Das Klimagame

Was bringt mehr für den Klimaschutz: Veganer werden oder aufs Fliegen verzichten? Finden Sie es heraus – mit unserer interaktiven Simulation zum CO2-Fussabdruck.

Von Andreas Moor und Simon Schmid, Illustrationen von Niels Blaesi, 09.01.2020

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Knapp 14 Tonnen. So viel CO2 verursachen wir als Schweizer pro Person jedes Jahr. Wegen der Nahrungs­mittel, die wir essen, der Kilometer, die wir fliegen, der Räume, die wir beheizen, und der Konsum­güter, die wir kaufen.

Lässt sich dieser CO2-Fussabdruck mit individuellen Handlungen signifikant verringern – zum Beispiel: um die Hälfte? Wenn ja: Worauf müssen wir verzichten? Welche Annehmlichkeiten können wir uns weiterhin gönnen?

Um auf solche Fragen eine Antwort zu finden, haben wir basierend auf dem Footprint-Rechner und mit der Unterstützung des WWF das Klimagame entwickelt: ein Spiel, in dem es genau diese Aufgabe zu lösen gilt.

So gehts

  • Das Spiel beginnt mit der Wahl des Profils. Zur Auswahl stehen: die Städterin, der Berufs­tätige, die 4-Personen-Familie.

  • Im Lauf des Spiels fallen diverse Entscheidungen an – von der Ernährung über die Wohnungs­wahl bis zur Feriendestination.

  • Das Ziel des Spiels: den CO2-Fussabdruck um 50 Prozent reduzieren (oder im Fall der Familie: um 30 Prozent).

Am Ende ziehen wir Bilanz, erklären die Hintergründe und analysieren, welche Entscheide dem Klima am meisten genützt haben.

Die Städterin

Fussabdruck: 19,5 t

Ziel: -50%

Der Berufstätige

Fussabdruck: 23,8 t

Ziel: -50%

Die Familie

Fussabdruck: 43,7 t

Ziel: -30%

Egal ob Städterin, Berufs­tätiger, 4-Personen-Familie, Einwohner in der Schweiz oder weltweiter Durchschnitts­bürger: Der heutige Footprint ist zu gross.

Und zwar deutlich: Beim derzeitigen globalen CO2-Ausstoss dauert es nur noch knapp 10 Jahre – dann ist das 1,5-Grad-Klimaziel verfehlt. Wollen wir den Planeten vor irreparablen Schäden bewahren, muss der Fussabdruck bald markant schrumpfen. Eine Reduktion um die Hälfte kann dabei nur der Anfang sein: Langfristig muss der Fussabdruck in Richtung null sinken.

Trotzdem macht eine Reduktion um die Hälfte einen Unterschied – gerade in reichen Ländern wie der Schweiz, wo der Fussabdruck überdurchschnittlich gross ist, wenn man sämtliche importierten Emissionen mitberücksichtigt.

Welches sind dabei aus der Sicht der Durchschnitts­schweizer Einwohnerin die zweckmässigsten Handlungen? Was lohnt sich, was weniger? Erfahren Sie hier, welche Erkenntnisse wir aus dem Klimagame gewonnen haben.

Zur Methodik

Das Klimagame basiert zu weiten Teilen auf dem Footprint-Rechner des WWF beziehungs­weise auf Berechnungen der Firma ESU-services. Die Daten, die dem Rechner zugrunde liegen, wurden uns zur Verfügung gestellt, um daraus verschiedene Spieler­profile (die «Städterin», der «Berufs­tätige», die «Familie») zu erstellen und für die drei Profile jeweils angepasste Massnahmen abzuleiten.

Basis für die drei Profile ist ein Katalog von 31 Fragen. Diese sind in 4 Bereiche aufgeteilt: Ernährung, Mobilität, Wohnen, Konsum. Die Antworten in diesen 4 Bereichen bestimmen ungefähr 90 Prozent des Fuss­abdrucks. Hinzu kommt ein fünfter, fixer Bereich, der öffentliche Dienst­leistungen wie zum Beispiel Spitäler oder das Militär umfasst. Dieser Bereich zählt ebenfalls zum CO2-Fuss­abdruck, lässt sich durch individuelle Entscheidungen aber nicht beeinflussen.

Die Reduktions­werte der einzelnen Massnahmen (zum Beispiel: minus 560 Kilogramm CO2 für die Umstellung auf vegane Ernährung bei der «Städterin») entsprechen in den meisten Fällen der Differenz, die sich im CO2-Fuss­abdruck eines Profils ergibt, wenn im WWF-Rechner einzelne Antworten des Profils verändert werden. Beim Flugverkehr wurden die Reduktions­werte aufgrund von Daten bei Myclimate bestimmt. Einzelne zusätzliche Angaben stammen vom Bundesamt für Umwelt, von Ecopassenger, vom Umweltmobilcheck der Deutschen Bahn, von Apple sowie von Studien der Deutschen Umwelthilfe und der dänischen Umweltbehörde.

Die Reduktions­werte mancher Massnahmen sind abhängig von Entscheidungen im bisherigen Spiel­verlauf. Ein Beispiel: Der «Berufs­tätige» kann durch den Umstieg aufs Elektro­auto zunächst 3,9 Tonnen CO2 einsparen. Entscheidet er zusätzlich, den Arbeits­weg statt mit dem Auto künftig mit den öffentlichen Verkehrs­mitteln zurückzulegen, spart er nochmals 1,0 Tonnen CO2 ein, sodass sich eine gesamte Ersparnis von gerundet 5,0 Tonnen CO2 ergibt. Bleibt der «Berufs­tätige» hingegen beim konventionellen Auto mit Verbrennungs­motor, ist die Gesamt­bilanz zwar auf jeden Fall schlechter. Doch der mögliche Spar­beitrag durch das Pendeln mit den ÖV wächst auf 4,3 Tonnen CO2 an. Nicht zurückgelegte Kilometer mit dem Benziner sind in einem gewissen Sinne also wertvoller als nicht zurückgelegte Kilometer mit dem Elektroauto. Deshalb variiert der Betrag dieser Aktion.

Der CO2-Fuss­abdruck ist pro Kopf berechnet. Verändert sich die Anzahl Nutzer einer Ressource, so verändert sich darum auch der Fuss­abdruck. Dieser Effekt spielt etwa bei der «Städterin»: Entscheidet sie sich dafür, die Wohnung mit ihrem Freund zu teilen, so verteilen sich die heizungs­bedingten Emissionen neu auf zwei Personen. Statt 3,9 Tonnen macht das Wohnen im Fuss­abdruck der «Städterin» nur noch 2,2 Tonnen aus – ein bedeutender Sparbetrag von 1,7 Tonnen CO2.

Die Punkte in den Diagrammen entsprechen jeweils 100 Kilogramm CO2. Die Angaben sind gerundet – deshalb kann es vorkommen, dass nicht dieselbe Punkt­zahl vom Gesamt­skore abgezogen wird, wie bei einer Option ersichtlich ist.

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