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17.12.2018

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Liebe Republik-Redaktion,

wann endlich erhält Julian Assange von euch die längst überfallige und notwendige Beachtung und Unterstützung?

Es kommt heraus, dass er verdeckt angeklagt wurde in den USA und dass sich somit wohl all seine Befürchtungen bezüglich einem drohenden Schauprozess mit lebenslanger Inhaftierung in einem Hochsicherheitsgefängnis der USA, bewahrheiten...

Julian Assange ist einer von EUCH!

Zur Erinnerung:

  • Schweden hat die Anklagepunkte fallen gelassen

  • Assange wird ohne Anklage in der ecuadorianischen Botschaft in London festgehalten.

  • Die UNO hat festgestellt, dass die Situation gegen geltendes Menschenrecht verstösst

  • die Briten werden ihn bei Verlassen der Botschaft festnehmen, weil er angeblich gegen Kautionsbestimmungen verstossen hat.

  • Assange ist weder Spion, noch US-Bürger

  • Die Auslieferung nach den USA wird sofort erfolgen, da der Ausschaffungsvertrag zwischen UK-USA keinen Straftatbestand des Auszuliefernden erfordert.

  • In den USA erlaubt der National Defense Authorization Act eine unbefristete Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren. Assange wird einfach auf Lebzeiten weggesperrt werden.

Lest doch mal Chris Hedges Einordnung dazu.

Es ist Zeit, laut und deutlich gegen diese Pervertierung des Rechts zu demonstrieren. Die Presse in vorderster Front, denn ohne Assange wüssten wir heute z. B. nichts über die Gräueltaten des US-Militärs im Irak!

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Habe eben das Abonnement verlängert.

Mit ein wenig Glück - dieses Mal - zwingt uns der NR nun doch nicht, Werbung zu schauen. Anderenfalls müsstet ihr die Abteilung TV dringend und sofort ausbauen!

Übrigens, wo ist Konstantin Seibt? Auch ein, für einmal kurzer Artikel, würde mich freuen. Er ist nicht unschuldig daran, dass ich hier bin. Ich hoffe, es ist nichts schlimmes oder dass ihr ihm gekündigt habt. Auch "KEINE LUST" könnte ich noch für ein paar Monate dulden...

Ich wünsche Euch schöne Festtage.

Fritz Gysin.

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Zum Kurzbriefing (Woche 50/2018) der Redaktion: In Japan werden nicht nur Frauen an Universitäten systematisch diskriminiert, vor kurzem wurde auch bekannt, dass Behörden die Anzahl Mitarbeiter mit Behinderung künstlich erhöht haben um als vorbildlich bezüglich Diversity zu erscheinen. Quelle: https://thediplomat.com/2018/08/jap…ng-quotas/
Japan ist und bleibt sehr korrupt - dass in Fukushima das stark verseuchte Kühlwasser zur Zeit wieder ins Meer abgelassen wird passt dazu...

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Es ist irritierend, dass bei dem sehr guten und aktuellen Artikel von Michael Steinberger nicht direkt unter dem Titel auf die Originalversion hingewiesen (und gelinkt) wird. Entweder Sie imitieren ohne Grund die doofen Spielchen von anzeigenfinanzierten Produkten, oder Sie haben noch nicht so ganz verstanden, wie das Web funktioniert.

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"Der Staatsmann auf eigene Faust"

Danke für das Porträt des "besten Spekulanten, den die Wallstreet je gekannt hat".

Interessant zu erfahren, wie Soros sich selber beschreibt:
«Ich unterscheide zwischen meinem Engagement auf den Märkten, wo mein einziges Interesse darin besteht, richtig zu liegen und Geld zu verdienen – und meinem politischen Engagement, wo ich für das eintrete, woran ich wirklich glaube.»

Interessant zu erfahren, wie Sohn Alex die Motivation für das politische Engagement seines Vaters beschreibt:
«Der Grund, aus dem man für eine offene Gesellschaft kämpft, ist der, dass es die einzige Gesellschaft ist, in der man als Jude leben kann – es sei denn, man wird zum Nationalisten und kämpft nur für seine Rechte in seinem eigenen Staat.»

Man kombiniere wirtschaftliches Interesse und politische Motivation:
Am besten spekuliert es sich in offenen Gesellschaften.

Klar, Kapital soll möglichst frei um den Globus zirkulieren. Liberalismus als Business Enabler. Passt.

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Guten Tag miteinander
Gestern sind auf Makroskop zwei Beiträge zum Thema erschienen, die m.E. den Sachverhalt auf treffende Weise darstellen: "Macrons Politik à la Blair und Clinton"
Von Larry Elliott, erschienen im Guardian vom 6. Dez. 2018 (übersetzt ins Deutsche) sowie "Macrons monarchischer Moment" von Erich Jochem.

  • Elliott zeigt, wie der französische Präsident die Steuern für die Reichen gesenkt, aber die Sparpolitik beibehalten hat - eine gescheiterte Politik, die so nicht aufgehen kann. Und er sagt, dass eine Gegenreaktion unvermeidlich war.
    Ferner weist er darauf hin, dass das eigentliche Vorbild von Macron Gerhard Schröder war (der Vorgänger von Angela Merkel), der in den frühen 2000er Jahren in Deutschland harte Arbeitsmarkt- und Sozialreformen durchführte, um die grösste Volkswirtschaft Europas wettbewerbsfähiger zu machen. Diese Reformen haben Deutschland zwar einen grossen Handelsbilanzüberschuss und eine niedrige Arbeitslosigkeit gebracht, dies aber mit dem Preis von Lohnkürzungen und Kaufkraftreduktion für die deutschen Arbeitnehmer.

  • Jochem weist in seinem Beitrag darauf hin, dass Macron aus seiner Vorliebe für den Monarchismus keinen Hehl macht und zitiert ihn aus einem Interview von 2015:
    „Il y a dans le processus démocratique et dans son fonctionnement un absent. Dans la politique française, cet absent est la figure du roi, dont je pense fondamentalement que le peuple français n’a pas voulu la mort []
    Auf Deutsch: „In demokratischen Gesellschaften klafft eine Lücke. In Frankreich ist diese Lücke der fehlende König, dessen Tod, da bin ich mir sicher, das französische Volk nicht gewollt hat…“
    Die Rede ist von Ludwig XVI., dem im Zuge der Französischen Revolution enthaupteten Monarchen, als dessen Nachfolger im Geiste sich Macron gerne sieht und – wie zuletzt bei seiner Fernsehansprache an die Nation hinter vergoldetem Schreibtisch – gerne inszeniert.
    Auslöser für die Französische Revolution – der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte – war bekanntlich eine geplante Steuerreform, die die schon in Armut lebende Bevölkerung noch weiter in den Ruin getrieben hätte.

P.S. Makroskop ist eine kostenpflichtige Webseite.

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Aufstand der Peripherie
besten Dank für das "Manifest", Herr Binswanger, ich kannte es überhaupt noch nicht.

Europa gibt es nun, es "steht" nach vielen Jahren, es ist ein Faktum.
Die Sache mit dem " Establishment" wie wir es kennen, stimmt irgendwie nicht mehr, dafür gibt es immer neue Indizien. Mir wurde das zum ersten Mal bei der Nicht Wahl von Hillary Clinton in Amerika klar.
Die Ungewissheit, mit der "Bevölkerungen" offenbar an neuen Schwellen stehen ist wirklich offensichtlich. Niemand weiss genau wohin, zwar stimmt doch irgendwie alles, aber trotzdem ist der Alltag oft ungewiss. Diese Ungewissheit trägt sicher ihren Teil zu den Unruhen bei. Es gibt unsere bisherige Ordnung und die funktioniert manchmal nicht so optimal, um zufrieden zu sein.
Für mich persönlich ist das ein guter Weg, statt Revolutionen und Gewalt ein neues "Manifest" zu gründen und so verantwortlich geplante neue Wege auf zu gleisen, salopp gesagt .....mit "Europa" eine neue 2. Phase zu starten.
Dazu braucht es Bereitschaft "Anderes" zu akzeptieren und sich damit auseinander zu setzen.

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Aufstand der Peripherie
Guten Tag Herr Binswanger
Ich weiss nicht, was genau Sie in dem von Ihnen verlinkten Video (im ersten Abschnitt) dreimal haben anschauen müssen, um es zu glauben. Meines Erachtens jedenfalls nicht "wie eine berittene Polizeieskadron durch die Pariser rue de Bretagne galoppiert, um eine Gruppe von Demonstranten zu zersprengen". Im Hintergrund sehe ich nämlich keine Gruppe von Demonsrierenden sondern einen Polizeitrupp, schwarz bekleidet mit Helmen und langen Plexiglas-Schildern. Die berittene Polizei kommt von hinten, die Fuss-Polizei weicht eilends nach links und rechts aus. Im Vordergrund, als die Reiter näher kommen und an der Kamera vorbeigalloppieren, sind kaum Menschen zu sehen. Weiter nach rechts auch nicht. Einige Schaulustige vielleicht und Journalisten oder Reporter, die fotografieren und filmen.
Haben wir denselben Film gesehen?

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Ich hatte letztes Jahr das Vergnügen, mit einer Praktikantin aus Genf zusammenzuarbeiten und bin begeistert von ihrer Lebenslust, ihrem Humor und ihrem Sozialkämpfertum, die sie aus ihrer frankophon-städtischen Umgebung aufgesogen haben muss, wie Muttermilch, auch wenn ihre Mutter Deutsche ist und auch wenn sie sich für Politik überhaupt nicht interessiert.
Über die Franzosen, die nach Genf kommen sagte sie einmal kritisch, dass die immer reklamieren würden.
Da scheint also viel Wahres daran zu sein am Französischen Revoluzzer-Gen, das mit dem ebenso starken Massloses Feiern-Gen um Einfluss auf die Französische Seele und Befindlichkeit wetteifert!
In der Übergangszone zwischen der Deutschen Arbeits-Disziplin mit einem "Leben für die Arbeit" und der Französischen Auffassung von "Arbeiten, um zu leben" liegen nicht Welten, sondern zuerst der Thurgau, dann irgendwann Bern und schliesslich eben Genf...

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Daniel Binswanger: Aufstand der Peripherie

Es gibt fünf grosse Zivilisationslügen, die dem sozialen Fortschritt im Weg stehen:

  1. Gerechtigkeit und Kapitalismus sind vereinbar.

  2. Bildung und Technik können jedes Problem lösen.

  3. Wettbewerb und Wirtschaftswachstum sind Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gesellschaft.

  4. Die Regenerationskräfte unseres Planeten sind unbegrenzt.

  5. Die Eliten wissen es besser.

Je radikaler sich potente Wissensgesellschaften von diesen Lügen lösen, desto erfreulicher wird ihre Zukunft. Und die aller Bewohner/innen der Erde.

Frohe Weihnachten!

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Das erste, was ich täglich bei der ersten Tasse Kaffee lese, ist der Newsletter und bei der zweiten Tasse gehe ich zum Feed und lese den vielversprechendsten Text aus... Aber manchmal finde ich den im Feed gar nicht, wie heute der Artikel über Frauen in der Politik.
Muss ich daraus schliessen, dass der Feed händisch zusammen geklebt wird und ein übernächtigter Redaktionsmensch eben manchmal etwas vergisst?

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«An der Bar» mit Cloé Jans

Das Thema der Unterhaltung finde ich interessant, relevant und wichtig. Mit der Auswahl der Gesprächspartnerin hätte ich jedoch etwas mehr inhaltliche Kompetenz gewünscht. Cloé Jans arbeitet bei einem Marktforschungsinstitut, in dem sie sich mit eidgenössichen Abstimmungen und dem Credit Suisse Sorgenbarometer befasst (Webseite). Gäbe es nicht AkademikerInnen, die sich mit Umwälzungen von Parteiensystemen, der Abschwächung von Volksparteien, Elektoratsverschiebungen und auch der Schweizer Parteienlandschaft besser auskennen? Mir fällt da spontan Prof. Dr. Silja Häusermann ein, die sich genau mit diesen Themen beschäftigt und ihr im Frühjahr bereits interviewt habt. Ich fand die Ausführungen von Frau Jans meist eher oberflächlich und ich denke, dass eine Person, die sich beruflich mehr mit diesen Themen auseinandersetzt für dieses Thema spannender gewesen wäre.

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Klimacode: Eine Phantastische Dokumentation. Da sollte ein Buch oder eine Fernsehdoku drauss werden.

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Bezüglich 'Gilets Jaunes' und Reichensteuer in Frankreich bleibt doch auch anzumerken, dass die Schweiz als frankophones Nachbarsland noch immer die Pauschalsteuer kennt und dadurch zu Ungleichheit beiträgt. Die Pauschalsteuer gehört schweizweit abgeschafft.

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Liebes Republik-Team

Nun will ich mich doch noch einmal zur Teilen-Funktion äussern. Es stört mich sehr, dass ihr mir mit Whatsapp, Fb und Twitter drei Services vorschreibt und ich eigentlich nur beim Mail die Wahlfreiheit des Dienstes habe. Bei der App fehlt mir die Browserleiste und der Link ist nur über Umwege zu kopieren.

Warum nutzt ihr nicht die interne Teilenfunktion von Smarphones? Oder wenigstens ein "Link in die Zwischenablage" Button (statt Twitter, wer braucht schon Twitter ausser Journalisten und die Politikerinnen??)

Liebe Grüsse und merci für eure Arbeit

Aurel

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Progressiver Neoliberalismus (Fortsetzung)

Auf den Begriff gebracht wird von Nancy Fraser ein Neoliberalismus, der sich zwar als aufgeklärt und gesellschaftlich harmonieträchtig versteht und darstellt, in der Tiefenstruktur aber weitgehend dem höchst parteilichen neoliberalen Ökonomismus verhaftet bleibt – unabhängig davon, ob seine Protagonisten dies erkennen oder an ihre harmonistische, von realen gesellschaftlichen Konflikten weitestgehend abstrahierende Rhetorik selbst glauben. Nach Hillary Clinton in den USA verkörpert Emmanuel Macron diesen progressiven Neoliberalismus m.E. exemplarisch für die Europäische Union des Lissabonner Vertrags. Von daher ist auch die bisherige Macron-Euphorie bei den (übrigen) EU-Granden zu deuten. Seit Lissabon tendiert die EU chronisch zur Konfusion eines fortschrittlichen bürgergesellschaftlichen Universalismus (Ihre treffliche Kurzformel: «republikanische égalité») mit der vor- oder gegenaufklärerischen Metaphysik des freien Marktes, wie sie fast schon doktrinär in den vier unantastbaren Grundfreiheiten des gemeinsamen Markts institutionalisiert ist. Die «Entzauberung des Hoffnungsträgers Macron» repräsentiert insofern die Entzauberung der ganzen harmonistischen Wirtschaftsdoktrin der EU. Dementsprechend gross ist in Brüssel das Entsetzen.

Die persönliche Integrität von Macron würde ich wohlgemerkt nicht bezweifeln, wohl aber, wie weit ihm in seiner «progressiv-neoliberalen» Gutgläubigkeit die oben angesprochene Differenz zwischen der (universalistischen) zivilisatorischen Ordnung der Dinge und der (strukturell parteilichen, also partikularistischen) neoliberalen Doktrin von «Wohlstand für alle durch nationale Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Standortwettbewerb» bewusst ist oder eben nicht. Auf begrenztes Differenz- und Konfliktbewusstsein weist hin, wie sehr Macron offenbar selbst vom Aufbegehren der Bürger überrascht ist. Viele Franzosen sind da wesentlich konfliktbewusster, da sie vom neoliberalen Harmonieglauben kaum infiziert sind.

Um den Kreis zur historisch gewachsenen französischen Protestkultur zu schliessen: Falls die Bevölkerung Frankreichs nachhaltige oder sogar revolutionäre politische Umdenkprozesse wirklich jeweils früher als andere Gesellschaften erfasst hat, so mag die Gelbwesten-Bewegung ein erstes Zeichen dafür sein, dass die neoliberale Doktrin ihre weltweite Ordnungsmacht zu verlieren im Begriff ist und womöglich bereits auf dem Sterbebett liegt.

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Aufstand der Peripherie – gegen den «progressiven Neoliberalismus»!

Danke für diese überzeugende Interpretation der Gelbwesten-Bewegung, Herr Binswanger. Soweit ich es einschätzen kann, trifft auf der beobachtbaren Ebene alles zu, was Sie aufzeigen. Doch ich bin mir nicht ganz sicher, ob damit auch die tieferliegenden Zusammenhänge voll erfasst sind.

Zunächst halte ich Ihre Kernthese für sehr richtig und wichtig: In der Breite der Protestbewegung spiegelt sich vermutlich vor allem die Enttäuschung der durchaus hart arbeitenden unteren Mittelschicht über eine Reformpolitik, die chronisch einseitig zu Gunsten des renditesuchenden Kapitals im internationalen Standortwettbewerb und zu Lasten der breiten Bevölkerung läuft. Gewiss schwimmen im Proteststrom auch «identitäre» bis «proto-faschistische» (David Graeber) Gruppen mit, die es davon zu unterscheiden gilt. Aber wer die Gelbwesten-Bewegung pauschal dem Rechtspopulismus zuordnet und/oder als irrational abtut, verkennt ihre sachlichen Hintergründe, insbesondere die immer einseitigere Verteilung der Früchte der ökonomischen Entwicklung. Die Bürger_innen sind in solchen Dingen mehrheitlich nicht blöd und beobachten genau, was vor sich geht. Von daher ist die Gelbwesten-Bewegung kein «Backlash», sondern im Kern zu deuten als zivilisatorisch fortschrittlicher Bürgerprotest gegen die realpolitisch herrschende neoliberale Weltsicht und die ihr entsprechende Austeritätspolitik, wie sie mit Macrons Reformen innenpolitisch und vonseiten der EU-Kommission seit der Finanzkrise zuerst gegenüber Griechenland, aktuell gegen Italien und demnächst womöglich auch noch gegen Frankreich geübt wird.

Aus dieser Sicht braucht man sich – und jetzt komme ich zu meinem Punkt – keineswegs darüber zu wundern, dass die französische Protestbewegung nun ausgerechnet den Hoffnungsträger Emmanuel Macron trifft, und es kurzerhand so zu deuten, dass sie insofern «Symptom einer urfranzösischen Schizophrenie» des politischen Frankreichs sei, wie Sie es formulieren und protestgeschichtlich zu erklären versuchen. Das mag zwar mitspielen, aber der analytische Fehler steckt m.E. schon in Ihrem ersten Satz unter dem ersten Zwischentitel «Entzauberung des Hoffnungsträgers»:

«Vor gut anderthalb Jahren trat Emmanuel Macron auf die Weltbühne als historische Führerfigur eines Aufstands der Mitte, der den Rechtspopulismus besiegt».

Diese aus der damaligen französischen Wahlkonstellation entstandene Annahme selbst ist es, die m.E. der Entzauberung bedarf! Denn Macrons Programm ist weniger das «hoffnungsvolle Gegenmodell» und nachhaltige Gegenprogramm gegen den Rechtspopulismus als vielmehr wie überall Teil seiner Ursachen, und zwar von Anfang an. Am besten bringt das vielleicht Nancy Frasers Begriff des «progressiven Neoliberalismus» auf den Begriff (nachzulesen hier:
https://www.blaetter.de/archiv/jahr…beralismus).
-- Fortsetzung folgt! --

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Danke für dieses Stück erstklassigen Journalismus.
Viele Zusamhenhänge sind mir jetzt klarer.
Wer viel in Frankreich unterwegs ist, kann erkennen, wie ausgezehrt die Provinz ist und wie dort, wo es keinen Tourismus gibt, alles zerbröselt. Aufgelassene Fabriken, Bahnhöfe, Dörfer, Tankstellen, Läden, Cafés, Restaurants. Fast nur noch alte Menschen bestimmen das Strassenbild.
Es wird schwer, diese Gebiete wieder in bewohnbare Lebensräume auch für die jüngeren zu verwandeln.

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«An der Bar» mit Monika Bolliger

Ich habe das Interview fast zu Ende gehört, weil vor dem Zugsfenster die idyllische Emmentalerlandschaft vorbeizog. Ich hätte mir Frau Bolliger präsizer und weniger einseitig gewünscht.

Der Umsturz der iranischen demokratischen Regierung Mossadegh wird zwar beiläufig erwähnt, hingegen nicht, dass er primär nur einen von iranischen käuflichen Politikern ungerechten Vertrag zulasten des Volkes korrigieren wollte, erst als letzte Massnahme verstaatlichte. Nun, eine Verstaatlichung widerspricht natürlich den Wirtschaftgesetzen, würde aber vielleicht auch ausländische Profiteure zurückhaltender machen, mit korrupten Politikern Verträge abzuschliessen. Der vom amerikanischen Geheimdienst durchgeführte Umsturz mit Einsetzung des Diktator-Marionette Schah war sicher nicht legitim. Wer ist also primär verantwortlich für die jetzige Macht der Mullahs? Iran FÜHLT sich nicht vom Westen verarscht, er WURDE und WIRD verarscht. Wen wundert's, dass er um seine Sicherheit besorgt ist. Würde er sich von den amerikanischen Big Companies schön ausnützen lassen, den Amerikanern für wertlose US-Dollars billiges Öl verkaufen, wäre alles in Butter, wären Grösse und Religion kein Problem.
Demokratiedefizit? Dass ich nicht lache. Klar haben die Mullahs zuviel Macht. Ohne Repression aus dem Ausland wären sie kaum an die Macht gekommen und wohl auch wieder längst weggewählt. Die Iraner sind nicht religiöser als die Schweizer Christen. Immerhin gibt es im Iran eine gewisse demokratische Struktur. Frauen fahren Autos und führen selbstständig Geschäfte, können einfach die Scheidung einfordern und sind dann besser gestellt als die Schweizerfrauen, für aussehelichen Verkehr gibt’s die Ehe auf Zeit, in Tehran existiert eine im Internet offene Schwulenszene. Wie ist das in Saudiarabien??? Wie steht es mit der Berücksichtung der einzelnen Bürgerstimmen im ach so demokratischen Amerika, wo Politiker, Zeitung und Ausbildungen alle nur die Interessen der Reichen vertreten?
Gemäss der NZZ-Korrespondentin ist der Iran durch seine Provokation der Saudis für den Krieg im Yemen (weshalb soll ich das glauben, wo sind die chronologischen Details?) und somit generell für die Misere im Nahen Osten verantwortlich. Na, offenbar ist es etwas komplizierter... und zwischen zwischen den Zeilen kann der schon Informierte auch Anderes lesen, aber der Tenor ist klar: Iran ist schuld, und damit natürlich im Hintergrund die bösen Russen.

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Guten Tag Frau Hürlimann

Herzlichen Dank für Ihre ausgewogene Berichterstattung welche mir von RA Stefan Bernard gesendet wurde.
Nach tendenziösen Medieninformationen werden Leute in meiner Situation weitgehend ausgegrenzt. Logische mögliche Konsequenzen sind Ihnen sicher bekannt. Deshalb scheint mir eine Zusammenarbeit von mutigen Medienschaffenden mit Hafterfahrenen zu keiner Zeit sinnvoller als heute. Auch Kono W. (Richterbeisser) ist begeistert von Ihrem Bericht. Wir werden für die REPUBLIK werben.

Beste Grüsse
Andres Zaugg

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Merci Herr Binswanger. Das hab ich genau gebraucht.

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Mir fehlen zwei Punkte bei diesem Artikel:

  1. Wie repräsentativ sind diese 42 Forderungen, welche da immer wieder auftauchen?

  2. Wie sehr wird diese Bewegung von ausländischen Kräften beeinflusst (oder eben nicht)?

Ich selbst habe bei eigenen Recherchen auch noch keine klare Antwort darauf erhalten. Vielleicht wurden sie deshalb auch ausgeklammert?

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Der Artikel über die Situation in Frankreich ist sehr gut zusammengefasst und zeigt die verwirrende Komplexität des Phänomens der "gilets jaunes" sehr gut auf.
Aus der Sicht eines Frankophilen, der im Languedoc seit über zwanzig Jahren einen pied-à-terre hat, möchte ich einige Gedanken dazu äussern.
Ich habe mich sehr mit der Geschichte dieser Region befasst und kann die gesellschaftspoltisichen Veränderungen seit über zwanzig Jahren beobachten, natürlich immer in der Rolle des "étranger" und mit einem begrenzten Blick auf ein begrenztes Gebiet.
Dass die französische Bevölkerung eine lange Tradition mit Aufständen hat, ist bekannt. In Südfrankreich sind vor allem die Aufstände der "Camisards" in den Cévennen noch in der kollektiven Erinnerung. Und bereits vor über 100 Jahren hat sich der Aufstand der Weinbauern angesichts der damaligen Kommunikationsmöglichkeiten erstaunlich rasch ausgeweitet. Er wurde dann brutal niedergeschlagen. Eine Wunde, die bis heute nachwirkt. Dass die neuen sozialen Medien in der aktuellen Situation eine ganz entscheidende Rolle spielen, kann wohl nicht genug betont werden.
Was mich immer fasziniert - weil ich es nicht nachvollziehen kann - ist die Ambivalenz der französischen Bevölkerung gegenüber ihrem "König". Sie suchen, geniessen und brauchen den Herrscher und seinen unsäglichen Pomp und wollen ihn gleichzeitig auf dem Schaffott sehen.
Die Infrastruktur wurde im Languedoc in den letzten Jahren sehr verbessert, nicht zuletzt auch mit Hilfe der EU. Es ist auch eine Tatsche, dass die Gemeinden für die Bevölkerung einen Service bieten, der in einigen Bereichen besser ist als bei uns in der Schweiz.
Wenn man Berichte hört von maroder Infrastruktur und darnieder liegendem Service public, zum Beispiel in England und in Italien, so erstaunt der Aufstand in Frankreich schon. Aber eben, die Tatsache, dass viele Menschen in Frankreich prekär leben müssen und dass Niedriglohnarbeit ein grosses Problem ist, wiegt offensichtlich viel schwerer.
Grundsätzlich vermute ich aber als treibende Kraft hinter diesem Aufstand den Ausdruck eines lang angestauten Unmuts über die immer offensichtlichere soziale und ökologische Destruktivität des neoliberalen Kapitalismus. An der Lösung dieser drängenden und fundamentalen Frage wird sich die Zukunft Frankreichs und Europas entscheiden.

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Lieber Herr Binswanger, vielen Dank für den Artikel. Eine kleine Bemerkung bzgl diesem Satz: 'Der Slogan, dass das Ende des Monats für die normale Bevölkerung das grössere Problem sei als das (ökologische) Ende der Welt, bringt den Sachverhalt auf den Punkt.'
Entweder ist mir dieser Slogan entgangen, oder er wird hier falsch aufgegriffen: Dieses Wochenende stand überall: 'la fin du mois, la fin du monde, (c'est) le même combat' (gross auf facebook und Mediapart dieses Wochenende). Ob Sie den Satz nun den bobos parisiens zuschieben wollen und den Rest anders darstellen wollen, überlasse ich Ihnen. Allerdings ist meine Wahrnehmung, dass der Sachverhalt genau durch die nicht-Hierarchisierung der beiden Probleme auf den Punkt gebracht wird.

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Herr Binswanger, das ist nobel von Ihnen, dass Sie auf den Artikel von David Graeber hinweisen, obwohl dieser genau das ins Zentrum stellt, von dem die Republik, auch Sie, nichts wissen wollen: Die finanzialisierte Wirtschaft, in deren Zentrum die private Kreditgeld-Schöpfung steht. Solange hier keine System-Reform angepackt wird, wird die Segregation nur immer zunehmen.

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