Debatte

Kann Merkel Europa vor den Populisten retten?

Diskutieren Sie mit Autor Constantin Seibt.

09.07.2018

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Mit Horst Seehofer hätte diese Woche ein einziger Regionalpartei-Chef genügt, um die erfahrenste Frau Europas kippen zu lassen. Und damit die Machtverhältnisse in Europa. Doch Angela Merkel erwies sich erneut als Zauberin im Verkleinern von Problemen und der dahinterstehenden Männer. Es war allerdings verdammt knapp.

Die Frage ist, ob die dezidiert pragmatische Politik der Kanzlerin gegen die populistische Welle genügt. Und ob ihre Strategie des Tuns-als-ob, der allseitigen Absicherung und der winzigen Schritte nicht ebenfalls eine Spielart der illiberalen Demokratie ist.

Was denken Sie? Ist Merkel stark genug? Wie sollte sich ein konstruktiver Politiker, eine wirkungsvolle Politikerin heute positionieren? Wie geht man damit um, dass die Welt einerseits durch tausend Verträge, Interessen, Absicherungen gebaut ist? Andererseits durch die Sehnsucht nach souveräner Autorität bedroht?

Kurz: Was würden Sie als Politiker, als Politikerin tun?

Lesen Sie «Merkel. Machos. Und die Macht». Und diskutieren Sie heute zwischen 9 und 14 Uhr mit Autor Constantin Seibt. (Mit einer mittellangen Abwesenheitspause während der Redaktionssitzung von 10.30 bis 12 Uhr.) Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

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Wenn, dann ist der Artikel noch zu kurz...
Eine sehr kluge und treffende Analyse!! Wow!!!
Besonders, die Beschreibung der Rolle, welche 'Merkeldeutschland' in Europa spielt, wie sehr gerade die Deutschen Europa zu ihrem eigenen Vorteil nutzen!!...das müsste in Deutschland dringend erzählt werden!!
Wie sehr der deutsche Wettbewerbsvorteil, durch jahrelange Lohnzurückhaltung gegenüber der eigenen Bevölkerung erwirkt würde und schon lange zum Schaden von ganz Europa gereicht, davon wissen in Deutschland nur sehr wenige.
Noch immer glaubt man der Mär von der schwäbischen Hausfrau und der eigenen Tüchtigkeit.
Merci Herr Seibt.

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Das sehe ich auch so. Zu kurz. Herzlichen Dank trotzdem
Es fehlt aus meiner Sicht der Hinweis auf das völlige Versagen der Linken. Abgesehen von den von Schröder und Konsorten begangenem Verrat an den sozialdemokratischen Haltungen ist diesen ist anzulasten, dass diese Aufklärung nicht nur in Deutschland nicht stattgefunden hat, sondern auch in allen Ländern mit einigermassen erfolgreicher sozialdemokratischer Regierungsvergangenheit. Der absolute Wohlstand in diesen Ländern ist über die letzten Jahrzehnte angestiegen, die Partizipation daran hat sich jedoch auf einen immer kleineren Anteil der Bevölkerung ausgewirkt. Dieser Mechanismus musste bei zusätzlichen Belastungen der Gesellschaft zwangsläufig den Vertretern des demagogischen Populismus in die Hände spielen.

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In aller Kürze: Danke Ihnen beiden.

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A. W.
· editiert

Als Schweizer mit durchschnittlicher Bildung und ebensolcher Auffassungsgabe empfinde ich diesen geführten Blick über den Tellerrand als sehr wertvoll. Ich fühle mich bezüglich Verständnis der Vorgänge bei unseren grossen Nachbarn oft etwas überfordert und die Lektüre hilft, hier wieder mal über Stammtischniveau hinaus mitdenken und -diskutieren zu können. Und ja, der Text ist lang, aber es geht ja weit über ein Portät der Kanzlerin hinaus und liefert viele Zusammenhänge und eine doch wieder kompakte Nachlese gleich mehrerer Events, die für unsere Gegenwart von zentraler Bedeutung sind. Das Wichtigste: Sie schaffen es, bei aller Länge und anspruchsvoller Wort- und Satzwahl, mich durch den ganzen Text bei der Stange zu halten. Und das gilt für alle Republik-Artikel, die ich bisher gelesen habe. Mein Republik-Abo, pardon -Verlegerbeitrag, habe ich bisher wohl noch nicht rausgefahren (um es im Skitagespass-Jargon zu sagen). Doch meine anfängliche „Wie soll ich das nur alles lesen“-Befürchtung weicht zunehmend der Freude am Rosinenpicken und dem Verlegerstolz. Rosinen übrigens, die in und aus der Schweiz - abgesehen von NZZ und REPORTAGEN - kaum mehr zu finden sind. In diesem Sinne: Vielen Dank für diesen und jene Artikel und weiter so!

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Merci! Und Ihnen auch – weiter so. Auf dass Sie ihr Abo, pardon: Ihre Verlegerschaft, auf der letzten Kurve noch rausfahren.
Ihr Bergbahnbetreiber

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“Wie Schiffer sind wir, die ihr Schiff auf offener See umbauen müssen, ohne es jemals in einem Dock zerlegen und aus besten Bestandteilen neu errichten zu können.“ (Neurath)

Vorab, ich fand den Artikel nicht zu lang. Grössere Zusammenhänge dürfen aufgrund ihrer Breite & Tiefe auch auf einer gewissen Länge ausgebreitet werden, um nicht zu verkürzt und flach zu erscheinen.

Aber er spielte, wenn auch amüsant, doch etwas zu arg auf den Mann oder eben auf die Frau. Und auch wenn ich mit CS einig gehe, dass man - im Nachhinein - vieles hätte besser machen können, dürfen seine kontrafaktischen Voraussetzungen angezweifelt werden: Dass nämlich eine Person die Macht für grosse Politik hätte.

Sie war in den Krisenjahren der einzige Mensch, der die Macht gehabt hätte (…). Was wäre gewesen, wenn Angela Merkel (…) eine grosse Kanzlerin gewesen wäre? Eine Frau, (…) die das Grosse gross behandelte? (…) Die in der Krise akzeptiert hätte, dass Deutschland die einzige übrig gebliebene Führungsmacht war? Und gehandelt hätte, statt eine Politik des Tun-als-ob durchzusetzen?

Denn nicht erst seit heute leben wir in einem Weltinnenraum hochkomplexer interdependenter Systeme, die permanent und immer dynamischer ein hohes Mass an Kontingenz und Ungewissheit bewältigen müssen.

Doch was bedeutet eine dezentrale Weltrisikogesellschaft für nationale Regierungen? Für diese stellt sich in kritisch-krisenhafter Weise das Problem der Steuerung. Die Frage ist, in welchem Sinne und in welchem Ausmass kann eine Regierung nach der Entzauberung des Staates - sei es aufgrund Ausdifferenzierung, Globalisierung, Multilateralisierung, Neoliberalisierung - überhaupt noch im eigentlichen Sinne politisch handeln?

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Grosse Ent-scheidungen und Taten charismatischer Führungspersönlichkeiten sind verführerisch in Zeiten der angeblichen Dekadenz, des rasenden Stillstandes oder der grossen Unübersichtlichkeit - gerade für Populismen -, denn sie erzeugen die Illusion der (Selbst-)Kontrolle innerhalb der Bedingungen der Ohnmacht.

Zumindest kurzfristig. Denn eine starke Intervention erzeugt nur noch grössere Ungewissheit und damit Risiken, mit noch weniger absehbaren nicht-intendierten Konsequenzen. Die Geister, die man rief, wird man nicht mehr los und es droht Verwicklung und Verhängnis.

Spätestens nach dem Ende des Kalten Kriege sei jedoch das post-heroische Zeitalter angebrochen, dass ein entsprechendes Management erfordere. Die heutige Funktion der Politik sei laut Helmut Willke die Kontextsteuerung, d.h. die Regulierung der Rahmenbedingungen und Delegierung an laterale Institutionen.

Dies erscheint dann als blosse büro- und technokratische Verwaltung des Bestehenden mit der Gefahr des Verlusts demokratischer Legitimität. Manche sprechen dann von unpolitischer, simulativer Post-Demokratie. Die Funktion der Politiker_in ist dann - um Odo Marquards Bonmot abzuwandeln - die Inpotenzkompensationskompetenz.

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In „Das Gespenst des Populismus“ beschreibt Bernd Stegemann neben dem rechten und linken auch den im Diskurs signifikant abwesenden liberalen Populismus. Der mit dem Sound der Sachzwänge einen "Kitsch der Nüchternheit“ und einen Fatalismus der Alternativlosigkeit konstituiert.

Die vereinigten rechten aber auch linken Populistinnen aller Länder erscheinen dann wie der puer robustus, der Störenfried, der auf allen magischen Kanälen eine Grosse Gereiztheit auslöst. Dieses parasitäre Rauschen aus White Noise & Nuisance provoziert schliesslich eine neue meta-stabile Ordnung der Black Box Society - welche jedoch ist unvorhersehbar.

Es ist eine Krise der Legitimität und Repräsentativität. Und hier finde ich hätte die Schweiz viel know-how anzubieten und Guerots Idee einer Europäischen Republik ist, wenn nicht visionär, zumindest bedenkenswert. Doch wir alle müssen lernen, um uns an diese evolutiv-prozessierende soziale Umwelt anpassen zu können. Wir müssen lernen, mit erhöhter Komplexität und Kontingenz umzugehen, in dem wir etwa ein stärkeres systemisches oder holistisches Strukturbewusstsein entwickeln und lernen in globalen Kollaborationen und dezentral-heterarchischen Organisationen zu handeln.

Aber nicht zuletzt alles mit Herz und Verstand (um etwas kitschig zu enden).

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Ich stimme ihnen weitgehend zu: Das Problem in einer von Verträgen, Rücksichtnahmen, Nebenwirkungen gebauten, aber auch gefesselten Welt ist, dass aus Politikern (etwa den Finanzministern der Eurozone, die kaum noch Hebel haben) schnell Politikdarsteller werden: Solche, die Veränderungen nur behaupten, aber nicht durchführen können – und dann im Fall der Krise als Heuchler und Weichbecher abgewählt werden. Während ihre Nachfolger, die Populisten behaupten, alle Zwänge aufgrund der persönlichen Durchsetzungskraft abschaffen zu können – nur den Preis nennen dafür sie nie.
Trotzdem kann kein Politiker, keine Politikerin darauf verzichten, so viel wie möglich zu gestalten: denn die Veränderung der Wirklichkeit ist ihr Job. Und hier, fürchte ich, ist Frau Merkel in ein, zwei entscheidenden Momenten nicht kühn genug gewesen.
Wie weit Frau Merkel allerdings in der Eurokrise hätte gehen können, das weiss nur das alternative Paralleluniversum. Ich gehe mit Ihnen einig, dass der im Artikel beschriebene Weg (mit Marshallplan, neuer EU-Finanzarchitektur etc) ein weiter, für die Kanzlerin wahrscheinlich selbstmörderischer Weg gewesen wäre.
Aber, Teufel, ein wenig hätte sie die Krise zu etwas anderem nützen können, als sie zu verwedeln.

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Von mir gibt es vor allem einen erfreuten "weiter so" Kommentar zur Debatte: Toll, wie viele Frauen hier debattieren, das Gleichgewicht ist nicht in jeder Debatte so gut. Und danke auch für den aufschlussreichen Text, lieber Constantin.

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Thx, Nadja, du bist grossherzig.

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.....ich bin noch gar nicht fertig und mein angefangenes Schreiben an Sie ist, während ich einen Kaffe machte abgesaust, unauffindbar. Ich wollte ihnen sagen, dass es für mich doch völlig unwichtig ist ob ihr Artikel zu lang oder zu kurz ist . Ich jedenfalls hab auf meine Frage: wer ist Merkel? und was ist los mit Deutschland und Europa? wunderbare sprachliche und inhaltliche Anregungen bekommen. Das Buch von Varufakis hab ich mit Erstaunen ganz gelesen und daher eine Ahnung was für ein menschliches Desaster da passierte. Es ist der Angstschweiss aus den Achselhöhlen der Mächtigen der diese zu tiefst unmenschliche politisch absurde Haltung der Protagonisten in diesem mörderischen Prozess möglich macht. Lieber Herr Seibt, ich hab Ihren Artikel als Verlegerin genossen, weil er unverschwitzt und klar ist in der Analyse, weil er voller genialer Wortübersetzungen eines grossen und ganz eigenen Gefühls ist, das in Ihrem Schreiben lange aufgestauten Fragen Ausdruck verleiht. Der grosse Bogen verlangt Spannkraft beim Lesen... und natürlich auch beim Schreiben. Dass so ein Artikel ein Kraftakt ist für Sie ist mir klar. Wie soll der Leser das mit cooler Routine lesen? Is nicht! Dass man sich dann beschwert über die Form und den persönlichen Ton, ist einfach lächerlich. Wie so oft sagt es mehr über den Leser aus, als über Ihre Arbeit. Mit einem herzlichen Gruss und Dank für Ihre Arbeit S

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Liebe Frau Birkenmeier
Ich kann alles, was sie sagen, voll unterschreiben. Der Text von C. S. ist grossartig in seiner Mischung aus Analyse und Leidenschaft. Meine Nachfrage war nicht als Kritik gemeint; es war eine Bitte um Klärung, was er in den beiden Passagen genau hat sagen wollen. Weil es mich interessiert!

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Ich habe meinen Beitrag gar nicht auf Sie bezogen. Da gab es andere Kritiker, die jedem, der über das Mass des Gewohnten heraus ragt den Kpf abhauen. Aber ich freu mich natürlich, dass wir beide den Text von CS so schätzen. Ihnen wünsch ich einen schönen Tag. Herzlich S.B.

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Lieber Herr Seibt
Mit einiger Verspätung wende ich mich mit zwei nicht so grundsätzlichen Fragen an sie. Vorbemerkung: ich liebe ihre treffenden, farbigen, manchmal auch etwas grellen Sprachbilder, mit denen sie ihre Gedankengänge illustrieren. Bei diesem Artikel bin ich aber mehrmals gestolpert. "Nichts an ihr hat je den Kult der Authentizität akzeptiert, den so gut wie alle im Westen aufgewachsenen Jugendlichen mitbekommen". Rebellion, Auffälligkeit, Selbstdarstellung - wo ist der Bezug zur Authentizität ? Und: "Kitsch der Nüchternheit versus Kitsch der Härte" - wann wird etwas zu Kitsch? Dieser Begriff ist so vieldeutig und ungenau, dass ich mir hier mehr Klarheit wünschen würde.

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Liebe Frau S., ich hab hier zwei Mal etwas verkürzt zusammengefasst, vielleicht zu verkürzt:

  1. A.M. wuchs in der DDR auf, als die Mauer fiel, war sie Mitte 30 – und sie fand, falls ihre Biographen nicht lügen, nie viel an Selbstdarstellung, Selbstverwirklichung, Rebellion der 68er Generation.
    Wahrscheinlich ist es exakt das, was sie zu einer (gemässigten) Konservativen macht: Sie hat nichts gegen Autorität (so lange es keine Diktatur ist) und nichts gegen das spielen einer Rolle in Job und Öffentlichkeit – was das Gegenkonzept zum Authentischen ist, wo man im Bett, Büro und Parlament der oder die Gleiche zu sein anstrebt.

  2. Kitsch ist der effektvolle Einsatz eines Gefühls, das nicht durch das eigene Leben geeckt ist. Etwa der röhrende Hirsch im Vorstadtschlafzimmer. (In der Berghütte ist er weniger Kitsch.) Härte etwa wird in der politischen oder wirtschaftlichen Gürtel-enger-schnallen-Debatte zum Kitsch, wenn damit stets nur die Gürtel anderer Leute gemeint sind. (Sie ist kein Kitsch, wenn der Redende wie etwa Churchill ebenfalls bei Blut, Schweiss, Tränen dabei ist.) Nüchternheit wird dann zum Kitsch, wenn sie einfach nur ein rhetorischer Kniff ist, um einem wuchernden Problem mit dürren Worten aus dem Weg zu gehen.

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Lieber Herr Seibt
Herzlichen Dank für ihre ausführliche Antwort; nun habe ich verstanden. Gemäß Wikipedia zählen übrigens britische Übersetzer "Kitsch" wegen der unscharfen Bedeutung zu den 10 am schwierigsten zu übersetzenden Begriffen und es gibt offenbar weder im Englischen noch im Französischen ein adäquates Wort dafür...

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Ich bin leider nicht so gebildet. Darum ist dieser Artikel für unsereiner kaum mehr zu verarbeiten. Aber das oll vermutlich auch nicht so sein. Einmal mehr enttäuscht von der Republik. Mir geht es mit diesem Magazin wie im Fussball mit der Schweizer Nationalmannschaft. Man hofft krampfhaft darauf, dass jetzt dann endlich mal der Exploit stattfindet, der verbal seit langem angekündigt ist. Und dann, im entscheidenden Moment, shit, ist es halt doch wieder nichts.

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Das ist schade - darf man denn fragen wo es klemmt? Zu komplizierte Wörter und Sätze? Bräuchten Sie mehr Vorwissen um den Text zu verstehen? Oder ist er ganz einfach zu lange mit zu vielen Themen?

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Es ist zuviel, und zuwenig zwingend. Bis zur hälfte vermochte ich noch eingiermassen zu Folgen, dann musste ich aufgeben. Inhaltlich hebt sich der Beitrag nicht stark von einem Beitrag in der Süddeutschen, oder Guardian ab. Auch die Themen der Republik: sie sind einfach nicht wirklich überraschend. Wie gesagt: das Niveau ist sehr hoch, aber irgendwie fehlt der letzte Kick, dass ich von der Republik begeistert wäre. Eben wie bei der Fussballnationalmannschaft

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Vielen Dank, lieber Constantin, dass du so klar zwei Lebenslügen der deutschen Europapolitik benennst:

  1. Dass der Euro gut für Europa ist.

  2. Dass Angela Merkel gut für Europa ist.

Wenn ich auf griechischen Regionalflughäfen hinter Fraport-Absperrbändern herumstehe und mir klar wird: Das alles gehört jetzt deutschen Unternehmen – dann schäme ich mich für meinen deutschen Pass.

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Lieber Daniel, merci! Nur einen schüchternen Einwand habe ich – schäm Dich nicht für Deinen Pass. Einen Pass muss doch jeder haben. Und mir fallen keine Länder ein, die keinen Unfug machen. Und du hast persönlich ja weder den Euro eingeführt, noch die griechischen Regionalflughäfen aufgekauft, noch bist du die Deutsche Kanzlerin. (Oder doch? Dann hast Du uns alle getäuscht – nur Dein Gewissen nicht.) Sich für den Pass zu schämen ist so unnötig wie darauf stolz zu sein – man kann ihn gelassen nehmen. Das mein schüchterner Einwand.

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Stimmt. Ein schnöder Pass ist weder Scham noch Stolz wert. Eher schon demütige Dankbarkeit. Schliesslich habe ich durch die ausserordentliche Leistung, im richtigen Land geboren zu sein, einen der besseren Sorte erwischt. Eine grenzüberschreitende Freikarte ins Glück. Während andere, die zu dieser Glanzleistung nicht imstande waren, die Arschkarte in die bürokratische und humanitäre Hölle gezogen haben.

Wie du siehst, ist meine Gelassenheit fast schon wieder dahin. Aber ich arbeite weiter dran. Ganz schamlos, auch unter der griechischen Sonne. Die für ihr strahlendes Griechentum ja schliesslich auch keinen Pass braucht.

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Von wem stamm dieser Satz?: Ich schreibe dir einen langen Brief, weil ich keine Zeit habe, dir einen kurzen zu schreiben

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Nicht Goethe, wie Herr R. meint, sondern Blaise Pascal

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Meine Mutter meinte: Goethes Mutter schrieb das Goethe. Die Literaturwissenschaft sagt: Es war Pascal. Mein trauriges Leben zeigt: Es nützt oft nicht, wenn man es weiss.

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Politikerinnen wie Merkel sind blosse Mehrheitsverwalter und keine Führungskräfte. Das ist je nach Situation auch gar nicht so falsch, hält aber längerfristig nicht gegen mit Pathos und Entschlossenheit auftretenden Populismus. Und ich glaube nicht, dass hier einzelne Personen allzu viel ausrichten können, einschliesslich Merkel.

Was Europa dringend bräuchte, wäre eine kultivierte Vision für die Zukunft, hinter der eine Mehrheit stehen kann. Ein Ersatz für die alten Mythen der Zusammengehörigkeit, die christlich-abendländische Religion welche nicht mehr zieht, und die völkisch-nationalistische Verklärung welche zum Glück noch nicht Überhand hat. Nur ein bisschen Fussball, staatliche Fernsehsender und "Wir kloppen uns nicht mehr seit dem Krieg" reichen einfach nicht aus, damit Europa zusammenhält.

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Was ausserhalb von Fussball würden Sie für tauglich halten – die klassischen Institutionen? Oder irgendein Projekt?

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Da bin ich sicher die völlig falsche Person um das zu beantworten - meine Ideen sind nie Massentauglich und Massenphänomene (inklusive Fussball) sind mir zuwider. Was ich sehe ist dass es für ein Gemeinschaftsprojekt wie Europa nebst den Institutionen auch verbindende Ziele, Werte und Identitäten braucht. Einiges wäre schon vorhanden, wird aber ausserhalb des nationalen kontexts kaum für eine verbindende europäische Propaganda verwendet.

Die klassische Rezeptur wäre ja in etwa:

  • Einfache Werte mit Tradition, z.B. Freiheit, Menschenrecht, Wertarbeit, zur historischen Geimeinsamkeit überhöht.

  • Ein Schuss Pflicht und Moral, "aufräumen im Saustall", z.B. mit Lobbying oder Steuerhinterziehung.

  • Grosse, prestigeträchtige Projekte und Ziele.

  • Hochstilisierte Antagonisten, z.B. China als "Endgegner der Demokratie".

Dies ein paar Ideen, es gibt vermutlich schlagkräftigere Varianten für so einen "kultivierten Populismus". Mir wäre es natürlich lieber man könnte die Menschen mit Vernunft und Argumenten überzeugen, aber so weit ist die Mehrheit der Menschen nicht. Letztendlich geht es um den Erhalt von Rechtsstaat und Demokratie. Europa ist mittelfristig auf dem absteigenden Ast, und wird weiterhin sehr anfällig für Rechtspopulismus bleiben.

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Ein langer Artikel, und dann doch wieder sehr arg und plakativ verkürzt, man wird Angela Merkel nicht gerecht, wenn man sie mit zahlreichen Beispielen aus der politischen Praxis auf die Machtfrage verkürzt und als Opportunistin preist, gerade diese Frau, die gerade nicht die mächtigste Europas ist, die aber zweifellos überragendes Verhandlungsgeschick beweist hätte etwas mehr Tiefgang verdient. Deutschland, das mit Abstand die meisten Luxusautos der Welt baut, als Billigwerkstatt zu bezeichnen (weiss Seibt eigentlich, was die Leute mit ihren Ein-Euro-Jobs arbeiten), ist schon grotesk verkürzt. Schade.

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Mit Billigwerkstatt ist in diesem Zusammenhang nicht gemeint, dass billige Ware produziert wird, sondern dass die Kosten der Werktstatt Deutschland wegen zu tiefen Löhnen - vergleichsweise - billig sind und das gilt auch für Produzenten der Luxusautos. Und das wurde für die übrigen Euroländer zunehmend zum Problem.

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Danke, Herr D., für eine perfekte Verteidigung! (Und an Herrn F.: Tatsächlich stagnierten in den Nullerjahren die Löhne für deutsche Arbeiter und Angestellte (trotz unbestrittenem Können). Während die Löhne überall sonst in Europa stiegen.)

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Für einige Bereiche bin ich zuwenig Fachperson, als dass ich eine genaue Einschätzung vornehmen könnte. Das Fazit ist mir allerdings zu pessimistisch. Wenn Merkel all das, was hier gefordert wird, zu ihren auch hier unbestrittenen Fähigkeiten und Leistungen HINZU auch noch könnte, wäre sie nicht menschlich, sondern übermenschlich! Das kann man/frau nicht ernsthaft einfordern. Dass ihre Zeit zu Ende geht, weiss sie mit Sicherheit selber. Wie alle sehr intelligenten Personen weiss sie auch, dass es nach ihr weitergehen wird und sie nur ihren Teil beigetragen hat. Wenn ich mich nicht täusche, ist sie gerade daran, mit Kamp-Karrenbauer eine mögliche Nachfolge aufzubauen. Denn Eines wird neben der Freiheit wohl das Wichtigste für sie sein, und schon allein dafür werde ich ihr immer danken: Dass sie stoisch und nüchtern nie auf all die Finten der Patriarchen hereingefallen ist, die ihr System um jeden Preis erhalten wollen. DAss sie nicht eingebrochen ist mit einer für Frauen im Westen leider sehr typischen ansozialisierten Opferhaltung oder Stutenbissigkeit. Und dass sie dabei kein "besserer Mann" geworden ist, weil sie dieses System durchschaut, ohne aber deswegen eine Gegenerin von Männern zu werden. Was das für eine hohe Kunst ist, wird erst die Nachwelt erkennen. Und wieviel diese Nüchternheit mit der mit der Aufklärung begonnenen Vernunft, und dem damit verbundenen Schub der Zivilisation zu tun hat, und wie stark es auch Europa zugute kommt.

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Ich spreche überhaupt nicht irgendeinen "weiblichen Machtinstinkt" an, schon nur, weil ich an keinen solchen mystischen Quark glaube. Die Pionierleistung sehe ich darin, dass es möglich war, dass Europa zivilisatorisch soweit ist, das eine Frau allein aufgrund ihrer Fähigkeiten und Souveränität in eine der grössten politischen machtpositionen kommen konnte. Dass dies auch möfglich war, weil sie intelligent genug ist, diese Mechanismen zu kennen. Und einfach neue Paradigmen anstelle der alten aufzustellen, in einmaliger Selbstverständlichkeit. Natürlich pragmatisch und oft nicht mit dem "Grossen Entwurf" für eine einzelne Thematik. Aber immer mit der utilitaristischen Motivation, was momentan der bestmögliche durchführbare Weg ist, der für die grösstmögliche Anzahl Menschen der beste ist. Und das waren für einen Moment lang halt die Flüchtlinge. Immer im Bewusstsein, dass es auch Verlierer gibt bei solchen Entscheiden. Die hat sie dann zu einem späteren Zeitpunkt jeweils genauer angeschaut und auch für diese etwas getan. Ohne gross auf das Parteiprogramm zu achten. Das ist dann auch für die Medien nur als Opportunismus gedeutet worden. Für die meisten Menschen ist die Idee des klassischen Liberalismus des 19. Jh. auf welchem alle modernen westlichen Demokratien aufgebaut sind, leider schon nicht mehr verständlich. Zudem stelle ich das Brennglas viel weiter ein, als die einzelnen Punkte aufzuzeigen, die derzeit in Europa durchaus problematisch sind. Nur: Es gab noch nie eine Zeit, in der eine Grossregion nicht mindestens solche Probleme hatte, die sie aufzählen! Und im Vergleich zur Ära des kalten Krieges sind sie relativ klein. Im Vergleich zur Ära des 30 jährigen Krieges sind sie lächerlich klein! Und dabei stimmen einige dunkle Behauptungen wie "Zerfall der Schulen" nicht einmal. Also: Durchatmen, entspannen, in Ruhe die Sache durchgehen tut allen gut, auch Ihnen.

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Bitte noch etwas länger, lieber Constantin Seibt: ein Buch über den (nicht nur europäischen) Status quo. Sie gehören zu den wenigen Zeitgenossen hierzulande, bei denen die Verbindung von Bauchgefühl, analytischem Verstand und hinreichender Phantasie funktioniert. Das Dilemma: mit dem Tagegeschäft der "Republik" zusammen geht das schwer - aber Sie schaffen das.

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"Sie gehören zu den wenigen Zeitgenossen hierzulande, bei denen die Verbindung von Bauchgefühl, analytischem Verstand und hinreichender Phantasie funktioniert."

Der Rest der Zeitgenossen sind demnach alles Idioten.
Danke für diese ehrliche elitäre Antwort. Hybris wo man hinschaut.

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Sehr geehrter Herr M.,
herrje: eigentlich hoffte ich das in einem Buch von Ihnen zu lesen. Und wenn das obige Monstrum halbwegs funktioniert, ist das auch nur Ihre Schuld – ich war ja zwei oder drei Jahre in Ihrem ETH-Schreibkurs (vor schandbar langer Zeit). Und hab da eine Menge gelernt, was ich sonst nicht gelernt hätte.
PS: Hätten Sie mal Zeit für einen Kaffee? Oder einen Drink? Das wäre das Mindeste, was ich Ihnen dafür schulde.

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politik begreife ich je länger je mehr als schlechte satire. z.b. kann ich ganz gut in merkel die liebe tante und in seehofer den bösen onkel sehen. die spielen dass nun doch schon über jahre hinweg.
& und als merkel einmal format zeigte und sich outete mit: wir schaffen das! war dies doch die eigentliche geburtshilfe für die afd, und nicht das muttihafte was sie sonst allgemein ausstrahlt ...

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Sie haben Recht: Das Deprimierend ist, dass die Leute wie pubertäre Kinder das Mütterliche lieben, solang es nur die Ausstrahlung davon ist. Wird es zur Tat, folgt der Aufstand, als wäre man um die Merkel zuvor vorgeworfene Konsequenzlosigkeit betrogen worden.

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Ein ausgezeichnet verfasstes Portrait der Kanzlerin. Es ist eine wohltuende Alternative zum in letzter Zeit üblichen Merkel-Bashing. Eine kleine Berichtigung: Frau Merkel erhielt ihr Diplom in Physik, nicht Chemie. Sie arbeitete dann im Zentralinstitut für Physikalische Chemie. Die theoretische Physik ist ein Fach, das nebst Intelligenz ein hohes Abstraktionsvermögen erfordert. Beides erkenne ich wieder in ihrer politischen Laufbahn.
Ihren Regierungsstil würde ich vor allem als pragmatisch bezeichnen, was für das immer noch Nachkriegs-Deutschland sehr angebracht und für Europa beruhigend ist. In der Flüchtlingsfrage entschied sie - für eine Politikerin völlig ungewöhnlich, aber für eine Pfarrerstochter verständlich - auf rein ethischer Grundlage. Damit bewies sie Mut, bewirkte aber politischen Backlash, mit dem sie jetzt fertig werden muss.
Schon vor Jahren äusserte George Soros die Ansicht, Deutschland müsse den Euro verlassen und zur D-Mark zurückkehren, um die wirtschaftliche Situation der südlichen europäischen Länder zu stabilisieren. Dieser Vorschlag kam kürzlich wieder zur Sprache. Ich bin kein Fachmann und kann die Opportunität dieses Schrittes nicht wirklich beurteilen. Doch er erscheint mir plausibel. Ober er realisierbar ist ist eine andere Frage.
Nochmals Dank für den anregenden, lesenswerten Beitrag.

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Oh, bloooody blooody hell! Physik statt Chemie – natürlich. Dank für Ihre Grosszügigkeit, dass Sie den Artikel trotzdem mochten.
Ansonsten bin ich als Ex-Deutscher mit Ihnen einig, dass Merkels nüchterner Stil für Deutschland sehr angebracht ist – vielleicht auch in keinem anderen Land so durchschlagend populär gewesen wäre.
Was den Euro anbetrifft, hast Herr Soros durchaus Recht: der wirtschaftlich brummende Gigant Deutschland ist zu bedeutend und die Spannweite der verschieden Wirtschaften in Europa zu weit, als dass der Euro auf Dauer ohne superkühne, superkomplexe politische Vereinigung funktionieren könnte.
Nur ist der Euro auch deshalb eine Höffenmaschine, weil seine Konstruktion keinen Austritt ohne immensen wirtschaftlichen Schaden für das Land sowie für den Rest der Eurozone zulässt. Das einzige realistische Szenario ist der komplette Zusammenbruch. Den auch niemand wünschen kann.

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Eine feine Zeitreise. Zu einem Merkel-Porträt gehören vielleicht noch zwei Kürzel: NSU und NSA. Nach wie vor ist unklar, ob und in welchem Maße staatliche Stellen die Morde der Böhnhardt-Mundlos-Bande begünstigt haben. Merkel hatte den Hinterbliebenen Aufklärung versprochen.
Folgt man dem Krimi-Autoren Wolfgang Schorlau, hängen die beiden Kürzel womöglich zusammen. In einem seiner Dengler-Bücher stellt er die These auf, ein amerikanischer Geheimdienst hätte für die Verstrickung deutscher Geheimdienste gesorgt, um die Bundesregierung erpressbar zu machen. Aber auch ohne diesen thrilleresken Zusammenhang ist erstaunlich, was "unter Freunden" doch so alles zu gehen scheint.

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Yep. Wobei in der Politik Freunde, Partner, Konkurrenten, Gegner eigentlich ein Paket sind – die Frage ist nur immer, wie man die Balance von Ver- und Misstrauen aufrechterhält. Und wie weit man geht.
Und die NSA ging schon erstaunlich weit ohne dass man Ärger bekam. Und bei der NSU geht die Aufklärung erstaunlich wenig weit. Wobei ich glaube, dass der Link dazwischen zwar einen guten Krimi ergibt, aber eine zu perfekte Analyse. Oft ist an obigen Inkonsequenzen m.E. eine Mischung aus Mutlosigkeit und Wurstelei schuld. (Weiss der Teufel, ob letztere Vermutung ein Beweis meiner Welterfahrung oder meiner Naivität ist.)

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"Dass Europa für ehrgeizige Leute nicht mehr erste Wahl ist" - leider gibt es im Moment für Menschen, die etwas bewegen wollen, überhaupt keine erste Wahl mehr. Amerika's Strahlkraft ist erloschen, Kanada und Australien zu klein, der Rest der Welt ist autokratisch (China, Emirate, Singapur) oder xenophob (Japan).
Es wir uns also nicht übrig bleiben, als das Beste aus dem zu machen, das wir haben, und worauf wir Einfluss haben. Das ist Europa, und es geht nicht darum, glänzende Analysen zu fabrizieren, sondern ein Konzept zu entwickeln und umzusetzen, wie Europa wieder attraktiv wird, und zwar der attraktivste Ort der Welt. Mit einem Gürtel an Nachbarn, die gerne in dieser Nachbarschaft leben.
Ich glaube nicht, dass die EU in der heutigen Form geeignet ist. Ich sehe aber keine einzige Alternative zu einem einigen und starken Europa. Die massiven Ungleichgewichte der Nationalstaaten in Europa wird es weiterhin unmöglich machen, breiten Konsens zu finden. Gleichzeitig sind die grossen Nationalstaaten zu gross, um eine emotionale Heimat zu geben. Das sieht man nicht nur in Bayern, sondern auch in Katalonien oder Schottland. Wir brauchen einen neuen Ansatz für Europa, einem Europa der Regionen für die emotionale Bindung der Menschen, und einer starken kontinentalen Ebene, die auf Augenhöhe mit den USA und China agieren kann. Die das macht, was sie muss - Sicherheit, Infrastrukturen, Aussenbeziehungen, Strategie -, und den Rest subsidiär machen lässt, wo es am besten gemacht werden kann. Und dann braucht Europa grosse und verbindende Projekte. Zum Beispiel einen "Euroloop" als Vernetzung der Menschen in Europa - ökologischer und schneller als Fliegen, ein ambitioniertes Projekt mit Ausstrahlung, das Europa attraktiv macht für die besten Köpfe der Welt. Und etwas, was die aufgeblähten Geldtöpfe in etwas Sinnvolles transferiert. Wir brauchen auch europäische Ziele, wo wir in der Forschung weiter Spitze sein wollen - wir sind dies an einigen Orten wie der Teilchenphysik und der Astronomie, aber wir brauchen neue Ziele zur künstlichen Intelligenz, Robotik, Mobilität, etc.
Also, packen wir es an:-)

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Ihre Vorschläge klingen durchaus sinnvoll – nur sind es nicht Ideen auf dem grünen Tisch? Ein wenig bleibt dabei die Frage, wer zum Teufel für kollektive Monster-Projekte wie den Euroloop den Startschuss geben (und dann Planung und Verantwortung übernehmen) sollte. Oder für die in gegenteilige Richtung laufende Regionenidee die Machtverlagerung nach unten durchsetzt. Mir ist leicht unklar, wer in der EU eigentlich die Verantwortung hat.

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Die EU ist und bleibt ein reines Wirtschaftskonstrukt. Da in der Wirtschaft der Grundsatz herrscht 'wer zahlt befiehlt', herrscht dieser Grundsatz auch in der EU. Da Deutschland der grösste Nettozahler ist, nimmt es sich die Freiheit zu befehlen...
Die EU ist DAS Konstrukt wo niemand verantwortlich ist für Schäden aller Art, aber ein paar Supermans (und ganz, ganz wenige Superwomans) sich jeden Erfolg in Heller und Pfennig auszahlen lassen. Entweder die Wirtschaft lässt sich demokratisieren, oder die EU politisieren. Beides scheint mit der jetzigen Machtelite (und dem jetzigen Wahlvolk) nicht erreichbar. Gut möglich, dass es zuerst wieder eine Katastrophe wie die beiden Weltkriege braucht, um den Europäern klarzumachen was wirklich zählt. Tatsächlich brauchte es ZWEI Weltkriege mit über 100 mio Toten und noch viel mehr körperlich und seelisch schwerst Beschädigten um so etwas wie die 'goldenen 50er' möglich zu machen. Ein weitgehend enteigneter Geldadel und eine seltene Einsicht der Siegermacht USA machten es möglich. Und die totale Missachtung jeglicher ökologischer Grundsätze...

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Jetzt hab ich noch was vergessen: wer hat denn dieses super Portrait zu Beginn des Artikels gemalt? Gefällt mir sehr!

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Andrea Ventura – portraitierte für uns schon Beppe Grillo: https://www.republik.ch/2018/02/01/…e-diktator

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Danke und pardon! Steht ja dick drüber, hab ich glatt überlesen. So viel zum aufmerksamen Lesen ... shame on me...

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Constantin Seibt, ein guter Artikel aber einmal mehr zu lang, dient in erster Linie der Selbstbeweihräucherung!

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Eine grossartige Auslegeordnung ist dieser Artikel. Wer keine Zeit hat oder eventuell zu blöd ist den Artikel zu lesen oder zu verstehen, hat ja genügend Gelegenheit sich bei der Schlagwortpresse per Kurzfutter zu bedienen.

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Wer schon bei den reich bebilderten und kurz kommentierten Pendlermüll-Nach-Richten vor Blättern das Interieur des Vorortszugs nicht mehr sieht, ist dann im Büro bereits nach einer handvoll gepfefferten Worten satt. Dann sei dem geneigten Wortkonsumenten das selbe gesagt wie dem kleinen Jungen vor dem Zmittag: weniger schnousen, sonst geht's am Abend ohne Znacht ins Bett und am Morgen knurrt einem dann wieder die Neugierde, welche mit Meldungen, die höchstens die über hunger klagenden Allesfresser auszufüllen vermögen, die Lust auf Nahrung im Keim ersticken.
Ab und zu ein fettiges Schnell-Imbiss-Dings kredenzen verdirbt einem nicht das Mägelchen, aber täglich zum Frühstück sei es weniger empfohlen, vor allem, wenn man sich noch einen reich garnierten Mehrgänger einverleiben möchte.

Wer den Mehrgänger nicht mag, soll ihn doch bitte weiterreichen. Der eine oder andere Fast-Fooder käme vielleicht auf den Geschmack. Ä Guete! Und excusé für das veranglizistme und verberndeutschte Deutsch. Ist sicher kaum geniess-, dafür schwer erziehbar.

Danke den Gourmet-Künstlern für ihre Kreationen! Wenn es mal zuviel wäre, man muss nicht alles auf einmal essen.

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Je länger desto selbstbeweihräuchernd? Zu kurz gegriffen.

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Herrje. Danke an alle freundlichen Bleib-lang-Kommentaren und Kommentatorinnen! Ich find, ich hab den Job nur zu 3/4 getan – am Schluss noch eine energische Kill-your-Darlingsrunde wäre nicht schlecht gewesen, weil so der Text wie ich nun sehe nur schwer debattierbar ist. Und seine Lieblinge nicht anzugriffen hat tatsächlich was mit Selbstschonung zu tun. (Und ein wenig auch mit Zeit.)

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Fühlte sich mehr nach Höllenfeuer als nach Beweihräucherung. Immer die gleiche Geschichte. Zu viel gelesen. Zu lang nachgedacht. Gestartet mit dem Vorsatz, schnell zu sein. Dann 48 Stunden durchgeschrieben. Und schon ist ein Monster da, das sich nicht mehr klein kriegen lässt. Werde meine Praxis ändern müssen. (Weiss noch nicht wie, aber es ist Zeit.)

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Sie dürfen natürlich schreiben wie Sie es für richtig befinden - aber als Verleger und Konsument möchte ich hier Veto einlegen. Es muss überhaupt nichts geändert werden.
Höllenfeuer-Monster-Artikel sind ein grandioses Zeugnis für leidenschaftlichen Journalismus und ein wunderbares Aushängeschild für die Republik.

Nicht alles muss massentauglich und leichtverdaulich mit Podcast und Video sein. Für mich sind die engagierten, langen Artikel ein Markenzeichen der Republik, und so darf es gerne bleiben.

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Du bist und bleibst der Monsterschreiber! Sonst ist das Höllenfeuer nur noch ein kleines Feuerchen und durchschnittlich.

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A. S.
· editiert

Nein! Nichts ändern! Es tut mir leid, wenn Sie dafür durchs Höllenfeuer müssen, aber ich schätze Ihre Artikel sehr - so wie sie sind. Ausführlich und gescheit.

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Wieder mal ein sehr interessanter Artikel, lieber Herr Seibt! Danke vielmals für Ihre Ausführungen, die zum Nachdenken anregen.
Auch wenn ich nicht alle (v.a. Euro- finanz-wirtschaftlichen) Details voll verstanden habe, kann ich nicht nachvollziehen, wieso Sie A. Merkel so unbedingt ersetzen wollen.
Da denke ich ähnlich wie mein ‚Vorschreiber‘ Herr Heydrich. Die Strategien, ihre Qualitäten und ihr Wunsch nach Freiheit finde ich gut, auch wenn sie damit nicht immer erfolgreich ist. Ob es unter anderer Regierung besser geworden wäre, weiss niemand.
Tja, und wenn denn Frau Merkel weg wäre, wen schlagen Sie denn vor, wer es besser könnte in Deutschland??
Und welche Massnahmen würden Sie denn selbst ergriffen haben oder würden Sie denn jetzt ergreifen an Merkels Stelle?
Ich bin gespannt, wie es weiter geht...

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Nun ja, ich schrieb: Im Moment sehe ich keine Alternative zu Frau Merkel. (Was aber kein gutes Zeichen ist.) Und wünsch ihr allen Erfolg.
Ich glaube, zwischen 2010 und 2013 hätte sie die Chance gehabt, eine gestaltende, statt defensive Politik in Europa zu machen – sie hätte die Krise für eine neue Architektur des Kontinents nützen können.

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Das ist völlig richtig ------aus Schweizer Sicht! Europäische Gestaltung durch die Initiative Deutschlands wird nicht unbedingt goutiert, teilweise noch nicht mal in Deutschland. Aber warum sie auf die Avancen Macrons so schüchtern reagiert werde ich wohl auch erst später verstehen. Fest steht, die Kanzelerin weiss genau, dass es in Europa keinen größeren Profiteur an der EU gibt als Deutschland. (Physik ist nämlich deutlich komplexer als Volkswirtschaft!) Und fest steht, dass Deutschland dafür (in welcher Form auch immer) zahlen wird und muss. Wenn es denn endlich so weit ist, dann bitte mit einem Lächeln, in tiefer Demut und ohne Arroganz!

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PS: Ersetzen will ich Frau Merkel nicht. Das sehe ich – im Gegensatz zu optimistischeren Kollegen, die der Politik regelmässig (sicher hervorragende) Ratschläge gibt – auch nicht als meinen Job.
Mich interessiert das Drama der Welt. Das macht mich leider unbrauchbar für alles andere als die Schilderung des Dramas.

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Geschätzter Gentleman!
Eine Diskussion mit einem Artikel der Kategorie "Eierlegendewollmilchsau" zu eröffnen ist ein wenig hinterhältig! Ganz wichtig sind 2 Faktoren: Campino sagt: " Ich habe keine Antwort in zwei Sätzen" und ich sage:" Alles unter das Motto "FREIHEIT" zu setzen, ist jetzt nicht ganz so schlecht! Dazu gibt es ein Deutsches Grundgesetz welches unbedingt öfter gelesen und auch zitiert werden sollte §16a verbietet jede Obergrenze von Asylanträgen, genau wie sogenannte Transitzentren. Allerdings sollten alle die sich darauf berufen (Mit dieser typischen Empörungshaltung des Intelektuellen, der noch nie einen Flüchtling gesehen hat!) auch den § 18 mal genau durchlesen, denn alle Rechte die dieses visionäre Gesetzwerk verleiht, können mit § 18 auch umgehend wieder kassiert werden. Das müßte nur mal jemand machen.
Lieber Gentleman, zurück zur Ausgangsfrage. Natürlich ist Kanzelerin Merkel Teil des Problems, selbstverständlich macht es daher keinen Sinn, ihr die Lösung des Problems (der zahlreichen Probleme!) zu überlassen, doch ich habe (als jemand der stets eine andere Partei gewählt hat!) vollstes Vertrauen in meine Kanzelerin.
Warum?
Intelligent, gebildet, unabhängig, unbestechlich,bescheiden und dann auch noch freiheitsliebend, da bin ich bereit zahlreiche Fehler (wenn es denn welche waren?!?!) zu verzeihen.

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Jep. Ich seh das Problem: Eine Debatte nach einem derartig ausschweifenden Panoramaartikel ist nicht sehr ideal – ich schreibe mir hinter meine vollgekritzelten Ohren.
Immerhin gibt es eine Lösung: Campino. Der sagt clevere Dinge so laut wie kurz.
PS: Und mir gefällt die Grosszügigkeit Ihrer Haltung – auch den Leuten zu vertrauen, die man nicht gewählt hat, wenn sie klug sind. Das passiert viel zu selten.

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Ich halte nichts vom Merkel-Bashing, das offenbar jetzt auch hier Raum greift. Die Aktion Seehofer hat sie souverän überstanden, vielleicht auch, weil sie erkannt hat, dass Seehofer seinen bayerischen Komödienstadl nur aus einem Grund aufgeführt hat, nämlich Söder den Wahlkampf zu vergeigen. Da war noch eine Rechnung offen. Mit Flüchtlingen hatte dieses Theater nichts zu tun.

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Interessante These, dass Seehofer quasi seinen verhassten Nachfolger Söder per Selbstmordattentat versenken will. Ich bin offensichtlich noch zu naiv. Und kein Bayer. (Habe aber eine Bayrische Grossmutter, der genau so etwas zuzutrauen gewesen wäre: Sie hatte eine explosive Mischung aus Kalkül und Handgranatentemperament.)

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Ich habe nicht einmal eine bayerische Grossmutter, aber ich habe Günter Beckstein aufmerksam zugehört, der verlauten liess, dass er keinen Politiker kenne, der die politischen Spiele und Finten so gut beherrsche wie Seehofer. Söder ist ihm offenbar so zuwieder, dass er alles dafür unternimmt, ihn im Oktober als Verlierer da stehn zu sehen.

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Anonymous
· editiert
(unsichtbar)
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Wenn Merkel weg muss, dann weil eigentlich niemand mehr als 12 Jahre lang regieren sollte. Das Tragische in Deutschland ist, dass sich alle fähigen Regierungschefs (Adenauer, Brand, Schmidt. Kohl, Schröder(?)) (übrigens auch die Unfähigen Erhard und Kiesinger) stürzen liessen und den richtigen Zeitpunkt für einen Rücktritt nicht fanden. Merkels Bilanz ist aber weniger negativ als Seibt dies beschreibt, ihre Politik weniger opportunistisch und machtverliebt, als ihre Gegner das behaupten. Dass es der EU ohne Euro besser ginge, ist eine Behauptung, die empirisch nicht überprüfbar ist, sicher ist aber, dass die Unaufgeregtheit und Pathosferne von Frau Merkel Europa auch genützt hat. Hoffentlich findet sich in Deutschland zur gegebenen Zeit eine gleichwertige Nachfolgerin.

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Ich bin hier mehrfach gespalten.
Ich glaube im Gegensatz zu Herrn Biland, dass die Elite eines Landes durchaus von Zeit zu Zeit in einzelnen Projekten an das Gemeinsame appellieren sollte – es ist der Job der Cleveren, Mächtigen, Reichen das Gemeinsame im Auge zu haben, bzw. es zumindest zu heucheln (denn Heuchelei ist die Verbeugung des Lasters vor der Tugend – eine Gesellschaft ohne Heuchelei ist eine Gesellschaft ohne Werte).
Nur sollte der Appell nach und mit einer Debatte stattfinden – und nicht unter der Flagge der Alternativlosigkeit, die letztlich das Diktat der Obrigkeit bedeutet.
Und ich halte Merkel auch nicht für eine schlimme Politikerin. Und bin wie Herr Hegetschwiler der Meinung, dass ihr Verzicht auf Pathos keine sc Hechte Sache ist. Was ich allerdings eine schlechte Sache finde, ist ihr durchgängiger Verzicht auf Pathos. Bzw., dass sie sämtliche Probleme ohne Unterschied mit derselben Methode anpackt: Herunterkochen.
Und so die Verantwortung abgibt, Unterschiede zu machen.

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Es gibt in Deutschland nicht einen Politiker der in der Lage sein könnte die massiven Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Einfach nur 'Merkel muss weg' wird nicht reichen. Wenn Deutschland wieder rechtsnational regiert wird, wirds gefährlich. Deutschland hat im letzten Jahrhundert eindrücklichst bewiesen, dass es problemlos in der Lage ist Europa ins totale Chaos zu stürzen. Mit all den dummen Idioten welche in Europa derzeit regieren ist ein absichtlich provozierter Zusammenbruch der EU sehr wahrscheinlich. Wenn nur noch Frankreich und ein paar unbedeutende Kleinstaaten eine echte Regierung haben ist auch ein weiterer gewaltsamer Konflikt wieder in greifbarer Nähe. Darum hoffe ich, dass Merkel noch lange im Amt bleibt. Zumindest so lange, bis sich irgend ein politischer Verein in Deutschland aufrafft und dem kollektiven Wahn der Selbstbereicherung den Kampf ansagt

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