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Chronologie der Schweizer Medien­konzentration

Die letzten drei Jahrzehnte im Überblick – regelmässig auf den neuesten Stand gebracht.

Von Dennis Bühler und Christof Moser, 17.05.2018, letztes Update 25.08.2020

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Die 2020er-Jahre: Corona trifft die Branche hart – Verlage versuchen Konkurse mit Kurzarbeit zu verhindern

Das neue Jahrzehnt beginnt mit einer Pandemie: Im Zuge der Corona-Krise brechen die Werbe­erlöse in sich zusammen. Etliche Gross­verlage reagieren mit der Einführung von Kurzarbeit. Anderen hilft auch das nichts mehr: Sie gehen in Konkurs oder müssen einen Teil der Redaktion entlassen. Gleich­zeitig intensiviert der Staat seine Bemühungen, die Medien zu fördern.

  • 25. August 2020: Die TX Group gibt bekannt, bei ihren Bezahlzeitungen in den nächsten drei Jahren 70 Millionen Franken sparen zu wollen – dies entspricht rund 15 Prozent der Kosten. Damit dürfte es unter anderem beim «Tages-Anzeiger», der «Basler Zeitung» und den Zürcher Landzeitungen zu einem drastischen Personalabbau kommen. Die Tamedia-Geschäftsführer Andreas Schaffner und Marco Boselli kündigten an, der Abbau werde gestaffelt über drei Jahre laufen. «Zu rechnen ist mit dem Wegfall Dutzender journalistischer Stellen.» Zudem könnte die Co-Existenz von «Berner Zeitung» und «Der Bund» gefährdet sein – auch wenn Schaffner und Boselli es als ihre Ambition bezeichnen, beide Titel im Markt zu halten: «Wir glauben, dass es in der Zusammenarbeit unserer beiden Zeitungen in Bern noch erhebliches Synergie­potenzial gibt». Die Einschnitte erfolgen, obwohl der Verkauf der digitalen Abonnemente im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 46 Prozent gesteigert werden konnte.

  • 25. August 2020: Die zwölfköpfige Redaktion des Social-Media-Magazins «Izzy» wird aufgelöst. Man werde Gespräche über Weiterbeschäftigungen der Angestellten führen, teilt der Ringier-Verlag mit. Es komme jedoch zu Entlassungen. Ab Oktober soll ein komplett neues Team die «Izzy»-Hülle übernehmen (sprich: die reichweitenstarken Accounts auf Instagram, Facebook und Youtube) – und mit einem nicht näher ausgeführten «frischen Konzept» weiterführen.

  • 20. August 2020: Das Schweizer Fernsehen SRF spart. Gestrichen wird unter anderem die Wirtschaftssendung «Eco» und «Sportaktuell», zudem werden künftig fast keine Filme, Dokumentationen und Serien mehr aus dem Ausland eingekauft. Statt ins lineare Programm wird ins digitale Storytelling und in Podcasts investiert: So sind auf Youtube und Instagram neue Musikkanäle geplant. Wie viele Mitarbeiterinnen entlassen werden, ist unklar. Am 9. Oktober werde informiert, sagte SRF-Direktorin Nathalie Wappler. Klar ist: Es wird zu einem Personalabbau kommen.

  • 18. August 2020: CNN Money Switzerland stellt den Betrieb ein. «Der Ball liegt nun beim Konkursrichter», sagt Gründer und CEO Christophe Rasch. An den Standorten Zürich und Gland (Waadt) verlieren 25 Mitarbeiter ihren Job, darunter die prominente Wirtschafts­journalistin Patrizia Laeri, die erst kurz zuvor von SRF gekommen ist. CNN Money Switzerland hat während zweieinhalb Jahren werktags von 18 bis 21 Uhr in englischer Sprache gesendet.

  • 11. August 2020: Ringier Axel Springer Schweiz will bei den Publikums­zeitschriften sparen und baut 35 Stellen ab. Das Mode- und Lifestyle-Magazin «Style» wird eingestellt, das Mode- und Kultur-Magazin «Bolero» soll ausgelagert werden. Zudem werden die Redaktionen von «Schweizer Illustrierte» und «SI online» verkleinert und organisatorisch zusammen­geführt.

  • 29. Juni 2020: «Im laufenden Jahr 2020 stehen für die Gruppe die Kosten im Vorder­grund», hatte die TX Group im März bei der Präsentation des Geschäfts­berichts angekündigt. Drei Monate später wird klar, was das bedeutet: Der grösste Schweizer Medien­konzern gibt bekannt, bis 2023 bei den zentralen Diensten (Corporate-, Group- sowie Technology-Services) 20 Prozent der Kosten reduzieren und damit Einsparungen in Höhe von 20 Millionen Franken erzielen zu wollen. Neben der Senkung von Sachkosten ist ein Abbau von rund 40 Stellen vorgesehen.

  • 25. Juni 2020: Die NZZ-Mediengruppe verkündet eine sogenannte «Strategieschärfung». Gemeint sind damit eine unternehmens­weite Senkung der Kosten um rund 13 Millionen Franken oder knapp 10 Prozent sowie ein Stellen­abbau von etwa 5 Prozent – wobei es nur «vereinzelt» zu Entlassungen kommen soll. Nach NZZ-Angaben sind 780 Mitarbeiterinnen für das Medien­haus tätig. Der Branchen­verband Impressum rechnet entsprechend mit «mehreren Dutzend» Betroffenen.

  • 24. Juni 2020: Die Nachrichten­agentur Keystone-SDA streicht 8,8 Vollzeit­stellen. Die Redaktion ist davon nicht betroffen, gespart wird stattdessen in den Bereichen PR und Corporate Production, Human Resources und IT. Zudem wird die Geschäfts­leitung um einen Sitz verkleinert. Der Abbau erfolgt einen Monat nachdem der Verwaltungs­rat entschieden hat, dass sich die Nachrichtenagentur in Zukunft auf ihre Kernaufgabe fokussiert. Im Verlauf des Sommers dürfte es auch in der Redaktion zu Entlassungen kommen. Gefährdet sind vor allem die Mitarbeiter des Sportressorts.

  • 29. Mai 2020: CH Media gibt bekannt, die Ostschweizer Wochen­zeitung «A» eine Woche darauf letztmals heraus­zugeben. «‹A› wird aufgrund rasant sinkender Umsätze im Zusammen­hang mit der Corona-Krise und einem negativen Ausblick eingestellt», sagt ein Konzern­sprecher. Vom Ende des Blatts nach drei Jahren sind 3 Mitarbeiter betroffen.

  • 24. Mai 2020: Die Herausgeber der Westschweizer Wochen­publikation «Micro» geben bekannt, sechs Tage darauf zum letzten Mal eine Ausgabe zu veröffentlichen. Die Hauptkunden der Zeitung – Cafés, Arztpraxen und Coiffeursalons – hätten besonders stark unter der Covid-19-Pandemie gelitten, begründen die Verantwortlichen. Die Veröffentlichung in Papierform hatten sie bereits ab dem 17. März ausgesetzt.

  • 6. Mai 2020: Ausgerechnet am Tag ihres 25-Jahr-Jubiläums sieht sich die Waadtländer Wochen­zeitung «Le Régional» gezwungen, die Bilanz zu deponieren. Zwar erreicht die Redaktion mit 102’000 Lesern so viele wie nie in ihrer Geschichte, doch brechen ihr die ausbleibenden Werbe­erlöse das Genick. Alle 13 Mitarbeiter werden entlassen.

  • 24. Februar 2020: Das Zofinger Traditionsunternehmen ZT Medien stellt die beiden Gratis-Wochenzeitungen «Surentaler» und «Oberwiggertaler» aus wirtschaftlichen Gründen ein und zieht sich aus den Regionen zurück. Vier Wochen später erscheint auch der «Oberaargauer» zum letzten Mal.

  • 30. Januar 2020: CH Media gibt bekannt, dass die Redaktion der «Appenzeller Zeitung» von Herisau nach St. Gallen zügelt, an den Haupt­sitz des «St. Galler Tagblatts». Nach Uri ist Appenzell Ausser­rhoden damit der zweite Schweizer Kanton, der ohne eigene Bericht­erstatter vor Ort auskommen muss. «Wenn ich zwischen Personal­abbau und Umzug entscheiden muss, dann wähle ich den Umzug», sagt der Leiter der Ausserrhoder Redaktion.

Die 2010er-Jahre: Die Oligarchen übernehmen, die Parteipresse kehrt zurück – und Tamedia siegt

Mit dem Oligarchen steigt ein neuer Typus ins Schweizer Verlags­geschäft ein. Die SRG übersteht zwar die No-Billag-Initiative, muss aber dennoch sparen. Und während der Aufstieg von Tamedia zum mächtigsten Medien­konzern des Landes unaufhaltsam weitergeht, bündeln die AZ Medien und die NZZ Regional­medien im Joint Venture CH Media ihre Kräfte.

  • 26. November 2019: Journalismus verliert bei Tamedia weiter an Bedeutung. Der grösste Medienkonzern des Landes wird zu einer holdingähnlichen Organisation mit vier weitgehend eigenständigen Unternehmen umgebaut und in TX Group umbenannt. Dies dient dem Ziel, die wenig rentablen Bezahlmedien zunächst für staatliche Medienförderung zu positionieren und in einem späteren Schritt allenfalls gar abzustossen. Die Krise des Tamedia-Journalismus manifestiert sich schon früher im Jahr, als der Verlag immer stärker auf «Native Advertising» zu setzen beginnt. Zunächst kritisiert der Schweizer Presserat den Täuschungs­versuch der Leserschaft, dann verfassen 128 Redaktorinnen und Produzenten von «Tages-Anzeiger», «Bund» und «Berner Zeitung» einen Protestbrief («Nicht in unserem Namen!»). Doch Verleger Pietro Supino zeigt sich uneinsichtig.

  • 24. Oktober 2019: Tamedia gibt bekannt, die Printausgabe des kostenlosen Lifestyle-Magazins «20 Minuten Friday» nach elf Jahren einzustellen, obwohl es immerhin 681’000 Leserinnen und Leser hat. Es kommt zu fünf Kündigungen und Pensen­reduktionen. «Es ist ein Jammer», sagt Chefredaktor Gaudenz Looser in einem Interview. «Aber es ist die Konsequenz aus der wirtschaftlichen Situation. Und es ist die Konsequenz aus dem Verhalten des Werbemarktes.» Weil Inserate fehlten war «20 Minuten Friday» bereits ab Februar 2018 nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch monatlich erschienen – diese Umstellung hatte drei Mitarbeiterinnen den Job gekostet.

  • 26. September 2019: CH Media schliesst in der Ost-, der Zentral- und der Nordwest­schweiz mehrere Standorte und baut rund 15 Vollzeitstellen ab, es kommt zu Kündigungen. Aufgegeben wird unter anderem das Büro des «St. Galler Tagblatts» in Rorschach. Die Redaktionen der «Urner Zeitung», der «Obwaldner Zeitung» und der «Nidwaldner Zeitung» werden in Stans zusammen­gelegt. Die «Aargauer Zeitung» schliesst ihre Reporter­büros in Muri und Reinach.

  • 23. Mai 2019: Der «Corriere del Ticino» entlässt sieben Personen, zwei weitere werden frühpensioniert. Es ist die zweite Hiobs­botschaft in der Tessiner Zeitungs­landschaft innert eines Jahres, nachdem von der Schliessung des kirchennahen «Giornale del Popolo» im Mai 2018 30 Mitarbeitende betroffen waren. Grund hierfür war der Konkurs der Werbe­agentur Publicitas gewesen.

  • 5. November 2018: Die Basler «Tageswoche» stellt ihren Betrieb ein. Die Stiftung für Medienvielfalt, die das Projekt zu grossen Teilen finanzierte, will die Defizite nicht länger decken. Gründe für die tiefroten Zahlen sind ein rückläufiger Inserate­verkauf und sinkende Abozahlen. Nach sieben Jahren ist damit für knapp 30 Angestellte Schluss.

  • 19. September 2018: Ein halbes Jahr nach der überstandenen Abstimmung über die Volksinitiative zur Abschaffung der Radio- und Fernseh­gebühren (No-Billag-Initiative) entscheidet der SRG-Verwaltungsrat, Ende 2020 rund 170 Mitarbeiter und somit einen Grossteil der Radio-Informations­abteilung zum Umzug von Bern nach Zürich zu verdonnern. Mit der Massnahme sollen ohne Abbau von Arbeits­plätzen jährlich 5 Millionen Franken gespart werden. Politiker mehrerer Parteien gehen auf die Barrikaden: Der Medienplatz Bern drohe zum Satelliten von Zürcher Verlags­häusern und des in Zürich domizilierten SRF zu verkommen. Im Juni 2019 verkündet die neue SRF-Direktorin Nathalie Wappler, die Pläne zu überdenken – allenfalls könnten zumindest die Radio­sendungen «Echo der Zeit», «Tagesgespräch» und «Rendez-vous» doch weiterhin in Bern produziert werden. Definitiv entschieden sei allerdings noch nichts.

  • 18. April 2018: Tamedia kauft die «Basler Zeitung» von der Zeitungshaus AG um Christoph Blocher, die im Gegenzug von Tamedia das «Tagblatt der Stadt Zürich», den «Rümlanger» und den «Furttaler» übernimmt. Die «Basler Zeitung», um die auch die AZ Medien buhlte, soll nach der Übernahme sofort ins «Projekt 2020» der Tamedia integriert werden. «Allein wäre die ‹Basler Zeitung› zum Tode verurteilt», sagt Blocher. Die Wettbewerbs­kommission prüft die Übernahme und bewilligt sie am 10. Oktober 2018 ohne Auflagen.

  • 30. Januar 2018: Die Redaktion der Nachrichtenagentur SDA tritt in einen unbefristeten Streik, nachdem ihr Geschäfts­führer wenige Wochen zuvor den grössten Abbau in der Geschichte des Unter­nehmens bekannt gegeben hat: Drei Monate nach Bekannt­werden der Fusion mit der Fotoagentur Keystone fallen 35 bis 40 von insgesamt 150 Stellen weg; Mitarbeiter über 60 Jahre sollen pauschal entlassen werden, egal, wie gut vernetzt sie sind, egal, wie lange sie schon für die Agentur arbeiten; wer von sich aus kündigt, wird nicht ersetzt. Nach dreieinhalb Tagen setzt die Redaktion den Streik aus, da der Verwaltungsrat in Verhandlungen eingewilligt hat. Am Ende schauen einige Verbesserungen des Sozialplans heraus, zudem wird die kollektive Entlassung aller Redaktorinnen über 60 zurück­genommen; die SDA aber bleibt ausgepresst wie eine Zitrone.

  • 17. Januar 2018: Das Unternehmen Société Neuchâteloise de Presse SA gibt bekannt, dass seine beiden Zeitungen «L’Express» und «L’Impartial» künftig unter einem Titel erscheinen werden. Das neue Einheitsblatt trägt den Titel «ArcInfo», wie das schon seit 2008 gemeinsam geführte Online-Portal.

  • 7. Dezember 2017: Die NZZ-Mediengruppe und AZ Medien kündigen an, ihr Regionalzeitungsgeschäft in ein Joint Venture zusammenzuführen. Eine gemeinsame Zentralredaktion soll mehr als zwanzig Titel – darunter die «Aargauer Zeitung», das «St. Galler Tagblatt» und die «Luzerner Zeitung» – in dreizehn Kantonen mit Inhalten beliefern. Am 16. August 2018 stimmt die Wettbewerbskommission dem Deal nach vertiefter Prüfung zu. Am 1. Oktober 2018 nimmt die gemeinsame Mantelredaktion die Arbeit auf.

  • 23. August 2017: Tamedia fusioniert ihre zwölf Redaktionen in der Deutsch- und die vier Redaktionen in der Westschweiz zu je einer Einheitsredaktion. Drei sogenannte Kompetenzzentren in Zürich, Bern und Lausanne beliefern den «Tages-Anzeiger», den «Landboten», die «Zürichsee-Zeitung», den «Zürcher Unterländer», die «Berner Zeitung», den «Bund», den «Berner Oberländer», das «Thuner Tagblatt» und ein halbes Dutzend weitere Titel in beiden Landesteilen ab 2018 mit Inhalten zu Inland, Ausland, Wirtschaft, Sport, Wissen, Kultur und Gesellschaft.

  • 22. August 2017: Tamedia kündigt an, die Redaktionen von «20 minutes» und «Le Matin» zu fusionieren. Damit werden ab 2018 78 Prozent aller Leserinnen in der Romandie von nur noch einer Redaktion eines Konzerns informiert: Tamedia.

  • 16. August 2017: Die Basler BaZ Holding von Christoph Blocher, Markus Somm und Rolf Bollmann übernimmt rückwirkend auf Anfang 2017 den Ostschweizer Zehnder-Verlag mit 24 Gratiszeitungen.

  • 23. Januar 2017: Ringier Axel Springer stellt das Magazin «L’Hebdo» ein.

  • 11. April 2014: Ringier kauft die Mehrheit an «Le Temps».

  • 27. August 2013: Tamedia übernimmt von der Winterthurer Ziegler Druck- und Verlags-AG die Mehrheit am «Landboten».

  • 2010: Financier Tito Tettamanti und Medienanwalt Martin Wagner kaufen die «Basler Zeitung» («BaZ»). Erst 2013 bestätigt sich das Gerücht, dass Christoph Blocher hinter dem Deal steckt. 2014 übernehmen Blocher, der Journalist Markus Somm und der Medienmanager Rolf Bollmann die «BaZ» offiziell. In der Westschweiz übernimmt der französische Medien­konzern Hersant die Mehrheit am «Nouvelliste» und schliesst ihn mit «La Côte», «L’Impartial», «L’Express» und «Journal du Jura» zusammen.

  • 2010: Tamedia übernimmt von der NZZ die Beteiligungen an «Zürcher Unterländer», «Zürichsee-Zeitung» und «Zürcher Oberländer». Im Gegenzug übernimmt die NZZ von Tamedia die «Thurgauer Zeitung».

Die 2000er-Jahre: Die Gratiszeitungen beschleunigen den Konzentrationsprozess, grosse Gewinnerin ist Tamedia

Die Gratiszeitungen saugen die Werbegelder aus den Bezahlzeitungen, lassen den Lesermarkt erodieren und verschaffen Tamedia damit den Hebel, um die Konkurrenz in Bern und der Westschweiz endgültig in die Knie zu zwingen.

  • 2009: Tamedia übernimmt bis Ende 2011 die Westschweizer Edipresse und damit die Tageszeitungen «24 Heures», «Tribune de Genève» und «Le Matin» sowie die Sonntagszeitung «Le Matin Dimanche». «Le Matin Bleu» wird eingestellt. Im Aargau übernimmt die AZ Medien die Solothurner Vogt-Schild AG und deren «Solothurner Zeitung».

  • 2007: Tamedia kauft Espace Media und übernimmt damit «Berner Zeitung», «Bund» und Beteiligungen an «Berner Oberländer» und «Thuner Tagblatt». Dafür wird das Nachrichtenmagazin «Facts» geschlossen. Ringier schliesst «Cash». Die AZ Medien kaufen die «Basellandschaftliche Zeitung».

  • 2006: Tamedia lanciert die Gratiszeitung «20 minutes». Ringier steigt mit «heute» und «Cash daily» ins Gratiszeitungs­geschäft ein. «heute» wird 2008 durch den «Blick am Abend» ersetzt, «Cash daily» 2009 wieder eingestellt. Ebenfalls 2006 wird das Appenzeller Medienhaus an das «St. Galler Tagblatt» verkauft, nachdem die «Appenzeller Zeitung» ihre überregionalen Inhalte schon seit 1998 aus St. Gallen bezog.

  • 2005: Edipresse lanciert die Gratiszeitung «Le Matin Bleu».

  • 2004: Die NZZ-Gruppe übernimmt die Mehrheit an der LZ Medien Holding, der Herausgeberin der «Neuen Luzerner Zeitung».

  • 2003: Die Espace Media kauft die Aktienmehrheit der NZZ am «Bund».

  • 2001: «Aargauer Zeitung», «Solothurner Zeitung», «Oltner Tagblatt» und «Zofinger Tagblatt» schliessen sich zur «Mittelland-Zeitung» zusammen.

Die 1990er-Jahre: Erste Grossfusionen in Luzern und in der Zentral- und Ostschweiz führen zu Monopolzeitungen

Nach frühen Fusionen in Bern und Basel erreicht die Medienkonzentration ihren ersten grossen Höhepunkt zu Beginn der 1990er-Jahre. Innerhalb von nur fünf Jahren wird aus drei Luzerner Zeitungen nur noch eine. Das gleiche Szenario wiederholt sich kurz darauf in der Ostschweiz.

  • 1999: Die norwegische Schibsted und die schwedische Metro International S.A. lancieren in der Schweiz kurz nacheinander zwei Gratiszeitungen: «20 Minuten» und «Metropol». 2003 wird «Metropol» wieder eingestellt und Tamedia kauft «20 Minuten».

  • 1998: Die Zeitung «Ostschweiz» erscheint nach 125 Jahren zum letzten Mal. In Bern übernimmt die NZZ die Aktienmehrheit am «Bund».

  • 1997: Zehn Blätter aus Graubünden, Glarus, St. Gallen und Schwyz bilden die Zeitung «Südostschweiz». Zur neuen Somedia gehören auch «Bündner Zeitung», «Bündner Tagblatt» und die romanische «La Quotidiana». In der Romandie fusionieren «Le Nouveau Quotidien» und «Le Journal de Genève» zu «Le Temps». Die «Berner Tagwacht» wird nach 105 Jahren eingestellt.

  • 1996: Aus Ringiers «Luzerner Neusten Nachrichten» und der 1991 fusionierten «Luzerner Zeitung» wird die «Neue Luzerner Zeitung». Das «Aargauer Tagblatt» und das «Badener Tagblatt» fusionieren zur «Aargauer Zeitung».

  • 1994: Im Kanton Aargau arbeiten «Aargauer Tagblatt», «Zofinger Tagblatt» und «Oltner Tagblatt» unter dem gemeinsamen Titel «Mittelland-Zeitung» zusammen, im Kanton Bern «Thuner Tagblatt», «Berner Oberländer» und «Oberländisches Volksblatt» unter dem Titel «Berner Oberland Zeitung». Beides sind Vorboten späterer Fusionen. Im Jura fusionieren «Le Pays» und «Le Démocrate» zu «Le Quotidien Jurassien». Die Genfer Tageszeitung «La Suisse» wird aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.

  • 1991: Die NZZ steigt beim «St. Galler Tagblatt» als Mehrheitsaktionärin ein. In Luzern schliessen sich «Vaterland» und «Luzerner Tagblatt» zur «Luzerner Zeitung» zusammen. In der Romandie fusionieren «Journal de Genève» und «Gazette de Lausanne» zum «Journal de Genève et Gazette de Lausanne».

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