Covid-19-Uhr-Newsletter

Testweise

27.01.2021

Liebe Leserinnen und Leser

Heute ist Mittwoch. Und wenn Sie regelmässig (und aufmerksam) diesen Newsletter lesen, dann wissen Sie: Mittwoch ist Bundesratstag. Was manchmal spannender ist und manchmal weniger.

Heute gibt es aus Bern zu berichten, was wir hiermit gerne tun. Es handelt sich auf den ersten Blick nicht um Verkündungen, die das ganze Land auf den Kopf stellen. Es wurde nichts geschlossen und nichts geöffnet, es bleibt ruhig, und es schneit in vielen Teilen der Schweiz.

Also, was ist neu? Was müssen Sie wissen?

  • Der Bundesrat will die Härtefallhilfe von 2,5 Milliarden Franken auf 5 Milliarden Franken erhöhen.

  • Die Taggeld-Bezugsdauer für Arbeitslose soll um drei Monate verlängert werden. Das Finanzdepartement soll nun einen Vorschlag ausarbeiten.

  • Der Bund will die Kosten der Arbeitslosenversicherung für die 2021 ausbezahlten Kurzarbeitsentschädigungen übernehmen.

  • Für Kulturschaffende soll es rückwirkend ab dem 1. November 2020 Ausfallentschädigungen geben.

Der Fahrplan? Bis zu seiner nächsten Sitzung arbeitet der Bundesrat seine Vorschläge für die nötige Änderung des Covid-19-Gesetzes aus. Danach kann das Parlament an der Frühlingssession darüber beraten.

Und sonst?

  • Wer da, wo er muss, keine Maske trägt, einen verbotenen Anlass organisiert oder an einem illegalen Fest teilnimmt, muss ab dem 1. Februar mit einer Ordnungsbusse rechnen.

  • Der Bund übernimmt die Kosten für Impfungen in Apotheken. Damit können die Kantone auch die Apotheken – nebst Impfzentren, Arztpraxen und Spitälern – in ihre Impfstrategien einbeziehen.

Änderungen gibt es auch bei der Quarantäne:

  • Wenn Sie mit einer infizierten Person Kontakt hatten, mussten Sie bisher 10 Tage in Quarantäne. Sie können nun die Quarantäne verkürzen, wenn Sie nach 7 Tagen einen Schnelltest oder einen PCR-Test mit negativem Resultat machen. (Die Kosten für den Test müssen Sie jedoch selber tragen.)

  • Für Reisende aus Risikoländern gilt: Bei Ankunft braucht es neu einen negativen PCR-Test, der maximal 72 Stunden alt ist. Weiterhin gilt die Quarantäne von 10 Tagen. Auch hier kann sie (wie oben beschrieben) auf 7 Tage verkürzt werden. Einreisende per Flugzeug, Schiff, Bus oder Zug müssen ihre Kontaktangaben online selber erfassen.

Die wohl wichtigste Änderung ist eine Anpassung der Teststrategie:

Neu übernimmt der Bund die Kosten für Tests für Menschen ohne Symptome. Aber nur, wenn dies im Rahmen von Schutzkonzepten beispielsweise an Schulen, in Hotels oder am Arbeitsplatz geschieht. Oder im Umfeld von Alters- und Pflegeheimen. (Wenn Sie hingegen keine Symptome haben und einen Test wollen, bevor Sie Ihre Grossmutter zu Hause besuchen, müssen Sie den Test weiterhin selber bezahlen.)

Diese Anpassung ist zwar nicht ganz all the way, aber trotzdem eine gute Sache. Bisher hatte die Frage, wer präventive Massentests beispielsweise in Heimen oder Betreuungsinstitutionen übernimmt, für Knatsch gesorgt. Dass hier klarere Verhältnisse herrschen, zeigt, dass der Bundesrat sich wohl das letzte Policy Brief der wissenschaftlichen Taskforce zu Herzen genommen hat (dazu kommen wir weiter unten noch).

Nun verbreiten sich bekanntlich gerade unsympathische Mutanten im Lande. Es gibt viele Fälle an Schulen – und in der europäischen Nachbarschaft siehts auch nicht allzu erfreulich aus. Darum könnte man jetzt einwenden, dass die neuen Massnahmen etwa auf halber Strecke stehen bleiben. Kostenübernahme für präventive Massentests ja, aber (nicht für Privatpersonen). Quarantäne und obligatorischer Test für Einreisende ja, aber (nicht aus allen Ländern).

Das mag erstaunen. Oder auch nicht. Denn Gesundheitsminister Alain Berset sprach bei der Vorstellung der neuen Beschlüsse heute von der «Begleitung dieser Pandemie». Das klingt wirklich nicht nach dem Ziel, die Fallzahlen mit aller Konsequenz auf null herunterzudrücken. Aber immerhin, die Richtung stimmt.

Und damit:

Die wichtigsten Nachrichten des Tages

Das Nobelhotel Badrutt’s Palace in St. Moritz stellt den Betrieb bis auf weiteres ein. Zur ohnehin schwierigen Wintersaison mit weniger internationalen Gästen sei die Quarantänesituation aufgrund von Ansteckungen im Hotelbetrieb gekommen, so das Unternehmen. Buchungen seien ausgeblieben und storniert worden, somit sei die Fortsetzung des Hotelbetriebs nicht gegeben. Das Hotel hat 440 Mitarbeitende.

Sanofi produziert den Pfizer/Biontech-Impfstoff nun auch. Der französische Pharmakonzern unterstützt die Konkurrenz Biontech und Pfizer bei der Produktion. Im Sommer sollen erste Lieferungen an die EU erfolgen. Bei der Zusammenarbeit geht es um mehr als 125 Millionen Dosen des Impfstoffs. Dieser soll am Frankfurter Standort hergestellt werden.

Und zum Schluss: Ein Brief

Ein Policy Brief ist eine Stellungnahme zuhanden von politischen Entscheidungsträgerinnen. Ein solches Policy Brief schreibt zum Beispiel die wissenschaftliche Covid-19-Taskforce regelmässig an den Bundesrat. Darin erklärt diese die aktuelle Lage und was das bedeutet. Das Dossier soll dem Bundesrat als Entscheidungsgrundlage dienen.

Die Policy Briefs sind entweder zu einem bestimmten Thema (wie zum Beispiel zu Schulen) verfasst oder einfach regelmässig zur allgemeinen Lage. Die Dossiers sind öffentlich zugänglich, meist kurz nachdem sie dem Bundesrat zugestellt wurden.

Gestern wurde das jüngste Update publiziert, darauf stützen sich wohl auch die heutigen Beschlüsse des Bundesrats. Es geht darin viel um die epidemiologische Entwicklung bezüglich der mutierten Virusvarianten.

Damit nicht nur der Bundesrat up to date ist, sondern auch Sie, fassen wir die wichtigsten Aussagen der wissenschaftlichen Taskforce zusammen:

  • Zur allgemeinen Situation: Die Anzahl Neuinfektionen, Hospitalisierungen und Todesfälle ist rückläufig, bleibt aber hoch.

  • Seit Beginn der zweiten Welle im Herbst mussten rund 19’000 Patientinnen ihre medizinischen Eingriffe aufschieben lassen. Wenn sich die Pandemiesituation wieder verschlechtert, steigt auch die Gefahr, dass das Gesundheitswesen wieder an seine Grenzen kommt, so die Taskforce.

  • Der Prozentsatz von hospitalisierten Covid-19-Patienten auf den Intensivbetten war im Sommer höher als in der zweiten Welle. Er sank von 22 Prozent auf 10 Prozent. Was klingt wie eine gute Nachricht, ist keine: Die Taskforce geht davon aus, dass das heisst, dass einige Patienten, die im Sommer noch die nötige Intensivpflege bekommen hätten, diese im Herbst und Winter nicht erhielten – das nennt sich stille Triage. (Mehr zum Thema lesen Sie in diesem Republik-Interview.)

  • Der Anteil der Virusmutation B117 aus Grossbritannien an allen Ansteckungen verdoppelt sich jede Woche. Bis im März sei B117 die dominierende Variante auch in der Schweiz.

  • Diese B117-Ausgangslage macht der Taskforce Sorgen. Denn sobald dies der dominierende Stamm werde, steige bei gleich bleibenden Eindämmungsmassnahmen die Anzahl der Infektionen – und später auch der Hospitalisationen und Todesfälle – kontinuierlich an, schreibt sie.

  • Eine schnelle und starke Reduktion der Ansteckungen reduziert das Risiko für die Schweiz. Bei tiefen Fallzahlen ist breites Testen besser möglich, und das Contact-Tracing funktioniert.

So viel zum momentanen Stand der Dinge.

Bleiben Sie umsichtig. Bleiben Sie freundlich. Und bleiben Sie gesund.

Marguerite Meyer

PS: Haben Sie Fragen und Feedback, schreiben Sie an: covid19@republik.ch.

PPS: Wir würden uns freuen, wenn Sie diesen Newsletter mit Freundinnen und Bekannten teilten. Er ist ein kostenloses Angebot der Republik.

PPPS: Vergangene Woche haben wir von der Rekrutenschule im Homeoffice berichtet. Meist lohnt sich der Blick über den Röstigraben (den auch wir zu selten werfen). In diesem Fall gibt es eine Trouvaille von Republik-Kollege Elia Blülle: Die Kolleginnen von RTS nahmen die ganze Chose aufs Korn. «L’école de recrue à la maison» ist zwar auf Französisch, aber die nicht ganz ernst gemeinte Figur lieutenant-colonel Karl-Heinz Inäbnit ist auch mit limitierten Sprachkenntnissen amüsant – trifft er doch das Deutschschweizer Klischee ganz gut, nicht?

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