Anmelden

Debatte

Darf der Bund die Schweizer Medien retten?

Diskutieren Sie mit Autor Manuel Puppis, Camille Roseau, Hansi Voigt, Simon Jacoby und Robin Schwarz.

17.07.2018

Unabhängiger Journalismus kostet. Die Republik ist werbefrei und wird finanziert von ihren Leserinnen. Trotzdem können Sie diesen Beitrag lesen.

Wenn Sie weiterhin unabhängigen Journalismus wie diesen lesen wollen, handeln Sie jetzt: Kommen Sie an Bord!

Die Schweizer Medienbranche steckt tief in der Krise. Die Digitalisierung macht sich vor allem an zwei Stellen extrem bemerkbar: bei den Kontroversen um das Online-Angebot der SRG und der Finanzierungskrise der Tageszeitungen. Der Bundesrat reagiert mit einem neuen Mediengesetz.

Aber reichen die geplanten Massnahmen aus, um die Medienlandschaft zu stabilisieren? Ist es überhaupt die Aufgabe des Bundes, sich einzumischen? Ist die Unabhängigkeit der Medien gefährdet, wenn sie Mittel des Bundes annehmen? Wo sehen Sie die Hauptgründe, dass die Branche überhaupt so schwer in die Krise geraten ist?

Lesen Sie den Artikel «Erdbebenhilfe für die Medienlandschaft» von Manuel Puppis und diskutieren Sie heute von 9.30 bis 10 Uhr und von 14 bis 15 Uhr mit dem Autor, ausserdem von 9.30 bis 10 Uhr mit Camille Roseau (WOZ), ab 9.30 Uhr mit Robin Schwarz (Verband Medien mit Zukunft) und von 15 bis 16 Uhr mit Simon Jacoby (Tsüri). Zudem nimmt der Medienunternehmer Hansi Voigt während des gesamten Zeitraums bis 17 Uhr unregelmässig an der Debatte teil.

Ihr Interesse an dieser Republik-Debatte freut uns sehr. Wollen Sie daran teilnehmen? Werden Sie jetzt Verleger und Abonnentin.

neu laden

Die Debatten sind manchmal ein gewaltiges Durcheinander (vor allem, wenn sich sehr viele Leute daran beteiligen), weil oft nicht klar ersichtlich ist, auf welche Aussage sich die einzelnen Rückmeldungen beziehen. Auch die zeitliche Abfolge der einzelnen Beiträge scheint mir nicht transparent. Ich wäre der Redaktion dankbar, wenn sie sich überlegen könnte, die Übersichtlichkeit in diesem Sinn zu verbessern (wenn das überhaupt möglich ist). Danke.

10
/
0
(unsichtbar)
1
/
1

Wir wissen,dass die reichweitenstarken Portale wie watson (Werbung) und auch hybridfinanzierte Portale wie Tagesanzeiger (Paywall/Werbung) ein Problem haben. Für viele Werbekunden ist das Facebook-Targeting effizienter und erfolgreicher als die Bannerwerbung auf den Medienportalen. Ergo: Online-Werbegelder fliessen hin zu Google und Facebook.

Wie löst man dieses Problem? Beide Angebote würden ja bei Verzicht auf Online-Werbegelder zusammenbrechen, da eine wichtige Säule wegbricht. Sollen alle bestehenden und neuen Medienangebote rein auf Aboeinnahmen setzen?

Auch wenn es eine wunderschöne Utopie ist. Ich denke, hier muss der Staat in irgendeiner Form Infrastrukturhilfe leisten und zwar bei allen Online-Medienangeboten (unabhängig von Text/Audio/Video-Format). Ich glaube nicht, dass ein Leistungsschutzrecht à la Deutschland/EU die Lösung ist, weil Google/Facebook sich darum foutieren werden für jeden geposteten Medien-Link eine Gebühr an die Medienverlage zu entrichten.

Man kann entweder seine gesamte Energie gegen die Tech-Konzerne richten. Das halte ich allerdings kurzfristig für eine Energieverschwendung. Oder Infrastruktur-Hilfe leisten, in einer fairen Form.

6
/
0

Darf man fragen welche Form von Online-Infrastruktur Sie sich da vorstellen? Eine allgemeinere Art Mediathek oder Publikationsplattform? Die Tech-Konzerne bieten das ja eigentlich schon alles, inklusive Publikum - ausgenommen Vergütung und Unabhängigkeit...

Wäre es da nicht besser, den Journalismus direkt zu finanzieren und den Vertrieb über die sowieso etablierten Tech-Konzerne zu machen? Es geht ja auch weniger um Nischenprodukte wie die Republik, sondern um eine möglichst grosse Breitenwirkung für ausgewogene Berichterstattung.

0
/
0

Natürlich darf man:) Ich meinte damit das bestehende Mediengesetz auszuweiten auf weitere Formate (und ja, damit die Förderung/Finanzierung des Journalismus gemeint, geknüpft an einzelne Kriterien). Die qualitative Inhaltsproduktion ist immer noch das Teuerste, die technische Infrastruktur (je nachdem wieviel Ownership und Hoheit man sich leisten kann/will, wie die "Republik" zum Beispiel) weniger. Einfachere Medienseiten sind oft auf Wordpress gebaut.

1
/
0

absolut einverstanden - Medienförderung als ein Infrastrukturprogramm für Journalismus

2
/
0
B. S.
· editiert

4
/
4

Derzeit nehme ich eine steigende Zahlungsbereitschaft des Publikums/der Communitys wahr; gerade was digitale Medien anbelangt. Als gutes Beispiel dient sicher die Republik und auch wir bei Tsüri.ch machen die Hälfte des Umsatzes dank Member-Einnahmen. Wir neuen journalistischen Angebote müssen diese Geiz-ist-geil-Haltung halt wieder wegmachen.

Ich denke auch, dass mit neuen digitalen Zahlungsmöglichkeiten die Zahlungsbereitschaft massiv zunehmen wird. Sprich: Wenn uns die Geräte (Smartphones) und Zahlungsmittel (Kreditkarten/Applepay) erlauben, mit einem Klick/Tipp für einen Artikel oder ein Monatsabo zu bezahlen, dann machen es die Leute auch.

4
/
0

Genau, ich würde sehr gerne bei Zeitungen mit einem Klick einen für mich spannenden Artikel per Bezahlung frei schalten. Doch ist mir das Prozedere einfach zu langsam und zu kompliziert. Da versteh ich die Verlage einfach nicht, kann doch nicht so schwierig sein, das kundenfreundlicher zu gestalten.

5
/
0

Sehr geehrter Herr S., Sie haben recht, neben dem Einbruch der Werbeerlöse hätte auch noch erwähnt werden müssen, dass sich die Zahlungsbereitschaft nur sehr schwer abschöpfen lässt. Gratiszeitungen mögen diese Tendenz noch verstärkt haben; mit neuen Intermediären wie sozialen Netzwerken und Suchmaschinen wurde es dann aber problemlos möglich, Inhalte zu nutzen ohne zu bezahlen.

Der Vergleich mit NYC hinkt allerdings. Die Schweiz ist ein kleines Land und auch noch mehrsprachig und föderalistisch aufgebaut. Wir als Bürgerinnen und Bürger beteiligen uns auf Ebene von Gemeinden, Bezirken, Kantonen, Bund. Entsprechend braucht es auch Medien, die über all diese Ebenen berichten. Wir brauchen nicht nur Medien auf der nationalen/sprachregionalen Ebene, sondern eben auch solche, welche über Vorgänge in den Regionen und Gemeinden berichten und Politik wie Unternehmen auf die Finger schauen. Doch Medien in solch kleinen Gebieten sind halt häufig nicht auf dem Markt überlebensfähig.

5
/
0
B. S.
· editiert

0
/
0
(unsichtbar)
3
/
2

Der Gesetzesentwurf, aber auch die Analyse von Herrn P. kranken meiner Meinung nach daran, dass sie in der alten, auf der Unterscheidung verschiedener Medien-Kanäle basierenden Denkweise gefangen bleiben. Für die Anbieter von Printmedien, Online-Zeitungen, Blogs, klassischem Fernsehen, "online-Fernsehen" etc. sollen jeweils ganz unterschiedliche Regeln gelten. Also unterschiedliche Qualitätsvorschriften und Kontrollmechanismen, unterschiedliche Subventionierungsmöglichkeinen, unterschiedliche Rechte für einzelne Anbieter, bestimmte Kanäle zu bespielen (z.B. Online-Verbote für die SRG?). Mit dieser Denkweise landet man automatisch beim großen Gezerre und Geschacher zwischen den einzelnen Akteuren mit ihren jeweiligen Einzelintetessen. Wozu soll diese Unterscheidung in der heutigen Zeit noch gut sein? Neue Medien kommen, alte verschwinden. Teilweise fast schneller, als wir ein neues Mediengesetz aushandeln können! Aus Sicht der Bürger kann bei diesem Geschacher zwischen all den verschiedenen alten und neuen Technologien kaum etwas Gescheites herauskommen. Mir ist das Schicksal einzelner Medien-Formen oder -Anbieter (letztendlich auch der SRG) eigentlich ziemlich egal. Sehr wichtig ist mir jedoch, dass sichergestellt wird, dass unser Land auch in Zukunft mit qualitativ hochwertigen, sorgfältig recherchierten Informatiomen und einer Vielfalt von verantwortungsvoll präsentieren Sichtweisen versorgt wird. Und dass es auch in Zukunft genügend Schweizerische Unterhaltungs- und Informationsproduktionen gibt, die den Zusammenhalt und die konstruktive Auseinandersetzung zwischen den Bürgern unseres Landes, aber auch die Identität unserer unterschiedlichen Regionen fördert. Und zwar völlig unabhängig von den zu einem bestimmten Zeitpunkt jeweils gerade dominierenden Medien-Kanälen (wer weiß schon, was da noch alles kommen wird...?). Und auf jeden Fall so, dass sich JEDER Bürger und JEDE Bürgerin eine entsprechende Grundversorgung problemlos leisten kann. Beim neuen Mediengesetz sollte es m.E. also ausschliesslich um die Versorgung unseres Landes mit essentiellen INHALTEN und deren Qualität gehen, völlig unabhängig von den Kanälen, über die solche Inhalte verteilt werden, und ohne diese Kanäle unterschiedlich zu behandeln. Wir müssen gemeinsam festlegen, welche Verantwortung der Staat in Bezug auf die Produktion, Qualität und Verbreitung essentieller Inhalte in Zukunft haben soll. Und mit welchen generellen, kanalunabhängigen Instrumenten er diese Verantwortung wahrnehmen soll. Grundsätzlich gibt es da die üblichen Verdächtigen: Schaffung von passenden Rahmenbedingungen, Subventionen, Vergabe von Konzessionen, eigene Produktion von Inhalten durch den Staat, Regulierung von Angeboten und Inhalten. Die genaue Ausgestaltung eines geeigneten Instrumentariums mit diesen Grundmitteln ist anspruchsvoll. Die bisher diskutierten, in überholten Denkmustern behafteten Ideen sind leider noch viel zu weit weg von einem brauchbaren Ansatzpunkt.

13
/
0

Sehr geehrter Herr B.,

ich gehe mit Ihnen einig, dass eine Unterscheidung verschiedener Medienkanäle anachronistisch ist. Es geht um Journalismus, egal wie dieser erbracht wird. Gerade deshalb halte ich es ja für richtig, dass sich die SRG auch online betätigen kann und künftig nicht nur Regionalradio/-TV, sondern auch Onlineangebote mit Gebühren unterstützt werden können, und zwar Text genauso wie Audio und Video. (Allerdings: In der Schweiz ist eine direkte Förderung von Printmedien mit der heutigen Verfassung nicht möglich, die Presse profitiert aber von einer reduzierten Mehrwertsteuer und verbilligten Posttarifen für die Distribution. Dieses Fass wollte ich nicht auch noch öffnen.)

Hingegen halte ich eine Unterscheidung zwischen einem Service-public-Anbieter und privaten Medien weiterhin für sinnvoll. Private Medien haben, auch wenn sie Subventionen bekommen, niemals die gleichen Anforderungen zu erfüllen wie ein Service public, der auch den Bürgerinnen und Bürgern gegenüber rechenschaftspflichtig ist. Die Kombination unterschiedlich institutionalisierter Anbieter hat sich in Westeuropa bewährt. Und kann auch in der digitalen Welt funktionieren.

3
/
0
F. W.
· editiert

Eine schöne Bande - der Gesetzgeber scheut sich davor, zu definieren was denn unterstützenswerte Inhalte wären, die Zeitungspresse schaufelt sich ihr eigenes Grab, der Werbemarkt ist im Goldrush auf den Silicon-Valley-Zug aufgesprungen und die Konsumenten vergeuden ihre Zeit mit selbstproduzierten Online-Videos.

Allgemein orientiert sich der Vorschlag viel zu fest an bestehenden Konzernen und Kanälen. Dabei ist absehbar, dass die grossen Kanäle mittelfristig irrelevant werden. Auf YouTube interessiert niemanden ob ein Video von SRF ist, und wenn jemand auf Spotify noch aktuelle Nachrichtenblöcke oder Verkehrsmeldungen anbietet sind die Lokalradios hinfällig. Und zur gedruckten Presse muss man wohl nicht mehr viel sagen.

Deshalb wäre eigentlich klar, dass man wichtige Inhalte direkt fördern sollte, unabhängig von Vertriebskanal und Medium. Aber dazu müsste man darüber diskutieren, was denn wichtige Inhalte wären - und davor drückt man sich jetzt, wie man es auch während der Billag-SRF-Debatte getan hat.

Meines Erachtens wäre folgendes unterstützenswert:

  • Seriöser Journalismus von lokal bis national.

  • Eine unabhängige Nachrichtenagentur.

  • Ein Netzwerk von Korrespondenten rund um die Welt.

Wenn die so finanzierten Inhalte frei verfügbar sind ergibt sich das auch mit der Verbreitung. Alles andere ist Palliativmedizin.

12
/
2

Sehr geehrter Herr W.,

genau diese Debatte, was gefördert werden soll, findet doch statt. In der Konzession der SRG (zu der es eine öffentliche Anhörung gab) und jetzt im Gesetzesentwurf werden der Auftrag von SRG und privaten Medien mit Leistungsauftrag klar umrissen.

Und ich stimme zu, natürlich müssen diese geförderten Inhalte dann auf allen möglichen Kanälen und Plattformen ihren Weg zum Publikum finden, ob nun im klassischen Radio oder auf YouTube.

0
/
0

Sehr geehrter Herr P.,

ich habe mich natürlich nicht so ausführlich damit befasst, aber nach Lektüre Ihres Artikels habe ich den genau gegenteiligen Eindruck - die Debatte geht darum, wer gefördert werden soll, und wem welche Mittel erlaubt sein sollen. Und eben nicht darum, was gefördert werden soll, oder welche Ziele man erreichen will. Es wird über Institution und Format, aber nicht über den Inhalt diskutiert. Das ganze sieht mir mehr nach Mediation zwischen den aktuellen Medienhäusern aus, ohne weiterreichende Konzepte und Ziele.

Oder wo und bei welchen Themen sehen Sie konkret eine inhaltliche Debatte?

1
/
0

Der Vergleich mit einem Erdbeben ist falsch: Ein Erdbeben ist ein kurzes Ereignis. Der Einfluss des Internets steigt kontinuierlich, es ist seit 20 Jahren ein Massenphänomen.

5
/
2
Robin Schwarz
Verband Medien mit Zukunft
·

Nicht zwingend - es kommt ganz darauf an, in welcher Zeitspanne man denkt. Sie sagen, der Einfluss des Internets steige kontinuierlich seit 20 Jahren (ich würde noch den Release des ersten iPhones 2007 als signifikanten Moment in der Geschichte der Internetnutzung identifizieren) und verstehen das automatisch als grosse Zeitspanne. So rein technologieintern sind 20 Jahre tatsächlich ewig lange. Kulturgeschichtlich gesehen sind 20 Jahre aber ziemlich rasant.

Beispiele: Seefahrer haben rund 400 Jahre (!) damit verbracht, die Nordwestpassage zu finden, die den Seeweg nach Asien via Nordamerika ermöglicht. Ebenfalls rund 400 Jahre dauerte es, bis sich der Buchdruck alle Winkel der Welt erreichte.

2
/
0

Ich stimme ihnen grundsätzlich zu: es ist eine kulturgeschichtlich schnelle Entwicklung.

Denoch sicher kein Erdbeben. (Ihr Zahlenvergleich geht entsprechend auch nicht auf.)

0
/
0

Also konkret: die NZZ oder der Tages-Anzeiger können für ihr (wachsendes) Videoangebot auf nzz.ch und tagesanzeiger.ch Gebührengelder beantragen (wenn sie denn wollten) und würden Zuschläge erhalten? Aber nicht für das Rest-Text-Angebot.

3
/
0

die Formulierung im Gesetzesentwurf lautet: Medienangebote, die "im Wesentlichen mit Audio- und audiovisuellen Medienbeiträgen erbracht werden". Ich würde annehmen, dass damit nur Angebote, die hauptsächlich aus Audio/Video bestehen, Förderung erhalten könnten (also nicht: Geld für Audio/Video, kein Geld für den Rest). Und natürlich nur dann, wenn ein Anbieter eine Leistungsvereinbarung abschliessen möchte (und auch das Geld dafür erhält).

3
/
2

Was vorliegt, entspricht dem was wir so oft als Schweizerischen Kompromiss abfeiern: ein Murks in viele Richtungen. Sollte das so durchkommen, enden wir einmal mehr in der Mittelmässigkeit. Insofern auch ganz schweizerisch. Was wäre ein unschweizerischer Ansatz? Lernen von jenen beiden Akteuren, die dieses Jahr Schätzungen entsprechend 2 Mia. CHF aus dem Werbemarkt abzügeln.

Zum Beispiel könnten wir öffentlich anerkennen, dass es keine effektiveren Werbeinstrumente gibt als bei Google und bei Facebook Annoncen zu buchen. Dabei spielt nicht einmal die Tatsache eine Rolle, dass ich dabei theoretisch Millionen Schweizer*innen erreichen kann, das interessiert den Werbetreibenden oft gar nicht, sondern dass ich die avisierte Zielgruppe bis auf die Haarfarbe genau ansprechen kann. Daraus resultiert praktisch ein Null-Streuverlust. Während einer Kampagne weiß ich ganz genau, wieviele Menschen meine Botschaften erreicht haben. Nun legt der Bundesrat einen Vorschlag vor, der aus dem Internet so etwas wie wie ein Lokalinternet machen will. Analog zu den Lokalradios und Lokalfernsehen. Mir graut jetzt schon vor dieser Vorstellung. Diese Ballenbergisierung der Medienlandschaft endet wie der Ballenberg im Desaster. Welche Talente wollen sich schon in die Mittelmässigkeit einspannen lassen?
Eine Antwort auf den Benchmark Google und Facebook kann nur bedeuten eine Maschine zu bauen, die sämtliche digitalen Daten einbezieht, die auf Schweizer Territorium anfallen. Dazu gehören auch die mobilen Bewegungsdaten. Die haben Google und Facebook nicht in der Qualität wie sie die Swisscom hat. Diese Maschine liefert dann präzise Usedaten, die nicht nur Werbetreibende, sondern auch Planer, Politologen, Soziologen, Etnologen usw. interessieren. Zudem liefert diese Maschine dann auch Werbung aus auf sämtliche Plattformen, die eine entsprechende Datenpipeline zu dieser Maschine haben. Wenn der Bund schon Millionen investieren soll, dann in eine wettbewerbsfähige Infrastruktur analog zum Schienen- oder Strassennetz. Die Giesskanne soll er stecken lassen.

5
/
1

Ohne auf die massiven Bedenken einzugehen die ich bezüglich Datenschutz habe:

Ich denke, dass es eine Kombination aus Infrastruktur- und Anbieterförderung braucht. Eben genauso wie beim Bahnverkehr. Eine digitale Infrastruktur als indirekte Förderung, von der alle Medine profitieren. Und direkte Onlinemedienförderung für Anbieter, die eine Leistung erbringen, die sich auf den Markt nicht refinanzieren lässt, aber trotzdem zentral ist (wie der Regionalverkehr der Regionaljournalismus)

1
/
0

Ich könnte nicht mehr einverstanden sein, M. P.. Ich weiss aus eigener Erfahrung bei Tsüri.ch, dass es einerseits eine gute Infrastruktur braucht, die auch Kooperationen mit andern Medien zulässt, diese aber nicht die grösste Herausforderung ist. Eine direkte Förderung, die an einen Leistungsauftrag gebunden sein könnte und die Unternehmen beim grössten Kostenblock, dem Personal, unterstützt, ist zum jetzigen Zeitpunkt sehr wünschenswert.

1
/
0
Robin Schwarz
Verband Medien mit Zukunft
·

Ganz kurz zur Frage, welche Talente sich in die "Mittelmäsigkeit einspannen lassen": Eine ganze Menge. Eigentlich fast alle. Das hat aber nicht mit einer etwaigen Prinzipienlosigkeit der Talente zu tun, sondern schlicht damit, dass die meisten Medien halt mittelmässig sind. Trotzdem erlebe ich gerade viele junge Journalist*innen als äusserst engagiert. Was ich damit sagen will: egal, was passiert, vergraulen wird man die guten Journalisten nie ganz.

2
/
0

Was mich interessieren würde: ist eigentlich einer oder eine der hier anwesenden Experten der Meinung, dass Medien auch weiterhin ohne Geld vom Staat überleben können – so wie es Republik.ch vormacht? Kann sich diese Person bitte mal zu Wort melden?

Denn es ist ja völlig klar, dass abgeschlossene Leistungsvereinbarungen die Freiheiten, die man vorher (im Rahmen des freien Marktes) hatte, beenden. Die Medien werden dann in erster Linie darum kümmern, die Geldgeber zufriedenzustellen, die in Form von Beamten daherkommen und schauen, ob die Leistung auch der Vereinbarung entspricht. Und nicht in erster Linie darum besorgt sein, die Kunden, also die Abonnenten (mich und Dich!) und die Werbetreibenden, zufriedenzustellen.

Dazu muss man einfach nüchtern feststellen, dass die Medienvielfalt in der Schweiz und auf der Welt noch nie so gross war wie heute. Es gibt auch Leute, die behaupten, der Journalismus sei noch nie so gut gewesen wie heute. Und ausgerechnet in so einer Situation rufen Leute, die offenbar Mühe haben, sich im freien Markt zu behaupten, nach Staatshilfe? Ich lehne noch mehr Staatshilfe auch deshalb ab, weil es schon mehr als genug gibt. Die SRG etwa verbrät jedes Jahr 1,2 Milliarden Franken an solcher Staatshilfe, dazu kommen die Leistungsvereinbarungen unterliegenden «Privaten». Wenn schon, meine ich, sollte man sich bemühen, diese Geldflüsse vermehrt für demokratierelevanten Journalismus auszugeben – und nicht für ein beliebiges Allerlei, das die Medienleistungen von sich selbst finanzierenden, also echten Privaten konkurrenziert.

7
/
17

Der Staat als Finanzierer ist einfach auch ein Klumpenrisiko für ein Medium – Journalisten müssen sich meiner Meinung nach sehr gut überlegen, ob sie sich einem Medium mit Leistungsvereinbarung unterordnen wollen, denn sie verlieren damit einen Grossteil der Freiheit, die sie auf dem freien Markt haben. Man muss dazu nur mal den Gesetzesentwurf des Mediengesetzes lesen. X-fach heisst es darin «Der Bundesrat kann ...», «Die KOMEM kann ...» ...

Zum Klumpenrisiko: einige verschiedene Werbekunden und dazu, noch besser, sehr viele bezahlende Abonnenten, minimieren die Einflussnahme einzelner Player. Dazu ist ausgeschüttetes Staatsgeld, wie auch immer das organisiert wird, natürlich nie interessiert an echter, substanzieller Kritik am Staat. Das heisst: das Geld wird – natürlich mit allerlei schönen Worten umschrieben in Leistungsvereinbarungen – nur jenen verteilt, die nicht wirklich staatskritisch sind. Auch jene Medien mit Leistungsvereinbarungen, die staatskritisch starten oder früher mal staatskritisch waren , werden, in der Hoffnung auch in Zukunft wieder Geld über eine Leistungsvereinbarung zu erhalten, vorsichtig publizieren. Es ist kurz, eine Abhängigkeit von einem einzigen Player: dem Staat. Ein Klumpenrisiko.

Journalismus braucht es in der Demokratie nur als Kritik der Obrigkeit. Und was ist die Obrigkeit? Zu 100 Prozent staatliche Organe. Grosskonzerne, KMU und Privatpersonen (auch stinkreiche) dagegen sind meist nichts mehr als (im Ernstfall gegen die Obrigkeit machtlose) Marktteilnehmer.

1
/
6
Camille Roseau
WOZ Die Wochenzeitung
·

«Journalismus braucht es in der Demokratie nur als Kritik der Obrigkeit.» – möglicherweise ist der Journalismus doch ein bisschen mehr als das, die öffentliche Meinungsbildung ist doch facettenreicher als ein kritischer Blick auf Regierende. Was ist mit gesellschaftspolitischer Analyse, Wissensvermittlung, Kontrolle von (Wirtschafts-)Verflechtungen, Kulturberichterstattung?

4
/
0
Robin Schwarz
Verband Medien mit Zukunft
·
· editiert

Ich finde dein Bild des Obrigkeitsbegriffes doch arg simpel. Es gibt noch andere Interpretationen. Obrigkeit als Begriff suggeriert zuvörderst ein Machtgefälle - und Macht hat nicht nur der Staat.

3
/
0

Bei allem Respekt, aber diese Gleichsetzung subventionierte Medien = unkritische Medien ist doch etwas gar unterkomplex. Die Länder mit der längsten Tradition an Presseförderung sind auch jene, die in allen Erhebungen zur Pressefreiheit immer auf den vordersten Plätzen rangieren. Können wir in der Diskussion nicht einmal einen Schritt weiterkommen?

Direkte Medienförderdung (auch in der Schweiz bei den konzessionierten Regionalsendern) funktioniert nicht so, dass die Berichterstattung im letzten Jahr darauf angeschaut wird, ob sie genug unterwürfig war. Die Förderung wird zumeist festgemacht an Redaktionsstrukturen oder Umfang der Berichterstattung. Es geht darum, Bedingungen zu schaffen, damit Journalismus möglich ist. Nicht Einfluss auf den Journalismus zu nehmen.

Nebenbei: Privatpersonen sind hoffentlich nicht nur Marktteilnehmer, sondern vor allem auch Bürgerinnen und Bürger

9
/
0
Robin Schwarz
Verband Medien mit Zukunft
·

Mir fällt auf, dass dein Post ganz andere Grundannahmen über die Welt trifft als ich es persönlich tun würde. Das ist nicht überraschend, ich finde es aber doch wichtig, das zu bemerken. Denn aus deiner Position heraus ergibt deine Skepsis Sinn, aus meiner weniger.

Drei Grundfragen:

  • Warum sollen Leistungsvereinbarungen Freiheiten (schonmal sehr unspezifisch einschränken und andere Rahmenbedingungen nicht? Das scheint für dich eine fundamentale Erkenntnis zu sein, für mich eher weniger.

  • Warum glaubst du, dass Journalistinnen dann vor allem die Beamten zufriedenstellen wollen? Viele Journalistinnen, die ich kenne, funktionieren total anders. Verwalter sind die wenigsten.

  • Angenommen du hättest Recht - warum ist es schlimmer, dass Journalismus seine eigenen Rahmenbedingungen mehr im Blick hätte als die Wünsche der Werbetreibenden? Dass die Leser*innen im Zentrum stehen und bleiben sollen, scheint mir offensichtlich.

12
/
0
Camille Roseau
WOZ Die Wochenzeitung
·
· editiert

Hier schreibt Camille Roseau, Verlag WOZ Die Wochenzeitung und Co-Präsidentin des Verbands Medien mit Zukunft.

Die Frage, ob «Medien auch weiterhin ohne Geld vom Staat überleben können», ist nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten. Welche Medien, auf welchen Zeitraum gesehen, zu welchen Grad sind welche Medien wie finanziert, etc.

Für diejenigen Medienhäuser, die zum auf Inseratenerlöse gebaut haben, ist das Erlösmodell schwer ins Wanken geraten. Fraglich ist, wie und zu welchen Bedingungen für die Medienschaffenden ein Überleben möglich ist und wie nachhaltig. Auch gibt es gemischte Modelle auf unterschiedlichen Ebenen.

Zur Frage des «Staatsgeldes» – es ist ja nicht alles eins: Indirekte Förderung, wie die Förderung einer neuen, nicht gewinnorientierten Nachrichtenagentur, die Förderung der Aus- und Weiterbildung von Medienschaffenden und vor allem des Ausbaus von Infrastruktur resp. der Ausweitung und «Digitalisierung» eines Instruments wie dem der verbilligten Posttaxen. Das alles ist meiner Meinung nach sinnvoll. Darüber hinaus denkbar sind auch Beiträge an die Weiterentwicklung von digitaler Infrastruktur, die mit hohen Entwicklungskosten verbunden sind. Diese sind für einen einzelnen Medienbetrieb nur schwerlich zu stemmen, ausserdem ist es wenig sinnvoll, wenn infrastrukturell jedes Medienhaus sein eigenes Süppchen kocht. Sind kleinere Medienbetriebe dort besser aufgestellt, gelingt es womöglich auch, die laufenden Kosten zu einem grösseren Teil leserInnenfinanziert zu decken.

10
/
1

Wir sollten grundsätzlich von dem Framing "Förderung = Staat" und "Medienvielfalt = Privat" wegkommen müssen. Angesichts des umgreifenden Medienmarktversagens müssen wir uns daran zu machen, den Medienmarkt neu zu veranstalten. Mit Tamedia als absehbarer Monopolistin und der SRG als einziger öffentlicher Stimme ist kein vielfältiger Meinungsmarkt zu machen. Das leuchtet inzwischen jedem ein. Nun, was "darf" der Staat?
Der Staat kann etwa "qualitative" Richtlinien setzen, er darf aber auf keinen Fall inhaltlich eingreifen oder letztlich lenken. Am besten tut er das, indem er eine Infrastruktur fördert, die auch kleinen und regionalen Inhaltsanbietern Zugang zur Aufmerksamkeit der Nutzer ermöglicht. Über Gedeih und Verderb der Medienbewerber müssen aber letztlich die Nutzer mit ihrer Aufmerksamkeit entscheiden. Wie das gehen soll? Das ist weniger schwierig, als man denkt. Die öffentliche Hand liefert täglich tausende Beispiele, wie das funktioniert. So können etwa Aufträge, die den Service Public stützen würden, genauso im Wettbewerb ausgeschrieben werden, wie etwa Reinigungsaufträge für das Gemeindeschulhaus oder der Revisionsauftrag für die Dorfkanalisation. Das hat aber wenig mit Förderung zu tun, sondern mit ganz normaler Auftragsvergabe durch die öffentliche Hand. In Zukunft muss nicht weniger, sondern mehr Wettbwerb um unsere Aufmerksamkeit veranstaltet werden. Aber in einer neu geschaffenen Marktsituation. Leider wollen sich die bisherigen Dominatoren, die SRG und die Privat-Verleger nicht auf einen Wettbewerb um Service Public Aufträge einlassen. Dass das Gesetz das zulässt, ist der bemerkenswerteste und liberalste Punkt. Doch statt dass jetzt die FDPler jubeln, schreien die Zeitungsverleger nach weiteren 100 Millionen Unterstützung und zerlegen die angedachte Marktöffnung als staatlicher Eingriff. Es ist erstaunlich, wer sich hier als Wettbewerbsverhinderer aufführt und wer offen ist, den Wettbewerb um Inhalte anzunehmen. Worte und Taten gehen hier bei den angeblichen Freunden des freien Marktes und des Wettbewerbs um 180 Grad auseinander.

14
/
0

Lieber Ronnie,
natürlich wird es auch weiterhin Medien geben, die ohne staatliche Unterstützung überleben können. Zum einen Privatradios und Privatfernsehstationen, die ein Programm produzieren, dass zu relativ tiefen Kosten die werberelevante Zielgruppe erreichen. Dominik Kaiser macht das mit 3+ sehr erfolgreich vor. Genau so kann Privatfernsehen im kleinen Deutschschweizer Markt funktionieren. Zum anderen journalistische Angebote, die sich an bestimmte Zielgruppen richten, deren Zahlungsbereitschaft abgeschöpft werden kann.
Die Neugründungen im Internet wie Zentral Plus, Bon pour la tête, Republik etc. haben grundsätzlich die gleiche Herausforderung zu meistern wie Printzeitungen: nämlich angesichts sinkender Werbeerlöse und nur schwer abschöpfbarer Zahlungsbereitschaft genügend Einnahmen zu generieren.
Woher kommt aber der Schluss, mit Leistungsvereinbarungen würde die Freiheit eingeschränkt? Natürlich gilt es dann bspw. einen regionalen Informationsauftrag zu erfüllen. Für diesen werden ja auch Gebührengelder zugesprochen. Mit einem Einfluss auf redaktionelle Inhalte ist das aber nicht gleichzusetzen. Zudem: Wer keine Förderung bezieht, ist ja auch nicht frei, sondern muss Inhalte produzieren, welche marktlich zu refinanzieren sind.

8
/
0
(unsichtbar)
6
/
1
Anonymous
· editiert
(unsichtbar)
8
/
3

„...sogar Mindestanforderungen wie die Pflicht zur sachgerechten Darstellung von Tatsachen und Ereignissen oder das Verbot politischer Werbung.“ Wenn das wegfällt, unterhöhlen wir unsere direkte Demokratie, die Folgen der Mono- und Falschinformationen zeigen sich in den USA und anderen Ländern, die nur noch als „Blasen-Demokratien“ bezeichnet werden können.

0
/
0

In der Tat, es ist nicht mehr wie früher in der Welt der Worte und Bilder, die einmal mit dem Nimbus des Exquisiten verbunden waren. Und vielleicht ist es für einen Bundesrat schwierig, sich in diesem Gewusel zurecht zu finden, wenn es nicht mal Verlegerinnen und SRFler ohne Reibungsverluste über die Bühne bringen.

Mich selber fasziniert es immer wieder, wie schnell das plötzlich gegangen ist mit dem Niedergang der traditionellen Medien. Noch vor wenigen Jahren war das Wissen für Fertigkeiten des Schreibens und Abbildens schwierig zu beschaffen (ohne youtube Tutorials), hoch spezialisiert (Bleisatz) oder einfach verdammt teuer in der Umsetzung (was das Smartphone heute kann, hatte vor 15 Jahren einen Einstiegspreis von CHF 250’000). Und das nur für eine professionelle Digitalkamera, Rekorder und Player. Bevor das Video dann tatsächlich beim Kunden ankam, waren noch ein paar kostspielige Prozesse mehr nötig. Von analogem Film gar nicht zu reden.

Wieso erzähle ich das? Letzte Woche bat mich ein Kunde, dem ich eben themenbezogene Filme für sein Unternehmen abgeliefert hatte, ob ich ihm eine Kamera empfehlen könne, er würde gerne Beiträge für Social Media in Zukunft selber machen. Nur so kurze Statements, kleine, aktuelle Sachen halt. Ich hätte nun reagieren können, wie früher jener Kameramann, dem ich assistierte, um on the Job die Kunst des Filmemachens zu lernen: „Wenn ich dir nun sage, wie das geht, wirst du mich in Zukunft überflüssig machen.“

Stattdessen überlege ich mir ein neues Geschäftsmodell: Ich berate Kunden, wie sie für wenig Geld kurze Eintagsfliegenbeiträge umsetzen können und wo sie Grenzen ziehen sollen zu Formaten, die ihre Fachkenntnis nun def. übersteigen. Als Ausrüstung reichen ein iPhone oder iPad, Mik, ein bisschen Licht, Stativ: alles heute zu haben für ca. 2500 CHF. Mich gegen das Hacken meines Berufes zu wehren, bringt mir erstens keine Brötchen und zweitens nützt es nichts. Erfahrungen wollen alle machen, etwa wie damals, als grosse Unternehmen glaubten, für teures Geld eigene Filmstudios aufbauen zu müssen, um billiger produzieren zu können. Fazit: alle eingestampft, weil Output ungenügend. Wir befinden uns in einer Lernphase: die Kundinnen, die Anbieter, die Politik. Spannend, zermürbend, wie disruptive Vorgänge halt mal sind.

Vielleicht bin ich etwas abgewichen vom Thema. Kein Wunder. Schliesslich geht es um Einbruch, Umbruch, Aufbruch. Darum, wie ganze Branchen durchgeschüttelt werden und darum, dass ein neues Mediengesetz unbedingt alle Facetten dieses Umbruchs abbilden sollte. Da dürfen textliche Erzeugnisse keinesfalls fehlen. Keine andere Form der digitalen Kommunikation erfordert soviel Konzentration und Hirnschmalz.

11
/
2
(unsichtbar)
2
/
1

Die „Republik“ ist letztlich ein Nischenprodukt, das ihre Verlegerinnen und Verleger findet, die sich intelligenten Journalismus zur Meinungsbildung leisten wollen. Die Meinungsbildung ist dort gefährdet, wo es um die Manipulation der Massen geht und unabhängiger Journalismus gehegt und gepflegt werden muss. Solange ich mich als Teil eines Staates verstehe, eines einigermassen freiheitlich denkenden, nicht allzu korrupten, diesen mitfanziere, erwarte ich von mir, respektive dem Staat, dass er unsere Meinungsbildung stützt und schützt. Damit meine ich nicht das Spassfernsehen. Sondern die Kunst der Kommunikation, der Auseinandersetzung. Das muss dringend in der Schule beginnen und in den Medien weiter geführt werden. Es gilt, dem Ausverkauf der Meinungsvielfalt an den Meistbietenden entgegenzutreten. Wie dies ohne staatliche Unterstützung gehen könnte, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

3
/
0

Republik und Project R Genossenschaft sind erfolgreich gestartet. Das stimmt. Noch ist kein Jahr vorüber. Es wird sich zeigen, ob sich unser Online-Medium rein leser*innenfinanziert produzieren lässt. Die Finanzierung durch die öffentliche Hand steht für uns nicht im Vordergrund. Nichts desto trotz scheint es wichtig, dass der BR Online-Medien als Service Public anerkennt. Der Vorschlag die Förderung auf Online Medien zu beschränken, die im Wesentlichen aus Audio- und Videobeiträgen bestehen, ist etwas realitätsfremd und nicht zu Ende gedacht. Ein online publizierter Text führt genauso zu einer besser informierten Gesellschaft wie ein gedruckter Text.

6
/
0

Sehr geehrter Herr Biland,
Die Forderung nach einer aktiven Medienpolitik und Förderung für journalistische Onlineangebote ist nicht gegen unternehmerische Freiheit gerichtet. In der Tat entstehen in der Schweiz zahlreiche neue Angebote, darunter die Republik, zu deren "Verlegern" ich auch zähle und der ich viel Erfolg für die Zukunft wünsche. Und auch künftig wird es Medienangebote geben, die sich marktlich finanzieren lassen.
Nur: Medienmärkte zeichnen sich nur eine Reihe von Besonderheiten aus, die eine Finanzierung über den Markt erschweren. Lange Zeit wurde das über die Werbung ausgeglichen - doch diese ist nicht mehr auf publizistische Produkte angewiesen, um die Bevölkerung zu erreichen (siehe https://www.emek.admin.ch/inhalte/d….01.18.pdf). Hinzu kommt die Kleinheit des Schweizer Mediensystems, wodurch die Refinanzierung von Medienangeboten zusätzlich erschwert wird. Deshalb halte ich eine direkte Medienförderung für ein zukunftsgerichtetes Modell. Und eine solche lässt sich auch ohne staatliche Einflussnahme umsetzen.

2
/
0

Die Interessen der grossen Kapitaleigner drücken in diesem Entwurf unübersehbar durch. Ein winziges Schrittchen in die richtige Richtung reicht nicht, wenn gleichzeitig ein Grosser in die Falsche gemacht wird. Die Aufhebung des Leistungsauftrags für Medien welche nicht subventioniert werden, ist nicht bloss 'nicht unproblematisch', sondern ein kapitaler Fehler. Erst eine ähnlich geartete Gesetzesänderung machte in den USA so etwas wie Fox möglich. Fox News berichtet ausschliesslich im Sinne des reichsten Perzentils, wobei weit über die Hälfte der Beiträge schlicht gelogen oder aber stark verfälscht sind. Nimmt man noch die unterschlagenen Ereignisse hinzu, zeigt sich das Bild einer Propagandamaschine welche den Medien in Russland und der Türkei an Einseitigkeit und Verlogenheit in nichts nachsteht. Erst vor diesem Hintergrund war es möglich, dass eine Witzfigur wie Trump ins weisse Haus gespült wurde. Statt in Zeiten, wo die grösste Militärmacht der Welt von offensichtlichen Fake News dominiert wird, die Seriösität der hiesigen Medien sicher zu stellen, öffnet der Bundesrat das Tor weit für die Kleptokratie. Und diese wird die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen. Sie wieder in die Schranken zu weisen wird unsere Kindeskinder einiges an Blut und Tränen kosten. Wir werden wohl als die zerstörerischste Generation aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen. Nicht nur dass wir nichts gegen die Klimakatastrophe tun, bereiten wir mit mangelndem Schutz der Privatsphäre und fehlender Kapitalkontrolle, künftigen Schreckensherrschern den Boden für einen allumfassenden Überwachungs- und Desinformationsapparat.

21
/
4

Wenn Sie weiterhin unabhängigen Journalismus wie diesen lesen wollen, handeln Sie jetzt: Kommen Sie an Bord!


seit 2018