Wir sind die Republik – ein neues Modell im Schweizer Journalismus. Unser Online-Magazin arbeitet unabhängig: keine Werbung, keine Klick-Wirtschaft, keine Kompromisse in der Qualität. Wollen Sie unabhängigen Journalismus unterstützen, freuen wir uns, Sie an Bord zu sehen.

Debatte

Soll die Schweiz auf Vollgeld umstellen?

Diskutieren Sie mit Autor Simon Schmid.

24.05.2018

Am 10. Juni stimmt die Schweiz über die Vollgeld-Initiative ab. Die Vorlage will das Finanzsystem weniger anfällig für Krisen machen, indem es das Geldwesen vom Kreditwesen trennt. Banken sollen über die Kreditvergabe kein Geld mehr schöpfen können; stattdessen soll die Nationalbank sämtliches Geld in Umlauf bringen – und zwar weitgehend «schuldenfrei».

Simon Schmid ist bereits vor einigen Tagen in zwei Texten vertieft auf die Initiative eingegangen: Vollgeld für Dummies: eine Einführung. Und Vollgeld für Nerds: eine Auseinandersetzung mit dem Wesen des Geldes und mit der Geld- und Finanzmarktpolitik im Vollgeld-System. Nun hat er einen dritten Text verfasst: «Die Märchen der Vollgeld-Initianten». Und wir legen die Debatte zu den ersten beiden Texten neu auf.

Deshalb sind nun wieder Sie am Zug: Was halten Sie grundsätzlich von der Initiative? Soll die Schweiz das Vollgeld einführen? Gäbe es damit weniger Krisen? Oder genügen die seit der Finanzkrise ergriffenen Regulierungen, um die Wirtschaft künftig sicherer zu machen?

Lesen Sie «Die Märchen der Vollgeld-Initianten» und debattieren Sie heute in unregelmässigen Abständen mit Autor Simon Schmid.

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

Sie haben in diesem Artikel viele Worte gelesen …

… aber die wichtigsten drei fehlten. Seit je beruht jede funktionierende Gemeinschaft auf diesen drei Worten. Liebende sagen sie zueinander. Gute Politiker sagen sie ihren Wählern, gute Priester ihrer Gemeinde, gute Eltern ihrem Kind. Sie lauten: Fürchte dich nicht! – Wir von der Republik glauben, dass auch im Journalismus gilt, was Franklin D. Roosevelt einst zur Politik sagte: «Wir haben nichts zu fürchten als die Furcht selbst.»


Noch nicht überzeugt? Jetzt probelesen
neu laden

Heute taumelt die Wirtschaft und das Finanzsystem von einer Krise zur nächsten. Das Einzige das wirklich kontinuierlich zunimmt, sind die Löhne und Boni der Spitzenbänker und zwar ganz egal ob es gut läuft oder katastrophale Verluste eingefahren werden.
Und Bundesrat, Parlament und die Banken reden von einem bewährten System?
Dieses System funktioniert nur für die Reichen gut, wir Normalos verdienen nichts daran, tragen aber die entstehenden Verluste.
Zugegeben, Vollgeld ist ein Experiment ohne 100% Erfolgsgarantie, und es kann nur einen kleinen Teil der Probleme lösen. Aber der heutige Zustand ist ein Experiment mit fast 100% Garantie für den nächsten Crash
Für Bundesrat, Parlament und Banken bedeutet Vollgeld natürlich Mehrarbeit, deshalb sind sie alle voll dagegen. Für uns Normalverdiener wäre es ein wohltuender Sicherheitsgewinn und ein kleiner Schritt aus dem provozierten Chaos der Bänker

31
/
9

Ihre Spekulationen und pauschalen Meinungen taugen sicher für einen Roman. Leider sind sie nicht Experte. Ich finde es traurig, dass in dieser wichtigen Sache sich Menschen eine "beratende" Stimme anmassen, die eigentlich gar nichts zu sagen haben, sondern lieber mal zuerst die wichtigen Fragen stellen und die Zusammenhänge ausleuchten sollten. Ich bin auch kein Experte, aber belesen und vernetzt genug, um einen solchen zu erkennen. Mich stören deshalb die vielen Posts von ihnen, denn mir ist es wirklich ein Anliegen die Zusammenhänge erklärt zu bekommen, statt mich durch die Phantasiegebilde anderer zu wühlen, respektive möchte ich mich hier nicht unterhalten, sondern informieren. Aber vielleicht ist das ja - scheinbar - auch nicht die Idee der Republik in der die meisten nur schreiben, aber nichts lernen und die eigene Meinung über tatsächliches Wissen stellen.

2
/
10

Ausserdem geht mir Ihr ewiges „traurig“ auf den Wecker, Herr Baron. Das glaube ich Ihnen schlicht nicht. Voilà. Ab und zu mal zurückkläffen, aaahhh!!! - oder wie es wer anders früher mal sehr schön gedruckt und illustriert hatte: Manchmal tut ein wenig Wut einfach gut. - War damals glaube ich als sehr charmantes Friedensangebot gedacht. Hätte gern dazugeschrieben: Und Wasser erst! Nur fehlte mir damals der Bleistift dafür. Endlich kann ich das ganz indirekt nachholen hier. - Übrigens reinigt momentan hier grad ein Gewitter - endlich - die Luft. Toitoitoi, Herr Baron.

1
/
1

Ein Baron Münchhausen typischer Beitrag. Angriffe auf andere und Abwertungen ohne Ende. Sie äussern eben grad nicht Ihre Meinung. Sie versuchen nur permanent diejenige anderer kleinzumachen - und damit dann pauschal die Republik noch mit abzuschiessen.
Sehen Sie, Herr Münchhausen. Antikläffer waren zu erwarten. Sie machen von allem Anfang an genau das.
Und verbieten - zutiefst antidemokratisch - erst noch allen anderen deren Meinung.
Meinungsbildung in demokratischen Staaten funktionieren eben grad nicht nur unter Expertinnen; sondern alle, die möchten und wollen, die haben das Recht, dürfen, können - aber müssen nicht - ihren eigenen Beitrag einzubringen. Basierend auf Informationen, Vorwissen, Lebenserfahrung, gelesenen oder gehörten Texten von Expertinnen, gesundem und eigenem (Menschen)Verstand; was auch immer. Unserem eigenen Lebensmix eben.
Wir generieren alle daraus unseren eigenen Sinn oder Unsinn; Stand des Irrtums und Wissens, der in der einen oder andern Art wertvoll ist; am wertvollsten ist die Vielfalt dieser je eigenen Lebensverdichtungen.
Was dagegen wirklich nichts bringt, sind Abwertungen, Gekläffe und permanentes Schnappen. Auch von Baroninnen und Münchhäusern.
(Ich versuche ein solches - Kläffen und Schnappen - meinem neuen vierbeinigen Gefährten nach einem ganz offensichtlich sehr traumatischen Tierheimjahr grad abzutrainieren. Trotz gelegentlicher Rückfälle hat er in knapp zwei Monaten schon viele Fortschritte gemacht! - Vielleicht schliessen Sie sich uns irgendwann im Sommer mal an ;) ? )

7
/
0

Sie wirken auf mich überheblich bis arrogant. Natürlich bin ich Experte, nur nicht im Finanzbereich. Ich tue hier nur meine Meinung kund, das erachte ich als Sinn der Debatte. Wenn sie nur Information wollen, sollten sie die Artikel lesen, dort kommen die Experten zu Wort, und die Debatte sein lassen.
Die Experten haben sich übrigens in den letzten 200 Jahren des Öfteren fatal geirrt, was zu etlichen Millionen getöteter Menschen führte. Manchmal hilft auch der 'gesunde Menschenverstand' um komplexe Sachverhalte zu deuten

8
/
0

Viele Befürworter der Vollgeld- Initiative verfechten auch die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Das Grundeinkommen sollte durch eine Mikrosteuer auf Finanz- Transaktionen finanziert werden. Meine Frage als Ökonomie- Laie: Geht das zusammen, Vollgeld und ein durch Finanztransaktionen finanziertes Grundeinkommen?
Bin dankbar für Nachhilfeunterricht.

1
/
1
Anonymous
David Ricardo
·
· editiert

Doch, es gibt heute bereits elektronisches Vollgeld! Mitarbeitende der SNB haben ein Konto bei der SNB und erhalten dort - schuldfrei abgesehen von der geschuldeten Arbeit - ihr Salär gutgeschrieben. Für dieses Vollgeldkonto gibt es z.B. auch eine Maestrokarte, wie bei einem normalen Bankkonto eben.

Dies bringt mich auf einen interessanten Punkt. Neben all den schwachen Argumenten wie billigem Banken-Bashing (Geld aus dem Nichts! Die Bank verdient am Zinsdifferenzgeschäft!) und der Verbreitung der Illusion, dass Finanzblasen verhindert würden usw. haben die Befürworter m.E. einen einzigen, wunden Punkt getroffen: Dass es heute für das Publikum nicht möglich ist, elektronisches Zentralbankgeld zu halten, ist auch als liberaler Sicht ein Missstand. Falsch ist aber m.E. der Ansatz, die Banken dazu zu zwingen, ein nach Haltefrist gestaffeltes Angebot für Privatkunden zu schaffen. Problematisch ist auch, dass die Kunden ihre Zahlungsverkehrskonten nur noch in Vollgeld halten können, zumal diese zwingend teurer würden (Was wohl viele Befürworter der Vollgeldinitiative ausblenden: Die Banken können heute nur deshalb Nullzinsen oder marginal positive Zinsen auf Standardkonti anbieten, weil diese durch "zu hohe" Zinsen beim Aktivgeschäft der Banken - meist Hypotheken - querfinanziert werden).

Sinnvoller wäre, wenn die SNB dem Publikum die Möglichkeit eröffnen würde, bei ihr ein "no-frills" Konto zu eröffnen. Dies natürlich zum geltenden Einlagesatz, der derzeit negativ wäre (allenfalls könnte die SNB auch Freibeträge einführen). Damit erst entstünde eine richtige Auswahl zu korrekten Preisen: Kunden hätten die Wahl zwischen einem bombensicheren "no-frills" Vollgeldkonto bei der SNB oder besser verzinsten, aber mit etwas höheren Risiken verbundenen Konten bei Geschäftsbanken. Geschäftsbanken würden möglicherweise selbst beginnen, in Konkurrenz zur SNB Vollgeldkonten mit höherem Leistungsumfang anzubieten. Weil damit das Handeln aller Akteure (Banken wie Kunden) auf Freiwilligkeit basiert, würde dies vermutlich die SNB auch von einem gewissen politischen und öffentlichen Druck entlasten, der im Vollgeldsystem unweigerlich auf sie zukommen würde.

4
/
1

Den neuen Text von Simon Schmid gerade gelesen, reagiere ich halt erst jetzt darauf: Wie schon seine ersten Texte ist auch dieser klar und sachlich, keinesfalls polemisch, wie die zahlreichen kritischen Gegenstimmen unterstellen. Auch die professorale Schelte ist zu einseitig. Schmid stellt nur richtig, dass die Initianten das seit 1891 beschlossene und seit 1907 auch ausgeübte Notenmonopol der Nationalbank falsch darstellen und kritisiert die immer wieder behauptete Geldschöpfung "aus dem Nichts" als analytisch unhaltbar. Er trifft damit einen wunden Punkt der Idee. Entsprechend wehleidig sind nun die Reaktionen der Vollgeld-VerteidigerInnen. Sie sollten vielmehr zugestehen, dass die mit der Idee geweckten Hoffnungen auf eine von Finanzkrisen befreite Zeit ganz einfach unhaltbar sind. Nicht das mit oder ohne Notenmonopol der Zentralbanken schon immer via Zahlungsverkehrskonten geschöpfte Buchgeld ist das krisenverursachende Problem. Solange die darauf beruhenden Kredite reale Gegenwerte haben, ist daran nichts auszusetzen. Kapitalistische Profitgier, Spekulation generell und mit stets neuen derivativen Bankprodukten sowie die daraus entstehenden Kreditblasen sind die wichtigen Krisentreiber. Wer den Spielraum der Banken dafür einengen will, muss ihnen entsprechend hohe Eigenkapitalvorschriften machen. Und die Zentralbanken sollen mit Mindestreserven und Zinserhöhungen sowie weiteren Massnahmen die Geldmenge im Sinne der Initianten steuern. Dafür braucht es kein Buchgeldverbot, das unser ganzes komplexes Geldsystem so auf den Kopf stellt, dass niemand die Folgen abschätzen kann.

9
/
9

Lieber Herr Schmid

Hmmmm ... . Zuerst einmal danke für Ihre Ehrlichkeit - unabhängig davon, ob Inhalt und Ton als passend empfunden wird.

Fest steht m.E. eigentlich nur, dass die VGI nur einen kleinen Aspekt des Finanzsystems angeht und verändert, und dass die Auswirkungen auf das Ganze nicht vorhersagbar sind.
Aus den Artikeln ‚Dummie‘ und ‚Nerd‘ kann ich recht gut nachvollziehen, wie Sie darüber denken und wie Sie bewerten (z.B. ‚genial!‘) - kurz: Sie vertrauen dem Finanzsystem, glauben an seine Richtigkeit und vielleicht sogar an seine Alternativlosigkeit. Andere tun das nun mal gar nicht, sehen gewisse Effekte als Indikatoren für gravierende Fehler und bewerten es negativ (z.B. ‚pervers!‘). Und viele haben eine mehr oder weniger diffuse Angst, dass all die schönen Finanzwerte eigentlich so wertlos sind wie des Kaisers neue Kleider.

So langsam wird mir also klar, dass auf der Sachebene (im Moment) kein Fortschritt möglich ist. Denn es geht eigentlich nur um Vertrauen und Misstrauen.
Ich weiss nicht, ob diese Dimension den meisten Ökonomen schlichtwegs fremd ist, oder ob das Finanzsystem als Ganzes halt so verkorkst oder komplex (wirklich?) ist, dass es bei bestem Willen nicht erklärbar ist. Jedenfalls sind zuviele der gutgemeinten Erklärungsversuche eher kontraproduktiv, nicht zu sprechen von den offensichtlich besserwisserischen und arroganten. Und leider ist auch Ihr ‚Ausbruch‘ sicher nicht ein Beitrag zum Abbau von Misstrauen gegenüber den Meinungsführern des Finanzsystems.

Fragen, die vielleicht weiterführen:
Sehen Sie im Finanzsystem überhaupt Verbesserungsbedarf oder nicht?
Wäre das eher eine Optimierung oder ein eher dringlicher ‚Fix‘?
Oder haben Sie denn wirklich keine Bedenken (Angst?), dass uns die ganze Chose noch ganz anders um die Ohren fliegt als in den letzten zehn Jahren?

Mit freundlichen Grüssen, K.A.

13
/
1

Eine der Fragen ist, ob man gewisse dubiose Behauptungen und Metaphern der Initianten nur als Abstimmungsrhetorik interpretieren sollte, denen aber doch eine "differenzierte Begründung in der Sache" gegenübersteht, wie es Peter Ulrich in seinem Kommentar ausdrückt. Spätestens bei den "Fragen und Antworten" auf der Homepage der Initianten würde ich mir als Leser dann aber die "differenzierte Begründung in der Sache" wünschen und nicht mehr Abstimmungsrhetorik (oder Märchen, wenn man es weniger wollwollend interpretiert). Dort sieht es aber kaum besser aus. Was dort zu lesen ist, ist teilweise haarsträubend und leistet für eine fundierte Meinungsbildung leider wenig. Beispiel? Frage: "Können die Banken mit selbst geschöpftem Geld auch Gehälter bezahlen?" Antwort: "Nein, das geht nicht. Banken können mit neugeschöpftem Geld nur Vermögenswerte kaufen, die sie in der Bilanz auf der linken Seite (Aktiva) erfassen. Das sind Kreditforderungen, Wertpapiere aller Art, Immobilien und Edelmetalle." Das ist offensichtlich falsch, wie jede(r) erkennt, der ein wenig eine Ahnung vom Thema hat. Es ist mir unerklärlich, wie man so etwas schreiben kann. Und es ist fast eine verpasste Gelegenheit, das wäre doch auch wunderbare Abstimmungsrhetorik: "Skandal! Banken bezahlen Löhne mit selbst geschöpftem Geld!"

3
/
4
M. S.
· editiert

Und Ihre Begründung für diese Behauptung, Matthias Denzler?

Natürlich wird für die Löhne der Bankangestellten neues Geld geschaffen, aber das geht schliesslich zulasten des Eigenkapitals (Passivtausch).

Das ist ganz was anderes als eine Investition (Kauf von Vermögenswerten insb. Kreditvergabe), mit selber geschöpftem Buchgeld, was eine Bilanzverlängerung darstellt.

Der Grund, wieso das an entspr.
Stelle so formuliert wird, ist, dass sonst (beim Laien) der Eindruck entstehen dürfte, ein Bank könne unilateral Geld "drucken" und sich damit unbeschränkt bereichern.

Hätte da gestanden, "Banken zahlen Löhne durch Geldschöpfung", wäre sicher eine(r) (wie Sie) gekommen und hätte bemängelt, dass das irreführend formuliert sei, da ja Lohnzahlungen zulasten des Eigenkapitals gehen.

Es gibt auf der Website der Initiative einen Aufsatz von Thomas Mayer über die "Bilanzierung von Vollgeld", da stehen (glaube ich) alle (inkl. nebensächlichen) Möglichkeiten der Buchgeldschöpfung drin.

2
/
1

Man könnte ja den Sachverhalt einfach korrekt und für Laien verständlich darstellen. Dann hätten so mühsame pingelige Typen wie ich, die Respekt vor den Fakten haben, nichts einzuwenden.

0
/
0

Was den Simon Schmid geritten hat, der Polemik die Sporen zu geben, ist mir ziemlich schleierhaft. Mehr noch, es nervt und wertet die Nerds- und Dummies-Artikel und Daniel Binswangers Kommentar ab. Diese Artikel halfen, mir eine Meinung zu bilden, die über mein Bauchgefühl hinausgeht. Es ist doch nichts Neues, dass Abstimmungskämpfe der Sachlichkeit und Genauigkeit entbehren. Und zwar auf beiden Seiten. Daher erwarte ich von der Republik Argumente und keine Polemik. Reicht ja, wenn sich Befürworter und Gegner die jeweils zu ihren Gunsten polierten Fakten um die Ohren hauen.

31
/
4

Bei aller Kritik wird das Hauptanliegen der Vollgeld-Initiative ausgeblendet, nämlich ein Trenn-Bank-Finanz-System zu etablieren, für normale, sichere Bankgeschäfte einerseits und für spekulative Finanzkonstrukte mit hohem Risiko andererseits. Damit nicht wieder der verpönte Staat, respektive die Steuerzahler, für die Bankenrettung (too big to fail) der masslosen, globalen Finanzakrobaten mit Superboni einspringen muss. Fast alle internationale Ökonomen schliessen die Möglichkeiten eines erneuten Bankencrash nicht aus. Dies will die Vollgeld-Initiative für die Schweiz verhindern.
Falls es bessere Lösungen gibt, so sollen die Kritiker diese vorbringen.

12
/
3

Ja, auch ich war ziemlich negativ überrascht heute Morgen, als ich das Märchen von Herrn Schmid las: Aha, dachte ich, jetzt ist der Knüppel aus dem Sack und die bösen Buben von der Vollgeldinitiative, die eben dabei sind, unser schönes Bankensystem zu demontieren, kriegen mal kräftig Haue....
Die Debatte bestätigt sich damit weiter in ihrer einmaligen Einseitigkeit. Banken, Verbände, Parteien und alle vernünftigen Menschen in der Schweiz müssen sich Kraft einer illusorischen Initiative mit lästigen, rechthaberischen und wirren Menschen aus untergeordneten Positionen beschäftigen, die einfach nicht glauben wollen, dass alles in Ordnung ist in unserem Land, besonders aber bei den Banken und gerade ganz allermeist bei unserem doch so bewährten Geldsystem, dem Schweizer Fränkli....
etc. etc.
Herr Schmid bläst genau in dieselbe Trompete obwohl er doch in den ersten zwei Artikeln sich redlich bemüht hat, Aufklärung zu betreiben und dabei die "Vorhersage" sogar selbst erfüllt, dass die Initiative zu dem einem Zweck Aufklärung und Bildung über unser Geldsystem bewirkt. Natürlich hat er auch Recht mit der Verwirrung: Jemand ist verwirrt und jemand versucht diesen Verwirrten aufzuklären und ihn auf seine Irrtümer aufmerksam zu machen. Der Patient sieht aber weit und breit kein Problem, logisch, und ist der fixen Meinung der andere "mache" das Problem. Wenn es dann aber zu den neuralgischen Punkten kommt, wo er zu rudern beginnt, weil er keinen Durchblick hat, dann reagiert er emotional, abwertend und diskriminiert den anderen als lästigen Störer.
Soweit also doch auch eine polemische Antwort, aber es sieht leider nicht mehr so aus, als würden die Gegner der Initiative sich noch konstruktiv zeigen und z.B. mal anzuerkennen, dass wir ein historisch gewachsenes Problem des Rechtsbegriffes "Schweizer Franken" haben. Sie könnten dann zugeben, dass auch Handlungsbedarf existiert und insbesondere die Fragen eines stabilen und zukunftstauglichen Geldsystems dringend sind, gerade weil es die Grundlage (das Fundament) unserer gesamten Wirtschaft darstellt. (Fundamentalisten sind übrigens Leute, die auf keinen Fall auch nur einen einzigen Buchstaben am Fundament ihrer Lehre ändern wollen, und sei sie noch so durch die Tatsachen der Zeit überholt.)

18
/
4
(unsichtbar)
21
/
3
P. M.
· editiert

Habe den Leitartikel und alle Beiträge aufmerksam durchgelesen. Dabei frage ich mich, ob "man" mit dem Autor Simon Schmid (Datajournalist) die richtige Person ausgewählt hat, um mit uns Verlegern in einen Vollgeld-Diskurs zu treten. Mir wäre Dialog lieber!

11
/
5

Heute Morgen bin ich doch etwas überrascht worden mit dem Bericht, weil ich solche Texte eigentlich nicht in der Republik lesen möchte, dazu habe ich 20Minuten. Der Text hat mit dem Entstehen und dem geschichtlichen Verlauf des Bankwesen, welche seinen europäischen Ursprung in der Region Nord-Italien hat, nicht zu tun. Die Entstehung des Giralgeldes hat seinen Ursprung meines Wissens nach bei dem Bankwesen der Medici in Florenz. Dort wurde hartes Vollgeld als Basis verwendet. Nun war aber für den schnellen Transport einer Überweisung Gold nicht so praktisch. Also wurde ein Schuldbrief erstellt(Wechsel) mit fixen Daten der Lieferung des harten Wertes. Wer dieses nicht liefern konnte, musste damals um Hab und Gut und Leben fürchten. DAVON sind wir heute weit entfernt. Die Initiative will aber für das Zahlgeld-Konto eigentlich nur diesen Umstand wieder herstellen. Das Kreditwesen kann und wird davon nicht berührt werden. Mir ist auch bewusst, dass das auch nicht gehen wird, aber wenigsten haben Kunden dann die Wahl, ob SIE auf Rendite oder harte Währung setzen wollen oder ein gemischtes Portfolio wollen. Würde nämlich auch die ganze Kreditwirtschaft da hinein gepresst werden, würde uns schnell vorgeführt, in welcher Geldblase als Wertesystem unseres Hab und Gutes wir leben. Seinem Wesen nach sollte Geld nur als Gegenleistung für Produktion entstehen und nicht aus dem Handel mit Geld selbst. Ich hatte das Vergnügen, mich in meinem Berufsleben mit diesem System näher befassen zu müssen und bin dann beruflich sehr schnell wieder ausgestiegen.
Also stimmen wir darüber ab, ob wir mit dem Zahlgeld Vollgeld und mit dem Kreditgeld weiterhin Giralgeld wollen.
Wobei Wir uns keine Illusionen machen dürfen: Das Giralgeld ist eine Blase und wenn diese platzt, ist es besser, sein Häuschen schuldfrei zu haben.

23
/
4

Die Initiative will, nach eigenen Angaben, „unser“ Geld sicherer machen. Dabei verweist sie auf den Crash von 2008. Nur wenige bestreiten heute, dass hier kein Handlungsbedarf bestehe: Regulation, Trennbankensystem, Kapitaldeckung, etc. Aber das ist nur die Oberfläche! Die darunterliegenden Probleme sind komplexer und vielfältiger. Schon hier greift die Analyse der Initiative nur einzelne Punkte heraus und stellt eine nationalstaatlich begrenzte Lösung vor. Und dies in einer Welt, die nur eine Richtung kennt: atemberaubende Vernetzung. Ja, die Schweizer Volkswirtschaft wird auch mit Vollgeld in Zukunft von Finanz-Tsunamis erfasst werden - ohne wenn und aber.

6
/
6

Rhetorik vs. Argumente: der kleine Unterschied und die Folgen seiner Verwischung

Simon Schmid hinterfragt in seinem „Märchen“-Pamphlet bestimmte rhetorische Figuren, welche die Vollgeldinitianten im Abstimmungskampf verwenden. Soweit kann man ihm durchaus zustimmen. Ich sage das als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Initiative und Mitautor des Initiativtextes. Was ich Simon Schmid jedoch vorwerfen muss – und mit ihm dem Redaktionskollektiv, das so etwas durchgehen lässt –, ist seine journalistische Methode: Statt sorgfältig zwischen plakativer Abstimmungsrhetorik und differenzierter Begründung in der Sache zu unterscheiden, wirft er alles durcheinander. Der „Diskurs“ der Initianten (Einleitung) ist dann gleichbedeutend mit „Polemik“ (Abschn. 2); die sachlich korrekte Widerlegung landläufiger Irrtümer wie „Banken verleihen Spareinlagen als Kredite weiter“ wird als „Sturm der Entrüstung“ seitens der Initianten verächtlich gemacht; und die pauschale Disqualifizierung der Copenhagen Business School (CBS), die sich der Verfasser erlaubt – die CBS ist immerhin eine Partneruniversität der Universität St. Gallen –, macht offenbar die genauere Analyse der Sache, um die es in deren Studie (= „Horrorstory“) geht, überflüssig. Usw., usf.

Gewiss: Abstimmungsrhetorik ist, schon aus Platzgründen, regelmässig plakativ und bedient sich suggestiver Bilder; mit den genauen begrifflichen Differenzierungen und dem Diskurs (!) in akademischen Seminaren hat sie wenig zu tun. Doch Schmid scheint der gute Wille zur Unterscheidung der Kategorien zu fehlen; jedenfalls verliert er kein Wort dazu. Vielmehr bedient er sich hier selbst – fern von jeder substanziellen Argumentation – genau jener emotionalisierenden und teilweise sachfremden Rhetorik, die er den Befürwortern der Vollgeldreform vorwirft. Das tun sonst nur Interessenvertreter.

A propos: Kein Wort von Simon Schmid auch dazu, dass die rhetorischen Ungenauigkeiten der Initianten doch eher Petitessen sind im Vergleich zu den bisweilen wirklich üblen rhetorischen Methoden, mit denen die Gegner, die den Initiativtext teilweise noch immer überhaupt nicht näher angeschaut zu haben scheinen, operieren. Da werden oft weiträumig am wirklichen Anliegen der VGI vorbei Pappkameraden aufgestellt, die man dann scheinbar trefflich abschiessen kann.

Falls Simon Schmid seinen expliziten journalistischen Anspruch der „Klarstellung von Trugschlüssen“ (im Lead) ernst meint, wird er gewiss auch noch die „Märchen“ der Verteidiger des bestehenden, angeblich hervorragend funktionierenden Geld- und Kreditsystems ausleuchten. Aber bitte subito!

50
/
10

Sehr geehrter Herr Ulrich

Dass Sie die Ungenauigkeiten der Vollgeld-Initianten als "Petitessen" sehen im Vergleich zu den Ungenauigkeiten der Gegner – fair enough. Ich stimme Ihnen zu, dass auch die Gegner in Debatten teils Zerrbilder der Initiative aufbauen und falsche Aussagen in die Welt setzen. Z.B. wird oft behauptet, dass mit dem Vollgeld-System die SNB die Verteilung sämtlicher Kredite kontrollieren würde, was natürlich Humbug ist. Allerdings halte ich die Ungenauigkeiten der Initianten für gravierender, und deshalb habe ich auch diesen Artikel verfasst – und nicht einen anderen Artikel, der auf die Argumente der Gegner eingeht. Im Übrigen sind die Initianten in dem Zusammenhang auch nicht ganz unschuldig daran, dass ihre Initiative von den Gegnern gerne verzerrt dargestellt wird, zB in der Arena des SRF. Sie bieten mit ihrer Kampagne nämlich auch alle Angriffsfläche dazu, etwa, indem sie immer wieder suggerieren, im Vollgeld-System hätte die Öffentlichkeit eine bessere Kontrolle über die Verwendung des Geldes, das Geld würde demokratischer eingesetzt, etc. (auf diesen Punkt bin ich nichtmal eingegangen in meinem Text, hätte ich aber können).

Sie kritisieren meine Kritik an der Kampagne und ihrer Rhetorik – und werfen mir vor, ich würde nicht differenziert in der Sache begründen. Ich verweise Sie in diesem Zusammenhang nochmals auf die beiden Texte ("für Dummies" / "für Nerds"), in denen ich die Vorlage selbst eingehend beleuchtet habe. Kritik an der Kampagnenrhetorik darf aber auch sein – sie muss sogar sein, insbesondere dann, wenn diese Rhetorik dazu missbraucht wird, eine bestehende Realität falsch darzustellen und irreführende Vorstellungen darüber in die Welt zu setzen, wie unser aktuelles System eigentlich funktioniert. Wenn die Initianten sich zu diesem Zweck auf fehlerhafte Studien beziehen oder andere Papiere in ihren Aussagen verfälschen, dann sehe ich es als meine Pflicht an, diesen Sachverhalt auf den Tisch zu legen. Darum, und um nichts anderes geht es in meinem Kommentar zu den Behauptungen der Vollgeld-Initianten. Wenn Sie dabei meine Sprache stört ("Horrorstories") – schade. Lieber wäre mir, wir würden eine inhaltliche Auseinandersetzung über die von mir kritisierten Punkte führen. Gerne wüsste ich von Ihnen, an welcher Stelle sie zu andern Schlüssen kommen.

Herzliche Grüsse
Simon Schmid

12
/
9

Lieber Herr Schmid

Danke für Ihre persönliche Antwort. Sie fordern mich auf, die Kritik auf inhaltliche Punkte zu verlagern. Zunächst zeigt das vielleicht ein kleines Missverständnis auf: Mein Fokus lag ja gar nicht darauf, dass ich Ihnen eine inhaltliche Falschdarstellung der rhetorischen Formeln und Figuren der Initianten vorgeworfen hätte. Im Gegenteil – im zweiten Satz habe ich ja signalisiert, dass man dieser Kritik z.T. durchaus zustimmen kann. (Ich bin nicht Mitglied des Initiativkomitees und habe Teile dieser Rhetorik selbst von Anfang an kritisiert.) Aber – und das war meine Botschaft – man sollte daraus nicht umstandslos die Folgerung ziehen oder zumindest der Leserschaft suggerieren, dass aus der FORM der Abstimmungsrhetorik unmittelbar auf die SUBSTANZ der Abstimmungsvorlage geschlossen werden könne. Denn die sachliche Begründungsqualität der Vorlage und die Rhetorik ihrer öffentlichen Anpreisung sind zwei Paar Schuhe.

Mein Vorwurf ging und geht also nur dahin, dass sie diese (Kategorien-) Differenz und ihre Bedeutung mitten in einem Abstimmungskampf nicht angesprochen oder gar nicht bedacht haben. Gewollt oder ungewollt stellen Sie sich und die REPUBLIK damit in den Dienst jener breiten Allianz von Lobbyisten der Bankenrepublik Schweiz, denen fast alle Mittel recht sind, um die Vollgeld-Initiative zu bodigen. Gerade weil Sie in Ihren früheren Artikeln zum Thema sich um eine mehr oder weniger neutrale Erhellung der Initiative bemüht und verdient gemacht haben, erscheint mir der nachgeschobene „Märchen“-Vorwurf umso einflussreicher und dementsprechend „ärgerlich“, um eines der Adjektive bzw. Adverbien zu verwenden, mit denen Sie im Text Ihre Gefühlslage gegenüber der Initiative charakterisieren.

Natürlich schlägt die Form Ihres Pamphlets auf die der Leserschaft suggerierte Art durch, wie Ihre angeblich vor allem inhaltliche Kritik zu lesen sei: Sie wirkt entdifferenzierend und entlastend – quasi als Abkürzung des anstrengenden Selber-Denkens Ihrer Leser_innen.

Das Beispiel mit der Studie der Copenhagen Business School habe ich ja schon erwähnt. Ein zweites Beispiel mag Ihre geradezu belehrende Art sein, wie Sie den Initianten Trivialitäten entgegenhalten, die diese nie bestritten, sondern selbst oft genug dargelegt haben, gemäss Ihrer Botschaft nun aber angeblich „verschweigen“ – etwa zur Art und Weise, wie die Kreditvergabe einer Bank erfolgt. Es ist doch klar, dass sie dabei durchaus Kosten hat und Liquidität zur Erfüllung der entsprechenden Zahlungsversprechen benötigt. Was (a) die Kosten betrifft, so haben die Initianten stets hervorgehoben, dass die Kreditvergabe weiterhin eine zentrale Funktion der Geschäftsbanken auf der Basis der sorgfältigen betriebswirtschaftlichen Prüfung aller Kreditanträge bleibt; es versteht sich doch von selbst, dass das die üblichen administrativen Kosten verursacht. Noch „lächerlicher“ -- wieder Ihr Adjektiv -- fällt (b) Ihre Belehrung darüber aus, dass Kreditnehmer das ihnen befristet gutgeschriebene Buchgeld „in der Regel ausgeben“ wollen und daher die Bank die Kredite „refinanzieren“ müsse. Ja schon – aber hier sind Sie derjenige, der das Wesentliche verschweigt: Erstens muss die Bank im bestehenden fraktionalen Reservesystem ja nur einen sehr geringen Teil des Kreditvolumens unmittelbar finanzieren. Das reicht zur Sicherstellung ihrer Zahlungsfähigkeit so wenig aus, dass sie zweitens ein mehr oder gutes professionelles Liquiditätsmanagement betreibt, das die kurz- und mittelfristig verfügbare Liquidität je nach zu erwartendem Zahlungsvolumen optimiert. Ob das in – nie genau vorhergesehenen – Krisenfällen ausreicht, steht in den Sternen. Haben die Befürworter der Vollgeld-Initiative je etwas anderes behauptet? Nicht dass ich wüsste.

Doch Sie signalisieren der Leserschaft über weite Strecken Ihres Artikels, dass die Initianten in solchen elementaren Zusammenhängen des Kreditgeschäfts entweder ahnungslos seien oder aber diese Zusammenhänge gezielt „verschweigen“ würden. Dasselbe Muster pflegen sie, um noch ein Beispiel anzusprechen, bei der Formel vom „Geld aus dem Nichts“, von der längst alle an der Sachdebatte Beteiligten wissen, dass sie schon aufgrund der erwähnten Mindestreserven an Zentralbankgeld nicht wörtlich zu verstehen ist, sondern als metaphorische Charakterisierung der mittels Bilanzverlängerung erfolgenden Kredit- und Geldschöpfung. [forts. folgt]

15
/
2

Unglaublich! Jetzt beteiligt sich auch die Republik an der Weiterverbreitung der Halbwahrheiten und Unterstellungen der Bankenpropaganda.

Buchgeld gaben die Banken schon immer heraus, sicher. Aber Schuldbriefe hatten eine ganz andere Funktion als ein heutiges Lohnkonto. Historisch gesehen versuchten Banken und Staaten schon immer, dem je andern die Kontrolle über den Geldkreislauf wegzunehmen (Details siehe Mathias Binswanger: Geld aus dem Nichts).

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts musste eine Bank bei Kreditvergaben Wertschriften bei der Nationalbank hinterlegen, um zu Bargeld zu kommen. Deshalb meinen bis heute die meisten Leute, die Nationalbank drucke das Geld und verteile es an die Banken. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts und seither schafften es aber die Banken, Bargeld immer "billiger", das heisst zu einem tieferen Mindestreservensatz, von der Nationalbank zu erhalten. Darum geht es auch: Dem Staat die Kontrolle um den Geldumlauf zu entreissen, dann möglichst viele Kredite zu vergeben und beim Platzen der Blase vom Staat "gerettet" zu werden, das heisst, die Schulden auf die Steuerzahler abzuwälzen.

Wenn unserer Vereinskassiererin am Schalter der CLER Bank eröffnet wurde, man nehme jetzt kein Bargeld mehr an und zahle auch kein solches mehr vom Konto aus, ist das nur ein weiterer Schritt, den Leuten das Bargeld abzugewöhnen. In Griechenland und Zypern wurde und wird uns vorexerziert, wohin die Reise geht und wie leicht Privatkonten nach entsprechendem Bankendruck auf staatliche Anweisung hin erleichtert werden können.

Das ist nur ein Beispiel, wie oberflächlich der Artikel von Simon Schmid ist. Schade!

31
/
10

Die Vollgeldinitiative hat Ihre Berechtigung und eine Diskussion über das "Geld aus dem Nichts" ist mehr als angebracht. Immer mehr Geld verschiebt sich von unten nach oben.

Wir alle werden dank billigem Geld zu Mangelwesen erzogen. Der X3 ist zu klein, der Kredit günstig, lease also den X5. Der Nachbar hat den X5, dann lease ich den X7. Ferien regional - zu teuer. Wo bleibt mein Image? Ein kurzer Flug zum Einkauf in New York, warum nicht, der Transport kostet fast nichts. Das grössere Haus mit Pool, wenn ich die Hypothek erhalte... Die Umwelt leidet darunter, die Resourcen werden verschwendet und die nächsten Generationen werden die Rechnung zahlen. Billiges Geld, billiges verschieben von Gütern, Fliegen ohne Umweltabgabe, grosse Autos für fast nichts, Fleisch aus der Massentierhaltung, technisch kurzlebige Güter... alles hat Folgen (Abgase, Lärm, Müll...Ausbeutung) die der Masse einfach egal ist. Billig ist billig, Geld ist fast alles, Zeit ist Geld. Da die Politik von diesem kurzfristigen Denken profitiert, setzten sie sich nur wenige dagegen ein. In 4 Jahren bin ich eh weg. Gegen das kurzfristig denkende System zu sein kostet nur Stimmen und Ämtchen - Geld. Wer will kein billiges Auto oder keinen billigen Ferienflug? Die Bahn? Das Auto, ein Flug ist billig und bequem - Zeit ist Geld. Die Umweltbelastung kostet mich nichts. Jedem sein Privatflieger ist das nächste Ziel. Folgen? Egal, solange billig und zum persönlichen, kurzfristigen Vorteil.

Wir dürfen so nicht weitermachen. Nicht, dass Vollgeld diese Probleme alle lösen würde. Es wäre jedoch ein Schritt in die richtige Richtung. Zu verhindern, dass Geld sofort auszugeben, da sein Wert morgen nicht mehr vorhanden sein könnte, den Wert noch schneller verliert.
Zu reduzieren, dass Schulden das Geschäftsmodell sind.

Ja, Vollgeld kann - aus meiner Sicht - das System positiv verändern. Die Macht des Geldes etwas verschieben, vor allem für die mit dem Sparheft (die zwangsläufig kurzfristig weniger konsumieren, was die globale Wirtschaft nicht wünscht).

Nebenbei, den Titel "Das Märchen der Vollgeld-Initianten" finde ich populistisch und eher für den Blick passend.

32
/
5

Ich bin sehr einverstanden mit Ihrer Sicht auf das Konsumverhalten, jedoch glaube ich nicht, dass die Einführung von Vollgeld daran irgend etwas ändern könnte. Beides ist nur Geld, ein Symbol, das einen gewissen Wert zu haben verspricht. Auch Vollgeld könnten wir verantwortungslos nutzen.

6
/
2

Danke für den Artikel "Die Märchen der Vollgeld-Initianten". Es ist ironisch, dass die Initianten mit der Absicht angetreten sind, das Wissen der Bevölkerung über das Geldsystem zu verbessern. Es ist wirklich eine verpasste Gelegenheit. Wenn man mit Laien über das Thema diskutiert, muss man zuerst einmal die Irrtümer der Initianten richtig stellen, statt dass man auf der Basis der Fakten über die Vor- und Nachteile des Vorschlages reden kann. Die Diskussion wird damit nicht besser, aber länger. Ich möchte den Initianten nicht unterstellen, dass sie die Bevölkerung bewusst irreführen möchten, also wissen sie es wahrscheinlich nicht besser.

13
/
15

Guten Tag Liebe Republikaner

Ich bedanke mich erstmals für die bildlichen Darstellungen des Geldsystems.
Für mich spielen vorwiegend folgende Punkte eine tragende Rolle in der Debatte:

  1. Für mich ist Geld bloss ein Mittel zum Zweck. Der Zweck besteht grundsätzlich darin verschiedene Arbeitsleistungen und deren relativen Nutzen zu bewerten. Damit die Arbeitsleistung fair bewertet werden kann, müssen die Spielregeln für alle Teilnehmer gleich sein.
    Um diesen Punkt zu veranschaulichen möchte ich gerne auf das Brettspiel Monopoly verweisen:
    Zusätzliche Annahme zum Vergleich: Spielbank spielt als normaler Spieler mit.

Aktuelles System
Die Spielbank hat zum Vergleich ein Startgeld, welches 10 Mal so gross ist wie das aller anderen Spieler (weil Banken nur einen prozentualen Anteil - hier 10% - des Geldes besitzen muss, welches als Kredit vergeben wird).
Mit diesen Spielregeln besteht ein Ungleichgewicht und die Bank erlangt über kurz oder lang alle realen Werte (Immobilien), weil sie diese kaufen und vermieten kann.

Vollgeld System
Hier spielt die Spielbank mit denselben Regeln wie die anderen Spieler. So ist die Grundlage geschaffen, dass der Spieler mit mehr Glück und dem besseren Händchen für den Handel gewinnen kann.

Darin sehe ich für meinen Teil den wichtigsten Grund zur Monopolisierung der Geldschöpfung. Ich möchte ein System in dem jeder Marktteilnehmer die selben Grundvoraussetzungen hat und so eine faire Verteilung ermöglicht wird.

  1. (Behauptung) Banken sind für mich keine Geschäfte, welche schützenswert sind. Wenn in Zukunft weniger Banken aktiv sind, so kommt dies der Volkswirtschaft langfristig zu gute. Denn Banken haben nie und werden auch nie einen realen Mehrwert schaffen. Damit sage ich keinesfalls, Banken sein unnötig in der Wirtschaft. Jedoch ist es effizienter, wenn weniger Menschen bei Banken arbeiten und dafür mehr Arbeitskräfte in produzierenden sowie dienstleistenden Geschäften zur Verfügung stehen.

28
/
6

Lieber Simon Schmid
Ich sehe, ich bin wieder mal viel zu spät und konnte leider auch die heutige Debatte in Basel mit Daniel Binswanger nicht verfolgen.
Habe beide Ihre Artikel gelesen.
Und habe das gleiche Problem mit derInitiative wie von der ersten Information an.
Nichts davon leuchtet mir wirklich ein. Und bei Matterhorn-Enzian-Bildern für so was Grundlegendes und Komplexes wie Geldsysteme werde ich ohnehin zusätzlich misstrauisch.
Was ich nach Ihren Erklärungen und den Schemata überhaupt nicht sehe ist, wie Banken, die reinnur noch Kundinnengelder - ohne jegliche eigenen Anteile, folglich ohne jegliche eigene Risiken auch - als Kredite vergeben: wieso diese mit unseren Spareinlagen verantwortungsvoller umgehen sollten als im bisherigen System. Das Gegenteil würde ich da eher erwarten: noch risikoreicher. Vielleicht auch unfairer. Denn für allfällige Schelte wäre dann doch die zuerst als Alleinriesin aufgebaute, nachher aber wunderbar attackierbare Schweizerische Nationalbank plötzlich grundsätzlich zuständig.
Ausserdem: Wie soll zahlen funktionieren für Menschen (zu jung oder zu alt oder grad anderweitig ausserhalb einer Arbeitserwerbsphase), die kein „sicher“ bei der SNF anlegbares bzw. sicher durchfliessendes Lohneinkommen haben? Denn, wenn ich Ihre beiden Artikel richtig verstehe, nur dieses wäre ja dann SNF-„Vollgeld“-Chip geschützt?
Worüber würde die AHV laufen?
Vor allem aber die Pensionskassen? Diese Gelder sind ja Spargelder. Dritte Säule wäre ebenfalls im Kreditvergabevolumen der Geschäftsbanken. Oder nicht?
Ausserdem waren 2008 doch vor allem die Unsichtbarmachung der Haushypothekenschulden durch verwickelte neue Finanzprodukte (Derivate) Hauptauslöser der grössten Krise in fast achtzig Jahren. Solche Vertuschungsinstrumente (Derivate) würden dann aber einfach rein nur noch mit Geldern von Privaten und Aktionärinnen finanziert - weshalb sollten die Banken auch hierbei transparenter (also vernünftiger) verfahren als bisher?
Es gibt x weitere Punkte, die mir nicht einleuchten.
Entweder vollkommene Unflexibilität. Oder aber Schranke zwischen „sicheren“ Geldern bei der SNB - und dann eben doch einer Funktion gleich wieder der SNB als Kreditgeberin - fällt eben doch wieder. Womit das schöne „Vollgeld“ mir kein Mü „voller“ oder eben sicherer scheint als das bisherige Geld. Und neues Geld „gemacht“ würde überdies ja trotzdem. Genau wie heute.
Mit dem einzigen Unterschied, dass die SNB dann noch stärker zur alleinigen Zielscheibe und Sündenziege würde, als bisher.
Ganz abgesehen vom Unsinn, Geldausschüttung nicht mehr von Bedürfnissen abhängig zu machen, sondern von irgendwelchen völlig unwägbaren Faktoren.
Also: Umzug, vielleicht mit Heirat, und vielleicht erste eigene Möbel: teuer!! Aber sorry, die SNF liegt grad ein paar Jahre nicht im Hoch. Vielleicht dann in zehn Jahren. Warten Sie bitte noch eine Weile.
Gleichzeitig noch bei einem Startup mitmischen wollen: Gott behüte; grad keine Vollgelder bei der Nationalbank übrig.
Und auch nichts, um die Kreditvergabe der Geschäftsbanken zu füllen.
Und allfälliges Spargeld: von den Geschäftsbanken grad nicht auslösbar. Da niemand umgekehrte Bedürfnisse aufweist grad.
-> Mir leuchtet diese Initiative auch im etwa hundertsten Anlauf meinerseits in den letzten ungefähr sechs Jahren, irgendwelche klaren Problemlösungsansätze darin erkennen zu wollen, einfach nicht ein.
Auch wenn ich noch so oft zuhöre. Und noch soviele Texte dazu lese.
Ihr Verdienst mit Ihren beiden Texten, Simon Schmid, ist für mich vor allem die Erkenntnis, wohl keine wichtigen Punkte bei meiner Meinungsbildung übersehen zu haben. Danke dafür.
Ausser Ihre Antworten auf meine oben eingestreuten Fragen würden mich doch noch eines Besseren belehren.
Hoffe, dass Sie ab und zu hier in der Debatte noch „vorbeischlendern“, um einen Ausdruck aus den Anfangszeiten der Republik zu zitieren.
Danke im Voraus.

0
/
8

Danke für den spannenden und fundierten Artikel. Als ausgebildeter Ökonom fand ich den "Nerd" Artikel sehr aufschlussreich. Leider, gehen die Diskussionen hier nur selten auf die vielleicht etwas subtileren Punkte ein, welche vom Autor schön dargelegt wurden.
Ich habe z.B. selber hautnah erlebt (damals als Banker) wie vor der Finanzkrise im grossen Stile über Jahre Kredite aus den Büchern der Banken in den Kapitalmarkt (zu PK's, Hedge Funds, UHNWI's, etc.) verschoben wurden. Die Kredite lagen nur kurze Zeit zur Verbriefung und dem Verkauf auf der Bankenbilanz. Wie die Vollgeld-Initiative hier helfen soll einen solchen Kreditbubble zu stoppen, erschliesst sich mir nicht. Theoretisch könnten also die hiesigen Banken auch bei Vollgeld ihre Kreditportfolios verbriefen und dann an Investoren weiterreichen (und dann neue Kredite sprechen und wieder verbriefen, etc.)
Auch das Thema Flexibilität ist wichtig und wird in den Kommentaren hier kaum erwähnt. Das weitreichende Instrumentarium der Notenbanken wurde nach der Finanzkrise vollständig ausgeschöpt und hat uns wohl vor gröberem wirtschaftlichem Schaden bewahrt (evtl. hätte man der Wirtschaft etwas mehr Opfer aufbürden können, um nicht Gefahr zu laufen ineffiziente Firmen durch tiefe Zinsen künstlich am Leben zu erhalten; aber das ist eine andere Diskussion).

22
/
8

Mich als Dummie würde interessieren, was genau man unter "verbriefen" von Kreditportfolios versteht.

1
/
0

Oder von Dummie zu Dummie: Für Ihr Wohneigentum brauchen sie eine Hypothek und dadurch gelangt die Bank in den Besitz eines Schuldscheins (Schuldbrief) auf Ihren Namen Garantie. Die Bank erhält Geld (‚Kapital’) von einem Investor, das ihr wieder wieder ermöglicht neue Kredite zu sprechen - und der Investor erhält als Garantie de facto ihren Schuldschein, der nun verbrieft wurde.
So habe ich (ca. 2012?) die Erklärung eines ZKB Beraters zu einen Zusatzvertrag zu einem Hypothekarvertrag verstanden.

1
/
0
D. B.
· editiert

"Verbriefen" heisst aus einem Bankkredit ein Anlageprodukt (bzw. eine "Wertschrift") zu machen, welcher dann von Investoren als renditebringende Anlage in ihr Portfolio aufgenommen werden kann. Die Bank "verkauft" ihren Kredit (und das dahinterstehende Risiko) an einen Investor. Damit ist der Kredit nicht mehr in der Bilanz der Bank und die Bank kann wieder neue Kredite sprechen (ohne zusätzliches Vollgeld oder Spargeld von Kunden).

3
/
1

Müsste man neues Geld für Kredite, bevor man sie verbriefen kann, bei Vollgeld nicht auch bei der NB beantragen? Oder verstehe ich da was falsch?

2
/
3
D. B.
· editiert

Angenommen ich (die Bank) habe 100 Einheiten zur Verfügung um Kredite zu sprechen (z.B. im Vollgeldsystem von Sparern). Ich spreche die 100, mache mit meinem Legalteam ein Anlageprodukt daraus ("Verbriefung") und verkaufe es dann an Pensionskassen für 105 Einheiten (die zusätzlichen 5 Einheiten sind für Rendite, Passivzins, etc). Dann hab ich wieder 105 Einheiten, um neue Kredite zu sprechen und diese wiederum zu verbriefen, etc... Ich kann also mit ursprünglich 100 Einheiten immer neue Kredite sprechen, Geld verdienen und evtl. so eine Kreditblase aufbauen. Diesem Spiel wären nur durch den Risikoappetit der Investoren Grenzen gesetzt.

2
/
0

Die Lektüre einiger Diskussionsbeiträge bringt mich zu der Erkenntnis, dass es manch einem Befürworer der Initiative um eine Fundamentalkritik an unserem Wirtschaftssystem geht - in dem das Währungssystem eine sehr wichtige Rolle spielt. Ein neues Währungssystem einzuführen ist bei dieser Betrachtungsweise ein Anfang dazu, dass gesamte Wirtschaftssystem gerechter zu machen. Dabei wird aber ausser Acht gelassen, dass solche „Systeme“ nie vor Missbrauch sicher sind. Auch das Vollgeldsystem wird einige Regulierungen benötigen, um Missbrauch zu erschweren. Gänzlich verhindern kann man ihn nie. Ich halte es für sinnvoller, das bestehende System weiterzuentwickeln. Es ist bei all seinen Schwächen schon recht gut verstanden und weiterentwickelt. Mit einem neuen System würde es einige Jahre brauchen, bis wir es gut verstanden und die gröbsten Schlupflöcher für Missbrauch gestopft haben. Und - anders als bei zum Beispiel IT-Systemen - gibt es hier auch keinen „End-of-Lifecycle“, wie einzelne Beiträge implizieren.

Neben dieser grundsätzlichen Aussenbetrachtung fällt zudem bei den Diskussionen eine „typisch schweizerische“ Vereinfachung auf. Das Währungssystem der Schweiz steht nicht für sich alleine auf einer Insel. Es ist eingebunden in ein internationales Währungssystem und es ist enorm kurzsichtig, wenn man glaubt, man könne unser System komplett eigenständig gestalten. Was das zu bedeuten hat, würden wir im Detail erst nach einer Einführung des Vollgeldes verstehen.

Und noch ein dritter Aspekt, der mir gerade in der Schweiz unverständlich ist, wo wir doch immer äusserst skeptisch gegenüber zentralisierter Macht sind: Der SNB würde mit dem Vollgeld eine extreme Macht und Verantwortung übertragen. Mängel des Systems würden mit ebensolchen zentral wirkenden Regulierungen begegnet (wenn die Kosten für den Betrieb des Geldkreislaufs zu gross für den Einzelnen sind, kann das ja durch Subventionen behoben werden). Die SNB ist Teil unseres Staates und in unserem jetzigen System zum Glück recht unabhängig. Die Gefahr einer „Politisierung“ eines Instruments wie der SNB ist aber immer gegeben. Eine stärkere Abhängigkeit von politischen Kräften würde aber bei der erweiterten Machtfülle umso schwerer ins Gewicht fallen. Wir sollten keinem staatlichen Instrument diese Machtfülle geben!

Zum Abschluss meines Diskussionsbeitrags vielen Dank an Simon Schmid für seine beiden Artikel. Ich habe den Eindruck, dass Sie sich um Objektivität bemühen. Und eigentlich einfache Geldsysteme, die in ihrer Wirkungsweise aber sehr komplex sind, verständlich darzustellen, ist eine echte Herausforderung.

19
/
5

Ich denke, dass ein wichtiges Versprechen der Initianten, nämlich mit Vollgeld Bankencrash's zu verhindern, ein leeres Versprechen ist. Es sind ja nur die Sichtguthaben der Bankkunden mit Nationalbankgeld hinterlegt, die kündbaren dagegen nicht.
Wenn bekannt wird, dass es bei einer Bank übermässig viele Kündigungen gibt, wird auch so das Vertrauen der anderen Banken in die betreffende Bank schwinden. Und die effektive Zahlungsunfähigkeit der Bank verlagert sich einfach auf den Kündigungstermin.

5
/
3

Sie geben den Banken wohl nicht viel Planungskompetenz, Herr Zoller, denn die Kündigungsfristen sollten doch wohl so liegen, dass die Bank ihre Verpflichtungen erfüllen kann... Ausserdem werden nicht Bankencrash's verhindert, sondern der Crash unserer Volkswirtschaft. Die einzelne Bank die es nicht schafft, geht einfach unter, ohne uns alle (insbesondere die Unbeteiligten ohne Geschäftsverbindungen zu dieser Bank) dabei mitzureissen.

5
/
1

Na ja, Herr Martignoni - mit den goldenen Regeln der Liquidität pflegen die Banken einen eher laschen Umgang...

4
/
0

Ich finde die Artikel, obwohl sehr ausführlich, lassen das wichtigste weg: das jetzige Geldsystem wird unweigerlich einmal zusammenbrechen, denn die Schulden wachsen dauernd und führen zu einer Umverteilung von unten nach oben. Vielleicht kann auch das Vollgeld dieses nicht verhindern, aber es scheint ein notwendiger erster Schritt zu sein, den heutigen Wachstumszwang und die ungerechte Umverteilung etwas zu dämpfen. Ein Artikel auf Infosperber [1] erklärt die Quintessenz:

"Das Geld-System soll so werden, wie 99 von 100 Leuten denken, dass es schon so ist. Nämlich dass alles Geld, ob Münzen, Banknoten oder eben auch das computertaugliche Buch- oder Giralgeld, von der Nationalbank kommt."

Ein Kommentar von P. S. ergänzt:

"Die Finanz-Oligarchie kontrolliert heute wieder unser aller Geld und will natürlich daran festhalten, um mit dem heutigen Geldsystem ihre Privilegien, ihre Macht und ihre eigene Existenz so lange wie möglich zu sichern. Die Nationalbank missachtet ihren Auftrag von 1891 und schaut dabei zu und macht sich zum Komplizen der Finanz-Oligarchie."

Warum leuten bei so wenigen Menschen die Alarmglocken angesichts des entfesselten Finanzsystems, das zu etwa 90% nur der Spekulation dient?

[1] https://www.infosperber.ch/Artikel/…-Erklarung

20
/
3

Sind die 🇨🇭Vollgeld-Befürworter etwa Volltrottel oder kommunistische Utopisten⁉️
Antwort von Radio: Im Prinzip JA aber leider auf der Verliererseite.📌
https://www.facebook.com/jonny.molo…4491492982

0
/
6

Unbegreiflich, wie jemand, der den Initiativtext gelesen und sich die heutige Situation mit Fiatgeld vor Augen geführt hat, allen Ernstes gegen die Initiative sein kann. Die Banken sollen einfach nur Geld als Kredit verleihen können, das sie SCHON HABEN. Ich kann ja auch niemandem einen Hammer ausleihen, den ich noch nicht habe... Nur die Banken zaubern alchemistisch Geld aus der Luft und schwupps!
Zu behaupten Vollgeld sei "ein Experiment" ist zudem schlicht falsch: Zu Zeiten als es nur Bargeld gab, konnte auch nur die SNB Geld herstellen. Man hatte also bereits Vollgeld. Definitiv falsch wird die Schreibe am Punkt mit der Klage wegem dem Text im Abstimmungsbüchlein: Richtig ist, die Klage wurde erhoben, weil steht: "mit der Vollgeldinitiative würde die Kreditsteuerung zunehmend bei der SNB zentralisiert." Diese Aussage aus dem Büchlein ist falsch und irreführend. Die Kredite würden weiterhin durch die Privatbanken vergeben nicht durch die SNB. Schade Herr Schmid. Das sind enttäuschende, viel zu komplizierte und offenkundig falsche Artikel.

28
/
13

Wer mit den Argumenten einer Zeit argumentiert, in der es lediglich Bargeld gabe, muss Zeitgenossen die Regeln für etwas aufstellen, für etwas, was der "Bauer" noch nicht kennt, fürwahr für etwas verrückt halten. Das kann ich schon nachvollziehen. Ist ok.

2
/
4

Der etwas hämische und herablassende Kommentar soll ihnen gegönnt sein.
Wer allerdings glaubt, dass es in der Antike nur Bargeld gab, hat von historischen Gegebenheiten wohl nur beschränkt Ahnung. Vielleicht lesen sie mal den Wikipedia Artikel zur römischen Wirtschaft https://de.wikipedia.org/wiki/Wirts…chen_Reich.
Vielleicht können sie mir ja erklären inwiefern die Komplexität moderner, gebündelter Finanzkonstrukte die Bedürfnisse der Realwirtschaft abbilden...

2
/
0

Ich bin auch der Ansicht, dass die beiden Artikel suboptimal verfasst sind. Es wird viel zu ehrfürchtig die Komplexität der Materie betont. Diese Komplexität kommt aber nicht vom monetaren System, sondern von der Funktionsweise einer international verflochtenen Volkswirtschaft.
Mit keinem Wort wird darauf eingegangen, dass von den vielen Billionen welche nach 2008 von den Zentralbanken ins System gepumpt wurden nur ein kleiner Bruchteil in der Realwirtschaft ankam. Die Kreditvergabe der Banken an KMU ist an rigide Auflagen gebunden, während fragwürdige Finanzkonstrukte unhinterfragt zu mit grossen Krediten gestützt werden.
Die Finanzindustrie dient in weiten Teilen der unfervrorenen Umverteilung von kleinen zu grossen Vernögen. Diesen Vorgang versuchen Juristen und Banker mit kompliziert anmutenden Konstrukten zu kaschieren, weil sie davon massiv profitieren.
In Tat und Wahrheit sind die wirklich notwendigen Vorgänge recht überschaubar und haben sich seit der Antike kaum verändert.
Wir sollten uns von den immer wiederkehrenden Horrorszenarien der reichen Oberschicht nicht blenden lassen

19
/
3

Ist manchmal etwas schwierig, wenn dreimal auf den Knopf drücken, dreimal den gleichen Text veröffentlicht....

2
/
4

Ist manchmal etwas schwierig, wenn dreimal auf den Knopf drücken, dreimal den gleichen Text veröffentlicht....

1
/
4

Vielen Dank fuer den interessanten Artikel. Leider ist er in einigen Punkten etwas veraltet. zB der Term Sparkonto. Das gibt's eigentlich gar nicht mehr, zumindest nicht fuer den Kunden. Ein Zins von praktisch Null und dann kommen noch die Gebuehren. In der Erklaeung wurde dieser Term so definiert : "Die Sparkonten (die Kunden für langfristige Geldanlagen nutzen würden). Kundengelder auf diesen Konten wären in Firmenkrediten, Hypotheken, Obligationen, Aktien oder sonstigen Wertpapieren angelegt (innerhalb der Bankbilanz)"
Dazu ist zu sagen, dass die Banken gar nicht an Anlagen mit eigenem Risiko interessiert sind. Sie koennen die Risiken gar nicht einschaetzen. Deswegen dienen aufgehypte 3 Monatszahlen als Massband.
Ich waere mit einem Zahlungsverkehrkonto zufrieden. Allerdings mit moderner Technologie. Ein Transfer hat instantan zu geschehen. Die Technologie (des instantanen Datentransfers) ist Standard. Kennt jeder, kann jeder. Nur die Banken nicht.
Stoerend am jetzigen System ist, dass das Privileg Geld aus dem Hut ziehen zu duerfen ohne Gegenleistung vergeben wurde. Firmen Steuern bezahlen sie keine mehr, da Strafzahlungen an andere Laender als Aufwand absetzbar sind. Firmen mit Krediten versorgen, .. lieber nicht, da unkalkulierbar. Und falls, dann nur gegen Sicherheiten, die die Verbindlichkeit uebersteigen.

7
/
1

Eine kleine Geschichte für alle die noch immer nicht wissen, wie sie stimmen sollen. Am 4. Mai brachte Radio SRF einen Echo der Zeit Beitrag mit einem Interview mit Thomas Jordan. Dieser stellte die Behauptung auf, nach Annahme der Initiative müsse die SNB alles von ihr neu geschöpfte Geld verschenken. Das ist eine geradezu Trump-würdige Falschaussage. Wenn dem so wäre würde ich auch nein stimmen. Die SNB soll mit der Vollgeldinitiative gestärkt werden. Sie würde die Kontrolle über die Geldmenge erlangen und wäre vollkommen frei, soviel Geld schuldfrei in Umlauf zu bringen als das im Landesinteresse liegt. Sie könnte wie bisher Geld schaffen um die bisherige Kurspflege weiterzuführen ( was Jordan ebenfalls bestritt) und selbstverständlich hätte sie den expliziten Auftrag für eine angemessene Versorgung des Finanzmarktes zu sorgen. Das steht alles ausdrücklich im Initiativtext. Es gibt offensichtlich keine stichhaltigen Argumente gegen die VGI, wenn sogar der Nationalbankpräsident nur noch mit solchen Schauermärchen argumentieren kann.

33
/
7

Wenn Herr Jordan nach der Annahme der VGI weiterhin Mist erzählt, muss er über den Jordan gehen...

4
/
2

Noch etwas zum Umstellungsgewinn. Simon Schmid, Sie schreiben: "Auf den Punkt 1 – die Umstellung selbst – gehen wir in diesem Text nicht ein. Er ist kompliziert und mit Unsicherheiten behaftet, wie die Initiantinnen selbst einräumen." (Dass die Initiantinnen dies selbst einräumen, ist mir neu. Worauf beziehen Sie sich da?)

Wenn der Umstellungsgewinn bezweifelt wird, geht es meistens um zwei Missverständnisse oder um eines von ihnen.

  1. Man meint, dieser Gewinn falle plötzlich in einem Schlag an.

  2. Man meint, die Geldmenge werde dabei erhöht.
    Beides stimmt nicht.

Es ist nicht derart kompliziert, wie behauptet wird. Bekanntlich bedeutet das Geld auf den Privatkonten eine Schuld der Banken gegenüber den Kontoinhabern. Bei der Umstellung wird kraft der Geldhoheit der SNB die Gesamtmenge dieser Privatkonten verwandelt in Vollgeldkonten ausserhalb der Bankbilanzen. Es ist dies die einmalige rein qualitative Geldschöpfung, bei der die Quantität gleich bleibt. (Alle sonstigen Geldschöpfungen der SNB schaffen Neugeld.)

Wenn damit der Prozess beendet wäre, hätten die Banken ein Geschenk in der Höhe von geschätzten 300 Milliarden erhalten, da ihre Schuld gegenüber den Kontoinhabern plötzlich erloschen ist. (Die Schätzung der verwandelten Menge mit 300 Milliarden dürfte vorsichtig sein.) Dafür besteht jedoch kein Grund. Vielmehr hat jetzt für die Banken der Gläubiger gewechselt: Statt den Kontoinhabern ist das jetzt die SNB. Diese Schuld muss getilgt werden, aber selbstverständlich nicht auf einen Schlag. Es muss eine faire, angemessene Frist vereinbart werden, z.B. 30 Jahre.

Bei der Tilgung dieser Schuld verändert sich die Geldmenge wiederum nicht, da die Banken mit bereits bestehendem Geld bezahlen müssen. Und der Gewinn für die Öffentlichkeit fällt nicht in einem Schlag an, sondern eben im Lauf von z.B. 30 Jahren.

23
/
3

Sehr schön erklärt. Mich würde ein kurzer Kommentar von Herrn Schmid dazu interessieren.

1
/
1

Danke, Herr L. Das würde mich auch interessieren.

1
/
1

Auch nach ausführlicher Lektüre ist noch immer nicht im geringsten klar was denn das sogenannte Vollgeld in der Realität sein würde, bzw. wie es "in Umlauf" gebracht werden soll.

Wie am Anfang richtig geschrieben, ist Geld = Kredit.
Bargeld ist einfach Kredit, den die SNB bei mir hat. Wenn ich dieses Bargeld dem Staat oder einer Bank gebe, kann diese ihre Schulden bei der SNB begleichen.

Wie also soll ein sollches Geld in Umlauf gebracht werden, wenn nicht über Kredite, die die SNB vergibt?

Über den Staat, wenn er Geld bei der SNB aufnimmt um die Staatsgeschäfte zu finanzieren und über die Banken wenn sie den Restbetrag der aus dem interbanklichen Ausgleich noch offen ist finanzieren.
Sprich: Gleich wie heute.

Was sich ändern würde, wäre der Deckungsgrad, aber was genau ausser mehr Nullen in den Beträgen der automatisierten Ausgleichssystemen und eine x-fach grössere Bilanz der SNB wären den die konkreten Folgen?

Zahlungsverkehr wird ja nich teurer nur weil die Beträge grösser sind.

Ich habe das Gefühl, irgendwie hat niemand einen Plan.

4
/
4

Dies scheint mir ein Missverständnis zu sein - für die Funktion von Geld ist es völlig unerheblich, ob diese aus einem Kredit (einer Schuld) erwächst oder nicht. Der Wert einer Währung ergibt sich aus dem Versprechen, dass Sie sich in Zukunft etwas damit kaufen können. Es reicht also wenn eine Währung allgemein als Zahlungsmittel akzeptiert wird.

Als aktuelle Beispiele kann man sich die Kryptowährungen anschauen, welche "geschürft" werden und deshalb ohne ursprünglichen Kredit entstehen. Oder, etwas bodenständiger, Gold und Diamanten welche als Bodenschätze weit über ihrem industriellen Wert gehandelt werden.

0
/
0

Einzige kurze Anmerkung zu einer Stelle, die im "Dummy"-Artikel missverständlich ist: Die Zentralbankreserven sind keine Restriktion für die Kreditvergabe der Geschäftsbanken. In den Worten der Bank of England:
"The deposit multiplier (DM) model of banking suggests that the availability of central bank high-powered money (reserves or cash) imposes another limit to rapid changes in the size of bank balance sheets. In the deposit multiplier model, the creation of additional broad monetary aggregates requires a prior injection of high-powered money, because private banks can only create such aggregates by repeated re-lending of the initial injection. This view is fundamentally mistaken. First, it ignores the fact that central bank reserves cannot be lent to non-banks (and that cash is never lent directly but only withdrawn against deposits that have first been created through lending). Second, and more importantly, it does not recognise that modern central banks target interest rates, and are committed to supplying as many reserves (and cash) as banks demand at that rate, in order to safeguard financial stability. The quantity of reserves is therefore a consequence, not a cause, of lending and money creation."

Tatsächlich brauchen Banken also erst nach der Kreditvergabe (in der Schweiz im Mittel über 3 Monate) die nötigen Reserven. Diese können sie sich jederzeit beschaffen, die Kreditvergabe ist dadurch also nicht eingeschränkt. Dadurch ergeben sich volkswirtschaftlich weitere spannende Konsequenzen, z.B.:

"Furthermore, if the loan is for physical investment purposes, this new lending and money is what triggers investment and therefore, by the national accounts identity of saving and investment (for closed economies), saving. Saving is therefore a consequence, not a cause, of such lending. Saving does not finance investment, financing does. To argue otherwise confuses the respective macroeconomic roles of resources (saving) and debt-based money (financing). "

Quelle:
https://www.bankofengland.co.uk/-/m…58AF4B03B5

http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=31063

6
/
0

Merci für die Links! Das Multiplikator-Modell ist, wie Sie richtig schreiben, nur ein Denkmodell. Aber auch das "Geld aus dem Nichts"-Modell ist am Ende nur eine Metapher. Am Ende kommt es mehr oder weniger auf dasselbe raus, wie zB auch Urs Birchler in seinem Leitfaden schreibt: http://www.batz.ch/2017/10/vollgeld-leitfaden/ Die effektive Begrenzung der Kreditvergabe sind die Nachfrage der Kreditnehmer und die Profitabilitätsüberlegungen der Banken. Darauf nimmt die Zentralbank über die Leitzinsen indirekt Einfluss.

4
/
1

Das mit den Denkmodellen mag stimmen. Nur frage ich mich ernsthaft, wieso wir eines verwenden, das unser Verständnis für volkswirtschaftliche Zusammenhänge eher verschleiert als verbessert. Ist die Finanzierung und damit die Investition/der Konsum nämlich tatsächlich die Ursache des Sparens, hat das weitreichende Konsequenzen. Dann wären z.B. die deutschen und schweizerischen Leistungsbilanzüberschüsse nicht kausal durch "Sparbedürfnisse" bedingt, sondern die Investitionen und der Konsum aus Krediten wären dafür verantwortlich. Wir sind dann viele Schritte näher an einem gesamtwirtschaftlichen Verständnis, wie es Post-Keynesianer*innen vertreten. Aber das ist nun natürlich ein Input eher genereller Natur ans Republik-Wirtschaftsteam. Die Analyse von Zusammenhängen und das Verständnis bspw. von Flassbeck ist leider viel schwieriger, solange man an der neoklassischen Modellwelt einer Tauschökonomie festhält.

0
/
0

Die Einlagensicherung (100'000 Fr. pro Person und Bank) ist auf 6 Mia. Fr. beschränkt. Dies sichert nicht mal 2 % aller Kundeneinlagen. Wir Bankkunden sehen im heutigen System schon in einer kleineren Krise einen Grossteil unseres Geldes nie wieder.

Dank der Vollgeld-Initiative könnten wir Kunden endlich wählen, ob wir unser Geld sicher aber unverzinst auf einem Geldkonto belassen wollen, oder ob wir dieses der Bank gegen Zins und unter Risiko für eine Zeit überlassen (via Einzahlung auf ein Sparkonto).

Sollte die Nachfrage nach Krediten gross sein, werden die Zinsen für uns Sparer erhöht und mehr Leute werden ihr Geld der Bank zur Verfügung stellen. Heute hingegen bekommt der Kleinsparer kaum noch Zins und muss trotzdem das Risiko tragen und für die Fehler der Bank bezahlen.

52
/
6

@Schwyzer, Ihr Zitat: "Dies sichert nicht mal 2 % aller Kundeneinlagen"
Meines Wissens würde dieses Geld von der Nationalbank zur Verfügung gestellt. Oder liege ich da falsch?

3
/
3

Nein. Die Einlagensicherung speist sich aus einem Fond, einem Geldtopf, in den alle Banken eingezahlt haben. Die 6 Milliarden in diesem Topf decken aber nur 1-2% aller Guthaben auf Schweizer Konten. Deshalb ist das eine Schönwetterversicherung. Wenn‘s knallt, ist der Topf schnell leer und die too-big-Banken müssen vom Staat oder von der SNB aufgefangen werden.

14
/
0

Gratuliere zur ausführlichen "Abhandlung" zum Vollgeld. Ich hätte da bei den meisten Punkten noch viel Diskussionsbedarf aber möchte hier nur zwei aufgreifen:
"Wer Geld auf sein Sparkonto einbezahlt hat, darf dieses Geld erst nach Ablauf einer gewissen Zeit (etwa nach 14 Tagen oder nach 3 Monaten, die Initiative lässt dies offen) wieder abheben." Selbstverständlich lässt die Initiative das offen! Das ist ja das zentrale Business der Banken. Sie erinnern sich vielleicht an das Wort "Fristenkongruenz"? Das besagt, dass die Kreditlaufzeiten und die Laufzeiten der Sparguthaben in möglichst grosse Übereinstimmung gebracht werden müssen. Eine Grundregel jedes Bankers alter Schule, weil er ja noch primär in Bargeld (=Vollgeld) gedacht hat und tatsächlich so auch nie in Schwierigkeiten kam, wenn jemand sein Geld ausbezahlt haben wollte. Faktisch heisst ja Spargeld im Vollgeldsystem, dass ich mein Vollgeld der Bank gebe, diese gibt mir einen Schuldschein (Kassenobligation oder eben Sparbucheintrag) für mein Darlehen an sie mit bestimmter Laufzeit. Danach ist mein Geld für mich in dieser Zeit "weg", nämlich vermutlich bei einem Kreditnehmer, kommt dann am Ende der Kreditlaufzeit (hoffentlich) zur Bank zurück und ich kann am Ende meiner Darlehensfrist das Geld wieder zurückhaben auf mein Vollgeldkonto. Was ist da unbestimmt???
Das ist auch eine Hauptfrage an die Erzählweise der beiden Artikel: Vollgeld ist logischer, einfacher, klarer und nicht so leicht austricksbar, weil es sich genau wie physisches Münzen oder Notengeld verhält. Es gibt genau eine Person, die das Geld besitzt, wenn sie es verleiht, bekommt sie eine Bestätigung, aber diese unterscheidet sich von Geld und ist eben nicht das Geld. Das unklare, verschleierte, trickreiche Geschehen der Banken heute wird viel zu wenig kritisiert. Überhaupt ist ja die Haupttaktik der Geldlobby, Vollgeld als Phantasie und unmögliches Ding einiger Spinner darzustellen, "waaahninnig kompliziert". Das von Leuten, die als Betreiber unseres Finanzsystems, von dem wir alle abhängen eigentlich Bescheid wissen müssten, wie es funktionieren sollte, so dass es allen dient. Stattdessen behaupteten diese Experten bis vor kurzem noch völlig falsche Vorstellungen zu Kreditschöpfung und Geld, hatten aber keine Scham tausende hochkomplizierte Derivate und Spekulationsprodukte in die Welt zu setzen und die Abschaffung von ganz vielen Regulierungen durchzusetzen, z.B. das Verbot von Hedgefonds abzuschaffen ohne jeglichen Hinweis auf "gefährliches Experiment" zu geben... Hier müsste doch mal nachgebohrt werden. Wie wäre es mit einem Artikel: Verstehen Banker überhaupt was sie machen? Ich vermute da kämen ganz interessante Dinge zu Tage.

89
/
15

A propos Logik, Einfachheit und Klarheit: einen sehr guten Beitrag dazu hier https://www.infosperber.ch/Wirtscha…L4.twitter
Und danke an den Autoren und das Team für die tollen Artikeln!

1
/
0
R. Z.
· editiert

Die hervorragenden zwei Abhandlungen und erst noch in verständlicher Sprache verfasst zeigen auf, dass Vollgeld zwar einfach tönt, aber in der Praxis und vor allem auch bei der Einführung sehr kompliziert ist. Zudem verspricht die Idee bzw. die Initiative deutlich mehr als sie einhalten kann: Keine Bankenkrise mehr? Keine Kreditblasen mehr? Denkste! Um die Banken besser in Schach halten zu können, müssen wir nicht das ganze Geldsystem auf den Kopf stellen und ein Experiment mit ungewissem Ausgang riskieren. Deutlich höhere Eigenkapitalvorschriften für die Banken bzw. die ganz Finanzbranche - beispielsweise 30% - wären da schon viel wert und gar nicht kompliziert. Oder das gute alte Notenbankinstrument der Mindestreserven, die jederzeit die Geldschöpfung (die problemlos bleibt, solange reale Werte dahinter stehen) der Banken stark einschränken können, ist auch nicht kompliziert und bietet kaum Risiken. Vollgeld stellt leider - wie die Mehrheitspolitik auch - nicht die grundsätzliche Frage nach den Funktionsfehlern im Kapitalismus. Deshalb sollten die Initianten auch nicht so grosse Versprechen abgeben.

8
/
2

Sehr guter Kommentar. Nochmal lesen!

2
/
1

Guter Text, gute Erläuterungen. Merci.

4
/
10

Ich schlage vor, zunächst die Realität zu beachten. Ich habe in meinem Leben schon etliche Hypotheken und Baukredite aufgenommen. Noch nie hat mir eine Bank dabei den Betrag der Hypothek auf irgendeinem Konto gutgeschrieben. In Realität haben die Banken die Hypothekersumme dem vorherigen Hauseigentümer überwiesen, nachdem belegt war, dass ich die Eigenmittel für den Hauskauf zusammen hatte. In der Bankbilanz stand ich zu keinem Zeiktpunkt mit einem Guthaben auf der Passivseite; ich hatte also nie ein Guthaben gegenüber der Bank. Die Bank hat ausserhalb der Bilanz den Hypothekarbetrag unter der Rubrik „unwiderrufliche Verpflichtungen“ oder so festgehalten. Bilanzwirksam wurde die Hypothek nur auf der Aktivseite zum Zeitpunkt, als die liquiden Mittel der Bank um die Hypothekarsumme abgenommen haben (durch die Auszalung an den alten Eigentümer oder an eine andere Bank) und die längerfristigen Guthaben der Bank als Darlehen gegen hypothekarische Deckung zugenommen haben — ein klassische Aktiventausch, welcher der Bank im angenommenen Normalfall der Fristentransformation — dies zur Sonntagspredigt von Jens Martignoni über die Fristenkongruenz, die noch nie der Bankenrealität entsprochen hat, den erwarteten Profit bringt.
Der Kern der Argumentation der Vollgeldler bricht in sich zusammen. Warum sollten die Banken, wenn sie Geld „aus dem Nichts“ schöpfen können, so blöd sein, dieses Geld „aus dem Nichts“ nicht für sich selbst brauchen und sich aus der „Seignorage“, die ich in übrigen als langjähriger Verantwortlicher für die Rechnungslegung von zwei Banken nie angetroffen habe, ein schönes Leben machen, sondern dieses Geld unzuverlässigen Kreditnehmern irgendwo hineinzuschieben?
Der Kern des Irrtums der Vollgeldler besteht in der Illusion das kapitalistische Wirtschaftssystem über eine Geldreform retten zu wollen, anstatt bei den Produktionsverhältnissen anzusetzen. Der Geldfetisch treibt seit den Alchemisten und dem Doktor Faust viele um; offenbar weil sie als typische Kleinbürger nicht an die Produktionsverhältnisse greifen wollen und vor allem von der Angst um ihre Spargelder umgetrieben werden.
Zu hoffen ist, dass man sich nach dem 6.Juni in kapitalismuskritischen Kreisen wieder den wirklichen Problemen zuwenden kann.

6
/
4

Seigniorage nie angetroffen? Sie sind nicht der einzige, der den Unterschied zwischen originärer Seigniorage und Zins-Seigniorage nicht kennt. Das letztere dürfte klar sein. Das erstere ist der Nominalwert minus Herstellungskosten. Für Banken fällt natürlich "nur" die Zins-Seigniorage in Betracht.

2
/
0

Die Krux steckt tatsächlich im Detail, da haben Sie recht, Herr H. Bei der Kreditsprechung wird zwar in dem beschriebenen Fall kein eigenes Konto für Sie eröffnet doch erst eine Buchung Aktiv+Passiv vorgenommen und erst danach ausgezahlt, was Sie als Kunde natürlich nicht sehen. Aber schon bei einem Baukredit wird es wieder sichtbar. Das frisch geschöpfte Geld ist auf einem neuen Konto bereit und wird von da an die Handwerker ausgezahlt.

  • Wieso schaffen Banken kein Geld für sich selber? Doch tun sie schon aber Kredite können nur gegen Sicherheiten verliehen werden und damit wird die Geschichte etwas komplizierter. Aber z.B. mit solchem Geld eigene Bankgebäude bauen oder eigene Aktien kaufen wird regelmässig praktiziert.
    Zu diesem Thema lohnt sich die Vertiefung in die Artikelserie zur Geldschöpfung von Jean-Marc Decressonnière, Chef der Freien Gemeinschaftsbank in Basel https://www.gemeinschaftsbank.ch/ak…schoepfung

  • Bei der Seignorage gebe ich Ihnen auch recht, die gibt es so simpel einfach nicht. Bei diesem Thema schwimmen aber noch alle.

  • Fristenkongruenz ist tatsächlich schon lange verschwunden, weil eben unnötig im heutigen Regime, aber bei Vollgeld wäre es wieder das einzig richtige.

  • Bezüglich Änderung der Produktionsverhältnisse bin ich voll einverstanden. Was Sie aber komplett unterschätzen ist die Rolle der Geldordnung als integraler Bestandteil der Eigentumsordnung.

6
/
1

Zur Erhellung empfehle ich auch einen Blick auf das Islamische Bankensystem. Dies arbeitet meines Erachtens mit Vollgeld, weil keine Zinsen verlangt werden dürfen.

8
/
3
R. T.
· editiert

Inwiefern schliessen sich Vollgeld und Zinsen aus ? Vollgeld bedeutet, dass nur existentes Geld verliehen werden kann. Zinsen sind die Kosten fuer die Dienstleistung, Geld zu verleihen.

1
/
0

Wenn die Vollgeld-Initiative angenommen würde, spricht der Autor davon, dass es keine Zinsen mehr geben würde.

Wer erhält denn heutzutage noch Zinsen auf dem Privat- oder Sparkonto? Oder sind damit Hypothekatzinsen gemeint? Die jedoch gehörten, nachdem ich den Text für Dummies (übrigens wirklich sehr einfach erklärt) gelesen habe, doch danach eigentlich zum abgetrennten Kreditsystem, nicht?

5
/
4

Zum Thema Zinsen muss gesagt werden, dass man darüber nur Vermutungen anstellen kann. Zudem werden oft Aussagen über Kontogebühren und Zinsen vermischt. Zugespitzt formuliert: Es ist einfacher sich vorzustellen, dass die Kontogebühren steigen, als sich vorzustellen warum sie das tun sollten. Ich kann das gerne erläutern. Aber vielleicht wollen Sie lieber ein Glacé essen.

4
/
1

Das lässt sich durchaus ökonomisch begründen. Banken stehen heute in Konkurrenz um Einlagen, deshalb müssen sie bei den Kontokonditionen (Zins, Gebühren) einigermassen konkurrenzfähig sein. Im Vollgeld sind Banken dann überhaupt nicht auf Kundengelder (=Vollgeld-Konten) angewiesen. Darum auch kein Anreiz, diese Konten attraktiv zu gestalten oder sie über das Anlagegeschäft zu einem gewissen Grad querzufinanzieren. Dagegen finde ich die Hypothese der VGI in diesem Punkt, dass sich bzgl der Kontogebühren und Zinsen nichts ändern würde, eher schwammig.

5
/
2

Was Vollgeld in der Schweiz für eine Auswirkung auf den Finanz- und Wirtschaftsstandort bedeuten würde, darauf wurde nicht mal eingegangen und dennoch spricht kaum was für ein "JA".

13
/
24

Warum sollen die Auswirkungen des Vollgeld-Systems auf den Finanz- und Wirtschaftsstandort negativ sein? Heute sind 90% des umlaufenden Geldes privates, von den Banken aus dem Nichts geschaffenes Geld. Wenn 100% des umlaufenden Geldes Nationalbankgeld ist, ist dieses Geld gesetzliches, sicheres Zahlungsmittel. Das kann doch der Wirtschaft nicht schaden! Nur der Profit der Finanzspekulanten, die übermässig viel Geld erzeugen, wird wahrscheinlich geschmälert werden. Das verhindert Finanzkrisen. Die Vollgeld-Initiative gibt den Wirtschaftsakteuren wieder gleich lange Spiesse. Auf Grund des Verfassungsartikel von 1891 war das lange Zeit so. Das heutige Geldsystem ist undemokratisch und ungerecht. Wie können das ändern, wenn wir nur wollen.

6
/
3

Was ist Ihre Prognose: Wird der Schweizer Franken nach der Umsetzung an Wert gewinnen oder verlieren?

1
/
1

seit 2018