Blutige Trophäen – Teil 2

Ein weisser Jäger posiert neben einem erlegten Tiger, der von einem Schwarzen im Arm gehalten wird
Der weisse Grosswildjäger mit Gehilfen: Der Leopard wurde in Namibia getötet. David Chancellor

Jäger und Gejagte

Nashörner haben kaum mehr eine Chance, für Elefanten sieht es etwas besser aus. Im Kampf gegen den Wildtierhandel liegen die Hoffnungen auf China und auf brachialen Gegenmassnahmen. Teil 2 der Serie «Blutige Trophäen».

Von Mona Fahmy, 15.02.2018

Im ersten Teil haben wir den Markt durchleuchtet, auf dem mit illegalem Wildtierhandel Milliarden umgesetzt werden. Wir haben die Wächter, die Wilderer und Jäger beschrieben. Im Folgenden geht es unter anderem um die Waffen, mit denen Wilderer unterwegs sind. Aber es geht auch um das faszinierende Leben der Elefanten und warum es trotz allen Schreckenszahlen Hoffnung für sie gibt. Nicht zuletzt durch die Rolle von China.

Der Kampf

Der Nationalpark Garamba im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Auf der 4920 Quadratkilometer grossen, von Bäumen, Grasland und Gehölzen bedeckten Hochebene leben nebst Elefanten, Flusspferden und der Kongo-Giraffe Raubtiere wie Löwen und Leoparden. Elefanten hingegen sind selten. 1970 lebten dort noch rund 22’000 Elefanten. Derzeit sind es weniger als 1300. Dutzende Gefechte fanden statt. Mal starben Ranger, mal Wilderer. Im Park, der Teil des Unesco-Weltnaturerbes ist, tobt ein erbarmungsloser Krieg.

«Mit grossem Bedauern informiere ich Sie über den Tod zweier Ranger im Nationalpark Garamba», steht in einem Statement des CEO African Parks Peter Fearnhead. Sie starben am 11. April 2017.

Wer wissen will, wie, auf den wartet eine mühsame Konversation, hauptsächlich per Mail mit dem Büro der International Ranger Federation in Australien und den Rangern in der Demokratischen Republik Kongo. Auf jede Antwort wartet man Tage, und immer sind es kurze, knappe Sätze. Die Männer haben anderes zu tun. Nach zahlreichen Mails und Telefonaten ergibt sich folgendes Bild.

Am 10. April 2017 sichtete ein Pilot der African Rangers die Kadaver von fünf Elefanten, darunter zwei Jungtieren. Eine Patrouille aus sechs Rangern und vier Soldaten der kongolesischen Armee zog zur Untersuchung los. Sie fanden ein verlassenes Camp der Wilderer. Aufgrund der Spuren wurde ihnen klar, dass sie im Ernstfall einem Dutzend Männer gegenüberstehen würden.

Am nächsten Tag goss es in Strömen. Es war kein fröhlicher Aufbruch. Bei diesem Wetter reibt der raue Stoff ihrer Uniform bei jedem Schritt am Körper. Zur Mittagszeit liess der Regen nach. Die Männer assen. Dann zogen sie weiter.

Gegen 15 Uhr hörten sie Schüsse und fanden kurz darauf eine Spur. Drei Männer blieben mit den Funkgeräten zurück, sieben folgten den Spuren der Wilderer. Etwas später stiessen sie auf einen verletzten Elefanten, von vier seiner Gefährten begleitet. Das Tier trompetete vor Schmerzen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit hörten die Männer Stimmen und das dumpfe Geräusch von Macheten. Sechs Wilderer zerhackten den Kopf eines Elefanten.

Mittendrin in einem unbarmherzigen Krieg: Rekruten werden in Kenia zu Rangern ausgebildet. David Chancellor
Allein in Südafrika werden im Jahr etwa tausend Nashörner von Wilderern geschossen. David Chancellor

Die Patrouille schlich sich an. Doch dann hatten sie Pech: Trockene Blätter knirschten unter ihren Stiefeln. Die Wilderer zögerten nicht. Sie nahmen die Ranger sofort unter Beschuss. Das Mündungsfeuer von Kalaschnikows erhellte kurz die Dämmerung. Ein Ranger fiel. Und ein Soldat.

Die anderen konnten fliehen. Sie duckten sich stundenlang im mannshohen Gras, bis sie auf die drei zurückgebliebenen Kollegen stiessen. Ein Helikopter holte sie am Morgen ab: alle Überlebenden und die Leichen der Gefallenen. Joël Meriko Ari, Sektionsführer der Association des Rangers Congolais, und Gerome Bolimola Afokao, Unteroffizier der Kongolesischen Armee. Ari war 27, Vater von zwei Kindern. Sein Leben hatte er im Nationalpark Garamba seit 2013 riskiert. Afokao, vom Militär zum Schutz des Parks abbestellt, hinterlässt seine Frau und neun Kinder.

Die Ausrüstung der Wilderer

Die Wahl der geeigneten Mittel schlägt auf den möglichen Profit. Automatikwaffen, Handgranaten und Hubschrauber gehören zur Ausrüstung professioneller Wilderer. Das Schnellfeuergewehr G3 des deutschen Herstellers Heckler & Koch. Gewehre der belgischen Waffenfabrik FN Herstal. US-amerikanische M16-Sturmgewehre. Die Wilderer nutzen Nachtsichtgeräte und sind militärisch organisiert.

Die AK-47 ist der Klassiker und ihre Lieblingswaffe. Eine Kalaschnikow ist in Afrika für einen Sack Weizen oder ein Huhn erhältlich. Semi-Automatik. Höchstschussweite 1,5 Kilometer. 30-Schuss-Magazin. Feuerrate etwa 600 Schuss pro Minute. Eine Waffe für Bürgerkriege. Designt, um Menschen zu töten. Aber eher ungeeignet für Grosswild wie Elefanten. Die Tiere stürben nicht beim ersten Schuss, sagt Rikkert Reijnen vom IFAW.

Im Kalten Krieg rüsteten die Supermächte Russland und USA ihre vermeintlichen Freunde auf. Seitdem zirkulieren in Afrika Millionen nicht registrierter Waffen. Meist einfach zu handhabende Handfeuerwaffen, mit denen selbst ungeübte Schützen Verheerendes anrichten können. Nach Zusammenbruch der Sowjetunion schwemmten Hunderttausende weitere Handfeuerwaffen den afrikanischen Kontinent, zu Dumping-Preisen. Sie befinden sich in den Händen von Warlords, Milizen und anderen Menschen, die wenig zu verlieren haben.

Die Bevölkerung ist jung. Die Arbeitslosigkeit hoch. Die Perspektiven nicht der Überlegung wert.

Etliche Länder erleben Bürgerkriege und Aufstände oder erholen sich erst langsam davon. In der Demokratischen Republik Kongo herrscht seit über zwanzig Jahren Bürgerkrieg, derzeit tobt der Konflikt im Ostkongo. «Aufgrund der zunehmend schwierigen Wirtschaftslage und der politischen Auseinandersetzungen rund um die anstehenden Wahlen ist die Sicherheitslage im ganzen Land angespannt», schreibt das EDA und rät von Reisen ab.

In der Zentralafrikanischen Republik terrorisieren Milizen der Séléka und Anti-Balaka sowie weitere Guerillagruppen die Bevölkerung. Es sind Bürgerkriegsprofis. Sie plündern, schlagen, vergewaltigen, foltern und morden.

Im Südsudan herrscht seit 2013 Bürgerkrieg. Millionen sind auf der Flucht. Uganda hat eine finstere Geschichte in der Rekrutierung von Kindersoldaten. Allein Joseph Konys LRA soll 25’000 Kinder versklavt haben. Tschad erlebte von 2005 bis 2010 einen Bürgerkrieg. Die Feindseligkeiten flammen immer wieder auf. Die Liste liesse sich fortsetzen.

Die regierenden Eliten sind korrupt, sie scheren sich wenig um Menschenrechte und noch weniger um das Leben bedrohter Tiere. Sie haben höhere Prioritäten. In der Demokratischen Republik Kongo halten Regierungsmitglieder den Konflikt bewusst am Köcheln und rüsten Wilderer und Milizen mit Waffen aus. Kriminelle Organisationen finden schnell junge Leute, die bereit sind zu töten. Ranger sind vielerorts schlecht ausgerüstet und auf sich allein gestellt. Gegen schwer bewaffnete Kämpfer haben sie nur ausnahmsweise eine Chance.

Wie Wilderer Elefanten jagen

Als Ranger im Nationalpark Garamba weitere Elefantenkadaver fanden, denen Wilderer die Stosszähne mit der Kettensäge abgetrennt hatten, liess sie ein Detail stutzen. Der Winkel, aus dem Wilderer den Kopfschuss angebracht hatten, schräg von oben, sowie das Fehlen menschlicher Spuren vom und zum Tatort liess nur einen Schluss zu: Sie hatten aus der Luft gejagt. Mit dem Hubschrauber. Denn aus einem Flugzeug hätten sie nie so präzis schiessen können.

Leben im Clan: Eine Elefantenherde am Fluss Ewaso Nyiro in Kenia. David Chancellor
Es fehlt das, was Geld bringt: Gewilderter Elefant in der Region Meibae, Kenia. David Chancellor

Vier solcher Vorfälle sind den kongolesischen Wildhütern seit 2012 bekannt. 2015 fanden sie acht Elefantenkadaver mit dem typischen Einschussloch von oben im Kopf. 2014 erschossen Wilderer 131 Elefanten, neun davon aus dem Hubschrauber, und im März 2012 erschossen Männer 22 Tiere, mindestens 15 davon aus der Luft. Das Elfenbein nahmen sie mit. Zuvor hatten Ranger Hubschrauber der ugandischen Armee gesichtet. Die kongolesische Regierung beschuldigte Uganda, die Elefanten getötet zu haben – für Elfenbein im Wert von über einer Million US-Dollar. Uganda bestreitet die Vorwürfe vehement.

Professionelle Wilderer arbeiten schnell. Sie wissen, wo sie das Gesicht des Tieres abtrennen müssen, um rasch die ganzen Stosszähne zu entfernen. Die Elefanten erlegen sie in schwer zugänglichem Gebiet in Grenznähe, vorzugsweise am späten Nachmittag, um in der Dämmerung mit dem Elfenbein über die Grenze zu verschwinden.

Womit sie töten, ist zweitrangig. Sie legen Fallen aus, welche die Tiere am Vorder- oder Hinterlauf schwer verletzen. Oft tötet der erste Schuss einen Elefanten nicht. Bei lebendigem Leib hacken ihm die Wilderer mit Macheten den Rüssel ab, schneiden tief ins Fleisch, reissen die Stosszähne heraus, und lassen das Tier verbluten. Es ist ein Tod unter bestialischem Gestank. Ein von schwarzen Fliegen umschwirrter Kadaver. Eine klumpige blutige Masse, wo Augen, ein Rüssel und Stosszähne waren. Alltag für Ranger in Afrika. Seit kurzem entfernen Wilderer auch Gehirn und Genitalien der Elefanten. Ein neuer Markt scheint sich zu öffnen.

Der Elefant

Asiaten verehren den Elefanten. Er symbolisiert Weisheit, Geduld, Treue und Stärke und gilt als Glücksbringer. Im Hinduismus verkörpert der Elefantengott Ganesha die Weisheit, die Wissenschaften, die Künste.

Der Afrikanische Elefant ist das schwerste Landtier dieses Planeten. Ein Kalb wiegt bei der Geburt hundert Kilo, ein ausgewachsener Bulle bis zu 6000 Kilo. Im Gegensatz zum Asiatischen Elefanten haben beide Geschlechter Stosszähne – was auch Mutterkühe zu Zielen von Wilderern macht.

Im August 2016 lebten in der afrikanischen Savanne noch 350’000 Elefanten, 140’000 weniger als im Jahr 2007. Todesursache ist die Wilderei, aber auch der Verlust des Lebensraumes trägt zur Dezimierung der Elefanten bei. Im Durchschnitt bewegt sich ein Elefant in einem Gebiet von 1500 Quadratkilometern. Er wandert an die 60 Kilometer am Tag. Dieses Tier braucht Platz.

Abgesehen vom Menschen gibt es keine andere Spezies mit derart komplexen Gesellschaftsstrukturen. Zu diesem Schluss kommt eine vom «Economist» zitierte Langzeitstudie im Kenianischen Nationalpark Amboseli, bei der Wissenschaftler 70 Familien mit 300 Kühen, ihren Jungen und 200 Bullen beobachteten. Eine Matriarchin führt eine Familie mit vier, fünf Kühen und ihren Jungtieren an. Bullen verlassen die Familie mit 12 Jahren, Kühe bleiben ein Leben lang.

Die einzelnen Familien treffen und trennen sich, sehen sich oft jahrelang nicht mehr. Sie erinnern sich auch nach Jahren noch aneinander. Sie sind Teil einer Gemeinschaft, die wiederum Teil eines Clans mit mindestens hundert Mitgliedern ist. Der Clan trifft sich üblicherweise in der Trockenzeit, wenn die Ressourcen knapp werden. Um sich an derart zahlreiche Bekannte zu erinnern, brauchen die Tiere ein ausgezeichnetes Gedächtnis.

Matriarchinnen, üblicherweise die ältesten Tiere einer Familie, sorgen in Notsituationen wie Dürren dank ihres Wissens für das Überleben der Gruppe. Sie finden beispielsweise Wasserstellen, die sie vor Jahren aufgesucht hatten und welche die jüngeren Tiere nie gesehen haben. Da Wilderer meist das älteste Tier töten, bleibt der Rest der Familie traumatisiert ohne wertvolle Erinnerung zurück.

Elefanten, so der «Economist», scheinen auch in der Lage, abstrakt zu denken und damit Probleme zu lösen. Dies würden Experimente mit Asiatischen Elefanten in Gefangenschaft nahelegen.

Stirbt ein Elefant, beschnuppern und stupsen ihn seine Gefährten und bleiben oft stundenlang bei ihm. Mutterkühe nimmt der Tod eines Kalbes besonders stark mit. Es gibt Berichte über Kühe, die ihr totes Kalb auf den Stosszähnen trugen. Sie können sich kaum trennen, trotten danach wochenlang gleichgültig hinter der Familie her.

Dann trifft den Elefanten der Nachteil eines guten Gedächtnisses mit voller Wucht. Er trauert lange.

Der Preis für Elfenbein

Der Preis für Elfenbein unterliegt starken Schwankungen. Aufgrund der grossen Nachfrage verdreifachte er sich im Jahr 2014 von 750 auf 2100 US-Dollar pro Kilo. Die Ankündigung Chinas, auf Anfang 2018 den Handel zu verbieten – mehr dazu später –, liess den Preis dramatisch sinken, im Jahr 2015 auf 1100 US-Dollar und 2017 auf 730 US-Dollar. Ein starker Rückgang. Doch der Gewinn ist nach wie vor interessant.

Afrikanische Elefanten haben grössere Stosszähne als Asiatische. Die Stosszähne eines erwachsenen Bullen können bis zu 3,5 Meter lang und 100 Kilo schwer sein. Im Durchschnitt rechnete man mit 57 Kilo pro Bulle. Da mittlerweile auch junge Elefanten Wilderern zum Opfer fallen, rechnet man mit einem Durchschnitt von 12 bis 15 Kilo pro Tier.

Ein durchschnittlicher toter Elefant ist derzeit dem Endkunden rund 11’000 US-Dollar wert. Ein älterer Bulle über 41’000 US-Dollar. Die Wilderer, die Männer, welche bei der Jagd ihr Leben riskieren, erhalten rund 50 US-Dollar pro Kilo.

Elfenbein aus West- und Zentralafrika soll seiner grösseren Härte wegen das Beste sein, steht im Elefantenlexikon upali.ch. Es sei elastischer. Und für Schnitzarbeiten sehr geeignet.

China und der internationale Kampf gegen Wildtierkriminalität

Um das Massensterben von Elefanten zu unterbinden, setzte die internationale Gemeinschaft 1989 ein globales Handelsverbot durch. Einzig vor 1989 gewonnenes Elfenbein blieb legale Handelsware. Die Elfenbeinindustrie in China brach ein. Die Elefantenpopulationen erholten sich, worauf das Washingtoner Artenschutzabkommen Cites einen einmaligen Verkauf gelagerten Elfenbeins nach Japan erlaubte. Im Jahre 2008 erlaubte Cites einen weiteren Lagerverkauf, nach Japan und China. Die chinesische Elfenbeinindustrie erholte sich prächtig, als die Regierung Dutzenden Fabriken und Händlern Lizenzen ausstellen liess. Da es unmöglich ist, zwischen altem und neuem Elfenbein zu unterscheiden, stiegen die Verbrechersyndikate ins Geschäft ein.

Früher stellten Schnitzer in mühsamer Handarbeit begehrte Elfenbeinobjekte her. Die Arbeit an einem Stück habe Jahre dauern können, sagt Grace Gabriel vom IFAW. Dank elektrischer Bohrer, wie sie Zahnärzte verwenden, dauert dieselbe Arbeit jetzt nur noch Tage. Die Industrie boomt. Legal dürfen fünf Tonnen pro Jahr gehandelt werden. Nachgefragt werden zweihundert.

Die Chinesen gaben sich gar nicht erst die Mühe, etwas zu verstecken.

Rechercheure der Environmental Investigation Agency EIA sprachen mit zwei Elfenbeinhändlern in Dar es Salaam. Sie schwärmten vom blühenden Geschäft, als der chinesische Präsident Xi Jinping mit einer grossen Entourage Tansania im März 2013 besuchte. Die Delegation aus Beamten und Geschäftsleuten kaufte derart viel Elfenbein, dass sich der lokale Kilopreis auf 700 US-Dollar verdoppelte. Bei der Vorbereitung der Staatsvisite hatten chinesische Käufer bereits tausende Kilo erworben, die später im Diplomatengepäck im Flugzeug des Präsidenten nach China reisten.

Es wurde 2015, bis die internationale Staatengemeinschaft endlich handelte. Die Uno-Generalversammlung verabschiedete eine Resolution gegen den illegalen Handel mit bedrohten Arten. Einstimmig. China geriet unter Druck. Seit Anfang 2018 ist der Handel mit Elfenbein in dem Land, das für siebzig Prozent aller Elfenbeinimporte verantwortlich war, verboten.

Vorsichtiger Optimismus ist deshalb angebracht, ein Grund zur Entspannung ist es noch nicht. Die nationale Bedeutung der Elfenbeinindustrie und die kulturelle Tradition werden ein sofortiges Erliegen des Handels verhindern. Auf Angebotsseite tun sich viele Länder schwer, den illegalen Handel wirkungsvoll zu bekämpfen. Korruption. Krieg. Armut. Man hat genug andere Probleme.

Die organisierte Kriminalität wird Wege finden, die Nachfrage zu befriedigen. Das zeigen andere illegale Märkte, wie der Drogenmarkt, der trotz intensiver Bekämpfung des Drogenhandels ständig wächst.

An Nachwuchs fehlt es nicht: Junger Jäger in Südafrika mit einem erlegten Blessbock, einer Antilopenart. David Chancellor
Die Beute muss aus dem Busch gezerrt werden: Jäger in der Kalahari, Südafrika, mit einer Löwin. David Chancellor

Dann war da noch die Ankündigung Donald Trumps, das Erbe seines Vorgängers zu torpedieren. Mitte November 2017 verkündete die Behörde US Fish and Wildlife Service: «Legale, regulierte Trophäenjagd als Teil eines durchdachten Managements kann die Erhaltung einer Art fördern, indem lokale Communities Anreize erhalten, die Art zu bewahren.» Trump erzählte derweil, was für tolle, verantwortungsvolle Jäger seine Söhne seien. Während US-amerikanische Trophäenjäger sich freuten, brandete ein Sturm der Entrüstung auf. Das wirkte. Trump ruderte am 20. November per Tweet zurück: «Die Trophäenjagd-Entscheidung wird nächste Woche verkündet, aber es wird sehr schwer, meine Meinung zu ändern, dass diese Horrorschau in irgendeiner Art geeignet ist, Elefanten oder ein anderes Tier zu retten.»

Trump hin, Trump her, für die Elefanten besteht Hoffnung. Davon ist Rikkert Reijnen vom IFAW überzeugt. China hat einen ersten, wichtigen Schritt getan. Und prominente Aushängeschilder wie der britische Prinz Harry oder die Schauspieler Jackie Chan und Leonardo DiCaprio tragen zu einem Bewusstseinswandel in Asien bei.

Für Nashörner könnte es allerdings zu spät sein. Aus ökonomischen Gründen. Ihre Hörner sind wertvoller als Platin und Gold. In Südafrika, dem Land mit der grössten Nashornpopulation – 20’000 Tiere sollen es noch sein –, töteten Wilderer in den letzten Jahren regelmässig über tausend Tiere pro Jahr. Manchen Tieren schneiden sie den Rücken auf, damit Geier schneller ans Fleisch gelangen und Beweise vernichten.

Gewilderte Nashörner in Südafrika

Anzahl Tiere pro Jahr

2007
13
2008
83
2009
122
2010
333
2011
448
2012
668
2013
1004
2014
1215
2015
1175
2016
1054
2017
1028

Shoot to kill

Profit, Entdeckungswahrscheinlichkeit und Strafmass beeinflussen die Entscheidung, ob ein Verbrechen sich lohnt. So funktioniert der Markt, seit es Menschen gibt.

Zwei Wissenschaftler, der Jurist Goemeone Mogomotsi und die Ökonomin Patricia Madigele von der Universität Botswana, machten im Juni 2017 einen radikalen Vorschlag. Um das Nashorn vor dem Aussterben zu bewahren, solle Südafrika wie Botswana eine Shoot-to-kill-Strategie gegenüber Wilderern verankern. Ertappte Wilderer solle man nicht aufhalten, sondern gleich erschiessen. Das schrieben die Wissenschaftler in ihrem Artikel «Live by the gun, die by the gun» im «South African Crime Quarterly»-Journal. In Botswana habe die Strategie zu einem signifikanten Rückgang der Wilderei geführt. Wilderer zu töten, sei eine legitime Naturschutzstrategie und ein notwendiges Übel. Da Nationalparks Kriegszonen sind, sollten auch die Gesetze des Krieges gelten.

Tod den Wilderern. Es gab nicht viele, die widersprachen.

Abspann

Wie erschiesst man einen Wilderer?

In «Gambling on Extinction» erzählt «Big» Sam, ein erfahrener, kräftiger Ranger in einem Nationalpark in Südafrika: «Wir legten uns auf die Lauer, bis sie kamen. Dann sah ich ihn und schoss.» Er habe den Wilderer tödlich getroffen, sagt der Ranger stolz. Nicht irgendeinen Wilderer. Sondern den Boss der Bande. Den Boss!

Der Interviewer fragt nach Schuldgefühlen.

Der Ranger schaut ungläubig. Dann prustet er los, lacht in die Kamera. «Wieso sollte ich jemanden bedauern, der hierher kommt und unsere Tiere erschiesst? Nein, der tut mir nicht leid.»

So jagt der Mensch, so stirbt der Mensch.

So geht es mit dieser Serie weiter

Wir werden uns mit dem globalen Wildtierhandel weiter beschäftigen. In unregelmässigen Abständen folgen in den kommenden Monaten weitere Texte zu diesem Thema.

Quellen
Sie interessieren sich vertiefter für den illegalen Handel mit bedrohten Arten? Hier eine Liste mit Quellen und Links:

Der International Fund for Animal Welfare IFAW setzt sich seit 1969 weltweit für Tiere ein. Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität, sowie weitere Expertinnen und Experten gaben Auskunft.

Sie finden etliche Publikationen zur Trophäenjagd, zum Handel mit Wildtieren und Wildtierprodukten sowie zu verschiedenen Tierarten unter www.ifaw.org

Louise Reynolds, Executive Officer bei der International Ranger Federation, half, an detaillierte Informationen über den Kampf zwischen Wilderern und Rangern im Nationalpark Garamba zu kommen. Die IRF setzt sich weltweit für Ranger ein.

The Thin Green Line Foundation versorgt Ranger und deren Familien in armen Ländern und Konfliktzonen mit Nothilfe, Training, Ausrüstung.

Bei der Game Rangers Association of Africa erhält man einen guten Einblick in die alltäglichen Gefahren von Rangern.

Dank an die Vertreter der Association des Rangers Congolais, Mitglieder der Game Rangers Association of Africa.

Der World Wildlife Fund und seine Büros in Afrika bieten einen guten Überblick und Details über Elefanten, Nashörner und Wilderei.

Handel mit Drogen, Waffen, Menschen, Wildtieren: Einen guten Überblick über die Märkte der organisierten Kriminalität finden Sie im Bericht Transnational Crime and the Developing World von Global Financial Integrity.

United Nations Office on Drugs and Crime (Unodc), World Wildlife Crime Report. Detaillierter Bericht über den illegalen Handel mit Wildtieren, Wildtierprodukten, Fisch und Hölzern. Mit Fallstudien zu Elfenbein, Rhinozeroshorn, Reptilien, Gürteltieren, Papageien usw.  

Die Environmental Investigation Agency recherchiert Wildtierkriminalität. In einer einjährigen Recherche entstand etwa der Bericht The Shuidong Connection: Exposing the global hub of the illegal ivory trade über chinesische Verbrechersyndikate.

Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, das Washingtoner Artenschutzabkommen mit Büro in Genf mit Informationen zum International Consortium on Combating Wildlife Crime.

Die Website des Magazins Jagen Weltweit gibt einen Überblick über Jagdreisen in der ganzen Welt und Tipps zur Jagd.

Die investigative NGO Elephant Action League des Italieners Andrea Crosta hat u. a. die Handelswege von Elfenbein recherchiert.

Gambling on Extinction, Dokumentarfilm USA, 2015

Der Vorschlag der Wissenschaftler der Universität Botswana: Live by the gun, die by the gun, South African Crime Quarterly.

Studie zur Auswirkung der Trophäenjagd: Economic and conservation significance of trophy hunting in sub-Saharan Africa.

Eine ausführliche Sammlung von Links, Dokumentarfilmen und Berichten über Wilderei, www.poachingfacts.com

Auch das WEF hat Informationen zum Thema zusammengetragen.

Was Elefanten sind I: Conserve elephants. They hold a scientific mirror up to humans, «The Economist».

Was Elefanten sind II: If you were an elephant, «The Guardian».

Blutige Trophäen

Sie lesen: Teil 2

Jäger und Gejagte

Teil 3

Wie ein Schweizer für die letzten wilden Tiere kämpft

Teil 4

Und ewig lockt das Elfenbein

Teil 5

Das Geschäft mit dem Töten

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