Debatte

Ist die Demokratie zu lahm für entschiedenen Klima­schutz?

Es geht endlich vorwärts in der Klimapolitik. Doch gleichzeitig polarisiert sich die Debatte. Zu wenig, zu langsam, sagen Aktivisten. Andere werfen der Klimabewegung mangelndes Verständnis für Kompromisse und Konsens vor. Wie sehen Sie das? Diskutieren Sie mit.

04.10.2019

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Es dürften wertvolle Jahre verstreichen, bis eine globale und nationale Klimapolitik steht, die der fortschreitenden Klima­erwärmung gerecht wird. In demokratischen Systemen wachsen Lösungen langsam, sie werden ausgehandelt, ausdiskutiert – und oft so abgeschwächt, dass eine grosse Mehrheit damit leben kann.

Normalerweise ist das eine Stärke. Aber was, wenn der Countdown läuft?

In Deutschland haben sich die Regierungs­parteien unlängst auf ein sogenanntes «Klimapaket» geeinigt. Kaum wurden die Details bekannt, wurde es von allen Seiten in der Luft zerrissen.

Und in der Schweiz nimmt das Parlament einen neuen Anlauf für ein griffiges CO2-Gesetz. Doch auch wenn es durchkommen sollte, ist die Schweizer Klimapolitik im internationalen Vergleich weiterhin zögerlich.

Dossier Klimakrise

Daten, Fakten, Hintergründe – und die besten Republik-Beiträge zum Thema.

Es brauche endlich radikale Lösungen, fordern die Klima­jugendlichen in den Strassen. Am Wochenende sind über 60’000 Menschen durch Bern gezogen und demonstrierten für eine rasche Klimawende. Sie verlieren die Geduld und fordern Taten statt Debatten. Ein Gedanke, der mit dem demokratischen System kollidiert – und viele verärgert.

In konservativen Zeitungen wie der «NZZ» warnen Journalisten seit Wochen vor «totalitären Tendenzen» im Klimadiskurs. Der Ringier-Publizist Frank A. Meyer befürchtet den Aufbau «einer Klimadiktatur», und diverse andere Kommentatoren sehen die Demokratie in Gefahr, weil gefordert wird, das System zu beschleunigen.

Wie sehen Sie das? Scheitert eine entschiedene und wirkungsvolle Klimapolitik an der Langsamkeit der Demokratie? Hebelt die Forderung nach einem radikalen Systemwechsel auch unser demokratisches System aus? Oder lassen sich die Mühlen der demokratischen Prozesse so weiterentwickeln, dass auch drängende Krisen gelöst werden können?

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Peter Schlegel
Lehrer i. R.
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"FOCUS Online:Herr Winterhoff, in Ihrem neuen Buch kritisieren Sie das deutsche Bildungssystem. Sie haben es „Deutschland verdummt“ genannt. Was hat es damit auf sich?

(...) Sie haben keinen Sinn mehr für Pünktlichkeit. Strukturen und Arbeitsabläufe zu erkennen, fällt ihnen schwer. Vielen fehlen Grundkenntnisse in Deutsch und Mathe. An oberster Stelle steht heute das Handy – weit über dem Kunden. Immer mehr Schüler brechen ihre Ausbildungen ab, über ein Drittel der Studenten mit Studienabschluss überstehen die Probezeit im Betrieb nicht; es fehlen ihnen soziale Fähigkeiten oder sie haben eine starke Selbstüberschätzung (Konrad-Adenauer Studie)."

Das passt. Selbstüberschätzung gepaart mit historischer Naivität und der Einstellung 'we want it all and we want in now’ ist der Motor der FFF Bewegung und da so ziemlich jeder Lösungsvorschlag reflexartig als 'nicht ausreichend' abqualifiziert wird, ist Frust nicht vermeidbar. Daraus folgt, dass immer radikalere und gewalttätigere Mittel des 'gerechten Kampfes' zu erwarten sind, vermutlich weit vor dem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter. Während es von der 68er Studentenbewegung einige Jahre bis zur RAF gedauert hat, wir es bei den Klimaextremisten schneller gehen, denn sie haben Internet und müssen sich nicht erst noch eine passende Ideologie zusammenzimmern.

Selbst die gemäßigteren FFF Aktionisten und deren Beifall klatschende Eltern und sonstige Unterstützer, riskieren aus der Angst vor dem Untergang den Weiterbestand der unbestreitbaren Errungenschaften, die wir der repräsentative Demokratie zu verdanken haben. Die großen Fortschritte der letzten 200 Jahre im Bezug auf Meinungsfreiheit, Freizügigkeit, dem Mehrheitsprinzip - um nur einige zu nennen - werden nicht nur abqualifiziert sondern entgegen jeder Evidenz schlicht geleugnet und sogar im Namen der 'guten Sache' bekämpft, so als seien diese Errungenschaften einfach so vom Himmel gefallen. Statt dessen werden krude Rätemodelle als Zukunftslösungen präsentiert, die historisch gesehen ihre Unfähigkeit längst mehrfach bewiesen haben. Diese Entwicklung macht mir persönlich mehr Angst als die zu erwartende Klimaveränderung.

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Sie schreiben ja selbst: Das selbe Problem gab es schon früher, eben z.B die RAF. Die RAF war wiederum die Reaktion auf die Verirrungen der Vorgeneration.

'We want it all and we want in now’ war schon immer das Credo der Jugend. Bedachtheit, Voraussicht, Lebenserfahrung, aber auch der Wille zum Erhalten, jenes der älteren Generationen.
Wenn etwas "Gutes" dabei herauskommen soll, muss dann nicht beides zusammen kommen?

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Jakob Surber
Show me the data.
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Gemessen an der nicht-ausreichenden klimapolitik, die sogar grüne parteien betreiben, würde ich die Frage mit „ja“ beantworten.
Allerdings wirft dies die frage auf, ob ein anderes system (eine öko-diktatur) besser geeignet ist für eine Ausreichende klimapolitik.
Der wunsch nach einem „benevolent dictator“ ist wohl so alt wie die geschichte selbst. (Ein herrscher also, der dem volk die schweeren entscheidungen abnimmt & das beste für alle entscheidet. Beispiele dafür, die mehr als eine generation überdauert haben, liefert die geschichte meines wissens nach nicht.)
Oder um ein praktisches beispiel zu liefern: in europäischen medien wird oft davon geschwärmt, wie die chinesen mit der solarenergie vorwärts machen. Was bei der lobhudelei des recht autokratischen systems oft vergessen geht, ist aber dass china die kohlestromkapazitäten schneller erweiterts als die solarstromkapazitäten.

Ich bezweifle daher, dass eine ökodiktatur in der realität eine lösung für eine vernünftige klimapolitik darstellen könnte.

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J. A.
Nationalratskandidatur
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Nein. Die Politik wird das Problem nicht alleine lösen. Dafür ist sie zu langsam und kompromissbereit. Der grösste Bremser ist leider immer noch die (Wirtschafts-)Lobby, die einen Wandel in der Politik mit allen Mitteln bremsen wird. Unser System beruht letztlich auf dem einfachen Prinzip des Konsums. Von Etwas "nichts" oder "viel weniger" zu Verkaufen, z.B. weil das Produkt länger nutzbar ist oder ein Erwerb eigentlich gar nicht notwendig wäre, bringt den Firmen keinen Gewinn. Wirtschaftswachstum ist nach der heutigen wirtschaftsliberalen Auffassung durch ein zusätzliches Mass an Konsum bzw. eine stetige Steigerung der Quantität möglich. Der Faktor der Qualität ist eher störend. Langlebige Konsumgüter müssen seltener ersetzt werden und werden ergo weniger oft gekauft. Deshalb versucht man heute den Konsumenten durch geschicktes Greenwashing davon zu überzeugen, das weiterer ungebremster Konsum sogar gut für unsere Welt ist: Fairtrade Kaffee, energieeffiziente Geräte, Kompensationszahlungen etc.
Werbung trichtert uns zudem täglich ein, wie unvollständig wir sind und wie nah das Glück eigentlich wäre. Wir müssen "nur" jenes Produkt kaufen oder diese Dienstleistung in Anspruch nehmen. Wir sind im ständigen Mangel und suchen durch Konsum diesen Mangel zu kompensieren. Wir definieren unsere Wertschätzung in der Gesellschaftsstruktur heute über unsere Uhr; Kleider, Wohnung, Auto etc.
Wir befinden uns aus meiner Sicht nicht nur in einer Klimakrise, sondern genau so in einer Wertekrise.

Was es braucht, ist ein Wandel in der Bevölkerung selber. Ein sich loslösen von der Vorstellung, das Wertschätzung sich nur auf der materiellen/monetären Ebene abspielen. Wir müssen weg vom Individualismus, der ständigen Konkurrenz hin zu einer Gesellschaft der Rücksichtnahme, des Mitgefühls und der Kooperation in welcher fremdes Leid mich genauso (be)triff wie mein eigenes. Eine Gesellschaft, in welcher die Menschen ihre eigenen Bedürfnisse wieder besser kennen und wissen auf welche Weise sie diese befriedigen können, ohne sich dafür eine Kompensation im Konsum von irgendwelchen Gütern zu suchen. Erst dann können wir aus meiner persönlichen Sicht die Klimakrise wirklich lösen.

Mit etwas Glück wird die Politik der Wirtschaft einige Anstösse geben, aber ich denke diese werden sich letztlich (leider) auf ein verträgliches und nicht allzu relevantes Mass beschränken. Ein Versuch ist es trotzdem wert, denn wir müssen jetzt alle Mittel und Wege wählen die möglich sind.
Wer aber auf etwas wie einen politischen "Erlöser" hofft der/die irrt. Es ist Zeit das endlich jede/r von uns die volle Verantwortung für sein/ihr tun übernimmt. Das gilt im übrigen auch für die Politiker/innen.

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C. S.
Gemeindepräsident
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Obwohl die in der Diskussion bereits sehr viele und sehr gute Hinweise gemacht wurden, möchte ich die beiden folgenden "technischen" Ansätze noch einbringen, mit der ich meine Überzeugung kundtue, dass unserer Demokratie fähig ist, in die Klimadebatte wirkungsvolle Massnahmen zu ergreifen:

Zum einen werden die Anträge, die behandelt werden in einer gewissen Form eingereicht. Dies umfasst neben den finanziellen und rechtlichen Aspekten auch Nachhaltigkeitsaspekte, wie z.B. im Kt. SO im sogenannten "Nachhaltigkeits-Check bei politischen Vorlagen" bereits 2008 festgehalten wurde (vgl. z.B. http://rrb.so.ch/rrb-detail/?no_cac…e0f1752336).
Es braucht nun sofort eine Prüfung jeder Vorlage auf ihre Klimaauswirkungen. Das ist in den wohl meisten Fällen ohne grossen Aufwand möglich.

Daneben möchte ich ein Instrument vorschlagen, das wie die Ausgabenbremse funktionierten könnte. Diese verpflichtet den Bund, Einnahmen und Ausgaben über den Konjunkturzyklus hinweg im Gleichgewicht zu halten. Die "Ausstossbremse" soll entsprechend den Bund verpflichten, den Ausstoss klimaschädigender Gase und deren Bindung (z.B. durch die heimischen Ökosysteme) im Gleichgewicht zu halten.

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Ich empfehle allen an dieser Diskussion interessierten das Interview von Daniel Binswanger mit dem Vorsitzenden der deutschen Grünen Habeck. Noch nie habe ich eine so eindrückliche Reflexion der politischen Prozesse und der notwendigen prozessualen und kulturellen Veränderungen gehört. Das ist genauso relevant für die Schweiz.
Hier der Link [https://www.republik.ch/2019/10/06/gespraech-mit-robert-habeck]

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Hier der [link zum gespräch habeck-binswanger] (https://www.republik.ch/2019/10/06/…ert-habeck)

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Danke für den Link, den habe ich nicht recht hinbekommen(-:

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Es geht überhaupt nicht vorwärts. Da gibt es leider gar nichts zu diskutieren.

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Corinne Sutter
Künstlerin & Karikaturistin
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(unsichtbar)
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  1. Bleibt noch die Diktatur: Eine globale Ökodiktatur, die mit eisernen Massnahmen dafür sorgen müsste, dass wirklich weniger CO2 ausgestossen wird und dass der bisher ungebrochene Trend zu immer grösserer Emission gebrochen und umgekehrt wird, und zwar schnell und ohne Rücksicht auf Verluste.

Der demokratische und der diktatorische Weg, die Katastrophe zu vermeiden, sind beide unmöglich. Deshalb stellt sich die psychologische Frage: Wieso bringen wir die enorme Energie auf, die Realität zu verneinen, um so zu tun, als wäre unser Handeln (12 Rappen mehr, Zertifikate) wirklich die Antwort auf das, was droht? Wir haben es im Moment mit einer kollektiven Regression und Realitätsverweigerung zu tun und wahrscheinlich wird auch sie gespiesen von der klammheimlichen Hoffnung, so schlimm würde es wohl doch nicht kommen und wir hätten doch immerhin den guten Willen gezeigt und 12 Rappen Preisaufschlag für die gute Sache in Kauf genommen und dafür würden wir sicher belohnt werden.

Ich glaube nicht, dass unsere Realitätsverweigerung zum Ziel führt, hat die Wissenschaft Recht, dann müssen wir sehr schnell zu einer erwachsenen und verantwortungsvollen Diskussion fähig werden, und zwar grenzüberschreitend und global.

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  1. Wir befinden uns in einer historisch einmaligen, noch nie vorher da gewesenen Situation: Die Klimawissenschaft sagt, dass wir die Grundlage unserer globalen Zivilisation aufs Spiel setzen, wenn wir nicht in der Lage sind, den CO2-Austoss drastisch und global senken zu können. Wir müssen uns nicht unterhalten über den Wahrheitsgehalt dieser Warnung, wir können uns eben nicht darauf verlassen, dass die Wissenschaft sich jetzt ausgerechnet irrt, dass die Klimakatastrophe ausgesessen werden kann, dass sich am Schluss dann doch zeigen wird, das alles halb so schlimm war, dass die Welt eben nicht schwarz (Katastrophe) oder weiss (alles im grünen Bereich) ist, dass Probleme doch nie so gross sind, wie vermutet, dass alles eigentlich eine Hysterie war.

Die grünen und grün angehauchten Parteien, inzwischen der mediale Mainstream, sind von der drohenden Katastrophe überzeugt. Die einzigen allerdings, die mit dieser Drohung erwachsen und rational umgehen können, sind die Klimakids. Sie fordern von den Erwachsenen das ein, was diese im Überschwang in Paris unterzeichnet haben in der Hoffnung, dass sich die Klimakrise aussitzen lasse, dass andere, ökonomische Krisen z.B. sie überlagern werden, dass neue Flüchtlingskrisen die Klimakrise in Vergessenheit geraten lassen. Dummerweise war das Gegenteil der Fall: Seit Greta Thunberg streikte, gibt es nur noch ein beherrschendes Thema und die Grünen und Grünangehauchten behaupten allen Ernstes, jetzt müsse aber Ernst gemacht werden, um die Krise zu bewältigen.

Was die Politik bis jetzt in Sache Klima geleistet hat, ist ein schlechter Witz. Allen dürfte klar sein, dass eine Menschheitskatstrophe nicht abgewendet werden kann mit einer Preiserhöhung von 12 Rappen auf den Liter Benzin oder mit einer Flugticketabgabe. Allen dürfte klar sein, dass ein CO2-Zertifikatehandel nicht zum propagierten Ziel, einer Reduktion von CO2, führen wird. Bis jetzt bietet die Politik nur Symbolpolitik und erst noch eine schlechte.

Wollen wir den CO2-Ausstoss bis 2030 halbieren und bis 2050 auf null reduzieren, dann können wir technische Innovationen, Selbstverantwortung und wie die beschönigenden Formeln auch alle heissen mögen, vergessen. Wollen wir wirklich CO2 reduzieren, dann müssten wir im Rekordtempo unsere ganze Wirtschaft und unsere ganze Lebensform drastisch umgestalten. Und zwar global.

Deshalb die Diskussion über Demokratie oder Ökodiktatur. Beides wird nicht zum Ziel führen. Der demokratische Weg würde bedeuten, eine globale Demokratie zu errichten mit einem globalen Diskurs über CO2-Vermeidung, darüber, wer noch wie viel CO2 emittieren darf und was mit unserer fossilgestützten Weltwirtschaft zu geschehen habe, um das Klimaziel zu erreichen. Es ist offensichtlich, dass so etwas nicht funktionieren wird, wir sind ja nicht einmal national in der Lage, sachlich über die Klimakatastrophe zu reden.

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Herrmann Hesse:
„Meine Freunde und Feinde wissen und tadeln es längst: Ich habe an vielen Dingen keine Freude und glaube an viele Dinge nicht, die der Stolz der heutigen Menschheit sind; ich glaube nicht an die Technik, ich glaube nicht an die Idee des Fortschritts, ja nicht einmal an die Demokratie, ich glaube weder an die Herrlichkeit und Unübertrefflichkeit unserer Zeit, noch an irgendeinen ihrer hochbezahlten Führer, während ich vor dem, was man so ‚Natur‘ nennt, eine unbegrenzte Hochachtung habe.“

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Der Umgang mit unser Lebensgrundlage Erde kann nicht intelligenter sein als die „demokratische Intelligenz“ der Mehrheiten.
Wer etwas tun will hat drei Möglichkeiten: 1. entsprechend Wählen/Abstimmen, 2. wenig und nachhaltig konsumieren oder 3. aktiv werden das heisst entsprechende NGO‘s durch monetären oder persönlichen Einsatz unterstützen und/oder sich politisch (legislativ oder exekutiv) engagieren. Auf alle Fälle mehr „liefere als lavere“. Jeder Beitrag ist willkommen und trägt zur Lösung bei.

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ich glaube, dass die aktuellen demokratischen Strukturen den zunehmend komplexeren Themen nicht mehr gerecht werden können, weil sie darauf ausgerichtet sind Einzelthemen zu lösen und viel zuwenig notwendige Systemzusammenhänge berücksichtigen. Die aktuellen Strukturen müssen deshalb weiterentwickelt und ergänzt werden. Hier ein paar Ideen dazu:

  • der Druck von der Strasse muss aufrechterhalten bleiben, es braucht Formen des gewaltlosen Widerstandes, weil die Denk- und Handungsgewohnheiten in Wirtschaft und Politik aus sich selbst heraus kaum notwendige Transformationen des Systems zulassen

  • die Presse muss die Politiker in die Pflicht nehmen, sie an ihren Worten messen, dranbleiben, nicht von einem modischen Thema und Ereignis zum anderen hüpfen und nur der Aufmerksamkeitsökonomie des Marktes nachfolgen, sondern beharrlich Zusammenhänge aufzeigen.

  • toll ist der Ansatz des Wahlintendärs der Republik, das müsste weiterverfolgt werden; nur müssten neben den inhaltlichen noch charakterliche Kriterien einbezogen werden (z.B. Integrität, macht jemand auch das was er sagt) und die Interessensbindungen müssten zwingend sichtbar gemacht werden, weil sie oft viel mehr als die schönen Sätze das effektive Handeln beeinflussen.

  • es braucht andere Formen der Beteiligung der Bürger wie sie z.B. R. F. in diesem Dialog vorschlägt (Citizenassembly in Irland)

  • es braucht nicht nur inhaltliche Diskussionen sondern auch Diskussionen über die zielführende Struktur der Prozesse. Das merke ich persönlich sehr gut an meinem. Dilemma ob ich Grüne oder Grünliberale wählen soll. Während ich inhaltlich zu den Grünen neige, finde ich Grünliberale viel interessanter in der Art wie sie Prozesse angehen, neue Formen ausprobieren um innovative Lösungen zu finden. Da zähle ich Labs, Operation Libero und solche Dinge dazu. Da braucht es dringend nicht nur inhaltliche Diskussion sondern eben prozessuale Überlegungen (wie zB in diesem Dialog).

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Ich meine, man kann die Frage in (mindestens) drei Bereiche aufteilen, die sich (zugegeben) teilweise überschneiden:
Erstens beruht es auf einem Kategoriefehler, wenn wir von Ökodiktatur, totalitären Tendenzen etc. sprechen. Wir können die Naturgesetze – wie z. B. das Absorptionsspektrum von CO2 - nicht ändern. Diese Tatsachen sind nicht totalitär. Es sind schlicht Vorgaben der Natur und nicht soziologische, ökonomische oder politische Kategorien. Kompromisse sind nicht möglich - jedes emittierte CO2 Molekül ist heute eines zu viel.
Zweitens ist gut dokumentiert, wie Teile der Wirtschaft den Klimawandel kleinreden (Merchants of Doubt, Naomi Oreskes and Erik M. Conway , 2010). Hier wäre die Frage: Können unsere Demokratien heute die kurzfristigen ökonomischen Interessen des Kapitals/der Wirtschaft angemessen regulieren, um längerfristige Interessen der gesamten Gesellschaft – oder gar der Menschheit - durchzusetzen? Im Moment scheinen Demokratien leider ziemlich hilflos in dem Punkt. Kann sich sicher ändern.

Und drittens: Sind einzelne Individuen aus Einsicht bereit, heute auf Annehmlichkeiten zu verzichten im Interesse nachfolgender Generationen und intakter Ökosysteme? Denn das müssten sie, in einer Demokratie und der Lage, in der wir stecken. Sind Bürger – im grossen Stil - bereit Politikerinnen zu wählen, die ökologische Standpunkte umsetzen und ihnen dadurch auf die Füsse treten?

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Es geht ja nicht um Klimaschutz ODER Demokratie. Die Demokratie erlaubt es bei übergeordnetem Interesse durchaus, demokratische Meinungsbildungsprozesse auszuschalten - etwa beim Seuchenschutz. Ich denke die Klimathematik ist dermassen dringlich, dass man nicht bei jeder Massnahme Vernehmlassungsverfahren oder gar Volksabstimmungen zu Referenden durchführen muss. Natürlich müssten solche Massnahmen gut begründet sein - nicht wie bei der so genannten Terrorismusbekämpfung.

Die Frage ist einfach, inwieweit unsere "Demokratie" garantieren kann, dass bisweilen auch Massnahmen ergriffen werden können, welche die Interessen der internationalen Grosskonzerne tangieren. Ohne solche Massnahmen wird es nicht gehen. Daniel Binswangers Kommentar zur Noserschen Manöver in Hinblick auf die Konzernverantwortungsinitiative zeigt, wie schwierig es sein wird, das zu erreichen.

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Wir brauchen endlich eine Citizens' Assembly zum Klimathema.
Mit unserem jetzigen Parlament wird das nie etwas, wohl auch mit dem neu gewählten nicht.

Die Iren habens vorgemacht. Die Resultate sind eindrücklich:
https://www.citizensassembly.ie/en/…te-change/

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Ein Bericht dazu in der Republik wäre toll.

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Ich frage mich manchmal bei der Republik, wo sie steht.

Einerseits hat sie Elia Blülle, der das Thema von Anfang Ernst genommen hat, anderseits waren die ersten Texte (https://www.republik.ch/2018/08/09/…rtemonnaie) Wischiwaschi vom Schönsten: "ja wir sollten uns beeilen - ein gesunder Planet und ein gefülltes Portemonnaie schliessen sich nicht gegenseitig aus - und Pinker* sagt, es wird immer alles besser.


Und jetzt wieder ein "Framing", dass man von "passiven" Klimaleugnern, Stil Frank A. Meyer, die einfach ihren High-CO2-Lifestyle weiterführen möchten, übernimmt.

  1. Was ist gelebte Demokratie, wenn nicht "Fridays For Future" bzw. die "Klimastreik"-Bewegung. Dazu noch global. 100'000 am letzten Samstag allein in Bern.

2a. Unsere parlamentarischen Demokratien, gleichen doch immer mehr Oligarchien, nicht nur in Russland und der Ukraine.
Schauen wir die amerikanischen Dynastien an: die Bushs, die Clintons, die Trumps und die Bidens. Oder auch in der Schweiz: Blochers 12 Milliarden schwere Dynastie, Wasserfallen etc.

2b. Branko Milanovic: Wirtschaft und Politik werden eins
“With the current movement toward plutocracy in liberal capitalism, you have rich people who are able to influence the policies of national governments. Essentially, economic power gets conflated with political power. In the case of political capitalism like China’s, it is political power that is often transmuted into economic power. The outcome in both cases may be the same.”
https://promarket.org/avoiding-plut…apitalism/

2c. Aristoteles: Wahlen = Oligarchie, Sortition = Demokratie.


  1. Und hier noch ein lesenswerter Text von Unfried:
    https://taz.de/Journalismuskritik/!169520/

Der journalistische Offenbarungseid der Gegenwart besteht darin, dass es Thunberg und Neubauer brauchte, dass wir männlichen Superchecker und auch die Journalistinnen keine Art der Berichterstattung gefunden haben, die Erderhitzung so nachhaltig zu berichten und zu analysieren, dass die Gesellschaft die Bedrohung wirklich ernst nimmt und die jeweilige Bundesregierung Klimapolitik machen muss – und zwar unabhängig davon, welche Parteien gerade koalieren.

Bernd Ulrich hat schön beschrieben, wie der »mittezentrierte Journalismus« den Korridor schützt, den Regierungspolitik zu bearbeiten wünscht. »Statt die Mitte aus ihrem resignativen Gradualismus zu vertreiben«, schrieb er, bewährten sich die etablierten Medien als »seine Wächter«

Also, wo steht die Republik als Ganzes, und wo wollt ihr hin?
Seht ihr das Klima als eines von mehreren Themen oder als das zentrale Thema der nächsten Jahrzehnte?

  • By the way, von Epstein finanziert, was das Wischiwaschi besser erklärt

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Elia Blülle
Journalist @Republik
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· editiert

Guten Tag Herr F. Wir haben bewusst eine Frage zur Debatte gestellt, die offensichtlich ganz viele Menschen beschäftigt. Das zeigt auch die hohe Beteiligung hier im Dialog. Die Republik ist ein journalistisches Medium und kein politisches. Wir werden immer wieder verschiedene Meinungen, Ansichten zu Wort kommen lassen, das gehört zu einem demokratischen Diskurs. Wir sollten und müssen uns nicht positionieren. In vielen Fragen herrscht auch grosse Uneinigkeit innerhalb unserer Redaktion. Wir haben versprochen, das freie Wort und den Wettbewerb der besten Argumente zu gewähren. Here you go!

Trotzdem: Ich glaube unsere doch sehr vertiefte und vielfältige Klimaberichterstattung der letzten Monate zeigt deutlich, das wir uns der Dramatik bewusst sind. Wir erachten die Klimaerwärmung als ein zentrales Themen.

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Danke für die Antwort und irgendwie bezeichnend, dass Sie mir antworten :)
Dass sie das Thema als zentral ansehen, weiss ich. Deshalb stechen Sie auch so hervor. Sonst fällt mir noch der gute Bruderer-Text ein.

Aber von einer Olivia Kühni, einem Constantin Seibt habe ich noch kaum etwas dazu gehört.

Deshalb: Wo stehen denn die anderen Mitglieder der Redaktion?
So ein Klima-Outing mit Positionsbeschrieb wäre vielleicht noch sinnvoll.

Denn wenn bei der Mehrheit der Republik noch nicht begriffen worden ist, wie sich die Welt klimatisch und damit auch politisch ganz rasch verändert, wie kann sie dann als Journalistinnen-Team darauf reagieren.

PS: Haben sie den Unfried-Artikel gelesen?

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Warten wirs mal ab! Wenn die ersten Urgrosskinder der Mächtigen umfallen gehts dann schon! Und Frau Fiala wirds auch dann mit einem Lächeln nehmen, wetten werden bis 1.1.2376 angenommen, versprochen! China kanns diktieren, von heute auf Morgen! Wir brauchen einen lieben König, Blocher wars nicht, bitte meldet Euch. (8ung todernst gemeint!)

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Es geht in der Hitze des Gefechts zwischen "Konventionellen, nicht erneuerbaren Energien" und "Erneuerbaren Energien" gerne vergessen, dass die eigentlichen Trümpfe der "Erneuerbaren" noch gar nicht richtig ausgespielt worden sind:
Da sind einmal die Solarthermischen Grosskraftwerke, von denen 3 in der Halbwüste von Nevada stehen und einige Weitere in Südspanien und in Marokko.
Dann haben wir die Geothermie, die in Island schon sehr weit entwickelt ist.
Und dann sind da noch die Gezeitenkraftwerke, die das Hin-und Herströmen von Meerwasser bei Ebbe und Flut zur Stromgewinnung ausnützen.
Diese drei Super-Trümpfe der "Erneuerbaren" ergänzen die Fotovoltaik, die Solarkollektoren zur Warmwasser-Gewinnung, die Wind-Energie und die Nutzung von Holz zum Bauen und Heizen.
In der Halbwüste von Nevada ist noch viel Platz für HUNDERTE von solchen Solarthermischen Anlagen! Ebenso in Südspanien und in der Sahara.
Kombinationen von Solarthermischen Kraftwerken, die gleichzeitig Meerwasser entsalzen und für die Bewässerung von Feldern und im Kampf gegen das Vordringen der Wüste aufbereiten, sind möglich und ergeben weitere wunderbare Chancen und Möglichkeiten!
Mit dem massenhaft gewonnenen Strom könnte mittels Elektrolyse Wasserstoff und Sauerstoff gewonnen werden. Der Wasserstoff könnte mit dem übermässig vorhandenen CO2 zu Methan (also Erdgas) verbunden und dann weiter transportiert werden, über Gaspipelines. die ganz Europa UND Afrika mit regenerativem Erdgas versorgen.
Für diese Mega-Projekte im sonnigen Süden würden sehr viele Arbeitskräfte gebraucht!
Diese könnten vor Ort rekrutiert werden, was die Flüchtlings- und Migrations-Probleme gewaltig entschärfen und entspannen würde!
Diese Entspannung und das Aufblühen von Afrika wiederum würde die Weltwirtschaft ankurbeln und würde dazu führen, dass die rechtsextremen- bis faschistischen Tendenzen in den Gesellschaften weltweit zurückgehen würden, was wieder konstruktive und in die Zukunft gerichtete Politik ermöglichen würde.
Die "bleierne Zeit" der politischen Spaltungen, Blockaden und der Stagnation in "altem Denken" wären vorbei!
Ein neuer Frühling würde auf die depressive Endzeit-Winterstimmung folgen!
All das ist möglich und wird auch kommen.
Wer nicht mehr träumen kann, hat bereits verloren.
I have a dream! (Martin Luther King)
Yes, we can! (Barak Obama)
Wior schäffen däs! (Angela Merkel)

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Öhm, fallen wir jetzt mit dieser Debatte nicht einfach blind auf das Narrativ der Konservativen rein? Die Demonstranten fordern Taten statt Debatten, weshalb genau soll das mit einem demokratischen System kollidieren? Fordern sie dies von einer diktatorischen Despotin, oder völlig legitim von der Gesellschaft und ihren gewählten Vertretern?

Das ärgert doch vor allem diejenigen welche es sich bequem machen, für alles eine Ausrede haben, Schwarz-Peter-Spiele spielen und sich lieber um unser ach so zartes Wirtschaftspflänzchen sorgen, statt um künftige Generationen. Oder die Opfersymmetrie erst ganz genau austarieren wollen. Die meisten dieser Debatten erübrigen sich, wenn man sich ehrlich mit dem Ausmass der Klimaerwärmung und ihren Folgen auseinandersetzt.

Spoiler Alert: Wir alle müssen viel dazu beitragen, damit das schlimmste abgewendet werden kann, und zwar schnell.

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Corinne Sutter
Künstlerin & Karikaturistin
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(unsichtbar)
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G. C.
· editiert

Die Klimapolitik ist nur ein kleiner Teil einer umfassenden Umwelt Politik, welcher in der Schweiz seit Jahrzehnten sehr gut am Laufen ist.

Die Fortschritte in der Schweiz sind enorm, ein Beispiel von vielen ist, dass man heute sogar das Seewasser trinken kann. Im Gegensatz zu den meisten Länder haben wir Trinkwasser "ab em Hahne" in hervorragender Qualität.

Bisher erwiese sich die EU als bedeutender Bremser in unserer sehr fortschrittlicher Umweltpolitik, war es doch eben diese welche das "Strasse auf Bahn" Konzept torpedierte, welches neben den unwichtigen CO2, auch die viel entscheidenderen Schadstoffe wie SOx und Russ gar nicht mehr entstehen lässt. Nur zur Information, die Abgase von Kohlekraftwerken kann man zu fast 100% reinigen, es gibt sogar Mittel das diese vollständig Abgasfrei sind.
Das Versagen der EU in Sachen Umweltpolitik sieht man auch darin, dass weder Deutschland noch Italien den vertraglich vereinbarten NEAT Anschluss erstellten. Es sieht mir ganz danach aus, dass die EU kein Interesse hat den Schwerverkehr, für grosse Strecken, auf die Umweltfreundlichere Bahn zu stellen. Alleine diese Massnahme würde eine recht grosse Menge an Gift (und auch CO2) gar nicht mehr entstehen lassen.

Damit kann man den Aktivisten klar Beweisen, dass es ihnen in keiner Weise um das Klima geht, vielmehr ist es irrationaler Hass auf den Kapitalismus welchen diese Menschen antreibt. Gleichzeitig negieren diese Aktivisten ebenfalls das liberale und weltoffene Denken in der Schweiz, welches überhaupt die Aktivsten zuliess.

Ich erachte die bisherige Politik als sehr gut, übereilte Massnahmen sind in kleinster Weise notwendig, vielmehr sind die jetzigen Konzepte rigoros Umzusetzen, wie Güter auf die Bahn und Regulierung der Einwanderung.

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Neugierige Frage zum Intro-Text:
Habt Ihr konkrete Hinweise, dass eher 60'000 als 100'000 in Bern waren? Die Polizei hat sich nicht geäussert, die Organisator*inben sprechen von gegen 100'000.

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Elia Blülle
Journalist @Republik
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Wir haben uns auf die erste Schätzung der Organisatoren bezogen. Stimmt: Die zweite war deutlich höher. Ich schaue mir das an.

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Scheitert eine entschiedene und wirkungsvolle Klimapolitik an der Langsamkeit der Demokratie?
Ja,
wenn scheitern meint, dass wir gemäss unseren Möglichkeiten zu wenig und zu langsam Massnahmen treffen. Weil die Schweiz, wie in vielen Belangen, nicht das erste Opfer wird (Armut / Korruption / Ernährung / Bildung.)
Nein,
wenn Menschen in Freiheit und Verantwortung über ihre Zukunft mitentscheiden können.

Hebelt die Forderung nach einem radikalen Systemwechsel auch unser demokratisches System aus? Oder lassen sich die Mühlen der demokratischen Prozesse so weiterentwickeln, dass auch drängende Krisen gelöst werden können?
Ja,
wenn Systemwechsel bedeutet, eine Person / Gruppe oder Institution wisse den Weg in die Zukunft und dies mit physischer und/oder struktureller Gewalt durchsetzt
(Papst / Mullas / Obiang in Äquatorialguinea / IS / usw.)
Nein,
wenn wir (nicht 99% aber doch eine Mehrheit) dies so wollen und mit Wählen und Abstimmen bezeugen.

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Ich glaube nicht, dass das irgendwer in der Klimabewegung will, darum ganz allgemein:
Wie kann man in einer Diktatur leben wollen? Wie kann man so geschichsvergessen und leichtsinnig sein? Demokratie heisst, dass die Regierten über ihre Regierung entscheiden - wer wollte das aufgeben?

Wie genau die Demokratie funktionieren soll - wie transparent Finanzierung und Lobbyismus organisiert sind: darüber kann und sollte man reden. Aber jeder, der eine Diktatur will, ist ein Feind meines Landes.

Wer keine Vorstellung von Diktatur hat, soll sie sich doch mal ansehen: in Russland und China. In Ceausescus Rumänien, in Honeckers DDR, Pol Pots Kambodscha, Hitlers Deutschland.

Ein Diktator lässt keine Kritik zu. Kein Mitreden, keine Freiheit, das eigene Leben zu führen, wie man möchte, keine Wahrheit.

Alles was eine Diktatur bietet, ist: „Ich hab einen starken Chef, und wenn ich dem folge, bin ich auch stark.“

Diese Identifikation ist ja ok für Fussballfans.

Aber für mein Land, in dem ich lebe? NIEMALS!

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A. H.
Nationalratskandidatur
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· editiert

Hebelt die Forderung nach einem radikalen Systemwechsel auch unser demokratisches System aus? Nein. Auch radikale Vorschläge können die politischen Prozesse rechtskonform durchlaufen. Dazu braucht es jedoch die politischen Mehrheiten. Wie die Totalrevision des CO2-Gesetztes im Ständerat letzte Woche gezeigt hat, sind sich viele Parlamentarier*innen der Dringlichkeit der Klimafrage noch nicht bewusst. Die vorgenommenen Änderungen des Gesetzes sind alles andere als radikal. Da kann ich die Frustration der Klimabewegung gut nachvollziehen.
Wir (dazu zähle ich alle, die der Meinung sind, dass viel einschneidendere Massahmen nötig sind) müssen in den nächsten Monaten plausibel aufzeigen, warum wir radikale Änderungen brauchen und wie wir das umsetzen wollen. Dabei ist zentral, dass wir die Chancen einer fossilfreien Gesellschaft hervorheben. Dann schaffen wir in einem linkeren und grüneren Parlament die Mehrheiten für griffige Massnahmen. Das dauert manchen Kreisen immer noch zu langsam, ich bin jedoch überzeugt, dass die demokratischen Prinzipen gewahrt werden sollen.

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Ich setze mich für eine Energie-Lenkungsabgabe mit Rückerstattung pro Kopf ein.
Letztlich bin ich überzeugt, dass damit auch die Finanzierung der Sozialwerke sicher gestellt werden kann. Würde Sie mich unterstützen dafür eine Mehrheit im Parlament zu finden?

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Für mich ist die entscheidende Frage, wie eine Demokratie gut funktionieren könnte.

These 1: Transparenz, Lobbyismus in Schranken, mehr Frauen machen eine Demokratie besser

These 2: dank sozialer Innovation zu mehr Entscheidungs- und Lösungskraft im Politbetrieb gehts besser und schneller. Dh. miteinander statt gegeneinander auch in der Politik dank Soziokratie.
https://soziokratiezentrum.org/even…-kongress/

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L. S.
Nationalratskandidatur
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· editiert

Ja, das Lösen solcher Probleme ist in einer Demokratie möglich. JEDOCH NUR, solange gewisse Gegebenheiten vorhanden sind.

Dafür müssen wir erst einmal anschauen, was eine Demokratie zu einer funktionierenden Demokratie macht.
Um ein Gleichgewicht der verschiedenen Parteien zu gewährleisten, möchte heissen, eine Einparteiditatur zu verhindern, müssen jeweils gewisse Rechte wie die Meinungsfreiheit und die freie Meinungsäusserung gegeben sein.

Nun aber müssen wir hinterfragen, ob diese Meinungsfreiheit nur auf Meinungen oder auch auf Fakten angewendet werden sollte, vorallem durch amtierende Politiker und Politikerinner. Nicht, dass ich für eine Einschränkung dieser bin, verstehen Sie mich nicht falsch, nur sollten wir uns wieder auf ein Diskutieren mit normaler Faktenlage besinnen.

Eine Meinung kann sich auf die Herangehensweise an ein Problem beziehen.
Wenn aber die bewiesene Existenz des Problems verlogen wird, hält dies den demokratischen Prozess auf und hat gleichzeitig keinen Nutzen bei der Bewahrung der ausgeglichenen Parteiverhältnisse.

Das Verleugnen von Fakten polarisiert die Wählerschaft und zögert den Lösunsprozess nur unnötig hinaus. Lasst uns wieder die Aufgaben ausführen, für welche uns das Volk wählt und nicht die, für welche uns das Volk wählen wird.

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Ich bin grundsätzlich voll und ganz Ihrer Meinung.

Die Frage ist aber, wie wir das Verleugnen von Fakten unterbinden können? Klagemöglichkeiten gegen Aussagen in Tweets und Extrablättern; Schnellgerichte, die innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen darüber entscheiden können, ob die Klage gerechtfertigt ist; als "Strafe" die Richtigstellung durch den Absender der Leugnung auf demselben Kanal, auf dem die Falschmeldung verbreitet worden ist?

Natürlich geht das in der Praxis nicht. Meine pessimistische Schlussfolgerung ist, dass die notwendigen Gegebenheiten nicht hergestellt werden können und dass unsere Demokratie in der heutigen Zeit leider keine Chance hat, Probleme wie den Klimawandel zu lösen.

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L. S.
Nationalratskandidatur
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Ich habe diese Frage bewusst für die Diskussion offengelassen.
Eine rechtliche Herangehensweise an dieses Problem scheint mir der falsche Weg zu sein, da er Unsicherheit schürt und die freie Meinungsäusserung einengt und somit allen nicht-mitte Parteien den Wind aus den Segeln nimmt.

Die Medien spielen hier meiner Meinung nach eine sehr wichtige Rolle und haben folglich auch den grössten Hebel, wenn es darum geht, Fakten zu berichtigen und die Zuschauer auf den gleichen Nenner zu bringen.

Es gibt Ansätze aus Estland, Lettland und der Ukraine (z.B StopFake.org und die dazugehörige TV-Show) bei welchen die Medien ihre aufklärende Rolle wahrnehmen und TV-Sendungen abhalten, bei welchen russische Disinformations- und Propaganda-Kampagnen aufgedeckt und korrigiert werden. Genau das selbe sollte es auch hier im Westen geben, wenn auch nicht ausschliesslich nur auf russische Propaganda fokussiert.

Die Medien halten sich zurück, wenn es darum geht, Lobbyarbeit und Disinformation-Kampagnen aufzudecken, nur um die gewonnenen Zuschauer nicht zu verlieren, bzw die Medienneutralität zu bewahren.

Was denken Sie, wären gute Ansätze?

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Robert Reisewitz
Klimaverantwortlicher
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Soo viele gute, ideenreiche Beiträge! Das mach Mut. Ich versuche mich auf die gestellten Fragen zu beschränken:

  • die drei Fragen sind verwandt; beantwortet man die erste, ist die Antwort für die weiteren vorherbestimmt.

  • Zur ersten Frage: das System Demokratie ist nicht problematisch. Auch unterhalb der Gesetzesebene haben demokratisch gewählte Regierungen schnell reagieren können, z. B. bei Bankenrettungen, Umweltkatastrophen oder Terroranschlägen. Und auch Gesetzesänderungen gehen recht flott, wenn es pressiert. Die Schnelligkeit geht dabei oft auf Kosten der Qualität, man kann also schnell machen, muss aber mit permanentem Nachbesserungs-Bedarf und einem Haufen Nachdiskussion rechnen. Ganz normales Demokratie-Arbeiten eben. In der Schweiz m. E. kein Problem.

  • zur zweiten Frage - ist damit beantwortet - radikale Forderungen hebeln dieses System keineswegs aus. Radikalität ist nicht dasselbe wie Faschismus. Es geht ja einfach nur um Grundsätzliches (so verstehe ich radix=Wurzel); das k a n n schiefgehen, man muss also gut achtgeben welche Grundsätze in den Strudel geraten.

  • zur letzten Frage: Weiterentwickeln ist immer gut. Es sollte nur nicht mehr Zeit verbrauchen als es (bei den demokratischen Mühlen) dann letzlich - und schnell, bitte - einbringt. Eine perfekte Lösung im Jahr 2040 bringt heute gar nichts und bindet bis dahin eine Menge Ressourcen.

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Warum würde ein Verbot, z.B. für SUV's für Städter oder Bewohner in der Agglomeration mit direktem Öv-Anschluss, oder ein Gesetz dass Schaufensterbeleuchtung von 23:00 bis 6:00 auszuschalten ist, die Demokratie gefärden?
Es wurden und werden immer wieder Verbote über die Köpfe der Bevölkerung hinweg gesprochen, z.B. das Rauchverbot, Tempolimiten, die Verpflichtung Steuern zu zahlen oder eine Grundversicherung abzuschliessen...., und es wurde nie einen solchen Aufschrei gamacht wie jetzt bei möglichen Verboten zum Schutz unseres Klimas.

Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo sie die Freiheit eines anderen Menschen einschränkt.

Das sich verändernde Klima bedroht uns Alle, schränkt unsere (Lebens-)Freiheit in Zukunft immer stärker ein.
Aus diesem Grund bin ich in diesem Fall für klare und mutige Gesetzgebungen -inkl. den nötigen Verboten damit endlich etwas geschieht.
Bei den -in meinen Augen verweichlichten- Lenkungsmanövern, muss man leider davon ausgehen das die kurzsichtigen, bequemen, ungebildeten oder schlicht egoistischen Bürgerinnen und Bürgern ihr Verhalten wenig oder kaum ändern werden...
Und dafür ist die Thematik zu dringlich.
Im Übrigen finde ich, dass das Vorwärtsschreiten unserer Regierung
-sei es nun mit Gesetzgebungen, Verboten oder Lenkungsbemühungen-,
sich mehr auf die Grossen, die Konzerne, die Banken, die Industrie konzentrieren sollte, als auf den kleinen Bürger. Unsere Handlungskompetenz ist nämlich ziemlich überschaubar und schnell ausgeschöpft.

Und die Demokratie werden wir deswegen nicht aufgeben oder untergraben. Unsere Demokratie hat schon ganz Anderes überlebt.

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Wir müssen gemeinsame Lösungen finden!

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Bin nicht sicher, ob es lohnend ist, sich auf diese Debatte einzulassen.

Klima- oder Ökodiktatur ist ein Totschlagbegriff derjenigen, die von den bisherigen Verhältnissen profitierten und nun die Pfründe gefährdet sehen.

Auf der anderen Seite - diejenigen, die einen Richtungswechsel fordern, die aber auch „das auf die lange Bank schieben“ kritisieren.

Schnell und diktatorisch vs demokratisch und rechtsstaatlich ist m.M.n. ein Ablenkmanöver

Relativ rasch liessen sich Fehlanreize entfernen wie z.B.:

  • Mengenrabatte beim Energieverbrauch

  • Gegenrechnen schadstoffarmer/freier Fahrzeuge gegen Dreckschleudern (Autoimport Flottenregelung)

Da muss man nicht vor Diktatur warnen, da braucht es nur guten Willen.

Ps Noch zur AutoImportBranche:
Bezüglich Abgas- und Verbrauchsbetrug wurden Regelungen nicht eingehalten, gegen Gesetze verstossen.
Meine Frage an die Diktaturwarner und Law&Order- Brüller: Warum wurde da niemand zur Rechenschaft gezogen?
Geschädigt wurden nicht nur die Kunden. Geschädigt wurden alle in der Schweiz lebenden Menschen weil die Luft schmutziger ist als nötig.

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Corinne Sutter
Künstlerin & Karikaturistin
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· editiert

Ein einsichtiges Volk bedingte keiner "Klima-Diktatur". Es sähe ein, dass einzig der Verzicht den CO2-Ausstoss verringert. Nun wird der unzulängliche Wissensstand oder die Psyche der Mehrheit nicht ausreichen, zu dieser Erkenntnis zu gelangen, insbesondere, als sie die bislang gelebte Freiheit einzuschränken droht, beginnend mit einer drastischen Reduktion beim Fliegen, dem Umsteigen von Auto auf Velo und ÖV, der Mäßigung des Fleischkonsums bis hin zur
Eindämmung des Materialismus' und stattdessen Investitionen in ökologischere Wohnformen. Massnahmen, welche für viele drastisch bis schmerzhaft klingen, aber positiv ausgedrückt bedeuten: vermehrt das eigene Land - entschleunigt, aber gezielt - bereisen, zeit- und kostenintensive Geschäftsreisen ersetzen durch Videositzungen, weniger, dafür hochwertige(re)s Fleisch genießen (so gesündere Ernährungsformen kennen lernen, Geld sparen), nur kaufen, was wirklich benötigt wird - ein Mensch mit starkem Selbstwertgefühl kommt ohne Prestigegüter aus -, mit den so eingesparten Mitteln z.b. in Fernwärme investieren.
Weg von: " Nur das Beste für mein Kind" (es wird Ihnen die vielen Flugreisen und Geplante-Obsoleszenz-Artikel möglicherweise bald verübeln) hin zu Vorzeigegrosseltern.

Demokratisch dürfte dem Problem, so könnte man denken, nur beizukommen sein, wenn das Stimmalter wenigstens bei Zukunftsfragen drastisch gesenkt würde, z.B. auf 14 Jahre - immerhin wären wir dann theoretisch biologisch bereit, Menschen in die Welt zu setzen, was wir zum Glück kaum je tun. Aktuell bestimmen zu grossen Teilen Menschen über eine Zukunft (anderer), welche sie gar nicht mehr erleben werden, was an Absurdität grenzt.
(Ja, in den jungen Jahren lässt sich so mancher und manche von den Eltern beeinflussen und / oder das Interesse, der Wissensstand wird der Dringlichkeit der Thematik nicht ganz gerecht, aber das gilt auch für viele 18-80 jährige.)

Mit dem Tabuwort Verzicht sind keine Wahlen zu gewinnen. Dies, obgleich weniger Konsum weniger finanzieller Mittel bedarf, also weniger Arbeit. Dies bedeutet umgekehrt weniger Konsum, da man sich nicht im Konsum über die Unzufriedenheit der oftmals zweifelhaft sinnvollen Arbeit hinwegzutrösten braucht. So bliebe mehr Freizeit, mehr Zufriedenheit. Für wirtschaftlich orientierte Parteien: weniger Burnouts, mehr Tourismus im Lande, mehr Umsatz durch Bevorzugung lokaler, hochwertiger Produkte, um nur wenige Aspekte zu nennen.

Und zu guter letzt: wo bleibt der Ehrgeiz, im Kampf gegen die menschgemachte Klimaerwärmung an vorderster Stelle zu wirken? Als eines der reichsten Länder mit einem der global größten Fussabdrücke pro Bürger wäre dies von grosser Wichtigkeit, um andere Länder zu sensibilisieren, motivieren. Durch Erforschung neuer Technologien könnten zudem neue wissen- wie auch wirtschaftlich hochinteressante Gebiete erschlossen werden.

Ich wünsche es mir sehr. Für meine Kinder, die Schweizer, alle potenziellen Klimaflüchtlinge, die Natur- und Tierwelt.

Danke fürs Lesen.

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Corinne Sutter
Künstlerin & Karikaturistin
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· editiert

Anmerkung: wenn es brennt im Block, wird nicht lange unter den Bewohnern diskutiert, was es zu tun gilt, es hat längst jemand die Feuerwehr alarmiert.
Die Rettung der BewohnerInnen und die Löschung des Brandes wird den Profis überlassen.
So ähnlich sehe ich es in der hochkomplexen Klima-Problematik. Die Zeit läuft davon. Auch darum bin ich der Meinung, sollten wir die zeitnahe Ausarbeitung geeigneter Massnahmen und Auflagen einem Team überlassen, während wir im täglichen Alltag unseren Beitrag leisten.

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K. S.
Nationalratskandidatur
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Herzlichen Dank für diesen Beitrag! Ich bin absolut gleicher Meinung!

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Corinne Sutter
Künstlerin & Karikaturistin
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Vielen Dank & viel Erfolg!

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Es ist eine Farce zu behaupten, dass die Demokratie an sich, der Inhibitor einer konsequenten Klimapolitik sei. Die selben Mechanismen, die hier versagen, sind im Falle einer wirtschaftlichen Krise jene Mechanismen, die eine Krisenimtervention im Parlament quasi durchwinken lassen. Der Kapitalismus und die Gier nach mehr polarisieren in dieser Diskussion und nicht die "fraglichen Massnahmen" zum Klimaschutz. Verwunderlich ist dies nicht. An Krieg, Hunger und Leid konnten sich unsere Vorfahren schon immer bereichern. Und genau dies ist die Zukunft, sollte die Debatte weiter stagnieren.

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M. H.
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These Nr. 1: Die Trägheit der Politik in der Klimafrage/Energiewende rührt u.a. daher, dass es noch jede Menge Gesetze gibt, die den alternativen Energien im Weg stehen.
Beispiel Windenergie: Der private Initiant und Investor der zwei Windräder über Entlebuch möchte drei weitere Windturbinen aufstellen. Bereits ein volles Jahr hat er verloren durch Abklärungen des VBS bzgl. Einfluss der Windräder auf den Radar der Militärflugzeuge, die in Entlebuch sowieso schon einen Höllenlärm veranstalten. Nun wird er ein weiteres Jahr und CHF 100000 verlieren für die Klärung des Einflusses seiner drei neuen Windräder auf die Vögel, die aufgrund der Militärflugbewegungen vermutlich sowieso schon weggezogen sind. Und wieso soll die "Vogelsituation" 3 km vom bestehenden Standort so grundlegend anders sein, dass man hier nochmals ein Jahr lang alles untersuchen muss?
Beispiel Solarenergie: von ca. 22'000 Dächern in der Stadt Bern sind erst knapp 1% mit Solarenergie bestückt. Kein Wunder, denn der Denkmalschutz ist im UNESCO-Weltkulturerbe wichtiger, als der Klimaschutz.
Es geht also vordringlich darum, politische und administrative Hindernisse für den Klimaschutz aus dem Weg zu räumen. Das wirkt viel rascher als neue Gesetze und Verbote.

These Nr. 2: In einem Land, das trotz genügend Gesetzen und Vorschriften nicht gegen vorsätzliche Verbrechen gegen die Umwelt vorgeht, braucht niemand Angst zu haben vor einer "Klimadiktatur". Klima und Umwelt haben keine Anwälte und haben auch keine persönlichen Interessen im Klimastreit, denn - wie ein berühmter Fernsehmeteorologe treffend sagt - die Klimakrise ist dann vorbei, wenn der Mensch ausgestorben ist. Es geht auch beim Klima nur um den Menschen.
Wer aber beim Dieselbetrug die Interessen der Menschen dieses Landes hätte vertreten sollen, sind die Bundes- und Staatsanwälte. Während die USA Milliarden an Bussen und Entschädigungen für den Diesel-Betrug eingenommen haben und in Australien pro manipuliertem VW CHF 1000 abgeholt wurden, reissen sich in der Schweiz die Bundes- und Staatsanwälte nicht gerade um ein Dossier "Diesel-Manipulation als Verbrechen gegen die Umwelt". In diesem "rücksichtsvollen" Umfeld dürfen die Journalisten ihre Mahnfinger gegen eine "Klimadiktatur" getrost wieder zurückfahren. Auch wenn die FDP jetzt wirklich Kompetenzen in der Klimafrage aufbaut (siehe u.a. meine Kandidatur) und ein paar Vertreter von Parteien mit Grün im Namen mehr im Parlament sitzen: Eher wird ein Klimasünder in der Schweiz an seinem eigenen Dreck ersticken, als dass er - wie es sich für eine richtige Klimadiktatur gehört - zu Tode gefoltert wird.

Mein Fazit: Wir brauchen kompetente und mutige Politikerinnen und Politiker, "die sich nicht nur am heissen Eisen wärmen wollen, sondern das Eisen schmieden".

PS: Der private Windenergie-Pionier in Entlebuch ist in keiner G-Partei, sondern in der FDP.Die Liberalen.

PS2: Bis zur Verjährung gilt die Unschuldsvermutung, danach erinnert sich eh niemand mehr...

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Zu 1.
mag sein, dass solche Hürden (beim Zubau der EE-Produktion) dem Klimaschutz im Wege stehen. Dem Klimaschutz noch mehr im Weg steht, dass zum Nulltarif konsumiert werden kann (d.h. keine Lenkungsabgaben oder keine, die diesen Namen verdienen). Zumindest solange wir dermassen verschwenderisch unterwegs sind, sollten wir nicht an problematischen Orten EE zubauen. Effizienz und Suffizienz sind da wichtiger (das was die Grünen bevorzugen). Dazu passt das PS hervorragend: dass ein FDPler die Windenergie forciert (was nicht nur schlecht ist, versteht mich nicht falsch, aber eben, es kommt auf den Standort an) und nicht eine grüne Person: der möchte eben ohne Einschränkungen konsumieren.
Also: Was wir brauchen sind griffige Lenkungsabgaben und die Beachtung von umfassenden Umweltschutzgesetzen (der Umwelt haben wir schliesslich schon genug zugemutet in der Schweiz)

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Welch schöngeistiges Gerede, Herr S. Konkret: Da stehen in Entlebuch schon zwei Windräder und helfen seit 10 Jahren, auf Atom- und billigen Kohlestrom zu verzichten und da sollen nicht einfach noch 3 Windräder dazu gebaut werden können, weil der, der sich als einfacher Bürger mit seinem ganzen Vermögen engagiert "ohne Einschränkungen konsumieren möchte"? Meinen Sie das wirklich ernst? Was, wenn er jetzt ein Grüner wäre? Hätte dieser dann andere Ziele, als sich für die dringend nötige Energiewende zu engagieren? Wer, bitte schön, soll denn Ihres Erachtens in 5 Jahren den Strom liefern? Der Staat? Der hat unsere Wasserkraftwerke längst verscherbelt. Das EW? Investiert als Feigenblatt lieber in Südspanien in deren Sonnenenergie und in Norwegen in deren Windkraftwerke und kauft dann billigen Atomstrom auf Frankreich und dreckigen, klimaschädlichen Kohlestrom aus Deutschland. Für den Solarstrom von unserem Dach gibt es gerade mal 4 Rappen/kWh, weniger als sie für deutschen oder französischen Strom ausgeben. Das sind die grünen Realitäten in diesem Land.
Wie gesagt, es gibt genügend Politiker, die sich am heissen Eisen wärmen, statt es zu schmieden. Verantwortung, Engagement, Weitsicht ist in der faktenfremden, ideologisch völlig verblendeten Welt langsam Mangelware. Wieso kann man ein solch pionierhaftes Engagement nicht einfach als das nehmen, was es ist: ein mutiges Engagement, ein persönlicher und risikoreicher Beitrag eines Menschen, der einfach macht, wovon die anderen seit Jahren nur reden?
Wählt ruhig schöngeistige Ideologen fern jeglicher Umsetzungskompetenz. Dann habt ihr in 5 Jahren keinen Strom mehr auf eurem Computer um solchen Stuss zu schreiben. Welch rosige Aussichten!

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A. C.
Nationalratskandidatur
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Demokratie? Was verstehen wir denn unter diesem Begriff? Einige wenige Leute, die genug Einfluss, Geld und Macht haben, diktieren dem Volk was richtig ist und was falsch. Das ist unsere Demokratie. Wir leben nachwievor in einer Aristokratie! Es ist nicht unser System, das zu langsam ist um griffige Klimaschutzgesetze zu erlassen, sondern es sind die Menschen und deren Eigeninteressen, die das System steuern. Bestes Beispiel dafür ist Ruedi Nosers kürzlicher Coup die Diskussion über die Konzernverantwortungsinitiative auf die nächste Session zu verschieben. Aus welchem Grund? Eigeninteressen! Wer würde denn vor allem verlieren, würden die Gesetze schnellst möglich angepasst? Es sind die gekauften Menschen im Parlament, die nicht die Interessen der Mehrheit vertreten, sondern die Interessen der neoliberalen Wirtschaftsfanatiker und die Interessen ihrer eigenen Bankkonten.
Der Klimanotstand wurde inzwischen in zahlreichen Städten ausgerufen. Was ist passiert? Nichts. Die Profiteure und Profiteurinnen unseres demokratischen Systems stellen sich gegen Veränderungen, die die Grundlagen ihres Reichtums in Frage stellen könnten: Erdölindustrie, Automobilindustrie, Baugewerbe, Immobilienbranche, Landwirtschaft und Pharmaindustrie. Nicht zu vergessen, die geldgebenden Institutionen wie Banken, Versicherungen und Pensionskassen.
Wenn wir von Demokratie sprechen wollen, stimme ich mit D. B. überein. Wir brauchen ein System in dem Transparenz das oberste Gebot ist. Vieleicht sogar ein System in dem gelost wird, wer regiert.

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Zum Stichwort "Öko- bzw. Klimadiktatur" gibt es einen sehr interessanten Abschnitt in der aktuellen ZEIT vom stellvertretenden Chefredakteur Bernd Ulrich: "Die Vorstellung, dass eine Ökodiktatur drohe, weil sich irgendwelche Ökoideologen das ausgedacht hätten oder weil in ihnen ein Totalitarismus lauere, der sich Zug um Zug entfaltet, stammt aus dem 20. Jahrhundert. Und ist naiv. Wenn es irgendwann einen grün gefärbten Notstandstaat geben sollte, dann, weil die Klimakrise so dramatisch geworden ist, dass sie anders nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden kann. Die Ökodiktatur verdankt sich dann nicht einem politischen Sieg der Ökologen, sondern deren Niederlagen und dem aggressiven Attentismus ihrer Kritiker, nicht aus ökologischer Ideologie, sondern aus ökologischen Unterlassungen."

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Elia Blülle
Journalist @Republik
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Merci Nils für den spannenden Input.

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F. Z.
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Meine Meinung dazu: das Problem ist nicht die Demokratie an sich sondern die wirtschaftseliten, die falsche Studien herausbringen, vor dem grossen wirtschaftskollaps, Arbeitslosigkeit und allgemein dem Untergang des Abendlands warnen und bisweilen auch einfach Bestechung betreiben (leider sogar legal). Die Demokratie ist weder Problem noch Lösung, sie ist lediglich ein Opfer des neoliberalen Systems (und eine Diktatur wäre noch schlimmer: es ist einfacher eine Einzelperson zu beeinflussen als eine ganze Bevölkerungsmehrheit.)

Nachtrag:
Ich halte daher die Diskussion für verfehlt. Die Frage müsste eigentlich vielmehr lauten, wie die oben genannten Akteure und ihre Propaganda in den Griff zu bekommen sind.

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Ohne neue AKW ist der Kampf gegen die Klimakatastrophe nicht zu gewinnen; das wissen wir seit über 50 Jahren. 2017 hat eine zwar knappe Mehrheit - gegen den Willen der Stimmbürger meines Heimatkantons - ein solches Verbot beschlossen, weil der Bundesrat mit falschen Angaben etwas von «erneuerbaren Energien» gefaselt hat. Erneuerbare Energien gibt es selbstverständlich nicht.

Die an sich interessanten Ansätze, mittels Solarpanels und Windrädern Strom zu gewinnen, funktionieren nur, wo und falls es genug Sonnenschein und Wind gibt; also nicht bei uns in der Schweiz. Nachts kann ich keine Batterie mit Sonnenenergie aufladen. Allenfalls kann man mit Sonnenenergie in Spanien oder der Sahara Wasserstoff mittels Elektrolyse gewinnen, und damit Brennstoffzellen betreiben oder Hydrogen-Treibstoffe herstellen.

Demokratische Fehlentscheide zu korrigieren, ist in einer Demokratie leichter möglich als in einer wie auch immer gearteten Diktatur. Aber wir Menschen sind Herdentiere. Ungern schmeissen wir liebgeworden Fehlurteile über Bord. Und wenn wir jetzt unsere Stimmen den Grünen und den «Klimaverträglichen» geben, sollten wir daran denken, dass es den neuen AKW nicht weiterhelfen wird, und somit auch nicht der Bekämpfung der Klimakatastrophe.

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Soso, das wissen wir also seit 50 Jahren.
Und vor 50 Jahren wussten "wir" (ich noch nicht) auch, dass Atomkraftwerke absolut sicher sind und dass das Problem mit der Entsorgung der hoch radioaktiven Abfälle dadurch gelöst wird, dass wir sie mit Raketen in die Sonne schiessen...
Nun, wir wissen HEUTE, dass der "atomare Weg" auf direktem Weg in die Katastrophe führt, entweder langsam und schleichend, in Form von radioaktiven Verseuchungen und Krebserkrankungen, oder blitzartig schnell und heftig, wenn Atombomben explodieren, wie in Hiroshima und Nagasaki.
Alle Erfahrungen, welche dieses HEUTIGE Wissen X-fach belegen, wurden schon zur Genüge und schrecklich grausam gemacht.
Also versuchen Sie doch hier und jetzt nicht, uns einen knautschigen Knuddel-Atom-Bären aufzubinden!
Wir müssen alle unsere Kräfte mit grösster Entschlossenheit und Konsequenz auf den Ausbau der Erneuerbaren- und dezentralen Energieversorgung und -Speicherung, sowie auf die Einsparung von Energie konzentrieren!
Der Rückbau der verbliebenen Atomkraftwerke und die Lagerung und Überwachung der weiter zunehmenden Menge an hoch radioaktiven Abfällen wird uns auch dann noch teuer genug zu stehen kommen...

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Sie verwechseln Atombomben mit Atomkraftwerken. Das tun viele, leider!

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Das ist schlicht falsch. Zum einen sind akw keineswegs unproblematisch wenn man auch förderung, rückbau und endlagerung mit einrechnet, zum anderen wäre es TECHNISCH absolut möglich, alle dächer der Schweiz simpel und ergreifend per gesetz mit solarpannels zuzupflastern und entsprechend speicherwerke zu bauen. Der Wirkungsgrad ist mittlerweile hoch genug, dass wir den grossteil unseres Bedarfs decken könnten. DANACH könnte man nochmals über die Bücher und wenn dann wirklich immer noch in absehbarer frist Strommangel auftreten würde könnte man sich nach alternativen umschauen (ich bin da immer noch ein grosser Fan, den Fokus auf Fusionskraftwerke zu setzen)

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Herr Zanger, möglicherweise haben Sie das Thema nicht ganz verstanden: Klimaschutz ohne diktatorischen Zwang. Und die Speicherwerke zu bauen, geht schlicht deswegen nicht, weil man keine Speichertechnologie hat. Das Endlagerungsproblem der AKW dagegen wird erst zum Problem, wenn unsere Zivilisation zusammengebrochen ist, und genau das wollen wir mit demokratischen Methoden verhindern. Weil die Diktatur das eh nicht schafft.

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50 Jahre AKW haben keinen Deut dazu beigetragen, das Klimaproblem zu lösen, Herr F. Aber sie haben einen Berg von hochgiftigem Müll hinterlassen, für den es weltweit noch nirgends eine brauchbare Lösung gibt. Hinzu kommt, dass Uran ein endlicher Rohstoff ist.
Wir können nicht ein halbes Jahrhundert warten, bis ein neuer Reaktor geplant, bewilligt und gebaut wäre. Die umweltfreundlichen Lösungen hingegen sind da, man muss sie nur einsetzen.

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Anonymous
· editiert

Sorry, aber das stimmt so einfach nicht. Hätte die Schweiz vor 50 Jahren nicht auf KKWs gesetzt sondern die bei Planung damals verfügbaren Alternativen (faktisch: Kohle), sähe die CO2-Bilanz der Schweiz für diese 50 Jahre, und weiterhin Jahr für Jahr, viel, viel schlechter aus. Die KKWs haben enorm dazu beigetragen, das Klimaproblem zu mitigieren, und KKWs tun das weltweit weiterhin in grossem Masse.

Zudem hätten wir tausende Tote und Kranke verursacht durch kohlebedingte Gesundheitsbelastungen, die es bei KKWS nicht gibt. Ihre Aussage finde ich deshalb geradezu zynisch.

Richtig ist wahrscheinlich leider, dass die Nukleartechnologie wegen der ganzen Bremser in Europa zu langsam und zu teuer ist, als dass neue Projekte hier bei uns einen sinnvollen Beitrag zur Energiewende leisten könnten. Anderswo schaut es aber anders aus. Ich bin z.B. heilfroh, dass China neben Erneuerbaren auch auf Nukleartechnologie setzt, um baldmöglichst aus der Kohle aussteigen zu können.

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Wir können sofort neue AKW bauen, mit bestehender, moderner Technologie, und die alten stilllegen. Thorium kann Uran ersetzen, oder man kann die Abfälle der alten Technologie mit der Brütertechnologie zumindest nochmals nutzen.

Nur, uns fehlen heute die Ingenieure, die diese Technologien noch anwenden können, dank dem Moratorium und dank den grünen Umweltschädlingen.

Und, lieber Herr K., warum glauben Sie, dass ein Elektroauto in der Schweiz schon nach 30'000 km die CO2-Belastung der Herstellung seiner Batterien herausgefahren hat, und in Deutschland erst nach 70'000km? Ist es das, was Sie «keinen Deut» nennen?

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R. O.
· editiert

These: dank sozialer Innovation zu mehr Entscheidungs- und Lösungskraft im Politbetrieb gehts besser und schneller.

Spannender Ansatz dazu: miteinander statt gegeneinander auch in der Politik dank Soziokratie.

https://soziokratiezentrum.org/even…-kongress/

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Demokratisch erarbeitete Gesetze einer Gesellschaft spiegeln die Meinung einer Mehrheit wieder. Eine demokratische Debatte gibt die Meinungsvielfalt wieder oder offenbart die Gegensätzlichkeit aufgeladener Themen und Debatten. In einem funktionierneden demokratischen Diskurs ist die Diskussion aber auch meinungsbildend. Und sie offenbart Teilnehmern und Beobachtern die aktuelle Position vieler Mitglieder der Gesellschaft. Und unsere Realität ist leider, dass wir in der Mehrheit nach wie vor nicht bereit sind, für den Schutz der Umwelt Verzicht zu leisten. Und darauf läuft ein ökologisch geprägtes Verhalten hinaus: Die Änderung der lieb gewordenen Gewohnheiten ist Vielen zu mühsam. Dass dies alles offensichtlich wird, ist leider Teil des demokratischen Prozesses. Und im Ergebnis? Werden wir genau das bekommen, zu was die Mehrzahl bereit ist. Das ist gerecht, für unser Überleben aber nicht ausreichend. Die Katastrophe droht uns eben nur - und sie ist noch nicht "genügend da". Und wenn sie es ist, ist es womöglich zu spät. Sagen die Prognosen der einen Seite. Auch das ist so ein Problem der Demokratie, ja, jedes politischen Entscheidungsprozesses: Auf welche Fakten können wir uns wirklich verlassen?

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D. B.
Nationalratskandidatur
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Das stimmt so nicht. Das Parlament entscheidet in der feineren Ausgestaltung von Gesetzen oft gegen die Interessen der Mehrheit. ParlamentarierInnen können das bei jeder Angelegenheit tun, die ihren WählerInnen nicht so stark am Herzen liegt, dass sie deshalb anders wählen würden. Schliesslich kann man nur den ganzen Menschen wählen, und nicht seine einzelnen Entscheide.
Praktisch die ganze SVP-Fraktion entscheidet seit zwanzig Jahren in den Bereichen Altersvorsorge und Krankenkassen konsequent das Gegenteil dessen, was ihre WählerInnen wollen. Das funktioniert, weil die meisten dieser WählerInnen die SVP praktisch nur wegen ihrer Ausländer-, Landwirtschafts- und Asylpolitik wählen. Zur restlichen Politik haben sie zwar durchaus Meinungen, denen sie aber in ihrer Entscheidungsfindung bei Wahlen keine grosse Bedeutung einräumen.
Dasselbe geschieht momentan in der FDP: Die Basis will eine aktivere Klimapolitik, wählt aber aus wirtschafts- und steuerpolitischen Gründen trotzdem die alten Betonköpfe wieder, die sich in der Klimapolitik völlig gegen ihre Interessen einsetzen.

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Die Klimadiskussion ist so grundsätzlich und einschneidend, dass wir gar nicht über die Repräsentation des Volkswillens durch die Parlamentarier streiten müssen. Denn am Ende wird bei uns in der direkten Demokratie tatsächlich das Volk entscheiden. Und gewählt wird auch inmitten der aufbrechenden Diskussion.

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Wie kann man in einer Diktatur leben wollen? Wie kann man so geschichsvergessen und leichtsinnig sein? Demokratie heisst, dass die Regierten über ihre Regierung entscheiden - wer wollte das aufgeben?

Wie genau die Demokratie funktionieren soll - wie transparent Finanzierung und Lobbyismus organisiert sind: darüber kann und sollte man reden. Aber jeder, der eine Diktatur will, ist ein Feind meines Landes.

Wer keine Vorstellung von Diktatur hat, soll sie sich doch mal ansehen: in Russland und China. In Ceausescus Rumänien, in Honeckers DDR, Pol Pots Kambodscha, Hitlers Deutschland.

Ein Diktator lässt keine Kritik zu. Kein Mitreden, keine Freiheit, das eigene Leben zu führen, wie man möchte, keine Wahrheit.

Alles was eine Diktatur bietet, ist: „Ich hab einen starken Chef, und wenn ich dem folge, bin ich auch stark.“

Diese Identifikation ist ja ok für Fussballfans.

Aber für mein Land, in dem ich lebe? NIEMALS!

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D. B.
Nationalratskandidatur
·

Bitte fallen Sie nicht auf dieses Strohmann-Argument herein. Eine Diktatur will niemand innerhalb der Klimabewegung - die meisten wünschen sich sogar mehr Demokratie. Von einer Diktatur sprechen hier bloss ein paar alte Angstmacher, die nichts ändern wollen.
Demokratie und Diktatur sind übrigens kein striktes Entweder-Oder. Es gibt unzählige Staatsformen zwischen vollständiger Demokratie (antikes Athen, lassen wir das eng gefasste Bürgerrecht einmal beiseite) und vollständiger Diktatur (heutiges Nordkorea). Auch das Schweizer System liegt irgendwo dazwischen. Wenn man sich anschaut, wie stark die Schichten vom oberen Mittelstand aufwärts in unseren Parlamenten und Regierungen übervertreten sind, und wie der Bundesrat in Kriegs- und Krisenzeiten per Notrecht diktieren dürfte, dann kann man unsere Republik nicht als vollständige Demokratie bezeichnen. Dafür hat sie zu viele aristokratische Züge.

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Warum kann man in der Schweiz im Gegensatz zu fast allen Ländern der Welt durch Städte schwimmen? - Dank der direkten Demokratie. Die Schweiz hat das fortschrittlichste Gewässerschutzgesetze der Welt ihrer Stimmbevölkerung zu verdanken. Denn diese hat sich an mehreren Volksabstimmungen gegen kurzfristige Interessen der Industrie durchgesetzt und mit Volksinitiativen das Parlament angetrieben. Heute bestreiten auch die damaligen Gegner nicht, dass das Gewässerschutzgesetz samt seinem Verbot zu Einleitung von verschmutztem Abwasser ein Erfolgsmodell war und dass es richtig war, dass die Schweiz pionierhaft voran ging. Diese Einsicht wird sich auch beim Klimaschutz durchsetzen. Aber es ist wichtig, dass die Bevölkerung kompetentere und engagiertere Leute ins Parlament wählt und mit Volksinitiativen, Demonstrationen, persönlichem Engagement auf allen Ebenen und Kanälen Druck macht.

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Ein Hoch auf deinen Optimismus. Wir bleiben dran!

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A. B.
· editiert
(unsichtbar)
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M. R.
· editiert

Bereits 1985 fragte der Systemtheoretiker Niklas Luhmann im Untertitel seines Buches "Ökologische Kommunikation" "Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen?" (Hier eine zeitgenössische Spiegel-Rezension).

Jedes Funktionssystem (Politik, Wirtschaft, Recht, Wissenschaft usw.) reagiert immer nur bedingt nach Massgabe ihrer eigenen Codes auf Störungen wie Umweltprobleme und -krisen. Die systemische Gefahr, die dadurch entsteht, ist, dass zu wenig Resonanz generiert wird.

Auch aufgrund der unterschiedlichen Zeithorizonte. So besitzen unsere persönlichen Alltagsroutinen einen relativ kleinen. In der Wirtschaft geht es insbesondere bei AG's fast nur um Quartalszahlen, d. h. um mehr Investitionen, Umsatz, Profit, kurz: um mehr Wachstum. Und in der Politik geht es um Legislaturperioden an dessen Enden es um die Wiederwahl geht.

Diese relativ kurzfristigen Interessen der Unternehmen und Politiker*innen kollidieren so mit den langfristigen Interessen der transgenerationalen Bevölkerung und der langsam evolvierten Ökosysteme.

Verstärkt wird diese stasis, diese Blockade, durch die strukturelle Kopplung von Politik und Wirtschaft in Form des externen und internen Lobbyismus'. Also Wirtschaftsvertreter die auf Parlamentarier*innen und Verwaltung einwirken oder gleich selbst in unserem Miliz-System Sitze einnehmen.

So habe die "fossile Lobby", wie der Klima-Report der Schweizerischen Energiestiftung schreibt, griffige Gesetze zur Bewältigung der Klima-Krise regelrecht 'sabotiert' (vgl. auch die Republik-Artikel hier und hier).

Dies durch und mithilfe der bürgerlichen Mehrheit. Oft hiess es nämlich:

Die SVP stimmte geschlossen, die FDP-Fraktion fast geschlossen dagegen und die CVP mehrheitlich dagegen.

Doch selbst heute scheint die Losung zu sein: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Was auf zu wenig, zu spät hinausläuft. Denn auch das wenige scheinbar Notwendige ist wahrscheinlich nicht hinreichend. In den Szenarien gibt es viele Unbekannte. Kipppunkte, die wir nicht vorhergesehen haben, die noch katastrophalere Kaskaden auslösen können.

The worst case might even be worse

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Elia Blülle
Journalist @Republik
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Danke für den guten und differenzierten Beitrag. So macht Debatte Spass.

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Was in der Klimadebatte echt irritiert ist die fehlende Einsicht der bürgerlichen Politiker, dass die Energiewende etwas sehr Positives ist, denn sie schafft neben vielen Arbeitsplätze (man spricht von mindestens 80'000) auch Innovation und macht die Schweiz energieautark, mit jährlichen Einsparungen von gut 13 Milliarden (bei heutigem Erdölpreis). Sie müssten sich eigentlich auf das Thema stürzen, was also steckt wirklich hinter ihrer Passivität, ja Herablassung gegenüber dem Thema? Hat der Liberalismus seine freiheitliche, visionäre Kraft durch die egoistische, habgierige und selbstsüchtige Doktrin des Neoliberalismus verloren? Sind sie mittlerweile in ihrem kurzfristigen Gewinnstreben so gefangen, dass sie das grosse Ganze nicht mehr sehen können oder wollen?

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Dazu ein dringender Lesetipp von mir: Philipp Loser hat im Tagimagi ein extrem gutes Porträt über die FDP-Parteipräsidentin Petra Gössi geschrieben. Eigentlich geht es vor allem um die Flügelkämpfe in ihrer Partei beim Klima: https://www.dasmagazin.ch/2019/09/2…-risiko-2/

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Vielen Dank für den Tip. Der Bericht ist wirklich sehr spannend zu lesen und hat meine Meinung über Petra Gössi durchaus etwas korrigiert. Den Beweis, effektive Massnahmen konsequent zu unterstützen, wie z.B. eine Lenkungsabgabe auf CO2, deren Einnahmen paritätisch an die Bevölkerung zurückfliesst, müssen die Liberalen aber noch erbringen. Bis jetzt waren es nur Worte.

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Erstaunlich finde ich das eigentlich nicht, weil diese "Bürgerlichen" ja mit "Dreck-Tech" sehr viel Geld verdienen und sich dann "Gediegenes Wohnen im ruhigen Grünen" leisten können.
Das eigene Denken versucht immer, die eigene Lebensweise als die einzig richtige und wahre zurecht zu biegen.
Mustergültig habe ich das gerade in einem Gespräch mit einem Compagnero erlebt, der gerade wieder nach Südamerika abgeflogen ist, wo er dann den Südamerikanischen Sommer verbringt, bis etwa im April, wo es für ihn Zeit wird, wieder in die Schweiz zu fliegen und dann hier den Sommer zu verbringen.
Er sagte mir, dass er mit dieser Lebensweise viel weniger heize, als Andere.
Ja, dieses Argument leuchtete mir ein.
Ausserdem kritisierte er die Wassermischer, die aus Bequemlichkeit in der Mitte eingestellt seien, so dass viel zu viel warmes Wasser verbraucht werde.
2:1 für den Vielflieger und Kontinental-Grosspendler.

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D. B.
Nationalratskandidatur
·

Ach, es ist immer dieselbe alte Leier. Die "Mühlen der Demokratie" mahlen langsam. Bullshit. In unserer Republik kann ein neues Gesetz innert zwei bis fünf Jahren verabschiedet werden, wenn alle Instanzen wollen. Das neue CO2-Gesetz könnte übernächstes Jahr bereits rechtskräftig sein, mit allen erforderlichen Auflagen, um netto Null bis 2030 zu erreichen.
Effektiver Klimaschutz scheitert nicht an der Langsamkeit des Systems, sondern am Unwillen der EntscheidungsträgerInnen. Und der entsteht dadurch, dass die Profiteure des bisherigen Systems bevorteilt werden. Nicht nur durch Lobbying und andere Formen der Korruption, sondern auch durch Wahlen an sich.
Reiche, gut Ausgebildete, Alteingesessene, Bisherige, Berühmte und deren Familienmitglieder schneiden bei Wahlen nachweislich viel besser ab. Warum? Weil bei Wahlen Bekanntheit, Zeit und Geld mehr zählen als Talent. Weil Menschen mit wenig Zeit und Geld gar nicht erst die Möglichkeit für eine ernsthafte Kampagne haben. Und weil Menschen mit starkem finanziellem Eigeninteresse einen viel grösseren Anreiz haben, anzutreten.

Wir müssen dringend darüber nachdenken, ob Wahlen der Demokratie im Weg stehen. Die erste (und nach einigen Definitionen bisher einzige) Demokratie der Welt, die Athener Demokratie, kam fast gänzlich ohne Wahlen aus. Abgesehen von einer Handvoll militärischer Posten wurden alle Gremien per Los gezogen. Der reichste Athener Bürger hatte keine höhere Chance, mitentscheiden zu dürfen, als der ärmste.
Würden wir unsere Parlamente wieder per Los ziehen und die Ausgelosten vor ihrem Amtsantritt politisch bilden, wären Ärmere, Frauen, Zugezogene, Nichtstudierte, Junge und Pensionierte nicht mehr untervertreten. Niemand bräuchte mehr Mittel für eine Wiederwahl, und nach Ablauf der Amtszeit wären alle wieder ganz normale Menschen ohne Beziehungen zu aktuellen ParlamentarierInnen. Es gäbe also viel weniger Ansatzpunkte für Korruption und Lobbying. Und die wenigsten ParlamentarierInnen hätten selbst Firmen, die von noch tieferen Unternehmenssteuern, noch grösseren Steuerschlupflöchern oder noch schlechteren Umweltauflagen profitieren könnten. So könnte eine griffige Klimapolitik im Handumdrehen Chancen haben.

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Ja dann schicke ich Sie mal per Wahl nach Bern! Ihre Konstruktion Schweizer CerWahla in Griechischen Los-Schläuchen ist grandios. LOS!

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M. R.
· editiert

Gutes Buch dazu: "Gegen Wahlen. Warum Abstimmen nicht demokratisch ist" von David Van Reybrouck.

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P. Z.
· editiert

Gut geschrieben, ich kann mich dem nur anschliessen :). Richtung deliberative Demokratie

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Eine entschiedene und wirkungsvolle Klimapolitik könnte nicht an der Langsamkeit der Demokratie scheitern, sondern an den zahlreichen Sonderinteressen und dem kurzfristigen Denken von Interessengruppen. So haben sich z.B. die Wirtschaftsverbände bisher stets gegen wirksame Klimaschutzmassnahmen wie z.B. hohe Lenkungsabgaben gewehrt, mit dem nicht wirklich glaubwürdigen Argument, sie würden der Wirtschaft schaden. Oder in traditionellen Landwirtschaftskreisen wird die Forderung nach Reduktion der Treibhausgasemissionen als Frontalangriff auf die Schweizer Landwirtschaft verstanden, und nicht etwa als Chance für neue, innovative Produktionsmethoden.

Generell werden Klimaschutzmassnahmen noch allzu oft als Bedrohung statt als Chance wahrgenommen. Dabei gilt es z.B. als erwiesen, dass von einer hohen CO2-Abgabe, welche vollständig an die Bevölkerung zurückverteilt wird, breite Bevölkerungskreise profitieren, und dass damit die notwendigen Anreize geschaffen werden, alternative Produkte und Lösungen zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

Es braucht die Einsicht sämtlicher Bevölkerungs- und Interessengruppen, dass wirksamer Klimaschutz keine Kompromisse duldet. Das Klima kennt weder die «Mehrheitsfähigkeit» noch den «Kompromiss». Die Erde wird einen deutlich über 1,5 Grad liegenden raschen Temperaturanstieg verkraften. Ob auch die heutigen Ökosysteme, wir Menschen und unsere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung dazu in der Lage sind ist jedoch fraglich.

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Gerade gestern bin ich in einem Gespräch über die heute wieder politisiertere und aktivere "Klima-Jugend", die auf die relativ angepasste, "unproblematisch" Karriere machende und den materiellen Wohlstand genießende und auskostende "Hippster"-Generation folgt, darauf gekommen, dass die heutige besondere Herausforderung darin besteht, moderne Möglichkeiten ganz bewusst NICHT zu nutzen, da ihre Auswirkungen zu dermassen katastrophalen Folgen führen können, da sie das Leben auf dem Planeten insgesamt gefährden.
Beispiele:

  • Atomkrieg (hat definitiv keinen Sieger mehr, auch konventionelle Kriege haben eigentlich nur Verlierer, aber wenigstens geht nachher das Leben weiter, wenn auch traumatisierte und vergiftet)

  • Gentechnologie (sie bringt ALLES durcheinander) Das Chaos wäre perfekt.

  • Klimaerwärmung mittels erhöhtem CO2-Ausstoss, durch Abbrennen und Abholzen von Wald und durch Verbrennung von fossilen Energien (mit den immer mehr beobachteten Folgen)
    Unsere Vorfahren hatten es in gewisser Weise einfacher:
    Da sie diese ungeheuren Moderen Möglichkeiten und Technologien gar nicht hatten, musste ihnen auch niemand verbieten, diese anzuwenden.
    Sie konnten auch dann noch (nebst viel nützlichem und erfreulichen) sehr viel Schaden anrichten und zum Beispiel Mittelmeer-Inseln abholzen und zu kargen, trockenen Gegenden machen. Usw.
    Der bewusste Verzicht auf Möglichkeiten und Technologien und das bewusste "sich Grenzen setzen" läuft natürlich unserem Freiheits- und Entdecker-Drang komplett entgegen! Aber sie befreien das eigene Denken und Handeln auch in dem Sinne, dass es sich dann voll auf die noch vorhandenen Möglichkeiten und Technologien konzentrieren kann.
    Ein Musterbeispiel ist der Bio-Landbau:
    Wir verzichten ganz bewusst auf die Möglichkeiten von Pestiziden, Kunstdüngern und der Gentechnologie, weil wir die Schäden durch Vergiftung, Überdüngung und ausser Rand und Band geratenen Organismen als grösser erachten, als den Nutzen von gesteigerten Erträgen.
    Innerhalb dieser selbst gesetzten Grenzen entwickeln wir dann Methoden, wie Fruchtfolgen, Gründüngungen, Mischkultur, Nützligszucht, Hecken und Naturschutz-Rückzugsgebiete, Vertragslandwirtschaft, Bio-Vermarktung, usw.
    Alles Dinge und Verhaltensweisen, die ohne die Selbstbeschränkung aus Einsicht niemals entstanden wären!
    In dem Sinne: Mehr einsichtige Selbstbeschränkung für mehr Freiheit!

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Die arbeitende & ältere Generation ist jetzt gefragt. An einem Freitag zu streiken, sollte uns alle angehen. Wer hat den Mut, wer wäre bereit dazu? Beispielsweise anlässlich eines zu wenig griffigen CO2-Gesetzes?

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Generalstreik ist angesagt für den 15. Mai 2020

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K. U.
Nationalratskandidatur
·

Ruhig Blut. Auch wenn Klima- und Umwelt wichtig sind. Wir dürfen die Demokratie unter keinen Umständen in Frage stellen. Ein Abweichen davon würde die Büchse der Pandora, bzw. das Pulverfass, öffnen. Ja, die Prozesse sind nicht schnell. Aber die Resultate dafür tragfähig. Der Klimawandel ist die Folge von Strukturen, die über Jahrezehnte gewachsen sind. Es braucht daher Zeit, Gegensteuer zu geben.

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Hätten sie das 1972 nach dem Bericht "Grenzen des Wachstums" gesagt, hätte ich ihnen voll zugestimmt. Heute, fast 50 Jahre später, mit immer schneller zunehmenden CO2 Werten in der Atmosphäre, tönt ihr Statement von langjährig gewachsenen Strukturen, die man nicht so schnell ändern kann, wie blanker Hohn! Sie scheinen noch nicht begriffen zu haben, dass diese Strukturen gewachsen sind trotz dem Wissen, dass diese Wirtschaft nicht nachhaltig und zukunftstauglich ist. Anstatt dieses Wissen zu nutzen, die Strukturen mit Innovation langsam und kostengünstig den natürlichen Grenzen anzupassen, hat die Wirtschaftselite die Zeit lieber genutzt, sich auf Teufel komm raus zu bereichern. Jetzt, wo die Zeit für Gegensteuer schon fast zu knapp ist, noch auf Zeit zu spielen, ist irgendwie typisch für diese Art von Wirtschaftsverständnis.

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Selbstverständlich muss man nicht gleich die Demokratie in Frage stellen und alles in einem Jahr umstellen. Aber dass gewisse Parteien ihr Abstimmungsverhalten und den Inhalt ihrer Vorstösse umstellen, das wäre etwas was sich durchaus von heute auf morgen ändern liesse.
Und mit Abstimmungsverhalten meine ich explizit nicht Parolen im Wahlkampf, sondern die offiziellen Statistiken zu den Abstimmungen der vergangenen Legislatur.

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M. R.
· editiert

Genau! Der Klima-Report der Schweizerischen Energiestiftung schreibt pointiert von einer "Sabotage in sechs Akten". Der Tenor bei griffigen Gesetzen oder Massnahmen lautete stets:

Die SVP stimmte geschlossen, die FDP-Fraktion fast geschlossen dagegen und die CVP mehrheitlich dagegen.

Das ist die Politik der Bürgerlichen. Kann und sollte man auf die Selbst-Aufklärung und den Gesinnungswandel bei ihnen zählen? Sie reden stets von Selbst-Verantwortung, aber vernachlässigen die Verantwortung für die kommenden Generationen und bestehenden Ökosysteme.

Was es also bräuchte, wären zumindest neue Mehrheiten. Dazu bräuchte es wiederum die entsprechend Wählenden.

Informativ dazu:

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Schon. Aber wir hatten bereits 30 Jahre Zeit.

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Anonymous
· editiert

Wir haben jetzt über dreissig Jahre vertrödelt, den jährlichen THG-Ausstoss in Kenntnis seiner horrenden Konsequenzen weltweit sogar Jahr für Jahr weiterhin gesteigert.

Die sanften Einzelmassnahmen haben ganz offensichtlich versagt. Jetzt braucht es einen schonungslosen Systemwechsel mit knallharten, effektiven Reduktionen auf netto null innert wenigen Jahren, und zwar in allen THG-relevanten Sektoren und ohne Ausklammerung von Landwirtschaft, Flugverkehr, bestimmten Konsumenten oder ähnlichen Partikularinteressengruppen!

Die eskalierende Klimakatastrophe zeigt auch die Grenzen unseres demokratischen Systems. Wie sind kurze Legislaturzyklen mit (mindestens) all-vier-jährlichem Wahlkampf mit globalen, langfristigen Jahrhundertzielen zu vereinbaren - selbst wenn es um das Überleben geht? Soll man diese Grenzen deshalb überschreiten? Wahrscheinlich nicht.

Aber für die nächsten Legislaturen brauchen wir Politiker*innen, die Verantwortung wahrnehmen, und auch unpopuläre Entscheide fällen und vor der Bevölkerung vertreten können. Dafür werden sie gewählt, nicht dafür, es allen recht zu machen.

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Es ist unglaublich schwierig sich bei diesem Thema nicht in Details zu verlieren. Daher möchte ich nur auf die direkt gestellten Fragen eingehen.

Scheitert eine entschiedene und wirkungsvolle Klimapolitik an der Langsamkeit der Demokratie? Hebelt die Forderung nach einem radikalen Systemwechsel auch unser demokratisches System aus? Oder lassen sich die Mühlen der demokratischen Prozesse so weiterentwickeln, dass auch drängende Krisen gelöst werden können?

Hier kann ich nur ganz entschieden mit einem Jaein antworten.
Die Antwort liegt in der Konstruktion unserer Demokratien. Was wäre, wenn wir die Kompetenzen in der representativen Demokratie neu aufteilen? Die Gewichtung verändern? Das hier darzulegen ist schlicht nicht möglich. Einen tollen Ansatz hat Prof. Johannes Heinrichs entwickelt. Er arbeitet schon seit gut 40 Jahren an diesem Modell. Wer sich nicht durch seine Bücher arbeiten will, dem empfehle ich dieses einstündige Video:
https://www.youtube.com/watch?v=PSLdwFpSsGc
Achtung! Lassen Sie sich bitte nicht von der müden Art des Interviews täuschen.

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Unser demokratisches System ist durchaus in der Lage auf Krisen schnell und entschlossen zu handeln.
Vor zehn Jahren war es kein Problem die Banken mit Blankoschecks aus Steuergeldern aus ihrer vorhergesagten und selbstverschuldeten Notlage zu befreien. Innert weniger als einer halben Woche wurde ein Betrag von fast der zehnfachen Grösse der jährlichen Ausgaben für Umweltschutz der grössten Bank zur Verfügung gestellt, fast ohne Auflagen nota bene.
Das alles ist nur eine Frage des Wollens. Würde der Bundesrat beschliessen, dass das Klimaproblem die nationale Sicherheit bedroht, dann könnte er ohne viel drum herum drastische Massnahmen anordnen und durchsetzen.
Wir brauchen weder einen Umbau der Gewichtung, noch einen Führerkult. Wir müssen nur aufhören korrupte bürgerliche Politiker ins Parlament zu wählen

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Unsere „starken Chefs“ verteufeln mal wieder eine ganze breite Bewegung mit dem Argument, dass ihre Forderungen ... wir kennens alle. Dabei sind sie - wieder mal - grad nicht autoritär organisiert. // Wie sich die effektiv drängenden und hoch•not•wendigen Forderungen schneller umsetzen liessen? Die Leugner•innen und Bremser•innen nicht wiederwählen, absetzen; stattdessen ein klimatisch engagiertes, denkoffenes, flexibles, nicht geldpolitisch, sondern klimapolitisch zukunftgerichtetes Parlament wählen; in beiden Kammern.

Und diejenigen, die jetzt noch nicht wählen können, werden das nächste Mal dabei sein - und bestimmt besser informiert, als die letzten zwanzig, dreissig politischen Einstiegsjahrgänge das waren; und dabei auch viel mehr Frauen.

Und allen jungen Menschen unter der politischen Mitbestimmungsschwelle bleiben sehr viele Möglichkeiten, trotzdem, auch ausserhalb der Demos, Einfluss zu nehmen: Es die Lebenszeit mit den wohl meisten Menschenkontakten überhaupt.
Also gibt es auch sehr viele Möglichkeiten, andere, stimm- und wahlberechtigte Mitmenschen zu überzeugen: in Familie, Verwandtschaft, unter eigenen Freundinnen und Freunden, in der Schule, Konf’unterricht - oder einer der anderen religiösen Entsprechungen hierzu - mit Mails, Briefen, Reden, Kommentaren, und den guten alten direkten Gesprächen; in Bus, Tram, Bahnhöfen, Zügen, Haltestellen - und hier in der Republik.

Möglichst viele Jahresabos der Klimajugend mitgeben; sowohl die journalistischen Beiträge, wie auch die Diskussionen, Kommentare hier: eine der besten momentanen demokratischen Plattformen überhaupt.
Eine der besten Ansatz•stellen, um die vielfältigsten Ideen einzubringen - und somit auch mal etwas beschleunigter in die politische Landschaft einzubringen überhaupt.

Unsere Demokratie muss vor allem demokratischer werden, offener - und massiv weniger monetär. Letzteres wird nicht der Wirtschaft schaden (wie andauernd von festgefahrenen Köpfen, die das immer noch „liberal“, also „frei/heitlich“ nennen, was längst nur noch festzementierte Betonbahnen sind, von sehr viel Geld unterstützt), es würde eine bessere, leichtfüssigere, sinnvollere, lebensgerechtere, lebens- statt geld-zentrierte, Wirtschaft gerade erst möglich machen.

Und trotz aller Drängnis: plötzliche, alle gegebenen Strukturen destabilisierende Umstürze würden zum jetzigen, politisch ohnehin schon gefährlich aufgeheizten Zeitpunkt eine einzige Wirkung haben:
Gewaltherrschaft und Diktatur - und zwar potenziell, mit einiger Wahrscheinlichkeit, weltweit, in kürzester Frist; wir sind heute tatsächlich weltweit vernetzt; die mit den im Kern faschistischen Programmen wohl sehr viel mehr noch, als wir vorläufig fast alle dies uns überhaupt vorstellen können; und wirklich weniger nett: heftiger, machtwilliger, gewalttätiger, als wir das überhaupt checken.
Die unvermeidliche Folge: Krieg; umweltzerstörender als alles.
Ein kühleres Klima also schon in den Köpfen hilft garantiert mehr als Überstürzen!

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Erzwingen lässt sich gar nichts auf Dauer.
Weil Zwang immer zu entsprechenden Gegenreaktionen führt.
Nehmen wir als anschauliches Beispiel einen Garten, mit allem, was das menschliche Herz erfreut: Gemüse, Früchte und schöne Blumen.
Die Natur hält von unserer Vorstellung von einem "Paradies" nichts, jedenfalls nicht viel.
In unserer gemässigten Klimazone würde die Natur für einen Mischwald sorgen, mit Lichtungen und Sumpfgebieten, in Sachen Biodiversität nicht besonders aufregend.
"Einheimisch" wären dann vielleicht noch Buchen, Eichen und Föhren.
Für unseren Garten müssen wir also sehr viel kämpfen und erzwingen, was auch gelingt, aber nur so lange, wie wir in unseren Bemühungen nicht nachlassen.
Auf den Feldern und Spitälern müssen wir ständig "Unkräutern", "Schädlingen" und "Krankheiten" hinterher jagen, die zur Kehrseite unserer menschlichen Kultur-Zwängerei gehören und die wir mit unserer Repression ungewollt aber unausweichlich genauso züchten, wie wir unsere Kulturpflanzen, Haustiere und "anständigen Verhaltensweisen" erzieherisch züchten.
Insgesamt ist es wie bei einem Nullsummenspiel, oder wie beim Ziehen eines Gummibandes:
Wir werden verlieren, was wir gewinnen, und das Gummiband wird umso stärker zurückschnellen, je mehr wir es vorher gezogen und gespannt haben.
Auch jede Art von Leben führt irgendwann zum Tod.
Unsere moderne Zivilisation zerstört die natürlichen Grundlagen, auf denen sie errichtet werden konnte, mit zwanghaften Mechanismen des Wachstums.
Ich bin zur Auffassung gelangt, dass es keinen Ausweg gibt, da sich die vom Menschen entfesselten "Marktkräfte" und Naturgewalten nicht mehr abbremsen und kontrollieren lassen.
Wir müssen also dem Unausweichlichen ins Auge schauen und versuchen, den gewaltigen Sturm, der auf uns zu kommt, irgendwie zu durchschiffen.
Dabei gibt es kein Rezept, da das, was jetzt kommt, noch nie da war.
Das einzige Rezept, das ich empfehlen kann:
Möglichst locker bleiben und möglichst AUFMERKSAM bleiben!
Erinnert Euch, dass Ihr Tiere seid und darum tierische Qualitäten und Kräfte habt, die Ihr trainieren und einsetzen könnt!
Versucht nicht, als verkrampfte Heilige das Böse der Welt zu überwinden!
Denn "Das Böse" existiert genauso wenig, wie "Unkräuter", oder "Schädlinge"!
Unkräuter sind einfach Kräuter, und Schädlinge sind einfach Mit-Esser, und Krankheiten sind einfach spezielle Zustände und Verhaltensweisen.
Hört auf, zu spalten, dann werdet auch Ihr nicht gespalten.
Seid GANZ, oder werdet ganz. Dann klappt's auch mit der Natur und mit der Welt.

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Die Kirche wäre allerdings gar nicht begeistert... ;)

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"Langsamkeit der Demokratie" ist eine Schönfärberei dessen, was hier passiert. Eine Mehrheit im Parlament aus Klimaleugnern, Lobbyprostituierten und Rechtsextremen verhindert sämtliche griffigen Massnahmen für mehr Klimaschutz.

Wir brauchen einfach weniger tragische Verhältnisse im Parlament, dann können wir auch solche Krisen angehen.

editiert: Sorry, ich hab mich etwas hinreissen lassen. Wie von Herrn Blülle unten korrekt angemerkt, stellen die erwähnten Gruppen keine Mehrheit. Habe unten noch versucht, besser zu formulieren, was ich meinte.

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Noch ein Gedanke hierzu: Ich verstehe unter dem geforderten «radikalen Systemwechsel» im Bezug auf den Klimawandel einen Wechsel in der Wirtschaft, nicht in der Politik. Der «elephant in the room» ist das Wirtschaftswachstum, die heilige Kuh unserer Gesellschaft.

Ein Beispiel: Gehen wir davon aus, dass die Weltwirtschaft kontinuierlich um 3% wächst. Das heisst, in nur 24 Jahren ist sie schon wieder doppelt so gross. Noch wenn alle Firmen bis dahin extrem umweltfreundlich werden und ihre Emissionen um 50% reduzieren, haben wir unter dem Strich null reduziert gegenüber heute. Das Wirtschaftswachstum killt alle Bemühungen zur Reduktion der Emissionen.

Wir müssen eine Alternative finden zu einer Gesellschaft, die nicht auf unendlichem Wachstum auf einem endlichen Planeten basiert. Und diese Form der Gesellschaft muss trotzdem so gut sein, dass sie besser ist als eine Gesellschaft nach dem System des unendlichen Wachstums.

Und deswegen sind Diskussionen um eine vermeintliche «Ökodiktatur» nicht nur lächerlich, sondern ein bewusst eingesetzter «Red Herring» der Klimaleugner.

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rino wenger >sie sind mit ihren aussasgen für mich nahe dran. überwinden wir doch endlich den kapitalismus. der kapitalismus funktioniert einfach ausgedrückt nach dem prinzip >nach mir die sintflut. das brint zwar weniger wohlstand, aber mehr lebensqualität.

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R. M.
Nationalratskandidatur
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· editiert

Gelebte Demokratie führt in jedem Thema automatisch zu einem gegenüber dikatorisch oder autokratisch geführten Staat zu viel langsameren Entwicklungen. Dies ist Risiko und Chance zugleich. Risiko, wie vielleicht im Falle des Klimawandels, dass durch die vielen Diskussionen und politischen Prozesse rasches und/oder extremes Handeln mindestens verzögert, wenn nicht sogar verhindert wird. Chance, weil der demokratische Prozess auch viel zum Eigenverständnis und Wissensaufbau der Bürgerinnen und Bürger beiträgt. So dass getroffene Entscheide danach auch mit hoher Konsequenz und Zustimmung durchgesetzt werden können.
Das Problem in unserer heutigen Politik sind aus meiner Sicht die Politiker an sich. Zum Einen wird eigenständiges Denken immer seltener, da man damit in der eigenen Partei möglicherweise plötzlich zum Aussenseiter wird. Zum Zweiten fehlt vielen Politikern überhaupt der Mut für echte Entscheide, da sie dann für ihre Wähler plötzlich messbar werden. Und Entscheiden heisst manchmal auch "Fehler machen". Was trotz bester Politiker-Absichten bei den Wählern dann oft überhart beurteilt wird. Was bei der nächsten Wahl eben zur Abwahl führen kann.
Kurz und knapp: Gelebte Demokratie ist bei der raschen Umsetzung einer sehr wirkungsvollen, radikalen Klimapolitik die grosse Herausforderung!

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Ich vermute, Sie meinen im ersten Satz gelebte Demokratie, nicht Diktatur, richtig?

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R. M.
Nationalratskandidatur
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Besten Dank für den Hinweis. Habe es gleich korrigiert. Wünsche einen schönen Tag.

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wir haben ja seit langem die diktatur des kapitalismus, des mehr schneller, lauter, höher, „besser“, reicher „schöner“ länger...
da ist ökodiktatur ein schritt in richtung mehr demokratie!

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ich glaube, lieber D. G., hier müsste ökodiktat stehen; nicht ökodiktatur. ein ökodiktat - also die anerkennung der dringlichkeit und der klaren priorisierung, dem voranstellen vor allen anderen themen, das ökodiktat eben - wäre tatsächlich nur ein gegengewicht, ein ausgleich richtung mehr demokratie.

eine ökodiktatur aber natürlich würde genauso schnell zerstörerisch wie jede andere auch. das wort kommt ja aber auch von aussen, von denen, die das wirtschaftswachstum-vor-allen-anderen-werten durch alle böden hindurch weiterziehen wollen. die autoritäre strukturen, gerade auch in der wirtschaft, und den einfluss dieser art von wirtschaft auf die politik beibehalten wollen. auch um den preis von waffenlieferungen mit, natürlich, todesfolgen; pestizideinsatz mit vergiftungserscheinungen über die ganze natürliche kette von wesen; inzwischen wissen wir nun schwarz auf weiss noch: auch bis in unser trinkwasser hinein; um den preis, den erdplaneten weiter richtung abgrund zu treiben.

genau das ist aber ja ganz klar nicht klimajugendziel - also nicht schon wieder eine junge bewegung mit diesen labeln zubetonieren, als wäre es übrig gebliebener hochradiaktiver müll. das gegenteil ist der fall.

wusstet ihr übrigens, wie fehleranfällig zement- bzw betonmischen ist?!? so von wegen einbetonieren der tonnen hochradioaktiven restmülls ...

aber eben, erstmal: reden wir doch bitte von klima- und ökodiktat (statt diktatur).

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danke verena goanna für die berichtigung. ich habe mich verleiten lassen durch die terminologie in der aktuellen klima debatte und vielleicht auch weil ich wie F. W. fragt, noch nie in einer "diktatur" gelebt habe.

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Elia Blülle
Journalist @Republik
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Ich finde, sie machen sich das etwas zu einfach. Erstens steht der Kapitalismus nicht für ein einziges System, sondern kennt mannigfaltige Ausprägungen. Zwischen unserer Wirtschaftsordnung und dem unregulierten Markt bestehen doch sehr grosse Unterschiede. Zweitens: Die Tatsache, dass wir mit politischen Massnahmen diesen Markt und dieses System regulieren könnten, zeigt sehr gut, das der Kapitalismus nicht mit einer Diktatur zu vergleichen ist.

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B. O.
· editiert

D. G. hat trotzdem recht. die wirtschaft macht auch in einem regulierten markt was sie will.

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mit der diktatur ist es wie mit der demokratie und dem kapitalismus, es gibt verschiedene ausprägungen und vor allem auffassungen davon. die einfältige, erstwelt, weisse, männer, elite, auffassung ist nur eine, dummerweise eine mit aller macht aber nur wenig weitsicht ausgestattete. was ich mit meiner zu einfachen aussage mitteilen möchte ist eben wirklich einfach. unser demokratisches system ist nicht in gefahr, nur weil nichtstimmberechtigte und pysikalische tatsachen sich gehör verschaffen und die selbstgefällige übersättigte altherrengesellschaft sich schon mal mit ein bisschen WENIGER zurecht finden muss. schlicht und einfach!

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