch betrachtet.
Würde gern in der Republik was darüber lesen.

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Danke für Ihren Kommentar, Anonymous. Dass häusliche Gewalt gegen Männer ein Tabuthema ist, würde ich so nicht unbedingt unterschreiben. Es wird immer wieder darüber berichtet, zum Beispiel hier, hier oder hier. Bestimmt ist es aber so, dass es vielen Männern besonders schwer fällt, darüber zu sprechen, weil sie sich schämen. Dass medial häufiger über häusliche Gewalt an Frauen als über häusliche Gewalt an Männern berichtet wird, ist aus meiner Sicht aber nicht einseitig oder sexistisch, sondern hat schlicht und einfach damit zu tun, dass Gewalt gegen Frauen viel häufiger ist. In rund drei Viertel der Fälle sind Frauen die Opfer. Und bei Tötungsdelikten im häuslichen Bereich ist der Anteil der Frauen sogar siebenmal höher.

Mit freundlichen Grüssen, Bettina Hamilton-Irvine

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Anonym 4
Geschäftsführerin
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Zur ‚dramatischen Zunahme‘ hätte ich gerne eine Referenz. Denn soviel ich von den Akteuren informiert wurde, gab es die nicht. Und in unserer Statistik mit fast 200‘000 Gesprächen war keine Zunahme sichtbar.

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J. K.
Fachperson
·

Larry Rosen: Ein tolles Interview! Ich wünsche mir von meiner Republik mehr Interviews mit Nichtprominenten, die ihr Thema gut kennen.

Ein weltweites Problem nicht politisch zu lösen, sondern dem Einzelnen aufzubürden:
Diesen Taschenspielertrick der Lobbyisten kennen wir nicht nur von der absichtlich ausgelösten Bildschirmsucht.

Das geht auch beim Klima so.

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U. H.
· editiert

toll geschrieben... leider scheint auch reflexion nicht zu helfen das verhalten zu ändern... sucht?...

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Die Reflexion dient der Erkenntnis, ist aber keine Garant zur Verhaltensänderung.

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Ein Gedanke:

Verbundenheit hat eine quantitative und qualitative Dimension.

Die soziale „echte“ Verbindung ist schwieriger aufzubauen und zu unterhalten, sie ist doch emotional sehr erfüllend. Mehr Sinne werde angesprochen und das Berdürfniss nach Verbundenheit ist besser bedient.

Die digitale Verbindung ist einfacher aufgebaut und angebaut, sie erfüllt uns dafür umso weniger. Ein online Meeting lässt im Vergleich zum echtem Treffen eine emotionale Lücke zurück.

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Smartphones gibt es ja erst seit ca 15 Jahren (iPhone, Juni 2007) und ich kann mich noch gut an die Zeit davor erinnern. Vieles war damals weniger spontan und etwas besser geplant - man musste oft Stunden vorher irgendwo abmachen und war dann nicht mehr erreichbar. Ich lebte 10 Jahre in NYC ohne je spontan einen Bus zu benutzen - das Netz war zu kompliziert. Das Reisen in fremden Städten war ein Abenteuer. Ich las damals noch Zeitungen auf Papier. Als Nichtraucher, meine Verlegenheitshandlung in Wartezeiten war ein Taschenbuch oder eine Magazin aus der Tasche zu ziehen und zu lesen. Und ich konnte damals vermutlich noch besser mit Langeweile umgehen als heute.

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Danke für diesen Einblick, Herr S.! Auf ein Magazin, ein Buch oder eine Zeitung auf Papier zurückzugreifen finde ich heute noch eine der besten Strategien, wenn ich irgendwo allein bin und etwas brauche, an dem ich mich halten kann - beim Warten irgendwo oder wenn ich mal allein in einem Restaurant esse zum Beispiel.

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Seitdem Whatsapp, Insta, vom Smartphone gelöscht wurden, FB ist schon über 6 Jahre weg, kommuniziere ich sozial nur mit Leuten die ich gerade in der Nähe habe. Signal wird von so wenige in meiner Bekanntenkreis verwendet es fühlt sich als Fläschenpost. Für den notwendigen arbeisrelevante E-Mailverkehr ist tatsächlich meinen App auf push gesetzt, Spam filtert gut, Newsletter werden direkt abbestellt. Das Smartphone bleibt oft mehre Tage ohne Strom und ausgeschaltet. Ich verpasse nichts aber bin vermutlich sozial technisch eher als Heremit unterwegs. Ohne Wikipedia möchte ich aber nicht leben.

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Billo Heinzpeter Studer
Präsident fair-fish international
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Push-Funktion bei E-Mails ist ja schon sehr obsessiv. Ich hol mir die Nachrichten ein paarmal täglich, nur auf dem Laptop, und nur dann, wenn ich nicht grad was zuende denken will, oder in einer Prokrastinationspause.
Auch andere Kanäle nutze ich, wenn überhaupt, nur wenn's mir passt; meine Kollegen wissen, dass ich am besten per E-Mail erreichbar bin und nicht, wenn ihnen grad einfällt, mich rasch (!) anzurufen oder anzuchatten. So kann ich ihre Fragen oder Vorschläge in Ruhe überlegen und innert eines Tages beantworten, und sei's nur, dass ich einen Termin für einen Anruf vorschlage. Zudem wurde mein E-Mail-Programm so zu einem zentralen, einfachen Organisations- und Nachschlage-Tool.
Mein Alltag hat sich massiv verbessert, seitdem ich das vor Jahren für mich so entschieden hatte. Und ich hatte nie das Gefühl, etwas zu verpassen – was Bedeutung hat, findet immer seinen Weg, und wenn etwas diesen Weg nicht findet, war's eh bedeutungslos. Das iPhone nutz ich eher als Notfallwerkzeug unterwegs, und Facebook eher als geteiltes Tagebuch, mit im Schnitt höchstens einem Post von mir pro Tag und mit wenigen Kommentaren bei ausgewählten Posts von andern – mehr ist mit Vernunft doch gar nicht zu schaffen.
Ich versteh nicht wirklich, wie man sich von der ganzen Pseudokommunikationsflut so vereinnahmen lassen kann; wohl darum les ich die Serie von Anna Miller mit Gewinn. Danke dafür!

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Spannender Auftakt zu einer spannenden Serie. Und Anlass, über die eigene Smartphone-Geschichte nachzudenken.
Es muss gegen Ende 90er Jahre gewesen sein, als ich aus einem Radiointerview eine Theorie aufschnappte, deren Urheberin ich leider nicht mehr erinnere:
Da die Menschen früher in Wäldern in Horden lebten (so die Theorie), sei es überlebenswichtig gewesen, immer auf Ruf- bzw. Hörabstand zur Horde zu sein. Das Handy antworte auf dieses Urbedürfnis, und deshalb habe es sich so rasch verbreitet.
Die grossen Social-Media-Akteure bewirtschaften dieses Urbedürfnis, um von ihren Diensten abhängig zu machen und die Nutzer möglichst lange auf ihren Kanälen zu halten. Wichtig dabei ist das Schüren der Urangst, die Ruf- und Hörbarkeit zu verlieren.

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A. Z.
System Engineer
·
· editiert

Ich seh das Ganze wohl etwas weniger dramatisch als Viele hier.
Die Technik und Möglichkeiten der neuen Technologien finde ich faszinierend und denke sie bieten viel Gutes.
Ich seh natürlich auch das es Seiten gibt welche sehr negativ sind (Überwachung, Attention Industry, etc.) und hier könnte man von Seiten des Staates und der Hersteller durchaus mehr machen.
So muss man sich momentan selber zu helfen wissen.
Für mich heisst dies:

  • immer auf Vibration

  • Push Notifications nur für direkte Kontakte (keine Gruppenchats und keine Emails)

  • Über Nacht kommt das Smartphone im Wohnzimmer an die Steckdose

  • Ab 2200 bis 0700 schickt es gar keine Benachrichtigungen

  • Generell bin ich nicht Mitglied irgendeines Social Media Networks

Was ich mir allerdings auch wünsche ist das sich die Leute etwas besser mit den Technologien auseinandersetzen.
Das Argument: „Sie sind neu“ zieht für mich irgendwie nicht mehr.
Zum Auto fahren muss man auch das Mindeste wissen aber viele Leute (auch Junge) können kaum ein Smartphone bedienen geschweige den einen Computer.
Mit ein paar Apps installieren ist es halt in der Regel nicht gemacht.

Was auch noch ein Punkt ist, bloss weil man am Smartphone ist muss es ja nicht schlecht sein.
Keiner kann sagen ob ich in dem Moment ein Buch lese oder sonst was mache.

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Lustg, ich schreibe dies ja am Smartphone:-). Super Interview! Ich gehöre zu denen, die selbstständig Pushnachrichten ausgeschaltet und den Facebook-Konsum auf ein Minimum reduziert haben. Manche Leute bemerken ja, dass dies ihnen nicht guttut. Beim Arbeiten ist mein Handy auf lautlos - eigentlich auch sonst relativ oft... Ich checke es auch nicht. Wenn ein Chat losgeht, bin ich die letzte die reagiert. So What? Dennoch errachte ich meinen eigenen smartphoneKonsum als problematisch. Ich verbringe eindeutig immer noch zu viel Zeit mit dem Ding, welches ambivalenterweise auch sehr viel Positives ermöglicht...

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Weshalb sollte ich ohne Smartphone leben. Ich fahre ja auch nicht mit der Kutsche über den Gotthard und weiter nach Rimini.

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Es geht in den meisten Fällen ja nicht um mit/ohne sondern um einen sinnvollen Einsatz, um Wahlmöglichkeiten beim Einsatz etc. Das Beispiel mit der Kutsche könnte man sonst auch so umsetzen, warum soll jemand in einem alten Haus wohnen (abreissen und neu bauen - keine Wahlmöglichkeit), Oltimer/Kutschen für Hochzeiten (zerstören und durch moderne Fahrzeuge ersetzen, man fährt ja auch nicht mit solchen zur Arbeit). Sobald Diskussionen zu entweder/oder führen, gibt es kaum mehr eine Basis für sinnvolle Kompromisse und Wahlmöglichkeiten.

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Quotation needed für den Pornographie-sexual assault link.

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Lieber Anonymous, ich nehme an, Sie beziehen sich auf die Passage in der die Autorin schreibt, dass Forscher darauf hinweisen, dass ständiger Porno-Konsum sexuelle Übergriffe im echten Leben ansteigen lassen kann. Hier ist die Quelle dazu. Mit freundlichen Grüssen, Bettina Hamilton-Irvine

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Anonym 1
· editiert

Hm leider nicht lesbar ohne sich anzumelden, aber "Hinweise verdichten sich" und natürlich nur die heteronormative Variante. Ich bin da äusserst skeptisch, immerhin finden sehr einfach sich einige gegenteilige Aussagen:
Kutchinsky, comparative study

The results showed that in none of the countries did rape increase more than nonsexual violent crimes. This finding in itself would seem sufficient to discard the hypothesis that pornography causes rape.

Mellor, Duff, systematic review

There is no clear evidence to suggest a relationship between pornography and offending.
Men who offend report less exposure to pornography
Pornography use does not result in more harm to the victim.
Definitions of pornography are poor.

Dazu kommt dass eine Kontrollgruppe heutzutage echt schwer zu finden sein dürfe, zumindest unter Männern.

Und das Argument gerne von Gegnern von Sexualität aufgebracht wird (in jeder Form, nicht nur in Bildform), und mir da dann die Good-Faith-Argument Annahme schwerer fällt. Und seltsamerweise kein Link zwischen der erhöhten Verfügbarkeit von Boxkämpfen im Internet und physischer Gewalt (auch gegen Frauen) postuliert wird.

Ich wollte den Satz nicht einfach unkommentiert stehen lassen, denn das Argument liest sich einfach wie die ab-18-Variante von Comics/Rockmusik/Satanisten/Videospiele verursachen Gewalt.

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Es gibt durchaus Funktionen im Smartphone, die ich nicht mehr missen möchte. Wer mag sich noch an die Zeit erinnern, als wir für Rechnungen mit dem gelben Büchlein am Postschalter standen? Ich bin ganz froh, dass ich langweilige Tätigkeiten gut automatisieren kann.

Es gibt jedoch einen anderen Aspekt, den ich beunruhigend finde: Viele der technologischen Revolutionen, wie eben der Zug, führten eine dezentrale Technologie ein. Wenn der Zug nicht fährt ist das natürlich ein Ärgernis, hat jedoch nur lokal begrenzte Auswirkungen. In Europa gibt es gar nicht so viele Kommunikationsnetze, in der Schweiz mitunter weil wir immer noch die letzte Meile als Flaschenhals mit uns führen und es nur 3 Mobile-Netze gibt. Störungen und böswillige Angriffe haben da schnell eben nicht mehr nur lokal begrenzte Auswirkungen, sondern können das ganze Land offline nehmen. Bei den Smartphones sind im Prinzip nur die Betriebssysteme von zwei Herstellern (iOS und Android) relevant. Auch hier - ein Problem bereits nur bei einem der beiden hat grossflächige Auswirkungen.

Das Internet basiert immer noch auf Basis-Technologien aus den 70ern und 80ern, die von Beginn weg nie für sichere Kommunikation entwickelt wurden und die Schwachstellen werden mit Workaround um Workaround kaschiert, anstatt die Basis sauber und neu zu designen.

Wir entwickeln uns immer mehr hin zu einer "three point of failure" und "two point of failure" Infrastruktur, die sich dann irgendwann zu einer "single point of failure" Infrastruktur weiterentwickelt.

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Danke für den Beitrag der in die Richtung geht, was mir während der ganzen Coronazeit auch zunehmend aufgefallen ist.

In der NZZ am Sonntag hat der Journalist Peer Teuwsen einen wunderbaren Bericht mit dem Titel "Corona hat uns vollends zu digitalen Idioten gemacht" geschrieben ...
Das war das morgendliche, sonntägliche Highlight mit Kaffee, Zopf und frischen Erdbeeren ...

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Ich bin FBI
Face
Book
Ignorant

Das Gleiche gilt auch für Twitter, TikTok, Instagram und alle ähnlichen ...
Verwendung nur beim Einsatz während Freiwilligen-Einsatz.

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zum Glück bin ich eine alte Frau und bereits zufrieden, wenn ich mit dem Smartphone einigermassen umgehen kann. Als Kind machten wir unsere Spiele selber, dafür bleibe ich ein Leben lang dankbar. Plötzlich weiss man, wann man genug hat. Ein kleines Geschenk im Alter, dass man Zeit zum Lesen hat. Man verbringt eine Zeit lang auf dem Balkon und liest gerne Zeitung. Manchmal drucke ich mir sogar Artikel aus der Republik aus. So hat man Zeit und Musse, zu verinnerlichen, wie weit man das alles überhaupt mitmachen will.

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"Dabei tragen wir sie alle in uns, diese stille Sehnsucht nach einem echten Leben".

Frau Miller, Sie haben das wunderbar formuliert, dieses Dilemma. Und Sie haben viel Mut, so offen Ihr Hin- und Hergerissensein zu beschreiben. Ich musste immer wieder mal vom Lesen Pause machen, gewisse Passagen verursachen einen physischen Schmerz, die ganze Gülle kommt hoch und erstickt mich. Schrecklich, so gefangen zu sein...
Die Sehnsucht.
Wenn wir sie, die Sehnsucht mit einer virtuellen multiplen impermeablen Hülle aus dem ganzen Social Media Scheiss zudecken, abwürgen, dann sind wir Ertrinkende in einem Meer von "Freunden". Und keine(r) könnte helfen. Ich habe mich immer geweigert, "Freunde" zu haben, egal auf welchen medialen Kanälen. Ich habe immer wieder Angebote ausgeschlagen bei Anfragen von Facebook u.Ä. Meine Freunde sind ohne Ausnahme Menschen aus meinem Umfeld, meine Familie, Beziehungen die sich im echten Leben ergeben haben. Was für eine Abwertung, das Wort "Freunde" für Kontakte von Social Media. Dazu die ganze Kotze mit dem Wahn, der Jagd nach Followern, die Brühe mit Influencern. Unerträglich.
Was ich gerne nutze - aber ausnahmslos mit der Familie und nahen Freunden, sind Kurznachrichten (SMS, Whatsapp). Mit echten Freunden macht das Freude. Wobei mich meine Frau schon oft gefragt hat, ob es jetzt so wichtig sei, JETZT und HIER und UNBEDINGT dieses Föteli an unsere Kinder oder Geschwister zu senden... Für schlechten Umgang ist also auch bei mir Potential vorhanden.
Ganz sicher spielt mein Alter eine Rolle (1944). Da ich aber beruflich schon sehr früh eingestiegen bin in das Internet und die digitale Welt, hätte ich mich ohne weiteres auch privat darin verlieren können. Ich bin glücklich darüber, nie der Versuchung erlegen zu sein. Ich vermute, dass ich sonst schleichend in das gleiche Dilemma gerutscht wäre. Ich kann mich auch ohne Social Media stark engagieren für Ziele, Anliegen die mir wichtig sind. Zum Beispiel am vergangenen Abstimmungs Wochenende. Da hatte ich viele Kontakte zu diesen Netzwerken über Mail. Und über Telefon.
Ach ja, und Push Nachrichten oder Berechtigungen für Töne hab ich konsequent ausgeschaltet. Ich sehe keinen Nachteil, wenn ich kleines unbedeutendes Individuum irgendwelche News erst einen Tag später erfahre. Im Gegenteil. Oft ist weniger mehr..

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Ein wichtiger Punkt für mich: welche Inhalte konsumieren wir? Die Vernetzung lässt uns teilhaben an Dingen, die auf der anderen Seite des Planeten passieren. Zusammen mit der Tatsache, dass schlechte Meldungen viel prominenter sind, wird mir das oft zuviel. Die scheinbar riesige Menge an Problemen ist deprimierend. Mich bedrückte das Beispiel in Anna Millers Serie vom Delfin, der starb, weil Leute Selfies machen wollten und den Delfin zu lange ausser Wasser hielten. Aber wenn ich nicht unmittelbar etwas verändern kann, habe ich das Gefühl, machtlos zu sein. Ich schlafe schlecht und habe weniger Energie. Ich frage mich, was macht das mit mir bzw. uns, wenn ich bzw. wir uns immer mehr abgrenzen und abschotten müssen? Wenn wir nicht mehr empathisch sein können? Verhindert das auch Mitfühlen und Empathie für Probleme in unserer Nähe, welche wir durchaus auch anpacken könnten?

Zum Suchtverhalten und Smartphone: Als ich mein Handy einrichtete (mit LineageOS statt vorinstalliertem Android und ohne microG) fiel mir auf, dass Threema, meine meistverwendete App, keine Push-Meldungen schicken kann, da dafür die Google Services fehlen. Super, dachte ich, ich stelle einfach das Pull-Intervall (die Zeitspanne, nach der Threema auf neue Nachrichten prüft) auf 30min. Es kann also bis zu 30min dauern, bis ich eine Benachrichtigung erhalte. Problem: nach einer Weile begann ich, ständig die App zu öffnen, vor allem wenn ich jemandem zuvor eine Nachricht geschrieben hatte und mich fragte, ob schon eine Antwort da war... Das bin ich noch nicht losgeworden.

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A. L.
Taijiquan und Aikido
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Ach waren das noch Zeiten, als wir in den Ferien kein Smartphone hatten, weil wir uns die Auslandtarife nicht leisten konnten/wollten. Da hielten wir Treffen über die Armbanduhr ein, fragten echte Menschen nach dem Weg und gaben uns Zeit bei Verspätungen.
Manchmal hole ich mir ein Stück Ferien in den Alltag und lasse es zuhause. Dann gibt es leider auch einen Tag lang keine Repulik.

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Vielleicht führt der Weg aus dem digitalen Rausch(en) hin zu einer digitalen Klarheit entlang folgender Fragen:
--> welche Bedürfnisse befriedigt das Smartphone wodurch?
--> ist die jeweilige Form der Befriedigung für das jeweilige Bedürfnisadäquat?
--> wenn ja - welche quantitativen Grenzen sind diesbezüglich jeweils adäquat?
--> wie kann ich die Nutzung so kontrollieren, dass sie innerhalb der Grenzen bleibt?
Meine persönliche Erfahrung (und erst recht die mit meinen beiden 13- und 15-jährigen Kindern) ist die, dass es keinen "natürlichen" Kompass gibt, auf den wir uns verlassen können - keine sich einstellende Müdigkeit, keinen entstehenden Überdruss und schon gar keine entstehende Langeweile!
Die vielfältige Funktionstüchtigkeit des Smartphones ...

  • zur Kommunikation

  • als Informationsquelle

  • als Orientierungshilfe

  • als Unterhaltungsmedium

  • als Ablenkungsmöglichkeit

  • als Speicher- bzw. Archivierungsort oder einfach

  • als "Werkzeug" zum Lesen, Schreiben, Fotografieren oder kreativem Gestalten
    ... deckt so umfassend die ganze Bandbreite aller "mental" befriedigbaren Bedürfnisse ab, dass daneben - wenn man es drauf anlegen würde - nur noch die rein physiologischen Grundbedürfnisse (Ernährung und Schlaf) existieren, ausserdem - wenn intakt - noch die Bedürfnisse nach körperlicher Ertüchtigung und echten sinnlichen Wahrnehmungen (bzw. Interaktionen mit) der tatsächlichen "analogen" Welt.
    Letztere stellen sich (wegen des durch das Smartphone ausreichend bedienten inneren Belohnungszentrums!), so scheint mir, an manchen Tagen bei Jugendlichen schon fast nicht mehr automatisch ein - wenn man nicht bewusst steuernd nachhilft. Und das ist meines Erachtens ein Alarmzeichen, das wir als gesamte Gesellschaft absolut Ernst nehmen müssen und wozu wir uns überlegen müssen, wie wir diesbezüglich eine Balance erhalten (wenn nicht längst schon: wieder herstellen) können!

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Hätte nie gedacht, dass ich beim sonntäglichen Ausschalten und Bei-Seite-Legens des Handys so etwas ähnliches empfinden würde wie beim Zigaretten Entzug vor 20 Jahren. Daher finde ich den Suchtbrgriff schon sehr passend. Mittlerweile klappt es ganz gut. Freunde und Bekannte wissen dass wir sonntags nur über Festnetz zu erreichen sind oder verbindlich abmachen. Ausnahmen nur bei begründeten Ausnahmen...:-)
Ärgerlich finde ich dann, wenn man z.B. beim Besuch eines Streetfoodfestival dazu gezwungen wird, das Smartphone wieder anzuschalten um sinnbildlich eine einfache Bratwurst zu bezahlen, (also nicht einfach Kartenzahlung, sondern einschliesslich Registration etc...) leider unter dem Mäntelchen von Corona-Hygienemassnahmen.
Auch war neulich das spontane Lösen einer einfachen Fahrt einer Bergbahn bergab nicht möglich ohne Handy (zum Glück hatte die Tochter Ihres dabei!). Also einfach eine Bratwurst essen oder auf den Berg rauf und davon ausgehen, dass man schon einen Fahrschein für die Rückfahrt lösen kann...wird es das demnächst noch geben?

.. das ist anscheinend der Preis für höhere Bequemlichkeit in allen Dienstleistungsbereichen, in denen man ihn gerne hinnimmt oder nicht zu spüren bekommt, wenn man wie meistens eher nicht spontan ist...

Ich fürchte aber, dass immer mehr Unternehmer sich die Doppelspurigkeit von analog und digital nicht mehr leisten können wollen oder wollen können und dadurch noch mehr Zugzwang für die Verbraucher entsteht, das Smartphone immer dabei zu haben und zu nutzen.

Man kann das Ganze dann auch noch in sozialen Druck ummünzen:

"Eigenes Pech oder Unverantwortlichkeit, wenn man den Besuch der Fressmeile und des Berges nicht ordentlich in Voraus geplant hat!"

Wollen wir das? Ich bin da manchmal ratlos...

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T. S.
Mitdenker
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Ich behaupte, ich bin fähig, das Handy pro Woche 24 Std. am Stück auszuschalten. Wer macht den Selbstversuch mit?

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Ist ausschalten wirklich die Lösung? Geht es nicht viel mehr um die Nutzungsgewohnheiten? Handy ausschalten hiesse für mich: Keine Möglichkeit zu telefonieren oder telefonisch erreicht zu werden, keinerlei Kommunikation mit Menschen ausserhalb meines Haushaltes, die nicht gerade um die Ecke wohnen, keine Musik und keine Podcasts hören, keine (digitale) Wanderkarte für die Sonntagswanderung in unbekannten Gebiet, kein Navi, kein SBB Ticket und keine Fahrplanauskunft, und um festzustellen, ob es ein Gewitter gibt oder ob ich noch in Ruhe eine Runde joggen kann, muss der Blick an den Himmel genügen. Push Nachrichten sind bei mir übrigens alle ausgeschaltet.

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