Debatte

Bald ein Monat «Lockdown light» – wie geht es Ihnen?

Woche zwei werde die schwierigste, hiess es. Bald sind es vier. Wie erleben Sie Ihren Alltag? Wie haben Sie sich auf die neue Situation eingestellt? Und was vermissen Sie? Diskutieren Sie mit der Redaktion und der Community.

07.04.2020, Update 13.04.2020

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Schon vor drei Wochen haben wir Sie gefragt, wie es Ihnen geht. Die Schulen waren da gerade geschlossen worden, der «Lockdown» stand erst noch bevor.

Wir erfuhren von Verlegern, die Covid-19 gerade durchmachten, von anderen, die zunächst die Situation eher belächelten, jemand teilte seine Playlist für karge Tage, eine Verlegerin schilderte die Situation in ihrer Arztpraxis, ein Verleger berichtete über seinen Arbeitsalltag auf einer Demenzstation, andere tauschten Tipps aus, wie an Bücher zu kommen ist trotz der geschlossenen Bibliotheken, meldeten sich aus China oder aus den Surf-Ferien in Marokko, von wo aus vorüber­gehend keine Rückkehr in die Schweiz mehr möglich war.

Jetzt sind wir alle ein ganzes Stück weiter. Und wir sind sicher, Sie haben unterdessen viel erlebt. Erzählen Sie uns davon!

Wie haben Sie sich mit der Situation arrangiert?

Was macht Ihnen Mühe? Sorgen? Angst?

Was haben Sie schätzen gelernt?

Welche Rituale haben Sie aufgeben müssen, welche neuen geschaffen?

Sind Sie bereits an dem Punkt, an dem sich in Ihnen Bockigkeit und Widerspruchs­geist gegen den Lockdown regt?

Brauchten Sie Hilfe, und haben Sie welche gefunden?

Schreiben Sie zusammen mit der Republik-Community die Geschichte dieses seltsamen Frühlings 2020 – und teilen Sie Ihre Erlebnisse, Beobachtungen und Perspektiven. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.

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Mein Fazit nach einem Monat: Wohl etwa 80 % meiner Mitbuerger beschraenken sich erschreckenderweise darauf, sich gegenseitig fuer ihr Solidaritaetsgetue zu gratulieren und gleichzeitig total die Perspektive zur Situation zu verlieren. Zum Glueck gibt es noch ein paar Leute, die sich von der gaengigen hysterischen Paranoia noch nicht voellig blenden lassen und sich bewusst sind, dass da im Moment ein ganz gefaehrlicher (viel gefaehrlicher als Conv19) machtpolitischer Praezedenzfall entsteht, der das Potential hat, unserer bis anhin relativ freien Gesellschaft die Lebensqualitaet zu vermiesen und unsere demokratischen Rechte auszuhoehlen. Heiligt der Zweck wirklich die Mittel?!? Diese Frage sollte sich mal jeder stellen. Aber ganz rationell und nicht aufgrund von irrationalen Emotionen, die primaer durch die permanente Berieselung von visuellen und audiovisuellen Horrornachrichten und Szenarien hervorgerufen werden.

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Auch ich „bin“ Home Office - zu fast 100%. Ruhe ja, irgendwie schon. Eine Stunde im Wald jeden Tag. Es fehlt vor allem der Ausgleich, Austausch, Menschen, Bewegung, ... andere Anregungen, Gedanken. Und ich finde die Tage wirklich sehr anstrengend und fordernd, dicht, hohe Taktfrequenz, alle sind eben sehr „responsive“ und tun ihr Bestes, den Laden am laufen zu halten, die die wir arbeiten dürfen. Wir lernen viel, gehen direkter um, Skype den ganzen Tag (wenn man nicht aufpasst). Die Sitzungen dort pünktlicher, fokussierter, direkter, fordern ganz viel Klarheit, Aufmerksamkeit, Führung und Nachbereitung. Viel, was vorher abgelehnt wurde als ... was eigentlich? Das alles sollten wir sammeln und wenn wir die Top 3 mit „raus“ nehmen - dann sind wir weiter. Und privat — online apéro und Distanz Bier und Spaziergang ... trotzdem, viel zu viel Kopf und online (in Familien und Gemeinschaften gibt es andere Herausforderungen, sicher). War froh um die Ostertage. iPhone war aus.

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B. G.
Köchin
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Meine Mitbewohnerin fragt mich: ist heute Montag? Ja, ich denke, es ist Montag, antworte ich.
Doch eigentlich fühle ich mich "aus der Zeit". Auf meinem ausgiebigem Spaziergang heute morgen habe ich versucht diese Befindlichkeit "aus der Zeit" zu verstehen. Der Wald steht, die Vögel zwischtern, die Eichhörnchen veranstalten Kurzstreckenrennen, der keuchende Jogger rennt an mir vorbei. Ein Blick auf die Stadt ist fast wie immer.
Sie ist geräuschlos. Die Stille. die wir uns immer wieder wünschen und jetzt ist sie täglich da.

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ich bin ahv-bezügerin und vor einigen jahren meiner tochter nach-emigriert

  • an die südspanische atlantikküste, zwischen tarifa und cadiz. eine kleinstadt die so um die 20'000 einwohner hat in der winterzeit, im sommer üblicherweise gegen 80'000. also zum grossen teil vom tourismus lebt. seit einem monat leben wir hier im lockdown heavy. strände, kinderspielplätze, restaurants, strassenbeizen und bars, hotels, alle tante-emma läden geschlossen. man darf lebensmittel einkaufen im supermarkt und ums haus hunde spazieren führen bis 200m. grundlos darf man nicht auf die strasse, auch alleine nicht, wird mit autos, drohnen und helis kontrolliert und auch gebüsst. tönt bedrohlich ist aber nicht. andalusien hat corona relativ gut im griff, will aber mit den maßnahmen die blockierten städter aus madrid davon abhalten in den süden zu flüchten. uns in der familie und im freundeskreis gehts gut. uns schweizerinnen macht das dinnehocke nicht soviel aus. mit lesen, schreiben, telefonieren, kochen, schneidern, weiter online fürs studium lernen etc. lebt man recht gut, ohne existenzängste. wir sind uns unserer guten situation bewusst. meine tochter arbeitet weiter im cruz roja mit, mich haben sie z.zt. ruhiggestellt weil ü60. kommunikation der behörden und regierung finde ich transparent und offen. ja und die spanische bevölkerung behilft sich kreativ mit aktivitäten an der frischen luft auf den hausdächern (terassen). da werden dann semana santa light prozessionen initiiert und ins netz gestellt. das allabendliche klatschen um acht uhr, inkl. einem convoi aller verfügbaren polizei-, quads-, töffs, feuerwehr-, ambulanz-fahrezeuge mit blaulicht und sirenen die durch die fahrzeugfreien strassen sausen bezeugt die anerkennung der systemrelevanten jobs und deren engagement. und sie geniessen es, wann klatscht schon jemand wenn er sirenen hört, aber jetzt...
    wie es mit dem tourismus weitergeht? wird wahrscheinlich nichts mehr dieses jahr.
    vamos a ver. aber es fällt den spaniern schon schwer die sozialen kontakte auf der strasse nicht leben zu können. man winkt sich halt grad nur so von fenster zu fenster zu und überschwemmt whatsapp....

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(durch User zurückgezogen)

Ich muss ehrlich eingestehen, ich stecke die Situation nicht so gut weg, wie ich gerne hätte. Ich bin bei einer Spitex angestellt und arbeite täglich vor Ort mit der Risikogruppe. Ich pflege sie, bin für sie da, gehe für die Menschen in einer gefühlsmässig unendlichen Warteschlange einkaufen. Immer wieder fühle ich mich spätestens dann wie in einem schlechten Film. Die einen Kunden freuen sich mich zu sehen, weil ich ihr einziger Kontakt zur Aussenwelt bin. Die Anderen fürchten mich wie die Pest, weil ich die potenziell Ansteckende bin für sie. Mein Risiko, mich anzustecken ist enorm. Dabei mache ich mir weniger Sorgen um mich als um meine Menschen um mich herum. Sowohl um mein soziales Netz als auch um die Kunden. Das Resultat davon ist, dass ich als Single seit drei Wochen keinerlei Kontakt zu meinen nahen Menschen pflege ausser via Telefon oder Zoom. Ich fahre am Abend nach der Arbeit nach Hause und brauche viel Zeit, um mich vom Alltag zu lösen, mich auszubalancieren. Meine Copingstrategien sind eingeschränkt worden und machen meine herausfordernde Arbeit noch anstrengender. Ich frage mich, warum die Angestellten der Post eine Gefahrenzulage erhalten und andere Menschen, die an der Front arbeiten, nicht. Hier denke ich an alle, die in irgendeiner Weise "draussen" konfrontiert sind. Frau Sybille Forrer sagte im letzten Covid-19-Newsletter: "Wir müssen die Berufe, die unser Land jetzt am Laufen halten, dringend aufwerten. Aber das ist erst nach Corona. Jetzt überwinden wir die Trauerphase". Ich kann verstehen, dass jetzt ein schwieriger Zeitpunkt ist. Jedoch bezweifle ich, dass nach Corona wirklich angemessen entschädigt wird. Schnell gehen Dinge wieder "vergessen", wenn Krisen vorbei sind. Es gibt Menschen, die nicht trauern können, sondern weitermachen müssen.
Trotz meinen Bedenken bin ich natürlich privilegiert. Ich habe ein wunderschönes Zuhause, mir fehlt es an nichts ausser temporärem Menschenkontakt. Ich denke oft an die Menschen, denen es aktuell sehr schlecht geht und wünsche mir, dass wir als Gesellschaft zukünftig einen Weg finden, diese Menschen besser zu unterstützen.

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Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft!

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Es ist, als ob ich mich in der Fremde befinden würde. In einem fremden Land, in welchem ich mich auf eine unbekannte Situation einstellen muss.
Ich gehöre zu den Menschen, die täglich bis zu 11 Stunden arbeiten. Auch samstags und dann am Ostermontag. Nicht im Home Office, sondern in der „Produktionsstrasse“ zur Bearbeitung von tausenden von Anträgen für Kurzarbeitsentschädigung. Innerhalb weniger Tage musste ich komplett neue Skills lernen und täglich gibt es neue Informationen. Daten, Datenbanken, Firmen, Existenzen, Menschen. Manchmal fühle ich mich als Heldin, dann wieder wie eine Ameise vor einem riesigen Berg. Ich funktioniere.
Jeden Morgen verlasse ich das Haus. Tränen laufen. Klarer Himmel, reine Luft, Vögel zwitschern. Ein, zwei ältere Menschen ziehen verstohlen ihr Einkaufswägelchen und senken den Blick. Ein Lächeln, ein Gruss an die Bauarbeiter, die gerade auf der Baustelle eintreffen. Solidarität, Verbundenheit mit den Menschen, die auch noch „normal“ arbeiten. Manchmal bin ich neidisch auf die „Home-Officler“. Dann wieder bin ich froh, die „Lizenz zum Rausgehen“ zu haben.
Im Grossraumbüro wurde Abstand geschaffen. Ich erlebe Hilfsbereitschaft, Toleranz und Echtheit. Manchmal lässt jemand seinen Emotionen freien Lauf. Das ist in Ordnung so für alle. Aber es gibt kein böses Wort, keine Streitereien. Man hilft sich gegenseitig. Alle erleben Momente der Überforderung. Das ist in Ordnung. Immer wieder freundliche, aufmunternde Worte. Es ist gerade schön zu helfen, aber auch anstrengend.
Das Single-Sein fühlt sich anders an, also sonst. Manchmal beneide ich die Pärchen und Familien, die jetzt immer zusammen sind – dann wieder höre ich von Freunden, wie das Zusammensein unter einer enormen Belastungsprobe steht.
Ich geniesse es, nach dem wirren Arbeitstag alleine mein Süppchen zu kochen und feine Musik zu hören. Ruhe tut gut. Und die Natur, Pflanzen und Tiere, die ich viel genauer sehe, als auch schon.
Heute Morgen dankbar mit einer Freundin 2 Stunden Cello gespielt. Auf 2 Meter Distanz. Unvergesslich. Ich hätte sie gerne umarmt.

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Sehr schön geschrieben, danke und viel Kraft für die nächsten Wochen

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Danke Simone, dir auch!

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L. D.
gastfreundlich
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Vor einiger Zeit bin ich, einem recht spontanen Impuls folgend, an den südlichsten Zipfel unserer schönen Schweiz gezogen. Eher zufällig hat mich da ein uraltes Haus, früher wohl von Kleinbauern bewohnt, gefunden. Im kleinen Dorf, das noch heute aussieht wie schon vor Jahrhunderten, ist alles zusammengebaut. Ein Hof grenzt unmittelbar an den nächsten, Mauer an Mauer, Wand an Wand. Es gibt auch bauliche Details, die wohl darauf hinweisen, wieso damals so eng gebaut wurde: Bedrohung, durch wen auch immer. Andere Bauzeugen wiederum dürften mit grosser Wahrscheinlichkeit der Erfahrung mit Seuchen geschuldet sein, kleine Maueröffnungen von Hof zu Hof oder geschlossene Überbrückungen schmaler Gassen, um von Haus zu Haus zu gelangen ohne einen Fuss auf die Strasse zu setzen. Pest? Nun, die Dorfkirche ist selbstverständlich auf San Rocco geweiht, der Heilige, der nie heilig gesprochen wurde aber omnipräsent ist, «zuständig» für Seuchen und dergleichen. Still ist es hier, so still, dass man die alltäglichen Geräusche von Nachbarn mitbekommt, jederzeit, Wand an Wand. Fast wie in einer typischen Zürcher Blockwohnung, von wo ich kam. Jetzt ist es aber noch stiller… und der Himmel blauer. Ja klar, die Flugzeuge fehlen!

Eigentlich besteht mein Haus aus zwei Teilen, einer etwas grösser, im kleineren hat’s zwei Kammern plus eigenes Bad: ideal für Gäste, Freunde und Bekannte aus der Restschweiz oder von weiter. Wer zu Besuch kommt, fährt selten am selben Tag zurück. Derzeit lebt da ein Flüchtling, quasi ein Flüchtling. Ok, man kennt sich schon länger, bald 20 Jahre. Franzose, unkompliziert, in Zürich wissenschaftlich tätig, ein stiller Zeitgenosse. Problem: Als jüngst Macron (s)eine ganze Nation innert 24 Stunden stilllegte, war er grad in dringlicher Angelegenheit in Südfrankreich, seiner Heimat. Und was dann folgte, war blanker Horror für ihn, eine eigentliche Flucht zurück in die Schweiz. Schliesslich fühlte er sich dem Arbeitgeber verpflichtet. Aber auch da hatte sich der Alltag schon verändert, man sprach nur noch von Home Office.

Dass er bei mir gelandet ist, bringt mir einen schönen Vorteil, denn eigentlich darf nicht mehr einkaufen gehen (sie wissen schon, die Tessiner Regierung hat anders als der Bundesrat… bla bla). Uh, die Bevölkerung hier ist in vielen Dingen recht anders als ihr Ruf, man nimmt’s genau und leistet Folge. Kein Problem mehr, hab ich nun einen Majordomus, noch deutlich unter dieser ominösen Schwelle von 65 Jahren. Da der nächste Laden im Nachbardorf liegt, ist Auto und Arbeitsteilung angesagt: Ich fahre, er postet. Kaum zu Hause, wäscht jeder brav die Hände und desinfiziert ebenso gründlich Rachen und Kehle, mit Grappa. Anschliessend verschwindet jeder wieder je ins Home Office. Ab und an liegt natürlich auch eine kleine Wanderung drin, die Natur ruft, die Wälder sind gross und steil, man trifft kaum jemanden. Zurück zu Hause, gibt’s wieder gründliches Händewaschen und Desinfektion.

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Das kann nur das Muggio-Tal sein. Ich beneide Sie.
Vor Jahren habe ich am Waldrand gegenüber des einstigen Hauptortes einen mexikanischen Architekturstudenten aufgelesen, der sich auf dem Weg nach Mendrisio verirrt hatte...

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L. D.
gastfreundlich
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Danke fürs Lesen (geriet ein bisschen gar lang) und für die Verortung… Nein, nicht im Valle di Muggio, einer weiteren Perle, sondern grad am gegenüberliegenden Rand des grossen Beckens, das man Mendrisiotto nennt und das man auf der Durchreise in aller Regel als übel überbaute Landschaft wahrnimmt. Zum Glück gibts diese Ränder noch, Randregionen eben. Mein Dörfchen liegt also am Abhang des Monte San Giorgio, einigen vielleicht als Saurierberg oder Fossiliennest bekannt.
Gestern hab ich hier folgende Szene beobachtet: Zwei Polizisten durchqueren das quasi ausgestorbene Dorf auf ihren Motorrädern, stoppen zwei Architekturstudenten, die in leichter sportlicher Bekleidung, mit Schirmmütze und Rucksack in Gegenrichtung daherkamen: Was ihnen denn einfalle, wohin des Weges, wieso sie nicht zu Hause seien? Ecco, der verlängerte Arm jener Kantonsregierung, die sich anmasst, sämtliche «Ü65» vom Einkauf lebensnotwendiger Güter auszuschliessen! Schon seit dem Lockdown in Italien liebt es die Tessiner Polizei, an jeder möglichen und unmöglichen Stelle zu kontrollieren. Zuerst wie ein verlängerter Arm des italienischen Staates, kontrollierten sie doch tatsächlich sämtliche Wagen mit italienischen Schildern, ob ein legaler Grund fürs Unterwegssein vorliegt. Mit der Ausrufung der «ausserordentlichen Lage» in der Schweiz begann dann die Überwachung von jedermann und jedefrau, permanent und an allen möglichen und unmöglichen Orten: Woher? Wohin?

Und es scheint leider, dass die Tessiner Bevölkerung grossmehrheitlich dazu übergegangen ist, diese Selbstherrlichkeit staatlicher Autorität – auf Italienisch: la prepotenza –, dieses vorgelebte Misstrauen zu verinnerlichen. Nun, wo viel Sonne, da auch viel Schatten!

Vielleicht vermag dies Ihren Neid etwas zu relativieren?

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M. G.
Die Unabhängige
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· editiert

Version A: Ich sehe die Krise als Chance für echte Gleichstellung.
Version B: Ich sehe die Krise als Rückschritt ins Patriarchat.

Ich will Version A!

Für Unternehmen mit Angestellten, die nicht Konkurs machen, aber negativ betroffen sind: Es soll das GANZE Know-how bewart werden!
Statt jetzt Teilzeitstellen zu streichen (was hauptsächlich Berufsfrauen treffen würde) und wervolles Know-how zu verlieren, sollten Vollzeitstellen reduziert werden. Wer auf das alleinige Haupternährer-Modell gesetzt hat, sollte mit einem Überbrückungs-Fond entlastet werden.

Es darf nicht sein, dass jetzt fähige Berufsfrauen die Kündigung erhalten, weil ihr Kollege auf das Haupternährer-Modell gesetzt hat. (Die Geschichte zeigt, dass das bisher der Fall war in Krisenzeiten).

Teilzeit für ALLE = Arbeit für ALLE.

Zahlen vom Bundesamt für Statistik:
...Zurzeit gehen 6 von 10 erwerbstätigen Frauen, aber nur 1,8 von 10 Männern, einer Teilzeitarbeit nach. Die Teilzeitarbeit ist somit ein typisches Merkmal der weiblichen Erwerbsarbeit...

Meine Angst ist, dass wir uns zwar für gleichgestellt halten, uns dann aber doch verhalten, als würde noch das Patriarchat vorherrschen – und stillschweigend akzeptieren, dass nun halt die berufstätige Frau/Mutter die Stelle verliert.

Ich finde, das können wir besser!

Jeder Mensch soll ein eigenes Einkommen generieren. Nur so können wir gesunde Beziehungen leben. Und noch dazu sicherstellen, dass die Wirtschaft nicht unnötiG. K.now-how verliert.

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Billo Heinzpeter Studer
Präsident fair-fish international
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Was mir an mir selber auffällt und was ich bestätigt finde im Austausch mit Kolleg/innen, die wie ich intellektuelles Arbeiten im home office und häufiges berufliches Austauschen über E-Mail, Skype usw. seit Jahren gewohnt sind: Es ist eine grosse Müdigkeit über mich gekommen, vielleicht besser: eine Entzauberung.
Ich ertappe mich nicht mehr nur dabei, wie es vor zwei Monaten war, als ich an wer weiss was erkrankte, avant la lettre sozusagen, nein, ich mach es bewusst, gar mit Absicht: Dinge auf morgen verschieben, die ich normalerweise auch noch erledigt hätte vor dem Feierabend (Feierlangnachmitternacht, um genau zu sein), und morgen nochmals, und so eine Woche lang oder zwei, ohne einen Anflug von Gewissensbissen. Und was ich tu, mach ich langsamer als gewohnt, nicht nachlässig, nein, mit voller Konzentration und liebevoll wie gewohnt; aber dann ist es gut, es reicht.
Will it still bother me when I'm 84? hab ich mich früher manchmal selbstironisch gefragt, wenn eine Aufgabe erledigt war, die mir im Vergleich zu deren Bedeutung viel Zeit und Energie geraubt hatte. Das ist jetzt immerhin noch elf Jahre hin; aber unversehens frag ich mich das mich nicht mehr, ich weiss es: Das hier ist jetzt nicht entscheidend, ich kann es irgendwann tun, wenn es sich bis dahin nicht von selbst erledigt, und wird mir einst nur noch das Rückblicken bleiben, würd ich mich ärgern, ihm so viel dringliche Bedeutung gegeben zu haben.
Umgekehrt tu ich jetzt öfter Dinge, für die ich nie Zeit hatte, nie die Energie aufbrachte, ja: ich widme mich ihnen in einer Intensität, die alles andere für Stunden, Tage gar ausblendet, so, wie ich das bisher an mir selber nur aus meiner beruflichen Arbeit kannte. Endlich mein Testament neu aufsetzen, etwa, die Stunde nehm ich mir jetzt einfach, ist ja wenig zu verteilen. Zwei ganze Tage war ich damit ausgelastet, mich prüfend, meine Zeilen, mir viele Pausen gönnend, die Verfremdung durch allerlei Besorgungen im Haus geniessend, kochen, putzen, den Pflanzen beim Wachsen zusehen, mit den Katzen reden, Abfall raustragen…
Und so, durch viele Anderszeiten aufgelockert, bin ich seit Wochen an der Arbeit. Sass ich früher halbe Tage lang am Computer, vollkommen konzentriert darauf, eine Aufgabe nach der andern zu lösen, spür ich jetzt nach einer Erledigung schon Müdigkeit und die Lust auf eine Pause. Ja: Lust. Was kümmert es mich, wenn der Rest liegenbleibt?
Ich könnte mich antreiben, dranzubleiben, ich kann das, ich hab es jahrzehntelang gemacht, es ist weniger eine physische Erschöpfung als eine Stimmung, die mich innehalten lässt, so, als würde mich Privilegierten, der nicht mehr für Geld arbeiten oder sich um Kinder kümmern muss, etwas bremsen, das in der Luft liegt, was die meisten Menschen wohl viel mehr betrifft und bedrückt und ungewiss sein lässt.
Du erlebst eine Entschleunigung, meint eine Kollegin. Nein, denk ich, das trifft es nicht genau, es ist mehr als das; nur was?

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Billo Heinzpeter Studer
Präsident fair-fish international
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Vielleicht dies: Selbst in der relativen physischen Isoliertheit, in die ich mich vor sieben Jahren fern meiner früheren Umwelt begeben habe, verbunden mit alten und neuen Freunden vor allem virtuell und in der neuen, anderssprachigen Umwelt am Meer eher oberflächlich vernetzt, bin ich ein kleines kommunizierenden Teilchen von etwas, was derzeit ein «kollektives Bewusstsein» in vielen von uns berührt.

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B. G.
Köchin
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ich melde mich nochmals mit einer no go Einstellung aller Online-Dienstleistungs-BenützerInnen. Wieso wollt ihr die Yoga-Stunde, und weitere Services jetzt billiger haben, weil sie Online sind? Hä? Alle eure DienstleisterInnen zahlen Miete etc. Was ist das für eine Haltung? Ich bin entsetzt. Ich abonniere NIX und kaufe NIX was mir jetzt billiger angeboten wird, weil ich den Preis bezahle, der gerecht ist. Die Anpreisungen waren schon vorher unter der Gürtelinie. Alors, jetzt fair sein, auch online; ist ja nur eine Mitteilungsform: Mietkosten, Personalkosten, Versicherungsbeiträge etc.laufen für unsere geschätzten Partnerinnen und Partner weiter.
Nöd schmörzele, auf dieser Plattform kann ich an euer Solidaritäts und Realitätsbewusstsein appellieren. Buona Pasqua, und gerne zitiere ich Beat Gloor:
aus seinem Buch: Die Tage gehen vorüber und klopfen mir nur noch nachlässig auf die Schulter:
gott
ist
bloss
neu
gierg
wie
viel
wir
aus
halten

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D. D.
Kritische leserin
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Ich staune darüber wie alle das gleiche schreiben. Es gibt wohl nur noch corona. Keine kinder die täglich verhungern, tiermasten, kinderarbeit...nur corona der virus. Ich bin seit anfang an bei republik dabei, doch ich glaube, das abo werde ich nicht verlängern. Ja ich geniesse die zeit ohne flieger am himmel, wenig verkehr etc. aber ich gehe nicht mehr gerne einkaufen, diese angst 2 m näher zu kommen, das misstrauen der mitmenschen, keine kinder mehr im migros, coop...grauenhaft.
Mein iq reicht wohl nicht aus um die gefahr zu sehen. Jeder steigt ins auto, obwohl er weiss unfälle passieren, lungenkranke wegen den abgasen, skifahren obwohl es lawinen gibt...nein das sterben gehört zum leben und ich sterbe lieber in freiheit als isoliert 100 jahre alt zu werden. Ja ich bin mitglied bei exit und habe mich mit dem thema sterben befasst. Stellt euch vor wir müssten ewig leben! Ich geniesse die zeit mit meiner familie und enkel und finde es beängstigend welche macht der staat hat. Vertraut der natur und vergeudet nicht eure zeit mit furcht.

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L. D.
gastfreundlich
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Schön sind Sie von Anfang an bei Republik dabei, das spricht eigentlich auch für Ihren IQ. Dass Sie staunen, dass "alle das gleiche schreiben", das versteh ich nicht ganz, ist m. E. doch dies die Fragestellung: «Bald einen Monat Lockdown light, wie geht es Ihnen?». Noch weniger verstehe ich, was das mit einem allfälligen Verlängern oder Nichtverlängern des Abos zu tun hat. Wie Christof Moser schreibt, gibts bei Republik viel Anderes zu lesen, Tomas Bächli am Flügel oder Reporter aus Äthiopien zu hören oder … Aber ein Abo künden, weil hier "alle das gleiche schreiben", das ist doch irgendwie absurd, nicht wahr?

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B. G.
Köchin
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im Ernst: jetzt kündigen Menschen das Abo? Dasselbe ist nie das gleiche. Wir sind doch auf dieser Plattform ein bisschen differenzierter? Oder nöd?

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Christof Moser
Chefredaktion
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Vielen herzlichen Dank für Ihre Perspektive, Frau D. An Ihrem IQ kann es kaum liegen. Autounfälle passieren, da haben Sie recht – aber halt nicht alle auf einmal in grosser Zahl am gleichen Ort. Ebenso die Tausenden Skiunfälle – verteilt auf die ganzen Alpen. Bald ist die akute Gefahr des Virus für das Gesundheitssystem vorerst gebannt, Sie werden kaum 100 Jahre isoliert sein müssen, am 26.4. gehts laut Regierung mit ersten Lockerungen los. Können Sie mehr über das beängstigende Gefühl dem Staat gegenüber erzählen? Zuletzt noch eine Bemerkung zum Programm der Republik: Wir haben heute gerade einen Recherche-Schwerpunkt zu Eritrea und der Schweizer Asylpolitik gestartet, nix Corona, aber auch nix für Sie? Herzliche Grüsse aus der Redaktion.

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Wir haben uns eigentlich gut arrangiert, die Kinder im Primarschulalter geniessen den freieren Alltag ohne feste Termine.

Mir macht aber Mühe, dass ich kaum alleine bin, die Kinder immer daheim oder zumindest in der Nähe vor dem Haus... Vor allem der Kleinere braucht viel Unterstützung beim Homeschooling und in der Summe haben sie pro Tag 106 verschiedene Bedürfnisse und Probleme, die nach Erfüllung und Lösung verlangen. Ich möchte auch, dass sie der Verlockung von viiiel gamen und TV widerstehen - das verlangt enorm Durchsetzungsvermögen und Konsequenz. Gleichzeitig sollte ich mein 60% Pensum als Sek II Lehrerin online gestalten...
Bref, fühle mich etwas ausgebrannt und sehne mich nach Ruhe und alleine sein!

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Christof Moser
Chefredaktion
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Danke für Ihre Geschichte, Frau Grimm. Wenn ich fragen darf: Gab es Rituale des Alleinseins in Ihrem Alltag?

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Hm, Rituale ist vielleicht viel gesagt. Normalerweise erlaubt es der ziemlich lange Arbeitsweg per Velo, den Kopf zu lüften. Ab und zu gehe ich schwimmen und an gewissen Vormittagen bin ich alleine zuhause und kann ungestört und konzentriert meinen Unterricht vorbereiten. Wenn Schule und Hobbies wegfallen, sind die Kinder halt einfach VIEL präsenter und nehmen VIEL Raum ein. Aber es ergeben sich natürlich auch viele schöne Seiten und Möglichkeiten daraus, das möchte ich doch auch noch festhalten.

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das leben scheint normal, die sonne scheint, die vögel zwitschern und die erde dreht sich.
und trotzdem ist gerade alles anders. ich sitze hier in meinem zimmer, von welchem man nicht behaupten kann es sei klein, mit vielen ungelesenen büchern, die nur darauf warten verschlungen zu werden, mit pflanzen, die sich in der sonne aalen und vielen kleinen gegenständen, die glückliche aber auch traurige geschichten erzählen. und während ich alles so beobachte frage ich mich, was ich denn noch zusätzlich gebrauchen könnte? einen neuen topf für meine monstera, da sie nur so vor sich hin sprudelt, ganz allgemein mehr pflanzen, auch für den balkon, eine neue lampe über dem esstisch, mehr kochtöpfe, mehr tassen und – ganz wichtig, mehr wein.
die sonne macht den tag erträglicher. meine playlist und das ewig gleiche bob dylan lied, welches von meinem mitbewohner fleissig auf der gitarre geübt wird, machen die stille erträglicher. meine kleine schatztruhe namens pilar und ihre liebevollen umarmungen sind da. sie erleichtern meine chaotischen gedanken vor der unvorhersehbaren zukunft. wenn das alles vorbei ist und das wird es irgendwann, will ich bei meinen grosseltern auf der terrasse sitzen und ihren geschichten von damals lauschen. ich will mit meiner mutter gemeinsam kochen, vielleicht endlich etwas, das wir beide mögen, ich will mit meinem vater im wald spazieren gehen, und ich will, dass er mir von seinen erlebnissen erzählt. Ich will mit meinen brüdern in der sonne ein bier trinken und über gott und die welt sprechen. ich will von ihren sorgen und von ihren liebsten hören. ich will mit meiner besten freundin in einem kaffee sitzen und über alte und neue zeiten lachen. leute beobachten und einfach nur die zeit neben ihr geniessen. ich will mit all meinen freunden tanzen gehen, ich will alle umarmen. ich will mit fremden feiern, barfuss am stand gehen, von kunst umgeben sein, auf konzerten ganz vorne stehen, ohne handy. ich will meine liebsten umarmen und ihre hände halten, wenn sie weinen. ich will noch mehr lieben und lieben lassen. ich will neben jemandem einschlafen und aufwachen. viel lachen und noch mehr küssen. und ich will wieder irgendwo ans wasser. dem meer lauschen und den sand auf der haut spüren. klingt nach vielen wünschen, es geht aber eigentlich nur um eins: liebe.
und die erde dreht sich weiter. vielleicht lässt sie uns aber endlich wahrnehmen, was wir viel zu lange schon vergessen haben. denn auf einmal spielen die hundert likes auf instagram keine rolle mehr, oder wieviele länder wir bereits besucht haben, oder eben noch nicht, ob wir gay, hetero, queer, oder was auch immer sind, an was wir glauben oder eben nicht glauben und welche dämlichen schuhe wir uns als nächstes kaufen. in seneca’s worten: wie sterbliche fürchten wir alles, wie unsterbliche begehren wir alles. endlich ist gerade alles anders.

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B. G.
Köchin
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Michelle von mir ein Like auf diesem Wege.

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B. G.
Köchin
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gestern habe ich eine Liste gemacht von : meinem Frisör, meiner Kosmetikerin, meiner Rolfingtherapeutin und anderen Menschen, die mich regelmässig verwöhnen mit ihrem tollen Service. Heute habe ich sie angerufen und sie gefragt:
soll ich ein Abo bei dir lösen? Für später? Sie haben sich sehr über meine Nachfrage gefreut. Ich bestelle meine Lebensmittel zum Teil über grassrooted-grundversorgig.
In der Nähe gibt es einen mittelgrossen COOP, da werden die Sicherheitsmassnahmen sehr genau eingehalten. Im Gegensatz zur grossen Migros (Brunau) da tummeln sich unzählige Leute ohne Abstand; Hauptsache Umsatz ist die Devise. Mein Tag ist strukturiert: Am Morgen ganz früh gehe ich auf einen zügigen Spaziergang; nehme das Theraband für alle möglichen Kräftigungsübungen mit, und auf einem Steintisch mache ich pushups und Liegestützen. Echli hart aber an der frischen Luft. Jeden zweiten Tag eine angeleitete Yogastunde über Zoom oder Whatsapp. Den Frühlingsputz habe ich dermassen ausgedehnt, ich bin frühestens Ende Juni fertig. Mir fehlt mein regelmässiges Schwimmtraining, meine Badewanne ist definitiv zu kurz. Gute Musik, gute Lektüre und ab und an ein Schwatz mit Freundinnen und Freunden. Voilà mon programme. Ich wünsche euch allen: blibed gsund und gnüssed so guets ghat dä Fruelig.

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Ich laufe mehr, ich lache viel, ich geniesse alles, was vorher so selbstverständlich war, ich habe Zeit und kein schlechtes Gewissen, wenn ich rumhänge - und ich mache mir Sorgen, wie es denen geht, die die volle Wucht der Schattenseiten spüren.

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Vielen Dank für Ihre Perspektive. Kleine Vorschau : Wir haben eine grosse Reportage in Arbeit zu der Frage, wie Corona die schwächsten in unserer Gesellschaft trifft.

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B. G.
Köchin
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Dann bitte auch alle unsere Möglichkeiten angeben, wie wir unterstützend sein können.

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Wie haben Sie sich mit der Situation arrangiert?
Mein Arbeitgeber hat Kurzarbeit beantragt. Ich arbeite jetzt 80%. Ausserdem fast durchgehend im Home Office. Dank Corona dürfen wir das jetzt immer machen, zuvor höchstens 1 Tag pro Woche.

Was macht Ihnen Mühe? Sorgen? Angst?
Andere sind in einer schwierigeren Lage. Coiffeure, Barkeeper etc. Wenn die Krise länger dauert, wird der Staat nicht alle unterstützen wollen/können. Was passiert dann?

Was haben Sie schätzen gelernt?
Dank Home Office schlafe Ich jetzt mehr. Ich gehe mehr Joggen, dafür weniger ins Fitnesstudio. Sonst hat sich (noch) nicht viel geändert, da ich schon zuvor auf das Fliegen verzichtet hatte und viel nach Hause liefern liess.

Welche Rituale haben Sie aufgeben müssen, welche neuen geschaffen?
2 mal die Woche Joggen statt Fitness. Ausserdem gehe Ich an Wochenenden nicht mehr aus, dadurch hat sich mein Alkoholkonsum deutlich reduziert. Dafür gibt's ab und zu ein Glas Rotwein am Abend bei einer Videokonferenz.

Sind Sie bereits an dem Punkt, an dem sich in Ihnen Bockigkeit und Widerspruchs­geist gegen den Lockdown regt?
Nur kurz. Ich sehe viele Freunde jetzt online, dadurch hat sich alles normalisiert.

Brauchten Sie Hilfe, und haben Sie welche gefunden?
Nein.

Meine Hoffnung für die Zukunft ist, dass die Flieger am Boden bleiben und die Kreuzfahrtschiffe in den Häfen.

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Persönlich hab ich mit dem Lock down keine Probleme. Ich fühl mich privilegiert ein sicheres Dach über dem Kopf, ja sogar einen Garten, und Freunde zu haben, mit denen ich auch online kommunizieren kann. Aber was die Zukunft anbetrifft gehe ich durch ziemliche Wechselbäder zwischen hoffungsvollem Optimismus auf alles was sich nun ändern kann, und Befürchtungen ab der die Gesellschaft spaltenden Tendenzen, die sich bereits wieder am Horizont abzeichnen: Einerseits die vermehrte wunderbare Hilfsbereitschaft gegenüber allen im näheren Umfeld, andrerseits die breite Gleichgültigkeit denjenigen gegenüber, die sich ausserhalb davon befinden, und z.B. nur 2000 km von hier durch die Hölle gehen. Dass die Schweiz mit all den Massnahmen zu der sie wegen Corona in der Lage war, dann wegen Corona nicht mehr in der Lage war, die paar Kinder aus den Flüchtlingslagern in Griechenland aufzunehmen, und eine breite Bevölkerung dies völlig ok findet, beelendet mich und lässt meinen Optimismus sogleich wieder schwinden. Die Forderungen, die Wirtschaft möglichst schnell wieder raufzufahren auf Kosten der Solidarität mit den gefährdeteren Gruppen, die Tendenz der Ausgrenzung aller, die nicht in's Geschäftsmodell passen, sind mir unheimlich und besorgen mich. Die Frage was da noch kommen mag und wie dem zu begegnen sei, beschäftigt mich zu dieser Zeit am allermeisten.

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B. M. C.
Künstlerin, Verlegerin
·

Wie haben Sie sich mit der Situation arrangiert?
Ich arbeite konzentriert im Atelier, da hat sich nichts geändert. Ich verfolge gespannt die steigende Kreativität einzelner Initiativen und Innovationen in allen Bereichenunserer Gesellschaft. Ansonsten versuche ich vorerst, ohne Dauermeckern die Landesregierung handeln zu lassen.

Was macht Ihnen Mühe? Sorgen? Angst?
Mühe: Die Schliessung von Kunsträumen und Schumachereien.
Sorgen: Wegen einer lauten Minderheit der Gesellschaft, die sich in ihren pubertären Reflexen gegen Einschränkungen ergeht.
Angst: Vor der Anmassung von Staatspräsidenten wie Trump, Johnson, Orban etc. , die unverantwortlich agieren.

Was haben Sie schätzen gelernt?
Die Stille, die fehlende Konsumhetze, die saubere Luft, der sorgsame Umgang mit den Leuten auf der Strasse, das eigenartige MIteinandergefühl bei Streamingdiensten von Arthouse-Kinos, und etwas sehr überraschendes: ein unbestimmtes Gefühl an der Seepromenade, dass eingewanderte Menschen sich jetzt zugehöriger fühlen, vielleicht weil das Schliessen der Grenzen ihnen bedeutet, dass dies auch ihre Grenzen sind?

Rituale aufgegeben: Milch kaufen gehen als kleine Arbeitsunterbrechung
Rituale geschaffen: täglich im See baden

Bockigkeit und Widerspruchs­geist waren schon immer da und haben nichts mit den derzeitig vernünftigen Einschränkungen zu tun.

Brauchten Sie Hilfe, und haben Sie welche gefunden?
Ja, mein Zahnarzt hat mir Eiter aus der Backe geholt, ohne Coronahysterie.

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Nachdem die Grippe- und Erkältungssaison ebenso abrupt zusammenbrach wie die Skisaison,
und gefühlt sooo Viele den fehlenden Zeitverrbrauch der Arbeitswege durch Aufenthalt im Wald, Fitness aller Art, verbesserte Ernährung, Entschleunigung,
kurz: quality time für sich und ihre Aller-Nächsten,
ersetzen
frage ich mich wie man 2021 den durchschnittlichen Gesundheitszustand meiner Mitmenschen in diesen Monaten einschätzen wird. Was war mit Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, Übergewicht? Was mit Verkehrsunfällen? und ja, was mit allen Atemwegserkrankungen ausser dieser einen?
Ich halte es für möglich, dass meine Mitmenschen 2021 im Durchschnitt entspannter, fokussierter und gesünder sein werden. Es sind dermassen spannende Zeiten!!! Und das ist jetzt kein Fluch.

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Toni & Inge Bucher Müller
Rentner macht Pause
·

➡ Das habe ich schätzen gelernt: Neben den zahlreichen Nachbarschaftshilfen und unermesslichen Angebot an ausgezeichneten Sendungen im Radio und Fernsehen von SRF sowie neben vielen Büchern auf dem Tisch auch das Verweilen in meinem «digitalen Sandkasten» https://tnb.photo.blog/
➡ Das macht mir Mühe: Die Kommunikation mit unseren Kindern und Enkeln findet wohl technisch statt, jedoch vermisse ich den Händedruck und die Umarmungen.
➡ Welche neuen Rituale habe ich: Neben @homeOffice für www.innovage.ch die Turn- und Entspannungsstunde zu Zweit vor dem FERNseher mit https://www.tele1.ch/sendungen/49/a…e#536560_1 .

Übrigens: Am Sonntagmorgen war ich beinahe alleine in Luzern https://flic.kr/p/2iM8PhH joggend auf Fotopirsch und das hat auch gut getan.

Ich wünsche allen, die diese Zeilen lesen eine gute Zeit 👉‪ Bleibt gesund, kritisch und gemeinsam zuversichtlich. 👈 und grüsse aus BALKONIEN, Toni N. Bucher

NB: Gut und bequem wäre es, wenn der unermessliche «Müll im Internet» ebenso wie unser Hausmüll in unserer Strasse 2x wöchentlich fachmännisch entsorgt bzw. rezykliert würde.

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Toni & Inge Bucher Müller
Rentner macht Pause
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Nachtrag: Pech, wenn das Glück vor der Türe steht und du öffnest die Türe nicht.
Ich wünsche allen viele Glücksmomente, Toni
↘️
https://tnb.photo.blog/2020/04/18/2…-lockdown/

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Wir arbeiten alle entweder nicht mehr (Ausübung des Berufs vorübergehend verboten) oder von zu Hause, sind viel draussen auf der Terasse vis-à-vis und gehen sicher einmal im Tag eine Runde rennen. Im Moment entstehen viele neue Ideen und Projekte, am Wochenende waren wir beim #versusvirus Hackathon dabei. Was mir Sorgen macht sind die ersten Nachrichten von Freunden, die in einer Favela in São Paulo leben. Sie berichten, dass der Hunger die Familien vor dem Virus erreicht hat und sie haben nun eine Kampagne gestartet, um eine Art privat finanziertes Grundeinkommen für die nächsten Wochen auf die Beine zu stellen. Eine Idee, die wir gerne unterstützen und in adaptierter Form vielleicht auch für andere Menschen anwenden könnten, die in dieser Krise als Erste an die Grenzen kommen. https://benfeitoria.com/faveladapaz2020
Das sind meine Gedanken dieser Tage: Wie können wir diese Krise und ihre Folgen solidarisch bewältigen? Wie können wir jetzt schon mit dem Aufbau von regenerativen Strukturen beginnen? Wie verändere ich und mein nächstes Umfeld gerade? Was ist jetzt sinnvoll?

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Christof Moser
Chefredaktion
·

Sehr wichtige Fragen, Frau C., danke, dass Sie Ihre Sicht und auch die Informationen aus Brasilien geteilt haben.

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Langsam sind wir angekommen...
Wir mussten für unsere Verhältnisse ein „once in a live time“ Projekt - 5 Monate durch Europa mit dem Camperbus - leider nach nur 2 Wochen abbrechen, und sind nun in einer leeren Wohnung untergekommen, da unsere Wohnung untervermietet ist.

Da wir hier einen Garten haben - hatten wir eigentlich Glück im Unglück, denn zu Hause in Zürich hätten wir den Luxus nicht und müssten mit unserem Kind so wie die meisten Eltern entweder auf dem Balkon ausharren oder auf dem Spielplatz mit Anderen Physical Distancing üben.

Wir probieren uns an die Situation anzupassen und schauen dass wir wieder Arbeit finden, was für uns zum Glück nicht so schwer sein sollte da wir beide in der IT arbeiten.

Aber ja die sozialen Kontakte fehlen uns und wir haben uns fest vorgenommen unser „Once in a live time“ Projekt irgendwann nachzuholen.

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Heute war Tag 15 / Kurzarbeit 100% für
meine Person.

Was besorgt mich?
Das ich eventuell meine Anstellung verlieren könnte, da mein Arbeitgeber keinerlei Umsätze erzielen kann aufgrund Outdoor Reisen Fachhandel Status. Die Einbussen sind drastisch, eventuell kurzfristig durch die SECO Kredite aufgefangen, der Umsatz & Margen dieser Zeitspanne sind verloren. Und wird jeder unserer Kunden bei Erlaubnis zur Öffnung der Läden direkt zu uns kommen und einkaufen? Sich direkt in die Menschenmassen zb. ZH oder BE stürzen. Sich dort wohlfühlen? Ich selbst werde dieses Wohlgefühl dabei noch lange vermissen.

Der Tag ist strikt organisiert, 7.30h aufstehen (was für mich schon spät ist zum Vergleich der Normalität), diverse Hausarbeiten, mit meiner Tochter den Fernunterricht begleiten, Hausaufgaben erledigen. ZmittaG. K.ochen (immer feine Sachen) und diese entspannt gemiessen. Ja und dann täglich Sport mit ca. 2h um fit und auch ausgeglichen zu sein.

Abends Apéro auf dem Balkon mit Facetime inkl. Freundin, welche in BE lebt und im HO arbeitet. Sie sehe ich weniger, dass ist eine harte Nuss für Sie & mich.

Generell bin ich zufrieden, hoffe auf einen starken toughen Bundesrat, damit wir keine zweite Welle erhalten, denn dann wird es wirklich schwer und mühsam.

Den gebuchten Sommer Urlaub Juli sehe ich als erledigt an, da bin ich entspannt und wir haben auf 2021 mit dem Vermieter verschoben.

Achja, mein Gitarren Spiel entwickelt sich positiv, so viel Lust und Zeit zum spielen ist fast schon peinlich.

Danke, dass ich in der Schweiz lebe, mehr Dankbarkeit heute dafür.

Alles Liebe, wir packen es!

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Ich lebe weiterhin idyllisch, sitze vor meinem Haus in der Wiese und schaue auf mein Dorf hinunter. Das Neue sind die fehlenden Flugzeuge am Himmel, die vor der Krise immer da waren. Und die wenigeren Züge, die eher leer verkehren. Die Vögel zwitschern, wie jeden Frühling und bald wird wieder der Kuckuck rufen.
Es brauchte ein tödliches Mittel, um die Welt etwas zu entschleunigen, um den masslosen Konsum etwas zu bremsen. Ich bin gespannt, ob die Leute entdecken, dass sie mehr sind wie nur Konsumenten und produktive Arbeitskraft für Gewinnsteigerungen der Wirtschaft.

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A. Z.
System Engineer
·
· editiert

Ich gehe immer noch Arbeiten von dem her ist meine Situation etwas eine andere.
Ich muss sagen, mir geht es sehr gut.
Ich geniese die Ruhe und habe auch mehr als genug zu tun in der Freizeit.
Am Wochenende habe ich alleine eine kleine Wanderung (10km) ums Dorf gemacht und sehr genossen.
Sicher vermisse ich Freunde und Familie aber irgendwie ist die Situation für mich auch herrlich entspannt.
Zwischdurch trifft man sich mal mit Kollegen zum virtuellen Pub was mir auch erstaunlich viel Spass macht und man muss dafür nicht einmal in eine laute Bar :).
Ich hoffe das wir keine Ausgangssperre erhalten aber mit dem Rest kann ich bis jetzt ganz gut umgehen, ich glaube ich habe gerade wieder endeckt das ich doch eigentlich auch gut alleine sein kann.

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In meiner Werkstatt baue ich im Puppenhausformat eine Theaterbühne. Dort setze ich meine Gedanken und Beobachtungen in Szene. Aus der Analogie-Zeit gerettete Filmrollen stellen als Figurinen dar, was zwischen meinen notierten Zeilen steht. Beleuchtung und Bühnenbild sind variabel. Auf der Bühne gibt es zwei Balkone, wo links Besserwisser vom Typ Muppetshow kommentieren, rechts kommen kluge Leute zu Wort. Die Szenen fotografiere ich und lasse sie mit einem essayistischen Kommentar drucken. Die Exemplare verteile ich an interessierte Menschen zum Nulltarif. Thematischer Schwerpunkt ist, was mir zwischen den Achspunkten „DENKEN“ und „DANKEN“ auffällt und einfällt. Meine Bühne heisst: THEATER DER DANKBARKEIT.
Das Hantieren in der Werkstatt kann so lange meditativ sein, bis mir eine Schraubzwinge auf die grosse Zeh fällt und ich mir bewusst werde, auf wie grossem Fuss ich lebe.

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Als Risikopatient habe ich mich sehr gut mit der neuen Situation arrangiert. Es wird für mich eingekauft, und es melden sich vermehrt Freunde die nun Zeit finden über das eigene Befinden zu diskutieren. Sorgen habe ich keine, ausser denen die das Wohlbefinden meiner Familie und Freunde betrifft. Dass ich meine Partnerin, die im Gesundheitswesen einen super Job macht, nicht mehr treffen kann ist eine nicht zu ändernde Tatsache. Die Freude das Verpasste nachzuholen, ist jedenfalls gross :-) Und wenn die Corona-Geschichte etwas positives hat, dann ist dies der Umstand, dass wir uns mehr Gedanken über unsere Zukunft, unsere Vergänglichkeit machen. Dass ich zur Zeit auf meine wöchentliche Ausgeh-Abende mit meiner kleinen Freundes-Runde verzichten muss, ist eine Randnotiz. Das wird wieder! Weil diese neue Situation so vieles fordert, habe ich mir vorgenommen, mich selbst auch zu fordern. Ich werde während des Lockdowns keinen Alkohol trinken (hat bis jetzt gut funktioniert) und mein Gewicht wieder auf ein gutes Level bringen. Das lässt sich mit täglich 2-3 Stunden wandern am See und im Wald hervorragend bewerkstelligen. Es geht mir gut. Ich kann mit der neuen Situation umgehen. Ich denke aber an all jene, die das von sich nicht sagen können.

Was mich noch interessiert ist, was die Redaktion der Republik zum kürzlich erschienenen Artikel von René Zeyer im Inside Paradeplatz sagt.
Siehe unter
https:/insideparadeplatz.ch/2020/04/03/die-republik-eilt-von-einer-planueberfuellung-zur-naechsten/

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Christof Moser
Chefredaktion
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Danke für Ihre Perspektive, Herr L. Ihre Frage wurde bereits im allgemeinen Forum diskutiert.

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Mit einem Schmunzeln musste ich eben feststellen, es hat sich für mich kaum etwas verändert. Lässt man die neuen Hygieneregeln mal weg, dann mache ich aktuell nichts anders als sonst auch. Homeoffice und Teilzeitarbeit hatte ich vorher schon. Für mich kochen ist eine Leidenschaft, ganz ohne Leiden.

Es entfällt das schlechte Gewissen, dass ich nicht in den Bergen am Sport machen bin und meine sozialen Kontakte auch offline pflege. Aber als introvertierter Mensch ist das eh mehr eine Pflicht, gehört sich halt so.

Viel Kraft an alle, die es nicht so easy haben! Auch diese Zeit geht vorbei.

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Ich finde es unglaublich schade, dass die Medien (20min, Tagi, Nzz etc.) tendenziell den Lockdown mit negativen Sachen verbinden - mehr Depressionen, häusliche Gewalt, Konkurse, Stress.. Ich will diese negativen Aspekte nicht verneinen, aber kreieren wir damit nicht eine "self-fulfilling prophecy"? Ein positives Reframing wäre meiner Meinung nach dringend nötig.

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Liebe Verlegerinnen und Verleger, geschätzte Redaktion
Als sonst begeisterte Verlegerin und Leserin fühle ich mich im Moment besser informiert über diese Plattform :https://www.infosperber.ch/Artikel/…erscheiden
als durch den Covid-19Uhr-Newsletter.
Alles Gute.

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Mir geht es ähnlich wie G.K. Zudem habe ich noch einen zweiten Punkt. Wegen der Verstrickung wird vor lauter Bäumen der Wald nicht mehr gesehen. Wenn ich mir vergegenwärtige, wie katastrophal die Verhältnisse in Spanien und Italien sind, finde ich die in Details verbissene Argumentation abwegig.

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Ich bin genau auf den gegenteiligen Informationspfad gegangen. Normalerweise lese ich die IS Artikel regelmässig da sie fast immer einen „anderen“ Blickwinkel vermitteln als die übliche Tagespresse. Seit der Corona-Eskalation muss ich feststellen, dass ich zunehmend Mühe damit habe, das die Artikel zum Thema häufig verkrampft auf (teils banale) Details fokussieren die den Blick auf Zusammenhänge verstellen und den Leser oft ratlos zurücklassen, da die Quintessenz regelmässig aus einem „nichts genaues weiss man nicht“ besteht. Um jeden Preis alternativ informieren zu wollen stösst da offensichtlich an (meine) Grenzen. Mir ist der unaufgeregte Journalismus der Republik derzeit jedenfalls lieber als der xte Experte der im xten Detail seinen Kollegen widerspricht. Nichts für ungut Frau L., just my 2 Cents.

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Merci für das Feedback, werte Frau L. Was fehlt Ihnen?

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Sehr geehrter Herr Fuchs
Lesen Sie Infosperber, dann wissen Sie es.
Mit bestem Gruss

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S. R.
Software Ingenieur
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Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir beide problemlos von zu Hause aus arbeiten können (sind beide software ingenieure). Auch ist bei beiden Arbeitgebern aktuell genügend Arbeit da und unsere jeweiligen Projekte gehen online weiter.

Seit 3.5 Wochen haben wir unsere 2 Kinder (1 und 3) aus der Krippe genommen. Mein Schwiegermami kommt nicht mehr. Somit fallen 4 Tage weg an denen die Kinder betreut wurden. Die Grosse vermisst ihr Grosi und ihre Krippenfreunde sehr, aber mit täglichen Videoanrufen geht es einigermassen.

Während andere gar keine Arbeit mehr haben, haben wir mehr als wir erledigen können mit Kindern. Die ersten 2 Wochen haben wir noch 7 Tage die Woche gearbeitet, mein Mann früh morge s und ich oft bis spät abends. Das war unglaublich stressig. Damit haben wir aufgehört (wir wechseln uns jetzt wochenweise ab und arbeiten halt nicht die nötigen Stunden) und jetzt geht es uns sehr gut. So können wir die Zeit mit den Kindern auch geniessen ohne die ganze Zeit an die Arbeit zu denken die noch erledigt werden sollte.

Ich mache mir viele Sorgen... Sorgen über Verwandte und Bekannte, über die Situation für die ganze Schweiz und die ganze Welt. Wie wird die Welt in 1 Jahr aussehen? Über unsere kleine Familie mache ich mir zum Glück keine Sorgen und dafür bin ich sehr dankbar.

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Christof Moser
Chefredaktion
·

Danke für Ihre Erzählung, Frau R.

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M. S.
Leserin
·
· editiert

Ich muss gestehen, mir persönlich mundet das Leben zu Coronas Zeiten.

Ich habe mehr Musse, bin achtsamer, schätze das kleine Glück, lasse mehr einfach geschehen, und es entsteht viel Gutes. Schreibe über mir sonst belanglos erscheinende Dinge wie die Mäuse in meinen Keller, die ich zu fangen versuche. Lese Bücher, die mich berühren. Spiele mehr Gitarre uns singe. Wandere durch die Gegend, beobachte das Frühlingserwachen und mein Herz hüpft mit. Mache lang ausgedehnte Velotouren und besuche meine Kräuterfrauen. Habe viel Kontakt mit meinen engsten Freunden und Familie – die Beziehungen sind teilweise tiefer denn je. Verzichte auf alles, was mir (und so auch den anderen) nichts gibt - jetzt hat man eine gute Ausrede.

Beim Homeoffice scheint unser Team „gemeinsam einsam“, haben ein- bis zweimal wöchentlich eine Zoomsitzung, die immer eine Bereicherung und einiges effektiver ist als bisherige Face-to-Face-Meetings. Konnten für die Corona-Betroffenen im Rahmen unserer Möglichkeiten Unterstützung aufbauen, die sehr willkommen war und so wiederum viel Enthusiasmus bei uns auslöste. Mir half es, nach einer kurzen anfänglichen Schockstarre ("Was ist jetzt mit all den aufgegleisten Projekten?") die Frage zu stellen: "Was können wir jetzt Sinnvolles tun?"

Ich fühle mit den Menschen, die betroffen sind von der Krankheit. Um mich selbst habe ich keine Angst, doch gebe ich mir Mühe, mich zurückzunehmen bzw. das Social Distancing einzuhalten, um andere nicht zu gefährden.

Sehe, dass die Solidarität unter den Menschen grösstenteils wächst und es der Natur besser geht. Hoffe, dass von gewissen Einsichten etwas hängen bleibt und wir checken, dass wir nicht weitermachen können wie bisher.

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A. K.
Komödienausdenker
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"Was haben Sie schätzen gelernt?"
Die Stille. Kein Fluglärm. Nur dieses eigenartige Vogelgezwitscher. War das vorher schon immer da?

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Geht mir auch so mit den Vögeln. Und offenbar weltweit ganz vielen Menschen auch: https://www.theatlantic.com/science…se/609316/

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Stand jetzt

Stand jetzt weiß Keiner genau, wie es weitergeht. Nur die grobe Richtung ist klar: Es geht ans Eingemachte - und zwar für fast alle von uns. Hilft ja nix, diese Tatsache zu ignorieren. Den Mut sinken lassen gilt aber trotzdem nicht. Denn auch wenn die Welt nach Corona eine andere sein wird – wir alle, zumindest fast alle, sind dann immer noch am Start. Und haben die Chance, es besser zu machen als vorher.

Händeschütteln, Flugreisen, Meetings, Fußball, Kneipe, Kirche – viele bis vor Kurzem noch für unverzichtbar gehaltene Dinge sind heute nicht mehr möglich. Wir sitzen zu Hause, schauen Filme und Serien, gehen stundenlang in den Wald und verbringen ungewöhnlich viel Zeit mit unseren Kernfamilien.

Einige wird es geben, die demnächst einen Anwalt brauchen, Spezialgebiet Familienrecht, Scheiden tut weh. Und Einzelne werden sich auch weiterhin Aufführen wie Idioten, werden so tun, als ginge sie das alles nichts an. Aber die Allermeisten machen es doch richtig und werden auch die richtigen Lehren ziehen aus den langen Wochen, in denen man zwangsläufig nur seine Allernächsten um sich rum hat: Dass es nämlich gut ist, solche Allernächsten zu haben. Ehepartner, Kinder, Verwandte, Freunde, Nachbarn – wir werden nach dem Ende sämtlicher Ausgangsbeschränkungen sicher auch mal wieder in die Kneipe gehen, zum Fußball, wir werden sicher auch mal wieder zu spät nach Hause kommen, zu viel getrunken haben, Euch hier und da enttäuschen. Aber wir werden generell achtsamer sein im Umgang mit Euch als vorher. Wir werden noch besser als vorher wissen, wie wichtig Ihr für uns seid – und wir für Euch. Verlässlichkeit wissen wir jetzt noch mehr zu schätzen. Dass wir alle im selben Boot sitzen, vertrauensvoll zusammenarbeiten müssen, und dass wir das auch gerne tun.

Wir werden sogar so weit gehen, diese Achtsamkeit und Verlässlichkeit auf mehr Menschen auszudehnen als „nur“ auf unsere Allernächsten. Wir werden unseren Mitmenschen ganz allgemein so begegnen. Default setting Gutmensch, sozusagen. Mehrdimensional gesunder Gutmensch sogar. Denn wir waren so viel draußen in den letzten Wochen, das ist ja fast nicht auszuhalten, so fit sind wir. Sobald wir dürfen, bringen wir unsere Achtsamkeit und Fitness überall ein, wo wir sind. Nicht von Null auf 180, sondern eher langsam, schrittweise. Und die vereinzelten Idioten, die immer noch nichts begriffen haben, die sind zwar ärgerlich – aber die halten wir aus. Denn die sind nur Einzelne. Und wir sind Viele. Und wir sind fit.

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bin seit letzter woche 100% in kurzarbeit. meine arbeitgeberin ist ein reiseveranstalter - mache mir viele gedanken um die berufliche zukunft, sorgen.

andererseits bin ich völlig entschleunigt, wie noch nie in meinem leben. höre mir die zeitungen an (bin stark sehbehindert), mache 1h sport am tag, habe angefangen mit kochen und gartenarbeit (eigentlich hobbies meiner partnerin).. habe zeit für dinge, die sonst fast keinen platz haben.

meine partnerin hat für die reggion unsere bücher online gestellt und liefert diese nun aus zum ausleihen - schön, wenn bücher unterwegs sind :-)

take all good care. danke republik für die tolle arbeit.

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Christof Moser
Chefredaktion
·

Danke für Ihre Perspektive, Herr R. Wie schätzen Sie die künftige Lage in der Reisebranche ein? Wieder zurück zu wie es war – oder wird sich das Reiseverhalten ändern?

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A. R.
· editiert

nun, ich denke die menschen werden weiterhin mobil sein wollen. das bedürfnis, neues zu erkunden, zu entdecken und andere kulturen und gesellschaften kennenzulernen wird nicht verschwinden.

aber sicher wird sich einiges ändern. wann darf man wieder wohin reisen? bei geschlossenen grenzen praktisch weltweit?allenfalls wird in zukunft bewusster verreist. reisen hat einen wert und ist ein privileg. nicht alles ist sinnvoll.

die klimakrise hat sicher schon einige veränderungen gebracht und einige menschen zum nachdenken bewegt. nicht vergessen darf man auch die vielen millionen direkt und indirekt vom tourismus abhöngigen arbeitnehmerInnen.

wie die verschiedenen veranstalter, leistungsträger (airlines, hotels, reedereien...) aus der krise kommen? eine kristallkugel wäre da hilfreich..

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Uns geht es blendend !!!
Einige haben wir auch das Eine oder das Andere gelernt aus der neuen Situation
Ich habe hier noch nichts anderes gelesen - und ich mache da auch keine Ausnahme !
Ich erwarte hier auch nichts Anderes !
Natürlich sind viele in ihrem Alltag in eine etwas dumme Lage geraten - ich wünsche allen viel Glück, um damit möglichst bequem fertig zu werden !
Aber wird irgend jemand sich hier äussern, der/die nicht zu den ganz Privilegierten in unserer Gesellschaft gehört - lokal - national - weltweit ?
Was mich aufstellt ist, dass sich spontan viele Privat-Initiativen zur gegenseitigen Unterstützung gebildet haben - auf ganz verschiedenen Ebenen !
Was mich schockiert ist, dass sich (mehr oder weniger) wir alle mit den 'vorübergehenden', generalstabsmässig geplanten und über unsere Köpfe hinweg umgesetzten neuen Verhältnissen möglichst bequem arrangieren und doch im Wesentlichen kleinlaut kuschen !

Was ist das nur für eine Frage:
"Sind Sie bereits an dem Punkt, an dem sich in Ihnen Bockigkeit und Widerspruchs­geist gegen den Lockdown regt?"
Es wird selbst hier, wo wir es uns längstens leisten könnten, nicht wirklich danach gefragt, was wir denn meinen würden, was uns denn wichtig wäre, welche Prioritäten im Leben (nicht nur Überleben) wir hätten.
Als 'Alternative' gibt es nur (bestenfalls ? schlimmstenfalls) "Bockigkeit und Widerspruchs­geist" - so ein bisschen pubertäres Getue ?!
Entsprechend werden auch ernsthafte (ich spreche noch nicht von den agressiv destruktiven Einwürfen bis zu Hassreden - die aber dringend auch eine ernsthaftere Auseinandersetzung verdienen / verlangen würden) Infragestellungen der Mainstream-Informationen und andere Perspektiven auf die ganze Situation (medizinisch / wirtschaftlich / sozial / menschlich) mit teils 'allzu billigen' "Falsifizierungen" auf ungeprüfter Pseudo-Experten-Ebene abgewimmelt und aus der Diskussion geschoben.

[ich hätte das gerne noch ein bisschen differenzierter ausgeführt / belegt / begründet; aber dafür (vielleicht nochmals etwa gleich viele zeichen) gibt es leider in dieser "diskussion" nicht genügend platz.]

Wohlverstanden: Ich kann die Generalstabsübungen durchaus nachvollziehen und finde sie persönlich in der CH noch einigermassen angemessen. - Was ich nicht nachvollziehen kann, ist diese scheuklappenartige, teils echt menschenverachtende Eindimensionalität sowohl der Massnahmen als auch der zugehörigen Berichterstattung

  • selbst bei der REPUBLIK.

Wir bräuchten dringendst eine Diskussionsplattform, auf der wir 'wie erwachsene Menschen(;)' alle Aspekte unserer aktuellen Situation (Corona / Wirtschaft / Politik / Umwelt / Flüchtlinge / Demokratie / ...) differenziert wahrnehmen und mündig auch kontrovers diskutieren könnten.
Natürlich ist das ein immenser Anspruch - aber ich glaube nicht, dass wir uns als ganze Gesellschaft 'etwas Billigeres' leisten können / sollten.

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C. D.
Brückenschlagerin
·
· editiert

Was COVID-19 anbelangt, kam es hier bisher selten zu konstruktiven Diskussionen, ausser jemand war zufällig vom Fach und hatte einen Titel. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es der Redaktion zu heikel ist, und glaube kaum, dass hier von der Redaktion außer Daumen runter etwas kommt ...

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Christof Moser
Chefredaktion
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Was soll der Redaktion zu heikel sein, Frau Dora? Faktisch falschen Unsinn bekämpfen wir, das ist unser Job. Wo Sie recht haben: Wir haben hier nicht nach Laien-Meinungen oder Youtube-Wissen zu Epidemiologie gefragt, sondern zu persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen. Und viele Geschichten sind berührend zu lesen.

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E. S.
Leserin
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S. brach ihre Weltreise in Kalifornien ab und schaffte es mit einem der letzten fahrplanmässigen Flüge zurück in die Schweiz. N. und Familie verbringen die letzten Monate ihrer einjährigen Auszeit in einem alten Luzerner Bauernhaus und bald auf einer Alp. Geplant war etwas ganz Anderes: eine Wohnwagentour durch den Frühling in Südosteuropa nach einem halben Jahr in Südostasien. C. und B. wurden in Spanien erwischt. Sie flohen im Januar vor dem norddeutschen Winter ins wärmere Italien, danach vor dem Virus nach Frankreich – und schliesslich von Alicante in einer 2-Tage-Fahrt nach Hause in den Norden. Ihr Wohnmobil steht nun im Garten der Eltern – ihre Wohnung wird erst im Sommer fertig. Alle sind nun «zuhause». Zuhause? Sie alle haben ihre Wohnung aufgegeben, bevor sie auf Reisen gingen. Geplant waren ein, zwei oder mehr Jahre. Aber wer so viel reist, hat gelernt zu improvisieren.

Mein Mann und ich hatten ein perfektes Timing. Unser Asienreise ging anfangs Februar zu Ende. Das war die Zeit, als in den Flughäfen in Asien auch die europäischen Touristen plötzlich Gesichtsmasken trugen. In Oslo, wo wir eigentlich wohnen, prägte der Virus das Stadtbild und die Nachrichten noch nicht. Da der Norden im Februar noch dunkel und kalt ist, reisten wir bald weiter in die Schweiz, in unsere Ferienwohnung. Und dort sind wir immer noch, dank einem gebrochenen Arm (danke, er heilt sehr gut) und dem Virus.

Wir sind privilegiert. Nicht nur wohnen wir in der Wohnung, die unsere letzte sein soll (der offizielle Umzug von Norwegen in die Schweiz ist für 2020 geplant), wir werden auch weiterhin bezahlt, ohne arbeiten zu müssen. Unsere Renten werden pünktlich überwiesen, während junge Menschen arbeitslos werden, um ihre geschäftliche Existenz bangen oder unter schwierigen Bedingungen zuhause arbeiten und ihren Kindern bei den Schularbeiten helfen müssen. Aber wir leben mehr oder weniger wie vor dem Lockdown. Für unsere Hobbys brauchen wir nur Computer, einen guten Wollvorrat zum Stricken, Fussballbücher, um das Fanmagazin zu schreiben, ein paar richtige Bücher und einen Fernseher. Treten wir vor das Haus, sind wir bereits auf einem Wanderweg. Wir sind privilegiert.

Aber wir sind Risikogruppe. Über 65, ich mit mässigem Bluthochdruck (ja, ich schlucke jeden Tag meine Pille). Und daran muss man sich zuerst gewöhnen. Die letzten vier Jahre sind wir durch die Welt gereist, ohne festen Wohnsitz. Alle Reisen selbst organisiert und improvisiert. Und nun müssen wir geschützt werden, nun müssen Junge zu unserem Schutz auf Kontakte verzichten. Wir dürfen dem Dorfladen eine Einkaufsliste schicken und dann die Waren vor dem Laden abholen (Danke, Rigi-Dorfladen). Und ein Michelin-Star-Restaurant versorgt uns einmal pro Woche mit einem vorzüglichen Menu, gratis (Danke, Kräuterhotel Edelweiss).

In diesen Zeiten alt und gesund zu sein, ist ein riesiges Privileg. Wir verdanken es der Solidarität der Jungen, die den Virus von uns fernhalten. Danke.

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Etonnamment le confinement se passe bien. Je pense que cela tient au fait qu'en tant qu'étudiant on continue d'avoir nos cours de manière régulière. Avoir un rythme aide donc à la normalité. Alors bien sûr rien ne remplace le contact humain, aller boire une bière en terrasse aveC. D.es amis ou bien un restaurant en famille. Mais notre capacité d'adaptation est tout de même fascinante et j'espère que cela sera un premier pas vers un changement de mentalité en profondeur. L'homme est capable de s'adapter. Il doit pouvoir se concentrer sur l'essentiel pour pouvoir affronter les nombreux défis qui nous attendent, le changements climatique au premier front.

Courage à tous, tschüss

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Christof Moser
Chefredaktion
·

Merci pour votre point de vue, Monsieur Savioz.

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Peter Litschig
Ruheständler
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Um diese Jahreszeit sind wir normalerweise mit unserem Camper unterwegs auf Entdeckungstouren in Europa. Diesmal wurden wir von der französischen Gendarmerie nach Hause komplimentiert - wir hätten nichts zu suchen in Frankreich, es herrsche Ausgangsverbot. Und was gibt es jetzt in den eigenen vier Wänden zu entdecken? Ganz viel, vor allem Literatur und Musik. In meinem Rentneralter habe ich praktisch alles gehört, was in der klassischen Musik komponiert wurde. Jetzt geht’s wieder zurück in meine Jugendzeit dank des Buches Musik! von Roger Willemsen und der dazugehörigen Spotify Playlist. Klappentext: „Willemsens Liebeserklärungen an den Jazz, seine Verbeugungen vor den klassischen Komponisten, seine scharfe Verteidigung der künstlerischen Existenz, vor allem aber sein tiefes Verständnis für die Musiker und ihre Themen sind legendär.“ Über Musik zu lesen und gleichzeitig deren Klänge zu hören, ist ein spezieller Genuss.

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Liebe Republikaner
Erst mal ein Zitat aus der Webseite von "nichtohneuns.de"

"Es gibt unter Corona fast nur noch Regierungsmedien. Eine maßlose Gleichschaltung hat stattgefunden. Die Parlamente unseres Landes haben sich unterworfen. Im Grunde haben alle Parteifraktionen versagt und sich ebenfalls unterworfen. Mit dem Ende der Repräsentation in den Parlamenten kann die Demokratie als beendet gelten. Die Neoliberale Epoche ist gerade vor unser aller Augen zu Ende gegangen, aber die neoliberale Entourage und ihre Höflinge sind noch dabei, ihre sieben Sachen zusammen zu suchen. Tschüß! —

Was wir jedoch hier und heute nicht akzeptieren können, ist, dass sogar solche Medienbetriebe, die dem eigenen Verständnis nach der Basis verpflichtet sein müssen, nicht mehr abbilden, dass es oppositionelle Meinungen, Wissenschaftler, Virologen und Journalisten gibt. Es gibt nur noch die Regierungsmeinung. Damit kann das Prinzip der Republik, also der öffentlichen Verhandlung, als beendet gelten. Es gibt einen nahezu totalitären Zusammenschluss von Regierung, Wirtschaftsmonopolen und Medien. So etwas ist nicht nur faschistoid; es erscheint bereits als Übergang zum Faschismus.

In Berlin planen wir deshalb eine Besetzung der Tageszeitung — taz in der Friedrichstraße mit der Unterstützung von rund 120 für unser aller Grundgesetz und freie Debatte engagierten Antifaschist*innen — und zwar für kommenden Mittwoch um 12 Uhr mittags. Wir werden das Ressort Seite 3 und das entsprechende Backend übernehmen, damit oppositionelle Stimmen wieder in der bürgerlichen Presse vorkommen. Das ist unsere Pflicht hier in Berlin, der Hauptstadt und mittlerweile auch Medienhauptstadt unseres Landes. Wenn Sie daran teilnehmen wollen oder sich interessieren,"

Dieses Haltung, Die Republik betreffend beschäftigt mich schon länger. Ich hatte gehofft, dass ein Projekt wien die Republik etwas mehr frischen Wind in die Diskussion bringt, auch Richtung Alternativen. Ihr bringt, provokant gesagt, links-bürgerliche Fragen und Probleme auf. Das zeigt sich jetzt ganz deutlich an der Berichterstattung über Corona. Mir zu sehr nur auf der Linie des Bundesrates.
Wieviel bleibt nach Corona von dem diktatorischen Regime?
Man kann doch guten Gewissens Fragen und Zweifel haben an diesen bundesrätlichen Anweisungen haben!
Mit freundlichen Grüssen

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Ein Musterbeispiel für Verschwörungstheorien, die nun überall ins Kraut schiessen! Meinungen, mögen sie noch so abstrus sein, werden als alternative Fakten wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenübergesetzt und erheben Anspruch auf dieselbe Wertigkeit. Kritik an diesen Meinungen wird als Unterdrückung dargestellt. Das kennen wir von den Klimadiskussionen. Trump & Co. haben offensichtlich Erfolg mit ihrer antiaufklärerischen Vernebelungstaktik und faschistischen Hetzpropaganda.

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Entschuldigung, lieber Herr B., aber so ein Blödsinn. Wir haben durchaus kritisch berichtet, und werden das weiter tun.

Zum BAG: https://www.republik.ch/2020/03/20/…-entnommen
Zur Vorbereitung auf eine Pandemie: https://www.republik.ch/2020/03/26/…che-gewalt
Zum Kanton Zürich: https://www.republik.ch/2020/04/02/…-schiessen
Zur Debatte über den Nutzen von Masken: https://www.republik.ch/2020/04/06/…den-masken

Der Bundesrat ist kein diktatorisches Regime. Seine aktuelle Machtfülle ist demokratisch legitimiert, wir haben über das Epidemiengesetz abgestimmt. Hintergrund dazu hier: https://www.republik.ch/2020/03/24/…erdrueckte

Wenn Sie bei uns die kritischen Stimmen vermissen, die immer noch davon schwafeln, dass dies «einfach eine normale Grippe» sei - ja die werden Sie bei uns nicht finden. Dafür haben wir unterdessen jetzt wirklich zu viele Krankenhäuser gesehen, die keinen Platz mehr für die Toten haben.

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P. H.
· editiert

Lieber Oliver Fuchs.
Ihre Antwort bringt leider genau das zum Ausdruck, was bei der REPUBLIK in Sachen Corona im Argen liegt - und bestätigen damit genau, was Herr B. reklamiert:

  1. Antwort: "Blödsinn !"

  2. Antwort: "davon schwafeln, dass dies «einfach eine normale Grippe» sei - Krankenhäuser ohne Platz für die Toten."
    Pardon, aber das ist billigste Defensiv-Polemik: Nichts sagen und recht haben !

  3. ... und als Schützenhilfe gleich der Nachfolge-Beitrag: "lieber, als "links bürgerlich"? Rechts faschistoid, libertär oder links extrem?"

Pardon, aber ich glaube, dass wir uns solche Schludrigkeit in einer so ernsthaften Situation weder journalistisch noch in einer offenen Diskussion leisten dürfen !
Wir lösen unsere grundlegenden gesellschaftlichen Probleme nicht, indem wir vorgemachte Meinungen gegen einander ausspielen, anstatt sie als solche ernst zu nehmen.

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Was hätte der Johannes denn lieber, als "links bürgerlich"? Rechts faschistoid, libertär oder links extrem?
Es gibt einen guten Grund, warum jetzt alle zusammenstehen: so wenig Tote, wie möglich.
Gerade berichtete ein Arzt der Uniklinik Zürich, nachzulesen auf srf.ch. Jede Verschwörungstheorie, Verniedlichung und Wirtschaftsfokussierung ist jetzt kontraproduktiv.
Um Leben zu schützen, dürfen auch mal ein paar Grundrechte gekratzt werden.
Zu weit geht, wer die Überwachung verordnet (ohne freiwillige App), passiert gerade in Israel und wird dort entsprechend Opposition geben.
Auch für diese Zeiten hat die Schweiz das best mögliche Regierungssystem.
Davon sollten sich Deutschland und die USA endlich mal was abgucken.

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Lieber Tom
du sagst:"Um Leben zu schützen, dürfen auch mal ein paar Grundrechte gekratzt werden."
Genau das meine ich! Andere Fachleute finden z.B. die Menschen sollen sich mischen, damit sie sich anstecken und immun werden. Dann sind die Zahlen völlig undurchsichtig und widersprüchlich. Warum hört man nur auf die Scharfmacher unter den Virologen, etc. etc.
NB unter nicht links-bürgerlich meine ich freiheitlich, fortschrittlich, sachgemäss (von mir aus auch antikapitalistisch): Das bilden einer echten Mitte (nicht wie die politischen Parteien). Parteiendemokratie hat längst ausgedient. Genauso wie rechts und links!!!

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S. Z.
Familienmanagerin ;-)
·

Enttäuscht bin ich nur von der öffentlichen Schule des kleineren Sohnes.
Alles läuft prima: die Solidarität in der Nachbarschaft ist enorm, das komplette soziale Leben findet online statt, täglicher Videoanruf bei den Grosseltern, Musikunterricht online, Trainingsideen für die kids online. Jeden Abend ein Klavierkonzert online. Alle Arbeitskonferenzen per Telefonkonferenz, alle Weiterbildungen online. So Vieles stellte sich so schnell auf die neuen Herausforderungen ein, überwältigend!
Nur die Schule schafft das nicht! Für die ersten drei Wochen erhielten wir Arbeitsblätter per Post. Naja, ok ... Ich dachte mir, das die Situation ja für alle neu ist, man muss nachsichtig sein.
Für nach den Ferien wurde dann das neue „Konzept Fernunterricht“ vorgestellt. Mit einer wirren Anleitung wurden wir darüber informiert, wie man Fotos der Aufgaben, die die Kinder weiter „selbstständig“, übersetzt bedeutet das „mit den Eltern als Lehrer“, erledigen werden, uploaden kann. Das ist mal eine Hilfe!! Unterricht via Telefonkonferenz mit der ganzen Klasse??? So die Eltern unterstützen, entlasten oder einfach die ursprüngliche Aufgabe der Schule angepasst an die neue Situation übernehmen?? Fehl am Platz! Sind das die Lehrer, die unsere Kinder auf die Zukunft vorbereiten können? Ich glaube nicht.
Der Kanton wolle das angeblich nicht, hiess es. Das stimmt gar nicht, ergab die Nachfrage beim Kanton. Das Equipment in den Familien fehlt, hiess es. Stimmt auch nicht, bei Bedarf erhielt man einen Laptop von der Schule, ausserdem haben fast alle Kinder ein eigenes smartphone. Manchmal wird es auch einfach lächerlich!
Wir geniessen jetzt die Ferien im Garten.

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Bitte hört auf mit diesen Monologen, die niemanden interessieren. Viel lieber würde ich in diesen tristen Zeiten gute Reportagen und Porträts aus der Republik-Redaktion lesen. Wo sind eigentlich all diese dort angestellten Redaktoren hingegangen??

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Ihr Wunsch sei uns Befehl. Morgen der Auftakt zu einer dreiteiligen Recherche - kein Zusammenhang mit Corona. Trotzdem möchte ich Sie bitten von sich selbst nicht auf alle anderen zu schliessen. 77 Beiträge widersprechen Ihrer These, dass die Fragen und Perspektiven «niemanden interessieren».

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Als selbständig arbeitende Kunsthandwerkerin leide ich geschäftlich sehr unter dem Lockdown. Seit grössere Veranstaltungen verboten wurden, also schon seit 4 Wochen habe ich praktisch keine Aufträge mehr erhalten und weil meine Kundschaft aus Musikern besteht, befürchte ich, dass es auch nach einer Lockerung nicht in absehbarer Zeit deutlich besser wird.
Da ich als Mutter zweier schulpflichtiger Kinder nun sowieso nicht viel machen kann, habe ich auch keine Möglichkeit, kreativ auf die Krise zu reagieren. Da meine Lohnkosten nur ein kleiner Teil der Fixkosten meines Geschäfts ausmachen, werde ich auch nur wenig Unterstützung erhalten für deren Betreuung.
Als Simonetta Sommaruga sagte, dass der Bundesrat niemanden alleine liess, überkam mich eine seltsame und mir unbekannte Zuversicht, dass wir Kleinsten gebührend unterstützt würden. Diese ist nun leider wieder verflogen, denn Kredite aufnehmen scheint mir nicht sinnvoll. Woher soll ich die Gewissheit nehmen, dass ich nach der Krise diese zurückzahlen kann, wenn ich davor schon keine Rückstellungen machen konnte? Auch vom Vermieter, einer Genossenschaft, kamen grossspurige Versprechen, wie solidarisch man sein wolle. Nun kann ich meine Mietkosten in ein Darlehen umwandeln, was wieder dasselbe Problem darstellt. Ausserdem wären die Bedingungen bei der Bank sogar besser. Was für ein Hohn!
Die ersten Wochen habe ich es manchmal genossen, mit meinen Kindern zu sein. Manchmal tue ich das noch immer, aber immer häufiger plagen mich die finanziellen Sorgen.
Zu wissen, dass es vielen anderen ebenso geht, oder vielen noch schlimmer, weil sie zum Beispiel grössere Fixkosten haben, familiäre Probleme oder kleiner Kinder, oder psychich weniger belastbar sind, machen meine Sorgen noch grösser.
Ich sehe mich im Grunde als eine äusserst optimische Person, aber so langsam finde ich das alles ziemlich deprimierend udn beängstigend.

So, das niederzuschreiben hat nun aber gut getan! Danke für diese Plattform!

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A. L.
· editiert

Sie sprechen mir aus dem Herzen. Auch wenn ich in einer anderen Branche unterwegs bin.

Die Krise zeigt gnadenlos ein paar Schwächen im Konstrukt Schweiz - Selbständige dürfen zwar solidarisch alle Beiträge in die Sozialvesicherungen zahlen (Angestellte Selbständige in voller Höhe), aber wenn sie selbst Hilfe benötigen, dann gibt es einen warmen Händedruck und viel Glück. Man fällt durch alle Sicherungssysteme, obwohl man in diese einzahlen musste.

Es ist schon beinah idiotisch, das Grosskonzerne, die finanziell nun wirklich nicht darben müssen, Anspruch auf 100% des Kurzarbeitergeldes haben, Eigentümer/ Selbständige (also die sogenannten KMUs) jedoch "dank" BR- Ausnahmegenehmigung mit grob 3400 CHF pro Monat über die runden kommen sollen. Bei 100% angemeldeter Kurzarbeit.... (wohlgemerkt, hier geht es um eine "großzügige" Ausnahmeregelung. Normalerweise läge der Anspruch bei exakt 0)

@Republik
Ich wäre euch sehr zu Dank verbunden, wenn ihr hierzu einen Artikel bringen könntet!

... wenn ich also nicht die Zeit mit meinen Kindern noch mehr als sonst genießen würde, würde ich mich permanent über diese Ungerechtigkeit aufregen...

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Wir sind viele in dieser Lage, wir müssen uns zusammenschliessen, einer Gewerkschaft beitreten, uns Gehör verschaffen. Wünsche dir Kraft! Liebe Grüsse aus der Stadt..

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Viele zu sein reicht nicht, wie man sehen kann. Sichtbar muss man sein, selbst wenn es wenige sind. Wenn alle, die jetzt vom Staat via Sozialversicherung hängen gelassen werden, bei den nächsten Wahlen aktiv dijenigen nicht wählen, die sie jetzt abspeisen, würde die Schweiz sich verändern.
Die Politiker müssen erst wahrnehmen, dass die Serlbständigen auch Wähler sind, die vom Staat etwas fordern, wenn der Staat ihnen die wirtschafliche Grundlage entzieht.

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Liebe Aline. Dir auch viel Kraft! Schön, auf diesem Weg von Dir zu hören. Und Du hast recht, wir sind viele, und das macht doch etwas Hoffnung.

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G. P.
Kultur-BleibenSieZuhause-Schaffender
·

Sich Fragen stellen, und vor allem sich DEN Fragen stellen, ist wenigstens eine positive Begleiterscheinung positiver=negativer Haupt-Erscheinungen. Mein Beitrag heisst "Püetzer in Corona-Zeiten" und ist mitsamt Begleiterscheinungs-Kommentar auf meiner website nachzulesen: www.gustipollak.ch Mit den besten Wünschen für alle, die irgendwo noch viel belastendere Sorgen haben, für alle, die es nicht lesen wollen und für diejenigen, welche es lesen werden.

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Im Wissen um das Privileg, in normalen, aber auch aussergewöhnlichen Zeiten ein Haus mit Garten bewohnen zu dürfen, habe ich kürzlich in einem Brief an einen Freund unter anderem die folgenden Zeilen geschrieben. Sie versuchen, etwas von der Befindlichkeit in seltsamen Zeiten wiederzugeben:
"„Nimm die Forsythien tief in dich hinein
und wenn der Flieder kommt, vermisch auch diesen
mit deinem Blut und Glück und Elendsein,
dem dunklen Grund, auf den du angewiesen. ...“ so lautet die erste Strophe eines Gedichtes von Gottfried Benn.
Vielleicht ist es das, was wir in diesen Zeiten lernen können (müssen? sollen?), wacher und aufmerksamer ganz kleinen Dinge des Alltags wahrzunehmen, all die vertrauten und doch kaum beachteten Gegenstände in unserer engsten Umgebung, die bescheidenen Rituale im Tagesablauf, Blumen auf dem Balkon oder in einer Vase, den Wechsel des Lichtes von Tag zu Tag, das Erwachen des Frühlings in der Natur, Geräusche, Töne und immer wieder Worte von Menschen, so einfach und möglicherweise gar banal sie sein mögen.
„Der Gott der kleinen Dinge“ ist der Titel zu einem eindrücklichen Roman der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy. Ich vermute, wir alle brauchen einen Gott der kleinen Dinge, damit wir das Grosse und Wesentliche besser erkennen können.
Du siehst, man kommt in diesen Tagen der Stille und der gedehnten Zeit nicht ums Philosophieren herum. Und das ist gut so.
So still die Tage sein mögen und so viel langsamer das Leben zu verlaufen scheint, die Zeit sich dehnt und Gegenwart bewusster wahrgenommen wird als in Tagen der Hektik – Langeweile kenne ich nicht. Denken, Schauen, Hören, Gespräche, Schreiben und Lesen, Arbeiten im Garten und waches Nichtstun füllen die Tage aus.“

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Als man mir diese Frage das erste Mal stellte, mit grossen Augen und dem Nachsatz "... für dich muss das ja alles noch schlimmer sein!" - habe ich nur verwundert geantwortet: “Es ist genau so wie früher in den Ferien mit den Kindern ohne Geld.” Wenn man also wissen möchte, nachfühlen möchte, wie es für eine alleinerziehende Person ist, die mangels Geld in die soziale Isolation abdriftet, kann sich dies unter diesen Umständen hoffentlich besser. Ich erhoffe mir aus dieser Situation, wie andere auch, mehr Respekt und verbesserte Arbeitsbedingungen für pflegende, betreuende, putzende, ehrenamtlich engagierte und selbständig erwerbende Menschen.

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Christof Moser
Chefredaktion
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Danke, Frau C.

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P. G.
Privilegierter
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Gestrandet ... so lange war ich noch nie in der Schweiz, seit ich vor bald einem Dutzend Jahren in jene grosse Stadt im Nordosten gezogen bin. Kleinwohnung, Provinz, soziale Distanz, Waldwege. Allmählich braucht es Kreativität, auf jeden Fall Bewusstsein, nicht täglich auf denselben Wegen zu wandeln. Schreiben, lesen, fotografieren, gehen. Computerzeitalter, alles steckt im Laptop, was ich brauche. Filme schauen: gestern »Landschaft im Nebel« Angelopoulos – wohin brechen wir auf? Das alte Handy reicht für regelmässiges Sprechen mit alten Freunden. Bin ich auch alt? Auf jeden Fall, so heisst es, Risikoperson, und, ich kann es nicht übersehen, eindeutig privilegiert.
Meistens funktioniere, manchmal geniesse, stets frage ich, habe mich bei Stimmung zu halten und häufig, aber weniger als befürchtet, vermisse ich die Stadt.
Früher als Selbstständigerwerbender hätte ich es als Katastrophe erlebt, das empfinden heute jüngere, mein Schwiegersohn, meine Töchter, viele andere, jene, die gerade heute gebraucht werden, jeder kennt sie im eigenen Umfeld. Sie haben viel zu tragen.
Die Zeit löst sich auf, existiert sie noch? So muss es sich anfühlen, unsterblich zu sein. Nichts ist mehr dringend. Was ist überhaupt noch nötig? Ich stelle mir vor, nichts endete mehr, alles bliebe, wie es ist. Alte Fragen steigen auf wie giftige Blasen im Moor, verdrängte Fragen. Wozu lebe ich, was ist der Mensch, was ist der Sinn dieses Daseins – in dieser Welt? Staunen über Disziplin, soll ich mich über die wenigen Ausreisser freuen, staunen über Solidarität, Hilfsbereitschaft. Ist er also nur ein alter Stänkerer,
Mephisto? »Du glaubst zu schieben, und du wirst geschoben.«

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Danke für die Nachfrage! Ich vermisse als aktive Grossmutter meine Familie in UK. Wir sehen uns oft, hier oder dort. Jetzt nicht. Das letztemal flog ich am 16. März zurück, Start in bustling London Heathrow, Landung um 17h in einem Geisterflughafen Zürich Airport. «Ernähre» mich von Literatur mehr als sonst (Bärfuss, A.L. Kennedy, Jane Auston, Fontane, Thomas Mann...). Ich bestaune abends das weitgespannte eindunkelnde Himmelszelt mit Gestirnsformationen wie der zarten Mond-Venuskonjunktion kürzlich. «Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst...». Nichts vom stark befrachteten, zerkratzten Luftraum «wie sonst». Sehr zwiespältige Gefühle dabei. Und die Ansprache der Queen hatte effektiv etwas tröstliches. Vorher: wer ist diese Queen, braucht es das denn noch...
Danke Bundesrat, danke Angela Merkel, danke Queen. Und Dank dem Schauspielhaus Zürich für das wunderbare Corona-Passionsspiel.

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Ich gebe zu, mich hat die Ansprache der Queen auch seltsam berührt... «We will be with our friends again; we will be with our families again; we will meet again.»

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Mein Sohn wurde letzte Woche 18, ohne Party, ohne Freunde!... es war eine ziemliche Herausforderung, ihn einigermassen bei Laune zu halten (die Tage davor war er abwechslungsweise auf alle sauer und dann wieder völlig deprimiert). Für junge Erwachsene, die gerade ausfliegen, eine schwierige disziplinarische Herausforderung. Mein älterer Sohn hätte am 1.April eine erste richtige Stelle antreten sollen, eine Traumstelle sogar: diese wurde zurückgezogen wegen Corona. Nun muss er sich arbeitslos melden. Ich hoffe, dass die Solidarität unter den Generationen anhält, auch nach Lockerung des Notstandes, nämlich auch die Solidarität den Jungen gegenüber: wirksame Klimaschutzmassnahmen.

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Es ist zu hoffen, dass Ihr Sohn die Traumstelle im Spätsommer doch noch antreten darf

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Das hoffe ich natürlich auch sehr für ihn! Das Leben nimmt manchmal seltsame Wendungen...

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M. R.
Designerin
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Mein Partner und ich sind am 14. März aus Gambia zurückgekehrt. Der Wechsel vom fröhlichen afrikanischen Familienleben mit maximaler sozialer Nähe in die Schweiz, die sich gerade im Social Distancing übt, war schon ein etwas grösserer Kulturschock.
Seit dann haben wir alle Stadien durchlebt von “wieso sind wir nicht in Gambia geblieben?” über “sollte es nicht Physical Distance heissen?” bis zu einem Alltag, mit dem sich leben lässt: Jogging am Morgen, Homeoffice, Wohnzimmersport, Balkon-Apero und ab und zu spazieren. Schwierig für uns ist die Ungewissheit, wie sich die Situation in Afrika entwickeln wird.
Eine grosse Frage blieb bis jetzt unbeantwortet: Wieso schauen fast alle weg, wenn man sich kreuzt? Man kann sich doch auch über zwei Meter hinweg grüssen, freundlich anschauen oder sogar anlächeln.

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Ja, anfangs war ich auch recht unsicher - ist jetzt sogar Grüezi-Sagen gefährlich? Mittlerweile sage ich unterwegs im Quartier eher häufiger Grüezi als vorher. Verbundenheit unter „Ausbrechern“... wir lassen uns den Frühling nicht verderben. Meine Achtung jenen, die strikt zuhause sitzen... aber ich bin froh, sind die Massnahmen hierzulande liberaler (und doch wirksam) als fragwürdige Ausgangssperren in Indien und Afrika. Die alarmierende Situation in Afrika beschäftigt mich. Da wird mit Polizeigewalt wirtschaftliche Aktivitäten abgewürgt - wegen einem Virus, der für die junge afrikanische Bevölkerung weniger tödlich ist wie Malaria etc. Oder wie sehen Sie das? (Ich bin mit Geschäftspartnern in Benin und Burkina Faso in Kontakt.)

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M. R.
Designerin
·

Sie fragen, wie ich das sehe. Keine Ahnung, ich kenne nur eines der kleinsten von 54 sehr unterschiedlichen Ländern ein bisschen und bin weder Afrika- noch Corona-Spezialistin. In Gambia scheinen die Leute sehr viel Respekt vor dem Virus zu haben, denn sie wissen natürlich, dass die medizinische Versorgung nicht mit der in Europa vergleichbar ist. Die empfohlen Massnahmen (Abstand, Zuhausebleiben etc.) sind schwer umzusetzen, wenn man von der Hand in den Mund lebt und jeden Tag auf ein Einkommen angewiesen ist. Wir unterstützen die Familie mit Infos, Ideen und Geld für Reis, Desinfektionsmittel / Seife und Wasserbehälter mit einem Wasserhahn, da die Preise in die Höhe geschnellt sind.

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B. J.
· editiert

Das sich beim Grüssen etwas verändert hat, fällt mir auch auf. Hier auf dem Land ist es sowieso eher verbreitet, aber jetzt wird noch verstärkt wirklich überall gegrüsst. Das hat etwas Schönes, finde ich: man nutzt auch flüchtige Begegnungen, um einen schnellen Kontakt herzustellen: Grüezi.
Was mir zusätzlich auffällt, ist die Ruhe in der Umgebung, viel weniger Autos, kaum Flug- oder Helikopterverkehr, auch nicht vom Militär. Das finde ich toll.
Mein Ü-80jähriger Vermieter fragte mich neulich am Telefon, ob mir der schon seit Tagen wolkenlose Horizont aufgefallen sei und erklärte mir dann, dass das neben dem guten Wetter auch mit dem Rückgang der Flüge zu tun habe. Seiner Erklärung über die Erhitzung der Luft in den Flugzeug-Treibwerken konnte ich mangels technischer Kompetenz nicht ganz folgen, aber dass ich mich tatsächlich nicht erinnern kann an so viele tiefblaue, wolkenlose Tage in Folge, darin musste ich ihm recht geben.
Was mich bekümmert, ist, wenn ich am Wochenende an die in Stadtwohnungen mehr oder weniger eingesperrten Menschen denke und an die Empfehlung, keinen ÖV zu benutzen. Dann fühle ich mich geradezu unverschämt privilegiert (und schäme mich grad deswegen ein klitzekleines bisschen). Noch mehr bedrückt mich der Gedanke an all jene, die jetzt irgendwo in einem Flüchtlingslager eingesperrt sind. Da reicht dann die kleine Scham nicht mehr. Da wünsche ich mir einfach, dass meine Wünsche die Macht hätten, die Realität zu ändern. Und lebe weiter mit der Trauer und der Ohnmacht, dass das halt eben nicht geht.

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Die Frage mit dem "wegschauen" habe ich mir auch schon gestellt. Spontan kam mir das in den Sinn: Ich will niemanden versehentlich anatmen, auch wenn das auf die hoffentlich vorhandene Distanz wohl eher zufällig wäre.

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M. S.
Leserin
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· editiert

Hei, macht das Republik-Team Ferien? Keine neuen Texte und wir sollen schreiben.:)
Gute Idee, bin schon gespannt, was da zusammenkommt. Happy day!
PS Und ihr habt es verdient.

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Ich habe mich heute früh auch gewundert, dass kein redaktioneller Text erscheint und die Leser selber schreiben wollen... Vermutlich gibt es dafür Gründe und diese hätte man im Morgen-Newsletter durchaus erläutern können.
Die Diskussion hier ist ja interessant, aber eben...

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Guten Morgen Herr W. Ja, wir hatten zwei Gründe.

  • Der inhaltliche: Wir haben die erste Debatte zu Corona extrem gerne gelesen und wollten der zweiten Ausgabe genug Raum geben.

  • Der organisatorische: Gestern hatten wir gleich drei grosse Beiträge im Angebot. Besonders jenen zur EU wollten wir so schnell wie möglich bringen - da sich auf EU-Ebene sehr viel tut (und wir keinen Beitrag veröffentlichen wollen, der schon am Publikationstag überholt ist). Da waren wir der Meinung, dass es danach einen leichten Tag verträgt.

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Ich stehe jeden Morgen früh auf und backe ein Brot. Dann gehen wir zwei Stunden in den Wald und erfreuen uns an den Tieren die wir sehen oder hören. Wenn die Sonne durch die frisch austreibenden Blätter und Blüten scheint sieht es wunderschön aus.
Wir können es uns einfach nicht vorstellen, wie Anne Frank und ihre Familie es zwei Jahre lang zu acht in ihrem Hinterhaus ausgehalten haben. Dazu mussten sie sich noch ruhig verhalten, weil sie sonst entdeckt worden wären. Nicht nachvollziehbar. Zwei Jahre lang nie nach draussen!
Was haben wir für ein Glück uns in der Natur bewegen zu können.
Eine Freundin von uns wohnt in Bergamo, apokalyptisch, viele Verwandte in Frankreich.
Die Ausgangssperre trifft sie viel härter als uns.
Jedesmal wenn wir einen Hänger haben versuchen wir an diese Menschen zu denken, das hilft sehr......

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Danke für diesen Gedanken an Anne Frank! Ich versuchte lange, den ganzen Tag diszipliniert in meinem Zimmer zu sitzen, aber ich merke je länger desto mehr, dass ich nach draussen muss. Heute spazierte ich zwei Stunden im Wald - und danach ging es mir viel besser!

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Jeden Morgen erfinde ich eine Geschichte. Heute Folge vier von "Botschaft aus der Höhle."
Für mein Grosskind (1. Klasse) und ihre Freundinnen und Freunde. Ich habe noch nie für Kinder geschrieben, entdecke die Sprache neu, wie sie Welt erschafft, werde genauer, sorgfältiger, flunkere nicht...schreibe nichts, was ich weiss, dass es eigentlich nicht stimmt... Die Geschichten erzähle ich und nehme sie mit dem Handy Video auf und übermittle sie der Person an der "Verteilzentrale". Seit drei Tagen habe ich eine website. Ich bin ein techisches Dubeli. Keine Ahnung, wie ich eine website aufbauen muss. Siehe da, ich bringe schon Seiten zustande und kann Videos hochladen. Lust auf home work- Kindergeschichten:
ihrejeannettekoenig.com/Botschaft aus der Höhle
weitere folgen, "Alte" sind auch schon drauf, aber fragt mich nicht, wie ihr sie findet!

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S. R.
Software Ingenieur
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Mega toll. Muss ich morgen gleich genauer anschauen und mal mit meiner Tochter reinhören. Sie hat noch etwas Mühe mit Hochdeutschen Gschichten und deine hören sich toll an auf den ersten "Blick".

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Aktion „Bülach unterstützt Geflüchtete“

Wir arrangieren uns eben gerade nicht. Wir stellen fest: Fast im Stundentakt werden die Netze für Menschen in der Schweiz, die wegen der Coronakrise in Bedrängnis geraten, enger geknüpft. Niemand soll durch die Maschen fallen, das Land zeigt sich solidarisch.

Grosse Zurückhaltung bei Behörden und Medien, wenn es darum geht, über die Grenzen hinaus Solidarität zu zeigen. Die Aktion „Bülach unterstützt Geflüchtete“
will das nicht hinnehmen. Wir werden unseren Aufruf morgen Mittwoch, 8. April offiziell dem Stadtpräsidenten überreichen.

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C. D.
Brückenschlagerin
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· editiert

Ich kenne einige Personen in meinem Umkreis, die vom Arbeitgeber zur AHV geschickt werden, von der AHV wieder zum Arbeitgeber. Auch das RAV sperrt, weil keine Kündigung vorliegt ... Diese Personen wissen im Moment nicht, wie sie die nächsten Monate überleben sollen. Der Lockdown light hat für sie verheerende Konsequenzen.

Ich persönlich habe am meisten Mühe mit den Begründungen für eine Fortsetzung des Lockdowns light. Im Kanton BS - relativ stark von Corona betroffen - gab es bis anhin 26 Tote, bei denen Corona nachgewiesen wurde, alle mit meist mehreren Vorerkrankungen, die meisten über 83 Jahre. Es ist davon auszugehen, dass die meisten dieser Menschen nicht hauptursächtlich an COVID-19 gestorben sind. In einem Wintermonat sterben im Kanton BS durchschnittlich ca. 200 Personen. Die Spitäler sind auf diese Situation vorbereitet, und sie waren in der Tat zu keiner Zeit überlastet.

Dass sich die SP und die linken Medien nun nicht deutlich für eine Lockerung der Massnahmen aussprechen, entsetzt mich. Sie lassen damit die KMU und viele Angestellte im Stich, denen inzwischen zum Teil gekündigt wurde. 5G und damit zunehmende Automatisierung und ÜberwachunG. K.ommen auf uns zu. Die Wirtschaft braucht hier Gegensteuer. Die Linke verschläft das gerade, und das bereitet mir grosse Sorgen ...

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Ich weiss, dass viele von uns gezwungen sind, auf den Notfallmodus umzuschalten und nicht noch die Kraft haben, sich um anderes zu kümmern. Und ich weiss, dass ich zu den Privilegierten gehöre, die sich um sich selber nicht allzu grosse Sorgen machen müssen.

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T. F.
Interessierter Auslandschweizer
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"Guten Morgen" Republik; hier heisst es zwar noch: "Guten Abend"; aufgrund der Zeitverschiebung zu Zentral-Amerika, konkret zum Kleinstaat Belize.
Wir liegen hier mit knapp zwanzig Segelbooten in der Bucht von Placencia vor Anker. Karibische Zustände? Jein.
Einerseits herrschen hier strenge Restriktionen wie andernorts auch. Also kein "Ausgehen", Freunde treffen oder Strandspaziergänge. Erlaubt ist nur kurz mit dem Dinghy (Schlauchboot) ins nahe Dorf für Lebensmitteleinkauf, bei sehr dürftigem Angebot. Quasi Hausarrest im eigenen Boot. Andererseits sitzt die kommende Hurrican-Saison im Genick. Spätestens Ende Mai muss man die Karibik verlassen haben. Einem verheerendem Monster, wie die jährlich über einem Dutzend Hurricans, die hier Elend und Verwüstung hinterlassen, geht man gefliessentlich frühzeitig aus dem Weg und verlässt mit dem Segelschiff die Karibik. Aber wohin? Alle Länder haben die Grenzen dicht. Ein Gesundheitssystem ist hier in Belize so gut wie inexistent. Die Fallzahlen sind zwar (noch) sehr tief, aber nur, weil mangels Kapazität bislanG. K.aum Test's durchgeführt werden konnten. Die Anzahl der Ansteckungen und leider auch Todesfälle werden befürchteterweise explodieren, wie in anderen zentralamerikanischen und südamerikanischen Staaten auch.
Karibische Zustände? Nein.

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Christof Moser
Chefredaktion
·

Danke für Ihre Geschichte über den Bootsarrest, Herr F.

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