«An der Bar» mit Lukas Bärfuss

Der Schriftsteller über das Stück, das Donald Trump aufführt; über die bürgerliche Welt, die ins Wanken gerät; über den Zukunftsoptimismus, den Liberale und Linke verloren haben; über das Reaktionäre, das immer da ist; über das Scheitern der Nation, das Versagen der FDP. Und über sein Lebenselixier. Mit Lukas Bärfuss endet die erste Staffel von «An der Bar».

Mit Roger de Weck (Moderation), 25.07.2018

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«Es sind gute Zeiten, um Shakespeare zu lesen», sagt der Autor von Stücken, Romanen und Essays (zuletzt «Krieg und Liebe») über die Trump-Jahre: Wer sie begreifen will, führt sich am besten die Stilmittel grosser Dramaturgen vor Augen – und hört auf die «Zaubersprüche» dieses Präsidenten, die (so wie «ein Ja im Standesamt das Leben verändert») eine neue Realität setzen: «Eine Lüge wird durch Wiederholung nicht zur Wahrheit, aber zur Tatsache.»

Nationalisten spalten die nationalen Gesellschaften, und dieser Riss zieht sich auch durch das bürgerliche und das linke Lager. Aber global tauschen sich Menschen verschiedenster Nationen mehr denn je aus, freut sich Bärfuss: Da ergeben sich spannende Koalitionen – zum Beispiel hätte der Schriftsteller nie gedacht, dass ein «ultraliberaler Thinktank wie Avenir Suisse» und er sich in der Schweizer Öffnungs- und Europapolitik so nahe stünden.

Bärfuss lobt die Kaufleute, die immer für Öffnung sind – und geisselt die Linke, «die sich selbst in die Krise gebracht hat». Frage von Moderator Roger de Weck: «Sie gelten als Linker – sind Sie einer?» Antwort: «Bitte definieren Sie ‹die Linke›!» Linke und Liberale hätten jenen Zukunftsoptimismus verloren, der sie immer wieder einte – die Zäsur gehe auf die Finanz- und Vertrauenskrise von 2008 zurück: In den Demokratien sei der Mehrheit des Volks, das Solidität statt Exzesse wolle, seine Ohnmacht vorgeführt worden.

«An der Bar» – ein politisches Gespräch auf literarischem Hintergrund.

Was Sie im Beitrag erwartet: 

– Die Trump-Dramaturgie, 00:25;
– Wir eroberten den Raum, aber nicht die Zeit, 05:00;
– Angeschlagenes bürgerliches Selbstverständnis, 09:50;
– Provokateur wird provoziert, 17:20;
– Das Disruptive wird überbewertet, 21:25;
– Die Rückzugsgefechte der Nation, 23:30;
– Das Versagen der FDP, 26:35;
– Lob der Kaufleute, Kritik der Linken, 30:15;
– Das Reaktionäre, das schon da war, 39:10;
– Die Schweiz – ihre Intellektuellen, 44:50.

Das Gespräch steht Ihnen auch als Audioversion zur Verfügung:

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Debatte: Ihr Feedback zur ersten Staffel «An der Bar»

Was hat Ihnen besonders gefallen? Was hätten wir besser machen können? Worüber haben Sie sich vielleicht sogar genervt? Und wen möchten Sie in der Zukunft gern als Gegenüber von Roger de Weck sehen? Debattieren Sie heute ab 13 Uhr in unregelmässigen Abständen und von 16 bis 19 Uhr intensiv mit Miriam Walther Kohn, sie war als Dramaturgin und Netzwerk-Redaktorin an Konzeption und Umsetzung der ersten Staffel beteiligt. Hier gehts zur Debatte.

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