Die Dynastie Murdoch – Teil 2

Griff nach dem Himmel

Trump, Brexit und Sky: Auf dem Höhepunkt seiner Macht setzt Rupert Murdoch dreimal alles auf eine Karte. Zweimal gewinnt er. Sein dritter Einsatz könnte ihn sein Vermächtnis kosten. Die Geschichte einer Mediendynastie, Teil 2.

Von Jonathan Mahler, Jim Rutenberg («New York Times Magazine», Text), Anne Vonderstein (Übersetzung) und Joan Wong (Illustrationen), 31.05.2019

Was bisher geschah

Rupert Murdoch arbeitet sich hoch zum mächtigsten Medien­mogul der Welt. Als er nach einem Sturz ins Spital eingeliefert wird, rechnet seine Familie mit dem Schlimmsten. Kann sein Imperium ohne ihn funktionieren? Murdoch überlebt – und bindet seine Söhne immer enger ins Unternehmen ein. Anfang 2015 steht der Konzern am Scheide­weg. Der Auslöser: Die Tochter eines anderen Moguls möchte Rupert Murdoch sprechen. Ivanka Trump. Es geht um ihren Vater.

VI. Die Rückkehr

Im Verlauf der Vorwahlen zur Präsidentschafts­wahl 2016 schärft Trump sein politisches Profil mit Schimpf­kanonaden gegen militärische Interventionen, Freihandels­abkommen und Immigration. All das steht in direktem Gegensatz zu den eher neokonservativen Einstellungen von Rupert Murdoch.

Murdoch ist überzeugter Befürworter der Invasion im Irak, setzt sich mit geradezu missionarischem Eifer für eine offene Einwanderungs­politik ein – sogar in Australien, wo er vor einer «selbstzerstörerischen» Stimmung gegen Immigration warnt. Er spricht sich für internationale Freihandelsabkommen wie die Transpazifische Partnerschaft TPP aus.

Dass er von Trumps Ideologie, die allmählich Kontur annimmt, nichts hält, machen kritische Leitartikel unmissverständlich klar, die regelmässig im «Wall Street Journal» erscheinen. Murdoch, dem diese Zeitung gehört, steht in ständigem Kontakt mit dem verantwortlichen Redaktor für die Seite, wie ehemalige Kollegen berichten. Und dennoch trägt Murdoch in gewisser Hinsicht die Verantwortung dafür, die Kräfte freigesetzt zu haben, die im Begriff sind, Trump zum Aufstieg zu verhelfen.

In den Obama-Jahren treibt Fox News seine Einschalt­quote und den Profit mit intensiver Bericht­erstattung über Kundgebungen der Tea-Party-Bewegung sowie Meinungs­shows in die Höhe, die zur Delegitimierung des ersten afroamerikanischen Präsidenten der USA beitragen. Je weiter die Vorwahlen für den republikanischen Präsidentschafts­kandidaten voran­schreiten, umso mehr scharen sich nun rechtspopulistische Kräfte und Bürger mit Wut auf das Establishment um den Aussen­seiter Trump.

Zu dieser Recherche

Wie viel Macht haben Medien? An keinem Beispiel lässt sich das besser sehen als am Murdoch-Konzern. Fest in Familien­hand, macht er Präsidenten und Premier­ministerinnen, beeinflusst Gesetze, entscheidet mit über das Wohl und das Weh von Menschen. Jonathan Mahler und Jim Rutenberg vom «New York Times Magazine» haben monatelang recherchiert, mit mehr als 150 Menschen über die Familie Murdoch, ihr Imperium, ihr Wirken gesprochen. Wir haben diesen Artikel eingekauft, Anne Vonderstein hat ihn übersetzt.

Im März 2016 ist Donald Trump, der Mann, den Murdoch ein Jahr zuvor hat kalt abblitzen lassen, zum Spitzen­kandidaten der Republikaner aufgestiegen. Murdoch unternimmt die ersten, noch zaghaften Schritte, sich auf seine Seite zu schlagen.

«Wenn kein Weg mehr an ihm vorbeiführt», schrieb Murdoch in einem Tweet, «wäre es verrückt von der Partei, sich nicht in geschlossenen Reihen hinter ihn zu stellen.»

Auch jenseits des Atlantiks ist zu diesem Zeitpunkt eine rechts­populistische Welle entstanden, in deren Folge der Ausstieg Gross­britanniens aus der Europäischen Union droht. Und auch dabei hat Murdoch seine Hände im Spiel. «The Sun», sein einflussreichstes Boulevard­blatt, setzt sich im Kampf um den Brexit wie sein Eigentümer bereits seit langem für einen Bruch mit der EU ein. Der Grund für Murdochs antieuropäische Einstellung ist ein ganz einfacher, wie an einer Bemerkung gegenüber einem Kolumnisten des «Evening Standard» deutlich wird: «In Downing Street wird gemacht, was ich sage. In Brüssel nimmt keiner auch nur Notiz von mir.» (Murdoch bestreitet diese Aussage später; aber der Kolumnist Anthony Hilton hält am Zitat fest.)

Nach einer Erklärung des britischen Premierministers John Major vor dem parlamentarischen Untersuchungs­ausschuss soll Murdoch 1997 ihm gegenüber geäussert haben, er könne ihn nicht unterstützen, wenn er nicht von seiner proeuropäischen Haltung abweiche – Major interpretiert das als indirekte Aufforderung, ein Referendum für oder gegen den Verbleib in der EU abzuhalten. (Auch das bestreitet Murdoch.) Im Frühsommer 2016 steht dieses Referendum schliesslich vor der Tür.

Der Brexit hilft der Auflage: «The Sun» ist das wichtigste Instrument der Murdoch-Familie, um die britische Politik zu beeinflussen. Luke MacGregor/Bloomberg/Getty Images

Die Idee vom Ausstieg des Vereinigten König­reichs aus der EU ist nicht neu, aber bislang hat sie ihr Dasein als quasi vererbter Wunsch­traum gefristet, mit nur geringen Aussichten darauf, es jemals auf die Agenda der Real­politik zu bringen. Das ändert sich 2016. Wie ein Blick um die Welt den Befürwortern des Brexit zeigt, besteht inzwischen Anlass zu Optimismus.

In den USA verzeichnet Trump mit seinem Wahl­kampf immer grössere Erfolge, aber auch überall sonst befinden sich reaktionäre, nationalistische Kräfte wieder auf dem Vormarsch: In Österreich verliert der Kandidat der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), die von ehemaligen Nazi-Offizieren gegründet wurde, nur knapp die Bundes­präsidenten-Stichwahl. Auf den Philippinen hat Rodrigo Duterte es soeben an die Macht gebracht, nach einem Wahl­kampf, in dem er gegen die Eliten aus Wirtschaft und Politik seines Landes gewettert und versprochen hat, mit den Drogenkartellen so aufzuräumen, dass die Fische in der Manilabucht von all den Toten «fett» würden. Und in Ungarn hat Minister­präsident Viktor Orbán mit kilometer­langen Stachel­draht­zäunen seine Version einer Mauer errichtet, zur Abwehr von, wie er später zu Protokoll gibt, «muslimischen Invasoren».

In den Wochen vor dem Referendum trommelt die «Sun» an vorderster Front der Londoner Boulevard­presse für den Brexit. Es gehe dabei, so trichtert sie ihrer Leserschaft ein, um die Wahl zwischen «arroganten Proeuropäern» und der britischen Arbeiter­klasse, um den Widerstand gegen eine «Massen­einwanderung», die zu Niedrig­löhnen führe und «einen unerträglichen Druck auf unsere Schulen, Kranken­häuser, Strassen und den Wohnungs­markt ausübt». Murdochs zweites britisches Presse­organ – die «Times», die sich in nüchternerer Sprache an eine wohlhabendere und der politischen Mitte angehörende Leserschaft wendet – veröffentlicht dagegen Appelle für den Verbleib in der EU. Aber Murdochs Herz schlägt so, wie die «Sun» textet. Und über sie macht er auch mehr Einfluss geltend.

Es ist allerdings nicht ausgemacht, wie gross Murdochs Einfluss auf die britische Politik zu diesem Zeit­punkt überhaupt noch ist. Fünf Jahre zuvor hat Murdoch nach einer der schwersten Krisen in seiner Lauf­bahn London geradezu fluchtartig verlassen müssen: Er war unter Beschuss geraten, weil sich herausgestellt hatte, dass Redaktoren seines Boulevard­blatts «News of the World» jahrelang private Telefon­gespräche von Politikern, Prominenten, der königlichen Familie und sogar eines 13-jährigen Mädchens abgehört hatten, um Schmuddel­geschichten auszugraben. Der Abhörskandal, der seinerseits die Schlagzeilen beherrscht, hat einschneidende Auswirkungen auf die Familie und ihr «Empire».

Die Chefredaktorin Rebekah Brooks, für Murdoch so etwas wie sein siebtes Kind, wird verhaftet, vor Gericht gebracht und freigesprochen. Andy Coulson, ehemals Chef­redaktor bei «News of the World», dann Presse­sprecher von David Cameron, wandert sogar vorübergehend ins Gefängnis, weil man ihm nachweisen kann, dass er die Reporter zu der illegalen Abhör­praxis aufgefordert hat. Die vergeblichen Bemühungen um Schadens­begrenzung kosten den Medien­konzern mehrere Millionen US-Dollar Vergleichs­zahlungen an die Abhöropfer.

Vater Rupert und Sohn James Murdoch, der zu diesem Zeitpunkt das Europa- und das Asien­geschäft der Holding­gesellschaft News Corp. von London aus leitet, werden vor einen parlamentarischen Untersuchungs­ausschuss zitiert und müssen eine öffentliche Vernehmung über sich ergehen lassen. James sagt dort aus, er habe nicht gewusst, dass das illegale Abhören von Telefonen bei «News of the World» weit verbreitete Praxis gewesen sei. Aber man konfrontiert ihn mit einer E-Mail, aus der hervorgeht, dass er schon 2008 auf das mögliche Ausmass des Problems aufmerksam gemacht wurde. (James erklärt, er habe «den E-Mail-Verlauf nicht in seiner Gänze zur Kenntnis genommen».)

Der Abhörskandal betrifft zwar Vorgänge im Medien­konzern Murdoch, aber aufgrund der engen Verknüpfung zwischen dem Konzern und der Familie Murdoch wird er unweigerlich auch zum Familien­skandal. Es kommt zu gegenseitigen Beschuldigungen. James wirft seinem Vater vor, er habe es unterlassen, etwas gegen die freibeuterische Gesetz­losigkeit in der Redaktion zu unternehmen. Und nun versuche er, seine eigene Verantwortung für die Geschehnisse einfach auf ihn, den Sohn, abzuwälzen, obwohl er zum Zeitpunkt der Vorfälle noch gar nicht im Amt gewesen sei. Das sei nichts anderes als eine Rache­aktion, weil er nicht bereit gewesen sei, sich an der Vertuschung des Skandals zu beteiligen. James geht sogar so weit, einigen Vorstands­mitgliedern zuzustecken, er frage sich, ob sein Vater psychisch noch ganz gesund sei.

James und Rupert Murdoch müssen 2011 im Abhör­skandal um «News of the World» vor dem Untersuchungs­ausschuss des britischen Parlaments aussagen. EPA/Keystone

Rupert Murdoch wiederum wirft James vor, dieser habe sich mit kritiklosen und handlungs­unfähigen Beratern umgeben, die es nicht verstanden hätten, die Affäre unauffällig zu regeln, bevor sie sich zum Skandal auswachsen konnte. Mittendrin bringt sich plötzlich Elisabeth, die seit langem jeden Anspruch an die Thron­nachfolge aufgegeben hat, ins Spiel. Sie fordert ihren Vater auf, James von seinen Posten zu entfernen und sie mit den Aufgaben zu betrauen – so jedenfalls nach Aussage von vier Zeugen, die bei den betreffenden Gesprächen persönlich zugegen waren. (Elisabeth lässt uns mitteilen, sie habe zu keinem Zeitpunkt derartige Forderungen erhoben.)

Murdoch verspricht ihr zwar, er werde James von seinen Aufgaben entbinden, macht seine Entscheidung aber rückgängig, bevor sie an die Öffentlichkeit dringt. Denn auch Lachlan nutzt die Gunst der Stunde, um sich als Retter in der Not zu präsentieren. Auf seinem Weg von Australien nach London meldet er sich telefonisch vom Zwischen­stopp Bangkok und bekniet den Vater, er möge um Himmels willen keine übereilten Entscheidungen treffen. Als er schliesslich braungebrannt, topfit und tiefenentspannt – die lange Flugreise ist spurlos an ihm vorbeigegangen – im Büro seines Vaters auftaucht, scheint dieser sich auf der Stelle zu beruhigen.

Aber die öffentliche Demütigung hat auch dann noch kein Ende, als die Details über den Abhör­skandal – der monatelang auf der ganzen Welt für Schlag­zeilen sorgt – weitgehend bekannt sind und die Anhörung vor dem parlamentarischen Untersuchungs­ausschuss abgeschlossen ist. Es folgt eine langwierige richterliche Untersuchung, in deren Verlauf das Beziehungs­geflecht und die Praktiken der britischen Presse und insbesondere der Murdoch-Zeitungen minutiös unter die Lupe genommen werden.

Das Abschlussdokument, der Leveson-Report, zeichnet das Bild eines Landes, in dem eine einzige Familie eine derartige Macht­fülle auf sich vereint hat, dass sie meint, über dem Gesetz zu stehen. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis: «Echte Macht bedarf oft keiner Worte.» Kein Politiker habe es mehr gewagt, sich Murdoch in den Weg zu stellen, weil auch ohne explizite Drohung feststand, dass ihn das «die Unterstützung seiner Person und seiner Politik in Murdochs Massen­blättern» gekostet hätte.

Das Ende nach 168 Jahren: Herausgeber Colin Myler (Mitte) hält die letzte Ausgabe der «News of the World» in den Händen. Matthew Lloyd/Getty Images

Als der Leveson-Report 2012 veröffentlicht wird, hat Murdoch die «News of the World» bereits eingestellt und ist untergetaucht, um in Gross­britannien, so gut es eben geht, in Vergessenheit zu geraten. Dass sich das 2016 wieder ändert, liegt an seiner neuen Ehefrau, der Schau­spielerin Jerry Hall. Kennengelernt haben sich die beiden, als Hall mit ihrem Sohn im Teenager­alter in Australien weilt, um als Mrs. Robinson auf der Bühne zu stehen. Das Anwesen, das sie dort mit ihrem Ex-Partner, dem Rolling-Stones-Chef Mick Jagger, besitzt, bietet mit 26 Zimmern genügend Platz, um viele gemeinsame Stunden mit Murdoch zu verbringen.

Murdoch kehrt mit ihr wieder zurück nach London, wo er einst Margaret Thatcher umworben hat. Diesmal wirbt er mithilfe der auflagen­stärksten Boulevard­zeitung um die Zustimmung der Briten zum Austritt aus der EU. Am 23. Juni 2016, dem Tag des Brexit-Referendums, erscheint die «Sun» mit einem Titelblatt, auf dem die beiden Zweige des Medien­konzerns symbiotisch miteinander verschmelzen: In Anlehnung an das Plakat für den von 21st Century Fox produzierten Film «Independence Day», dessen zweiter Teil am selben Tag in die englischen Kinos kommt, zeigt es die Erdkugel, über der die Sonne aufgeht, und die Überschrift: «Independence Day: Britain’s Resurgence» («Wiederkehr») – begleitet vom Aufruf, das König­reich aus den Klauen der EU zu befreien.

Am Wahltag fliegt Murdoch von Cannes nach London, lässt sich voller Schaden­freude in der Redaktion der «Times» blicken, die für den Verbleib in der EU eingetreten ist, und amüsiert sich über die langen Gesichter der Reporter. Später am Tag vergleicht er die britische Entscheidung für den Brexit mit einem «Ausbruch aus dem Gefängnis» und feiert das Wahl­ergebnis gemeinsam mit Nigel Farage – einer der Haupt­architekten des Brexit (und zukünftiger Mitarbeiter von Fox News) – auf einer Garten­party des russischen Oligarchen Jewgeni Lebedew in dessen Londoner Residenz.

Mit dem Referendum ist für Murdoch ein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen. Es eröffnet ihm ausserdem etwas, was noch wenige Jahre zuvor völlig undenkbar gewesen wäre: den Weg zurück zu Einfluss in der britischen Politik. Nicht nur hat die «Sun» eine wichtige Rolle beim Zustande­kommen des Brexit gespielt, ihre Unterstützung hat ausserdem entscheidend dazu beigetragen, dass Theresa May aus dem darauf folgenden politischen Chaos auch als Premier­ministerin hervorgeht. Eine ihrer ersten Reisen führt May zu den Vereinten Nationen nach New York. Gerade einmal 36 Stunden hält sie sich in der Stadt auf, aber sie findet Zeit, um Murdoch ihre Aufwartung zu machen.

Ein paar Tage nach dem Brexit-Votum besucht US-Präsidentschafts­kandidat Donald Trump Schottland. Wenige Wochen zuvor hat er in einem Interview mit der «Sun» noch seine liebe Mühe offenbart, den Brexit auch nur in Grund­zügen zu verstehen, nun aber verkündet er lauthals: «Ich habe gesagt, dass es so kommen wird, und finde, der Brexit ist eine tolle Sache.» Und auch er nimmt sich Zeit für Murdoch. Trump lädt ihn und Jerry Hall zu einem gemeinsamen Abend­essen mit Kushner und Ivanka auf seinen Golf­platz bei Aberdeen ein. Pressefotos zeigen beide Männer zusammen im Golf­wagen. Trump sitzt am Steuer, Murdoch entspannt auf der Rückbank.

VII. Trommeln für Trump

Für einen Nachrichten­sender mit einem rechts­konservativen Publikum ist der Sommer 2016 also eigentlich eine gute Zeit. Doch ausgerechnet jetzt steht die Zukunft von Fox News erstmals auf dem Spiel.

Murdochs Flaggschiff unterstützt inzwischen einen republikanischen Präsidentschafts­kandidaten, der sich weit vom Grundsatz­programm der Republikanischen Partei entfernt hat und dessen Niederlage bei den Wahlen in wenigen Monaten so gut wie sicher sein dürfte. Ausserdem verliert der Sender seinen Star­moderator Roger Ailes, der wegen mehrerer Vorwürfe der sexuellen Belästigung alle Funktionen bei Fox News niederlegen muss.

Dafür haben James und Lachlan gegen den ursprünglichen Widerstand ihres Vaters gesorgt – ein weiteres Beispiel für einen der seltenen Anlässe, bei denen die Brüder gemeinsame Sache machen. Allerdings haben sie unterschiedliche Gründe für ihre Abneigung gegen Ailes. Lachlan ist in seinen Anfangs­jahren in New York oft mit diesem aneinander­geraten. Einigen Freunden erzählt er, dass es zum Bruch mit dem Vater gekommen sei, als ihm zu Ohren kam, Rupert Murdoch habe für seinen Kompagnon Ailes Partei ergriffen und gesagt: «Den Jungen lass mal meine Sorge sein.»

Für James wiederum ist Ailes ein prolliger Selbst­darsteller, die Personifizierung all dessen, was der Sender an rückschrittlichem Weltbild aufzubieten hat: Patriotismus, Panik­mache gegen Muslime und illegale Einwanderung; Verschwörungs­theorien und, vielleicht der wichtigste Punkt für James, Leugnung des Klimawandels.

James glaubt, mit Ailes’ Vertreibung werde der Weg für eine Neuausrichtung des Senders frei. Ihm schwebt vor, an seine Stelle einen erfahrenen Moderator zu setzen, der den Sender vom Krawall-Konservatismus befreit und ihm ein seriöses Gesicht gibt – der freie Meinungs­äusserung nicht als Einladung versteht, seinen Aggressionen öffentlich freien Lauf zu lassen, sondern sich an die Grund­regeln journalistischer Genauigkeit, Fairness und Anstand hält. Ein möglicher Kandidat dafür ist CBS-News-Präsident David Rhodes, ehemaliger Mitarbeiter von Fox News und Bruder von Ben Rhodes, einem aussenpolitischen Berater Obamas.

Aber Vater und Bruder Murdoch wollen von dieser Idee nichts wissen. Sie setzen auf Kontinuität statt auf Wandel. Lachlan hält den Plan seines Bruders, das Programm, das die meisten Gewinne einfährt, radikal zu verändern, für geradezu aberwitzig. Den Chef­posten, den Ailes geräumt hat, besetzt daher kurzentschlossen Vater Rupert selbst. Es ist eine Zwischen­lösung zur Beruhigung der Aktionäre und der Führungs­riege. Bald schon ist Rupert zurück in der Nachrichten­redaktion, hält Meetings ab und schaut in den Studios vorbei – «meinen Einstieg in die Rente» nennt er das –, und er stürzt sich mit grösserer Begeisterung in die Arbeit als je zuvor.

Rupert (Mitte) und Lachlan Murdoch (rechts) verlassen das Gebäude von Fox News, nachdem Roger Ailes wegen sexueller Belästigung als Chef des Senders zurücktreten musste. Kevin Hagen/Getty Images

Ein frischer Wind weht bei Fox nun auch für den einst von Rupert Murdoch abgelehnten Präsidentschafts­kandidaten. In der letzten Phase des Wahl­kampfs wirft sich der Sender mit aller Kraft hinter Trump, kritische Kommentare oder Analysen gegen Trump kommen so gut wie nicht mehr vor, dafür werden die Attacken gegen Hillary Clinton immer schärfer. In seiner Polit­talkshow verbreitet Sean Hannity Gerüchte, die sonst nur in rechts­radikalen Internet­portalen und vermutlich von Russland infiltrierten Social-Media-Accounts kursieren – einmal heisst es, Clinton leide an einer lebensbedrohlichen Krankheit, ein andermal, einer ihrer Bodyguards sei in Wahrheit ein Sicherheits­agent, der eine Diazepam-Spritze gegen Panik­attacken bei sich trage. (In Wahrheit handelt es sich um eine Taschenlampe.)

Für besondere Aufmerksamkeit sorgt das Interview mit Jeff Rovin, dem langjährigen Chef­redaktor der «Weekly World News», eines Gratis­blatts für Super­märkte, das es zu grotesker Berühmtheit bringt mit der Behauptung, Hillary Clinton sei vom Teufel besessen und unterhalte eine Affäre mit einem Ausserirdischen namens P’lod.

Auch andere Murdoch-Medien stellen sich hinter Trump: Im «Wall Street Journal» sehen sich die Verfasser von Trump-kritischen Leit­artikeln zusehends unter Druck, ihre Haltung zu modifizieren. (Obwohl im Nachrichten­teil landesweit zuerst über Trumps Schweigegeld­zahlung an eine angebliche frühere Sex­partnerin berichtet wurde.)

Dennoch spricht kurz vor den Wahlen alles dafür, dass Hillary Clinton den Sieg davontragen wird. James und Kathryn veranstalten einen Empfang in ihrem Haus in der Upper East Side mit einem Gast­redner: Admiral James Stavridis, ein Demokrat, der als möglicher Vize­präsident für Clinton gehandelt wird. Zu den Gästen zählen auch Jared Kushner und Ivanka Trump. Während des Abhör­skandals in London haben die Gast­geber am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt, öffentlich blossgestellt zu werden. Nun möchten sie sich solidarisch zeigen und Ivanka und Jared signalisieren, dass sie auch nach der Niederlage Donald Trumps in den gehobenen Kreisen Manhattans gern gesehene Gäste sind.

Als in der Wahlnacht die ersten Hoch­rechnungen eintreffen, erhält Kathryn eine SMS von ihrem Schwiegervater, der den Abend in der Redaktion verbringt. «Sieht ganz so aus, als würde dein girl gewinnen.»

VIII. Die Aufspaltung

Im Laufe weniger Monate hat Rupert ein Ex-Model geheiratet, den Brexiteers im britischen Referendum zum Sieg verholfen und sich äusserst erfolgreich in den US-Präsidentschafts­wahlkampf eingemischt. Mit der britischen Premier­ministerin Theresa May verbindet ihn eine enge Beziehung; mit dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald J. Trump, eine noch engere.

Reifes Glück: Rupert Murdoch und seine vierte Ehefrau Jerry Hall bei der Hochzeit am 5. März 2016. Zuma Press/Imago

Nur sein Medien­imperium schwächelt mehr denn je. Netflix, Amazon, Apple und eine Reihe innovativer Tech-Unternehmen präsentieren mit ihren Streaming­diensten eine schier unendliche Menge an Content, die jederzeit verfügbar ist. Die Zahl der Nutzer dieser Angebote wächst weltweit in rasanter Geschwindigkeit. Für traditionelle Medien­unternehmen wie 21st Century Fox werden sie zu einer existenz­bedrohenden Konkurrenz. Murdochs einstiges Riesen­imperium erscheint neben ihnen plötzlich wie ein Zwerg. Um in diesem Wettbewerb bestehen zu können, muss Murdoch international expandieren. Es liegt auf der Hand, wie er das am leichtesten erreichen kann: Er braucht die volle Kontrolle über das britische Medien­unternehmen Sky Broadcasting Group, kurz Sky.

Mit einem Jahres­umsatz von rund 16 Milliarden US-Dollar ist Sky der grösste Pay-TV-Anbieter Europas. Die Murdochs besitzen zum damaligen Zeitpunkt einen 39-Prozent-Anteil an dem Unter­nehmen, der ihnen dreimal so viel Umsatz einspielt wie Fox News. Aber es geht nicht nur um Geld. Zur Sky-Gruppe gehört auch der britische 24-Stunden-Nachrichten­sender Sky News, der sich zu einem weltweiten Nachrichten­netzwerk ausbauen lässt und Murdoch Gelegenheit verschafft, es mit seinem grossen Konkurrenten aufzunehmen – der öffentlich-rechtlichen Rundfunk­anstalt BBC.

Für James, den designierten Verwaltungsrats­vorsitzenden von Sky, bietet die avisierte Übernahme der Pay-TV-Gruppe auch die Chance auf Wiedergut­machung einer persönlichen Schmach. Fünf Jahre vorher hat er schon einmal versucht, den Satelliten­sender zu kaufen. Dafür hat er mit David Cameron – damals noch konservativer Abgeordneter im britischen Unterhaus mit Ambitionen auf das Amt des Premiers – von langer Hand eine Allianz geknüpft. Es beginnt mit einer Stipp­visite Camerons auf der Jacht vor Santorini, wo die Murdochs ihren Sommer­urlaub verbringen, und wird nach und nach zu einer für beide Seiten profitablen Freundschaft. Die Ziele beider Partner liegen dabei offen auf dem Tisch: Cameron ist bei seinem Anlauf auf das Amt des Premiers auf die Unterstützung der Murdochs angewiesen. Und James möchte sich die Regulierungs­behörde Ofcom vom Hals schaffen, die vor der geplanten Übernahme zu prüfen hat, ob die Murdochs «charakterlich geeignet» sind, den Sender zu übernehmen.

Kurz vor den Wahlen 2010 erklärt Cameron öffentlich, dass «Ofcom in seiner gegenwärtigen Form bald nicht mehr existieren wird». Kurz darauf bittet James um ein Treffen im «George», einem exklusiven Privat­klub im Londoner Stadtteil Mayfair. Dort teilt er Cameron mit, die «Sun» habe beschlossen, nach zwölf Jahren das Lager zu wechseln; die Zeitung werde nun nicht mehr die Labour-Regierung unterstützen, sondern seine Kandidatur. (Sowohl James Murdoch als auch David Cameron bestreiten, die konservative Partei habe sich die Unterstützung Murdochs mit medien­politischen Versprechen erkauft.)

Der Deal ist so gut wie in trockenen Tüchern, als der Abhör­skandal über die Murdochs hereinbricht. James und sein Vater werden vor das Parlament gezerrt, James muss das Angebot in Höhe von 12 Milliarden US-Dollar für die übrigen Anteile an Sky zurückziehen. Ofcom hört nicht auf zu existieren.

«Stoppt die Murdoch-Mafia»: Proteste gegen James Murdoch als Chef des TV-Senders British Sky (London 2011). Simon Dawson/Bloomberg/Getty Images

Bei 21st Century Fox zweifelt nicht nur Lachlan, dass James der richtige Mann für den zweiten Übernahme­versuch ist. Schliesslich ist sein Image durch die Verwicklung in den Abhör­skandal und den ersten gescheiterten Versuch der kompletten Übernahme beschädigt. Aber James insistiert; niemand kenne sich mit Sky so gut aus wie er. Im Dezember 2016 liegt ein neuer Vertrags­entwurf für die Übernahme von Sky vor. Allen & Overy, die Kanzlei, die 21st Century Fox vertritt, erläutert in einem Schreiben an Karen Bradley, die damalige Ministerin für Kultur, Medien und Sport, die wesentlichen Unterschiede zum ersten Kauf­angebot: Man habe Konsequenzen aus dem Abhör­skandal gezogen und «News of the World» eingestellt sowie das Medien­imperium in zwei rechtlich getrennte Einheiten aufgeteilt, News Corp. und 21st Century Fox. Damit sei der Unternehmens­zweig, der für den Erwerb von Sky zuständig sei, vollkommen unabhängig vom Zeitungsgeschäft.

Weiter heisst es in dem Schreiben, die Unternehmens­kultur habe sich seit dem Abhör­skandal grundlegend verändert. Man habe «strenge Steuerungs- und Kontroll­massnahmen eingeführt, um sicherzustellen, dass die höchsten unternehmerischen Verhaltens­standards eingehalten werden». Dasselbe unerschütterliche Selbst­bewusstsein klingt auch aus den Worten, die James bei einer Telefon­konferenz mit Wall-Street-Beobachtern findet: «Wir gehen fest davon aus, dass der Vertrag den gesetzlichen Anforderungen entspricht.»

Noch einen anderen Vorteil bietet der neu ausgehandelte Deal: Gemäss Vertrags­entwurf haben die Murdochs für die Komplett­übernahme des Senders nun nur noch den Schnäppchen­preis von knapp 14,8 Milliarden Dollar zu zahlen – dem Brexit sei Dank. Denn seit dem Referendum liegen die britischen Regierungs­geschäfte brach. Niemand weiss, in welcher Form der Ausstieg aus der EU vollzogen werden soll. Die Abwanderung ausländischer Unter­nehmen aus Grossbritannien führt zu einer Destabilisierung des britischen Arbeits­marktes und der Wirtschaft des Landes, auch das britische Pfund verliert an Wert – und mit ihm der Kurs für Sky-Aktien.

Einer Übernahme von Sky scheint also diesmal nichts mehr im Weg zu stehen. Nur eine letzte Hürde ist noch zu nehmen: Die britische Regierung muss dem Kaufvertrag zustimmen. Diese hat erneut die Regulierungs­behörde Ofcom eingeschaltet, um die Details des Vertrags prüfen zu lassen. Um das britische Establishment davon zu überzeugen, dass der Sender bei ihm und dem Familien­unternehmen in guten Händen ist, macht James sich auf den Gang nach Canossa durch das britische Establishment. Mit Demuts- und Reue­bekundungen versucht er zu beweisen, dass die Murdochs «charakterlich befähigt» sind, Sky zu betreiben.

IX. Die Eroberung

Noch hat James in London keinen endgültigen Zuschlag auf die Gesamt­übernahme von Sky erhalten, da schliesst die australische Unternehmens­einheit – Lachlans Domäne – einen zwar kleineren, aber keineswegs unbedeutenden Deal ab. Er sichert den Murdochs die volle Kontrolle über die Sky-Tochter­gesellschaft Sky News Australia, an der bisher zwei weitere australische Medien­unternehmen beteiligt sind. Mit der Gesamt­übernahme des einzigen Kabel­nachrichten­kanals in Australien, der rund um die Uhr auf Sendung ist, stehen den Murdochs nun auch noch auf einem dritten Kontinent bislang ungenutzte Einfluss­möglichkeiten zur Verfügung.

Den australischen Zeitungs­markt dominiert Murdoch bereits mit Beteiligungen an rund 60 Prozent der australischen Print­presse und dem Besitz des «Australian», der einzigen landesweiten Tages­zeitung. Lachlan, das öffentliche Gesicht des Konzerns in Australien, verfügt über grossen politischen Einfluss.

In den letzten zehn Jahren haben Murdoch-Zeitungen an der Amts­enthebung zweier Premier­minister mitgewirkt, Kevin Rudd und Julia Gillard. Als Wayne Swan, Finanz­minister im Kabinett Gillard, befürchtet, die Schmutz­kampagnen in der Murdoch-Presse könnten die Wirtschaft des Landes schwächen, wendet er sich, wie er uns im Gespräch mitteilt, einmal persönlich an Lachlan, um ihn zu einer Kurs­änderung zu bewegen.

Auch Lachlan weiss Bündnisse zu knüpfen. Er sucht die Nähe zu Tony Abbott, einem Abgeordneten der konservativen Liberalen Partei, der sich mit seiner rechtsgerichteten, auf Konfrontation setzenden Politik häufig Vergleiche mit Newt Gingrich einhandelt. Aus den Memoiren des früheren «Australian»-Chef­redaktors Chris Mitchell geht hervor, dass Abbott in seiner Zeit als Premier­minister (2013 bis 2015) Gesetzes­vorhaben erst dann öffentlich vorlegt, wenn er sie zuvor mit den Chefredaktoren der Murdoch-Blätter – und gelegentlich auch mit den Murdochs persönlich – besprochen hat.

Den Murdoch-Medien eng verbunden: Tony Abbott, australischer Premierminister von 2013 bis 2015. Lisa Maree Williams/Pool/Getty Images

Mit dem Erwerb von Sky News Australia wird dem Murdoch-Imperium nun noch ein Kabel­nachrichten­sender einverleibt. Rein theoretisch steht er in Konkurrenz zur öffentlich-rechtlichen Australian Broadcasting Corporation, dem wichtigsten Nachrichten­sender in Australien, der nach dem Vorbild der BBC gestrickt ist und auch eine ähnlich kühle, nüchterne Bericht­erstattung pflegt. Allerdings ist das wirklich nicht mehr als reine Theorie, denn selbst für australische Verhältnisse hat Sky News Australia – die Programme werden auch in Neuseeland ausgestrahlt – ein verschwindend kleines Publikum.

Doch die Übernahme von Sky bietet auch dem älteren Murdoch-Sohn eine Chance zur Wieder­gutmachung einer persönlichen Niederlage. Nach dem Zerwürfnis mit seinem Vater ist Lachlan nämlich vor Jahren daran gescheitert, den australischen Fernseh­sender Ten vor der Insolvenz zu retten. Zu seinen fehlgeschlagenen Rettungsaktionen gehörte es, dass er seine Frau als Moderatorin einer Reality-TV-Tanzshow einsetzte und den umstrittenen rechts­radikalen Kommentator Andrew Bolt für eine Wochenschau verpflichtete. Bolt hatte bei Lachlan auf einem Betriebs­ausflug der zum Murdoch-Imperium gehörenden «Herald Sun» im kalifornischen Pebble Beach vor Jahren grossen Eindruck gemacht, als er, damals noch Kommentator des Blattes, Al Gore nach einem Dia­vortrag über den Klima­wandel ins Kreuzverhör nahm.

Als der streitbare Journalist einen Sende­platz auf Ten erhält, ist gegen ihn bereits eine Klage wegen Verletzung des australischen Anti­-Diskriminierungs-Gesetzes anhängig. In Artikeln in der «Herald Sun» hatte er behauptet, manche hellhäutigen Ureinwohner bezeichneten sich nur deshalb als Ureinwohner, weil ihnen das politische oder finanzielle Vorteile verschaffe. (Bolt wird schuldig gesprochen und die Zeitung zum Abdruck einer Stellung­nahme verpflichtet, in der sie sich zum Gesetzes­verstoss bekennt.)

Mit der Übernahme von Sky News Australia erhält Lachlan nun seine zweite Chance. Im Dezember 2016 sind die Verträge unter Dach und Fach, und das Netzwerk ist im alleinigen Besitz der Murdochs. Zu diesem Zeit­punkt steht die Entscheidung in London über James’ Übernahme­angebot noch aus. Traditionell pflegt Sky News Australia eine politisch ausgewogene Bericht­erstattung, aber je näher die Übernahme durch die Murdochs rückt, umso öfter treten dort zur Primetime rechts­populistische Kommentatoren auf.

Das beginnt mit Andrew Bolt, dem ehemaligen Ten-Moderator von Lachlans Gnaden, der kurz vor der Übernahme des Senders durch die Murdochs eine allabendliche Politik-Talkshow auf Sky News Australia bekommt. Bald darauf wird die Journalistin Caroline Marcus verpflichtet, die sich als Kolumnistin für den «Daily Telegraph of Sydney» für das Burkini-Verbot in Frankreich ausgesprochen hat und der Ansicht ist, in vielen kultur­politischen Diskussionen habe sich inzwischen die «umgekehrte Diskriminierung» von Weissen durchgesetzt.

Bei «The Outsiders» übernimmt Ross Cameron die Co-Moderation. Er ist ehemaliger Abgeordneter im australischen Parlament mit einem Hang zu schwulen­feindlichen Kommentaren und später Redner auf einer Veranstaltung einer rechtsextremen Organisation, die sich stolz «Australiens führende Anti-Islamismus-Vereinigung» nennt. Das rein männlich besetzte Moderatoren­team bezeichnet sich selbst als «Trump’s Aussie Mates» und verspricht, nur halb im Scherz, in dieser Sendung werde es «garantiert einseitig und absolut unausgewogen» zugehen.

Nachdem einer der Moderatoren der Show, Mark Latham, wegen anstössiger Kommentare gefeuert wurde – darunter ist eine homophobe Bemerkung über einen Schüler in einem Video zum Internationalen Frauentag –, erlangt er als Kandidat auf der Liste der rechts­extremen Anti-Immigrations-Partei One Nation einen Parlamentssitz.

Kurz nach der Übernahme des Senders durch Lachlan stösst schliesslich noch eine alte politische Verbündete zur Riege der Primetime-Moderatoren auf Sky hinzu: Tony Abbotts ehemalige Stabs­chefin Peta Credlin. Sie ist Tony Abbott nach wie vor verbunden und nutzt diese Platt­form, um offensiv für ihre wichtigsten Anliegen zu werben: Australien solle seine Bemühungen zur Bekämpfung des Klima­wandels zurückfahren, die Immigration stärker regulieren und sich den liberalen Tendenzen von Premier­minister Malcolm Turnbull, einem erbitterten inner­parteilichen Kontrahenten von Tony Abbott, widersetzen.

Ein derart meinungsstarkes, fast ausschliesslich rechtslastiges Moderatoren­team wie bei «Sky After Dark» hat es im australischen Fernsehen noch nie gegeben. Schon bald gehören die Sendungen zum Pflicht­programm der politischen Klasse im Land, und die Zuschauer­raten schiessen in die Höhe.

X. Die Gleichschaltung

In den ersten Monaten des Jahres 2017 sieht alles danach aus, als sei die Übergangs­lösung bei Fox News nun auf Dauer gestellt. Murdoch behält die oberste Führung und setzt zwei langjährige getreue Mitstreiter von Ailes auf dessen kurz vor den Präsidentschafts­wahlen frei gewordenen Chef­sessel. Das neue Führungs­duo besteht aus Jack Abernethy, der die Bereiche Finanzen, Werbung und Vertrieb übernimmt, und Bill Shine, einem engen Freund von Sean Hannity, der für Programm­planung, Produktion, Technik und die Talent­schmiede verantwortlich ist. Keiner der beiden ist für eigenständiges Denken bekannt.

Shine handelt sich etwa von einem seiner Rivalen den Spitz­namen «der Butler» ein, weil er wie aus dem Nichts an der Seite seines Chefs Ailes aufzutauchen pflegt, sobald es einen Wunsch zu erfüllen gibt. Kurz nach der Beförderung Shines werden die ersten Beschuldigungen ehemaliger Mitarbeiter bekannt – unter anderem in den Gerichts­verfahren gegen Ailes –, er habe Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den ehemaligen Fox-News-Chef Roger Ailes übergangen und dazu beigetragen, im Sender eine frauen­feindliche Atmosphäre zu schaffen. (Shine bestreitet diese Vorwürfe.)

Nach Trumps Wahlsieg wirft Murdoch sich noch entschiedener für ihn ins Zeug. Als Greta Van Susteren, eine ehemalige CNN-Nachrichten­moderatorin und ideologisch eine eher unberechenbare Grösse in der Rechtsaussen-Mannschaft, ihren Platz bei Fox News räumt, geht Murdoch begeistert auf den Vorschlag ein, ihren Sende­platz um 19 Uhr dem Talkshow-Moderator Tucker Carlson zu übergeben – einem konservativen Journalisten und dem Gründer der Website «Daily Caller», der mehrfach Beifall von den Trump-treuen weissen Nationalisten erhalten hat. Anlässlich der feierlichen Gelegenheit lädt Murdoch den neuen Mitarbeiter Carlson zu einem Lunch im Beisein von Jerry Hall ein. Megyn Kelly verlässt Anfang 2017 den Sender – der heftige Schlag­abtausch mit Trump hat ihre Karriere dort besiegelt. Der Platz für diese Trump-kritische Stimme bleibt frei.

Auch zum Weissen Haus hält Murdoch engen Kontakt. Mit Kushner spricht er ohnehin regelmässig, aber jetzt telefoniert er auch häufig mit Trump. Und der freut sich über die Anrufe. Trump, der Reichtum und Macht bewundert, blickt seit je zu Murdoch auf. Wann immer er in den letzten Jahr­zehnten Ratschlag brauchte, hat er sich an ihn gewandt. Aber bisher war immer er es, der die Anrufe tätigen musste. Jetzt ist es Murdoch, der zuerst den Hörer in die Hand nimmt. «Rupert, Rupert», hört ein Mitarbeiter von Trumps Stab im Weissen Haus den Präsidenten am Telefon sagen, «du liebst den Trubel, oder? Du kannst gar nicht genug davon kriegen!»

Lange Telefon­gespräche führt Trump ausserdem mit Sean Hannity, meist meldet sich der Moderator gleich im Anschluss an die Sendung bei ihm. Laut Aussage eines anderen Mitarbeiters im Weissen Haus ist Hannity Trump eigentlich zu devot, er bevorzugt Interviews mit Bill O’Reilly, der ihn härter anfasst und damit – findet Trump – seine Kampf­lust besser zur Geltung bringt. Hannitys Loyalität jedoch weiss Trump zu schätzen.

Zwei, die sich verstehen: Fox-Polittalker Sean Hannity (links) und US-Präsident Donald Trump. Ethan Miller/Getty Images

Der Fox-Moderator hat sich im Wahl­kampf bewährt, als sei er ein Teil des Trump-Teams. Von ihm erhält Trumps Rechts­anwalt Michael Cohen etwa den Tipp, er solle Ausschau nach Ex-Liebschaften oder Mitarbeitern halten, die dem Kandidaten im Wahl­kampf schaden könnten, wie zwei Personen berichten, die bei den Gesprächen zugegen waren. (Hannity lässt das über einen Fox-Vertreter abstreiten.)

Hannitys einstündige Polit­talkshow wächst sich zu einer bei loyalen Trump-Anhängern beliebten allabendlichen Dauer­werbesendung für Trump aus. In einem Interview mit der «New York Times» bezeichnet Ailes das Programm als «Sendung für ein Nischen­publikum» aus konservativen Hardlinern. Dieses Nischen­publikum ist offenbar gross genug, um Sean Hannity zum Star­moderator bei Fox aufsteigen zu lassen. Er ist jetzt der Ton­angeber unter den Moderaten im Abend­programm, das sich schnell zum exakten Kontra­punkt der Trump-Bericht­erstattung in den Mainstream-Medien entwickelt.

Als ehemaliger Medien­berater erkennt Ailes, dass die Marke Fox News sich nur durchsetzen und bestehen kann, wenn sie als glaubwürdige Alternative zu den linksliberalen Medien wahrgenommen wird. Wenn dieses Image in Gefahr gerät, weil sich einer seiner Moderatoren rhetorisch zu weit aus dem Fenster lehnt, pfeift Ailes ihn deswegen auch schon einmal zurück. Ausserdem hält er es für schlechtes Fernsehen, wenn jeden Abend ein und dieselbe Meinung über den Äther geht. Deswegen sorgt er dafür, dass sich unter den Fox-Moderatoren auch immer einige befinden, die republikanische Grund­überzeugungen zumindest gelegentlich infrage stellen.

Solche Überlegungen sind Murdoch fremd. In den Nachrichten­sendungen erscheinen zwar weiterhin immer mal wieder Berichte, die einen Gegenpol zu Hannitys Polittalk bilden. Moderator Shepard Smith etwa schlägt einen zusehends schärferen Ton in seiner Kritik an Trump an und äussert sich fassungslos darüber, dass die Regierung «eine Lüge nach der anderen» verbreitet. Die Interviews, die Fox-Nachrichten­sprecher Chris Wallace mit Mitarbeitern aus Trumps Regierung führt, sind ebenfalls recht erbarmungslos; und auch Bret Baiers nüchterne Berichterstattung bringt Trump weiterhin regelmässig zur Weissglut.

Aber für die Quote, von der Fox lebt, sorgen vor allem die Moderatoren im Abend­programm. Und im Herbst 2017 befindet sich unter ihnen – anders als noch bei Ailes – kein einziger Trump-Kritiker mehr. Der Sende­platz um 20 Uhr ist mit Carlson besetzt, um 21 Uhr folgt Hannity, und um 22 Uhr übernimmt die rechts­konservative Laura Ingraham, eine der berühmtesten Radio-Moderatorinnen des Landes. Flankierend springen ihnen im Frühstücks­fernsehen Gleichgesinnte bei «Fox & Friends» bei, der Sendung, mit der Trump seinen Tag beginnt.

XI. Das Seilziehen

Über das Verhältnis von Medien und Politik hatte sich James ein paar Jahre zuvor noch ganz anders geäussert. Während er noch mitten in dem ersten, gescheiterten Versuch zur Übernahme von Sky steckte, ritt er heftige Attacken gegen die Gefährdung eines unabhängigen Journalismus durch staatliche Regulierung und einen öffentlich finanzierten Rund­funk. Die altehrwürdige BBC, eine nationale Institution, bezeichnete er als einen «Medien­monolithen» mit einem gefährlichen Monopol auf die öffentliche Meinung. In seiner Rede auf dem Edinburgh TV Festival hiess es: «Ohne Profit gibt es keine sichere und dauerhafte Garantie für unabhängige Medien.»

Als er im Frühjahr 2017 in London bei Staats­beamten und Geschäfts­leuten die Runde macht, schlägt er bereits einen deutlich versöhnlicheren Ton an. Er findet nichts als lobende Worte für die BBC und versichert, er habe grosse Achtung vor der britischen Medien­aufsicht und ihrem Bemühen, Überparteilichkeit zu gewährleisten. Auf einer Jahres­konferenz, die die einflussreiche Medien­analystin Claire Enders organisiert – eine lautstarke Warnerin vor seinem ersten Versuch zur Übernahme von Sky –, beteuert James, «immer besser werden zu wollen» und sich «in Zukunft so zu verhalten, wie wir es von uns selbst verlangen und andere es von uns erwarten».

Mitten in diese Charme­offensive hinein aber platzt ein neuer Skandal bei Fox News, der dazu angetan ist, auch den zweiten Sky-Deal scheitern zu lassen. Im April 2017 berichtet die «New York Times», dass eines der bekanntesten Fernseh­gesichter Amerikas, der Nachrichtenmoderator Bill O’Reilly, und sein Sender Fox News 13 Millionen US-Dollar an Frauen gezahlt haben, um sie davon abzuhalten, ihren Vorwurf der sexuellen und verbalen Belästigung öffentlich zu machen. Trotzdem wird O’Reillys Vertrag mit einem Jahres­gehalt von 25 Millionen US-Dollar noch einmal verlängert. Es dauert nicht lange, bis der britischen Aufsichts­behörde Ofcom Beweis­mittel von O’Reillys Opfern vorliegen. Die Rechts­anwältin Lisa Bloom, die eines der Opfer vertritt, zieht einen direkten Vergleich zwischen den Sex­skandalen bei Fox und dem Abhör­skandal bei «News of the World». Beide, so schreibt sie, bewiesen «einen Mangel an Kontrolle, Intervention und Anstand».

James und andere Führungs­kräfte von 21st Century Fox werden in das Haupt­quartier der Ofcom mit Blick über die Themse zitiert und dort einer eingehenden Befragung über die Unternehmens­kultur bei Fox unterzogen. Die Murdochs werfen alles in den Ring, um die Sky-Übernahme nicht zu gefährden. O’Reilly wird umgehend entlassen, er erhält eine Abfindung von 25 Millionen US-Dollar. Dann kursieren plötzlich Gerüchte, der Ailes-Vertraute Bill Shine könne der Nächste sein, der den Hut nehmen müsse. Hannity versucht, seinen alten Freund und Verbündeten zu schützen, weil er den Eindruck hat, hier werde jemand zum Opfer der globalen Murdoch-Agenda. Er setzt einen Tweet ab, der vermutlich auf James zielt: «Jemand GANZ WEIT OBEN versucht, einen Unschuldigen zu schassen.» Doch es hilft nicht mehr. Auch Shine muss gehen.

Im Juni 2017 endlich ist es so weit: Die britische Medien­aufsicht Ofcom veröffentlicht ihren Bericht und empfiehlt, die Übernahme von Sky einem weiteren Prüf­verfahren zu unterziehen. Die Wettbewerbs­behörde sollte untersuchen, ob die Murdoch-Familie durch den Erwerb von Sky zu grossen Einfluss auf die britischen Medien erhalten würde.

Diese Entscheidung löst weiteren Aktionismus aufseiten der Murdochs aus. Um mögliche Probleme mit der britischen Medien­aufsicht aus dem Weg zu räumen, bescheiden Fox-Manager einem wutentbrannten Hannity, er habe seine Bericht­erstattung über die Ermordung von Seth Rich, einem jungen Mitarbeiter der Demokratischen Partei, herunterzufahren. (Der Mordfall hatte diverse Verschwörungs­theorien und massive Kritik an der Bericht­erstattung durch Fox ausgelöst und zu Einbussen an Werbe­einnahmen geführt.)

Aus England ziehen sich die Murdochs mit Fox News zurück, denn mehrere Beschwerde­verfahren wegen «unfairer und unzutreffender Bericht­erstattung» sind anhängig. (Die Beschwerden werden in einem separaten Verfahren von Ofcom untersucht. Die Aufsichts­behörde kommt zu dem Ergebnis, dass Sean Hannity und Tucker Carlson gegen den im britischen Medien­gesetz geltenden Grundsatz der Unparteilichkeit verstossen haben: Hannity, weil er sich über Kritiker von Trumps Plan eines Einreise­verbots für Bürger aus islamisch geprägten Ländern lustig machte, aber weder ihre Stand­punkte ausführlich erläuterte noch ihnen die Gelegenheit gab, selbst Stellung zu nehmen; und Carlson, weil er Nigel Farage die Gelegenheit gab, haltlose Vorwürfe gegen britische Behörden zu erheben, die es angeblich versäumt hatten, «Tausende von minderjährigen Mädchen» vor Vergewaltigung und Missbrauch durch Muslime zu schützen.)

Im September 2017 hält James Murdoch die Eröffnungsrede auf der Jahreskonferenz der Royal Television Society in Cambridge. Er nutzt den Anlass, um seine Argumente für die Vorteile des Sky-Deals zu entfalten und das Zukunfts­bild eines globalen Medien­unternehmens zu entwerfen, das er zu leiten gedenkt. Im Verlauf der Argumentation geht er auf einige namhafte Marken von 21st Century Fox ein – National Geographic, FX, Fox Sports, Sky Atlantic –, die sich ausführlich mit Themen wie «Opioid­krise, Gender­identität und Beziehungen zwischen ethnischen Gruppen» beschäftigten und «mitreissende Geschichten über die Sklaverei in Amerika, die Frauen­rechte in Pakistan und die unmittelbar bevorstehende Erforschung des Mars» geliefert hätten.

Mit keinem Wort erwähnt er in dieser Aufzählung und in der gesamten Rede eine noch viel bekanntere Marke von 21st Century Fox: Fox News. In der anschliessenden Diskussion fragt eine Zuhörerin ihn, warum sich die Verhandlungen über die Übernahme von Sky seiner Ansicht nach nun schon so lange hinzögen. «Ich könnte mir vorstellen, dass darin auch die Botschaft steckt», sagt sie, «dass es unter Ihrer Führung bei News International und später auch bei Fox News zu einem ungeheuerlichen Verfall der Unternehmens­kultur gekommen ist und dass man Ihnen schlicht und ergreifend nicht vertraut. Was meinen Sie?»

Im November des Jahres 2017 erscheint eine partei­übergreifende Koalition britischer Abgeordneter zu einer Anhörung in Victoria House in Southampton Row, dem Sitz der britischen Wettbewerbs­behörde, um dort ihre Bedenken gegen den Sky-Deal vorzutragen. Angeführt wird die Gruppe von Ed Miliband, dem ehemaligen Vorsitzenden der Labour-Partei und Befürworter der Anti-Monopol-Medien­gesetzgebung. Vor Jahren ist er mit den Murdochs aneinander­geraten, als die «Sun» mit aller Macht seine Anwartschaft auf das Amt des Premier­ministers zu untergraben versuchte und ihn als «Red Ed» oder «Shameful Mili» verunglimpfte.

Mit Hinweis auf die Verschwörungstheorien um Seth Rich, die auf Fox verbreitet wurden, sowie auf die Bericht­erstattung über angebliche «Scharia-Zonen» in einigen Londoner Stadt­teilen warnen sie davor, den Murdochs volle Kontrolle über den britischen Satelliten­sender zu geben. Dies könne zur Folge haben, dass aus dem Nachrichten­sender Sky News, der das Land rund um die Uhr mit politischer Bericht­erstattung versorgt, die britische Variante von Fox News werde. Die Frage, ob man den Murdochs Einfluss auf die Medien gebe, laufe unweigerlich darauf hinaus, ob man ihnen auch die Macht einräumen wolle, Einfluss auf die britische Politik zu nehmen. «Ich kenne Rupert gut», sagt der konservative Abgeordnete Kenneth Clarke. «Allein die Vorstellung, dass Rupert es in irgendeinem Land, in dem er Medien besitzt, bei einer unparteiischen Bericht­erstattung belassen könnte ... jeder, der ihn kennt und das hört, kann darüber nur sehr breit grinsen.»

Im Januar 2018 kommt die Wettbewerbs­behörde zu einer Entscheidung in der Frage, ob der zu 21st Century gehörige Sender Fox das Recht hat, Sky zu übernehmen: Die Wettbewerbshüter äussern Bedenken, dass die Familie Murdoch mit einer vollen Übernahme «zu viel Kontrolle über die grossen Nachrichten­anbieter in allen Segmenten (Fernsehen, Radio, Online und Print) in Gross­britannien und damit zu viel Einfluss auf die öffentliche Meinung und die politische Agenda erlangen könnte». Aus dieser Ablehnung folgt auch die endgültige Entscheidung darüber, dass kein Mitglied der Familie eine Position bei Sky bekleiden darf – nicht einmal im Vorstand des Unter­nehmens. Das ist insbesondere für James, der zu diesem Zeitpunkt Vorstands­vorsitzender von Sky ist, ein harter Schlag.

Lachlan fühlt sich durch diese Entscheidung in seinem Urteil bestätigt, dass James als Vertreter für die Übernahme von Sky der Falsche war, weil er Erinnerungen an den Abhör­skandal und die negativen Schlag­zeilen über die Murdochs in Gross­britannien weckte. Aus der Perspektive von James bestätigt der gescheiterte Übernahme­versuch die Befürchtung, dass das Familien­imperium an seiner eigenen Politik und der mangelnden Unter­nehmens­kultur zu zerbrechen droht.

Bildnachweis Coverillustration von Joan Wong für «New York Times Magazine»: Paolo Tre/A3/Contrasto/Dukas; Alessia Pierdomenico/Bloomberg/Getty Images; Reuters/Mike Segar

Wie es weitergeht

Viele Schlachten gewonnen – und doch den Krieg verloren? Die gescheiterte Sky-Übernahme hat Konsequenzen: Die Murdochs stossen einen Teil ihres Imperiums ab. Übrig bleibt eine knallharte rechte Nachrichten­maschine – mit Ruperts Sohn Lachlan Murdoch an der Spitze. Kann er den Konzern in eine profitable Zukunft führen? Und zerreisst seine Rivalität mit Bruder James die Familie? Derweil werfen die US-Wahlen 2020 erste Schatten voraus.

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Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel «How Rupert Murdoch’s Empire of Influence Remade The World» im «New York Times Magazine». Er wurde von Anne Vonderstein aus dem Englischen übersetzt.

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Die Dynastie Murdoch

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Teil 3

Kampf der Brüder

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