Der politische Troll

Noch vor kurzem bedeuteten schlechte Organisation und schlechte Manieren den gesellschaftlichen Tod. Heute sind sie der Motor für eine steile politische Karriere

Ein Essay von Constantin Seibt (Text) und Friederike Hantel (Illustration), 21.12.2019

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Kinder haben einen feinen Instinkt für die Zukunft. Kein Wunder, sie müssen auch dort leben.

So kursierte im Herbst 2016 auf den Pausen­plätzen der Primar­schulen in Aarau das Gerücht: «Im Wald lebt ein Horrorclown!»

Das erwies sich als präzise Prognose. Nur dass die Horrorclowns heute nicht mehr im Wald leben. Sondern im Zentrum der Hauptstädte einiger der grössten Demokratien der Welt: als Regierungschefs.

Spass und Politik

Humor hat nichts Harmloses, wenn er beruflich betrieben wird. Sein Ziel ist die Überwältigung eines Publikums. Die Situation des Komikers auf der Bühne ist die eines Duells: Lacht niemand, bist du selbst der Witz.

Wer je eine Karriere als Klassenclown gemacht hat, weiss, dass man dabei schnell Schlagfertigkeit lernen muss – um seinen Klassen­kameraden wenn nötig schnell eins über den Schädel zu ziehen: damit sie deinetwegen lachen und nicht über dich.

Witz entsteht aus dem Bruch der Konventionen – dem Angriff auf Geschmack, Gewohnheit oder Logik. Kein Wunder, klagten bürgerliche Politiker oft, dass alle brauchbaren Komiker links waren. Doch die Klugen und Melancholischen unter ihnen wussten, dass dies ein Teil des Preises war, den man für seine Karriere zahlte: Man konnte nicht gleichzeitig die Regeln machen und sie brechen.

Doch das ist Vergangenheit – tiefstes 20. Jahrhundert. Im 21. verwandelten sich Chaos und Spott von der Waffe der Aussen­seiter zur Waffe der Macht. Schlechte Manieren und schlechte Organisation bedeuteten nicht mehr das gesellschaftliche Aus. Jedenfalls nicht in der Politik: Hier wurden sie zu einem robusten Motor für eine steile Karriere. Als wäre der Mangel an Benehmen das Zeichen für Glaubwürdigkeit wie früher ein Doktortitel.

In der Tat passierte im 21. Jahrhundert etwas Seltsames. Eine Figur trat auf die Bühne der Politik, die zuvor Tausende Jahre nur unterirdisch gelebt hatte: der Troll.

Das Wunder

In der Geschichte der Menschheit ist nur wenig Seltsameres passiert.

Fast bis zu ihrer Wahl hielt es sogar die eigene Partei für undenkbar, dass ein Clown wie Donald Trump oder Boris Johnson je ihr Kandidat werden würde. Geschweige denn die Wahl gewinnen würde. Und schon gar nicht, dass die eigene Partei sich ihm unterwerfen würde.

Es gibt auch keinen vernünftigen Grund, sich einen Troll als Chef zu wünschen. Sprunghaftigkeit, Böswilligkeit, Unernst in allem, ausser dem Gefühl, zu kurz gekommen zu sein, sind nicht gerade die Züge einer Person, der man seine Katze anvertrauen würde.

Geschweige denn die Zukunft des eigenen Landes.

Als Boris Johnson 2016 für den Parteivorsitz der Konservativen kandidieren wollte, erklärte ihn sein Wahlkampfchef und engster Verbündeter Michael Gove für komplett ungeeignet für den Job des Regierungschefs: zu chaotisch, nicht teamfähig, ohne Führungs­qualitäten.

Gove kandidierte dann selber. Und halb Grossbritannien debattierte über seinen Verrat. Aber was Johnson betraf, widersprach ihm niemand.

In der Tat hatte sich Boris Johnson einen soliden Ruf der Untreue im Politischen wie Privaten erarbeitet: als Mann, der Sitzungen verpasste, Versprechen vergass, Positionen wechselte, Skandale und uneheliche Kinder produzierte (und hinter sich liess), und der als Journalist wie als Politiker ein Serienlügner gewesen war, wenn auch ein amüsanter. Man betrachtete ihn als Nebenfigur.

Vor einer Woche passierte, was drei Jahre zuvor kaum ein Politprofi für möglich gehalten hätte: Boris Johnson gewann die Wahl zum Premier­minister mit einer Erdrutsch­mehrheit an Sitzen.

Damit wählte man den Mann, den der «Economist» den «unverantwortlichsten Politiker seit Jahren» nannte: «Niemand hat sein Land und seine Partei so betrogen wie er.»

Wie zum Teufel konnte er so weit kommen? Weil der Troll­politiker erstaunliche Stärken hat.

Das Geschenk Gottes (oder Satans)

Der Sage nach lebten Trolle in Höhlen oder unter Brücken, waren grundsätzlich schlecht gelaunt und kassierten Zoll.

Der Troll im Netz zeichnet sich vor allem durch das Verbreiten von schlechter Laune aus. Sein Ehrgeiz ist, Passanten in eine Debatte zu verwickeln und diese mit den falschen Argumenten zu gewinnen. Er nimmt ebenfalls Zoll: durch Zeitverschwendung.

In der Frühzeit des Internets war der Troll noch politisch neutral. Er war der Anarchist, der alle ärgerte: Gute, Böse, Linke, Rechte, Naivlinge, Fachleute – nach dem Motto von Groucho Marx: «Whatever it is, I’m against it!».

Doch schnell wurde das Trollen als effiziente politische Waffe entdeckt. Ein einziger Troll kann im Raum eine komplette Debatte vergiften. Und eine kleine, organisierte Troll­truppe vermittelt den Anschein, die halbe Gesellschaft befinde sich in Aufruhr.

Kein Wunder, begannen sich die Trolle zu organisieren. Zunächst als ungezogene Subkultur. Bald auch als professionelles Propaganda-Instrument. Nicht überraschend halten sich Politiker wie Wladimir Putin eine Trollfabrik: So günstig, wie man damit Lärm, Zwietracht, Zeit­verschwendung verbreiten kann – davon konnte Putin in seiner Zeit als sowjetrussischer KGB-Agent nur träumen.

Ursprünglich unpolitisch, weil gegen alles, rückte der Troll schnell radikal nach rechts. Zwar existieren Trolle auch links, grün oder intellektuell gefärbt – nur blieben sie trotz gelegentlicher aufsehen­erregender Attacken im Unter­grund. Sie kamen nie in die Nähe, in ihrer Blase die Führung zu übernehmen.

Rechts war das anders. Das deshalb, weil der Troll für die harte Rechte ein echtes Problem löste. Der Mix von Ironie und Beleidigung war für sie ein Geschenk Gottes (oder Satans). Denn der Troll-Stil vereinigte komplett unterschiedliche, zuvor zusammenhangslose Minderheiten: Zyniker, Verschwörungs­gläubige, verbitterte Männer, paranoide Weisse, strenge Evangelikale, Ausländer­feinde aller Art – kurz: Ultra­religiöse, Ultra­libertäre und Ultra­rechte.

Sie fanden plötzlich als schlagkräftige Einheit im Netz zusammen, weil es dort nicht um geteilte Ideen ging, sondern um geteilte Wut.

Nicht zuletzt gelang es der Rechten, die ruchlose Kreativität von männlichen Teenagern in ihren Dienst zu setzen. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg schaffte es die radikale Rechte, Teil der Popkultur zu werden.

Das war ein grosser Sieg. Aber nur das Vorspiel eines noch grösseren Sieges.

Denn dem Troll gelang, was niemand je von ihm erwartet hatte: den Computer zu verlassen. Und nach Jahrtausenden, die er schlecht gelaunt im Keller verbracht hatte, in das Rampenlicht der Wirklichkeit zu treten. Und das auf der grösst­möglichen Bühne: indem er Politiker wurde.

Und das auch nicht in einer Nebenrolle. Der Troll ist der erfolgreichste Politikertyp der Gegenwart: In den Regierungs­vierteln von Warschau bis Washington, von Budapest bis Brasília amtieren als Regierungs­chefs überall Herren mit so zweifelhaften Manieren, dass man sie täglich fragen könnte: «Was sagt eigentlich Ihre Mutter dazu, dass Sie so reden?»

Witz und Aggression

Der grosse Vorteil des Trolls im politischen Betrieb ist, dass Aggression und Humor peinlich enge Verwandte sind. Und deshalb einander Deckung geben: Geht ein Konventions­bruch zu weit, war es eben ein Witz. Nicht ohne Zufall werden Todes­drohungen im Netz gern mit einem Smiley verschickt.

Für den Trollpolitiker hat das den Vorteil, dass er für nichts wirklich Verantwortung übernehmen muss. Unter dem Vorwand des Witzes lässt sich atemberaubend direkt kommunizieren. So kann Donald Trump seinen Mitarbeitern sagen, er würde jeden, der beim Bau von seiner Grenzmauer gegen Gesetze verstossen würde, begnadigen.

Auf Nachfragen erklärte das Weisse Haus: ein Scherz.

Dieselbe Erklärung gab es auch, als Trump …

  • Russland aufforderte, Hillary Clintons E-Mails zu veröffentlichen;

  • alle Waffenfreunde ermutigte, «zu verhindern, dass Hillary Clinton je Richter ins Amt berufen» könnte;

  • von den Amerikanern verlangte, dass sie «still sitzen», wenn er rede;

  • vorschlug, ihn selbst zum «Präsidenten auf Lebenszeit» zu machen.

Die Folge ist, dass Trollpolitiker nicht nur wie Schurken in Superhelden­comics reden – sondern beinah genauso unzerstörbar sind. Sie können sich fast wöchentlich Dinge leisten, die noch vor wenigen Jahren genügt hätten, eine politische Karriere zu beenden: Steuer­hinterziehung, Lügen, Unwissen, Grausamkeit, Inkompetenz, Seiten­sprünge, Prahlerei, Beleidigungen, Bestechlichkeit, sexuelle Übergriffe – was auch immer.

Import/Export

Im Prinzip sind Trolle in der Politik vor allem ein Import aus einer benachbarten Gegend: der Unterhaltungs­branche. Als Entertainer waren Johnson und Trump solides Mittelmass. Doch in der Politik waren dieselben Routinen, konsequent angewandt, neu.

Es ist kein Zufall, dass die beiden bedeutendsten Trollpolitiker, Donald Trump und Boris Johnson, eine unverwechselbare Frisur haben: Betontolle und Frisch-aus-dem-Bett-Wuschel. Dass beide wiedererkennbar sind wie Comic­figuren. Und beide mit Vornamen berühmt wurden.

Beide sind Kunstfiguren, die von ihren Trägern über Jahrzehnte aufgebaut wurden, als Profis in der Unterhaltungs­branche.

Donald Trump feierte seine grössten Erfolge nicht als Immobilien-Tycoon – dort hinterliess er ein Chaos an Bankrotten und Prozessen. Die echte Karriere machte er als Immobilien-Tycoon-Darsteller. Erst in der Klatsch­presse, dann in Büchern, schliesslich im TV.

Dahinter steckte leidenschaftliche, disziplinierte Arbeit: Viele Jahrzehnte fütterte Trump Journalisten mit Telefon­anrufen, Fotos, Affären. Und er liess seine Person von Profis entwerfen: Seine beiden grössten Erfolge, der Bestseller «The Art of the Deal» und die Reality-TV-Show «The Apprentice», waren komplett von Profis geskriptet. Der Beitrag von Trump dazu war seine Haartolle.

Boris Johnsons Geniestreich war derselbe wie bei Trump: die Erfindung einer Person. Alexander Johnson war ein brillanter, verträumter Schüler. Bis er ins Internat nach Eton ging – und dort als tollpatschiger Klassen­komiker ankam, sich Boris nannte und dies für immer blieb: ein ewiger Junge mit wirren Haaren, die er vor jedem Auftritt in alle Richtungen strubbelte, der zum Journalisten­politiker mit einer Vorliebe für Latein und Peinlichkeiten wurde. Boris war wie ein räuberischer Waschbär beim Picknick: zu unterhaltend, um ihm böse zu sein.

Trump und Johnson galten lange als Anti-Ideologen. Das, weil man ihnen keine andere Überzeugung als den nächsten Effekt zutraute. Selbst als sie längst weit nach rechts gerückt waren, kommentierten die meisten Leute: Er will nur spielen.

Johnson wie Trump importierten etwas sehr, sehr Wirkungsvolles: die Avantgarde von gestern. Der systematische Tabubruch war lange das Vorrecht (und die Pflicht) der Boheme.

Ein Jahrhundert lang, von Dada bis Punk, ernährten sich Künstler und Entertainer von Tabubrüchen. Die Erregung von Empörung war die wirkungsvollste Methode für Protest, Poesie und Verkauf. Sie lieferte während Jahrzehnten Material für Oppositionelle, bis sie den Weg ging, die alle revolutionären Ideen eines Tages gehen müssten: Sie landete als narbiger Bastard im Arsenal der Reaktion.

Ausgeleierte Gegenstände sind Schrott, ausgeleierte Gedanken potenzielle Schlager. Neue Ideen liebt niemand. Erst wenn ihnen die Zähne abgefault sind, werden sie massen­tauglich: als ungefährliche Neuheit.

Und so verbreiteten sich die Clowns in der Politik wie die Pythons in Florida: als invasive Art ohne natürliche Feinde.

Eine verdammt miese, faszinierende Show

Die Show, die sie liefern, ist … nun … miserabel.

Zwar macht der Trollpolitiker Politik mit den zwei populärsten Mitteln des Entertainments – Witzen und Kampf. Nur liefert er beide in ihrer archaischsten Form: wie auf dem Pausenplatz. Für Lacher genügt eine Beleidigung. Und als Verteidigung reicht das Wort «selber!».

Boris Johnson, der seine Karriere mit albernen Pullovern, Slapstick, Selbstironie machte und bis heute zu witzigen Reden fähig ist, hat das Teddybärhafte als Premier­minister fast über Nacht abgelegt und redet hauptsächlich in Grobheiten: Er nannte Oppositions­führer Jeremy Corbyn etwa «grosse Mädchenbluse», «Chlorhühnchen» oder schlicht «das Desaster». Und sein wichtigstes Wahl­versprechen war neben dem Brexit ein «corbynneutrales 2020».

Donald Trump lobte sich, er würde bei jedem Angriff zehnmal so hart zurückschlagen. Im eigenen Lager lobt man ihn als genialen Counterpuncher. Doch im Prinzip macht Trump nur: jede Kritik mit ihrem Echo zu kontern. Egal, bei welchem Vorwurf, nennt er seine Kritiker meist genau dasselbe – Selber! Selber! Selber!

Zugegeben: Das alles ist intellektuell so interessant wie der Furzwitz – nur weniger lustig. Aber … es ist auch unangenehm faszinierend.

Tatsächlich merkt man erst durch Trump, Johnson und Co, wie man die eigene Abhängigkeit von Konventionen unterschätzt hat. Und wie allgegenwärtig die ungeschriebenen Regeln sind. Trump gelingt es mühelos, täglich welche zu brechen: wenn er die kurdischen Verbündeten ohne Warnung den Türken ausliefert, sich als Erwählten lobt oder auch nur den Regenschirm über sich statt über seine Gattin hält. Woran sich das Publikum auch nach drei Jahren nicht gewöhnt hat. Fast jeden Tag geht die verletzte Regel als Schlagzeile um die Welt, eine winzige Schockwelle, gefolgt von einem millionenhaften leisen Schmerz – etwa dem gleichen Schmerz, den man spürt, wenn jemand etwas mit Sorgfalt Gebautes zerbricht, beispielsweise ein Modellflugzeug.

Konventionen sind wie Luft – unsichtbar, solange sie vorhanden sind. Aber unignorierbar, sobald sie fehlen.

Boris Johnson brach bei Amtsantritt Traditionen im Zeitraffer. Er feuerte die Hälfte des Kabinetts, schickte das Parlament in den Urlaub, belog die Queen, wurde vom Verfassungs­gericht gestoppt, warf zwei Dutzend der verdientesten Leute aus der Partei, kassierte in zehn Tagen mehr Niederlagen im Unterhaus als Margaret Thatcher in elf Jahren, erwiderte, er habe nicht die Absicht, sich an die Beschlüsse von Gericht oder Parlament zu halten, und log im Vorfeld über jeden einzelnen der obigen Schachzüge – die alle, ohne Ausnahme, Premieren in der britischen Politik waren. Johnsons Vorgehen war weit mehr als nur ein Angriff auf verstaubte Traditionen. Es war ein Angriff auf die bisher verbindliche Realität.

Der Schwindel, den der Schwindel auslöst, die Mischung zwischen Unglauben, Abscheu und Entsetzen im gegnerischen Lager, ist eines der attraktivsten Produkte des Trollpolitikers. Er liefert einer grossen Gruppe von Leuten in der Wählerschaft etwas, was sie sich seit langem ersehnten: Rache.

Wir werden es diesen Wichsern zeigen!

Zwar scheint es Linken absurd, wenn Rechte klagen, dass die Linke die Welt regiere. Doch die Rechte hat einen Punkt: Blickt man fünf, sechs Jahrzehnte zurück, ist der Erfolg der Linken atemberaubend – allein im Alltag: Frauen mit Karriere, gleichgeschlechtlich Liebende als Zielgruppe der Werbung statt der Polizei, Rücksicht­nahme auf unübersichtlich viele Minderheiten, die Abwesenheit einer unbestrittenen Mehrheit, die Abwesenheit einer unbestrittenen Moral, Kinder als Entscheidungs­berechtigte in der Familie, Hippies als Bosse im Silicon Valley, die Armee als Ausweg für Arme (mal materiell, mal im Geist) et cetera.

Dazu kommen die harten Gewinne: Kranken­versicherung, Kündigungs­schutz, Renten. Alle nicht perfekt, nicht billig, fast nicht reformierbar. Die Linke hat in den letzten Jahrzehnten viele Schlachten, viel Schwung und den Kompass verloren, aber den Krieg gewonnen.

Doch neben der Linken hat auch der Kapitalismus die kühnsten Erwartungen übertroffen. Kinder­sterblichkeit, Analphabetismus, Armut, Bildungs­mangel, Hunger, Ungleichheit, Unfreiheit, Kriege, Seuchen sind zwar nicht verschwunden – aber in atemberaubendem Tempo zurück­gegangen. Technischer Fortschritt, gesteigerte Effizienz, globalisierter Handel haben die Welt zur freiesten und glücklichsten aller bisherigen gemacht.

Umso brutaler war es für alle, die inmitten des allgemeinen Aufstiegs zu den Verlierern gehörten. Ideologisch war das die harte Rechte. Wer auf Privilegien, Hierarchien, Ordnung, Tradition setzte, verlor in kurzer Zeit massiv an Macht, Durchblick und Respekt. Wer seinen Stolz daraus zog, das Leben als Kampf aller gegen alle zu kämpfen, strandete im Durcheinander des weltweiten Handels und im Luxus seiner Annehmlichkeiten.

Psychologisch traf es die Schicht am härtesten, die nach dem Zweiten Weltkrieg der Motor von Kapitalismus, aber auch Sozial­demokratie war. Eine Schicht, die in den wenigen Jahrzehnten ihrer Macht die Welt umgekrempelt hatte: die weisse westliche männliche Mittelklasse. Sie wurde erst vom eigenen Erfolg überrollt. Dann von dem aller anderen.

Kein Wunder, fühlten sich viele durchaus immer noch Privilegierte plötzlich fremd auf dem Planeten.

Nun liefert der Trollpolitiker den Leuten, die so fühlen wie in den 1960er-Jahren, die Nachricht: Eure Normalität ist zurück. Die natürlichen Verhältnisse, als die Hierarchien noch klar waren. Und jeder ehrliche Mann seiner Familie ein kleines Haus bauen konnte.

Es war die Zeit, in der die westliche Mittelklasse die erste Massen­aristokratie der Geschichte bildete: eine Milliarde Menschen, schimmernd und privilegiert durch die Tatsache ihrer Geburt.

Die nun schon wenig später das Ziel von Verachtung und Witzen wurde. Von Moralisten. Von anderen Gruppen, die auch ihr Stück des Kuchens wollten. Von den eigenen Firmen. Und ihren ultraliberalen Experten, die für den Erfolg der Wirtschaft nicht selten die Menschen für überflüssig erklärten.

Und das ist der Grund dafür, dass Trollpolitiker von vielen Wählern nicht trotz, sondern wegen miserablen Benehmens und miserablen Regierens gewählt werden: Sie geben den Wichsern auf der Siegerseite das Gefühl der Fremdheit auf der Welt zurück.

Die Strategie der Willkür

Die Verbreitung von Schrecken ist, wie erwähnt, das Erste, was ein Entertainer lernen muss: um dem Publikum beizubringen, seinetwegen zu lachen – und nicht über ihn.

Hier teilen Komiker und Chefs dieselbe Erfahrung. Gute Schauspieler können solo fast alles spielen – nur einen König nicht. Der König spielt sich erst durch das Verhalten der anderen.

Nicht ohne Zufall ist das gemeinsame Ziel aller autoritären Herrscher, dass niemand über sie lacht. Zumindest nicht ungestraft. Und eine der grössten Hoffnungen ihrer Anhänger ist, dass ab sofort auch niemand mehr über sie ungestraft lachen kann.

Die Spezialität dieser Sorte Herrscher sind Witze – getarnt als überraschende Regierungs­beschlüsse, geliefert mit dem Tempo eines Stand-up-Komikers, nur mit dem Unterschied, dass sie nicht lustig sind.

Vorteilhaft für Trolle ist dabei, dass Willkür keine grossen Überlegungen braucht, die Hingabe an wechselnde Launen genügt.

Trump ist alles andere als ein gerissener Machtmensch. Er funktioniert irritierend einfach. Was zählt, ist: 1. Er selbst. 2. Der nächste Impuls. Er ist dadurch so leicht und so schwer zu berechnen wie ein Dreijähriger, dem jemand einen geladenen Revolver in die Hand gedrückt hat.

Trotz ihrer Einfachheit ist die Strategie der Willkür überraschend wirksam. Bis jetzt haben weder die Justiz, die Presse, die Opposition noch die eigenen Leute ihn in den Griff bekommen. Präsident Trumps Inflation an Lügen, Beleidigungen, Richtungs­änderungen hinterlässt die cleversten Köpfe in Washington erstaunlich hilflos. Selbst wasserdichte Beweise, etwa beim Impeachment, entwickeln minimale Wirkung. Weil sie von Trump und seinen Leuten schlicht ignoriert werden. Der Fall eines vollkommen plan- und schamlosen Politikers ist im politischen Betrieb nicht vorgesehen.

Willkür hat für einen Politiker zwei Vorteile. Zum Ersten ist sie die einfachste, weil älteste Vorstellung der Souveränität: Man tut, was man will, egal, was los ist. Das ist eine Sensation in einer Welt, die von Gesetzen, Verträgen und Lieferketten dicht geregelt ist.

Zum Zweiten unterwirft Macht ohne Logik die Menschen effizienter als Macht plus Plan. Man stimmt der ersten absurden Sache aus Höflichkeit, Schwäche oder Verwirrung zu. Dann der zweiten aus denselben Gründen. Und ab der dritten hängt man drin: weil man nicht begründen könnte, warum man dem ersten und dem zweiten Wahnsinn zugestimmt hat und dem dritten nicht mehr.

Seit Generationen hielten sich die republikanischen Abgeordneten in den USA für harte Kerle mit harten Prinzipien. Nach nur drei Jahren chaotischer Regentschaft rechtfertigen sie geschlossen jede Wendung ihres Präsidenten. Selbst wenn dessen neue Idee einen Bruch der Politik beinhaltet, die sie eine Karriere lang vertraten.

Josef Stalin, ein Fachmann in dieser Frage, riet einmal: «Wenn du einem Huhn alle Federn ausreisst, es trittst und ihm dann ein paar Körner hinstreust, wird es dir auf dem Fuss folgen.»

Und das funktioniert, offensichtlich auch für Abgeordnete.

Der autoritäre Markt

Der Aufstieg Trumps in den republikanischen Vorwahlen kam völlig überraschend. Ausser für ein paar Sozialwissenschaftler.

Schon sieben Jahre zuvor, 2009, hatten die Politik­professoren Marc Hetherington und Jonathan Weiler in ihrem Buch über Autoritarismus und Polarisierung eine gespenstische Entdeckung beschrieben: ein dramatisch wachsendes, riesiges, aber noch schlummerndes Reservoir eines neuen Wähler­typs. Quasi die Magma­kammer unter der Oberfläche der amerikanischen Politik. Ein Reservoir, das den Aufstieg eines Politikers ermöglichen würde, wie die USA ihn noch nie gesehen hatte.

Das neue Wähler­reservoir bestand aus der schnell wachsenden Verbreitung eines psychologischen Typs: Studien zeigten, wie die Gruppe der autoritären Persönlichkeiten plötzlich dramatisch anschwoll – auf etwa 40 Prozent des Elektorats.

Die autoritäre Persönlichkeit schätzt Ordnung, Kontrolle und Hierarchien, verabscheut Abweichler jeder Art und befürwortet harte Massnahmen.

Das treibende Element dieser Sorte Mensch ist Angst – vor allem vor Gefahren von aussen. Im Prinzip gibt es zwei Gruppen dieses Typs. Die harten Autoritären beunruhigt jeder kulturelle Wandel, jede mögliche neue Bedrohung – und sie wünschen sich einen Politiker, der dem Neuen möglichst mit physischen Konsequenzen den Kampf ansagt.

Daneben existiert – so etwa Karen Stenner – eine sehr grosse Gruppe von latent Autoritären. Diese verhielten sich entspannt, bis sie physisch bedroht wurden. Dann verhielten sie sich wie die harten Autoritären: Sie suchen einen entschlossenen Beschützer.

(Wobei die wenigsten davon die reale Politik eines autoritären Politikers besonders schätzen – sie sind nur froh, dass dieser sie ernst nimmt, indem er Eindringlinge energisch bekämpft. Sie wählen den Kerl weniger aus Sympathie denn aus Notwehr.)

Die Finanzkrise 2008 mit dem massenhaften Verlust von Häusern und Jobs, die Tatsache, dass die Weissen bald eine Minderheit sein würden, und ein Schwarzer als Präsident waren der perfekte Sturm für das grossflächige Erwachen der Autoritären.

Ein zweiter Treiber war die Hoffnungs­losigkeit. Je kleiner der Glaube an die Zukunft in einem Gebiet, desto grösser die Chancen für den neuen Typ Politiker.

Und richtig explosiv wurde die Lage dadurch, dass sich die autoritären Persönlichkeiten, eigentlich eine nicht politische Kategorie, über fünf Jahrzehnte hinweg in der Republikanischen Partei angesammelt hatten. Einerseits dadurch, dass die Republikaner seit den 1960er-Jahren zur Partei von Law and Order, harten Prinzipien und wenig Bürger­rechten geworden waren. Während andererseits die Demokraten mit ihrer Koalition von zahlreichen Minderheiten die autoritären Persönlichkeiten nicht nur nicht mehr anzogen, sondern aktiv abstiessen.

2016 war es so weit. Donald Trump reihte zum Erstaunen aller in den Vorwahlen Sieg an Sieg. Er sammelte seine begeisterte Basis weniger durch seine Versprechen (die glichen denen seiner Konkurrenten), sondern durch seinen Stil: durch Skandale und Grobheiten. Indem er etwa Mexikaner als Vergewaltiger, schwarze Richter als parteiisch beleidigte, zeigte er, dass er auch im Amt keine Rücksicht auf Konventionen nehmen würde. Und es den Feinden aller normalen Leute zeigen würde.

Hetherington rief Weiler an und fragte ihn fassungslos: «Kannst du das glauben? Kannst du das wirklich glauben?»

Und ja, ihre Prognose eines neuen Typs des Politikers war plötzlich in Fleisch, Krawatte und Blut auferstanden. Und die riesige von ihnen entdeckte Magma­kammer schlummerte nicht mehr.

Der Vulkan war ausgebrochen.

Die Kippfigur

Trollpolitiker bekommen selten die Mehrheit – und wenn, nur eine winzige.

Trump wurde mit 46 zu 48 Prozent wegen des Electoral College gewählt, am Ende entschieden rund 70’000 von 130 Millionen Stimmen für ihn. Der Brexit siegte mit 52 zu 48 Prozent, die Massen­einwanderungs­initiative mit 50,3 zu 49,7 und der Erdrutsch­sieg von Boris Johnson entstand nicht durch eine Welle von Begeisterung: Die Konservativen stiegen von 42 auf 43 Prozent. Zum Triumph wurde das nur, weil Labour 8 Prozent verlor.

Es ist eine winzige Zahl von Wählern, die für ihr Land den Unterschied zwischen zwei völlig verschiedenen Wirklichkeiten machen.

Denn die Knappheit des Siegs hindert den Troll an der Macht keine Sekunde, ihn als totale Recht­fertigung zu interpretieren: als schranken­loses Mandat für sich und jeden seiner Einfälle.

Das mit Billigung seiner Wählerschaft: Denn egal, gegen welche Minderheit es im Wahlkampf offiziell ging, sie sind für alle gleich: Mexikaner, Trans­sexuelle, Kriminelle, Chinesen, Frauen, Schwule, Akademiker, Demokraten, Pädophile, Jugoslawen, Schwarze, Nerds, Veganer … die Reihenfolge, in der sie angegangen werden, ist meist Zufall.

Denn sie sind alle nicht normal. Kein Wunder, klagt der Troll an der Spitze über harte Arbeit und seine untätigen Vorgänger: Es gibt viel aufzuräumen.

Politik des Chaos

Das Ziel der Politik der Trolle ist: das Chaos. Die Vergangenheit ist für sie nicht ein Erbe, sondern ein Abbruch­hammer.

Zwar appellieren auch Trollpolitiker gern an die grosse Zeit, als noch gesunde Verhältnisse herrschten. Nur bleiben ihre Beschwörungen meist irritierend vage, fast leidenschaftslos. Bis auf eine einzige Ausnahme: bei der Beschreibung, wer das Sagen hatte. Und wer nicht.

In Wahrheit ist ihr Programm unpolitisch. Denn egal, was offiziell als Partei auf ihrem Programm steht, der Inhalt ist immer derselbe: der Abbruch von allem Bestehenden – den demokratischen Institutionen, der Gewaltenteilung, des Rechtsstaats, aber auch von Traditionen, Manieren, Prinzipien, Verträgen … von überhaupt Kontinuität jeglicher Art.

Die Zerstörung von allem, was gebaut ist, ist das, was er seinen Wählerinnen versprochen hat. Die Abscheu für Dekadenz, die Drohungen gegen die Eliten sind nicht zufällig die farbigsten und erfolgreichsten Teile seiner Reden – sie sind ihr Herz. Und auch sein Herz. Seine Wähler wissen das. Deshalb fühlen sich auch so wenige betrogen, wenn für sie nach der Wahl nichts getan wird. Die Leute, die Donald Trump wählten, wählten keinen Freund. Sie wählten eine Handgranate ins Weisse Haus.

Das Grossartige an dem Plan der Zerstörung ist, dass er auch in einer komplexen Welt leicht umzusetzen ist. Inkompetenz genügt dafür, wenn man sie nur aktiv genug einsetzt.

Mit der Zeit hilft auch das Team immer besser: Gefeuert oder verzweifelt verlassen die Integren und Kompetenten das Boot – und machen Ja-Sagern, Ideologen und Gaunern Platz. Ist ein Troll an der Macht, läuft die Evolution rückwärts.

Die grosse Einfachheit

Die grosse Frage ist: Warum bleiben Trolle nicht dort, wo sie hingehören: in Kellern, Gefängnissen, Internet­foren oder Zeitungs­redaktionen? Warum tauchen sie plötzlich massenhaft an der Spitze ehrenwerter Demokratien auf? Und sind dort kaum mehr zu entfernen?

Ihr Geheimnis ist: Einfachheit.

Trolle nehmen in allen Bereichen der Politik den direktesten Weg. Keine Tradition, keine Rücksicht, kein Zittern vor der Grösse ihrer Aufgabe lähmt sie. Ihre politische Praxis ist von atemberaubender Effizienz.

  • Als Troll ist deine Antwort auf jede Frage: «Ich allein kann es richten.»

  • Diese Antwort ist sowohl die Begründung wie das zentrale Versprechen deiner Kampagne – und hat den Vorteil, dass im Augenblick der Wahl dein wichtigstes Versprechen bereits erfüllt ist.

  • Für deine nicht existierenden Schwächen und deine Leichen im Keller brauchst du weder Psychologen noch Totengräber – wirf sie direkt deinem politischen Gegner vor.

  • Im Zweifel: Sag irgendeine Grobheit.

  • In Debatten hast du jede Chance, angeblich weit kompetentere Leute plattzumachen. (Den Grund dafür nannte Feministin, Kolumnistin und Buchautorin Laurie Penny, als der damals noch berühmte Troll Milo Yiannopoulos sie zum öffentlichen Duell forderte. Sie lehnte ab mit der Begründung: «Not because I’m frightened I’ll lose, but because I know I’ll lose, because I care and he doesn’t.»)

  • Willst du an der Macht Grosses erreichen, brauchst du keine Anstrengung: Die Ankündigung der grossen Tat genügt. Denn die Show ist alles. (So etwa verlangten Trumps Leute von der Regierung in der Ukraine nicht eine Untersuchung gegen Vater und Sohn Biden. Sondern nur die öffentliche Ankündigung dieser Untersuchung.)

  • Ist dein wichtigstes politisches Ziel die Zerstörung der herrschenden Elite, ist Nachdenken das Letzte, was hilft.

  • Überhaupt löst sprunghafte Willkür fast alle deine Probleme: Sie ist das perfekte Training für die Loyalität deiner Leute, versetzt deine Gegner in Furcht oder zumindest Zweifel und schenkt deinen Wählern Stolz: Hier lebt wenigstens einer, der sich traut.

  • Wirtschaftspolitik ist für dich keine grosse Kunst: Nimm von deinen Feinden, gib es deinen Freunden.

  • Kandidaten auswählen ist für dich nicht schwierig. Die Kriterien sind: 1. Leibliche oder charakterliche Verwandtschaft. 2. Verdiente Propagandisten. 3. Langweiler, die dich nie überstrahlen werden.

  • Denke wie die Wähler. Es gibt keine harten Entscheidungen. Wichtige Leute und Länder erhalten von anderen stets Fünfer plus Weggli plus ein Dankeschön.

  • Erkläre nicht. Entschuldige nicht. Gib keinen Fehler zu. Greif an, wenn du angegriffen wirst.

  • Feuere nicht nur eigene Leute, sondern auch eigene Ideen, wenn sie dir auf die Nerven gehen. Mach, was immer dir einfällt, nur keinen Kompromiss.

  • Lüge, so viel du willst. Erstens ist dies das Bequemste. Zweitens beschäftigt es deine Gegner, die sich sinnlos an deiner vorvorletzten Lüge abarbeiten, während du schon ganz Neues redest.

Kein Wunder, sind Trolle auch in Krisen stets auf der Höhe. Und durch Skandale und Rückschläge fast nicht umzubringen. Denn sie brauchen keine Energie für ihren nächsten Zug, keine Energie für den Job des Regierens, keine Energie für den Lärm, das Chaos und die Panik, die sie verursachen.

Kein Wunder, verbreiten sie sich in Demokratien: Sie sind resistent gegen deren Komplexität.

Strategien für das 21. Jahrhundert

Es hat knapp 20 Jahre gedauert. Doch nun ist das 20. Jahrhundert endgültig Vergangenheit.

Das frühe 21. Jahrhundert hat bereits eine ganze Flotte an Leitfossilien: die Fernsehserie als Kunstform, das Internet, die Pressekrise, den arabischen Terrorismus, Finanz­derivate, Erderwärmung, Klimapolitik, den Aufstieg des Trolls als demokratischer Herrscher.

Mit dem 20. Jahrhundert verwesen auch seine Rituale und Reflexe. Punk zum Beispiel ist gleich zwei grausame Tode gestorben: das erste Mal 2008, als die Banker und nicht die Anarchisten das Welt­finanzsystem an den Rand des Abgrunds gebracht hatten (und sogar noch davonkamen), während die gleichaltrigen Punks es nur zu Musiklabels, Bioläden und Szenebeizen – kurz: zu Kleingewerbe – gebracht hatten. Das zweite Mal starb Punk durch den Aufstieg der Trolle: Schlechte Manieren und die Zerschlagung des Staats haben nicht den geringsten Charme mehr.

Will man die Trolle bekämpfen, ist das überlieferte Arsenal der Opposition von Protest oder Provokation untauglich geworden – die neuen Machthaber haben es gekapert.

Wahrscheinlich muss man das Gegengift gegen Troll­politiker ganz woanders suchen, bei Dingen, die im 20. Jahrhundert noch gelangweilt hätten: Manieren, Nüchternheit, solider Arbeit.

Die Politiker der Republikanischen Partei – egal, ob überzeugte Christen oder überzeugte Libertäre – waren stolz auf ihre radikalen Prinzipien. Doch sie knickten beinah ohne Ausnahme vor einem Mann ein, der regelmässig das exakte Gegenteil ihrer Überzeugungen vertrat.

Wer sich Trump entgegenstellte, waren hochrangige Beamte. Erfahrene, unpolitische Profis, deren wichtigstes Ziel darin bestand, einen guten Job zu machen. Und die den Pfusch und den Bruch der Verfassung durch den Präsidenten nicht ignorieren konnten.

In Zeiten des Chaos ist gut gemachte Arbeit der wirklich subversive Akt.

Ein zweites Gegengift kommt aus der Schweiz. Als die SVP die Initiative lancierte, die Ausländer schon bei Bagatell­delikten automatisch aus dem Land geworfen hätte, begann die Operation Libero, im Netz die rechten Trolle zu trollen: und liess kein faktisch falsches Argument mehr unwidersprochen.

Das führte dazu, dass die SVP gegen die Operation Libero momentan bei Abstimmungen 0:6 hinten liegt – und wie zuvor ihre Gegner über Unfairness jammert.

Was heisst, dass Klarheit, Fleiss, Hartnäckigkeit und eine klare Strategie den Trollen auf ihrem eigenen Terrain das Leben hart machen können.

Sicher, die Trolle wieder aus der Politik zu entfernen, wird ein langer Kampf. Wer sein Land liebt, muss ihn mit entschlossener Freundlichkeit führen.

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