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Debatte

Braucht Whatsapp einen Notschalter?

Der Facebook-Konzern hat ein neues Sorgenkind: Seine Nachrichten-App Whatsapp wird zur Fake-News-Schleuder. Was tun? Diskutieren Sie mit Isabelle Schwab und Adrienne Fichter.

26.10.2018

In Brasilien wird am 28. Oktober gewählt. Im Land herrscht unter anderem auch wegen Whatsapp eine Art Ausnahmezustand. Tausende von Gerüchten werden täglich über den beliebtesten Messengerdienst Brasiliens verbreitet. Vor allem in Familiengruppen werden besonders viele politische Fake-News geteilt. In Brasilien spricht man von einem #whatsappgate.

Die Hintergründe dazu liefern heute Adrienne Fichter und Isabelle Schwab.

Die Regierung hat eine Untersuchung wegen missbräuchlichen Verhaltens eingeleitet. Whatsapp hat zwar Tausende von Konten gelöscht, ist aber mit dem Problem überfordert. Denn der Dienst will an der Verschlüsselung der Kommunikation festhalten.

Kann das Problem nur technisch gelöst werden? Müssen die Nutzerinnen nicht eher lernen, Informationen kritisch zu hinterfragen? Oder soll Whatsapp in diesen Situationen – wie zum Beispiel bei Wahlen in Brasilien – eine Art Notsperre verhängen und die Kommunikation einschränken?

Diskutieren Sie heute mit Isabelle Schwab und Adrienne Fichter.

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Whatsapp liest das Telefonbuch des Telefons aus. Das ist ein viel kritisiertes Verhalten, weil damit fremde Daten ohne Einwilligung der Eigentümer auf die Server von Whatsapp übertragen werden. Aber das könnte man auch ausnutzen: Niemand kann mir eine Nachricht schreiben, wenn er selber nicht in meinem Telefonbuch ist. Das würde den Handel mit "Whatsapp-Daten" massiv einschränken.

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Verstehe ich Sie richtig?
Ihr Adressbuch ist leer, damit FB bzw. Whatsapp keine Adressen findet?

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Nein, das ist falsch rüber gekommen. Wenn es so wäre, dass jemand einem anderen WA-Benutzer nur dann eine Nachricht schicken könnte, wenn er (der Absender) beim Empfänger selber im Adressbuch steht, dann wäre dem Adresshandel von WA-Daten und dem Missbrauch in den beschriebenen Fällen ein sehr effektiver Riegel vorgeschoben. Zusätzlich natürlich zu den anderen Massnahmen wie maximale Anzahl der "Broadcast"-Meldungen (wo ich allen Benutzern aus meinem Adressbuch unabhängig von einer Gruppenmitgliedschaft Nachrichten schicken kann wie offenbar im Brasilianischen Wahlkampf passiert.

Alternativ wäre es hilfreich, nicht nur " das Adressbuch" zu haben sondern mehrere und dann Apps wie Whatsapp gezielt nur Zugriff auf ein ausgewähltes Adressbuch geben zu können (wie dies in etwas abgewandelter Variante bei älteren Blackberrys möglich war um Privatleben und Geschäft sauber zu trennen)

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Interessanterweise besteht die gleiche Problematik bei SSL-Zertifikaten. Als User vertraut man seiner e-banking-Seite nur, wenn der Browser ein grünes Vorhängeschloss neben dem "https://" anzeigt. Ein Otto-Normalverbraucher weiss nicht, warum es grün ist, er weiss nur, dass es grün sein muss bzw. wenn es rot ist, dann ist sicher was nicht gut. SSL-Zertifikate funktionieren über ein trusted Network. Wenn ich A vertraue und A B vertraut, dann vertraue ich auch B. Das ist natürlich auch gewissermassen gefährlich aber ich denke es wäre ein Ansatz der vielleicht für Whatsapp funktionieren könnte. Wenn eine trusted Institution eine Meldung als Falschmeldung markiert und das x weitere, unabhängige ebenfalls tun, könnte diese entsprechend markiert werden. Dafür muss man den Inhalt der verschlüsselten Nachrichten auch nicht lesen können, man könnte sie hashen und die Hashes vergleichen.
Natürlich birgt diese technische Lösung auch wiederum Gefahren, aber es wäre vielleicht ein Ansatz.

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Klingt nach dem Prinzip von PGP. Der CA-Ansatz bei SSL-Zertifikaten ist ja praktisch kaputt, weil zuviele CA-Stellen massiv geschlampt (Symantec mit Google) oder unerkannt über Monate unterwandert waren (Diginotar in den Niederlanden) und für unbekannte Angreifer falsche Zertifikate ausgestellt haben.

Im Regelfall geht es bei solchen Fakemeldungen ja um URLs, die auf den Fake-Inhalt verweisen und der Rest der Meldung ist ein Anreisser aus dem Online-Artikel. Da fügt kaum jemand was hinzu und wenn, dann in einer zweiten Nachricht. Deshalb würde es vermutlich reichen, die URL zu hashen, um die Idee weiter zu verfolgen. Aber die beste Methode gegen solche Fakeschleudern ist immer noch, sie nicht weiter zu verbreiten und Personen, von denen man so etwas bekommt zu informieren. Ich mache das regelmässig mit Verweisen auf www.mimikama.at

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Wie Miro Albrecht schreibt ist SSL kein guter Vergleich weil es hierarchisch/zentralistisch geordnet ist. Aber ein dezentrales „Web of trust“, so wie Sie es im zweiten Teil Ihres Posts beschreiben, wäre zumindest einen Versuch wert, finde ich.

Hashing tönt auch gut, dabei sehe ich aber das Problem, dass es dann Leute geben wird, die die Original-Nachricht leicht verändert re-posten - ein Leerzeichen würde schon genügen für einen neuen Hashwert. Vielleicht gäbe es aber auch Gründe, die dagegen sprechen, dass jemand das tun möchte, z.B. weil er/sie dann selber als Autor einer Falschmeldung gebrandmarkt werden könnte, er/sie ist ja dann nicht mehr einfach nur Mitläufer, der/die die Meldung nur weiterleitet.

Eventuell könnte man zusätzlich zu Hashes noch mit einem unscharfen Bayes-Filter arbeiten, so wie man das auch bei Antispam-Massnahmen macht?

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Interessant. Nur müsste es dezentraler als SSL-Zertifikate sein. Dort entscheiden ja primär die Betriebssystem- und Browserhersteller, welche CA vertrauenswürdig sind.

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Interessanter Ansatz.

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Sapere aude! - Würden die Menschen wieder vermehrt den eigenen Verstand gebrauchen und nicht zu Konsumzombies verkommen, dann hätten weder Fake News noch Populisten eine Chance. Aber es ist halt bequemer einfach zu konsumieren und zu glauben anstatt zu hinterfragen und nachzudenken. Ein globales Problem, dass nur, Raphaël Conca hat es schon geschrieben, durch Bildung gelöst werden kann. Offensichtlich ist dies aber nicht nur die Verantwortung der Schulen, sondern jedes einzelnen, der das Problem erkannt hat. Denn wenn nur 50.1% des Souverän auf etwas hereinfallen, haben die anderen 49.9% ebenfalls ein Problem.

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Das Problem in Brasilien ist v.a. dass sehr gebildete Kreise, auch AkademikerInnen diese Fake News weiterverbreiten auf Whatsapp. Teils aus Spass, teils zur Belustigung...alle gaben an in UMfragen, dass sie das tun, weil sie die Nachrichten von Freunden und Familienmitglieder bekommen haben. Und sie der Quelle mehr vertrauen als den Medien/Fact-Checking-Organisationen. Bildung ist wichtig, aber hier müsste es fast ein Pflichtkurs in Mediennutzung sein für alle Altersgruppen und Schichten.

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Das gehört zu den Haken und Nachteilen von Demokratie:
Es kann darin auch gelogen werden, und auch Dummköpfe und naive Gutgläubige dürfen wählen gehen.
Die Dummköpfe und die naiven Gutgläubigen können Leuten zur Macht verhelfen, die besser keine solche Macht bekämen, die aber die Dummheit und die naive Gutgläubigkeit von WählerInnen geschickt auszunützen wissen, durch manipulatives Erzählen von Geschichten, in denen sie immer die Allergrössten und Fähigsten und die zu Unrecht schlecht behandelten Opfer sind, und mit genauer Kenntnis von Paragraphen und Gesetzeslücken.
Wir müssen diese Schwächen von Demokratie akzeptieren, wenn wir auch die Stärken von Demokratie geniessen wollen.
Wenn die Dummköpfe und naiven Gutgläubigen einem Lügner und Diktator folgen, dann ist es eben dumm gelaufen.
Dann hat sie leider Pech gehabt, die Gesellschaft...

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Die sichere Art Fake News zu begegnen ist guter unparteiischen Journalismus und Bildung Bildung und noch mal Bildung.
Das braucht aber viel Zeit und Stabilität eines Staates.
Und persönliches Engagement in unmittelbaren Umfeld.
So lange Menschen die Zusammenhänge unserer mittlerweile sehr komplexen Welt durch einfach Sätze und Minderheiten als Schuldige ihrer Misere ersetzen, haben wohl nur Revolutions die Kraft eines Neuanfangs.
Die digitale Transformation hat wie einst die Atomkraft immer zwei Seiten. Segen und Fluch!

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Ist dieses Problem auf WeChat nicht schon lange behoben worden? Gruppengrösse ist limitiert, ab, ich glaube, 100 Kontakten in einer Gruppe, wird hinzufügen nur durch zusätzliche Verifikation erst möglich.

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WeChat oder Whatsapp?

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Im Bericht steht eigentlich die Lösung: Die Telefonnummern wurden illegal eingekauft. "Wir" sperren whatsapp und der Spam kommt per SMS. Wir sperren SMS und der Spam kommt als Anruf. Auch das wäre möglich. Die Technologie ist nur ein Katalysator, der Defektoren (Menschen, die gegen Regeln verstossen) viel "mächtiger" macht. Auf einmal hören tausende meiner Falschmeldung zu. Und nicht mehr nur die, die mich von meiner umgedrehten Kiste aus hören können.

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Soll WA befugt sein den Dienst einzustellen? Aber das ist WA doch. Die Frage ist mehr, soll man WA dazu zwingen können?

Aus meiner Sicht führt die Debatte immer wieder auf dieselbe Kernfrage zurück: Sollen Menschen, die offensichtlich nicht in der Lage sind, Informationen kritisch zu würdigen und darauf basierende Handlungen mit Zurückhaltung vorzunehmen, wirklich mittels Stimm- und Wahlzettel u.U. massive Eingriffe in das Leben unbeteiligter Dritter vornehmen können?

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Ihre Frage anders formuliert: Wieso sollen Leute, die (scheinbar) nicht in der Lage sind sich zu informieren und kritisch zu denken, abstimmem dürfen?
Ich würde antworten: Weil anonsten die Demokratie nicht mehr für alle, sondern nur noch für die wird, die es „richtig“ machen. Wer das ist, wird von den regierenden definiert und schon leben wir in einer Diktatur.
Wir haben als demokratische Gesellshaft versagt, wenn wir nicht in der Lage sind, diese Menschen zu informieren und sie von der Wichtigkeit der Demokratie zu überzeugen

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Exakt. Und wer bestimmt heute, wer es „richtig“ macht? Z.B. ob es What‘s App „richtig“ macht?

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Anonymous
trubadur
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Die Probleme dieses Programmes sind nach meiner Meinung nicht einfach zu verstehen, stark verknüpft und für viele nicht sichtbar. Dies schliesse ich jedenfalls aus den vielen Diskussionen mit Freunden, die ich immer wieder über das Thema führe.
Meiner Meinung nach, muss das Whatsapp-Problem in erster Linie mal erkannt werden (mich freut, schreibt die Republik darüber). Das ist z.B. ein Anfang.
Das zweite ist, das Problem muss angegangen werden (am besten von allen Betroffenen -> Politik wie auch FB). Da gibt es viele Möglichkeiten die mehr oder weniger effizient sein werden. Wichtig finde ich, ->dass<- man etwas unternimmt, validiert und wieder etwas unternimmt.

Dass Nutzer einfach "eher lernen, Informationen kritisch zu hinterfragen" wird wohl schwieriger werden, aber wer weiss, vielleicht werden wir das.

Potential sehe ich in der Bildung. In der Schule lernte ich vorallem Mathe, und Sprachen. Vielleicht ist das heute anders, aber da könnte die Politik etwas unternehmen.

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Eine Möglichkeit wäre ein automatisiertes Fact-Check Angebot, beispielsweise in Form einer offiziellen Meldung von Whatsapp unterhalb von mehrfach geteilten Nachrichten/Bildern mit klickbarem Link, der diese zum Fact-Check weiterleitet. Das Feedback käme z.B. in einem separaten Chat. Selbst wenn dies nicht alle nutzten, würden viele wohl aus Interesse draufklicken und zumindest zum Nachdenken angeregt. Gleiches gilt auch wenn die Nutzer dem Dienst nur beschränkt vertrauen. Zudem wäre keine Entschlüsselung nötig, höchstens bereits erwähnte Metadaten und Facebook könnte Synergien mit seinen bestehenden Fact-Checkern nutzen.

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Eigentlich ja, aber anscheinend sehen die Brasilianer die Fact-Checking-Initiativen als Versuch der politischen Einflussnahme von Facebook & Co: "It does not help that many Brazilians view the work of the fact-checkers as part of a nefarious effort by big corporations like Facebook to shield Brazilians from the truth.

“When we do the debunking, a lot of times people just don’t trust the debunk,” said Leonardo Cazes, an editor working on the “Fato ou Fake” news literacy project with O Globo, a Brazilian newspaper." https://www.nytimes.com/2018/10/19/…ction.html

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Liebe Verlegerinnen und Verleger. Einige von Ihnen haben unseren Video-Beitrag als Kritik an der Verschlüsselung des Messenger-Diensts verstanden. In der Tat könnte man dies so auffassen (besonders wegen des Kommentars zum Statement von Facebook-COO Sheryl Sandberg), obwohl dies keineswegs unsere Absicht war. Die Verschlüsselung ist zentral für eine sichere Kommunikation. Wir haben dies auch gar nicht zur Disposition stellen wollen. Wir wollten lediglich darauf hinweisen, dass es aus wissenschaftlicher Sicht eben auch Hindernisse gibt. Und auch Facebook in ein Dilemma stürzt. Niemand möchte dass unsere Nachrichten mitgelesen werden. Also bleibt Facebook/Whatsapp nur ein Ausweg übrig: Die Metadaten-Analyse. Wo verbreitet sich gerade eine Nachricht? Was sind die Muster? Wie lassen sich diese durchbrechen?

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Anonymous
· editiert

Hier WhatsApp an den Pranger zu stellen, ist ein gesuchter Versuch auf dem angeschlagenen Image von FB noch etwas mehr rum zu hacken. Mit Bilder kann man atraktiv Komunizieren, ob der Inhalt nun wahr ist oder nicht. In Zeiten, in denen jeder ein Smartphone hat, welches solche Bilder empfängt und anzeigt, ist es einfacher den je mit Bilder zu komunizieren. Mit end-zu-end Verschlüsselung bietet WhatsApp mehr Schutz wie die meisten Alternativen, wo man nicht einmal eine Garantie hat, wer einem die Nachricht gesendet hat.

Wir müssen die Informationen die wir erhalten selbst filtern, wenn wir keine Zensur möchten. Zensur finde ich nur da angebracht, wo die Person selbst nicht in der lage ist solche Informationen zu filtern (z.B. bei Kinder oder älteren Personen). In diesem Fall sollte jedoch eine Person des Vertrauens diese Entscheide fällen und nicht ein Algorithmus.

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Evt. würde es bereits ausreichen, wenn bei weitergeleiteten Informationen der ursprüngliche Absender und eine Art “Weiterleitungshistory” automatisch mitgegeben werden. So ist dem Empfänger von Anfang an klar, woher die Information kommt und welchen Weg sie bereits hinter sich hat. Wäre m.E. ein Versuch wert.

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Smarte Idee...aber denken Sie, die Userin, der User kann das dann wirklich adäquat einordnen. Diese Kontextinformation?

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Danke. Ja, ich denke schon - zumindest wäre es ein Versuch wert ...

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WhatsApp, Facebook und Twitter sind die Waffen der Rassisten, Nationalisten, Faschisten und derjenigen, die Europa liquidieren wollen (Bannon, Putin, Farage). In der ARTE-Dokumentation „Italien und die Populisten“ beschreibt Salvini, wie er die „Sozialen Medien“ einsetzt, um demokratische Strukturen der Gewaltenteilung bewusst zu umgehen.

Unsere demokratische und plurale Gesellschaft können wir nur schützen, wenn wir für diese Nachrichtenkanäle die Prinzipien der demokratisch-rechtlichen Informationsverbreitung durchsetzen: Informationen werden erst verifiziert bevor sie veröffentlicht werden.

Wenn WhatsApp, Facebook und Twitter das nicht gewährleisten können, müssen sie geschlossen werden. Die Gegenseite hat unserer Gesellschaftsordnung den Krieg erklärt, wir müssen den Kampf annehmen. Zerstören wir ihre Waffen.

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Urs Sigg
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Grundsätzliche Voraussetzungen die den Missbrauch, „viral gehen“ und Fake News verbreiten begünstigen:

Es ist das Geschäftsmodell der Firma FB das vorsieht, dass Adressen ausgewertet und verkauft werden.

Es ist das automatisierte Abgleichen von Adressbüchern (das macht es leicht alle zu sehen und einfach zu erreichen).

Einfach daherkommende Falschaussagen verfangen leichter als vielschichtige, korrekte Darstellungen.

Erst alle Dinge zusammen, zusammen auch mit einer verunsicherten Gesellschaft, machen die Sache brandgefährlich.

Ps Lustige Umsetzung - aber in Textform ist mir lieber.

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Kann jedem Befund zustimmen von Ihrer Seite..

Wir experimentieren noch ein wenig...in diesem Fall hat es sich angeboten, einen Whatsapp-Chat zu machen. Mal schauen, was wir nächstes Mal anstellen werden:)

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Ich habe jetzt fast eine Woche gebraucht um den "Artikel" zu "lesen". Warum? Weil ich die Republik im Zug lese. Ohne Kopfhörer (die bei meinen Mitfahrern meist auch nicht nützen, weil sie nicht wirklich isolieren). Bewusst, ich will meine Umgebung wahrnehmen und ignoriere deshalb alle Videobeiträge. Teilweise lade ich mir sogar die PDF-Version vorher, damit ich das offline machen kann (das führt zu weniger Ablenkung und ist notwendig, weil Bilder ja leider erst bei der Anzeige nachgeladen werden). Immerhin startet das Video nicht von alleine, das passiert bei anderen Medien offenbar regelmässig und schallt dann jeweils bei vielen Mitfahrern durch den halben Wagen.

Experimentieren gerne, nur weiter, aber Video-Beiträge stehen bei mir persönlich sehr weit oben auf der Will-ich-ganz-sicher-nicht-Liste.

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Genau das ist der Punkt: Whatsapp zwingt mich, beim ersten Start das Adressbuch freizugeben, d.h, Facebook mein gesamtes Kontaktnetzwerk zu offenbaren (und nicht nur meine Chatpartner*innen). Diese Metadaten werden dann für Werbezwecke ge- und miss-braucht, und fallen an allen Ecken und Enden durch technische Missgeschicke und Sicherheitslücken auch Kriminellen in die Hände.

Das sollte strikt verboten sein, denn die Behauptung, der Adressbuch-Upload sei notwendig, um überhaupt andere Personen kontaktieren zu können, ist absolut nicht stichhaltig.

Hingegen auf Inhaltsebene zensurartige Massnahmen zu fordern, um die Nutzer*innen von böser Propaganda zu schûtzen, halte ich für verfehlt und auch unwirksam.

Die Gesetzgebung sollte in allererster Linie für strikten Datenschutz besorgt sein. Leider sind aber die Gelüste nach immer mehr Daten nicht nur bei Facebook und Co vorhanden, sondern gerade auch im Staatsapparat (e-Voting, Vorratsdaten, Strafverfolgung, Geheimdienste).

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Anonymous
· editiert

Danke für den spannenden und schockierenden Artikel.

Er zeigt die Wichtigkeit der Familienbande in Brasilien. Ihr und ihren Freunden glaubt man alles.
In Nordamerika ist es aber nicht viel besser. Die Anhänger beider Parteien sind unterdessen derart polarisiert, dass sie jederzeit Fake News der eigenen Zentrale und deren medialen Stiefellecker schlucken. Darunter zerbrechen dann ganze Familien.

Es gibt wohl keine technische Lösung dafür. Solange die Menschen nicht wieder zur Vernunft kommen und Meldungen kritisch hinterfragen (auch und insbesondere, wenn sie ihr eigenes Feind- und Weltbild zu stützen scheinen). Fact-Checker sind meiner Meinung nach auch keine Lösung, da auch sie einen Bias haben und selektiv sind.

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Anonymous
trubadur
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Eine Lösung wäre es ja dann, wenn dadurch das Problem weg ist. Daher hast du vermutlich Recht damit, dass es keine Lösung gibt/ist. Ich denke aber schon, dass es einige Massnahmen gibt die helfen würden, das Problem zu dezimieren.

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Selbstverständlich gehört Whatsapp "ausgeschaltet". Es ist die Konsequenz davon, wenn quasi-Monopole (also in Brasilien offenbar Whatsapp, zum Glück bei uns nicht) durch private Firmen verwaltet werden.

Ein grundlegender Fehler der Architektur des Internets liegt darin, dass es nichts kostet, Nachrichten zu verschicken. Wären es nur wenige Rappen pro Sendung, wären diese Massenaccounts (wie auch Dinge wie Email-Spam) schnell erledigt. Ein zweiter Fehler liegt darin, dass etablierte, weniger anfällige Kanäle wie SMS viel zu viel kosten. Klar, dass das abnimmt.

Die Lösung wäre es, wie beim Email-System, beim Messaging nur auf öffentliche Protokolle zu setzen, so dass die Benutzer der vielen verschiedenen Messaging-Programme alle miteinander kommunizieren können, ohne dass eine Firma dahintersteckt.

Die NutzerInnen haben es in der Hand: "Don't use Whatsapp!"

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Eine Zensur der Dienste oder des Internets an sich, erachte ich unter keinen Umständen als ein sinnvoller Weg!

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Stimme in fast allen Punkten zu, nur das mit den Kosten ist für mich nicht ganz nachvollziehbar. Im Hinblick auf den Wahlkampf hätten finanziell stärkere Parteien dadurch schlussendlich den Vorteil und könnten mehr potentielle Wähler erreichen. (Und generell sollte Kommunikation für alle zugänglich sein, Spam kann auch anderswertig bekämpft werden, als eine Paywall zu errichten)

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Naja, in einem verschlüsselten System kann Spam nur schwer bekämpft werden. Vor allem handelt es sich hier ja nicht um klassischen Spam, sondern mehr um normale Nachrichten mit unwahrem Inhalt.

Im Hinblick auf den Wahlkampf hätten finanziell stärkere Parteien dadurch schlussendlich den Vorteil und könnten mehr potentielle Wähler erreichen.

Dies ist aber bereits jetzt der Fall und es gibt ja bereits jetzt Massnahmen dagegen.

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Hervorragend gemachte Umsetzung dieser Story! Gratuliere! Aber inhaltlich bleiben viele Fragen unbeantwortet. ZB warum die „Guten“ hier (wer immer sich dafür hält) denn das gleiche Instrument nicht auch einsetzen, um genau die Fake-News zu entlarven? Man schlägt für mich zu sehr das Instrument und stellt sich nicht der soziologischen und kommunikativen Grundfrage, warum denn offenbar Fake News eine solche Wirkung hat? Die Instrumente werden sich immer den Bedürfnissen der Nutzer anpassen. Aber es ist zu einfach sie alleine für die Inhalte verantwortlich zu machen.

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Danke für das Kompliment!
Ich habe oft den Eindruck, dass Nachrichten, die viral gehen, auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner von Menschen basieren: Wut, Hass, Angst.
Die Wahrheit ist meist etwas komplizierter als das. Und selten so emotional.
Das führt zu mehreren Problemen: 1. Erinnern wir uns an Dinge, die uns emotional berührt haben besser. 2. Neigen wir Menschen dazu, uns an Informationen zu erinnern, nicht aber an die Quelle.
Wie lässt sich das lösen? Ich weiss es nicht. Mehr Medienkompetenz wäre sicher ein Anfang. Eine Aufklärungskampagne auch eine Idee. Aber kommen wir so wirklich an die Menschen, die Fake News glauben? Oder trotzdem wieder höchstens an die Menschen am Rande unserer Bubble?
Was denken Sie? Haben Sie konkrete Ideen?

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Sie haben die Ideen schon erwähnt: Aufklärung, Bildung, Aufklärung. Nicht in Kampagnen sondern als ständige Aufgabe der Wissenschaft, der Medien, der Schulen, der Wirtschaft usw. nur schon das offenlegen jeder Fake-Kampagne durch breite gesellschaftliche Information wäre ein Anfang. Aber wenn die Medien sich selber zu Handlangern von Glaubenssätzen statt Vermittler von Evidenz machen lassen und selber Kampagnen fahren, die eher der Empörungsbewirtschaftung dienen als der faktenbasierten Aufklärung - na ja, dann sehen immer weniger Menschen Medien als Vermittler von aufgeklärten Nachrichten (das ist leider Fakt).... Solange aber (nur als kleines Beispiel) Homöopathen, Impfgegner, Religionsführer und andere Gesundbeter breiten Raum kriegen wenn sie laut genug rufen, dann muss man sich nicht fragen.... und Leute wie Trump zeigen täglich wie man das macht - und wie man überall eine Plattform dafür erhält...

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Ich glaube, ein zentrales Problem ist die empirisch nachgewiesene Tatsache, dass Fake News sich immer stärker/schneller verbreiten als deren Korrektur.

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Sehr gut gemachtes Video, allerdings wäre es noch cooler, wenn für Menschen mit Sehbehinderung noch eine Audiospur des Geschriebenen vorhanden wäre :) Einen Artikel kann man sich per Accessibility-Features vorlesen lassen, solch ein Video eben nicht ;)!

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Vielen Dank für den Hinweis, Thomas Wrona! Ich merke es mir für das nächste Mal.

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"Totalitäre Bewegungen sind Massenorganisationen
atomisierter und isolierter Individuen." Hannah Arendt

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Private Fake-News sollen also unterbunden werden, indem wir in die Privatsphäre der Nutzer einbrechen, aber die Konzern Fake News sind in Ordnung? Zum Beispiel die Fantasie, dass eine zehnköpfige Troll-Armee die Wahlen in den USA entschieden hat. Oder dass ein Pass ein Höllenfeuer überlebt hat (ihr wisst was ich meine).
Nein, Problem ist eher das mittlerweile privatisierte Propaganda-Ministerium, welches sich globalisiert hat. Wikipedia? Finde ich super. Aber die Manipulation und das Bashing von einzelnen Personen innerhalb der Wikipedia (von wegen "schnell mal auf Wikipedia überprüfen") ist ganz und gar nicht in Ordnung. Wird es von irgend einem Fake-News Konzern Medium thematisiert?

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Sehr coole Form von Storytelling!

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meh, ich bevorzuge noch immer den überfliegbaren Text. Aber das hier ist sicher gut, um die breitere Bevölkerungsschicht zu erreichen, die sich nicht täglich mit der Politik beschäftigt. Werde das nächste solche Video wohl nicht mehr schauen, (aber macht nur so weiter).

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Mein liebstes Detail: die Uhr oben rechts, die mitläuft.

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Hab ich leider nicht gesehen... ich musste ganz nach unten scrollen, weil ich das Video auf dem Notebook geschaut habe. Aber trotzdem: I liked it!

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Die Kritik an verschlüsselten Nachrichten gefällt mir überhaupt nicht. Man hätte ohne Verschlüsselung zwar die theoretische Möglichkeit Falschnachrichten abzufangen, aber das klappt ja bereits beim unverschlüsselten Facebook nur mit mässigem Erfolg und würde nur eine (gefährliche) staatliche Zensurmaschinerie aufbauen.

Das Problem sehe ich viel eher im Preis von WhatsApp. Nachrichten in WhatsApp sind kostenlos, die App selber kostet auch nichts und WhatsApp-Nachrichten werden von vielen Providern auch nicht verrechnet.
Das hat zur Folge das WhatsApp auf vielen Mobiltelefonen ein Quasi-Monopol auf Internetzugang und Kommunikation erhält und Falschmeldungen nicht kurz auf Wikipedia überprüft werden können.

Die einfache Lösung ist somit meiner Meinung nach WhatsApp kostenpflichtig zu machen. Das würde den Preis von Falschmeldungen so weit erhöhen, dass sie sich nicht mehr lohnen würden.

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Der Dienst ist nie das Problem, der Nutzer ist es!

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Lieber J. F.. Oh da haben Sie uns missverstanden...Oder habe ich das nur so interpretiert? Nein, an der Verschlüsselung wird keine Kritik geübt. Sie ist zwar Hindernisgrund für eine Analyse "von aussen", aber die Forscher schlugen vielmehr eine "Metadaten"-Einschränkung vor. Also um die Verbreitungsmuster zu durchbrechen. Es ist eine Art "Notrecht" das die Wissenschaft verlangt. Also das "Weiterleiten" einschränken.

Was Ihre Vorschläge angeht, bin ich 1:1 bei Ihnen. Das würde die Nutzung drastisch einschränken.

Ich sehe vor allem die Notwendigkeit bei der Netzneutralität. Dass kein Anbieter bevorzugt wird und sich das FB-IMperium nicht überall in die INfrastruktur reinkaufen kann (in die Internet-Pakete).

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Liebe Frau Fichter, ich habe "Whatsapp hat zwar Tausende von Konten gelöscht, ist aber mit dem Problem überfordert. Denn der Dienst will an der Verschlüsselung der Kommunikation festhalten." als Kritik an der Verschlüsselung aufgefasst.

Ich glaube nicht das Metadaten ausreichen um die Verbreitung von Falschnachrichten einzudämmen. Denn grundsätzlich gibt es keinen Unterschied ob ein Screenshot eines Bildes einer Falschnachricht oder ein Bild meiner Katze in einer grösseren Gruppe geteilt wird. Ein Screenshot oder das Hinzufügen eines Emoji (um die Überprüfung per Hash zu verhindern) stellt meiner Meinung nach kein genügend grosses Hindernis dar um das Massenhafte senden von Nachrichten einzuschränken.

Netzneutralität ist meiner Meinung nach nicht genug, denn WhatsApp hat auch in Ländern mit einer Art Netzneutralität (looking at you Sunrise) wie der Schweiz ein Quasi-Monopol.

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Übel das Thema, grossartig die Umsetzung. :-) Gratulation!

Die Expertin aus Brasilien spricht von den Nachrichten unter Freunden die dann emotional ganz anders ankommen als normale Politwerbung. Und gleichzeitig weist im Video darauf hin, dass im grossen Stiel Adressen gekauft werden. Das sind ja dann wohl zwei verschiedene Dinge. Massen-Messaging lässt sich technisch erkennen und bekämpfen. Videos unter Freunden sind etwas more complicated. FB könnte explizit unterbinden das Content mehr als X-mal geshared wird. Dass es sich immer um das gleiche Bild oder das gleiche Video handelt wäre wohl auch ohne Einschränkung der Privacy zu erkennen. Aber dies wäre auch der Tod der Katzen Videos. Also bräuchte es wohl noch ein Bewertungssystem ... es bleibt spannend.

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Lieber Tobias Oetiker...Merci:) Es stimmt wohl beides. In Brasilien werden über 50% über Familiengruppenchats weiterverbreitet. Das belegen mehrere Studien. Originär verschickt werden sie über die Zentralen und Anhänger über viele eingekaufte Adressen. Offenbar ist man sich das gewohnt. Aber die Weiterverbreitung und Viralität geschieht über riesige Gruppen- und Familienchats.

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Ich glaube der Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit der Nachrichten und den gekauften Adressen ist die Möglichkeit Nachrichten weiterleiten zu können. Man kann sich somit nur durch eine Person den Zugang zu einem Familienchat, wo die Nachrichten plötzlich Vertrauenswürdig wirken, kaufen.

Somit wäre es tatsächlich eine Möglichkeit das x-malige teilen einer Nachricht zu unterbinden. Doch gerade bei Bildern lässt sich dies einfach umgehen indem man einen Screenshot des Bildes macht oder ein Emoji hinzufügt und somit verhindert, dass es einfach automatisiert erkannt werden kann.

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Folgend wäre die Lösung dann wohl: keine Bilder mehr, keine Weiterleitungen. Dann nutzt aber schnell keiner mehr Whatsapp sondern einen anderen Messengerdienst. Müssten wir vielleicht trotzdem beim Sender – dem Menschen – ansetzen? Zum Beispiel mit Medienkompetenz als Schulfach? Oder liegt der Fehler doch in der Technik?

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