Debatte

Warum tickt Österreich so rechts?

Diskutieren Sie mit der Autorin Solmaz Khorsand.

23.02.2018

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Seit dem 18. Dezember sitzen mit Sebastian Kurz (ÖVP) und Heinz-Christian Strache (FPÖ) Rechtspopulisten auf Österreichs Regierungsbank. Sie erhielten bei der Nationalratswahl knapp 58 Prozent der Stimmen. Nun müssen ihre Regierungsvertreter in regelmässigen Abständen bekunden, dass sie sich zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Parlamentarismus bekennen. Ernsthaft? Was läuft falsch in einer reichen Demokratie, die sich so eine Spitze wählt?

Lesen Sie die Artikel «(B)Österreicher» und «Der Besuch der jungen Dame» und diskutieren Sie heute Freitag, 23. Februar, von 13 bis 15 Uhr mit der Autorin Solmaz Khorsand.

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Auch hierzulande beschimpfen gewisse Regionen den "Asylantenzunami" und versuchen mit Mahnfeuern und Bürgerwehren die gewohnte Ordnung zu erhalten. Anhand der Kommentare lese ich jedoch, dass wir uns in diesem Artikel wiedererkennen :-) Selbsterkenntnis: der erste Schritt zur Besserung...

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Ich finde lobenswert, auf die Niedertracht und den Schmutz des Neofaschismus, Rassismus und Populismus hinzuweisen. Aber bitte, viel konzentrierter, kürzer. Dann werden die Beiträge gelesen !
Andernfalls werden sich Abonnenten abwenden, was ja nicht der Sache dient.

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Dieses Interview mit Josef Hader in der Süddeutschen ist eine ideale Ergänzung zu diesem Beitrag
http://www.sueddeutsche.de/politik/…-1.3902954

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Die treffendste Analyse Österreichs seit langem! Selten habe ich mich so verstanden gefühlt. Danke für das Zusammenfassen meiner Gedanken in Worte!

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Die Österreicher ticken wahrscheinlich nicht rechter als die Schweizer, auch wir haben eine rechtsextreme Partei mit ca. 28% Wähleranteil. Aber wir haben ein anderes Regierungssystem. Österreich hat ein Koalitionssystem, wo sich wenige grosse Parteien einigen und zusammenschließen. Dort sind die Rechtsextremen eine der beiden Regierungsparteien. Bei uns sind alle grossen Parteien dauernd in der Regierung, dem Bundesrat. Deshalb sind bei uns nur zwei der sieben Bundesräte von rechts aussen, damit haben sie weniger Gewicht.

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Ich gülle, du güllst, wir güllen... Diese braune, stinkende Bschütti ist überall. Früher noch etwas diskreter als heute. Die Salonfähigkeit dieser menschenverachtenden Grundhaltung ist es, was wirklich Angst macht. Dieser solide Artikel tritt dagegen an. Danke!

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Vielen Dank für die beiden sehr guten beiträge, Solmaz. Sie sind beide sehr treffend und haben mir, der in Österreich aufgewachsen ist, es sehr klar gemacht, wieso ich mich dort nie wirklich daheim gefühlt habe.

Bitte weiter so!

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Bringen uns sozialpsychologische Stereotypien im politischen Diskurs weiter oder schüren sie nur die Verachtung unserer Nachbarn?

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Das alte Lied der Diskrepanz zwischen aufklärerischer Theorie und demokratischer Praxis. Wir sollten uns bewusst machen, dass die Unterstützung in der Bevölkerung für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und humanistische Grundsätze zu einem Grossteil auf kultureller Prägung beruht - und nur sehr partiell auf durchdachter, verinnerlichter Überzeugung.
Entsprechend schwer tun wir uns als Gesellschaft, wenn diese Errungenschaften grundsätzlich in Frage gestellt werden. Dies zeigt sich oft im Umgang mit radikal-politischen und fundamental-religiösen Ansichten. Oder, wie im "Besuch der jungen Dame" beschrieben, wenn humanistische Grundsätze nicht mit dem Rechtsstaat vereinbar sind.

Nichstdestotrotz, zwei spannende Artikel, schon nur aus ethnologischer Sicht.

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H. A.
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H. A.
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So ist das bei uns, Herr A.: die Republik vereinigt neben recherchierten Fakten ein breites Spektrum an Wahrnehmungen und Meinungen. Antifaschistisch versteht sich allerdings von selbst. Was uns in jedem Fall wichtig ist: eine respektvolle, fundierte Debatte. Die beiden Essays von Frau Solmaz Khorsand wühlen die Gemüter auf, das ist klar und auch gut so. Geht es trotzdem mit etwas weniger grenzwertiger Polemik? Die Menschenwürde ist in jedem Fall zu achten bei Äusserungen und Meinungen. Herzlichen Dank für die Kenntnisnahme!

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H. A.
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Einen Artikel der nachdenklich stimmt, der zeigt, dass Güllen von Dürrenmatt überall sein kann. Ein Grund, dass wir Menschen uns selber hinterfragen, was kann ich Gutes tun indem ich meine Werte hochhalte.

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H. A.
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Ich gebe Ihnen insofern recht, als dass (Im)Migration neben Freiheiten und allgemeinem Wohlstand auch durchaus negative Auswirkungen hat. Ebenso, dass es neben einer breiten Schicht von Gewinnern zahlreiche Verlierer gibt, welche Sie hier Klassenkampf-romantisch zur alleinig arbeitenden Bevölkerung verklären.

ABER: Die Steuerung und die verschiedenen Herausforderungen der Migration sind eine interne Debatte, die die Bürger eines Landes im Rahmen der Politik und der demokratischen Prozesse führen müssen. Es ist unwürdig, diese Diskussion auf dem Rücken der ausländischen Bevölkerung auszutragen, mit dem Schüren von Ressentiments wie im Artikel beschrieben.

Mit Ihrer pauschalisierten Sichtweise und Ihrer nationalistischen Polemik verhindern Sie genauso eine vernünftige Diskussion, wie es die Ignoranz und Tabuisierung durch die "Linke" tut, welche Sie kritisieren.

In der aktuellen wirtschaftlichen Situation müsste es uns doch möglich sein, gleichwohl mit den Verlierern wie mit den Migrantinnen solidarisch zu sein, ohne diese gegeneinander auszuspielen. Ich denke das gilt für Deutschland, Österreich, wie auch die Schweiz.

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Sehr geehrter Herr A.,

Ich denke, Ihren Unmut zu verstehen, wenn ich ihn aus diversen Gründen auch absolut nicht teile.

Was genau meinen Sie mit "überflüssig importierter ausländischer Arbeitskraft"?

Und was wäre eine "nicht überflüssig importierte ausländische Arbeitskraft?"

Ein wohlverstanden provokant-sarkastischer, weiterführender Gedanke wäre: gibt es auch "überflüssige zu exportierende inländische Arbeitslose"?

Freundliche Grüsse,

K. B.

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H. A.
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Ihren Punkt 1 (und damit auch 2 und 3) kann ich so nicht stehen lassen. Jeder zusätzliche Einwohner muss auch essen und trinken und gewisse Dienstleistungen konsumieren, entsprechend entstehen auch wieder neue Jobs. Der Kuchen wird grösser, nicht die Stücke kleiner.

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Ich habe einen Österreichischen Nachbarn, den ich hin und wieder antreffe, wenn er penibel seine Buchs-Hecke in Richtung Perfektion schnipselt, nachdem Gärtner die "Vorarbeit" erledigt haben.
Wenn ich ihn als einen Pedanten hochnehme, dann nimmt er mir das überhaupt nicht übel, sondern lässt mich sozusagen offene Türen einrennen.
"Ja, das ist mein Tick. Ich bin halt so. Aber wie Du da den Efeu an der Hauswand hochwuchsen lässt, das käme für mich überhaupt nicht in Frage."
Ich mag diese gesellige Art schrulliger und auch provinzieller Einzigartigkeit, die ich auch in der ländlichen Schweiz allerorten antreffe!
Und gleichzeitig hat dieses "Wir sind halt so!" natürlich auch seine unheimlichen, abgründigen und morbiden Seiten, wie sie der Bayrische Kabarettist Gerhard Polt ja für das Deutsch-Provinzielle Pendant immer wieder köstlich zelebriert.
Wenn ich dann aber an die Grossstadt Wien denke, mit seinen vielen Prachtbauten aus den Zeiten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, wird mir auch bewusst, dass unsere Österreichischen "Geschwister" darüber hinaus noch über Weltläufigkeit und über Imperialistischen Glamour verfügen, den wir hier auch mit einer Weltstadt Zürich, oder mit Genf niemals erreichen können!
Ich denke da zum Beispiel an den Österreichischen Philosophen, Georg Pfaller, mit seinem für mich Bahn brechenden Buch "Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft", das mir Welten eröffnete, welche mir vorher aufgrund meiner geistigen Borniertheit verschlossen waren.

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Es gibt in der Schweiz viele Frankenburg und es gibt auch eine starke rechtspopulistische Partei.

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Zwei wirklich aufschlussreiche Beiträge. Wie sähe wohl eine solche "Typologie" für die Schweiz oder zum Beispiel für Italien aus? Zu befürchten ist sicher eine frappante Ähnlichkeit!

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Mit dem Krawallo-Ton von "Bösterreicher" werde ich nicht warm. Dieses arrogant-eloquente "links gut, rechts böse" sehe ich als einen Teil des Problems.

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Ist man, wenn man gegen rechtes und braunes Gedankengut ist, schon links? Besteht das linke Gedankengut nur aus gegen rechts sein? Wer nur rechts und links unterscheiden kann, dem fehlt das grosse interessante Spektrum dazwischen. Ich sehe die Republik und ihre Leser in diesem Spektrum.

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Arrogant würde ich unterschreiben, Krawall ist eine Frage der Lärmpegel-Toleranz und dort würde ich den Ton in meiner Wahrnehmung nicht verorten. Aber wie gesagt, das ist eine Frage der persönlichen Schmerzgrenze. Was mir vielleicht nicht so gut gelungen ist, war stärker zu verdeutlichen, dass diese Mentalität nichts mit rechts oder links zu tun hat - zumindest nicht im parteipolitischem Sinne. Die ideologische Polung spielt keine Rolle. Man gibt keiner Partei die Stimme, deren Proponenten in Kreisen verkehren in denen Sätze wie "Gebt Gas ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million" fallen. Das hat mit links oder rechts nichts zu tun. Ich hätte vielleicht auch den Ex-Grünen Politiker Peter Pilz stärker anführen sollen, der unter anderem gegen türkisch-österreichische Doppelstaatsbürger mobilisiert hat, um "Erdoğan-Aktivisten" zu entarnten, die sich als "Österreicher verkleiden, um zu bespitzeln, zu destabilisieren und hier türkische Verhältnisse einführen zu wollen." Dass es solche Menschen vereinzelt gibt, mag sein. Dass er als ehemaliger Grüne solche Worte in einem xenophoben Land wie Österreich sagt, war ganz klares Kalkül um durch das billige Bedienen von Ressentiments auf Stimmenfang zu gehen. Das ist unwürdig und unmoralisch. Und diese Worte mögen unglaublich arrogant klingen. Aber ganz ehrlich: Ö hat diesen Diskurs auf diesem Niveau nicht notwendig. Es geht zivilisierter. Die Leute sind keine Analphabeten, sie haben Zugang zu Informationen und sie wissen, warum sie diesen Menschen ihre Stimme geben.

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"in einem xenophoben Land wie Österreich"? Bedrückend, wie Schreibende im Zug ihrer Arbeit Opfer ihrer zusammengetragenen (Einzel-)Beispiele werden. Ein ganzes Land wird mal kurz in einem Nebensatz verallgemeinernd verunglimpft. Ich bin oft in Österreich unterwegs und erlebe "es" nicht als xenophob. Das mag daran liegen, dass ich weder Wahlresultate noch Stammtischbegegnungen zu Stellvertretern eines ganzen Staates mache. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ein Land als Ganzes gar nicht xenophob sein kann, genau so wie das Gegenteil. Hätte ich diese Wortmeldung der Autorin vorher gelesen, dann hätte ich mir den Text geschenkt. Denn die Ausgangswahrnehmung diktiert in der Regel die Zeilen. Und diese Ausgangswahrnehmung müsste zumindest im Ansatz offen sein. Das war sie hier augenscheinlich nicht. Und damit werde ich auch in Zukunft viel Zeit sparen.

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Ich weiß nicht, ob es sinnvoll oder auch nur schlüssig ist, ganzen Ländern Prägestempel wie zett Beh "rechts" oder "xenophob" aufzudrücken. Wie will man das messen? Ist dann ganz Osteuropa xenophob? Frankreich? Die Niederlande? China? Japan? Alles Rassisten, außer Mutti?

Natürlich sind all diese Länder nicht Gegenstand des Artikels. Aber schon dessen Überschrift suggeriert, dass rechts irgendwie schlecht ist. Ich halte rechts für eine normale Richtung im politischen Spektrum, die für das Funktionieren einer Demokratie notwendig ist. Weil die meinungsmachenden Journalisten mehrheitlich links-grün eingestellt sind (jedenfalls in Deutschland, ich weiß nicht, ob es ähnliche Studien für Österreich oder die Schweiz gibt), hat es sich leider eingeschliffen, in Medien "rechts" als Synonym für "rechtsradikal" oder "-extremistisch" zu verwenden.

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Ich erkläre mir die braune Vergangenheit von Österreich auch durch die geschichtliche Monopolstellung der katholischen Kirche. Adolf ist in Österreich zum Judenhasser geworden. Und ich kenne Leute die gegen die Nazis waren, aber auch gegen Juden.
In Österreich war die Entnazifizierung nach dem Krieg nicht gründlich sondern österreichisch. Viele haben sich auch mit Geld entnazifiziert. Und bei fast allen meinen Verwandten war nach dem Krieg als Verarbeitung, Vedrängung der Ereignisse, angesagt. Wer was gemacht hatte, wurde nur selten und zufällig erwähnt.
Was die braune Gefahr in Östrreich villeicht etwas weniger gefährlich macht ist, dass sie nicht mit deutscher Gründlichkeit arbeitet. Trotzdem ist es beängstigend, wie sich das braune Gedankengut wieder in ganz Europa verbreitet.

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Das war in meiner Familie auch so. Verdrängung statt Aufarbeitung.

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Gott, ich danke dir, daß ich nicht bin wie die übrigen der Menschen, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner - oder die Östreicher.

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Danke für diesen Beitrag Frau Solmaz. Diese Begegnungen mit Menschen und deren Geschichten und den Begehungen der Orte fand ich angenehm, spannend und interessant.

Da ist es doch schön in der Schweiz zu leben. Keine unverarbeitete Nazivergangenheit, keine Schwulenfeindlichkeit. In einer Nation mit humanitären Wurzeln und ebensolcher Vergangenheit...

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Ich lebe auch gerne in meiner heilen Welt... doch ab und zu bekomme ich Einblicke in das Leben anderer, ebenfalls in der Schweiz, wo es leider nicht so aussieht. Konservative Menschen findet man auch hier. Man werfe seinen Blick nur mal hinter die Kulissen... oder schaut bei Freikirchen genauer hin...

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Vielen Dank. Ich freu mich schon am Ausbuddeln Ihrer Leichen im Keller und dem Schlachten der Heiligen Kühe hierzulande. Aber da brauche ich noch ein Weilchen. Sie können mir aber gerne dabei helfen. Bin sehr dankbar für Tipps!

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Liebe Republikaner
Besten Dank für den Oesterreich-Beitrag, der zwar sehr stimmungsvoll (auch so geschrieben) ist, aber nichts wirklich wesentlich neues transportiert.
Kommt die Italien-Reportage noch VOR den Wahlen? Wäre ziemlich interessant:)
Herzlich ernst b.

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gute, gründliche ortsbegehung auf sichthöhe, dank an die autorin. ich befürchte, daß ein blick / einblick in andere ländliche gegenden in europa das panorama nicht aufhellen würde.

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Danke für den Beitrag. Ich hoffe es kommen noch weitere Berichte dieser Art, bei denen anhand von Personen, anhand von Ereignissen bzw. auch aus dem Lokalen heraus, größere Zusammenhänge erklärt werden. Oft wird vom Rechtsruck in Österreich gesprochen, was zweifellos in manchen Zusammenhängen ja auch stimmt, aber viel zu wenig wird davon gesprochen, wie über große Teile der Bevölkerung bis heute ein Schweigen zu den Verbrechen der Nazi-Zeit bzw. bis heute ein Schweigen zum rassistischen Alltag herrscht. ... PS. Die Fotos sind auch großartig.

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Hallo zusammen, ich freue mich, dass Sie die Artikel gelesen haben und dass ich mit Ihnen diskutieren darf. Mein Ansatz an der Frankenburg-Geschichte war in der ganz banalen Normalität die österreichische Mentalität näher zu bringen. Ohne Freaks, ohne Nazis, ohne Kellernazis. Ganz normale Leute. Und dann erkennt man, dass die Normalität eigentlich am Spannensten ist. Wie Herr Birz angemerkt hat, diese Dörfer gibt es überall und ich als Neuling in der Schweiz freue ich mich darauf sie bald zu besuchen und kennen zu lernen.

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Willkommen in der St.Galler Provinz! Hier kann man gut leben, kaum Ausländer, und die SVP punktet mit dem Buurä-Zmorgä, wo man bestätigt bekommt, dass es schon recht ist, wenn man für sich selbst schaut. Bern ist weit weg; im Gegensatz zu den Österreichern sind wir klein und unbedeutend. So kann es doch gar nicht sein, dass sich unser kleines eigennütziges Geschäften irgendwie negativ auf die grosse Welt auswirkt.

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Als Auslandösterreicherin erfüllt es mich mit Schaudern zu sehen, was derzeit in meiner alten Heimat passiert. Aber nicht nur in Österreich, in ganz Europa ist dieser beängstigende Trend zu beobachten. Hat man denn nichts, gar nichts aus der Geschichte gelernt? Das Buch "Die Welt von Gestern" von Stefan Zweig ist zu empfehlen und sollte meiner Meinung nach Pflichtlektüre an jeder Schule sein!

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Das wundert mich bis zu dem heutigen Tag. Dieser Satz: Hat Ö nichts aus seiner Geschichte gelernt. Wenn Leute anbringen, das, was bei euch passiert, ist doch Trend in Europa? Ja, nur, müsste ein Land wie Ö nicht immunisierter gegen die Sündenbockpolitik sein? Das betrachte ich schon als Versagen, dass es die Gesellschaft so aggressiv nicht sein will.

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Man hat schon aus der Geschichte gelert! Nur wer hat was gelernt? Und da haben die Populisten von Adolf gelernt, wie man die Leute verführt und dass es nicht auf die Wahrheit ankommt, sondern dass man die Leute dort abholt wo sie sind. Und wo stecken die Leute? In ihren Vorurteilen und Ängsten, die man schüren kann. Sicher, die Leute, die Massen haben nichts gelernt. Es ist auch nicht nötig, will man das Zugehörikeitsgefühl zu den Aufrechten und Rechten geniessen.
Prinzipiell ist das Lernen aus der Geschichte eine gefähliche Sache. Und meist ist es besser, dass man eben nichts lernt, denn die Geschichte lehrt meist das weniger Gute.
Ich hätte ja nichts gegen die Braunen, wenn sie , wie die Raucher zum Rauchen vor die Türe gehen würden, um die Gesundheit der Nichtraucher nicht zu gefährden.

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Toller Artikel. Und trotz Länge spannend bis zum Schluss, da süffig geschrieben. Natürlich könnte man den Ort auch durch irgendein deutsches Kaff ersetzen und abgesehen von der alten Nazigeschichte auch durch eines in der Schweiz. Da müssen wir uns nichts vormachen.

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Danke vielmal Republik für diesen super Artikel.
Auch wenn eure Artikel lange sind bekommt man so ein Gefühl wie sich Meinungen in einer Bevölkerung bilden. Auch wie sich der Gesellschaftliche Druck auf den "Baron" äussert ist super beschrieben.
Danke vielmal und macht weiter so :))

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R. K.
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Habe ein paar Jahre in Österreich gelebt, klar, die haben Ihre Nazivergangenheit nicht voll verarbeitet. Wenn wir allerdings Besuch aus Österreich haben, staunen die schon sehr über die unverhohlenen rassistischen SVP-Plakate ..."Oiso sowas traut sich die FPÖ ned" - als Schweizer fällt mir das gar nicht mehr auf, ist schon längst gesellschaftliche Norm geworden.

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Nein das wurde sie nicht. Gleichzeitig ist aber so eine Einstellung: komm mir nicht wieder mit der Holocaust-Geschichte, das muss doch einmal auch gut sein. Das finde ich nicht. Die jüngsten antisemtischen Skandale haben wieder gezeigt, wie sehr es einer Aufarbeitung bedarf. Nämlich in jeder einzelnen Familie. Ich denke, dass in Ö die Protektion der eigenen Familie und des Privaten zu den blinden Flecken der eigenen Geschichte führt, die ja längst keine Flecken mehr sind, sondern Krater.

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Dem Republik-Gespräch mit Didier Eribon habe ich entnommen, dass Stolz eine (ambivalente) Alternative zu Scham ist. Viele „Underdogs“ sollten sich wohl schämen, die SVP macht sie hingegen zu stolzen Schweizern. (Als Grüner Wähler bin ich mit mir selbst unzufrieden - ich müsste noch mehr für die Umwelt tun - während man als rechter Wähler nur schon deshalb gut ist, weil man der richtigen Nation angehört?)

Vielleicht ist das Potential jener, die sich vor Scham in Nationalstolz flüchten, in Österreich grösser? Vielleicht muss die FPÖ deshalb gar nicht so provokativ Auftreten wie die SVP. Die (braun-)schwarzen Schafe schreien nach Aufmerksamkeit, die ihnen sonst fehlt. Österreicher mögen sich historisch-nostalgisch unter einer autoritären Regierung wohl fühlen. In der aufmüpfigen Schweiz muss die SVP Unanständiges gesellschaftsfähig zelebrieren, um ansonsten polit-uninteressierte Wähler für eine Politik abzuholen, die kaum zu ihren gunsten ist.

Die SVP ist fremdenfeindlich, um Stimmen zu holen, um bei wichtigeren Themen „wirtschaftsfreundlich“ - nach ihrem unliberalen Verständnis - die Interessen ihrer Financiers zu verfolgen. Ist die FPÖ „nur“ fremdenfeindlich, ohne Trickkiste? Ein gewisser Unterschied zwischen Schweiz und Österreich mag bestehen, aber kein beruhigender...

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Ich kenne die Verhältnisse in der Schweiz (noch) nicht. Aber zur FPÖ: sie hat eine lange Geschichte. Ihre Vorgängerpartei, der Verein der Unabhängigen war die politische Vertretung ehemaliger NSDAP-Mitglieder. Später haben FPÖ-Chefs immer wieder versucht der PArtei einen liberalen Anstrich und eine liberale Agenda aufs Auge zu drücken (Österreich hatte nie eine liberale Bewegung, es gab immer wieder Versuche wie etwa mit dem Liberalen Forum und aktuell mit den Neos, aber sind das Kleinstparteien). Das hat nie wirklich geklappt für die FPÖ. Die Ausländerkarte ist der Evergreen. Sie verkauft sich als Partei für den kleinen Mann, als "soziale Heimatpartei", macht aber gleichzeitig eine Politik des Sozialabbaus, derzeit sehr anschaulich zu sehen in Oberösterreich, wo beispielsweise Gebühren für die Nachmittagsbetreuung in Kindergärten eingeführt wurden, die sich viele nicht leisten können. Man muss bei der FPÖ sagen, dass sie über die Jahre auch ihre Sprache sehr verändert hat. Der vergangene Nationalratswahlkampf war hinsichtlich Fremdenfeindlichkeit in Spots und Plakaten sehr zivilisiert. Sie müssen nicht mehr mit der "Daham statt Islam"-Keule losprügeln. Die Wähler wissen, wofür sie stehen, sie können das nun viel zivilisierter und subtiler machen. In der Botschaft ändert sich rein gar nichts. Hier als anschauliches Bsp: https://www.youtube.com/watch?v=QHHRAyBZYwo

Es gibt auch immer wieder Distanzierungsversuche. Ich selbst war in genug Bierzelten, wo ich immer wieder von den guten Muslimen und den guten Ausländern gehört, aber das hat sich oft in einer Good cop/Bad cop Dramaturgie abgewechselt. "Wir sind nicht gegen die guten integrierten Ausländer, aber...."

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zunächst: grossartige artikel!😎und dann: es ist zum k....

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Einmal mehr ein sehr guter Artikel, Journalismus vom feinsten. Aber Hand auf’s Herz: Österreich und die Schweiz liegen nicht nur geografisch nahe beieinander.
Übrigens: Ich bin jeden Morgen gespannt auf die REPUBLIK , sie gehört schon zu meinem Morgenritual.

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ganz genau, ich kann alles so 'unterschreiben'.-

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Das ist einer der besten Artikel zu Österreich seit Jahren! Und das mit einer literarischen Sprache. Gratulation!

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Nach dem Querlesen des ersten Artikels war ich froh mich vage erinnern zu können, dass es neben "dem Österreicher" auch noch "die Österreicherin" gibt. Denn ein jeder der Österreicher ist ja böse. Oder ist es noch viel schlimmer und es gibt inzwischen keine Frauen mehr in Österreich?
Nein, im ernst: Ich fand die bisherig Umsetzung der Republik einer geschlechtergerechten Sprache super. Ganz entspannt und trotzdem konsequent. Bitte beibehalten.

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Ich komme aus der Berner Provinz, die sehr ähnlich zusammengesetzt ist. In meiner Jugend fast nur Bauern und "alte SVP" einzige Partei im Ort. Dominierte alles. Heute kaum mehr Bauern, eher Schlafdorf. Würde meinen: Österreich kann überall sein.

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Frankenburg oder Güllen gibt's überall in Europa, das ist nicht typisch österreichisch. Da stimme ich Frau P. voll und ganz zu. Das Besondere an Österreich sind vorerst die 58%. Warum und wie ist es dazu gekommen? Wie und mit wem lässt es sich vermeiden, dass in nicht immer mehr europäischen Ländern eine rechtspopulistische Mehrheit die Oberhand gewinnt?

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Wir waren und sind daran beteiligt ganze Kontinente auszuplündern (Stichwort Glencore), unterstützen mit Waffenexporten Stellvertreterkriege, sprechen den Menschen das Recht ab, Zugang zu sauberem Wasser zu haben (Nestlé) - ach die Liste kann noch beliebig verlängert werden, der Aufschrei bleibt trotzdem aus. Da kommen doch den Populisten die Flüchtlinge gerade recht um weiterhin eine Politik für die Profiteure all der Schweinereien zu betreiben. Vielleicht müsste man vor jeder Wahl oder Abstimmung den Leuten mal die Parteiprogramme von FPÖ, AfD, SVP etc. vorlesen, denn freiwillig tun es die "Parolenbrüll-Abstimmer" ja doch nicht.

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