Sie glauben, dass Meinungsvielfalt darin besteht, dass es linke und rechte Medien gibt? Die dann im Schützengraben aufeinander schiessen? Wir glauben das nicht. Die Aufgabe des Journalismus ist, eine gemeinsame Grundlage zu schaffen, auf der man um seine Interessen kämpft. Dafür arbeitet die Republik.

Debatte

Welchen Service public wollen Sie?

Debattieren Sie mit den Autoren Constantin Seibt und Christof Moser.

05.03.2018

Zuerst Bomben-Umfragen – und am Ende ein Resultat wie ein abgebrannter Knallfrosch: Die No-Billag-Initiative wird von den Schweizer Stimmbürgern mit 71,6 Prozent Nein-Stimmen versenkt. Und jetzt?

Hat sich immerhin die demokratische Debatte gelohnt? Oder bleibt als Ergebnis dieses No-Billag-Abstimmungskampfs nicht viel mehr als Zeitverschwendung, Energieverschwendung, Vertrauensverschwendung?

Und: Was für einen Service public wünschen Sie sich? Wie soll die SRG der Zukunft aussehen? Muss sie sparen, kleiner werden? Oder aus- und umgebaut werden – und wenn ja: wie? Und wie beurteilen Sie die Rolle und die Zukunft der Verlage, der Schweizer Medien ganz allgemein?

Lesen Sie den Kommentar «Fernsehen im Land der Feen und Henker» und die Episode 5 der TV-Serie «Wie das Fernsehen wurde, was es ist: Die Zukunft – wie weiter mit der SRG?» Und diskutieren Sie heute ab 9 Uhr mit den Autoren Constantin Seibt und Christof Moser.

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge zur Debatte!

War dieser Artikel genug Mainstream?

Sie glauben, dass Meinungsvielfalt darin besteht, dass es linke und rechte Medien gibt? Die dann im Schützengraben aufeinander schiessen? Wir glauben das nicht. Denn in einem gespaltenen Mediensystem debattieren die Leute nicht über zwei Blickwinkel auf die Wirklichkeit. Sondern sie debattieren in zwei Wirklichkeiten. Die Aufgabe des Journalismus ist, eine gemeinsame Grundlage zu schaffen, auf der man dann um seine Interessen kämpft. Eine Gesellschaft ist nur so gut wie ihre Debatten. Dafür arbeiten wir in der Republik.


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Die SRG und regionale, verlagsunabhängige Medien sollen zeigen, was sie als Service Public bieten können und welchen Anteil an Gebühren sie dafür im Rahmen einer Konzession beanspruchen mit dem Zugang auf alle Medienkanäle.

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Was mich wirklich ärgert, ist dieser vorauseilende Gehorsam im Vorfeld. Dieses Verbiegen und die Versprechungen nach allen Seiten, es werde da gespart und dort gespart und auf jeden Fall Personal abgebaut etc. etc.
Und nachdem fast 3/4 der Stimmenden die Initiative abgelehnt haben, wird das nicht als Abfuhr (und das ist eine) an die Initianten gewertet, sondern weiterhin geschwafelt vom notwendigen Ab- und Umbau, von Sparprogrammen, die jetzt umgesetzt werden müssten. Niemand redet davon, wie man SRF (und SDA) mit neuen Konzepten und Visionen wieder im Bewusstsein der jüngeren Bevölkerung verankern kann, wie man eine echte Identifikation wieder hinkriegt (Dänemark ...). Prognose: In 20 Jahren wird die SRG trotzdem zu Grabe getragen.

Angefangen hat das Ganze ja mit der Umstellung der Gebühren und das kann nur jemanden wundern, der auf beiden Augen eine Mattscheibe hat. Die Abschaffung der Billag, die gleichen Gebühren für jedermann, die Zahlungspflicht für juristische Personen. Das alles waren wohlüberlegte Provokationen für den gesunden Menschenverstand. Auch ich habe mich geärgert, ich besitze seit 15 Jahren keinen Fernseher mehr und soll trotzdem dafür bezahlen. Dass ich die Initiative trotzdem abgelehnt habe, versteht sich von selbst. Es ist doch klar, dass man auf diese Weise einen Teil der Konsumenten gezielt provozierte, um Stimmung zu machen für eine Initiative, die v.a. Blocher und seinen Vasallen Gelegenheit bietet, Druck aufzubauen gegen die «linken» öffentlich-rechtlichen Medien.

Und jetzt? Selbst nach diesem Abstimmungsresultat wird nicht entschieden Stellung bezogen für eine Weiterentwicklung der SRG, für eine Zukunftsplanung, die den Namen verdient. Der SVP ist es egal, ob sie ihre Abstimmungen mit 50,1 % gewinnt. Wehe, es wagt dabei jemand, den sog. «Volkswillen» anzuzweifeln (Mani Matter hat dazu [volk] übrigens brilliante Vorlesungen gehalten).
Gewinner und Nutzniesser der No-Billag-Niederlage sollten sich an diesem Verhalten orientieren und aufhören. Sie haben die Legitimation dazu mit überwältigender Mehrheit erhalten.

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„Aus Ja wird Nein – und umgekehrt
Bizarr: Die Verlierer der No-Billag-Initiative stellen sich als Sieger dar.“
meint Daniel Binswanger.

Zutreffend ist, dass die No-Billag-Inititiative gescheitert ist.

Aber wer hat politisch gewonnen? Wie hat sich das politische Machtverhältnis entwickelt?

Constantin Seibt schreibt:
„Trotz der am Ende harten Niederlage können die Initianten glücklich sein. Als winzige Gruppe von Libertären versetzten sie das Land über Monate in Streit und Aufregung. Und die 6000 Angestellten des Schweizer Radios und Fernsehens in Existenzangst.
Für die harte Rechte ist das sicher ein Erfolg: Die SRG ist trotz des hohen Siegs klar angeschlagen: Das ganze Land hat die Institution schwitzen und bluten gesehen. Die Funktionäre, aber auch die Journalistinnen sind in heiklen Dossiers noch einmal deutlich vorsichtiger geworden.“

Was heißt „deutlich vorsichtiger geworden“ im Klartext?

Ist der aufklärerische und kritische Journalismus gestärkt oder geschwächt worden?

Man sollte dies auch im Zusammenhang mit den Vorgängen bei der SDA sehen.

Vor allem sollte man auch einen Blick über die Grenzen werfen.

Gestern hat die FAZ mitgeteilt, dass die FAZ-Blogs vom Star-Blogger Don Alphonso, sein bürgerlicher Name ist Rainer Meyer, eingestellt werden. Obwohl, wie D. A. mitteilte, sein Vertrag erst Anfang des Jahres mit verbesserten Konditionen verlängert wurde und sich sein Honorar durch die Werbeeinnahmen selbst finanziert.
Die Blogs von Rainer Meyer erreichen über 40.000 Leser und weisen meist über 500 Kommentare auf.
Die politische Position der Kunstfigur „Don Alphonso“ und die der meisten seiner Leser ist rechtskonservativ und entspricht der traditionellen Linie der FAZ.

Aber die rechtskonservative Position ist zu einer oppositionellen geworden, weil sie kritisch der Politik einer millionenfachen muslimischen Immigration sowie der Aufgabe der nationalen Souveränität und des Nationalstaats gegenübersteht, weil sie Meinungsfreiheit auch für Andersdenkende fordert und über staatliche Zensurmaßnahmen im Internet aufklärt.

Zusammengefasst bedeutet dies:
Don Alphonso vertritt eine oppositionelle Position zur neoliberalen Politik der Merkel-Regierung. Aber „die Wirtschaft“ will Merkel als Kanzlerin und damit die Fortsetzung der bisherigen Politik.

Der Soziologe Wolfgang Streeck zeigt auf, warum Kapitalismus und Demokratie sind nicht mehr miteinander vereinbar sind und die kapitalistischen Gesellschaften sich zu Postdemokratien wandeln.

Man sollte Wolfgang Streeck in der „Republik“ zu Wort kommen lassen.

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Nach der Erfahrung mit der Doppelzüngigkeit der privaten Medienhäuser NZZ, Tamedia und AZ in der "No Billag"-Debatte, drängt sich mir die Idee auf, dass die "Republik" neben anderen Beiträgen auch eine Art regelmässigen Pressespiegel bieten könnte, in dem sie das Treiben dieser Medienhäuser kommentiert und über Hintergründe informiert.

Zu den Debatten hätte ich auch noch einen Vorschlag. Im Moment ist es ein wenig so, dass viele Hähne einzeln auf ihrem jeweiligen Misthaufen stehen und ihre Botschaft in die Runde krähen. Hören die einzelnen Hähne, was die anderen krähen? Wer die nötige Geduld hat, schaut sich die Botschaften all dieser Hähne der Reihe nach an. Aber daraus ergibt sich keine Entwicklung eines Gedankens. Darum die Frage: Könnte man nicht hin und wieder eine stark moderierte Debatte organisieren? Dabei würden nur Beiträge aufgenommen, die sich mit dem gestellten Thema befassen. Geschwätzige Beiträge oder Beiträge mit Wiederholungen früherer Argumente würden nicht aufgenommen. Das Moderat ;-) würde ab und zu eine Übersicht über die Diskussionsstränge bieten, mit Links auf die Beiträge verweisen und mit Fragen den Fortgang der Debatte lenken.

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¬Mein Schluss eines Essays mag auf den ersten Blick am Thema vorbeischwadronieren, es lohnt sich aber bestimmt, darüber nachzudenken, zu welchem Aspekt der “Debatte“ er gedacht ist.

(…)

Mit dem Glück ist es noch viel vertrackter.
Beide Beispiele mögen für die durchschnittliche Berufskarriere nicht relevant sein, für das Thema jedoch schon. Ich könnte praktisch unbegrenzt weitere Beispiele anfügen…, Sie glauben mir nicht? Anscheinend haben Sie noch nicht erkannt, worauf ich hinaus will, ich komme also nochmals auf das zweite Beispiel zurück und gestehe, dass ich damit auf private Abwege geriet.
Eigentlich wollte ich das Beispiel des hochtalentierten Schweizers schildern, dem im Vergleich zum ähnlich talentierten Schweizer mit Migrationshintergrund in aller Regel für den ganz grossen Erfolg genau zwei Mosaiksteinchen im Anforderungskatalog fehlen: Der absolute Wille und der bedingungslose Rückhalt in der Familie. Als Beleg dafür muss bis zur wissenschaftlichen Studie der überproportionale Anteil an Schweizer Spitzensportlern mit Migrationshintergrund insbesondere in jenen Sportarten genügen, welche nicht schon von Anfang an ein privilegiertes Umfeld bedingen. Dazu zählt in der Schweiz schon seit Jahrzehnten auch Tennis. Von Hingis über Hlasek und Wawrinka bis Bencic brachten es fast durchwegs ebensolche Athletinnen und Athleten an die Spitze. Rosset, Günthardt und Schnyder waren die regelbestätigenden Ausnahmen, welche es möglicherweise mit mehr Migrations-Skills noch weiter gebracht hätten, oder vom Verletzungspech beungünstigt waren, oder sich selbst im Weg nach noch weiter standen. (Die Reihenfolge ist nicht zufällig.)
Und Federer?
Schon der geniale David Foster Wallace – und wer, wenn nicht er, als talentierter Tennisspieler und Hochbegabter, kann, respektive, leider, konnte, das beurteilen? – schon Foster Wallace erkannte, dass Federer mit irdischen Massstäben nicht beizukommen ist. Federer hat ausser seinem Jahrhunderttalent auch den unschweizerisch unbändigen Ehrgeiz und den bedingungslosen Rückhalt in seiner Familie.
Wieder bin ich abgeschweift, jedoch durchaus in zielführender Richtung.
Denken Sie nochmals an all die erwähnten Topsportler, fügen Sie alle Innen und ihnen bekannten Fussballer der Nationalmannschaft hinzu und überlegen Sie mal, wie Sie all diese Vorzeigeathleten in eine «Rangliste des persönlichen Glücksgefühls» einordnen würden.
Schwierig oder?
Eher Martina Hingis oder Patty Schnyder? Eher Shaqiri oder Lichtsteiner, Wawrinka oder Xhaka? Denken Sie nicht an Roger Federer, ihn dürfen Sie mit niemandem vergleichen. Aber denken Sie an sich und überdenken Sie nochmals, was ich wohl mit all den Beispielen verdeutlichen möchte.
Zum Ende verrate ich Ihnen noch zwei persönliche Geheimnisse:
Der Sohn des erwähnten Vaters (vom ersten, hier nicht veröffentlichten Teil) hat es in seiner Sportart tatsächlich zum besten Spieler Europas gebracht, dafür wurde er nach dem Gewinn der europäischen Klubmeisterschaft ausgezeichnet. Wäre die Sportart Fussball, so würden Sie ihn kennen und er hätte Millionen gescheffelt.
Ich bin nicht dieser Sohn, ich bin der Bruder.
Etwas von allen erwähnten Personen steckt auch in mir.
Und ich denke fast täglich, wie unglaublich privilegiert ich bin.
Unglaublich ist unglaublich…
…untertrieben.

Copyright: Stoner

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Ja, die Initiative wurde abgeschmettert. Deutlicher, als ich es erwartet hätte. Ich finde allerdings, dass sich die SRG in einer falschen Sicherheit wiegt. Die vielen Nein-Stimmen hat die Initiative in meinen Augen nur erhalten, weil die Initiative zu extrem war. Gerade wegen dieser Extremität habe auch ich ein "nein" in die Urne gelegt. Und etliche Personen in meinem Umfeld haben es genau so getan. Eine 200-Franken Initiative hätte viel mehr Chancen gehabt, hätte wohl aber auch nicht eine solche Diskussion darüber ausgelöst, was Service-Public ist.

Was ich mir von der SRG wünsche: dass ich die Inhalte als Gebührenzahler überall auf der Welt abrufen kann, egal ob ich mich gerade im Ausland oder in der Schweiz befinde. Schlussendlich habe ich für die Dienstleistung etwas bezahlt.

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Die "Fünfer-und -Weggli-Mentalität" halte ich für ein Zeichen leichter Dekadenz: Uns gehts zu gut! Wir dürfen ein Stück "unerwachsen" blieben und an Feen glauben. Wenigstens sind nach dem mühsamen Kampf um Abwendung der fatalen Konsequenzen doch Debatten geführt worden, die nun in einer breiten Bevölkerung den Wissenstand erhöht haben. Wenn man in der direkten Demokratie einige Mal hintereinander solche Erfahrungen gemacht hat, wirds wahrscheinlich auch wieder ruhiger. Die Jungen, die nichts Anderes kennen als den absoluten Wohlstand und somit doppelt unerwachsen, (wie die Biertisch-Initianten der "No-Billag") müssen wohl dadurch die Komplexität der Realität erst kennenlernen. Alles in Allem sind die politischen Institutionen einigermassen austariert und aktuell.

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Die No-Billag-Inititiative hatte von Anfang an andere Ziele, als sie vorgab.

Denn wäre die Initiative erfolgreich gewesen, dann wäre die Konsequenz die Abschaffung der SRG als öffentlich-rechtliches Medium gewesen.

Das wiederum wäre ein Meilenstein zur Abschaffung der Schweizer Demokratie gewesen.

Denn Demokratie braucht unabhängige Medien. Existieren diese nicht, dann kommt es zu einer „Berlusconisierung“, wo dann die Informations- und Medienmacht bei den Milliardären liegt.

Der Angriff auf das Schweizer System der Demokratie erfolgte in doppelte Hinsicht, zum einen durch den Angriff auf das öffentlich-rechtliche Medium, die SRG. Zum anderen durch populistische und damit missbräuchliche Nutzung des direktdemokratischen Instruments der Initiative.

Der populistische Angriff instrumentalisierte den Geiz und den politischen Unverstand der Bürger, indem man so tat, als ginge es nur um die Billag-Gebühren.

Der Angriff auf die direkte Demokratie ist – das muss man leider feststellen - in erschreckender Weise erfolgreich.

Denn anstatt den Populismus zu bekämpfen, kommen nun Vorschläge, die in ihrer Konsequenz auf die Schwächung der direkten Demokratie hinauslaufen.

Man möchte die Hürden für die Zulassung von Initiativen erhöhen. So z.B. werden die Erhöhung der Zahl der Unterschriften oder die Vorabprüfung der Zulässigkeit der Initiative durch irgendeine Kommission genannt.

Das ist jedoch der falsche Weg.

Denn die direktdemokratische Initiative und das Referendum sind das einzige Mittel gegen Diktaturen in formaldemokratischer Verkleidung, welche soziologisch als „Postdemokratien“ bezeichnet werden.

Das „System Merkel“ ist eine solche Postdemokratie. Die Parteien sind zu einer Art neoliberaler Einheitspartei geworden, die eine Politik gegen die Interessen der Bevölkerung macht.

Deutschland renommiertester Soziologe, Wolfgang Streeck, hat dies wiederholt dargestellt und kritisiert. Er nennt Merkel in dem FAZ-Artikel v. 16.11.2017 eine „Monarchin“.

Die deutschen Bürger können zwar noch wählen gehen, jedoch nur Parteien und Personen, über Inhalte können sie nichts bestimmen.

Die Parteipolitiker machen vor der Wahl große Versprechen und „framen“ ihre Politik, aber nach der Wahl werden die Interessen der Plutokraten vermittels Lobbyismus und legaler Korruption umgesetzt.

Genau dies ist die Realität in der EU. Die EU ist ein neoliberales Projekt.

Die direkte Demokratie ist die einzige effektive Gegenmacht gegen formaldemokratisch verkleidete Diktaturen von Plutokraten und Eliten.

Darum zielt der „Klassenkampf von oben“ sowohl auf unabhängige öffentlich-rechtliche Medien wie auch auf die direkte Demokratie ab.

Anstatt die direkte Demokratie mit Erhöhung der Hürden für die Zulassung von Initiativen zu schwächen, sollten freiheitliche und demokratische Bürger darüber diskutieren, wie der populistische Missbrauch der direkten Demokratie effektiv bekämpft werden kann.

Das geht m.E. jedoch nur, wenn man solche Initiativen und Kampagnen wie „No-Billag“ als das darstellt, was sie in Wirklichkeit sind, nämlich „Klassenkampf von oben“ mit dem Ziel einer neoliberalen Umwandlung der Schweiz.

So wie dies in den meisten westlich-kapitalistischen Gesellschaften bereits der Fall ist.

Eine klare Darstellung dieser Realität habe ich jedoch bei der „Republik“ bislang vermisst. Ich finde dies auch nicht im aktuellen Artikel von Daniel Binswanger.

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Der wichtigste Eindruck, den die "No Billag"-Debatte bei mir hinterlassen hat, ist die Doppelzüngigkeit, zu der die "seriösen" privaten Medienhäuser NZZ, Tamedia und AZ fähig sind. Neben einigen seriösen Darstellungen von Pro und Contra versuchten sie aus Eigeninteresse untergründig eine Stimmung zu Gunsten von "No Billag" zu schüren. Ihr Ziel war vielleicht nicht unbedingt ein "Ja", aber ein möglichst knappes "Nein", um möglichst starken Druck auf die SRG ausüben zu können. Zu dieser journalistischen Unredlichkeit passt ihr Versuch, nach der krachenden Niederlage das "Nein" zu "No Billag" in ein "Ja" zum "Abspecken der SRG" umzudeuten. Die Frage drängt sich auf, zu welchen Manipulationen sie bei anderen Gelegenheiten fähig sind. Dieser Verlust an Glaubwürdigkeit könnte sich langfristig als das wahre Problem der privaten Medienhäuser erweisen. Gut, gibt es die "Republik".

Den Vogel abgeschossen hat die NZZ. Auf der einen Seite empfahl sie im Parolenspiegel ein "Nein". Auf der anderen Seite machte Chefredaktor Gujer in seinem Leitartikel "Die Schweiz braucht keine Staatsmedien“ vom 16.12.17 offensichtlich aufs Gröbste Stimmung zu Gunsten von "No Billag".

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Die No-Billag Initiative ist meines Erachtens vor allem daran gescheitert, dass der Gegenvorschlag der SVP keine Chance im Parlament hatte. Hätte es einen gegeben, wären die Gegner der Initiative in zwei Lager gespalten gewesen, die Debatte hätte einen ganz anderen Verlauf genommen und die Initiative eine reelle Chance gehabt. Verzweifelt versuchten der Gewerbeverband und die Initianten selbst mit je einem Plan B die Gegnerschaft im Nachhinein doch noch zu spalten oder wenigstens zu verwirren. Hat glücklicherweise nicht funktioniert, aber dafür die Diskussion und den Druck auf die Finanzierung der SRG verstärkt und so ein Etappenziel ermöglicht. Besorgnis erregt dabei, dass mit einem etwas realistischeren Gegenvorschlag das eigentliche Ziel, nämlich die Herrschafft über die Medien zu erlangen, der Plan rein hypothetisch hätte aufgehen können. Die Drahtzieher werden wohl daraus lernen und es beim nächsten „Unfug“ besser machen. Das ur-demokratische Instrument der Volks(!)initiative wird durch deren Perversion zusehends zum Risiko für die Demokratie. Was kann man dagegen tun?

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Ich wünsche mir eine SRG, welche weniger Spartenprogramme anbietet und mehr Vielfalt in ein Angebot packt. Das wirkt den Filterbubbles entgegen und wenns wirklich nicht interessiert kann man ja abschalten.
Dazu würde ich eine komplette Werbefreiheit begrüssen, denn Werbung schafft Abhängigkeiten und die permanenten Lügen und Übertreibungen der Werbung schaffen ein unglaubwürdiges Klima. Sehr gut zu beobachten bei Google. Die ehemals sympatische, schlanke und blitzschnelle Suchmaschine ist unter dem Einfluss der Werbung zu einer abscheulichen Datenkrake verkommen, deren Suchresultate mittlerweile derart käuflich sind, dass sie eigentlich irrelevant sind.
Dazu möchte ich ein umfangreiches Onlineangebot, das die privaten Anbieter bewusst konkurrenziert um deren mangelhafte Qualität zu heben!
Ach ja, die SDA könnte man dann auch noch gerade integrieren, da die Verleger mittlerweile ja unfähig sind so einen Dienst zu betreiben...

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Das Grundproblem ist, dass es einerseits ein geschöntes und gefaktes virtuelles Bild von der gesellschaftlichen Wirklichkeit, von den politischen Interessen und Kämpfen etc. von den Massenmedien vermittelt wird, jedoch zugleich auf der anderen Seite eine gesellschaftliche Realität existiert, die durch Interessen- und Machtkämpfe gekennzeichnet ist, die aber als solche nicht in den Medien dargestellt werden.

In der kritischen Soziologie ist diesbezüglich von „Klassenkampf“, von der Transformation in ein oligarchisches und plutokratisches System, von Neoliberalismus, vom Wandel zur Postdemokratie etc. die Rede.

Zum „Klassenkampf von oben“ gehört die Aneignung der Kontrolle über die Medien durch Privatisierung.

Plutokratische Herrschaft bedeutet, dass eine kleine Minderheit vermittels ihres Geldes und Vermögens zu den Eignern der Massenmedien wird und so über Informations- und Bewusstseinsmanipulation politischen Einfluss ausübt.

Dabei spielt das „Framing“ eine wichtige Rolle, worauf Herr Luciano Gloor explizit hinweist. Mittels Framings bekommen Fakten einen anderen Bedeutungsrahmen. Man kann dies auch als „Orwellisierung“ bezeichnen. Z.B. werden dann von den Massenmedien illegale Angriffskriege zu Friedensmissionen und Aktionen zum Erhalt von Demokratie und Menschenrechten umgedeutet.

In der Soziologie wird die „Okkupation“ der Medien durch Oligarchen und Plutokraten vermittels Privatisierung auch als „Berlusconisierung“ bezeichnet. Das ist typisch für den neoliberalen „Klassenkampf von oben“.

Hier zeigt sich dann auch der unterscheidende Unterschied zwischen „Bullshit-Journalismus“ und kritisch-aufklärerischen Journalismus.

Der kritische Journalismus klärt über den „Klassenkampf von oben“, über die Strategien und Ziele des Neoliberalismus, über illegale Kriege, über „Orwellisierung“, über „Berlusconisierung“ etc. auf.

Aber wo ist dies im Rahmen der Befassung mit der No-Billag-Kampagne geschehen?

In der „Republik“ habe ich dies vermisst. Eigentlich war dies jedoch der Grund, das „Project R“ zu unterstützen.

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Man müsste sich einmal fragen, ob nicht die Hürden für eine Initiative erhöht werden müsste. Anfänglich waren die 50'000 notwendigen Unterschriften eine gute Basis. Eine Schweiz mit knapp 4 Mio. Einwohner ohne TV und Internet. Anschliessend wurde es, mit Einführung des Frauenstimmrechts, auf 100'000 erhöht.
Heute, mit der ganzen Fülle an Informationsmedien, ist das nicht mehr im Sinne des Erfinders. Wir prahlen im Ausland und bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit der sogg. direkten Demokratie und übersehen, dass wir ständig Wahlkampf betreiben, die unser Zusammenleben mit andersdenkenden regelrecht vergiftet. Ist das wirklich Demokratie, wenn wir über jede Schnapsidee abstimmen können?
Würde die Hürde heraufgesetzt könnte man nach wie vor für ECHTE Anliegen genügend Stimmen sammeln.

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Vielleicht nicht exakt zum Thema, aber interessant im Zusammenhang mit dem Umgang mit Schein-Debatten.
https://www.jetzt.de/politik/lingui…nd-politik

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Ich gebe ja zu, für die «No Billag» gestimmt zu haben. Dies, weil ich nicht begriff, warum ich als Familie und als Kleinfirma zweimal die blöden Gebühren zahlen musste, ohne das Angebot der SRG jemals zu nutzen. Wir hatten bis vor kurzem gar keinen Fernseher im Haushalt, und der letzte Radio wurde wohl auch schon in den 90-er Jahren entsorgt. Jetzt läuft auf dem Fernseher vorwiegend DAZN oder er wird als grosser Computermonitor genutzt.
Ich zweifle, dass ein «Service Public» nötig ist. Wollen Bund und Kantone informieren, können sie das via eigene Websites tun. Schaut man sich jedoch die Situation in USA oder Italien an, dann gibt es Argumente dafür, auch wenn auch dort TV und Radio nur der Seniorenunterhaltung dient. Doch offensichtlich nicht nur; auch Arbeitslose, Rauschgiftsüchtige und andere potentielle Trump- und Cinque-Stelle-Wähler haben offensichtlich nichts Besseres zu tun, als jeden Unsinn von Fox News und Mediaset zu konsumieren.
Auf jeden Fall war es falsch von den Initianten, eine Bieridee, dem Bund verbieten zu wollen, bei der SRG oder irgendeiner Nachfolge- oder Ersatzorganisation Dienstleistungen einzukaufen. Herr Seibt hat das mit dem Hitchcock-Vergleich sauber herausgearbeitet. Aber was wäre die Lösung? Soll man Unsinnsinitiativen wie die MEI oder die «fremden Richter» gar nicht erst dem Stimmbürger vorlegen? Um Leerlauf zu verhindern? Die SVP verbieten? Wer genau soll denn an der Demokratie teilhaben? Etwa jeder Löli? Ich meine ganz klar: Ja, jeder! Und genau genommen, er oder sie ist kein Löli.
Offensichtlich sollte man das Problem bei der Wurzel angehen. Das ist nicht die SRG oder der «Service Public», sondern die Arbeitslosen und Abgehängten. Die Welt heute ist dank der Digitalisierung voll fast unbegrenzter Möglichkeiten, für jeden. Vielleicht muss er ein wenig Programmieren lernen, und bestimmt braucht er Nachhilfe in Mathematik. Aber das gilt dann schon bald für wirklich Jeden (wer der geschätzten Leser kennt das Russel’sche Paradox von 1901 und kann seine Auswirkungen nennen?). Wieso hängen Italiens Jugendliche herum und vertreiben sich die Zeit mit Gelegenheitsjobs? Warum bilden sie nicht Developer Teams und hängen sich an heisse Themen wie Blockchain rein? Haben sie vielleicht keinen Internetanschluss? Einen Ständerat, der das Ausrollen von 5G behindert? Oder werden sie von Phantasiesteuern und sozialen Reglementen erdrückt?

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Und wieviele Zeichen hat der Text, den Sie über diesen Unfug noch glaubten schreiben zu müssen, Herr Seibt? Sie kennen sicher den schönen Satz: «Verzeihen Sie diesen langen Brief, für einen kürzeren hatte ich keine Zeit.» (Goethe)
Wir alle haben wenig Zeit. Es ist Ihre Aufgabe, sich genügend davon zu nehmen, damit ihre Texte unsere nicht verschwenden. Brèf: Kürzer bitte.

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Constatin Seibt hatte doch mal versprochen, sich künftig kürzer zu fassen. Wenn das ein Beispiel sein soll, wird die Republik bald einen Abonmenten verlieren.

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Den aktuellen Stand des Irrtums schon erreicht?

„Am Ende zeichneten die No-Billag-Befürworter die SRG als korruptes Propagandainstrument des Staates, die Gegnerinnen sie als letztes Bollwerk der Demokratie. Beides war klar Mumpitz.“
Constantin Seibt, 05.03.2018 in: Fernsehen im Land der Feen und Henker

„Was also hilft weiter? Im Grossen wahrscheinlich nur die Institutionen: Demokratie, Rechtsstaat, Gewaltenteilung – und eine SRG. Denn Institutionen wurden gerade zu diesem Zweck entworfen – um unperfekten, zweifelhaften Individuen das Zusammenleben zu ermöglichen.“ (…) „Und gerade damit verschafft Ihnen die SRG entscheidend mehr Freiheit, auch wenn Sie sie nicht sehen noch hören noch mögen: die Freiheit vor den eigenen Leuten. Weil das Land durch eine gemeinsame Informationsbasis, wolkig, aber doch, eine gemeinsame Wirklichkeit hat.“
Constantin Seibt, 15.01.2018 in: Demokratie unter Irrationalen

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Warum zum Teufel debattiert die Schweiz (wir) vor allem über Unfug?

  1. Weil einfach gestrickter Unfug einfach einfacher ist, als all die komplizierten Fragen.

  2. Weil 100‘000 Unterschriften immer einfacher zu sammeln sind.

  3. Und weil wir es uns einfach leisten können (Wie anscheinend auch die x-te versenkte AHV-Revision).

Was für eine SRG wünsche ich mir?

  1. Eine SRG, die sich immer wieder etwas verändert; fragen Sie zB. einen 80-Jährigem nur-Klassik Hörer über DRS2 am Vorabend, ein Graus - Einfach in der Zeit bleiben.

  2. Eine SRG, von der alle wissen, was unbedingt so bleiben soll und was problemlos weggespart werden kann - Einfach vielfältig.

  3. Eine SRG mit einer profilierten Beschwerdestelle und unabhängiger Aufsicht - Einfach ohne politische Einflussnahme.

Ganz einfach? Vielleicht sogar - schon -
... sonst wenigstens nicht viel zu lang ;).

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Der ganzen Debatte wurde viel zu viel Aufmerksamkeit und Zeit gewidmet. Dabei im Bemühen, nicht parteiisch zu sein, beispielsweise dem unsäglichen Herrn Bigler mit seinem Plan B. Ich finde es an der Zeit, Aufmerksamkeit mehr an der gesellschaftlichen Relevanz zu orientieren.

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wie luciano gross schreibt: der SVP gelingt es immer, ihre niederlagen klein zu reden und so zu tun, als seien sie die sieger. ich wäre dafür, dass die konzessionen für die tea-partys der SRG (srf bi de lüt, mein dorf , hudigäggeler-uebertragungen, schwingfeste, samstagsjass usw) dem sender "teleblocher" übertragen werden - gratis! und hätte dadurch millionen gespart.

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Geschätzter Constantin
Ein erneut exzellent verfasster Beitrag! Es macht Spaß und Freude die Zeilen in der Republik zu lesen, auch wenn ich abends eine Stunde mehr Zeit einrechnen muss..
Weiter so!

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Es sind unsere institutionellen Mechanismen, die uns erlauben über "Unfug" zu debattieren, viel Geld und Zeit zu kosten. Ich war strickt gegen diese Initiative, doch ist jede Position aus meiner Sicht subjektiv. Denn für immerhin knapp ein Drittel war die initiative kein Unfug.

Und um den Bogen zu schliessen: Die institutionellen Mechanismen sind vielleicht in diesem Zeitalter nicht optimal aber aus meiner Sicht die besten der Welt verglichen mit anderen Ländern. Ich plädiere für Eigenverantwortung.

Die beginnt aus meiner Sicht zum Einen bei der Erziehung der Kinder, was wir ihnen mit unseren Weltansichten mit auf den Weg geben, wie sie die Welt sehen sollen. Und zum Anderen die Selbstkritische Sicht und Fähigkeit aus diesen Weltansichten ubserer eienen Eltern sich weiter zu entwickeln wie auch mit den eienen Erfahrungen reflektiert umzugehen (hoffentlich in eine positive Richtung).

Das Rezept für ein gutes Zusammenleben ist für mich Verständnis in allen Situationen aufbringen zu können (nich fehl zu interpretieren mit Gleichgülltigkeit). Dann würden aus meiner Sicht all die negativen Phänomene sehr viel geriner ausfallen und das breite Angebot der srg wäre nicht schlimm, denn es wiederspiegelt doch das breite Interesse der Bevölkerung wieder, was es doch als Auftrag auch zu erfüllen hätte.

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Darüber, dass es die SRG weiterhin gibt - wenn vielleicht auch in weniger kolossaler Form - bin ich erfreut. Für den viel beschworenen Zusammenhalt der Regionen mit den vier Landessprachen braucht es eine SRG, vermutlich auch für eine nicht durch Geld gekaufte Demokratie. Die SRG ist so etwas wie die letzte Bastion an kultureller, demokratischer und publizistischer Ausgewogenheit. Dass sie auch Sendungen produziert, die mehr zum Erhalt der eigenen Pfründe (z.B. geschützte Werkstätte für Quizmaster) ist ärgerlich und die Gebührengelder nicht wert. Der journalistische Wert einiger Sendungen (einzelne DOK, Reporter) ist überschaubar, sprich zu sehr auf ein Einzelschicksal bezogen. Systemische und soziologische Betrachtungsweisen sucht man meistens vergeblich. Investigativer Journalismus Fehlanzeige, sieht man von Beiträgen ausländischer Stationen und deren Journalisten ab. Hier stellt sich die Frage, wieviel Seichtheit erträgt der Service public? Das Programm von SRF ist mehrheitlich bieder, zahm, den Mächtigen gewogen, die Rundschau und der Kassensturz mal ausgenommen. Selbst die Sternstunde ist zu einem Plauderstündchen zurechtgestutzt worden. Alles in allem ist SRF brav, mit Leistungen, die daran gemessen werden, nirgends anzuecken. Ob die Zukunft im Netz liegt, was anzunehmen ist oder befürchtet werden muss, ist von zweitrangiger Bedeutung. Von grösserer Bedeutung ist, welche Inhalte zu einer lebendigen, kulturell reichhaltigen Schweiz beitragen können, in der die Dialektik nicht verkommt und somit bereichernde Diskurse über die mannigfaltigen Herausforderungen möglich sind.

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Ich lese die Debatten nicht! Die Kommentare sind viel zu lange. Immer noch. Schade.

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Der Artikel stellt im Untertitel eine hochbrisante Frage, die dann leider fallen gelassen wird: "Warum zum Teufel debattiert die Schweiz vor allem über Unfug?"

Die Schweiz diskutiert immer wieder über Unfug, weil die derzeitige Funktionsweise der Verfassungsinitiative es zulässt, dass eine am Biertisch erfundene Bieridee, sofern sie die Unterschriften zusammenbekommt, in ihrer unveränderten Formulierung zur Abstimmung gebracht werden muss, ohne einer Prüfung unterzogen worden zu sein, ob das, was sie benennt, auch das ist, was sie in Wirklichkeit meint und bezweckt.

Es ist die Strategie der Populisten, nicht zur Lösung von Problemen beizutragen, sondern diese zu bewirtschaften. Schein- oder Teil-Probleme werden in den Vordergrund, für welche Schein-Lösungen angeboten werden, während die wahren Ziele im Dunkeln bleiben. Das war so bei der Masseneinwanderungsinitiative MEI, das war so bei No-Billag. Im ersteren Fall war das wahre Ziel die Kündigung der Bilateralen, im letzteren Fall die Abschaffung der SRG.
Und das ganze Land lässt sich von den Populisten an der Nase herumführen und auf das Terrain von Scheindebatten zwingen, welche selbstredend nie zu einer Lösung führen, egal wer die Abstimmung gewinnt. Die Populisten stehen immer als die gefühlten Sieger da. Konstantin Seibt beschreibt richtig: das Volk hat zwar den Service public überdeutlich unterstützt, trotzdem steht die SRG schwer angeschlagen da. Sie war monatelang dieser Scheindebatte ausgesetzt und Herr Kessler kann sich rühmen, dass es ihm zu verdanken sei, dass die SRG jetzt nicht mehr um Reformen herum komme. Genauso war es bei der MEI, wo sich die SVP als Verteidiger des Volkes und der Verfassung aufspielen konnte, als das Parlament mit der Initiative das einzig mögliche tat, sie nämlich unter den Teppich zu kehren.

Dasselbe geschieht in fast jeder Arena-Sendung. Das Terrain der Diskussion wird durch die Populisten festgelegt, auf das sich alle ziehen lassen, inklusive der Journalisten, welche der Ausgewogenheit halber der Problembewirtschaftung gleichviel Aufmerksamkeit widmen wie der Suche nach Lösungen.

Ist es nicht endlich an der Zeit, Fake-Debatten über Fake-Probleme einen Riegel zu schieben? Im Alltag müsste dies gelingen, sobald alle ihre Hausaufgaben machen. Wer sich dem Populismus entgegenstellen will, musst tiefer in die Probleme eintauchen und Ursachen-Wirkungen auch bei komplexeren Sachverhalten so herausarbeiten, dass den Populisten mit Argumenten und nicht bloss mit pauschal-Angriffen geantwortet werden kann. Wie häufig habe ich den an SVP-Vertreter gerichteten abstrakten Vorwurf der Problembewirtschaftung gehört, anstatt die Problembewirtschaftung argumentativ blosszustellen.

Dasselbe gilt für Journalisten. Ja, es ist wahr, früher war die Welt übersichtlicher und Ursache-Wirkung einfacher zu erläutern. Das kann dann ja aber nicht heissen, dass wir es heute aufgeben, komplexe Ursache-Wirkung Verzahnungen und Zusammenhänge herauszuarbeiten. Die Herausforderung ist gross, wie die Ergebnisse solcher Recherchen dann leserfreundlich aufbereitet werden, aber dies ist es doch, meine ich, wofür die Republik angetreten ist, oder nicht?
Es gibt übrigens interessante Tools, die auch für Journalisten anwendbar wären, wie zu einem Themenbereich Ursache-Wirkung-Zusammenhänge über mehrere Ebenen analysiert werden können. Ich denke da zum Beispiel an die Methode des Problem-Baums (problem tree oder problem-objective tree).

Da wo die Popoulisten Missbrauch der demokratischen Rechte betreiben und unsere Verfassung beschädigen ist es etwas komplizierter. Unsere verfassungsmässigen Rechte wurden zu einer Zeit formuliert, wo fake news und fake Debatten kein Thema waren. Man ging in der Politik davon aus, dass jeder redlich und ehrlich das einfordert, was er auch meint. Vertrauen in die Institutionen war lange Zeit die Grundlage schweizerischer Politik. Man hatte Respekt vor der Verfassung und bedachte, durch welche Bestimmungen mit welchem Wortlaut man sie erweitern dürfe. Heute reicht eine Biertisch-Idee. Die Frage ist: müsste nicht jeder Initiativetext nicht nur auf verfassungsmässige Zulässigkeit, sondern auch auf verfassungsmässige Redlichkeit (benennt der Text, was er anstrebt) überprüft werden und gegebenenfalls zur Neuformulierung an die Initianten zurückgegeben werden? Wie kann eine Masseneinwanderungsinitiative zur Abstimmung freigegeben werden, die implizit die Kündigung der bilateralen Verträge zur Folge hat, ohne dies zu benenne? Wie kann eine No-Billag-Initiative durchgehen, welche naiv eine Gebühr streichen will, aber das durch die gestrichenen Gebühr Finanzierte am Leben zu erhalten behauptet? Da wird Schindluderei mit der Verfassungsinitiative betrieben und die Schweiz müsste sich die Rechtsmittel geben, dies zu verhindern.

Inhaltlich geht es durchwegs immer nur um das eine: vertiefte Herausarbeitung von Ursache-Wirkung-Beziehungen. Dann würde die Schweiz nicht mehr über Unfug debattieren.

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Ich bin absolut nicht einverstanden mit der Analyse von Christian Seibt.
Ich habe die No Billag- Initiative mit Überzeugung von der ersten Minute abgelehnt. Aber: Im Nachgang ist es falsch diese Initiative nur als "Knallfrosch" darzustellen. Dank dieser Initiative haben sich die Schweizerinnen und Schweizer zuerst extrem pointiert und dann mehr und mehr sehr besonnen und ausgewogen diskutiert. Und genau das ist auch der Sinn und zweck von Initiativen hierzulande. Ich bin stolz und sehr zufrieden, dass wir die Initianten hierzulande ernstnehmen und gemeinsam versuchen Lösungen auszuarbeiten.
Und deshalb bin ich mir sehr sicher:

  1. Es hätte keine Senkung der Gebühren auf 365.- und nun mehr wohl 300.- gegeben ohne diese wertvolle Diskussion rund um "no-Billag" (Nicht die Initiative an sich, welche einfach nur Humbug war)

  2. Die SRG Führung hätte wohl kaum freiwillig auf die Werbeunterbrechung verzichtet zwischen den Filmen ab 20 Uhr (was gestern angekündigt wurde).

  3. Die SRG Führung hätte wohl kaum die gestern angekündigten restlichen Reformen angestossen (Konsequente Konzentration auf Information und Schweizer Serien / mehr Schweizer Dokus / ...)

  4. Man hätte wohl kaum so rasch das "Admeira" - Projekt auf gegenüber anderen Privaten geöffnet, wie jetzt angekündigt.

  5. Die Diskussion um Sinn und Zweck von Gebühren von Unternehmen wäre wohl kaum geführt worden (trotz sehr, sehr knappen Entscheid im 2015 [50,1%]).
    Ich bin sehr froh in einem Land zu leben, wo es dem Volk möglich ist, frei seine Entscheidungen zu treffen und man trotz der Niederlage des Gegner aufeinander zu geht und ihn nicht einfach ignoriert oder negiert, wie dies gerne in anderen Ländern der Welt geschieht.
    Danke Schweiz!

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Meine Vorschläge:

Politisch:
Von der Billag werden wir nächstes Jahr keine Rechnung mehr bekommen, da der Auftrag der Gebührenerhebung vom Bund neu vergeben wurde. Sinnvoller jedoch wäre aus meiner Sicht das niederländische Model, welches die Einkommensverhältnisse der Konsumenten berücksichtigen würde. Sozialhilfebezüger gehören gebührenbefreit.
Der Auftrag an die SRG muss differenzierter sein. Private Medienunternehmen sollen mehr Mittel bekommen (z.B. 10% statt derzeit 6%), damit verbunden sollen sie jedoch auch einen geschärften Auftrag erhalten, zum Beispiel im Bereich der Regionalinformation.
Onlinewerbung soll besteuert werden. Die Pfründe von fb, google etc dürfen guten Gewissens angezapft werden, schliesslich bezahlen wir ja mit unseren Informationen dafür.

Betrieblich:
Die SRG seinerseits hat jahrelang das Geld mit vollen Händen ausgegeben. Manchmal kam es mir fast so vor, wie wenn man Armee-like die Munitionsration verschiessen müsste, um im nächsten Jahr wieder gleich viel zu erhalten. Die goldenen Jahre sind wahrscheinlich vorbei, doch vor allem in strategischen Fragen sollten Investitionen gut geprüft werden. Wer interessiert sich noch für DAB, wenn in gleicher Qualität Radio gestreamt werden kann?

Z.B. 4k Produktionen werden zwar mittelfristig nicht teurer sein als HD, doch die Infrastruktur für die Distribution in Echtzeit ist überflüssig. Nur weil etwas technisch machbar ist, heisst das noch lange nicht, dass es sinnvoll sei. Der technische Fortschritt sollte primär zur Konsolidierung der Kosten genutzt werden und nicht zu aufwändigeren Produktionen führen.

Das tpc soll aus der Knechtschaft der SRG entlassen werden. Wer behauptet, das tpc arbeite nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen soll sich einmal die überschaubaren Referenzen auf der Homepage anschauen. Produktionsaufträge der SRG sollen öffentlich ausgeschrieben werden.
Hier ist einerseits Sparpotential vorhanden, andererseits würde die Transparenz gefördert.

Distribution:
Alle Inhalte sollen online abrufbar werden. Ausser bei Nachrichten und Sportsendungen ist die Echtzeitverbreitung von Inhalten sekundär. Das Archiv- und Rohmaterial soll zumindest privaten Medien, Universitäten und Forschern zur Verfügung stehen.

Inhaltlich:
Gewisse Produktionen aus den verschiedenen Landesteilen sollen untertitelt, synchronisiert oder zumindest in den anderen Sprachen verwertet werden, so wie das der Kassensturz regelmässig mit dem welschen Konsumenten-TV macht.

Die grösste Herausforderung wird wohl sein, "ausgeglichen" zu informieren - wie dies die Verfassung fordert. Die zweitgrösste "den kulturellen Zusammenhalt fördern". Oder umgekehrt - wie will man solches schon messen?

Meine Fragen:
Eine Frage an Journalisten: Welche harten Parameter sind für eine Berichterstattung vorhanden, welche diese in ihrer Relevanz, Objektivität und Wahrhaftigkeit einordnen lassen können?
Provokativ gefragt, jeder Kühlschrank hat ein Energielabel, wieso hat Journalismus keines?

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Echt, ich versuche nachher endlich aufzuhören mit schreiben. - Aber doch noch zu Constantin Seibts Kommentar.
Sicher, so nehme ich mal an, nicht nur geschätzt oder geliebt.
Aber super Ausgangspunkt für klare und effizientere Diskussionen.
Da ist er also wieder! Klare, manchmal wunderbar griffige Worte, ein riesiges, schlicht und klar aufbereitetes Hintergrundswissen und ein doch echt sehr weiter Horizont. Und einer, den er für uns, die wir lesen, mitöffnet. Voilà. Gratulation.
Und hier nochmals ein echt konstruktiv wirkender Link, der ein Moritz Friess viel weiter unten vorgeschlagen hat, um den nochmal raufzuholen:
Moritz Friess, vor 4 Stunden:
„Eine erste Idee für eine zukunftsgerichtete Debatte anhand eines Erstvorschlags einer neuen Initiative. Mich überzeugt es ziemlich, gespannt was ihr findet. www.artikel93.ch“

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Wenn wir schon beim WuKo sind, mein Wunsch für den zukünftigen Service Public der SRG wäre folgender:

  1. Auskauf eines grossen Teils der SDA, mit Einbindung in den Leistungsauftrag.

  2. Reduktion des Leistungsauftrags auf die journalistischen Teile der SRG.

  3. Umbau dieses Gebührenfinanzierten Teils der SRG in einen Open Content Provider.

  4. Ausbau des Informationsangebots mit gut recherchierten Texten und Quellenangaben.

  5. Kulturförderung geschieht wie in anderen Bereichen über Bund und Kantone.

  6. Die Unterhaltungssparten inklusive Sport müssen sich anderweitig finanzieren.

Hintergrund ist, dass wir zwar Unterhaltungsmedien im Überfluss haben, aber niemand Geld für qualitativ hochwertigen Journalismus oder eine vollwertige Depeschenagentur. Indem wir den Leistungsauftrag auf den journalistischen Kern reduzieren, stehen hier auch bei einer Gebührensenkung mehr Mittel zur Verfügung. Den Wert einer professionellen und unabhängigen Depeschenagentur muss ich wohl nicht weiter ausführen.

Als Open Content Provider kann sich die SRG vom sterbenden Fernsehkanal lösen und sich der Entwicklung im Medienkonsum anpassen. Für die Verlage fallen die Kosten der SDA weg, ebenso wie ein Teil der Konkurrenz im Werbe-Sektor, da die lukrativen Unterhaltungssparten nicht mehr frei zugänglich sind.

Der erweiterte Fokus auf textuelle Inhalte ist effizienter in der Produktion und bringt neue Verbreitungskanäle sowie bessere Möglichkeiten der Zweitverwertung, z.B. als Quelle. Es würde mich freuen, auch im freien Internet oder in einer Gratiszeitung auf fundierte Artikel der SRG zu stossen.

Also, Freiwillige vor, wer steht hin und verkündet dem Volk dass man für Skirennen, Fussball und Tennis zukünftig extra zahlen soll? Um die Demokratie zu retten, versteht sich, wie allenthalben auch hier postuliert wurde.

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Ich wünsche mir, dass SRF vor allem auf die sachliche, gut präsentierte Information national und International fokussiert. Alle die Ratespielchen im Radio wie im Fernsehen können gut auch Private machen. Auch die anderen Unterhaltungen wie all die Awards-Verteilsendungen können ebenfalls werbeträchtige Privatsender durchführen.

Maria Blättler

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Fast alle Kommentare reduzieren ihre Betrachtungen auf "das Fernsehen" und meinen damit die SRG-Senderketten. "Das Fernsehen", also die Vorstellung, dass man zu fixen Zeiten vor der Glotze hockt, ist tatsächlich Vergangenheit. Aber die SRG besteht auch aus Radiosendern, die gut genutzt werden. Und mit den Konzessionsgeldern werden Service public-Angebote auch auf lokalen TV- und Radiostationen alimentiert. Mich interessiert, was mit diesen passiert, denn diese nutze ich viel stärker als das "Schweizer Fernsehen". Ich bin schockiert, dass die Ablehnung der No-Billag-Initiative mit 72 % jetzt plötzlich allenthalben als "Sparauftrag" gedeutet wird. Richtig ist, dass der Service Public auch eine gute Präsenz im Netz haben muss. Ein Abbau kommt nach diesem Resultat nicht in Frage. Schon gar nicht bei Informations- und Kulturangeboten.

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Ich habe mich über das Resultat der Abstimmung nicht so sehr freuen können. Geht mir doch die unter dem Begriff des "Service Public" laufende immer wieder auch sehr einseitige Berichterstattung (Agenturmeldungen!) sowie die zeitweilige politische Stimmungsmache durch Radio und Fernsehen (Arena!) (und Zeitungen) schon ein Wenig ans Gemüt, um nicht zu sagen auf den Keks.
Ich informiere mich über andere Kanäle als die SRG oder die Tageszeitungen, sehe schon länger nicht mehr fern und höre selten Radio. Und das wird sich wohl auch in naher Zukunft auch nicht ändern.

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Ich wiederhole mich, aber ich kann mich bei diesem Thema nicht genug wiederholen: Die mittelfristige Voraussetzung jedes wirklichen Service public ist ein vernünftiges Geldsystem. Das gesetzliche Zahlungsmittel, vom Bund geschaffen, mit dem originären Geldschöpfungsgewinn für die Öffentlichkeit: das ist das grundlegende Element des Service public. Heute ist dieses öffentliche Geld am Schwinden, es beträgt noch ca. 10% der Geldmenge M1. Das wird dadurch kaschiert, dass sich das private Geld, das sich bis heute auf 90% aufblähen durfte, das Geschäftsbanken-Giralgeld, ebenfalls Schweizer Franken nennen darf. Korrekterweise müssten diese Privatwährungen den Namen ihrer Banken tragen, z.B. CS-Taler, UBS-Gulden usw. Damit würde die Sachlage klarer. Mit diesem heute (natürlich nicht nur in der Schweiz) bestehenden Geldsystem ist die Marschrichtung automatisch vorgegeben: Privatisierung.
Korrekte Aufklärung bietet: vollgeld-initiative.ch

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News an sich sind meines Erachtens meist ohne Wert. Wertvoll werden sie dann, wenn ein Zusammenhang erkennbar wird. Von einem Service public erwarte ich genau das: dass er Zusammenhänge und Interessenverflechtungen, Hintergründe und Motive transparent macht und das in einer möglichst allgemein verständlichen Sprache. Wut (z.B. des Wutbürgers) entsteht doch dort, wo man Bedingungen einfach ausgeliefert ist und keinen Einfluss nehmen kann. Mein Wunsch an den Service public: Demokratie immer noch transparenter werden lassen, so dass konkret erlebbar wird: Wir sind Teil davon.

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News an sich sind meines Erachtens meist ohne Wert. Wertvoll werden sie dann, wenn ein Zusammenhang erkennbar wird. Von einem Service public erwarte ich genau das: dass er Zusammenhänge und Interessenverflechtungen, Hintergründe und Motive transparent macht und das in einer möglichst allgemein verständlichen Sprache. Wut (z.B. des Wutbürgers) entsteht doch dort, wo man Bedingungen einfach ausgeliefert ist und keinen Einfluss nehmen kann. Mein Wunsch an den Service public: Demokratie immer noch transparenter werden lassen, so dass konkret erlebbar wird: Wir sind Teil davon.

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Kleine Anmerkung nur: Tamedia heute (Der Bund, online und App): 1. Schwyz-Überraschung bezüglich Transparenz; 2. Oscars (im Dreizeiler dazu, ganz wichtig, wir brauchen ja einen Ausgleich zur momentanen Frauendominanz) „das hässlichste Kleid“ (früher wars the most sexy oder attraktivstes; aber na ja); 3. Ostermundiger Tram. Weiter unten ein wunderbares Bild einer Frauenärztin in München (#12), ne, schon wieder rausgeflogen.
Alles mögliche andere noch. Aber kein Minimü irgendwas zu no Billag. Nach einem sehr tendenziösen Kommentar gestern vor 15.00h schon von einem der Chefredaktors. Einem Kommentar, im Gegensatz zu hier, mit NUR Meinung, NULL Info, aber dem doch ziemlich betonisierten Titel: „Wie sich die SRG verändern MUSS“ - [grossbuchstabenhervorhebung von mir].
Danke, Christof Moser (Constantin Seibts Kommentar hab ich noch nicht gelesen), grosser Dank an die Republik insgesamt, dass ihr das anders macht. Sachlich, mit zeitlichem Abriss über die wichtigsten Positionen, Statements und Fakten. Interessant, genial zu lesen und doch klar und ruhig und analytisch. DANKE !
(P.S. Bei Constantin Seibt zuweilen auch scharf und bissig; möchte ich auch nicht missen; doch immer mit einer Prise Humor in den Stockzähnen - oder so kommt diese Bissigkeit jedenfalls bei mir an, so lese ich sie, mit sehr viel Vergnügen. Merci auch dafür.)

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Die Autoren bleiben uns die Belege schuldig, weshalb die Vollgeld-Initiative "enormen Kosten für den ganzen Rest des Systems" mit sich ziehen sollte! - Hauptsache eine Initiaive mehr aufzählen, damit die eigene These besser fundiert erscheint...

Was sind denn die Kosten des jetzigen Systems? (Bankenrettung; gesamtgesellaschaftliche Überschuldung; Systeminstabilität; die 3-5 Mia. Fr. Geldschöpfungsgewinn, die der Allgemeinheit jährlich durch die Lappen gehen; die rund 5 Mia. Fr. Zinsen, die jährlich auf öffentliche Schulden gezahlt werden müssen - die Liste geht noch einiges weiter...)

Und was bitte soll an einem Vollgeld-System so übel sein, wenn heute die Mehrheit der Menschen glaubt, schon in einem solchen System zu leben?

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"Die Monsterredaktionen bei Tamedia und NZZ/AZ, die Aushöhlung der SDA blieben zum grössten Teil Nachrichten. Sie versanken in der Flut der Artikel über die SRG."

... die Republik selbst hat leider auch nicht gerade wenig über die SRG und NO-Billag geschrieben und gejammert. Es war quasi Thema Nummer 1.

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Zwei sehr gute - wie üblich auch gut geschriebene - Analysen und Schlussfolgerungen zur SRG, die ich teile. Merci. - Seibt schlägt mir einen zwar sehr bedenkenswerten, aber allzu grossen Bogen über die ganze politische Gefühlslage hierzulande, weshalb er dort auch nicht focussiert genug sein kann. Vielleicht auch etwas Energie verschwendet. - Mosers Befürchtung, dass Verleger und Politik die SRG erneut wenig lösungsorientiert und selbstgefällig "in Ketten legen" könnten, ist leider nicht unwahrscheinlich. Die seit Jahrzehnten fast immer von der gleichen Politseite geprägte SRG-Führung hat beim tristen (statt jubelnd befreiten) Auftritt gestern sich die Ketten gleich selbst verpasst. Entsprechend wichtig ist es, dass die kritische Analyse mit nüchtern realistischen Impulsen gemäss den beiden Texten jetzt nicht nachlassen, sondern den Diskurs und die Politik stark mitbestimmen.

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Die Linke hat einen Kern der Sache jämmerlich übersehen: Dass die Billag-Gebühren eine unsoziale Wohnungssteuer sind. Meteo Schweiz oder die ETH etwa sind ja auch vom Bund finanziert, wieso die SRG nicht? Die Linke hat es mangels Fantasie einmal mehr verpasst, sich auf die Seite der sozial Schwachen zu stellen und einen Ersatz der Billag-Gebühren durch allgemeine Bundesmittel zu fordern. So hätte man sogar Teile des Gewerbes auf seine Seite gebracht.

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Das muss auch die SRG inskünftig 1 zu 1 einhalten: Ob Print- oder Visualmedien die recherchierte und möglichst realitätsnahe Berichterstattung muss ums tausendfache verstärkt werden. Visuell muss immer eine Quellenangabe angeboten werden ....JEDES MAL....jedes mal ein Fenster mit den recherchierten Erkenntnissen....jedesmal eine Fussnote....übrigens ALLE Journalisten müssen eine solide und von neutraler Stelle überprüfte universitäre Doktorarbeit schreiben, bevor er/sie zum Verfassen von öffentlich zugänglichen Texten zugelassen wird ..... wir haben in den Blogs schon genug sogenannte „Experten“.

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Eine erste Idee für eine zukunftsgerichtete Debatte anhand eines Erstvorschlags einer neuen Initiative. Mich überzeugt es ziemlich, gespannt was ihr findet. www.artikel93.ch

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Es ist offensichtlich, dass wohl nicht die 365.-CHF/Jahr schmerzen. Es spielt eine untergeordnete Rolle, ob nun 300.- 365.- 400.- CHF für die SRG bezahlt wird, entscheidend ist, dass kritische Journalisten ihre Arbeit unabhängig von merkantilen Interessen machen und diese in Radio und Fernsehen verbreiten können. Nur das ist nützlicher „service public“. Ich bin ein grosser Anhänger von gesprochenen Beiträgen im Radio von Journalisten, die Zeugnis von Erlebtem ablegen und dazu durch den Tonfall ihrer Stimme so authentisch erscheinen. Radio ist ein wunderbares und zeitloses Medium. No-Billag Befürworter (namentlich Gewerbeverband, SVP) fürchten nicht in erster Linie die Gebühren, sondern jede kritische Berichterstattung, die sie als links bezeichnen. Ich freue mich über die 71%ige Ablehnung dieser schwachsinnigen Initiative und hoffe auf mehr Selbstbewusstsein bei den Medienmacher, die sich weiterhin nicht nach dem Geschmack ihrer Geldgeber richten müssen.

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Mit grosser Erleichterung habe ich mich über das Abstimmungsergebnis gefreut.
Die Vorstellung, dass vier Knallköpfe am Biertisch eine derart demokratiefeindliche
Initiative aufgleisen können ,und die dumpfbacken der SVP gleich mitziehen, hat
meine Nerven stark strapaziert.
Umso mehr freue ich mich über das resultat der abstimmung, die hohe stimmbeteiligung und die einsicht, dass das stimmvolk sich nicht so leicht an der nase herumführen lässt. Und sich wehrt.

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Das Ergebnis gestern freute mich. Als vehementer Gegner der Debatte verspürte ich ein Siegesgefühl, auf welches dann Unsicherheit folgte. Es gibt dabei zweierlei Aspekte: Unsicher, wie fortfahren; unsicher, was mein Service Public überhaupt ist und sein soll.

Als Vertreter der Generation Internet ist die Stosssrichtung klar: Macht News und den öffentlichen Rundfunk für die Jungen attraktiver. Seid poppiger, prägnanter, spitziger und moderner. Bestes Beispiel dafür wäre wohl die meiner Meinung nach durchaus gelungene Umgestaltung der Arena durch Jonas Projer. Macht Politik fetziger und erreicht die Jungen auf ihren Kanälen, und zwingt Ihnen eure Altmodik nicht auf. Es ist für mich fast schon ein Affront, dass ich, der zuhause Fernsehen nur noch online konsumiert, keine HD-Streams oder sogar HD-Podcasts (720p ist kein HD, wenn so viel Geld für teures und sehr potentes Equipment ausgegeben wird) zur Verfügung habe. Aufgezeichnete Sendungen sollten zeitgleich mit der Ausstrahlung im herkommlichen Fernsehen auch online schon als Podcast verfügbar sein.
Das ist nur ein Schritt. Neuerdings ist mir der Instagram-Account vom SRF aufgefallen und gefiel mir auch sofort. Fundierte News auf so einer Plattform, die zudem auch nicht werbefinanziert ist, findet man selten. Unter all den Möchtegern-Influencern wünschte ich mir, dass die SRG bei Jung und Alt der grösste Influencer wird, fundiert und von allen toleriert und akzeptiert. Ich wünschte mir auch eine medientechnische Aufklärung in Schulen, aber das ist wohl zu viel gehofft.

Nun zu den Inhalten: Ich konsumiere wenig SRG. Das einzige regelmässige Format wäre wohl die Arena, die bei mir perfekt in die Sparte „Infotainment“ passt. Sonst noch ein wenig 10vor10, wenn meine Eltern gerade reinschauen oder ab und zu Sport. Trotzdem find ich es wichtig, dass es ein Glanz&Gloria, einen Kassensturz oder ein 1gegen100 gibt. Radio konsumier ich nie. Ich finde, man sollte versuchen die Formate zu modernisieren und ein wenig weniger „elitär“ zu gestalten. Damit meine ich vor allem die ausgezeichneten Kultur Formate und wohl das ganze Radio SRF 2, welche von meinen Peers leider als zu snobistisch, hochnäsig, volksfern und zu intellektuell angesehen werden. Das langsame, ruhige Sinnieren über Höheres erreicht leider die meisten nicht mehr.

Fazit: eine moderne, schlanke, aber nicht reduzierte SRG, die zweispurig fährt: Online und TV/Radio wäre meine Zukunftsvision. Sie soll Jung und Alt gleichermassen erreichen und das Verständnis eines Faktums in der Gesellschaft stärken, eine Tatsache, die in der NoBillag-Debatte von den Befürwortern gekonnt ignoriert wurde:
Die SRG gehört uns allen, sie ist sozusagen ein Allmendgut. Und jetzt mehr als früher müssen wir dem Gemeinsamen Sorge tragen: Früher war es selbstverständlich, dass man sich das Herausposaunen seiner eigenen Meinung damit erkauft, dass man andern genauso zuhört, wie man erwartet, dass sie einem selbst zuhören. Dafür steht der Service Public und dieses Verständnis muss wieder die breite Masse erreichen.

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Bonjour. Republik ist meine intellektuell erfrischende Morgendusche. Wie immer ein Genuss, eure Schreibe.
Zur Debatte: Es ist völlig logisch, die SRG muss ins Netz, muss viel agiler werden. Nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch. In den letzten Jahren sind etwa die Preise für Aufnahme-und Wiedergabetechnologien geradezu gepurzelt. Ein Smartphone macht heute brilliantere Bilder als vor 15 Jahren eine 100‘000 Franken teure HD Kamera. Heute können sich alle ihr eigenes Fernsehen und Radio bauen (Vodcast, Podcast) und ihre Botschaften übers Netz für (noch) Dreimalnichts verbreiten. Beim Service Publik und ausgewogenem Journalismus sind Inhalte wichtiger als Hochglanzstudios im Mahagonylook. Die SRG könnte zugunsten von Qualitätsjournalismus also gerne technisch abspecken. Und seichte Unterhaltung und Boulevard den Dinosauriern im Verlagsgeschäft überlassen. Die Viecher haben ja eine geniale Eigenschaft: auszusterben.
Zudem bin ich dafür, dass die SRG zumindest ihren Service Public Auftrag ohne Werbung finanziert. Facebook, Google und Co müssen endlich zur Kasse gebeten werden. Dann können wir uns guten Journalismus und Fernsehen locker leisten. Indessen habe ich so meine Zweifel, ob die SRG überhaupt fähig ist, sich von Grund auf neu zu erfinden, wenn ich solches https://www.srgssr.ch/en/news-media…e-zukunft/ lese und sehe.

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Etwas Energieverschwendung war es schon - andererseits war es schon ganz nützlich, wieder einmal über so grosse Themen wie Solidarität und "common good" zu diskutieren, fand ich. Dabei gab es befreiende Momente, beispielsweise als der Zürcher Publizistikprofessor Mark Eisenegger in der ProjectR Debatte in Basel den Begriff „Marktversagen“ verwendete: mein Eindruck war, dass sich dort ein Knoten in der Diskussion löste, denn es signalisierte dem anwesenden NoBillag-Befürworter, dass hier ein sachkundiger Experte dem Markt durchaus ausdrücklich Gestaltungskraft zugestand (aber auch differenziert auf Limiten hinwies). Mehr von solchen befreienden Begriffen und Argumentationen, die ideologische Verhärtungen überwinden können und eine gemeinsame Gesprächsbasis erlauben.

Mal abgesehen von der Diskussion um die SRG: ich fände es vielversprechend, auf NoBillag-Mitinitiant Olivier Kessler's sehr ehrlich gemeinte rhetorische Frage an Doris Leuthard in der letzten Arena einzugehen: "Welches Menschenbild haben Sie denn?" Ich denke, es geistert da ein Zweistufenmodell rum - entweder der Mensch ist abhängig oder er ist frei - während man gut für ein Dreistufenmodell (erst abhängig, dann freigekämpft, dann verantwortungsvoll/erwachsen/reif, was zusätzlich zur Freiheit einen einschliessenden Umgang mit eigenen Verletzlichkeiten miteinschliesst) einstehen könnte. Problem ist, dass diese dritte Stufe für jemanden, der/die stark in Kontakt mit der zweiten Stufe ist, schwer von der ersten zu unterscheiden ist. Ich würde dafür plädieren, in einer solchen Diskussion nicht allzu schnell entwertend den Begriff „pubertär“ zu bemühen. Vielmehr wertschätzend auch aufzeigen, wie befreiend Stufe zwei auch wirklich ist und immer wieder sein kann - was u.a. die Faszination des Libertarismus erklärt. Aber eben auch die Limiten umzeichnen. Vielleicht mal ein Themenschwerpunkt zum Thema „Was ist Reife?“ mit u.a. einer entwicklungspsychologischen Perspektive?

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Zunächst mal: 70 Prozent gegen den Weltuntergang bzw. die Abschaffung der Demokratie, 30 Prozent für den "Knallfrosch" - das find ich alles andere als einen "grossen Sieg"! Erleichterung in Ehren, aber etwas mehr Zerknirschung schiene mir durchaus angebracht.

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