Wir sind die Republik und haben das ehrgeizige Ziel, für Sie so etwas wie die Steuererklärung zu werden. Denn unabhängiger Journalismus ist wie die Steuern – ein notwendiges Ärgernis. Wie der US-Republikaner Oliver Wendell Holmes (1841–1935) sagte: «Ich zahle gerne Steuern. Damit kaufe ich mir Zivilisation.»

Debatte

Kann Merkel Europa vor den Populisten retten?

Diskutieren Sie mit Autor Constantin Seibt.

09.07.2018

Mit Horst Seehofer hätte diese Woche ein einziger Regionalpartei-Chef genügt, um die erfahrenste Frau Europas kippen zu lassen. Und damit die Machtverhältnisse in Europa. Doch Angela Merkel erwies sich erneut als Zauberin im Verkleinern von Problemen und der dahinterstehenden Männer. Es war allerdings verdammt knapp.

Die Frage ist, ob die dezidiert pragmatische Politik der Kanzlerin gegen die populistische Welle genügt. Und ob ihre Strategie des Tuns-als-ob, der allseitigen Absicherung und der winzigen Schritte nicht ebenfalls eine Spielart der illiberalen Demokratie ist.

Was denken Sie? Ist Merkel stark genug? Wie sollte sich ein konstruktiver Politiker, eine wirkungsvolle Politikerin heute positionieren? Wie geht man damit um, dass die Welt einerseits durch tausend Verträge, Interessen, Absicherungen gebaut ist? Andererseits durch die Sehnsucht nach souveräner Autorität bedroht?

Kurz: Was würden Sie als Politiker, als Politikerin tun?

Lesen Sie «Merkel. Machos. Und die Macht». Und diskutieren Sie heute zwischen 9 und 14 Uhr mit Autor Constantin Seibt. (Mit einer mittellangen Abwesenheitspause während der Redaktionssitzung von 10.30 bis 12 Uhr.) Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

Wenn Sie schon hier sind …

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Wenn, dann ist der Artikel noch zu kurz...
Eine sehr kluge und treffende Analyse!! Wow!!!
Besonders, die Beschreibung der Rolle, welche 'Merkeldeutschland' in Europa spielt, wie sehr gerade die Deutschen Europa zu ihrem eigenen Vorteil nutzen!!...das müsste in Deutschland dringend erzählt werden!!
Wie sehr der deutsche Wettbewerbsvorteil, durch jahrelange Lohnzurückhaltung gegenüber der eigenen Bevölkerung erwirkt würde und schon lange zum Schaden von ganz Europa gereicht, davon wissen in Deutschland nur sehr wenige.
Noch immer glaubt man der Mär von der schwäbischen Hausfrau und der eigenen Tüchtigkeit.
Merci Herr Seibt.

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Als Schweizer mit durchschnittlicher Bildung und ebensolcher Auffassungsgabe empfinde ich diesen geführten Blick über den Tellerrand als sehr wertvoll. Ich fühle mich bezüglich Verständnis der Vorgänge bei unseren grossen Nachbarn oft etwas überfordert und die Lektüre hilft, hier wieder mal über Stammtischniveau hinaus mitdenken und -diskutieren zu können. Und ja, der Text ist lang, aber es geht ja weit über ein Portät der Kanzlerin hinaus und liefert viele Zusammenhänge und eine doch wieder kompakte Nachlese gleich mehrerer Events, die für unsere Gegenwart von zentraler Bedeutung sind. Das Wichtigste: Sie schaffen es, bei aller Länge und anspruchsvoller Wort- und Satzwahl, mich durch den ganzen Text bei der Stange zu halten. Und das gilt für alle Republik-Artikel, die ich bisher gelesen habe. Mein Republik-Abo, pardon -Verlegerbeitrag, habe ich bisher wohl noch nicht rausgefahren (um es im Skitagespass-Jargon zu sagen). Doch meine anfängliche „Wie soll ich das nur alles lesen“-Befürchtung weicht zunehmend der Freude am Rosinenpicken und dem Verlegerstolz. Rosinen übrigens, die in und aus der Schweiz - abgesehen von NZZ und REPORTAGEN - kaum mehr zu finden sind. In diesem Sinne: Vielen Dank für diesen und jene Artikel und weiter so!

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“Wie Schiffer sind wir, die ihr Schiff auf offener See umbauen müssen, ohne es jemals in einem Dock zerlegen und aus besten Bestandteilen neu errichten zu können.“ (Neurath)

Vorab, ich fand den Artikel nicht zu lang. Grössere Zusammenhänge dürfen aufgrund ihrer Breite & Tiefe auch auf einer gewissen Länge ausgebreitet werden, um nicht zu verkürzt und flach zu erscheinen.

Aber er spielte, wenn auch amüsant, doch etwas zu arg auf den Mann oder eben auf die Frau. Und auch wenn ich mit CS einig gehe, dass man - im Nachhinein - vieles hätte besser machen können, dürfen seine kontrafaktischen Voraussetzungen angezweifelt werden: Dass nämlich eine Person die Macht für grosse Politik hätte.

Sie war in den Krisenjahren der einzige Mensch, der die Macht gehabt hätte (…). Was wäre gewesen, wenn Angela Merkel (…) eine grosse Kanzlerin gewesen wäre? Eine Frau, (…) die das Grosse gross behandelte? (…) Die in der Krise akzeptiert hätte, dass Deutschland die einzige übrig gebliebene Führungsmacht war? Und gehandelt hätte, statt eine Politik des Tun-als-ob durchzusetzen?

Denn nicht erst seit heute leben wir in einem Weltinnenraum hochkomplexer interdependenter Systeme, die permanent und immer dynamischer ein hohes Mass an Kontingenz und Ungewissheit bewältigen müssen.

Doch was bedeutet eine dezentrale Weltrisikogesellschaft für nationale Regierungen? Für diese stellt sich in kritisch-krisenhafter Weise das Problem der Steuerung. Die Frage ist, in welchem Sinne und in welchem Ausmass kann eine Regierung nach der Entzauberung des Staates - sei es aufgrund Ausdifferenzierung, Globalisierung, Multilateralisierung, Neoliberalisierung - überhaupt noch im eigentlichen Sinne politisch handeln?

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Von mir gibt es vor allem einen erfreuten "weiter so" Kommentar zur Debatte: Toll, wie viele Frauen hier debattieren, das Gleichgewicht ist nicht in jeder Debatte so gut. Und danke auch für den aufschlussreichen Text, lieber Constantin.

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.....ich bin noch gar nicht fertig und mein angefangenes Schreiben an Sie ist, während ich einen Kaffe machte abgesaust, unauffindbar. Ich wollte ihnen sagen, dass es für mich doch völlig unwichtig ist ob ihr Artikel zu lang oder zu kurz ist . Ich jedenfalls hab auf meine Frage: wer ist Merkel? und was ist los mit Deutschland und Europa? wunderbare sprachliche und inhaltliche Anregungen bekommen. Das Buch von Varufakis hab ich mit Erstaunen ganz gelesen und daher eine Ahnung was für ein menschliches Desaster da passierte. Es ist der Angstschweiss aus den Achselhöhlen der Mächtigen der diese zu tiefst unmenschliche politisch absurde Haltung der Protagonisten in diesem mörderischen Prozess möglich macht. Lieber Herr Seibt, ich hab Ihren Artikel als Verlegerin genossen, weil er unverschwitzt und klar ist in der Analyse, weil er voller genialer Wortübersetzungen eines grossen und ganz eigenen Gefühls ist, das in Ihrem Schreiben lange aufgestauten Fragen Ausdruck verleiht. Der grosse Bogen verlangt Spannkraft beim Lesen... und natürlich auch beim Schreiben. Dass so ein Artikel ein Kraftakt ist für Sie ist mir klar. Wie soll der Leser das mit cooler Routine lesen? Is nicht! Dass man sich dann beschwert über die Form und den persönlichen Ton, ist einfach lächerlich. Wie so oft sagt es mehr über den Leser aus, als über Ihre Arbeit. Mit einem herzlichen Gruss und Dank für Ihre Arbeit S

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Eine exzellente Gesamtschau zur Europafrage liefert das Republik-Interview von Daniel Binswanger mit Ulrike Guérot vom 10. Juli 2018: "Wir brauchen ein souveränes Europa".
Leider ist dort keine Debatte erwünscht. Die Lektüre ist jedoch sehr zu empfehlen.

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Lieber Herr Seibt
Mit einiger Verspätung wende ich mich mit zwei nicht so grundsätzlichen Fragen an sie. Vorbemerkung: ich liebe ihre treffenden, farbigen, manchmal auch etwas grellen Sprachbilder, mit denen sie ihre Gedankengänge illustrieren. Bei diesem Artikel bin ich aber mehrmals gestolpert. "Nichts an ihr hat je den Kult der Authentizität akzeptiert, den so gut wie alle im Westen aufgewachsenen Jugendlichen mitbekommen". Rebellion, Auffälligkeit, Selbstdarstellung - wo ist der Bezug zur Authentizität ? Und: "Kitsch der Nüchternheit versus Kitsch der Härte" - wann wird etwas zu Kitsch? Dieser Begriff ist so vieldeutig und ungenau, dass ich mir hier mehr Klarheit wünschen würde.

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Ich bin leider nicht so gebildet. Darum ist dieser Artikel für unsereiner kaum mehr zu verarbeiten. Aber das oll vermutlich auch nicht so sein. Einmal mehr enttäuscht von der Republik. Mir geht es mit diesem Magazin wie im Fussball mit der Schweizer Nationalmannschaft. Man hofft krampfhaft darauf, dass jetzt dann endlich mal der Exploit stattfindet, der verbal seit langem angekündigt ist. Und dann, im entscheidenden Moment, shit, ist es halt doch wieder nichts.

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Vielen Dank, lieber Constantin, dass du so klar zwei Lebenslügen der deutschen Europapolitik benennst:

  1. Dass der Euro gut für Europa ist.

  2. Dass Angela Merkel gut für Europa ist.

Wenn ich auf griechischen Regionalflughäfen hinter Fraport-Absperrbändern herumstehe und mir klar wird: Das alles gehört jetzt deutschen Unternehmen – dann schäme ich mich für meinen deutschen Pass.

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Von wem stamm dieser Satz?: Ich schreibe dir einen langen Brief, weil ich keine Zeit habe, dir einen kurzen zu schreiben

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Politikerinnen wie Merkel sind blosse Mehrheitsverwalter und keine Führungskräfte. Das ist je nach Situation auch gar nicht so falsch, hält aber längerfristig nicht gegen mit Pathos und Entschlossenheit auftretenden Populismus. Und ich glaube nicht, dass hier einzelne Personen allzu viel ausrichten können, einschliesslich Merkel.

Was Europa dringend bräuchte, wäre eine kultivierte Vision für die Zukunft, hinter der eine Mehrheit stehen kann. Ein Ersatz für die alten Mythen der Zusammengehörigkeit, die christlich-abendländische Religion welche nicht mehr zieht, und die völkisch-nationalistische Verklärung welche zum Glück noch nicht Überhand hat. Nur ein bisschen Fussball, staatliche Fernsehsender und "Wir kloppen uns nicht mehr seit dem Krieg" reichen einfach nicht aus, damit Europa zusammenhält.

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Ein langer Artikel, und dann doch wieder sehr arg und plakativ verkürzt, man wird Angela Merkel nicht gerecht, wenn man sie mit zahlreichen Beispielen aus der politischen Praxis auf die Machtfrage verkürzt und als Opportunistin preist, gerade diese Frau, die gerade nicht die mächtigste Europas ist, die aber zweifellos überragendes Verhandlungsgeschick beweist hätte etwas mehr Tiefgang verdient. Deutschland, das mit Abstand die meisten Luxusautos der Welt baut, als Billigwerkstatt zu bezeichnen (weiss Seibt eigentlich, was die Leute mit ihren Ein-Euro-Jobs arbeiten), ist schon grotesk verkürzt. Schade.

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Für einige Bereiche bin ich zuwenig Fachperson, als dass ich eine genaue Einschätzung vornehmen könnte. Das Fazit ist mir allerdings zu pessimistisch. Wenn Merkel all das, was hier gefordert wird, zu ihren auch hier unbestrittenen Fähigkeiten und Leistungen HINZU auch noch könnte, wäre sie nicht menschlich, sondern übermenschlich! Das kann man/frau nicht ernsthaft einfordern. Dass ihre Zeit zu Ende geht, weiss sie mit Sicherheit selber. Wie alle sehr intelligenten Personen weiss sie auch, dass es nach ihr weitergehen wird und sie nur ihren Teil beigetragen hat. Wenn ich mich nicht täusche, ist sie gerade daran, mit Kamp-Karrenbauer eine mögliche Nachfolge aufzubauen. Denn Eines wird neben der Freiheit wohl das Wichtigste für sie sein, und schon allein dafür werde ich ihr immer danken: Dass sie stoisch und nüchtern nie auf all die Finten der Patriarchen hereingefallen ist, die ihr System um jeden Preis erhalten wollen. DAss sie nicht eingebrochen ist mit einer für Frauen im Westen leider sehr typischen ansozialisierten Opferhaltung oder Stutenbissigkeit. Und dass sie dabei kein "besserer Mann" geworden ist, weil sie dieses System durchschaut, ohne aber deswegen eine Gegenerin von Männern zu werden. Was das für eine hohe Kunst ist, wird erst die Nachwelt erkennen. Und wieviel diese Nüchternheit mit der mit der Aufklärung begonnenen Vernunft, und dem damit verbundenen Schub der Zivilisation zu tun hat, und wie stark es auch Europa zugute kommt.

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Bitte noch etwas länger, lieber Constantin Seibt: ein Buch über den (nicht nur europäischen) Status quo. Sie gehören zu den wenigen Zeitgenossen hierzulande, bei denen die Verbindung von Bauchgefühl, analytischem Verstand und hinreichender Phantasie funktioniert. Das Dilemma: mit dem Tagegeschäft der "Republik" zusammen geht das schwer - aber Sie schaffen das.

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politik begreife ich je länger je mehr als schlechte satire. z.b. kann ich ganz gut in merkel die liebe tante und in seehofer den bösen onkel sehen. die spielen dass nun doch schon über jahre hinweg.
& und als merkel einmal format zeigte und sich outete mit: wir schaffen das! war dies doch die eigentliche geburtshilfe für die afd, und nicht das muttihafte was sie sonst allgemein ausstrahlt ...

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Ein ausgezeichnet verfasstes Portrait der Kanzlerin. Es ist eine wohltuende Alternative zum in letzter Zeit üblichen Merkel-Bashing. Eine kleine Berichtigung: Frau Merkel erhielt ihr Diplom in Physik, nicht Chemie. Sie arbeitete dann im Zentralinstitut für Physikalische Chemie. Die theoretische Physik ist ein Fach, das nebst Intelligenz ein hohes Abstraktionsvermögen erfordert. Beides erkenne ich wieder in ihrer politischen Laufbahn.
Ihren Regierungsstil würde ich vor allem als pragmatisch bezeichnen, was für das immer noch Nachkriegs-Deutschland sehr angebracht und für Europa beruhigend ist. In der Flüchtlingsfrage entschied sie - für eine Politikerin völlig ungewöhnlich, aber für eine Pfarrerstochter verständlich - auf rein ethischer Grundlage. Damit bewies sie Mut, bewirkte aber politischen Backlash, mit dem sie jetzt fertig werden muss.
Schon vor Jahren äusserte George Soros die Ansicht, Deutschland müsse den Euro verlassen und zur D-Mark zurückkehren, um die wirtschaftliche Situation der südlichen europäischen Länder zu stabilisieren. Dieser Vorschlag kam kürzlich wieder zur Sprache. Ich bin kein Fachmann und kann die Opportunität dieses Schrittes nicht wirklich beurteilen. Doch er erscheint mir plausibel. Ober er realisierbar ist ist eine andere Frage.
Nochmals Dank für den anregenden, lesenswerten Beitrag.

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Eine feine Zeitreise. Zu einem Merkel-Porträt gehören vielleicht noch zwei Kürzel: NSU und NSA. Nach wie vor ist unklar, ob und in welchem Maße staatliche Stellen die Morde der Böhnhardt-Mundlos-Bande begünstigt haben. Merkel hatte den Hinterbliebenen Aufklärung versprochen.
Folgt man dem Krimi-Autoren Wolfgang Schorlau, hängen die beiden Kürzel womöglich zusammen. In einem seiner Dengler-Bücher stellt er die These auf, ein amerikanischer Geheimdienst hätte für die Verstrickung deutscher Geheimdienste gesorgt, um die Bundesregierung erpressbar zu machen. Aber auch ohne diesen thrilleresken Zusammenhang ist erstaunlich, was "unter Freunden" doch so alles zu gehen scheint.

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"Dass Europa für ehrgeizige Leute nicht mehr erste Wahl ist" - leider gibt es im Moment für Menschen, die etwas bewegen wollen, überhaupt keine erste Wahl mehr. Amerika's Strahlkraft ist erloschen, Kanada und Australien zu klein, der Rest der Welt ist autokratisch (China, Emirate, Singapur) oder xenophob (Japan).
Es wir uns also nicht übrig bleiben, als das Beste aus dem zu machen, das wir haben, und worauf wir Einfluss haben. Das ist Europa, und es geht nicht darum, glänzende Analysen zu fabrizieren, sondern ein Konzept zu entwickeln und umzusetzen, wie Europa wieder attraktiv wird, und zwar der attraktivste Ort der Welt. Mit einem Gürtel an Nachbarn, die gerne in dieser Nachbarschaft leben.
Ich glaube nicht, dass die EU in der heutigen Form geeignet ist. Ich sehe aber keine einzige Alternative zu einem einigen und starken Europa. Die massiven Ungleichgewichte der Nationalstaaten in Europa wird es weiterhin unmöglich machen, breiten Konsens zu finden. Gleichzeitig sind die grossen Nationalstaaten zu gross, um eine emotionale Heimat zu geben. Das sieht man nicht nur in Bayern, sondern auch in Katalonien oder Schottland. Wir brauchen einen neuen Ansatz für Europa, einem Europa der Regionen für die emotionale Bindung der Menschen, und einer starken kontinentalen Ebene, die auf Augenhöhe mit den USA und China agieren kann. Die das macht, was sie muss - Sicherheit, Infrastrukturen, Aussenbeziehungen, Strategie -, und den Rest subsidiär machen lässt, wo es am besten gemacht werden kann. Und dann braucht Europa grosse und verbindende Projekte. Zum Beispiel einen "Euroloop" als Vernetzung der Menschen in Europa - ökologischer und schneller als Fliegen, ein ambitioniertes Projekt mit Ausstrahlung, das Europa attraktiv macht für die besten Köpfe der Welt. Und etwas, was die aufgeblähten Geldtöpfe in etwas Sinnvolles transferiert. Wir brauchen auch europäische Ziele, wo wir in der Forschung weiter Spitze sein wollen - wir sind dies an einigen Orten wie der Teilchenphysik und der Astronomie, aber wir brauchen neue Ziele zur künstlichen Intelligenz, Robotik, Mobilität, etc.
Also, packen wir es an:-)

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Jetzt hab ich noch was vergessen: wer hat denn dieses super Portrait zu Beginn des Artikels gemalt? Gefällt mir sehr!

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Constantin Seibt, ein guter Artikel aber einmal mehr zu lang, dient in erster Linie der Selbstbeweihräucherung!

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Wieder mal ein sehr interessanter Artikel, lieber Herr Seibt! Danke vielmals für Ihre Ausführungen, die zum Nachdenken anregen.
Auch wenn ich nicht alle (v.a. Euro- finanz-wirtschaftlichen) Details voll verstanden habe, kann ich nicht nachvollziehen, wieso Sie A. Merkel so unbedingt ersetzen wollen.
Da denke ich ähnlich wie mein ‚Vorschreiber‘ Herr Heydrich. Die Strategien, ihre Qualitäten und ihr Wunsch nach Freiheit finde ich gut, auch wenn sie damit nicht immer erfolgreich ist. Ob es unter anderer Regierung besser geworden wäre, weiss niemand.
Tja, und wenn denn Frau Merkel weg wäre, wen schlagen Sie denn vor, wer es besser könnte in Deutschland??
Und welche Massnahmen würden Sie denn selbst ergriffen haben oder würden Sie denn jetzt ergreifen an Merkels Stelle?
Ich bin gespannt, wie es weiter geht...

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Geschätzter Gentleman!
Eine Diskussion mit einem Artikel der Kategorie "Eierlegendewollmilchsau" zu eröffnen ist ein wenig hinterhältig! Ganz wichtig sind 2 Faktoren: Campino sagt: " Ich habe keine Antwort in zwei Sätzen" und ich sage:" Alles unter das Motto "FREIHEIT" zu setzen, ist jetzt nicht ganz so schlecht! Dazu gibt es ein Deutsches Grundgesetz welches unbedingt öfter gelesen und auch zitiert werden sollte §16a verbietet jede Obergrenze von Asylanträgen, genau wie sogenannte Transitzentren. Allerdings sollten alle die sich darauf berufen (Mit dieser typischen Empörungshaltung des Intelektuellen, der noch nie einen Flüchtling gesehen hat!) auch den § 18 mal genau durchlesen, denn alle Rechte die dieses visionäre Gesetzwerk verleiht, können mit § 18 auch umgehend wieder kassiert werden. Das müßte nur mal jemand machen.
Lieber Gentleman, zurück zur Ausgangsfrage. Natürlich ist Kanzelerin Merkel Teil des Problems, selbstverständlich macht es daher keinen Sinn, ihr die Lösung des Problems (der zahlreichen Probleme!) zu überlassen, doch ich habe (als jemand der stets eine andere Partei gewählt hat!) vollstes Vertrauen in meine Kanzelerin.
Warum?
Intelligent, gebildet, unabhängig, unbestechlich,bescheiden und dann auch noch freiheitsliebend, da bin ich bereit zahlreiche Fehler (wenn es denn welche waren?!?!) zu verzeihen.

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Ich halte nichts vom Merkel-Bashing, das offenbar jetzt auch hier Raum greift. Die Aktion Seehofer hat sie souverän überstanden, vielleicht auch, weil sie erkannt hat, dass Seehofer seinen bayerischen Komödienstadl nur aus einem Grund aufgeführt hat, nämlich Söder den Wahlkampf zu vergeigen. Da war noch eine Rechnung offen. Mit Flüchtlingen hatte dieses Theater nichts zu tun.

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Gratulation zu diesem gelungenen Panorama-Text über eine zentrale Schicksalsfrage unserer Zeit.
Eine illiberale Gesellschaft zeichnet sich meines Erachtens durch eine Elite aus, die ständig eine "Wertegemeinschaft" beschwört und Einigkeit fordert. "Wir müssen die Reihen schliessen und geschlossen mit einer Stimme sprechen" ist ein Lieblingssatz der Illiberalen. Merkel hat es in allen Krisen geschafft, die deutsche, europäische und teilweise auch globale Elite – zumindest medienwirksam – zu "einen" (man erinnert sich an die zahlreichen harmonischen Gipfel-Schlusserklärungen mit Gruppenfoto und Merkel-Raute). In der Flüchtlingskrise ist ihr diese Strategie ("WIR schaffen das") grandios misslungen. Die lange schwelenden Uneinigkeiten sind aufgebrochen, und nun erleben wir eine Elite, die orientierungslos und panisch um ihre Macht kämpft, weil die Wähler in Scharen abwandern.
Die Lehre daraus? Das wirksamste Gift gegen eine humane Demokratie ist die Methode der Ausgrenzung. Wer eine demokratische Gesellschaft multilateral führen will, muss Diener vieler Herren sein. "Die Mitte" und "die Vernunft" erweisen sich sonst als Ausgrenzungsmechanismus. Frau Merkel hat vor allem Frau Merkel gedient und dafür nur Rücksicht auf nationale wirtschaftliche Interessen genommen. Man kann das als Pragmatismus loben. Oder auch nicht.

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