Buchclub

Wir reden über neue Bücher – jetzt live im Zürcher «Kosmos»

Drei Neuerscheinungen besprechen wir in der vierten Ausgabe des Republik-Buchclubs. Unser Gast: Elisabeth Bronfen.

Von Barbara Villiger Heilig (Text) und Douglas Mandry (Bild), 13.02.2019, Update 12.03.2019

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Der Frühling mag auf sich warten lassen – die Frühjahrs­bücher sind schon da. Über drei von ihnen diskutieren wir aktuell im Buchclub. Nicht wie bisher im Rothaus, sondern live im benachbarten «Kosmos».

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Mit dabei als Gast ist Elisabeth Bronfen, Professorin für englische Literatur und Amerikanistik an der Universität Zürich sowie Kolumnistin bei der Republik. Barbara Villiger Heilig, Daniel Binswanger und Daniel Graf von der Feuilleton-Redaktion sprechen mit ihr über folgende Neuerscheinungen:

  • Simone Meier: «Kuss». Verlag Kein und Aber, 256 Seiten, ca. 28 Franken.

  • Aura Xilonen: «Gringo Champ». Aus dem Spanischen von Susanne Lange, Verlag Carl Hanser, 352 Seiten, ca. 26 Franken.

Worum geht es in den drei Büchern?

Die Schweizer Autorin Simone Meier widmet sich als Journalistin gern der Trash-Kultur. In ihrem dritten Roman «Kuss» – den Elisabeth Bronfen in die Buchclub-Runde mitbringt – malt Meier die urbanen Lifestyle-Kulissen ihrer Figuren kenntnisreich, genussvoll und mit Sinn fürs treffende Detail aus. Doch eigentlich interessiert sie, was dahinter passiert: in der Fantasie solcher Figuren, die sich ganz altmodisch nach Liebe sehnen. Oder eher nach Sex? Und, andere Frage, können sie zu ihren Wünschen auch stehen? Tatsache ist, dass die Möglichkeiten der virtuellen Kommunikation unserer Zeit Vorstellung und Realität gefährlich ineinander verfliessen lassen. Was allerdings nicht heisst, dass sich jede Sehnsucht verwirklichen lässt. Denn das Leben ist keine Fernsehromanze.

Als Star der Literatur­szene Frankreichs und darüber hinaus wird Edouard Louis seit seinem autobiografischen Debüt gefeiert: «Das Ende von Eddy» rechnete ab mit der verständnislosen Umgebung, in der er aufgewachsen war. Mit dem Hass, der ihm entgegenschlug, als er seine Homo­sexualität entdeckte. Mit der Gewalt, die er tagtäglich über sich ergehen lassen musste. Nun verschiebt Louis seine Perspektive. «Wer hat meinen Vater umgebracht», das neue Buch des heute 27-Jährigen, blendet wieder in die ländlich-strukturschwache Gegend seiner Herkunft zurück. Doch statt die Eltern anzuklagen, nimmt er sie diesmal in Schutz. Er sucht nach Erklärungen für ihr Verhalten – und sieht ihr Leiden an einem Dasein, das sie nicht selbst wählen konnten. Die Schuld daran ortet er in der sozialen Ungerechtigkeit – also in der Politik. Als Schüler von Didier Eribon, als Leser von Pierre Bourdieu steht ihm das intellektuelle Werkzeug zur Verfügung, um die Misere der französischen Provinzwelt zu analysieren. Und als Schriftsteller besitzt er die Gabe, sein Pamphlet literarisch zu überformen.

Das Elend der weltweiten Globalisierung kondensiert sich an der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Borderland heisst die Gegend, in der illegale Einwanderer aus dem Süden auf uniformierte Patrouillen treffen – oder auf zivile Schläger­trupps. Liborio, der jugendliche Ich-Erzähler von «Gringo Champ», schlägt allerdings auch selber zu: wenn er seine Angebetete gegen übergriffige Jungs verteidigen will, die ihn als «Drecksmex» beschimpfen, oder wenn er als Sparring­partner im Boxtraining herhalten soll. Die mexikanische Jungautorin Aura Xilonen hat ihren Erstling mit 19 Jahren publiziert und dafür viel Lob erhalten. Einerseits weil sie die Strapazen und Demütigungen ihres migrantischen Protagonisten durch seine Augen schildert. Anderseits, weil sie dafür eine eigene Sprache erfindet: eine kunstvolle Mischung aus Neusprech und altertümlichem Vokabular, aus gelehrten Wort­bildungen und Slang. Ausserdem gelingt ihr ein weiteres Kunststück: Die bitterböse Story sprüht vor Humor.

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