Aus der Redaktion

Das «Feedback ans Feuilleton» ist umgezogen

Das Feuilleton ist lanciert, erstes Feedback umgesetzt. Zeit, diese Feedback-Seite in den Ruhestand zu schicken.

03.09.2018

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Wir haben unsere Dialogseite generalüberholt. Und das Feuilleton hat seine ersten Schritte gemacht. Ein guter Moment, den Austausch über unsere Kulturberichterstattung auf die neue Dialogseite zu verlagern.

Wir werden diese alte «Feedback ans Feuilleton»-Seite selbstverständlich online lassen. Die Kommentarfunktion ist auf dieser Seite aber deaktiviert.

In diesem Sinne: Danke für Ihre Beiträge – und wir freuen uns, Sie am neuen Ort wiederzusehen!

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Im Artikel: «Fortnite Battle Royale» ist kein brutales Kriegsspiel.

Hm, schaue ich den Trailer von Fortnite, schaudert es mich ... ich kann Beata Sievi nur zustimmen. Braucht's das oder reicht es nicht doch auch schon, was Tag für Tag in der Newsmedien zu sehen und lesen ist?

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Vielen Dank für die heutige Besprechung zu Héloïse Letissier. Ich freue mich, dank dem Feuilleton immer wieder spannenden Künstlerinnen zu begegnen, von denen ich sonst wohl nie erfahren hätte.

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Zu Fortnite:
Der Beitrag liest sich als Text für Leute, die gar nicht in der Materie stecken. Das ist ok, wirkt aber etwas oberflächlich. Interessant (und auch den themafremden Leser nicht unbedingt überfordernd) wäre gewesen, wenn schon von den Mikrotransaktionen und Emotes die Rede ist: Zur Zeit gibt es Rechtsstreitigkeiten mit diversen Leuten, die das Urheberrecht an Tanz-Moves beanspruchen, die Epic verkauft. Passt prima in ein Feuilleton, zeigt wie interdisziplinär das Medium Games ist und man kann nach Belieben noch Kapitalismus- oder Kulturkritik einbauen.

Jedenfalls toll, das Games auch bei der Republik den Eingang ins Feuilleton finden. Da gäbe es so vieles, was man diskutieren kann, von Massenmarktphänomenen wie Fortnite bis zu interessanten Indie-Spielen, Spielen als Aktivismuswerkzeug und Aufklärung über das Medium, seine Eigenheiten und Möglichkeiten u.v.m.

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Lieber Herr C.,

besten Dank! Sie sprechen einen ganz wichtigen Punkt an: Wie allgemein muss, wie speziell soll es sein? Oder anders gesagt: Wie viel Wissen und Kenntnis setzt man voraus? Das ist eine Frage, die sich in einem Feuilleton ständig stellt. Und wir beantworten sie ganz bewusst so, dass es so inklusiv wie möglich sein soll – bei dennoch hohen Ansprüchen an Durchdringung und Informationsgehalt. Denn z.B. für den Austausch von Game-Nerd zu Game-Nerd gibt es ja entsprechenden Foren und Fachzeitschriften, das wollen wir nicht imitieren. Unser Ansatz ist eher der: Wenn es durch regelmässige Beiträge zu einem Thema dazu führt, dass das Vorwissen bei den Leser_innen steigt, umso besser – dann darf der Text auch gerne etwas voraussetzungsreicher werden. Will heissen: Das soll nicht der letzte Beitrag zum Thema gewesen sein. Und vieles, was Sie ansprechen, soll in kommenden Texten Berücksichtigung finden. Danke nochmals!

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Lieber Herr Graf,

Danke für Ihre Antwort, in dem Fall freue ich mich auf weitere Beiträge.

(Ich bin mir übrigens sicher, es lassen sich viele Dinge tiefergehend besprechen, ohne dass man den Leserinnen abverlangt, selber Intensivgamer zu sein. Wobei es schon oft an grundsätzlichem Verständnis fehlt, was das Medium ausmacht, sodass man oft in nicht-interaktiven, linearen Kategorien diskutiert, wie man sie aus anderen Medien kennt. Wenn's nach mir ginge, bräuchte es im Feuilleton (jetzt allgemein, nicht nur dem der Republik) erstmal ein paar Grundwissens-Artikel im Sinne von: was kann das Medium leisten, was zeichnet es aus und unterscheidet es von anderen?)

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Über den Beitrag zu Fortnite:

Ich weiss nicht recht. Was wolltet ihr genau mit diesem Artikel? Ich finde er ist nicht schlecht geschrieben und bietet dem Republik-Publikum wohl einen Blick in eine neue Welt. Ich finde es jedoch Schade, ebenfalls auf den Fortnite-Zug aufzuspringen. Genug Artikel sind dazu schon erschienen. Die beschriebenen Phönomene gelten auch für andere Spiele.

Ich finde es super, wenn ihr im Feuilleton auch über Games schreibt. Aber tut es wie beim Rest des Magazins/Feuilletons nicht wie alle anderen.

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Ich bin von dem Fazit des Artikels über daS. P.opuläre Game sehr entteuscht. Sollen jetzt nun nicht nur Kindern sondern auch Eltern dazu übergehen Spass am virtuelken Töten zwecks eigenes Überleben kultivieren? Sind das die ethischen Werte der Republik oder nur des Verfassers???

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D. W.
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Ist es denn wirklich so schlimm? Rambo et al töten seit Jahrzehnten weitaus blutrünstiger und lebensechter, die Pixel im Spiel leiden dabei nicht. Was hier geschieht ist lediglich die nächste Stufe der Abstraktion: Boxer hauen sich, es gibt Zuschauer, und später eben auch Spiele dazu, wo geboxt werden kann, ohne dass man einen Zahnschutz und Training braucht.

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Fortnite: Aufschlussreicher Beitrag. Aber kein Wort zur Genderfrage. Spielen das Spiel denn auch weibliche Wesen? Von welchem Geschlecht wurde Fortnite erfunden? Für welches Geschlecht? Welche Menschen, Kinder Jugendliche spielen es nicht? Sind wirklich alle von diesem Game erfasst worden oder eher nur ein bestimmter Typ Mensch?

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Ist das jetzt Voraussetzung, dass jeder Bericht über einen Sachverhalt die "Genderfrage" thematisiert?

Ich finde, kann man ja machen, muss man aber nicht.

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Guter Punkt. Meine beiden Söhne spielen wie verrückt. Meine Tochter interessiert sich nicht dafür. Die Söhne sagen: Manchmal spielen auch Mädchen mit (sie wissen das, weil, wie im Beitrag beschrieben, das Teamplay mit wechselnden Partnerinnen und Partnern, die irgendwo in der wirklichen Welt sitzen, wichtig ist), aber selten. Ihre Schätzung: 1 Mädchen auf 10 Buben.
Aber auch bemerkenswert: Meine Söhne ballern auch gern in weiblichen Skins herum.

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Minimal music, da wär ja dann auch noch John Cage, wie im Marthaler-Stück zu hören!

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Vielen Dank für die Beiträge von Tomas Bächli! Eine neue Welt gibt es mit ihm zu entdecken: „schön“ - eben wie sein Beitrag mit dem Komponisten Wehrli. Ich freue mich schon auf die weiteren Hörabenteuer.

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Bitte mehr von Alfred Schlienger, mehr Kino.

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"Die Vorstellung, dass das Internet nun eine Schule des Denkens und Argumentierens der Vielen wird, einschliesslich sehr unterschiedlicher Reflexionsniveaus und Diskussionsstile, mag anstrengend sein. Aber Aufklärung als gesamtgesellschaftlicheS. P.rojekt zu begreifen, verlangt auch, damit einen Umgang zu finden." (Aus: Bullshit-Detektor gesucht!)
Eine andere Institution, die zur "Schule der Demokratie" (oder des Denkens und des Argumentierens) ausgerufen wurde und mit der (aus heutiger Sicht) überrissene Heilsvorstellungen (vgl. etwa Alexis de Tocqueville) verbunden war, ist das Vereinswesen.
Während die Vereine sich bald (auch oder vor allem) als gesellschaftlich akzeptierter Rahmen für Besäufnisse entpuppten, tummeln sich in Internetforen (auch oder vor allem?) Lügner, Bull-Shiter und Trottel.
Vielleicht ist mit Kurt I. das "gute, intelligente Volk" halt doch ein "Mythos" - ein Mythos, den demokratische Gesellschaften indes aufrechterhalten müssen, soll diese Herrschaftsform legitim bleiben?

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Hier der Link zu einer berührenden SRF Reportage über die Bundesrätinnen der Schweiz. Bundesrätinnen als beliebte Bullshitkathalisatoren. Es kommt eine Schweiz zum Vorschein, die es geschafft hat durch Verbreitung von Bullshit (auch durch SRF) Frauen aus der Politik zu vertreiben.

https://www.srf.ch/play/tv/dok/vide…5cd6e895a7

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Bullshit-Detektor, Coca Cola Taktik: ich halte es ohnehin nicht für ein realisierbares Ziel
"Menschen auf seine Seite zu ziehen" Merkt Man/Frau doch sehr bald die Absicht und ist mit Recht verstimmt. Wer lässt sich denn schon irgendwohin ziehn. Freiheit ist: Wenn ich akzeptiere, dass sich jemand in einer mir völlig fremden "System" fest eingerichtet hat. Wenn ich aber trotzdem im Gespräch bleibe und mich als jemand verstehe, der berichtet davon, was ich erlebe, und vor allem, wenn ich das lebe, wofür ich stehe... Das bewirkt am meisten. Wie kann ich auf die Idee kommen den Bullshit mit Coca- Cola- Allgorythmen- Programmen aus der Welt zu putzen???? Ich bin da sehr optimistisch, was gute eigene Hygiene ausrichten kann, aber sehr pessimistisch, was der Anspruch an Sauberkeit und Säuberungsaktionen anrichten können, denn

Zeitungen melden uns was geschehen ist.
All das, was unterlassen wird, wird nicht gemeldet
Alles was nicht gemeldet wird, geschah aber trotzdem
Was aber gemeldet wird ,ist so gar nie geschehen....
Was tatsächlich geschehen ist, davon haben wir keine Ahnung...

Ja, so ehrlich muss dieses Dilemma schon angegangen werden!
Ich sehe und höre deshalb Dominic Nahr extrem gerne. Dem glaub ichs :))

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Bezüglich Bullshit-Detektor:

Die behandelten Themen sind zwar allesamt spannend, aber trotz allem verkopfte Prokrastination. Relevant für die Effektivität von Fake News ist die Mehrheit der Denkfaulen - da hilft keine Aufklärung, denn diese setzt nun mal Denkarbeit voraus. Wichtig wäre, dass diese Mehrheit sich im Zweifelsfalle an Vertrauenswürdige Institutionen hält. Und hier liegen die Probleme:

  1. Viele traditionell vertrauenswürdige Medien verlieren an Reichweite, sowohl Presse als auch Radio und Fernsehen.

  2. Neue Kanäle versuchen erst gar nicht, diese Rolle einzunehmen, wie z.B. Gratiszeitungen oder der weltweite Stammtisch Social Media.

  3. Ökonomischer Druck, auch unsinnige oder nicht stichhaltige Nachrichten zu publizieren, insbesondere bei werbefinanzierten Medien.

  4. Eine allgemeine Laissez-Faire-Kultur, welche der individuellen oder politischen Meinung mehr Gewicht einräumt als der Wahrheitsfindung. Das betrifft den Journalismus, aber auch offizielle Informationen von staatlicher Seite.

Gerade der letzte Punkt scheint mir etwas, was man gesellschaftlich anpacken muss und kann. Die Schweiz hat hier zwar ein relativ hohes Niveau, es ist aber durchaus üblich dass unangenehme Wahrheiten weggelassen werden. Wer die Abstimmungsunterlagen jeweils aufmerksam durchliest, versteht was ich meine. Das ist deshalb gefährlich, weil solche Auslassungen heutzutage sehr schnell viel Aufmerksamkeit erhalten können und die Glaubwürdigkeit der Institutionen untergraben. Entsprechend verleihen sie auch den Fake-News Auftrieb.

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Sehr geehrter Herr W.

vielen Dank für Ihren Beitrag. Wenn die Themen in dem Essay für Sie "allesamt spannend" sind, freut mich das schon mal. Unklar ist mir, was sie mit "verkopfter Prokrastination" meinen. Erklären Sies mir? Was ich schon sagen kann: Wir scheinen ein unterschiedliches Verständnis von Aufklärung zu haben. Sie schreiben: "Relevant für die Effektivität von Fake News ist die Mehrheit der Denkfaulen - da hilft keine Aufklärung, denn diese setzt nun mal Denkarbeit voraus." Hier würde ich sagen: Aufklärung ist eben nicht nur ein Set an Wissensbeständen, sondern eben gerade solche Denkarbeit. Denkarbeit liegt nicht vor der Aufklärung, im Gegenteil. Aufklärung ist die Haltung, dass Denkarbeit immer wieder neu die Aufgabe von uns allen ist. Und dass das nicht einfach nur eine Last ist, sondern darin ein grosses Versprechen liegt.

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Sehr geehrter Herr Graf

Ich habe das wohl zu wenig ausgeführt. So weit ich verstehe teilen wir die Auffassung, was Aufklärung sei. Mein Einwand wäre, dass realistisch gesehen eine Mehrheit der "Denkfaulen" nicht an der eigenen Aufklärung interessiert ist, und auch nicht zu motivieren ist. Siehe auch "News-Deprivierte" und die Artikel zu "No Billag" Anfang dieses Jahres.

Dies ist zwar bedauernswert aus Sicht der Aufklärer, sollte uns aber nicht daran hindern, die Risiken von Fake-News und den Vertrauensverlust in die Institutionen zu begrenzen. Unter genau dieser Prämisse war ja auch daS. P.lädoyer für ein staatliches Fernsehen hier in der Republik zu lesen.

Und ich denke dass wir eine gute Ahnung haben wo man praktisch ansetzen könnte, um das Vertrauen dieser Mehrheit zu erhalten - und wo wir es leichtfertig verspielen. Aus dieser Warte ist z.B. eine Verknüpfung von Lüge und Entropie durchaus eine spannende Überlegung, aber eben Prokrastination.

Gerade die intellektuelle Elite scheint mir so fasziniert vom Phänomen Fake-News zu sein, dass sie der Philosophie darüber viel zu viel Platz einräumt und sich vom Wesentlichen ablenken lässt.

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@Walpen:
ihr Zitat: "Wichtig wäre, dass diese Mehrheit sich im Zweifelsfalle an Vertrauenswürdige Institutionen hält."
Und was wenn ebendiese vertrauenswürdigen Institutionen gerade daS. P.roblem geschaffen haben?
Einstein zufolge kann ja nicht derjenige daS. P.roblem lösen, welcher es verursacht hat. Bestes Beispiel ist der Artikel zu dem wir hier schreiben, und damit ein Artikel aus der Feder eines Mitverursachers: ausser Worthülsen und elitärem Geschwurbel finde ich hier nichts Konkretes, was tatsächlich weiterhülfe.
Bevor die Schafe in der medialen Herde Zuflucht finden, sollte sich der Medienzirkus doch bitte schön zuerst mal ganz konkret um mehr Vertrauen bemühen. Vertrauen schafft man nicht mit Vernebelungsartikeln und schöngeistigem Fingerzeigen und Hörsaalgeschwurbel, sondern mit praktischen Massnahmen wie z.B.

  • eine kristallklare Unterscheidung von Fakten und Interpretation

  • Kein Faktum ohne eindeutig überprüf- und messbare Quellenangabe

  • kein willkürlichers Herausgreifen von Events einer Partei ohne den ganzen Kontext (Ursachen) zu liefern

  • Mehr authentischen Text von Menschen die live dabei waren und Fakten bezeugen können, anstatt Zeugs von Schreibtischschreibern, die auch nur wieder von anderen abschreiben, die sich in derselben angloamerikanisch geförderten Peergroup bewegen.

  • Vertrauen in die Leser, dass sie sich auch selber ein Gesamtbild aus Einzelpunkten schaffen können, und deshalb keine medialen Vorsager brauchen, die meist selber wieder fremdgesteuert vorkauen, wie man das Ganze zu sehen hätte.

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Wenn diese Institutionen daS. P.roblem selbst geschaffen haben, dann sehe ich sie auch in der Pflicht diese Vertrauenswürdigkeit wieder herzustellen. Und wenn diese Institutionen zum Gemeinschaftsprojekt Staat gehören, so sind wir alle in der Pflicht.

Ansonsten gehe ich mit Ihnen einig, dass sich die Medien selbst an der langen hölzernen Nase nehmen sollten. Die von Ihnen erwähnten Kriterien sind auf jeden Fall wichtig für die interne (und externe) Qualitätskontrolle, ich halte aber eine allgemeine Kultur der Integrität und Aufrichtigkeit für wichtiger als strikte Regeln.

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Das ist richtig, allerdings sind die Mächtigen in einer Demokratie keine homogene Gruppe. Was ich bemängle ist die dort verbreitete Kultur des gegenseitigen Schonens, sowohl was aufrichtige (offizielle) Kommunikation wie auch Transparenz bei Lobbying und Interessensbindungen angeht.

Aber das ist keine unumstössliche Realität, wir hätten Einflussmöglichkeiten um Druck aufzusetzen und den Massstab höher anzulegen - in den Medien oder mit einer Initiative.

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Zitat: "Das Verschweigen von Wahrheiten und Wahrheitsmanipulation durch Propaganda sind altbewährte Herrschaftstechniken, die in allen Systemen funktionieren."
Heute habe wir neue Systeme, und es ist mir noch nicht so klar, wie sie genau auf diese "alten" Techniken wirken.
Ich könnte mir vorstellen, dass Bürger den neuen Systemen vertrauen und glauben die "alten" Propagandatricks könnten mit der neuen "Transparenz" nicht mehr funktionieren - obwohl eigentlich eher das Gegenteil der Fall ist.
Die zentrale Frage ist es wohl, WER die neuen Systeme und damit unseren gesamten Meinungsbildungsprozess zunehmend und alternativlos kontrolliert und ob das gut wäre.
Das sieht man ja auch hier in der Republik: Es ist nicht möglich gegen die Redaktion anzuschreiben. Sie kontrolliert das Forum hier, löscht was nicht passt und mobilisiert die dumpfen, kommentarlosen Liker welche die vorherschende Meinung der Redaktion "legitimiert".

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Anonymous
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Sehr geehrter Herr Biland,

vielen Dank für Ihr Statement. Darin würde ich vieles unterschreiben, nicht zuletzt die Beobachtung, dass Erzählungen eine immense Macht haben und Überzeugungen oft stärker und nachhaltiger prägen als Fakten. Auch das ist ein Grund, weshalb mein Essay davor warnt, die Diskussion auf einer rein argumentationslogisch-theoretischen Ebene zu führen. Die Herausforderung besteht darin, den menschlichen Faktor einzuberechnen. Erfolgreiche Strategien können deshalb nicht als All-in-One am Reissbrett entworfen werden, sondern setzen Urteilskraft, also Unterscheidungsfähigkeit voraus. Es geht deshalb nicht um einen bestimmten Wissenskatalog und Programme, sondern um die Kernkompetenz der Urteilskraft, und zwar mit einer reflexiven, also selbstkritischen Komponente: Wer die Aufklärung ernst nimmt, muss sie immer auch auf sich selbst anwenden.
Sehr interessant ist Ihr Punkt mit der reinen Wahrheit, über die wir nur selten vollständig verfügen. Hier würde ich Ihre Beobachtung teilen, aber den gegenteiligen Schluss ziehen. Was Sie ansprechen, hat wiederum mit dem von Philipp Hübl thematisierten Unterschied von Wahrheit und Wahrnehmung zu tun. Und damit, dass wir als Menschen mit unseren Erkenntnismitteln eben verdammt eingeschränkt sind (glücklicherweise oder fatalerweise, das wäre selbst eine lange philosophische Diskussion). All das heisst aber gerade nicht, dass es gleich gute Gründe gibt, die Dinge so oder so zu sehen. Hier beginnt das Nachdenken und das Sich-Auseinandersetzen erst. Die Frage ist dann, WIE wir diskutieren. Und mit diesem Wie entscheiden sich auch Fragen von Ignoranz und Respektlosigkeit; nicht darüber, dass es an bestimmten Punkten gute Gründe geben kann, eine ideologische Position zu kritisieren und darauf zu beharren, dass auch und besonders Fragen der Weltanschauung nicht einfach relativ sind. Denn es gibt solche, die die Rechte der Anderen respektieren und solche, die das nicht tun - bis hin zur Aberkennung des Existenzrechts.

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@Biland,
Ich denke, das ist alles richtig was sie hier schreiben. Hilft aber nicht weiter. Und GENAU DAS ist daS. P.roblem. Das elende Geschwurbel welche die ganze Verwirrung geschaffen hat, kann diese Verwirrung nicht auflösen.
Wir brauchen einfache, griffige Dinge und anstatt lange im Abstrakten zu diskutieren sollten wir einfach mal mit dem Naheliegensten anfangen - hier, jetzt und dort wo man kann weil man selber weiss.

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Bullshit-Detektor gesucht

Dickes Lob dafür, dass der Artikel das, was er an unzulänglichem Journalismus kritisiert, selber besser zu machen versucht: Von reichhaltigen Quellen bis hin zur Courage, Argumente nicht nur gegenüber zu stellen, sondern Position zu beziehen.

Zu den Lösungsvorschlägen (ich habe zwei herausgelesen, womöglich standen mehrere drin) von:

  • mehr Kompetenzerwerb an Schulen
    und

  • dem Setzen auf AI

bin ich hingegen etwas emttäuscht. Ersterers ist m.E. notwendig, aber nicht hinreichend; Letzteres womöglich eine Methode, daS. P.roblem nur auf nächster Stufe wieder anzutreffen? (Unklar.)
So oder so wäre mir an dieser Stelle der ethische Hinweis lieb, dass gerade auch Algorithmen viel Zerstörungskraft haben können (auch der “Wahrheit“), gerade weil sie selbstverstärkend arbeiten (können).
Oder kann mich hierin jemand besser aufklären?

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Sehr geehrte_r S. P.,

Haben Sie vielen herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung. Sie sprechen wichtige Punkte an, vielleicht beginne ich mit dem letzten. Ihre Sorge hinsichtlich des Zerstörungspotentials von Algorithmen teile ich, würde hier allerdings immer hinzusetzen: Algorithmen werden immer noch von Menschen programmiert und eingesetzt, gerade ihr Missbrauch folgt handfesten Interessen und findet vor dem Hintergrund konkreter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen statt. In Diskussionen wird der Algorithmus manchmal dämonisiert als eine dunkle, diffuse Macht. Stattdessen sollten wir die Aufmerksamkeit auf die politischen Fragen lenken: Welche Interessen stehen jeweils hinter ihrem Einsatz? Welche Rahmenbedinungen erleichtern algorithmengestützten Machtmissbrauch und Manipulation? Wie müsste politisch gegengesteuert werden? Das hiesse über Formen deS. P.lattform-Kapitalismus (Facebook, Amazon & Co.) zu sprechen und darüber, was dies mit neoliberaler Ideologie und Politiken der Deregulierung zu tun hat. Direkt damit verknüpft: Fragen von Datenschutz und Maschinenethik. Kurzum: lauter sehr weite Felder, für die im Rahmen dieses Essays kein Platz war (oder nur zum Preis von Oberflächlichkeit).
Zur Frage der Lösungsvorschläge. Bei Ihrem ersten Punkt sind wir uns ja vollkommen einig: Kompetenzerwerb an Schulen ist notwendig, aber keinesfalls hinreichend - genau das war ja auch das Argument meines Textes. Zum zweiten Punkt: Auf AI zu setzen kann als alleinige Forderung m.E. niemals funktionieren, es wäre vielmehr brandgefährlich. Entscheidend ist eine Kombination aus AI und menschlicher Anti-Bullshit-Kompetenz. Wir müssen die Möglichkeiten von AI nutzen, indem diese Mittel zu unserem Zweck sind, nicht umgekehrt. Die Ergebnisse einer Anti-Bullshit-App beispielsweise bräuchten eine redaktionelle Überprüfung und Einordnung.
Allgemein würde ich Ihre Liste z.B. um die folgenden Punkte erweitern:

  • Verstehen als Grundvoraussetzung: die "Lehren" bei Hübl & Co. sind schon ein ganz zentraler Schritt zur Lösung - wenn wir die Konsequenz daraus ziehen

  • Vernetzung der Wissensbereiche statt Lagerdenken

  • Aufklärung als gesamtgesellschaftliche Bewegung, nicht als Elitenprojekt

  • Aktivität statt Defätismus

  • aktives Hinwirken auf mehr Sichtbarkeit für die konstruktiven Beiträge. (Hass, Frust, Unzufriedenheit scheinen stärkere Motoren für Meinungsäusserungen zu sein als Zustimmung. Dadurch entstehen massive Schieflagen in der Repräsentation)

  • strategisches Denken statt blosse Empörung

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bez. AI
AI ist ja lediglich ein Sammelbegriff für Dinge in unendlicher Mannigfaltikeit. Damit kann man eigentlich noch gar nicht sagen, wofür sie taugt und wofür nicht, resp. stimmt ja gerade dieser Abstrakte AI Begriff mehr Verwirrung als das er hilft.
Wir sollten - und AI ist hier nur ein Beispiel - viel weniger im Abstrakten schwurbeln und uns viel mehr auf KONKRETE Anwendungen konzentrieren (Bilderkennung, Klimaforschung, etc.). Nur so bildet sich Wissen: Am Konkreten. Leider ist gerade das eine Fähigkeit, bei der die meisten Journalisten nicht mitkönnen. Sie sind i.d.R. zu weit von der Sache weg, um wirklich einen Beitrag zu leisten. Und gerade im teschnischen Sektor, verstehe ich nicht, Warum oft Leute über Technik schreiben, die im Unterricht zu den Schwächsten in Sachen Logik gehörten. Klar kann man das "lernen. Aber Komplexität wird nicht von Menschen beherrscht die Komplexität gelernt haben, sondern von denjenigen welche dazu geboren sind - Talenten sozusagen. Aber eben diese findet man gerade nicht in der Journalistenzunft.
Und weil Journalisten damit nur im Abstrakten können (und nicht weil sie das müssten) wissen Leser eben selten , wie es WIRKLICH ist - zumal ja dann meist auch die Links und Kanäle fehlen um beim Experten nachfragen zu können. Somit triggern Journalisten gerade durch ihre nicht selbstgewählte, sondern einzig mögliche Vereinfachungen oft Diskussionsbedürfnisse ohne die Fakten und Grundlagen zu liefern die man für eine gute Diskussion bräuchte.
Auch wenn Puppenhäuser helfen die Welt zu verstehen, ist ein Puppenhaus eben noch lange nicht das richtige Ding. Und DESSEN sollten wir uns alle viel mehr, Jouranlisten und Leser, bewusst werden.

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Guten Tag, ich wünsche mir im Feuilleton mehr zu Kunsthandwerk und Handwerkskunst. Sei es Textiles, Keramik, Bildhauerei, Hutmadcherei, Buchbinderei oder Berufe die fast ausgestorben sind.

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wenn ich auch nicht jedes Wort verstanden habe...diese Musik redet direkt zur Seele..
Ein spezieller Beitrag, danke!

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ich gloib nisch dus a geweinlicher schweizer ken versteijn dus mameloschn as dus hot a sach werter fin loschn hakoidesch, fin russisch, poilisch, in afile fin amerikanisch

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Sie haben schon Recht, Herr Strassberg. Aber zur Not gabs ja noch immer die Übertitel. Und die Überraschung war (ich schreibe das ja auch im Text), dass ich viel mehr verstand, als ich angenommen hatte. Herzlichen Dank für den ersten jiddischen Post auf unserem Forum (und danke, dass Sie die Schreibweise ohne hebräisches Alphabet gewählt haben).

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di sugst takisch den emes, ober es is gewein a groisse simche
(Übersetzung: Sie haben natürlich recht, aber es hat Spass gemacht.)

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Danke für die Ankündigung zum neuen Buchclub. Leider werde ich den Livestream nicht mitverfolgen können, da ich arbeiten muss, aber ich wünsche Ihnen allen eine angeregte Runde.

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...wenn man lieber darüber spricht, statt die Bilder zu zeigen. Oder wenn der Kritiker wichtiger wird als der Autor.

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Da ich seit meiner Kindheit sehr, sehr gern lese, bin ich immer am meisten gespannt, im Feuilleton zu Literatur zu lesen und Bücher neu zu entdecken.
In diesem Sinne vielen Dank für alle Buchrezensionen und Theorien darüber!

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Vielen Dank für die Besprechung von „Nach dem Gedächtnis“ (Stepanowa). Habs noch nicht gelesen, wurde aber dank BVH mit Sehnsucht nach der Lekrüre erfüllt!

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Es lohnt sich... danke!

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ganz toll, die beiden Beiträge von th. bächli über kurtàgs oper!! gerne weitere solche Beiträge über besondere opernerlebnisse (zeitgenössische!)

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In der Tat, danke auch von meiner Seite für eine der wenigen (die einzige?) gelungene Rezension, die ich in der deutschsprachigen Medienwelt bisher finden konnte - nicht mit der grossen Kelle (und leider zu oft korrelierend: der leeren Geste) angerichtet, sondern von der Erfahrung (und der Fachkenntnis) ausgehend.

Leitmotive konnte ich beim zweiten Hören auch nicht erkennen, bin aber auch nicht vom Fach. Und inzwischen liegt ja eine Aufzeichnung vor (RAI und DLF haben die Oper ausgestrahlt), an der man das vielleicht dereinst näher prüfen mag. Bei mir wird jedoch noch eine längere Zeit das Live-Erlebnis im Kopf herumschwirren, das von einer Aufzeichnung nicht gestört werden mag.

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Danke für die Posts! Wir haben ja, um dem akustischen Gedächtnis etwas auf die Sprünge zu helfen, ein Audiofile in die Besprechung (bzw. das Hörprotokoll) von Tomas Bächli eingebettet - bei mir hat es durchaus gewirkt...

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Sehr gut und nötig, die Pervertierung ursprünglich erhabener liberaler Ideen in der heutigen Wirtschafts-Argumentation zu entlarven. Locke ist ein guter Einstieg; als nächstes wäre der Moralphilosoph Adam Smith an der Reihe. Juristische Personen mit beschränkter Haftung sollten sich nicht hinter der „unsichtbaren Hand“ des Marktes verstecken können, die Smith mit moralischen Gefühlen und Risikoaversion begründet. Gesellschaften ohne persönliche Haftung haben keine moralischen Gefühle - Smith musste sich wohl im Grab umdrehen, als diese Rechtsformen in der Mitte des 19. Jahrhunderts zulässig wurden, womöglich noch mit „liberalen“ Argumenten.

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Als daS. P.rojekt der "Republik" bekannt und Geld gesammelt wurde, hielt ich es für selbstverständlich, dass etwas von der Geistesart des Textes von Strassberg zum Grundkonsens des Redaktionsteams gehören würde. Wozu wäre sonst Unabhängigkeit nötig?, dachte ich. Weit gefehlt. Immerhin mal im Feuilleton - ein Versehen?, ein Versuchsballon?

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Lieber Herr Lüssi, darf ich nachfragen, was Sie genau meinen? Warum sollte die Strassberg-Kolumne ein Versehen sein? Und warum sollte sie nicht im Feuilleton stattfinden? Wenn ich Ihre Reaktion richtig erahne, dann würde ich antworten: Die Republik ist keine Partei, sondern ein Medium – entsprechend sind eine Vielzahl von Haltungen nicht nur möglich, sondern sogar erwünscht. Unabhängig heisst, niemandem nach dem Mund zu schreiben – auch nicht den Leserinnen.

Herzlich!

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Lieber Herr Moser

Vielleicht etwas deutlicher: Warum ‚nur‘ im Feuilleton? Auf mich wirkt das, als wollte die Republik den Text verstecken, irgendwie verschämt als apolitisch qualifizieren.
Solche Artikel gehören zum Magazin, und zwar mit einer fetten Kachel!
(Zu Feuilleton lese ich im Duden-online ‚literarischer, kultureller oder unterhaltender Teil einer Zeitung‘.)

Sie reagieren treffend: Es geht um Haltung. Das im Artikel bearbeitete Spannungsfeld zu den Begriffen ‚Liberal, Linke, Individuum, Staat ... ‘ steht in direktem Bezug zum Titel unserer Publikation: Republik. ReS. P.ublica verstehe ich als Rahmen, welcher Staat zuersteinmal als Teil von Gesellschaft versteht. Dieser Rahmen erfordert zwingend einen Diskurs über die Begrenzung dieses Teils und liberal als Kriterium ist mir dabei sehr willkommen. Neoliberal als Ideologie von der Staat ist zuersteinmal Bedrohung des Individuums steht aber in starkem Widerspruch dazu.
Natürlich sind verschiedene Haltungen willkommen, auch Ideologen, die ihre neoliberalen Positionen auch in der Republik vertreten. Sie müssen aber vermutlich mit der Rolle von Dissidenten (*) leben können. Oder etwa nicht?

Beste Grüsse, K.A.

(*) Das Interview mit Roger K. betrachte ich als gelungenen Versuch zum Einbezug nationalkonservativer Positionen.

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Eine Vielzahl von Haltungen, wobei es hier um Grundhaltungen geht? Nein, das ist nicht das, was ich mir unter einem Medium vorstelle, das mit dem Versprechen von Unabhängigkeit aufgetreten ist. In einer Welt, die daran ist, an der Aggressivität des, neuerdings global, herrschenden Wirtschaftssystems zugrunde zu gehen, gibt es unter unabhängigen Kommentatoren keine Vielzahl von Grundhaltungen.
Freundliche Grüsse!

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Feddback zur Kommentarfunktion:

Es wäre gut, wenn man seinen Up- bzw. Down-Vote zu einem Kommentar annulieren könnte, ohne gleich das Gegenteil stimmen zu müssen. Manchmal vertippe ich mich einfach, oder möchte schlicht z.B. meine Zustimmung zu einem Kommentar zurückziehen, ohne deswegen gleich eine ablehnende Stimme abzugeben. Also von +1/0 zurück auf 0/0, und nicht zwangsweise auf 0/+1, bzw. umgekehrt. Das scheint zur Zeit nicht möglich.

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Danke für das Feedback. Haben wir auf dem Radar.

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Ich verstehe hingegen überhaupt nicht, warum es diese thumbs up/down-Funktion überhaupt braucht. Eine der idiotischsten Erscheinungen in der "Republik" wie auch in der Restwelt.

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Herr Strassberg, ich gratuliere Ihnen zu Ihrem gelungenen Artikel "Ökonomische Grausamkeit". Sie sprechen mir aus der Seele...
Freiheit wird immer mehr zu einem Luxusgut, das nur jene für sich beanspruchen und ausüben können, die Macht haben. Der Neoliberalismus stellt die Freiheit einiger wenigen Privilegierten ins Zentrum. Ich wünschte mir, dass die Gesellschaft wieder mehr zu Kants Freiheitsbegriff zurück orientiert; meine Freiheit endet da, wo Deine beginnt.

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Danke Herr Strassberg, danke Herr F., danke Immanuel

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Titel und Vorspann haben mich zum Lesen von Daniel Strassbergs Gedankensplitter animiert. Interessant war dann leider nur der Gedanke, wie Liberale Locke auf den Kopf stellen. Bei manchen Sätzen habe ich mich jedoch gefragt, ob das der Autor ernst meinst. Zum Beispiel:
"Obwohl ich meistens Sozialisten wähle und mit ihnen abstimme,..." - Wo lebt der Autor? In der Schweiz? Welche Sozialisten meint er? Die Sozialdemokraten? Welche sozialistische Politik verfolgen die noch?
"Armut, Hunger und Ausbeutung sind fraglos Formen der Grausamkeit, doch sie gehen nicht vom Staat aus." - Glaubt der Autor wirklich, dass Armut, Hunger und Ausbeutung nie vom Staat ausgehen? Da fragt man sich, welche Länder der Autor kennt. Zu diesen Grausamkeiten sind wir leider alle fähig: der Markt, der Liberalismus, der Sozialismus, der Staat, Individuen. Beispiele gibt es dafür genug auf dieser Welt. Wie der Autor hier vereinfacht und verkürzt, ist ärgerlich. Ist die Anzahl Zeilen beim Gedankensplitter beschränkt?
"Willkür und Grausamkeit sind durch eine höhere Macht gerechtfertigt. Nur heisst sie heute nicht mehr Gott, sondern Markt." - Der Markt die einzige höhere Macht hinter Willkür und Grausamkeit? Wenn es denn so einfach wäre! Wie ist das zum Beispiel in Russland? In Syrien? Im Kongo? In Venezuela? In Kuba? Oder anderen Ländern, wo Menschen Willkür und Grausamkeiten ausgesetzt sind? Es gibt neben dem Markt x andere Gründe für Willkür und Grausamkeiten - und womit diese gerechtfertigt werden. Wobei, gerechtfertigt werden diese ja von den Verantwortlichen selten, sondern viel mehr abgestritten und verschwiegen.
Die Welt und ihre Grausamkeiten in einem Gedankensplitter in links oder liberal zu teilen - irgendwie ging das am Ende nicht ganz auf.

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Zum Artikel von Jens Balzer "Küss mich an meinen Geschlechtern!".
Zu aller erst möchte ich klar stellen, dass ich es eigentlich begrüssenswert finde, dass ihr über die queere Community schreibt, euer Umgang mit Trans und Gender Themen hat aber bis jetzt viel zu wünschen übrig gelassen. Meine Empfehlung ist, dass jemand im (oder das gesamte) Redaktionsteam sich ernsthaft mit der Thematik auseinandersetzt.
AlS. P.ublikation die über diese Themen berichtet habt ihr eine grosse Verantwortung da ihr den öffentlichen Diskurs um diese Themen als legitime quelle von Information, lenkt.
Wie ihr bis jetzt über diese Themen berichtet habt verfestigt verurteile und kann sowohl den Personen über die ihr berichtet wie auch der Trans community im allgemeinen schaden.
So kann es nicht sein das ihr einen Artikel publiziert der behauptet ein Mensch wolle nicht weiblich gegendered werden, aber ihr dann genau das im ganzen Artikel macht.
Dies ist der Person über die im Artikel geschrieben wird gegenüber respektlos und kann den Leser*innen den Eindruck verleihen, dass es auch im alltäglichen Umgang mit Trans Menschen okay ist ihnen mit diesem fehlenden Respekt gegenüber aufzutreten (das ist es natürlich nicht!).

Ein Beispiel für einen Artikel der die non-binary Identität besser verstanden hat:
https://www.byte.fm/blog/alben-der-…che-82230/

Ich lege euch ans Herz wenigstens diesen Medienguide für die Berichterstatter über Trans Themen zu beachten:
https://www.transgender-network.ch/…dienguide/

und bei allfälligen Fragen diese email Adresse zu benutzen:
medien@transgender-network.ch

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Im Namen der Redaktion möchte ich herzlich für dieses Feedback danken. Denn Sprache ist nicht nur unser Werkzeug als Schreibende; es ist auch ein mächtiges Instrument, mit dem Realität nicht nur abgebildet wird, sondern das auch Tatsachen schafft. Insofern ist es für uns zentral, immer wieder neu über Fragen der Sprache – und mit selbstkritischer Dimension besonders auch unserer Sprache – zu diskutieren. Das gilt umso mehr, wo Irritationen oder schlimmstenfalls auch Verletzungen entstehen, die unserer eigenen Intention ganz entgegenstehen. Wir möchten deshalb gerne den hier begonnenen Dialog mit dem Transgender-Network fortführen und Sie in die Redaktion einladen. Dazu werden wir über die angegebene Adresse Kontakt aufnehmen.
Vielleicht verstehen Sie, dass ich dennoch auch versuchen möchte, Jens BalzerS. P.osition noch einmal aus einer etwas anderen Warte zu beleuchten. Ich denke, es ist wichtig, die Haltung eines Autors der Form und dem Inhalt nach und mit Blick aufs Textganze zu bestimmen. Wenn man die zentralen Linien von Balzers Argumentation nimmt, scheint mir deutlich, dass der Autor Planningtorock und anderen Künstler_innen gerade nicht respektlos begegnet, sondern ihre politischen und ästhetischen Anliegen zu verstehen und zu beschreiben versucht: sowohl durch präzise Detailanalysen als auch durch Kontextualisierung. Er sieht das künstlerische Detail ebenso wie das gesellschaftliche Ganze. Auch so äussert sich meines Erachtens Respekt vor einer künstlerischen Arbeit wie vor einer (mit dieser Kunst direkt verknüpften und doch über sie hinausweisenden) Position. Völlig zurecht werfen Sie in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob der Autor als Konsequenz aus seiner Analyse nicht eine andere Form des Genderns hätte wählen müssen.
Hier würde ich gerne noch einmal zitieren, weil es hier in der Tat auf Details ankommt. Ich vermute, die aus Ihrer Sicht problematischste Stelle ist diese: „Planningtorock wurde 1971 in der Nähe von Manchester als Janine Rostron geboren, seit Anfang der Nullerjahre lebt sie als Musikerin in Berlin, seit Anfang der Zehnerjahre möchte sie nicht mehr als Frau angesprochen werden und hat darum auch ihren Vornamen in das neutrale Jam abgeändert. Die maschinelle Androgynisierung, die ihre Ästhetik heute bestimmt, findet sich erstmals auf ihrem 2014er-Album «All Love’s Legal».”
Die Frage, die im Raum steht, scheint mir diese: Ist der Autor hier ignorant gegen die eigenen Sätze, weil er von Planningtorock als „sie” spricht? Sie kommen vollkommen zurecht darauf zu sprechen und es scheint im konkreten Fall vor allem eine Frage der Pronomen zu sein. Darauf komme ich gleich zurück, finde es aber auch wichtig zu sagen, dass der Autor hier einige leider häufig anzutreffende Formen von Ignoranz gerade vermeidet: Er essentialisiert Geschlecht nicht. Er verwendet das Wort „Frau” gerade nicht (im Fortgang nennt er den Namen oder spricht von „Person”). Entgegen häufiger Narrative, in denen TranS. P.ersonen geschildert werden, als seien sie ein anderer Mensch geworden (vom Mann zur Frau oder umgekehrt), kann man Balzers durchgängige Verwendung deS. P.ronomens „sie” bzw „ihr” auch so lesen, dass es gerade die Konstanz der Ich-Persönlichkeit betont. Und inhaltlich sagt der Text ja: Passt auf, grammatisches Genus ist hier nicht im herkömmlich-binären Sinne von (weiblichem) Sexus zu verstehen.
Dennoch bleibt die Verwendung eineS. P.ronomenS. P.roblematisch, das Menschen nun einmal mit dem weiblichen Geschlecht in binärer Logik zu assoziieren gelernt haben. Insofern legen Sie völlig zurecht den Finger auf diese Punkte. Und wir würden gerne noch genauer von Ihnen erfahren, wie wir das in Zukunft besser machen können. Wie gesagt, wir nehmen Kontakt auf via Mail. Nochmals vielen herzlichen Dank!

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Danke für die ausführliche Antwort, zur Klarstellung ich bin nicht von TGNS, wollte einfach auf diese Ressource hinweisen.
Hätte ich wahrscheinlich von vornherein sagen sollen.

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Die 'Selbstbestimmungs'-Initiative
ermöglichte ein Mehr an Selbstbe-stimmungs-Willkür von Reichen
und Einflussreichen (Parteien, Kon-
zernen, Lobbisten) zur Manipula-
tion von werbemässig erzeugten 'Mehrheiten' zu deren Nachteil.
Die Benachteiligten könnten sich,
wenn's drauf- und drankommt,
nirgendwo mehr hinwenden, um
wirksam Recht zu fordern, weder
im Land selber noch irgendwo aus-
serhalb. Der grossen Mehrzahl von
kleinen, einzelnen Bürgern bringt's gravierende Nachteile: Rückfall ins Vorgestern!

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Ich bin mir nicht sicher. Gab es in früheren Zeiten auch solch wichtige Artikel wie der Queere über Poopmusik? Anders gefragt, ist es relevant welches Geschlecht oder welche Haarfarbe ich habe? Ich bin etwas irritiert pber dieses Schubladisieren.
Bitte um Erklärung.
Hier noch etwas Statistik zur Relevanz:
Die Uno und die Organisation Intersex International (OII) gehen davon aus, dass bis zu 1,7 Prozent der Weltbevölkerung als intersexuelle geboren werden. Damit hat ein Kind die gleiche Wahrscheinlichkeit, intersexuell oder rothaarig zu sein. Tatsächliche Zahlen fehlen jedoch, was zu grossen Unterschieden in den Schätzungen führt. In Deutschland werden etwa 100'000 Personen mit unklarem Geschlecht geboren.

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Lieber Herr L., Ihre Frage kann ich insofern nachvollziehen, als es in der Tat wünschenswert wäre, Geschlecht und sexuelle Orientierung spielten in unserer Gesellschaft keine so wichtige Rolle, weil eine moderne, offene Gesellschaft jede_n nach der eigenen Façon leben lässt. Leider, scheint mir, sind wir davon aber meilenweit entfernt. Jens Balzers Text schildert das meines Erachtens sehr anschaulich und macht klar, warum das eben gerade kein Thema ist, dessen Relevanz sich auf Intersexuelle beschränkt, sondern uns alle betrifft. Sie können sich das aber auch ganz empirisch vor Augen führen, wenn Sie z.B. auf der Republik-Facebook-Seite den Thread zu dem Artikel lesen (oder im Grunde auch jeden anderen Thread zum Thema). Da zeigt sich dann sehr schnell, wie es um Toleranz und Gelassenheit in weiten Teilen der Bevölkerung bestimmt ist. Und kommt nicht gerade von dort, von Teilen der Mehrheitsgesellschaft das eigentlich problematische Schubladisieren: nämlich die Aufteilung in "Normale" und "Hassenswerte"; in "Gesunde" und "Kranke"?

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Lieber Herr Graf
Durch daS. P.ermanente tägliche erwähnen, beschreiben, Artikel schreiben über ein Thema ärgert man viele Leute. Das kann auch aus journalistischer Sich nicht das Ziel sein, weil man sonst die Leser verliert.
Jederman will sich betroffen fühlen. Im Augenblick geht mir das dauernde Beschreiben des Queer-Lebens auf den Sack. Leute die gleichgeschlechtlich lieben sind genau so wichtig wie die, wie das andere Geschlecht bevorzugen. Und indem Journis sanft die Leute dahin führen, gewöhnen sie sich an diesen "neuen" Zustand in der Gesellschaft. Menschen die Angst haben beschränken sich auf den Schutz ihrer selbst.

Einmal einen Artikel über den Buchhalter einer KMU der gerne Spielzeugeisenbahnen baut, schreiben. Dann mal einen Artikel über die Hobbies des intersexuellen Musikers. Und danach der Portugiese der am Tag Häuser baut und in der Nacht Fado singt. Einfach ein wenig mehr Diversivität, bitte. Das öffnet Augen, Ohren und Herzen.

Und Popstars liessen sich noch nie gerne schubladisieren... oder?

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Gegen das "Instrument der Volksinitiative" hat ja auch niemand etwas gesagt - schon gar nicht Oliver Diggelmann in dem Interview. Er weist lediglich auf den "Konstruktionsfehler" hin, der dadurch entsteht, dass jede Volksinitiative bei Annahme neues Verfassungsrecht schafft. Auch wenn diese neue Verfassungsrecht altem entgegen steht. Und weil Volksinitiativen auch derart formuliert sein können, dass sie keinen Spielraum mehr lassen, ihr Anliegen mit bestehendem Recht zu "versöhnen".

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