Aus der Arena

Selbst­zerstörung wird eingeleitet in 3, 2, 1 …

Die FDP schlägt vor, eine Autobahn­brücke über das beliebteste Zürcher Fluss­bad zu bauen. Nein, das ist kein Scherz.

Von Elia Blülle, 10.02.2021

Die Republik ist ein digitales Magazin für Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur – finanziert von seinen Leserinnen. Es ist komplett werbefrei und unabhängig. Lösen Sie jetzt ein Abo oder eine Mitgliedschaft!

2018 erkannte die FDP, dass junge und hippe Menschen nicht mehr auf ihren Economiesuisse-Liberalismus abfahren. Also gründete sie die FDP Urban – eine Organisation, die Städte als «Labore» für neue Lösungen nutzen, globale «Mega­trends» erkennen und damit neue Wählerinnen gewinnen wollte.

Das Projekt war ein Flop. Der einzige Trend, den die FDP Urban in den letzten drei Jahren ziemlich erfolg­reich begünstigte, war weder neu noch besonders schmeichel­haft: Die Partei verlor in grossen Städten wie Basel, Bern und St. Gallen zusätzliche Wählerprozente.

Nun könnte man spekulieren, dass eine Partei, die sich «konsequent für den Fortschritt einsetzt», daraus ihre Lehren zieht. Ihr Programm überdenkt. Alte Dogmen über­arbeitet. Und sich ein neues Image verpasst.

Doch die urbanste aller urbanen FDP-Stadt­parteien tut – das Gegenteil.

In der Stadt Zürich will die FDP junge, hippe Menschen nicht mit Velo­wegen und frischer Luft lang­weilen, sondern mit gutem altem Freisinn­power und Sicht­beton beweisen, dass sie noch nicht in der Bedeutungs­losigkeit versunken ist. Sie stellt sich einem Verkehrs­monster mit harm­losem Namen, aber hässlichem Antlitz, das die halbe Stadt terrorisiert: der Rosen­garten­strasse.

An und für sich ist das eine hehre Absicht – würde sich die FDP Zürich dabei nicht wie Dödel­agent Johnny English gebärden, der es zwar immer gut meint mit der Welt, aber anstatt den Böse­wicht meistens sich selbst in die Luft jagt. Der Stadt­zürcher FDP-Gemeinderat und Verkehrs­politiker Andreas Egli schlug letzte Woche vor, zur Entlastung der Rosengartenstrasse eine Autobahnbrücke über den Oberen Letten zu bauen.

Für alle Nicht-Zürcherinnen, zwei Bemerkungen dazu:

  • Der Obere Letten ist das populärste städtische Fluss­bad. Vor allem bei jungen und hippen Menschen ist es so beliebt, dass am Wochen­ende sogar die Aargauer nach Zürich reisen, um dort zu baden (und die Zürcherinnen deswegen an den See flüchten).

  • Am Oberen Letten steht das Jugend­haus Dynamo. Dessen Eröffnung war die städtische Antwort auf die Opernhaus­krawalle in den 1980ern – die bedeutendsten Jugend­unruhen in der Schweizer Geschichte.

Und nun will die Zürcher FDP eine stinkende und röhrende Autobahn­brücke über diesen Oberen Letten bauen. Eine Bombenidee. Was könnte dabei nur schief­gehen?

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus mit einem Monatsabonnement oder einer Jahresmitgliedschaft!

seit 2018

Republik AG
Sihlhallenstrasse 1
8004 Zürich
Schweiz

kontakt@republik.ch
Medieninformationen

Der Republik Code ist Open Source