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03.09.2018

Es ist Zeit für die nächste Entwicklungsstufe der Republik. Zeit, einem Ihrer vielen Wünsche nachzukommen. Wir bauen auf, wo andere abbauen: beim Kulturjournalismus.

Zum Start erscheint in unserem Feuilleton mindestens ein Beitrag täglich, von Montag bis Samstag. Es werden Filme und Bücher, Musik, Kunst und Architektur sowie Theaterstücke besprochen. Wir werden Künstler und Philosophinnen zu Wort kommen lassen. Und: Wir werden uns den grundsätzlichen Debatten widmen, jenseits politischer Grabenkämpfe.

Kritischer Kulturjournalismus ist die Voraussetzung dafür, dass eine informierte, aufgeklärte Debatte stattfinden kann über Erfahrungen, Interpretationen und Werte. Es gibt keine ästhetischen Urteile mit absolutem Wahrheitsanspruch. Umso wichtiger sind intensive Debatten.

Und da, liebe Verlegerinnen und Verleger, kommen Sie ins Spiel. Helfen Sie mit, damit unser Feuilleton richtig gut werden kann.

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Die ganze Redaktion und besonders unsere Feuilletonistinnen Barbara Villiger Heilig und Daniel Binswanger freuen sich auf Ihre Fragen, Vorschläge und Kritik.

Bei technischen Problemen helfen wir gerne – schreiben Sie uns auf kontakt@republik.ch.

Und wer erst noch ein bisschen schmökern will: Hier gehts zurück zum Feuilleton.

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Ihr Urteil?

Ihr Urteil lautet natürlich: Sie sind zur Freiheit verurteilt – lebenslänglich. Und zwar von Jean-Paul Sartre, der Konsumgüterindustrie, der liberalen Revolution von 1848, dem Feminismus, dem Historienfilm «Braveheart», Pippi Langstrumpf, der Verfassung, dem Zufall. Und von uns. Es wäre schön, wenn Sie sich die Freiheit nehmen würden, bei unserem Magazin an Bord zu kommen.


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Mir hängen diese #metoo-Debatten langsam zum Halse heraus. Eine absolut nötige Diskussion über Geschlechterrollen und Macht entlarvt sich nur zu oft selber, indem sie Geschlechterrollen gleich mit zementiert, statt sie aufzulösen. Wie sonst soll ich diese Äusserung aus „Die weibliche Sicht der Dinge“ verstehen:

Es gibt immer mindestens zwei Arten, eine Begegnung zu erzählen. Das Problem: Sind es ein Mann und eine Frau, die etwas erzählen, überwiegt in unserer Gesellschaft das Vertrauen in die männliche Sichtweise.

Worauf stützt sich diese mit Vorurteilen gepflasterte Aussage? Wieso muss um jeden Preis immer in Fronten, in Zugehörigkeiten debattiert werden? So wie mich diese Links/Rechts-Zuordnungen immer nerven, sehe ich nicht ein, wieso wir jetzt dasselbe wiederholen bei der #metoo Debatte. Ja, ich fühle mich durch solche Aussagen beleidigt, als Geschlecht diskriminiert.

Ich könnte der Autorin Lena Vöcklinghaus Beispiele von Frauen erzählen, die gerade beim Thema sexuelle Gewalt sich der männlichen Argumentation oft nicht mal abgeneigt zeigen. Dann bin ich es, der Gegensteuer geben muss. Was ich damit sagen will, Gleichstellung von Frau und Mann und aller sich daraus ergebenden Derivaten gelingt nur, wenn wir die Fronten, die zementierten Geschlechterrollen auflösen einerseits, uns andererseits aber auch nicht das lustvolle Spiel und Mäandern zwischen Anima und Animus vergällen.

Wie schwierig das ist, zeigt die Autorin des Artikels gleich selber.

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Zum Artikel "Wenn McCarthy das wüsste": Autsch, was für ein Begriffsdurcheinander. Man weiss gar nicht wo anfangen. Kann mir mal jemand von der Republik den Begriff "linksbürgerlich" erklären? Oder auch "sozialliberal" und all diese adjektivistisch verschwurbelten Begriffskombinationen, die alles und nichts erklären? Mir ist jedenfalls bisher noch kein schwarzer Schimmel begegnet. Und die im Artikel zitierte Definition von Neoliberalismus: autsch. In der wirtschaftswissenschaftlichen Diskussion ist einigermassen klar, dass der Begriff in Abgrenzung zum klassischen Liberalismus (Adam Smith & Co.) durch den Zusatz Neo eben einen Liberalismus meint, der dem Staat über die "Nachtwächterfunktion" hinaus sehr wohl eine starke Rolle zumisst.
Noch eine technische Frage: Wieso kann man nicht direkt am Ende eines Artikels kommentieren?

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Zum Berlusconi-Artikel: Ich denke, die Szenen dieser trunkenen Macht müssten mit denen, die zeigen, was diese Farce von Politik anrichtet, zusammengeschnitten werden.
Sonst bleiben nur die traumhaften Settings, die wie Ferienprospekte aussehen, haften. Anstatt die Verheerungen dieser Haltung, dieser „Politik“ zu bebildern.

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Urs Bruderers Konzertkritik über das Brian Jonestown Massaker-Konzert war sehr gut. Bitte mehr davon. Wenn ich wünschen könnte: Ein Porträt (und Konzertkritik; sie spielen im November im Mascotte) über die britische Postpunk-Band IDLES. Die sind im Moment am durchstarten und ihre Texte handeln von Brexit, toxischer Männlichkeit und Migration.

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Danke für die redaktionelle Anmerkung zum »Weinen der Lämmer«! Dass Fatima Ezzarhouni nach der ersten Aufführung ihr Engagement aufgeben musste, weil sie in ihrem sozialen Umfeld aufgrund der Nacktszenen zu stark unter Druck geriet, zeigt, dass Milo Rau sein Programm zumindest insofern erfüllt, als Theater nicht nur Wirklichkeit darstellen, sondern auch unmittelbar wirken soll. Diese Forderung ist allerdings nicht so neu, wie Rau tut, sie ist vielmehr so alt wie das Theater selbst. Und das Beispiel zeigt: Theater kann nicht nur produktiv, sondern auch destruktiv wirken, wenn es nicht zur Vermittlung, sondern zur Verhärtung von Konflikten beiträgt. Rau benimmt sich wie jene nordeuropäischen Touristen, die in den 60er Jahren glaubten, an »paradiesischen« Stränden in Griechenland nackt baden zu können, bis die Dorfbewohner anrückten, um sie mit Steinen zu vertreiben. Gewiss, im sozialen Umfeld von Fatima Ezzarhouni liegen die Dinge umgekehrt: in Gent gelten nicht muslimische, sondern die Regeln der Moderne. Und das Kernstück dieser Regeln ist der Tabubruch oder wie Michel Foucault sagte: die Gier nach der »nackten Wahrheit«! Aber angesichts der Tiefe der kulturellen Brüche und Verwerfungen, die uns die Globalisierung mittlerweile zumutet, ist auch der Tabubruch nicht mehr, was er einmal war. Den Finger auf die Wunde legen, mag helfen, wo sie sonst übersehen oder verleugnet wird; in allen anderen Fällen verstärkt der Finger nur den Schmerz und wird selber zum Teil des Problems, zu dessen Lösung er beizutragen vorgibt. Unter den Bedingungen der Globalisierung hat Integration mit krassen Gegensätzen zu tun, die aber umso mehr Differenzierung und Fingerspitzengefühl erfordern. Rau, als wollte er seinem Namen alle Ehre machen, setzt dagegen auf das Grobschlächtige – nicht als einziger, wie man zugeben muss!

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Stilvolle und souveräne BJM-Konzertkritik von Urs Bruderer, wie ich finde. Allerdings: das Konzert fand am 26. September statt, die Review dazu wird am 5. Oktober publiziert ... ich bin ja auch ein Anhänger des entschleunigten Journalismus, doch diese Zeitspanne zwischen Ereignis und Berichterstattung scheint mir nun schon ein wenig zu gedehnt ...

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was für ein wunderschönes obituary für inge feltrinelli! grazie molte, solmaz!

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Nur ein kurzer Kommentar zum Milo Rau-Artikel: ich stosse mich an der Aussage “Ins Theater gehört das nicht.” Ich verstehe nicht, wie man einem ganzen Medium, einer ganzen Kunstform, einen solch fundamentalen Grundsatzentscheid anhängen kann. Solche Prinzipien können meiner Meinung nur dazu führen, eine Kunstform langsam abzutöten. Die einzelne Anwendung muss sich zwar selber rechtfertigen, aber sie soll die Chance haben, genau dies zu tun.

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.... wunderbarer Artikel zum Thema „Fotografie“ von Urs Stahel.

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Danke für Ihr Feedback. Das ist eine Weile her, trotzdem möchte ich mich nochmals Natürlich haben Sie recht mit dem «Wert» alter Hasen. Vor allem, wenn sie stets offen für Neues sind. Was mich beschäftigt ist eher die Frage der Bewertung, was «Kultur» ist. Literatur, Kunst, Musik, Theater? Oder eben auch: Design (das uns überall im Alltag umgibt), Architektur (die Lebensraum schafft) und Stadtgestaltung? Auch Illustration, die im Moment eine neue Blüte erlebt: diese Menschen erfinden Bilder, die in Kinderbüchern, in Zeitungen etc. Dinge/Prozesse fassbarer machen, uns zum Lachen bringen und zum Nachdenken (und ja: ich unterrichte an der HSLU Illustrationsgeschichte > falls Sie hier mal Tipps brauchen). Offspaces, junge Kollektivprojekte...? Davon wünsche ich mir mehr.

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Es soll Leute geben, die Buchbesprechungen zum Anlass nehmen, ein Buch auch zu lesen und das nach Möglichkeit sogar in der Originalsprache. Es wäre deshalb hilfreich, wenn Sie bei Buchbesprechungen von fremdsprachigen Büchern künftig neben dem deutschen Titel auch den Titel in der Originalsprache angeben, der bekanntlich oft anders lautet als in der Übersetzung . Anlass für mich, diesen Wunsch anzubringen, ist die zum Lesen sehr anregende Besprechung von Helmut Böttiger über "Schlafende Erinnerungen" von Patrick Modiano. Die deutsche Übersetzung des Originaltitels "Souvenirs dormants" ist übrigens in diesem Fall sogar wörtlich.

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bin Ohrenmensch, war einer der Ersten mit diesem SpotiSport und seit 2 Jahren nicht mehr Mitglied.
SIND WIR IN DER LAGE, offene, einsehbare Klangkanäle zu nutzen?
dass es für den TRAP-Soundtrack spotify braucht, find ich gucci: altmodisch.

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ich bin bis jetzt von jedem einzelnen Feuilleton-Beitrag begeistert - merci!

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Beats wie eine Gucci-Decke
Für mich wird in diesem Text das sogenannte Phänomen “nur“ oberflächlich aus einer weissen Sicht und einzig über eine Schweizersiche Jugendkultur betrachtet, wo man sich Grundsätzlich fragen könnte, ob man sich den Hustensirup gleich sparen kann. Was mir persönlich in diesem Text fehlt ist, das Trap troz der gehypter verkomerzalisierung durch Kanye, Beyoncé und Jay-Z, Christina Aguilera…ect. ect. (und dieses Phänomen ist in jedem Genre der Popkultur sichtbar und geläufig), Trap durchaus ein grosses, sehr grosses Potzenial hätte, da es als Teil der "black life matters" Bewegung, ohne das ich mich nun zu weit aus dem Fenster lehne, zurück gekehrt ist und eine Ralität wiedergibt die Düster und Dystopisch klingt und die Political Corectness in seiner ganzen Verlogenheit entlarvt. Und das ist die eigentlich echte Chance zu einer Bewegung.
Siehe Donald Glover aka Childish Gambino's «This Is America» https://www.youtube.com/watch?v=VYOjWnS4cMY

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Gut ausgewählt Feuilletonredaktion! Patrick Modianos neues Buch kann man unbesorgt kaufen/lesen, es wird so gut sein, wie alle früheren Werke. Der Nobelpreisträger hat sich nicht auf Lorbeeren ausgeruht, alle seine Romane sind faszinierend, schon sein Erstling "Place de l'Etoile" ist absolut unglaublich! Der Romancier versteht es wie kaum ein anderer ein Leben einer Romanfigur interessant zu machen. Er tut dies durch Andeut- ungen, Auslassungen, obskure Hinweise auf Gefahren hin, die Liebesgeschichten beruhen auf realistischer Basis, Illusionen sucht man vergebens, ebenso sind Happyends nicht seine Sache. Dafür werden kriminelle und halb-kriminelle Machenschaften mit einer gewissen Faszination beschrieben und eine existentielle Melancholie liegt auf allem.

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Feuilleton-Perlen - vom Wind hergewehte Blättchen, die im Satz-Kontext zu Perlen reifen - gab und gibt es ausserhalb der Rubrik. Ich finde immer wieder mal solche im Newsletter. Da sie im Rauschen des Mischwalds Republik unterzugehen drohen, hier mein Fund vom 13. 9.:
Die Kultur-Agenda wird abgespult: Hamlet in Zürich, König Arthur in Basel, Zwingli-Roadshow, "Versetzung" in St. Gallen - der Protagonist dieses Theaterstücks ein manisch-depressiver Lehrer. "Stopp: das hatten wir doch bereits. Hamlet - ist er depressiv, manisch oder tut er nur so?" weckt mich aus meinem Kultur-Halbschlaf. Diese Stimme ist unverkennbar, ich spitze die Ohren.
"Sie sehen: die Zeiten ändern sich, aber die Probleme und Fragen der Menschheit bleiben. Am Schluss sind wir alle tot. Vielleicht lässt das Kultur-Theater Bern deshalb zum Saisonbeginn Verdis Requiem ertönen."
"Memento mori" dann geschenkt. Was zündet, ist der Erstklässler-Satz "Am Schluss sind wir alle tot" als Verbindungs-und Begründungsglied zwischen zwei Kultur-Events. Blitzartig weiss man, wogegen die Kulturindustrie mit ihren Klassikern, Avangardisten, Neo- und Post-Ismen, Manifesten und Anti-Manifesten ihren Wall baut, emsig und vergeblich. Und vergisst es sofort wieder, trabt schnell und freudig durch den Kultur-und Politikwald. Und doch, die vergessene Perle wirkt wie Ohropax gegen Lärm, und das fast unsichtbare Blättchen schützt magisch vor blendendem Licht.

Feinste Petitessen wie diese werden überlesen. Doch Feuilleton fordert Stil. Auf mich wirkt dieser lakonische, post-ironische, kunstvoll kindliche Stil eigenartig erheiternd und verstörend, öffnet, fern der Kultur-Denkmäler, Räume von den alten Griechen bis zu Benjamin, Beckett und co., Räume, deren Grenzen sich auflösen, wo heimlich und unheimlich, "Leben" und "Tod", "Realität" und "Surreales", Fakten und Wahn kippen und ineinanderfliessen. Die newcomerin Molinari, von Stefan Zweifel hier lobend besprochen, gehört in die Reihe. Ihr Titel: "Alles ist hier noch möglich".

Lieber Seibt, ich kenne sie nicht persönlich, grüsse Sie grossmütterlich, und werde das, was Sie schreiben, Literatur im Kleinstformat, lesen bis zum Schluss.
Und gratuliere der Republik nicht nur zur ihrer Schatten-Eminenz, auch zu den realistischeren Schreibern und Schreiberinnen, insbesondere Barbara Villiger-Heilig, die die schwierige Kunst, Persönliches allgemein lesbar zu machen, leichthändig beherrscht, und Solmaz Khorsand, m. E. eine Top-Feuilletonistin im besten Sinn des Worts, der Alpbach-Report ein Glanzstück. Mit Daniel B.- hallo Daniel, wir kennen einander ein wenig - möchte ich eher streiten, der Faschismus-Vorwurf zum NZZ-Beitrag des Ostdeutschen Mai schien mir allzu locker, doch das müsste argumentiert werden - vielleicht ein andermal.

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Republik-Preis der Woche an Jacqueline Fehr

Brillant! Gratulation an die Jury-Autoren!

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Vielen Dank für den Artikel "Unverhandelbar" - es ist sehr schade, dass diese Thematik so selten den Weg in die Medien findet. Man bekommt das Gefühl, das niemand so denkt und die Argumentation wird immer einseitig um das Thema Migration geführt, als ob das die Ursache für die Wutbürger sei- es ist lediglich der Boxsack an dem alle ihre Wut auslassen ohne das sich etwas an der Situation ändert. Bitte mehr davon damit der Fokus auf die wahre Problematik gelenkt wird!!

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Zum Artikel von Elisabeth Bronfen. Es wurde an dieser Stelle schon geschrieben: ich erwarte in der Republik von Journalisten für durchschnittlich intelligente Leser geschriebene Texte zu lesen. Professoren sind einfach keine Journalisten. Es tönt meist nach Vorlesung, super kompliziert und abgehoben. Ich komme mir am Ende doof vor. Ohne jede Anregung. Daraus soll es eine Serie geben? Ich bin skeptisch...

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Ich vermisse die Übersichtlichkeit der Republik der ersten Wochen. Den Newsletter las ich anfangs genüsslich, jetzt Überflüge oder überblättere ich ihn. Zu viel Rauschen. Weniger ist mehr für mich. Mir scheint, das Feuilleton habe das Magazin überrannt, anstatt es zu ergänzen.

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Der Artikel von Daniel Strassberg über die Unverhandelbarkeit einzelner Begriffe zur "Rettung" dessen, was wir Demokratie nennen. ist auf der einen Seite nachvollziehbar, was die analytische Gedankenführung angeht, sie macht andererseits aber auch den Versuch, aus dem rein Begrifflichen in ein weiteres Feld vorzustossen.
Es scheint mir dringend nötig, die fragile Hülle, in der wir Demokratie fühlen und denken in diesen Tagen erneut zu reflektieren.
Der Artikel versucht darüber hinaus, ohne leichtfertige *Erschleichung von Immanenz", dem Menschen die Fähigkeit zuzugestehen, dass er in der Erfahrung des Friedens in der Natur, fähig ist, den Frieden in seinem eigenen Herzen zu erfühlen - und er wagt die Hoffnung wach zu halten, dass diese Friedenserfahrung ihn befähigen zu wissen, was anständig und gut ist.
Nach Jean Luc Nancy bezeichnet Demokratie nachgerade "die Idee der Menschen, wenn diese, obwohl sie alle Bindung an eine Hinterwelt verloren haben - dennoch nicht aufhören, ihre Fähigkeit zu postulieren, aus sich selbst heraus und ohne Erschleichung ihrer Immanenz, Subjekte unbedingter Transzendenz zu sein, das heisst in der Lage, zu sein, vollständige Autonomie auszubilden."
Diese etwas verschachtelte Aussage verhüllt trotz ihrer Komplexität nicht, dass es im begrifflichen Korsett der Denkzunft, nicht möglich ist, aus dem Zirkel der analytischen Logik, das Leben mit Denken und Nachdenken zu verstehen, und man kann mit Rousseau zum Schluss gelangen, dass es notwendig ist, aus dem Knüppelholz der Begrifflichkeit in den Wald der Erfahrung zu gelangen.
Nach dem Tode Gottes und der Zerschlagung der Vorstellung, dass Demokratie und Menschenrechte auf einem Naturrecht beruhen, finde ich die Behauptung, dass es eine Erfahrungsebene gibt, die jenseits der philosophischen Reflexion, eine Ebene des Berührt-Werdens durch das, was wir - statt Natur lieber Erde nennen könnten, erhellend. Denn sie schaufelt einen Luftschacht frei. Auch wenn sich der Autor zunftgemäss auf die Schultern Rousseaus stellt, empfinde ich dieses Ausscheren aus dem Zirkel der logischen Begrifflichkeit als mutig. Es macht für mich die Stärke dieses Artikels aus, den ich hiermit herzlich verdanke und die Quintessenz gerne nochmals auf der Zunge zergehen lasse:
"Der Friede, den die Natur mir schenkt, erlaubt es mir, auf die Stimme meines Herzens zu hören, und im Grunde meines Herzens höre ich die Stimme der Natur»
J.J. Rousseau

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Zum Beitrag "Unverhandelbar" von Daniel Strassberg: Danke für diese klaren Worte. Letztlich geht es um das, was uns Menschen gemeinsam ist. Jeder Mensch möchte leben, möchte glücklich sein und Leiden vermindern. Diese Grundbedürfnisse sind in den Menschenrechten formuliert und geben unserer grundlegenden und nicht verhandelbaren Solidarität Ausdruck. Alle gesellschaftspolitischen Überlegungen und Forderungen müssen im Licht dieser elementaren Gemeinsamkeit beurteilt werden. Wenn das Wissen um diese Gemeinsamkeit verloren geht, sind ideologische Sackgassen vorprogrammiert.

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"Sind Menschenrechte unverhandelbar?"
Ich bin Daniel Strassberg sehr dankbar für seine luziden Gedankensplitter zu diesem bedeutenden Thema unserer Zeit.
Sehr bedenkenswert scheint mir folgende Aussage:
"Es ist das Kapital, das, wie einst im Kolosseum, vergnügt schaut, wie die Deklassierten sich gegenseitig zerfleischen."
Gut beobachtet. Das grösste Problem unserer Zeit ist die faktische Hegemonie des Kapitals. Es dominiert die Politik, die Wirtschaft, die Medien, die Gesellschaft. Wie ist politische Emanzipation möglich, wenn ökonomische Emanzipation nur denen vorbehalten ist, die sich den Spielregeln des Kapitals unterwerfen? Die Spielregeln, die unser Sein bestimmen, lassen sich in drei Worte fassen: Kapital sucht Rendite. Wenn alles rentieren muss, wird Demokratie zur Farce. Menschen werden nicht geboren, um zu rentieren. Aber sie werden sozialisiert, um zu rentieren. Der Gott der Moderne ist die Rendite. Sie landet grösstenteils bei einem winzigen Teil der Menschheit.
Ich teile die Ansicht von Daniel Strassberg, dass gesellschaftliche Konflikte zwischen Deklassierten den Oberschichten sehr gelegen kommen, denn sie lenken vom eigentlichen Problem ab, nämlich der Tatsache, dass der Kapitalismus in seiner neoliberalen Ausprägung unmenschlich ist und daher entmachtet werden muss. Der allgegenwärtige Renditezwang vergiftet die Gesellschaft und degradiert über 90 Prozent der Bevölkerung zu Selbstoptimierungssklaven.
Menschenrechte achten heisst: Menschen die Freiheit zu garantieren, nicht rentieren zu müssen.

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Unverhandelbar

Ein wesentlicher Punkt in Herr Strassbergs bedenkenswertem "sic et non" zwischen einem harten, realpolitisch-pragmatischen - man könnte auch sagen erbarmungslosen - und einem schwachen Denken (G. Vattimo) ist die Frage des Fremden, der irreduzible und radikale Anspruch des Anderen (E. Lévinas), dessen Reduktion für manche die Lösung aller Probleme sein soll. Doch:

Die Deklassierung der Arbeiterklasse hat nichts mit der Zuwanderung zu tun. Es sind nicht die Fremden, die die Mietzinse erhöhen oder die Löhne drücken. Es sind nicht die Fremden, die um des Fetischs des Sparens willen die Infrastruktur und das Bildungssystem verkommen lassen. Es sind nicht die Fremden, die Kinder trotz Steuerüberschüssen in Armut leben lassen.

Die Andere wird also in die grausame Mechanik des scapegoating (R. Girard oder E. Poppe) verstossen.

Dieser von Ressentiments genährte und getriebene Mechanismus dient v.a. in Zeiten der Krise der Resouveränisierung (E. Forster) und der Wiederherstellung einer Selbst-Wirksamkeit (A. Bandura) - die mimetisch auch durch "starke" Führerfiguren, mit denen man sich identifiziert, erlebt wird. Mit der zusammengehenden betriebenen Homogenisierung nach der Logik von Reinheit und Gefährdung (M. Douglas), dient sie auch der Wiederherstellung einer "verlorenen" Binnen-Solidarität. Diese Form der Bio-Macht (M. Foucault) kommt auch in den Begriffen "Selbstbestimmungsinitiative" und "Volkssouveränität" zum Ausdruck.

Kann nun so ein Linkspopulismus (vgl. C. Mouffe) funktionieren? Also ein nationalistisch-ethnozentrischer ohne internationale Solidarität? Es ist wohl kein Wunder, dass sich gerade die ExponentInnen von #aufstehen in der Migrationsfrage keine oder höchsten vage und sehr offene Antworten geben.

Doch klar ist, dass - wie bereits Aristoteles erkannte - eine Demokratie ohne Rechtsstaatlichkeit inkl. Minderheitenschutz in eine Ochlokratie degradiert, also in eine Tyrannei der Mehrheit, so wie ein Rechtsstaat ohne Demokratie in eine Tyrannei des Einen oder der Wenigen.

Neben der schwachen Hoffnung, dass Menschen alle Menschen (und nicht nur diese!) mit Würde behandeln, gibt es aber auch noch die schwache Erinnerung an "die schrecklichen Erfahrungen des Holocaust" und was zu diesem geführt hatte, sowie die schwache Wahrnehmung all der Ungerechtigkeiten und Leiden in Nah und Fern.

Ein von dieser Subjektivität sich nährendes schwaches Denken ohne Geländer (H. Arendt) steht auf keinem festen Fundament. Fragt sich aber dennoch an Ort und Stelle: "Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?" (P. Gauguin). Und gerade wenn sich der Horizont verdunkelt und die Wüste des Realen (S. Zizek) kalt und hart wird, sollte man sich auch von der Logik des Herzens (B. Pascal) - mit der wir einzig "gut sehen" (A. de Saint-Exupéry) können - führen lassen.

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Unverhandelbar ist und bleibt die Demokratie als Staatsform, zumindest für uns hier. Dass diese durch Populisten ausgehöhlt werden soll, dagegen gilt es wachsam zu sein.
Dass die Demokratie nicht alle Probleme löst, ist wohl allen klar. Dass heute von Reichen über Werbung Volksentscheide gekauft oder zumindest manipuliert werden können, ist aber auch eine Tatsache. Sklaverei ist in jedem Fall zu bekämpfen. Wir alle aber sind Sklaven des kapitalistischen Systems: Daniel Strassberg bringt das Dilemma der Linken hier sehr schön ausgedrückt auf den Punkt: "Die Frage, ob es besondere Toiletten für Transgendermenschen geben sollte, hat die Frage, wie Menschen sich mit 416 Euro durchschlagen sollen, aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt."
Das Beispiel ist zufällig gewählt, zeigt aber die ganze Spannweite unserer Probleme. Es gibt noch viele andere andere Baustellen, wo wir uns als Gutmenschen fühlen möchten, indem wir Unrecht bekämpfen, das Grundproblem der Unterdrückung von Arm durch Reich aber nicht genügend deutlich und genügend oft ansprechen, obwohl dies das Wichtigste wäre. Es gibt für die Linke nur ein Sowohl-als-Auch: für die Menschenrechte einstehen und Robin-Hoodmässig für die Armen gegen die Reichen kämpfen.

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Zum Artikel "Einfach kompliziert" über die Wienerinnen und ihre Burg von Karin Cerny: Das spezielle und traditionsreiche Verhältnis zwischen den Österreicherinnen und ihren Schauspieler*innen ist zwar schön, aber tatsächlich zu einfach beschrieben, denn was die Bezeichnung "Nationaltheater" anbelangt, so ist der Artikel leider ungenau. Ursprünglich diente die Ende des 18. Jahrhunderts aufkommende Bezeichnung auch der Überwindung von Standesunterschieden, indem sich vor allem die Hoftheater weg von der italienischen Oper und dem französischen Drama immer mehr zur deutschen "Nationalsprache" bekannten und sich somit auch Richung Bürgertum und Volkstheater hin bewegten. Es gibt in Deutschland sehr wohl auch heute noch Nationaltheater, z.B. das Nationaltheater Mannheim oder das Deutsche Nationaltheater Weimar. Übrigens bildeten sich damals in den neu entstehenden Nationaltheatern zum ersten Mal feste und über einen längeren Zeitraum verpflichtete Ensembles. Also findet sich auch in der Hinsicht im "Nationaltheater" der Ursprung unseres heutigen deutschsprachigen Stadt- und Staatstheatersystems mit seiner Ensemblestruktur.

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Zum Interview von Daniel Binswanger mit Chantal Mouffe über das Wesen und die Chancen des "Links-Populismus":
Vielen Dank erst mal!
Chantal Mouffe formuliert in diesem Interview sehr viele Gedanken, welche mich in letzter Zeit in einer ähnlichen Weise umtreiben.
Anders als der linke-, oder rechte Liberalismus, der versucht, Gegensätze und Spannungen in den modernen, globalisierten Gesellschaften zu kaschieren und mit Werbespots über die vielen Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung von wirklich Höchstleistung gebenden Individuen vergessen zu machen, legen "Populisten" den Finger genau auf diese wunden Punkte!
Die Spannungen und Gegensätze, welche auch die unterschiedlichen Interessen verschiedener Gesellschaftlicher Gruppen begründen, sollen demnach offen, direkt und ehrlich bezeichnet werden!
Das ist kein netter Smalltalk unter Eingeladenen einer Pool-Party mehr!
Nehmen wir zum Beispiel die Schweizer Bauern und Bäuerinnen:
Ihnen auferlegt der CH-Staat verschiedene Bestimmungen, die sie einzuhalten haben.
Diese Bestimmungen sind dazu da, einen gewissen Umweltschutz, einen gewissen Tierschutz und gewisse Minimal-Standards für die Anstellungsbedingungen von LandarbeiterInnen durchzusetzen.
ProduzentInnen im Ausland müssen dagegen KEINE solchen Bestimmungen einhalten!
Sie können -auf populistisch-deutsch gesagt- die grössten Sauereien veranstalten die ihnen anvertraute Natur mit den Pflanzen und Tieren und (last but not least!) ihren Angestellten misshandeln, nur damit sie mit ihrem Billig-Ramsch unsere Supermärkte fluten und damit der Kundschaft eine WAHLFREIHEIT gemäss liberalem Lehrbuch eröffnen können...
Diese liberale Wahlfreiheit gründet nun aber auf einer Ungleich-Behandlung von inländischen- und ausländischen Produzenten durch den liberal dominierten Staat!
Das ist vergleichbar mit einer Familie, die ihr eigenes Kind sehr streng erzieht und gleichzeitig ein adoptiertes Kind verhätschelt und verwöhnt, weil dieses adoptierte Kind aus einem Freihandels-Verhältnis kommt.)
Die "Rechts-Populisten" wollen nun eine Art von Gleichheit herstellen, indem sie die regulatorischen Einengungen durch den Staat, welche ökologisches- und faires Wirtschaften fördern sollen, abschaffen, so dass auch Schweizer Bauern künftig (wieder) "die Sau rauslassen" dürfen, als Kleinherrscher auf ihrem eigenen Grund und Boden, ihrem Privat-Eigentum. Das ist sozusagen der "Liberale Teil" ihrer Agenda, den sie mit Liberalen der FDP und der "Bürgerlichen Mitte" gemeinsam haben.
Gleichzeitig wollen sie aber eine Bevorzugung Einheimischer Produkte durch Import-Zölle auf ausländischer Konkurrenz-Ware beibehalten und verstärken!
Die "Links-Populisten" wollen eine Gleichheit herstellen, indem der Staat AUCH die ausländischen Produzenten und die Importeure in die Pflicht nimmt, damit diese wenigstens Minimal-Standards einhalten und ihre Produkte besser deklarieren.
Auch der Links-Populismus setzt also auf einen dirigistischen, erzieherischen Staat (ähnlich wie der Rechts-Populismus), allerdings ist dieser Dirigismus nicht grundsätzlich Ausländer- und Globalisierungs-feindlich, sondern steht nur der die Umwelt und die Menschen kaputt machenden, von Multinationalen Konzernen betriebenen Billigramsch- und Abfall-Wirtschaft feindlich gesinnt entgegen!
Der linke- und rechte Liberalismus (bei der letzen Arena-Diskussion über die Fairtrade-Initiative beispielhaft vertreten durch Regina Sauter von der FDP und durch Alain Berset von der SP) begrüssen den bestehenden Unfair-Trade ausdrücklich im Sinne einer Wahlfreiheit, welche die KonsumentInnen haben müssten.
Bundesrat Berset wünscht sich einen solchen Unfair-Trade persönlich zwar nicht, sagt aber als betont sachlicher (und ausgiebig vom jetzigen System mit profitierender-) Realist, dass dieser nun mal den politischen Mehrheits-Verhältnissen im Lande entspräche (passive Duldung).
Sauter dagegen hält den Unfair-Trade für einen Beweis von Freiheit (aktives Befürworten, kombiniert mit einer angekündigten Sabotierung weiterer Regulierung-Versuche durch das Parlament).
Beide Haltungen (bürgerlich-liberal und sozial-liberal) bewirken und erhalten als zwei Seiten der selben Medaille (liberale Demokratie) das selbe Ergebnis:
Der real existierende Unfair-Trade mit einer real existierenden Ausbeutung, Versklavung. Misshandlung und Vernichtung von Natur und Mensch, zerstört weltweit immer mehr lebendige Vielfalt und Menschlichkeit im Sinne einer EMOTIONALEN Intelligenz.
Was dagegen zunimmt sind technokratische Gefühllosigkeit und Industrialisierung und Vergeschäftlichung aller Lebensbereiche bis in die hintersten Winkel unserer Existenz.

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Zur Filmkritik von "Chris the Swiss":
Formal ist der Film originell und gelungen. Die dokumentarischen Teile der Collage sind aber politisch falsch. Man kann ja hinnehmen, dass Anja Kofmel die Psyche und die Beweggründe ihres Cousins und Söldners verstehen will und deshalb mit Recherche zu erforschen sucht. Daraus folgt aber nicht, dass die ganze Gesellschaft nun ebenfalls Psychoanalyse von Schlächtern und Kriegsverbrechern betreiben muss. Kriegsverbrecher muss man nicht verstehen, man muss sie vor ein internationales Strafgericht stellen! In Kofmels Film kommen die ehemaligen (und weiterhin aktiven) Schlächter mit einem widerlichen, daherbramarbasierenden, wichtigtuerischen Pathos daher. Anstatt diesen widerlichen Kreaturen eine Ladung Schrot ins Gesicht zu jagen, hält man ihnen huldvoll das Mikrofon hin.
So erstaunt es auch nicht, dass die Regisseurin den "Krieg" als als gruseliges Gefühl, als Vogelschwarm in die animierten Szenen einbrechen lässt. Statt das zu zeigen, was längst zur Sprache gebracht worden ist: Erschiessungen, Vergewaltigung, Brandschatzung, KZ - kurz: alles, was schon Wehrmacht und SS im Feldzug gegen Osten zustande gebracht hatten.
In den Bürgerkriegen um das zerfallene Jugoslawien hat sich ein Kulturbruch gezeigt, wie er nach dem Dritten Reich nicht mehr für möglich gehalten wurde. Für mich als Zeitgenossen ist dabei klar geworden, dass es einen sauberen, irgendwie unvermeidbaren, letztlich zu einer Neuordnung führenden Krieg nie mehr geben wird. Was in der Zeit nach der Besiegung des Faschismus gekommen ist, verdient die Bezeichnung Krieg nicht mehr. Dieses verharmlosende, bequeme Wort soll nur von unserem ethischen Versagen ablenken und Schuldige und Denkfaule gleichermassen entlasten. In Wahrheit geht es um Gewalt ausschliesslich an der Zivilbevölkerung, an Wehrlosen, um Kindermord, Vergewaltigung, Völkermord.
Es nützt nichts, die Tatsache des Kulturbruchs mittels logischer Rechtfertigungen wie "Politik", "Strategie", "Feindseligkeiten" oder "Sicherheitsbedürfnisse" einebnen zu wollen. Diese Verbrechen müssen klar benannt und aufgearbeitet, die Täter von der internationalen Gemeinschaft zur Verantwortung gezogen werden. Verstehen der "Motive" oder "Symptome" ist da nicht angesagt, selbstherrliches Vergessen auch nicht, wenn wir nicht alle mitschuldig sein wollen.
Das leistet der Film eben nicht. Anja Kofmel hätte es besser bei der Frage (nach den Untaten) belassen und auf Antworten verzichtet, in welchen die coolen Täter die Opfer ein zweites Mal verhöhnen.
Deswegen wurde mir schlecht im Film, und die gleichgültige Rezeption bewies mir, dass die abartige Coolness der Schweinehunde die ganze Gesellschaft erfasst hat.

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Tut mir ja leid den allgemeinen Jubel zu unterbrechen, aber ich bin ziemlich enttäuscht vom Feuilleton - da gäbe es so ein riesiges Spektrum an Kultur, und man beschränkt sich auf den gleich engen Horizont wie es bei der NZZ üblich war. Ich weiss, man kann nicht alle Leser glücklich machen, und die eigenen Interessensgebiete sind immer am spannendsten.

Aber darf ich trotzdem vorschlagen, wenigstens einmal pro Woche den Kopf aus der Blase des Bildungsbürgertums zu strecken und sich mit etwas neuem zu beschäftigen? Literatur, Locarno, Theaterspektakel und Lucerne sind sichere, etablierte Werte. Mir fehlen Mut, Neugierde, Entdeckungsfreude. Nebst dem dass man die angestammten Themenfelder viel weiter abstecken dürfte, wie wäre es zwischendurch mit einem artverwandten oder gar gänzlich neuen Thema? Vielleicht auch Kultur aus dem Alltag, Piktogramme, Ton- und Geräuschdesign, Architektur zur Lenkung von Besucherströmen, Sie wissen selbst am besten was Ihre Kenntnisse und sensorischen Fähigkeiten anspricht.

Im Übrigen ist mir nicht ganz klar, was die Strategie des Feuilletons soll - bei der NZZ gab es offensichtlich zu wenig Interesse seitens Leserschaft, also machen wir dasselbe in "R"? Man hat nicht einmal die Gelegenheit wahrgenommen, den Schreibstil anzupassen. Bei mangelndem Interesse hilft es nicht, den Kopf in den Sand zu stecken und zu behaupten, das sei halt Kunst.

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Herzlichen Dank für den Beitrag von Barbara Villiger Heilig über Schlaflosigkeit! Es ist eine ganz eigene Welt, die man da betritt und in der man eigentlich gar nicht sein möchte. Ich kenne das leider auch - und bin froh, dass diese Phase wieder vorbei ist.

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Hervorragend, das unablässige Nachdenken der Republikaner darüber, was heute eine linke Strategie sein kann: Immer wieder interessante Kommentare, immer wieder interessante Stimmen, die Ihr zu Gehör bringt. Danke!
Nach der Lektüre des Interviews mit Chantal Mouffe beschäftigt mich Folgendes: Hier begegnen wir einem ganz anders ausgerichteten Denken als es etwa dasjenige von Geoffroy de Lagasnerie ist. Was machen wir mit diesen Widersprüchen? Wie sie ins Spiel bringen miteinander? Herr Binswanger, wie wäre es mit einem Kommentar dazu?

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Ein Genuss Peter Hagmanns begeisterte und kritische Schilderung des Lucerne Festivals zu lesen - als wäre man dabei gewesen...

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"And the winner is ... David Graeber "

Enorm sympathisch, dass die "Republik" die wöchentliche Ehrung ausgerechnet mit diesem ehrlichen Querdenker beginnt. Ein willkommenes Statement gegen den grassierenden Konformismus in einer lügenverseuchten, profitgetriebenen und sinnbefreiten Arbeits- und Konsumwelt.
Überfluss herrscht dort, wo der Leerlauf zur gefeiertsten Beschäftigung wird.

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Freiheit, Gleichheit - und die Brüderlichkeit? Zu "Wir brauchen einen Populismus von links"

Auch ich danke Herr Binswanger und der "Republik" für das spannende Interview mit Chantal Mouffe.

Ich hab' ihre und Laclaus Bücher stets mit grossem Interesse gelesen und stimme ihr in vielem bis zu einem gewissen Grade auch zu.

So etwa auch ihrer Forderung für eine hegemonie-strategische Verschiebung von der Migrations- zur sozialen Frage. Sie stellt zwar die zentrale Rolle ersterer für das Erstarken des Rechts-Populismus fest, verweist aber auf die eigentliche zugrundeliegende Ursache, die soziale Ungleichheit, und votiert für eine links-populistische Rückkehr zur sozialen Frage. Die "Mutter aller Probleme" sind also - populistisch (oder demagogisch?) gesprochen - nicht "(böse) Flüchtlinge", sondern "(böse) Abzocker".

Dennoch müssen die aktuell virulenten Probleme der Migration und des Post-Kolonialismus jetzt und zwar sozial gerecht gelöst werden. Denn selbst ein nationaler Linkspopulismus ohne "internationale Solidarität" ist IMHO ein Widerspruch in sich. Und ich denke, dem würde CM auch zustimmen.

Und wie ich sie verstehe, müsse auch die kollektive Identität eines (progressiven) nationalen "Wir" eine radikal-pluralistische sein (und nicht etwa eine völkisch- oder ethnisch-monistische), so dass die Konflikte weiterhin permanent demokratisch ausgehandelt werden können (und nicht scheinbar ein-für-allemal autokratisch).

Zudem finde ich ihre Gegenüberstellung oder vielmehr agonale Frontstellung zwischen "Liberalen" vs. "Demokraten" bzw. "Freiheit" vs. "Gleichheit" etwas - wie sie selbst zugibt und wohl dem Format geschuldet ist - etwas gar verkürzend. Denn auch wenn es Familienähnlichkeiten gibt, sind alle, die jeweils unter diese Kategorien fallen, nicht deckungsgleich.

  • Freiheit: Liberale, Radikale, FDP, Linksliberale, Sozialliberale, Rechtsliberale, Wirtschaftsliberale, Neoliberale, Kapitalisten, Libertäre, etc.

  • Gleichheit: Demokraten, Sozialisten, Sozialdemokraten, SP, sozialistische Demokraten, Kommunisten, Anarchisten, etc.

Auch gibt es manch Überschneidungen zwischen diesen beiden (nicht notwendigerweise) "verfeindeten Lagern".

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Chantal Mouffe repräsentiert eine Linke der das Subjekt abhanden gekommen ist. Das Subjekt ist ihr nur noch als Teil des revolutionär handelnden Kollektivs denkbar. Wo ist der Unterschied zu Xi Jinping? zum Projekt des chinesischen Kollektivismus?
Mouffe beschwört eine Umkehr, wo nicht nur die „Klasse“ sondern auch jedes andere Subjekt kaum noch revolutionär handlungsfähig erscheint. Sie fordert ein neues Kollektiv, eine neue Allianz.
Mouffe will für die (linke) herrschende Elite die notwendigen Diskursmaterialien aufzeigen / liefern. Verdienstvoll? Zweifellos sichert sie sich den Platz im Himmel oder zumindest auf dem Platz des himmlischen Friedens. Freiheit und jede Herrschaft, nicht nur der Demokratie sind ein Gegensatz; aber sie sind auch ein sich ergänzendes Paar. Und auch Brüder und Schwestern sind wir allemal. Mouffe hat vielleicht recht, wo sie keine (unmittelbaren) Erfolgsaussichten mehr sieht für eine Politik der liberalen Demokratie. Werden wir darum die Freiheit sowieso verlieren? Brauchen wir unsere Individualität sowieso nicht mehr? Werden wir alle Chinesen?
Das Individuum, die Freiheit muss in der Vision von Chantal Mouffe in einem Kollektiv des „wir oder die anderen“ aufgegeben werden. Die expansive Hegemonie Gramscis, die Diktatur des Proletariats, das sich wieder einmal neu benamsen will, das kennen wir doch, auch wenn es jetzt „radikale und plurale Demokratie“ heissen will. Die permanente Revolution fordert von uns ein Opfer! Haha wir ziehen in die Schlacht! Die Herrschenden fordern Blut, früher oder später, oder denkt Ihr nicht, liebe Brüder und Schwestern? Der von Chantal Mouffe geforderte Pluralismus stillt nicht einmal die bescheidensten liberale Bedürfnisse. Die geforderte Hegemonie verlangt unsere Selbstaufgabe!
Schwierige Zeiten scheinen noch schwerer auszuhalten als notwendige Widersprüche.

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Chantal Mouffe, ziemlich sperrig und für mich als Nicht-Politikwissenschafter oft unklar: Wie stehen nun Demokratie und Liberalismus, Neoliberalismus und Postdemokratie zueinander? Was ist der Unterschied zwischen der Theorie des Klassenkampfs und der These eines Konflikts zwischen Unterschicht/Volk und Elite/Bourgeoisie? Und ich meine doch, dass Diskurs, Aufklärung schon etwas ändern würden. Natürlich wollen das die Finanzeliten vermeiden und instrumentalisieren dazu insbesondere Politiker, Wissenschafter und die Massenmedien: Manipulation statt Information. Überhaupt nichts Neues. Verständlich dargestellt und seriös recherchiert von Paul Schreyer "Die Angst der Eliten - Wer fürchtet die Demokratie?" und im Buch "Fassadendemokratie und tiefer Staat - auf dem Weg in ein autoritäres Zeitalter", herausgegeben von Ullrich Mies und Jens Wernicke.

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Sehr aufschlussreiche Analyse von Chantal Mouffe. Ihre Vorschläge sind interessant, aber wenig an konkreten politischen Realitäten gemessen. Schade, dass die Fragen nicht aus Schweizer Sicht gestellt werden. Beispielsweise zum Rechtspopulismus, der hier schon deutlich vor 2005 Erfolge hatte, parallel zu Haiders FPÖ. Oder wenn von Bernie Sanders die Rede ist, könnte man auch feststellen, dass sein Programm mit den Forderungen der SP Schweiz fast deckungsgleich ist. Auch zum Stichwort Brexit, gibt es mit den Flankierenden Massnahmen (FlaM) zur Personenfreizügigkeit ein Erfolgsrezept der Schweizer Gewerkschaften gegen die britischen Defizite. Und ganz generell: Wie sieht "Linkspopulimus" unter der Bedingung von Volksinitiativen und Referenden aus?

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«Wir brauchen einen Populismus von links»

Herzlichen Dank für das Klasse Interview mit sehr lesenswerten Positionen von Chantal Mouffe.

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Vielen Dank für das exzellente Interview mit Chantal Mouffe. Für mich ein zentraler Satz: "Ich bin überzeugt, dass es eines der Grundprobleme der Linken ist, dass sie die Wichtigkeit von politischen Affekten nie wirklich begriffen hat." Ein Beispiel in Deutschland, das mich extrem ärgert, sichtbar zuletzt in Chemnitz: Die Linke lässt sich das Schwarz-Rot-Gold der deutschen Republikaner und die damit verbundene emotionale Aufladung von der Rechten klauen.

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warum einen populismus von links? !!
wir brauchen selbst denkende menschen!
bis bald @GEDANKENBANK

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Tolle und vielfältige Beiträge in der ersten Woche, ich gratuliere zum neuen Feuilleton und freue mich auf Kommendes. Einen Wunsch habe ich: Bitte schickt eure Leute in möglichst viele Gegenden der Schweiz. Und was die Rubrizierung Ihrer Beiträge betrifft, kann ich nur unterschreiben, was Ariane Tanner schreibt: Verwirrend und hoffentlich leicht zu ändern.

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Gewichtungen in der «Republik»

Das Feuilleton ist gestartet, was inhaltlich sehr begrüssenswert ist. Da die Redaktion allgemein so furchtlos und offenherzig um Rückmeldung auf ihr Tun bittet, möchte ich ein paar Beobachtungen in den Raum stellen. Diese betreffen in erster Linie die neue formale Präsentation der «Republik», welche mich aber ins Nachdenken darüber bringt, welche inhaltlichen Gewichtungen die Redaktion vorgenommen hat.

Neu gibt es nun vier anwählbare, sagen wir mal, «Reiter» auf der Startseite: Magazin, Feuilleton, Feed, Rubriken (ich gucke mir das immer auf dem smartphone an).

  • Wenn ich das «Magazin» anwähle, sehe ich die Kacheln mit (nur vermeintlich) allen Artikeln.

  • Wähle ich «Feuilleton» an, dann sehe ich die Kacheln, teils die gleichen wie unter «Magazin», welche dem «Feuilleton» zugerechnet wurden, plus neue Artikel.
    Das ergibt eine meines Erachtens etwas seltsame Trennung. Denn das Feuilleton gehört ja nunmal auch zum Magazin, erhält hier aber fast einen Parallel-Magazin-Status. Gleichzeitig ist ja den LeserInnen auch klar geworden, dass schon seit Beginn der Republik einige Artikel erschienen sind, die dem neuen Feuilleton zugerechnet würden, ohne dass sie so geheissen hätten (ein gutes Beispiel seit dem Feuilleton ist «Borderland»).

  • Gut, dann wähle ich also den «Feed» an, worin ich abermals alle Artikel finde wie unter «Magazin», aber in anderer Darstellungsform, plus die Newsletter. Und zusätzlich weitere Texte, die weder unter Feuilleton noch unter Magazin erschienen. Man muss wissen, dass diese Texte hier zu finden sind, sonst verpasst man sie einfach.
    Das ist bedauerlich, das Verpassen, aber in der jetzigen Ordnung, worin einiges verdoppelt, anderes erst zusätzlich auftaucht, wenn der Rest schon verdreifacht ist, unvermeidlich ist.

  • Als letztes wähle ich noch die «Rubriken» an. Darin finde ich aus dem «Magazin» nur diejenigen Artikel, die einer Rubrik zuzuordnen sind. Alle andern haben keine ‘Verschlagwortung’ und sind nicht sichtbar.

  • Das Feuilleton hat eigene inhaltliche Schlagworte, was ein Novum für Artikel in der «Republik» ist. Dort kann man sich thematisch orientieren.

  • Schliesslich folgen noch die neu eingeführten Ameisen, die ebenfalls eine inhaltliche Ordnung bekamen.

  • Weiter unten abermals (zum vierten Mal in gewissem Sinne) die «neuesten Beiträge».
    Unter «Rubriken» sehe ich nicht, was an Themen im «Magazin» bisher abgedeckt und geleistet wurde.

Die formale Präsentation auf der Startseite mit den vier anwählbaren «Reitern» - Magazin, Feuilleton, Feed, Rubriken – weckt den Eindruck, dass das Feuilleton keine neue Rubrik innerhalb des Magazins ist, sondern eine inhaltlich klar strukturierte Enklave (mir fällt kein besseres Wort ein) der «Republik». Dagegen fällt meines Erachtens das «Magazin» mit seinen nicht sichtbaren inhaltlichen Schwerpunkten formal ab.

PS: Diesen Post habe ich vor einer Stunde auch unter "Dialog mit der Redaktion" publiziert, er gehört aber auch hierhin, wie mir scheint.

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Widerspruch und Aufhebung. Anmerkungen zum «Anti-Manifest»

Daniel Binswanger stellt zuerst einen Gegensatz zwischen autonomer und instrumenteller bzw. politisch instrumentalisierter Kunst fest, und inwiefern die avantgardistischen Programme, diesen Gegensatz zu entgrenzen und aufzuheben, sich in der einen oder anderen Form verwirklicht haben. Dann macht er sich stark für eine Rückkehr zur Autonomie, die eine Abkehr vom Politischen bedingt. Fügt dann aber an, dass Kunst bzw. die ästhetische Dimension immer schon proto- oder gar hyper-politisch ist, in dem es die «Grundlagen unseres Weltbezugs, unseres Gemeinschaftslebens, unserer politischen Affekte» bildet und eine «Neuaufteilung des sinnlich Wahrnehmbaren» leistet. Und da man in diesen fundamentalen (Kunst-)Dingen nur streiten kann, ist auch DB’s These, dass «Kulturkampf» das Gegenteil von «Kultur» ist, etwas zu relativieren (etwa mit der Hinzufügung von «demokratisch-pluralistischer» Kultur).

Von der «Kunst» macht er dann den Sprung zur «Kultur» und von dieser zum »Kulturjournalismus» - Von «l’art pour l’art» zu «feuilleton pour feuilleton» sozusagen. Dabei übergeht er sowohl den Umstand, dass «Kultur» ein viel weiterer Begriff ist als «Kunst», als auch die Tatsache, dass ein Kulturjournalismus immer auch eine «instrumentelle Zweckmässigkeit» impliziert. Und zwar jene der Selektion, Information, der Interpretation, der Vermittlung und der Einbettung.

Ich geh aber mit DB einig, dass ein rein «politisches Feuilleton» - etwa in Scheu’er Manier - eine dogmatische und «geistlose Schrumpfform», ja eine zweckentfremdete Instrumentalisierung des «Feuilletons» darstellt. Doch selbst DB fordert - nach dem er sich so sehr für die Autonomie stark machte - die «intellektuelle Bewältigung» sozialer, politischer, ökonomischer und kultureller Krisen in Form von «schöngeistigen» Debatten. Stellt dies nicht ein performativer Widerspruch dar?

Was könnten also DB’s widersprüchlich erscheinende Maximen für die konkrete Umsetzung eines Republikanischen Feuilletons bedeuten?

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Der Begriff «Eklektizismus» aus dem «Anti-Manifest» ist für mich stellvertretend für das Feuilleton als Medium: Ich verstehe es nicht, und es wirkt unnötig abgehoben und kompliziert. Bevor ich mich als Republik-Verleger näher damit beschäftigt habe, wusste ich nicht einmal, was ein Feuilleton eigentlich ist und was alles hinein gehört.

Ich stelle mir immer einen intellektuellen Über-50er vor, der in grauem Anzug in seiner Bibliothek auf seinem Landsitz sitzt (sorry für die sprachliche Entgleisung mit dem Sitzen im Landsitz), und in einer Zeitung mit unpraktisch grossem Format das Feuilleton aufschlägt. Mit einem nachdenklichen «Hmm» und «So so» liest der dann einen Bericht über ein Theater, eine Oper oder ein Interview mit einem Dichter. Also eigentlich all die Kunstformen, wo schon der Staub von der Decke rieselt wenn man nur darüber liest weil's so trocken ist. Wen interessiert das denn?

Mein Wunsch: Macht statt einem «Feuilleton» doch einen «Kulturbereich» (oder «Kultur-Resort» wenn's journalistischer klingen soll, aber immerhin so, dass man sich etwas darunter vorstellen kann), in dem aktuelle Kunstformen behandelt werden aus Bereichen, die auch Jemanden interessieren. Nebst Büchern, Filmen etc. werden auch Comics, Games, Streetart, interaktive Ausstellungen, Illustrationen besprochen. Also Kunstformen, die auch ein Publikum haben und die trotzdem einen Anspruch haben können. Wer meint, Comics seien seichte Unterhaltung für Kinder, lese mal etwas wie «Maus».

Und egal was ihr im Feuilleton macht: Arbeitet mit Bildmaterial und gestalteten Inhalten, aber bitte bitte bitte keine ewigen Bleiwüsten.

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Grundsätzlich begrüsse ich die neue Rubrik "Feuilleton" sehr. Allerdings wünschte ich mir, dass diese Artikel vermehrt illustriert werden, wenn sich dies anbietet. Ein Interview, wie es mit Pierre-Laurant Aimard geführt wurde, würde m.E. sehr viel "lebendiger", wenn gleich ein entsprechendes Tonbeispiel beigefügt würde.

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Ich wünsche mir, dass Kunst für Kinder und Jugendliche wertschätzend und kritisch besprochen wird. Bücher, Theater, Film, Tanz. Es gibt Perlen, die auch Erwachsene mitbekommen sollten. Und die Grenzen - was ist für welche Zielgruppe - sollten auch durchlässiger werden.

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«Doch auch wer die dadaistische Erweiterung der Performance ins post-surrealistische Bewegtbild in Videos und Installationen erleben möchte, kommt in Zürich auf seine Kosten.» (Auszug zur Besprechung der Zürcher Galerien). – Sorry, das ist das typische «Kritikergeschwurbel», wie wir es von der NZZ et al bereits kennen (lest mal die Saalblätter in vielen Ausstellungen!). Vollkommen abgehoben. Im Republik-Feuilleton wünschte ich mir u.a. einen kritischen Diskurs zu einer Sprache zu/über Kunst, zu sogenannten «Kunstdiskursen», die kein normal Sterblicher, aber sehr wohl kunst-/kultur-/deisgninteressierter Mensch versteht. Design ist sowieso näher am Alltag von Menschen. Ihr müsst hier aufpassen, dass Ihr nicht einseitig eine bürgerliche Kulturschickeria bedient.

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Ich habe da eine allgemeine Anmekerung: Habt Ihr gemerkt, dass die NZZ sich grosse Mühe gibt, Euch nachzuahmen (Reportagen, Hintergrundberichte)? Dies aber – meiner Meinung nach inhaltlich nur teilweise einlöst? Teils aber schon. Was mich stört: Euer Layout ist genau so konventionell (wenn nicht zum Verwechseln ähnlich), wie das der NZZ (vice versa). Natürlich habt Ihr eine hippere Typo und so. Trotzdem: Etwas experimentelleres würde da schon drinliegen, scheint mir. - Weiter zum Feuilleton, das ich grundsätzlich begrüsse. Dass die Republik hier eine Schwäche hat/hatte, war kaum zu übersehen. Frage: Wird die Kulturberichterstattung wirklich zeitgenössisch bzw. mehr als das (Underground, zukünftige Tendenzen), wenn Ihr alle 'alten Hasen' der bestehenden Feuilletons (Binswanger, Villiger Heilig) abzieht? Hier junge, spannende Stimmen zu hören, würde ich mir wünschen. Da besteht ein echtes Defizit. – Trotzdem immer die Eure und totaler Fan. A

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Ich bin positiv überrascht, danke. Ich bin aber auch etwas besorgt: Was ist mit eurem Versprechen, nicht mehr als drei Beiträge pro Tag zu bringen?

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«Dem Journalismus stellt Balzac kein gutes Zeugnis aus. Einiges in seinem Roman erinnert an die aktuelle Schieflage der Dinge ((welcher genau, bitte benennen?)). Die Republik sieht hier ihre Chance ((welche??)). Für all jene, die auch in Zukunft Wert legen auf Tiefgang in der kulturellen Auseinandersetzung, lanciert sie das Republik-Feuilleton.» – Frage: Wer Eurer Leser*innen kennt Balzac?? Muss man seine Werke kennen, um am aktuellen Kunst-, Literatur-Diskurs teilhaben zu können? Das ist ein konservativer, bildungsbürgerlicher Anspruch! Hmm.

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Manifeste haben es (nicht) in sich: Etwas "handgreiflich machen" oder "handgreiflich werden" sagt es schon: es soll fassbar, begreifbar gemacht werden. In einer Welt, in der kaum noch jemand den Griffel in die Hand nimmt, und wo Handgreiflichkeiten eher intellektuell ausgetragen werden, genügt dies aber nicht als Erklärung für die Ausrichtung eines publizistischen Gefässes, weil Manifeste manchmal zu weltfremd, nur original sein wollend, ihr Ziel auch nicht erreichen, das da heissen müsste: die Ausrichtung eines Mediums zu deklarieren, Absichtserklärungen oder dann halt
Programmiervorgaben festzuhalten. Ein Programm zu erstellen ist aber im Bereich der Kultur eventuell gar nicht möglich/sinnvoll. Daniel Binswanger schreibt vom Recht der Kunst, unverfügbar sein zu können/bleiben. Das kann sie, wenn sie gekauft wird, das kann sie nicht, wenn Werke digital geraubt werden, was ja in grossem Stil geschieht, Copyright hin oder her. In einer Welt, in der Leben gemäss Camus absurd ist, sind es Kunst und Kultur natürlich ebenso. Der Avantgarde-Begriff ist von den Futuristen und Dadaisten für sich zu recht in Anspruch genommen worden. Letztere haben die Absurdität ad absurdum geführt und sind darum noch immer erfrischend konstruktiv.
Die Postmoderne ist ebenfalls bereits Mainstream geworden, ist im tieferen Sinne absurd, kann aber längst nicht alle modernen Kunstrichtungen umfassen.
Und mit Verlaub, Frau Laube, "Kritikergeschwurbel" müssen wir alle auf jeden Fall vermeiden, einverstanden.

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Kultur braucht Kritik. Selbstverständlich. Stell dir vor, du setzest etwas in die Welt, und niemand reagiert darauf. - Vorab braucht Kultur Aufmerksamkeit. Deshalb sollte am Anfang die Frage stehen: Wer und was verdient Aufmerksamkeit - und Kritik.
Die Republik setzt ein wichtiges Zeichen - und widerspricht damit explizit den Banausen, die meinen, heute gebe es dringendere Themen als kulturelle.
Als Churchill im Zweiten Weltkrieg geraten wurde, die staatlichen Zuschüsse für Kulturprojekte zu kürzen, soll er geantwortet haben: „Wofür kämpfen wir dann noch?"

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Harmlose „Goldene Tropfen und surreale Sümpfe“

Der Artikel passt in ein Stadtmagazin, das dazu da ist, den Saisonauftakt der Zürcher Galerien zu promoten. Von der Republik erwarte ich kritische Analyse zeitgenössischer künstlerischer Positionen. Dada und Surrealismus waren radikal gesellschaftskritisch. Dagegen ist die „politische Botschaft“ einer veganen Lebensführung geradezu rührend harmlos.

Wenn ein Kunstwerk mehr als acht Sekunden betrachtet werden will, dann braucht es Gehalt. Da die aktuelle bildende Kunst über einen dekorativen Anspruch selten hinauskommt braucht man ihr auch nicht mehr Zeit zu widmen als den Accessoires in einem Möbelhaus.

In Zukunft gerne Hintergründiges aus Kunstbetrieb und Kunstmarkt. Bitte an der Oberfläche kratzen!

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Ich bin echt besorgt über die Feuilleton-Geschichte. Haben hier Binswanger et al übernommen, weil Consti et al hier schwach auf der Brust sind?

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Frage an Radio Eriwan: Was ist der Unterschied zwischen der TagesWoche und der Republik? Antwort: Es gibt keinen Unterschied. Beides sind spannende, lokale Onlinemedien.

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Wir bedanken uns für den Mut, den es heute scheinbar braucht und den ihr habt, ein Feuilleton zu betreiben. Hätte man dieses nicht einfach Kultur-, Kunst- oder Leseecke nennen können? Ich würde "Non-Business", "Extrablatt" oder "Dessert" besser finden als die zu recht von Barbara Villiger Heilig als veraltet bezeichnete Benennung Feuilleton. Andere Zeitungen nennen es einfach "Wochenende", "Kulturjournal", wie wäre es mit "Kult"?

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