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ein toter Elefant liegt im Gebüsch
Das bittere Ende eines Elefanten: Von Wilderern im Norden Kenias achtlos im Dschungel zurückgelassen. David Chancellor

Milliarden aus der Wildnis

Der illegale Handel mit bedrohten Arten ist kein exotischer Markt, er ist mit dem Handel von Drogen und Menschen in einem Atemzug zu nennen. Eine Geschichte über transnationale Verbrechenssyndikate, Korruption, Armut, Dünkel und Gier. Teil 1 der Serie «Blutige Trophäen».

Von Mona Fahmy, 14.02.2018

Wie man einen Elefanten tötet

Einen Elefanten erlegt man von vorne oder von der Seite, aus einer Distanz von knapp dreissig Metern. Am besten funktioniert es mit einem Gehirnschuss. Frontal zielt man auf die Mitte des Kopfs, oberhalb des Jochbeinknochens und unterhalb des Knorpelwulstes, der den Ohrschlitz anzeigt. Bei einem entspannten, dösenden Elefanten mindestens dreissig Zentimeter oberhalb der Augen. Bei einem aufmerksamen Elefanten genau zwischen die Augen. Und bei einem nervösen Tier, das den Kopf extrem hoch erhebt, etwas unterhalb der Augen. Entscheidend ist dabei das richtige Kaliber, rät ein Grosswildjäger im Magazin «Jagen Weltweit». «Nur mit einem sehr durchschlagskräftigen Kaliber wird man bei diesem Schuss, der etwas unterhalb der Augen zu platzieren ist, das Gehirn erreichen, weil das Geschoss zunächst den Rüsselansatz durchschlagen muss, bevor es die Knochenmasse erreicht, die das Gehirn umschliesst.»

Ein Jäger studiert die Anatomie des Wildes, bevor er es erlegt. Mensch gegen Tier. Auge in Auge. So läuft die waidmännische Jagd. Das Fleisch, das Bushmeat, ist für die Einheimischen. Die Stosszähne, die Trophäe, sind für den Jäger.

So stellt man sich die Jagd zu Zeiten Ernest Hemingways und Theodore Roosevelts vor, als noch Tausende Elefanten und Nashörner in der Savanne und dem hügeligen Grasland Afrikas lebten. Als Grosswildjagden noch Wochen dauerten. Gentlemen liessen damals ganze Expeditionen zusammenstellen. Die Trophäe zierte später den Salon oder die Bibliothek. Und vor dem Kaminfeuer erzählte der Gentleman seine Abenteuer.

Der Markt I

Gentlemen sind heute bei der Grosswildjagd selten. Reiche Milchgesichter posten auf Social Media Bilder mit erlegter Trophäe. Junge Männer mit glatt gegeltem Haar und Mehrtagebart wie Donald Trumps Söhne Donald Jr. und Eric, mit einem toten Leoparden im Arm. Mädchen wie die 12-jährige Aryanna Gourdin aus dem US-Bundesstaat Utah, das blonde Haar hochgebunden, den Arm mit der Jagdbüchse in der Hand locker auf dem Hals einer erlegten Giraffe.

Und dann gibt es noch die vielen Jagdtouristen aus Asien auf Nashornjagd, die keine sind. Und die Verbrechersyndikate. Doch davon später.

Elfenbein, Rhinozeroshörner, Tigerknochen, Gorillateile, Schneeleopardenfelle und Gürteltiere – es sind Produkte in einem weltweiten Markt, dessen Nachfrage trotz aller Bemühungen ungebrochen ist. Der Markt ist nicht klein und exotisch. Es ist ein gigantischer illegaler Markt.

Nur ein kleiner Teil der Milliardenbeute: Elfenbein, das von kenianischen Behörden entdeckt wurde. David Chancellor
Was bleibt, ist eine Blutspur: ein Nashorn in Nordkenia. David Chancellor

Der Washingtoner Thinktank Global Financial Integrity schätzt den weltweiten Umsatz auf 5 bis 23 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Das Büro des Artenschutzabkommens Cites schätzt ihn auf 20 Milliarden US-Dollar. Wie bei allen illegal gehandelten Gütern gibt es keine genauen Statistiken.

Der illegale Wildtierhandel ist nach Fälschungen, Drogen- und Menschenhandel in den Top 5 der illegalen Märkte, noch vor dem Waffenhandel. Wie bei jedem illegalen Markt bestimmen Profit, Entdeckungswahrscheinlichkeit und Höhe der Strafe das Handeln der Akteure. Das Risiko für die Täterinnen ist klein, die Behörden in den Herkunftsländern haben andere Prioritäten. Das Strafmass war bisher lächerlich tief. Und je nach Tierart liegen Profite zwischen tausend und vierzigtausend Prozent drin.

Jedes bedrohte Tier ist wertvoll. Am wertvollsten ist es tot.

Die Wächter

Ein Ranger in einem afrikanischen Nationalpark verdient knapp fünf Franken pro Tag. Er nimmt dafür viele Risiken in Kauf.

Da ist die Natur:

  • Flusspferde. Sie gelten als die gefährlichsten Tiere Afrikas. Sie wirken plump, sind aber schnell. Jährlich greifen sie hundert Menschen tödlich an. Mit ihrem starken Kiefer können sie sogar Krokodile zermalmen.

  • Schlangen. Sie sind die gefährlichsten Tiere Afrikas. Laut Médecins Sans Frontières sterben jährlich mindestens 30’000 Menschen an Schlangenbissen.

  • Löwen. Sie greifen an, wenn sie sich bedroht fühlen oder Menschenfresser geworden sind. Mit Glück überlebt man schwer verletzt.

  • Krankheiten lauern überall. Malaria, Gelbfieber, Lassafieber, Ebola.

Da ist der Mensch, das gefährlichste Raubtier überhaupt:

  • Wilderer mit ihren Giftpfeilen und Macheten.

  • Milizen aus Nachbarländern mit Schnellfeuerwaffen.

  • Deserteure einer der vielen Bürgerkriegsparteien Zentralafrikas.

  • Terroristen.

Allein zwischen Juli 2016 und Juli 2017 starben in Afrika 43 Wildhüter bei ihrer Arbeit. Ihre Namen stehen auf der Gedenktafel der International Ranger Federation und der Thin Green Line Foundation:

Anthony Twesigye aus Uganda, von Wilderern getötet. Tims Nalola Butinda aus der Demokratischen Republik Kongo, Opfer von Terroristen. Hammam Njidda aus Nigeria, mit einer Machete zu Tode gehackt. Mathieu Ngamagnine aus Kamerun, von Wilderern geköpft.

Die Wilderer

Wie zum Beispiel Lochuk Lotak in Kenia. Ein vergleichsweise friedlicher Wilderer, immerhin hat er keine Menschen getötet. 150 Elefanten schon. Von seiner Arbeit erzählt er im Dokumentarfilm «Gambling on Extinction». Er, der Anführer, traf sich mit anderen Wilderern an geheimen Orten im Busch. Die Frauen und Älteren im Dorf durften nichts davon wissen. Die anderen legten Fallen und nahmen die Tiere aus. Lotak tötete.

Die Jagd der Wächter war erfolgreich: ein Wilderer, verhaftet nahe der Stadt Isiolo (Kenia). David Chancellor
Im Ol-Pejeta-Naturpark in Kenia geniessen die Tiere Schutz rund um die Uhr. David Chancellor

Ein schlechtes Gewissen hatte er nicht. Mitgefühl für Elefanten und Nashörner waren für ihn nichts weiter als eine Laune des weissen Mannes. Anfangs war das Töten für ihn ungewohnt. Dann wurde es zu seinem Job. Es lohnte sich, auch wenn die Jäger nur einen Bruchteil des Endpreises bekamen, den Käufer in Asien und anderswo bezahlten: 20 US-Dollar für einen Stosszahn, später 160 US-Dollar. Bei einem Durchschnittseinkommen von 150 US-Dollar im Jahr viel Geld.

Doch Lotak hat die Seiten gewechselt. Er ist jetzt Ranger. Dank der Gemeinde. «Ich habe aufgehört, als ich gemerkt habe, dass uns alle verachtet haben.» Seine Familie hatte ihn verstossen. Dann kam die Angst, verhaftet zu werden. «Das war kein gutes Leben.»

Gegenüber den Milizen ist Lotak ein Amateur. Die muslimischen Séléka und die christlichen Anti-Balaka in der Zentralafrikanischen Republik oder die Janjaweed mit ihren berittenen Kämpfern im Sudan betreiben das Wildern mit Kriegshandwerk. 2012 töteten Letztere im Nationalpark Bouba N’Djida im Norden Kameruns mit automatischen Gewehren und Handgranaten innert weniger Wochen 450 Elefanten. Nebst Blutdiamanten und Gold füllt Elfenbein ihre Kriegskassen.

Kämpfer der Lord’s Resistance Army (LRA) des ugandischen Warlords Joseph Kony betrachten den Nationalpark Garamba im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo als ihr Jagdrevier. Deserteure, mit denen der Journalist John Hemingway für seinen Dokumentarfilm «Warlords of Ivory» sprach, erzählen, wie Kämpfer der LRA das Elfenbein zu Fuss getragen hätten. Hunderte Kilometer durch unwirtliches Gelände, bis in den Sudan. Käufer fanden sie unter hohen Regierungsbeamten. Vom Geld kaufte die LRA Waffen.

Umstritten ist, wie viel Terrororganisationen wie die Boko Haram in Nigeria oder die al-Shabaab in Somalia am Handel mit Elfenbein verdienen. Zu Boko Haram gibt es Spekulationen, aber wenig gesicherte Fakten. Bei al-Shabaab sind sich Tierschutzaktivisten uneins. Die Elephant Action League glaubt, die Islamisten konnten dank der Einnahmen Anschläge in Kenia finanzieren. Traffic, eine Wildtier-NGO, sieht das anders. Klar scheint einzig, dass al-Shabaab den Elfenbeinschmuggel durch Somalia besteuert. Wie viel sie dabei einnimmt, ist unbekannt.

Die Jäger

Um einen Elefanten zu schiessen, wählt der Waidmann grössere Kaliber, von .375 H&H Magnum bis zur .700 N.E. Rückstossempfindliche Grosswildjäger wählen .375 H&H Magnum. Für einige ist .416 Rigby das Kaliber ihrer Wahl. Andere bevorzugen noch grössere Kaliber: Elefantenstopper. Kleinere Kaliber als .375 H&H Magnum sind grausam. Sie garantieren nicht das gewünschte Resultat, den schnellen Tod des Tieres. Egal welches Kaliber, es muss ein Vollmantelgeschoss sein, ein Solid. Für eine stärkere Tiefenwirkung.

Der König ist erlegt: stolzer Jäger in der Kalahari, Südafrika. David Chancellor
Töten zum Zeitvertreib: Nach der Jagd werden die Bilder auf den Social-Media-Kanälen gepostet. David Chancellor

Ideal für die Jagd ist die Trockenzeit, wenn Elefanten sich selten weiter als einen Tagesmarsch von einer Wasserstelle entfernt aufhalten und leichter auszufährten sind. Frühmorgens nehmen Fährtenleser die Spur eines Tieres auf. Es sollte ein männliches sein, am besten ein alter Bulle. Die Fährte sollte 55 bis 60 Zentimeter messen am Hinterlauf. (Das lernt man auf dem Jagdportal Namibia und auf anderen Grosswildjagd-Sites.) Wie alt die Spur ist, schätzen Tracker anhand verschiedener Faktoren. An der Losung. An Spuren nachtaktiver Tiere, die über die Fährte gelaufen sind. Hinter dem Tracker folgt der Jagdtross der Spur – Touristinnen, Berufsjäger und Träger. Oft ist es ein stundenlanger Marsch unter sengender Sonne. Dann, endlich ein geeigneter Elefant! Adrenalin.

Der Tourist pirscht sich an. An seiner Seite der Berufsjäger. Schon einige Trophäenjäger haben im entscheidenden Moment gezittert, den Elefanten bestenfalls verfehlt, schlimmstenfalls übel verwundet, doch das Tier konnte entkommen. Meist wittern Elefanten heranpirschende Menschen. Wenn ein Elefant sich bedroht fühlt, kann er gefährlich werden. Zu Tode getrampelte Jagdtouristen oder Einheimische beweisen es.

Die grosse Frage ist: Kopf- oder Blattschuss?

Ein frontaler oder seitlicher Gehirnschuss ist der Favorit des routinierten Jägers. Allen anderen empfiehlt sich der Herz-Lungen-Schuss durch die relativ weiche Hautfalte hinter den Vordersäulen. Die Chancen, hier den Elefanten auch mit einem unpräzisen Schuss zu töten, sind grösser. Eine häufige Szene: Der Trophäenjäger hebt die Büchse, schiesst. Daneben. Der Berufsjäger flucht, gibt einen Fangschuss ab, trifft den Elefanten frontal oder im Herz-Lungen-Bereich. Manch ein Elefant läuft noch zwei-, dreihundert Meter, bevor ihm die Vorderläufe einknicken. Einen kurzen Moment sieht er aus, als würde er beten. Dann kippt er zur Seite, bereit für das Erinnerungsbild mit seinem Jäger.

Ein Elefantenabschuss kostet je nach Land zwischen 20’000 und über 40’000 US-Dollar. Der Gesamtumsatz der Trophäenjagd beträgt laut World Economic Forum 200 Millionen US-Dollar pro Jahr.

Grosswildjäger argumentieren, die Trophäenjagd sei ein effizientes Mittel gegen Wilderei. Das Geld, das die Gemeinschaft dadurch verdient, sei Anreiz, die Tiere am Leben zu lassen. Damit werde ein Beitrag zur Arterhaltung geleistet.

Das hat etwas.

Aber nicht viel. Denn die lokale Bevölkerung erhält nur etwa drei Prozent der Einnahmen der Jagdveranstalter. Kaum ein Anreiz, vom Wildern zu lassen.

Dazu würden transnationale Verbrechersyndikate die Trophäenjagd längst als Tarnung missbrauchen, erzählt der Journalist Julian Rademeyer in «Gambling on Extinction». In Südafrika, wo die Trophäenjagd auf Nashörner noch erlaubt ist, tauchten ab 2005 verdächtig viele Jagdtouristen aus Vietnam auf. Auch Frauen, manche Prostituierte, erschossen legal Nashörner. Posierten fürs Foto, packten die Trophäe ein und fuhren Richtung Flughafen. Bei Zollkontrollen war das Horn allerdings unauffindbar. Die Trophäen hatten organisierte Kriminelle den von ihnen beauftragten Jägerinnen und Jägern längst abgenommen.

Der Markt II

Der Todfeind der afrikanischen Elefanten sitzt einen Kontinent weit weg: in Asien. Genauer gesagt, es ist der wachsende Wohlstand dort. Elfenbein ist in China ein beliebtes Geschenk für die politische und wirtschaftliche Elite, auch als Bestechungsmittel. Jeder, der etwas auf sich hält und die nötigen Mittel hat, beeindruckt seine Besucher mit ein paar wertvollen Stücken. In «Gambling on Extinction» sagt ein chinesischer Sammler, Menschen hätten schon immer lieber gefährliche Tiere getötet als Hühner. «Wir Menschen sind die Krone der Evolution. Wir sind die Sieger. Deshalb haben wir das Recht, unfair zu den Tieren zu sein.»

Ein weiterer Treiber der Nachfrage ist eine Mischung aus Volksmedizin und Trends. Der Glaube, Rhinozeroshorn könne Krebs und andere Krankheiten heilen, ist in Ländern wie Vietnam weit verbreitet. Dem Ansehen schadet es zudem nicht, wenn man es sich leisten kann, ein Stück der wertvollen Substanz zu verschenken. Vietnam hat sich zum Handelszentrum für Rhinozeroshorn entwickelt. Ein Kilo kostet laut Global Financial Integrity bis zu 65’000 US-Dollar. Nicht alle können sich einen Grosseinkauf leisten. Das Horn ist teurer als Platin. Darum finden Rhinozeroshorn-Partys statt. Die Gäste haben im Vorfeld ein paar tausend US-Dollar bezahlt. An der Party zerteilen die Händler das Horn und geben den Gästen das Gewicht, für das sie bezahlt haben.

Kein Wunder, lassen sich Schmuggler einiges einfallen, damit sie nicht auffliegen. Eine beliebte Massnahme ist, das Horn so umzufärben, dass es wie Holz aussieht.

Beamte im Hafen von Mombasa fertigen täglich 2500 Container ab. Jeder fünfte enthält Wildtierprodukte. Sie reisen mit Drogen, Waffen oder Menschen an ihren Bestimmungsort. In einigen beschlagnahmten Frachtcontainern fanden Zollbeamte die Drogen sogar in illegalen Wildtierprodukten versteckt. 2016 beschlagnahmten Zollbeamte insgesamt vierzig Tonnen Elfenbein. Handelswert über dreissig Millionen US-Dollar. Ein Bruchteil der Ware, die nach Asien gelangt.

Aus Afrika heraus nutzen die Schmuggler nicht unendlich viele Wege. Laut Andrea Crosta, Co-Gründer der Elephant Action League, sind es der Hafen von Mombasa in Kenia, die Häfen von Sansibar und Dar es Salaam in Tansania, der Hafen von Maputo in Moçambique und Kapstadt in Südafrika. Dazu kommen die internationalen Flughäfen in Kenia, Tansania, Südafrika und ein paar in Zentralafrika.

Das meiste Elfenbein ist für den asiatischen Markt. Die Hälfte davon für China.

Nur transnationale kriminelle Organisationen verfügen über Logistik und Finanzen für den Schmuggel grosser Mengen. Drahtzieher sind Asiaten in Afrika oder Asien, in China, Thailand, Kambodscha, Vietnam, Malaysia oder Japan. Einige der Netzwerke sind hoch spezialisiert. Andere sind bereits im Drogen-, Menschen- oder Waffenhandel aktiv und diversifizieren in ein neues, profitables Geschäftsfeld.

Ein Elefantenabschuss kostet je nach Land zwischen 20’000 und über 40’000 US-Dollar. David Chancellor

Flache Hierarchien und die Austauschbarkeit ihrer Mitglieder zeichnet die meisten dieser Netzwerke aus, sagt Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität beim International Fund for Animal Welfare (IFAW). Die Wilderer, Milizen, Mittelsmänner und Broker in afrikanischen Grossstädten sowie die Händler in Asien, sie alle sind Teil der Organisation. Ebenso wie die korrupten Beamtinnen, die in den Häfen von Dar es Salam, Mombasa und Hongkong für eine reibungslose Abwicklung der Fracht sorgen. Und alle sind ersetzbar. Auch die Drahtzieher. Fällt jemand aus, sitzt am nächsten Tag jemand anderes auf dem Stuhl.

Die NGO Elephant Action League recherchierte ein Jahr lang über Verbrechersyndikate in der chinesischen Stadt Shuidong. Im Gespräch mit Gangmitgliedern erfuhren die Rechercheure, wie die kriminelle Organisation – eine von über zwanzig aus Shuidong – seit zwanzig Jahren Elfenbein nach China schmuggelt.

Ihre Methoden:

  • Supply Chain Management: Wichtig sind sichere Transportwege und vertrauenswürdige Komplizen. Falls Ermittler die Kette sprengen, schmieden die Drahtzieher neue Allianzen.

  • Spezialisierung: Stosszähne aus Afrika gelangen zu chinesischen Grosshändlern. Dieser Teil der Lieferkette ist am lukrativsten und birgt das geringste Risiko.

  • Risikoverteilung: Investoren tragen das Risiko einer Ladung mit. Im Falle einer Beschlagnahme ist das finanzielle Risiko auf vielen Schultern verteilt. Und die Finanzierung des nächsten Transports gewährleistet.

  • Direkten Kontakt vermeiden: Einheimische verrichten die riskante Arbeit der Wilderei und Lagerung.

Anders als bei illegalen Gütern wie Drogen oder Menschen riskieren die Drahtzieher beim illegalen Handel mit Wildtierprodukten wenig. Sollten sie einmal Pech haben, ist der Ärger gering. Meist kommen sie mit lächerlichen Geldstrafen von ein paar hundert Euro davon. Auch wenn langjährige Gefängnisstrafen mancherorts möglich wären – Geld regelt vieles.

Das grösste Risiko tragen die Wilderer. Bei manchen Rangern sind sie zum Abschuss freigegeben. Werden sie erwischt, droht je nach Land Gefängnis oder eine Geldstrafe, die sie ruiniert.

Unruhig leben auch die Strassenhändler in China. Werden sie des Verkaufs nicht zertifizierten Elfenbeins überführt, drohen ihnen fünf bis zehn Jahre Gefängnis.

Was für eine Rolle die Weltmacht China spielt und wo der kleine Hoffnungsschimmer für die Wildtiere liegt, lesen Sie «»in Teil 2.



Quellen

Sie interessieren sich vertiefter für den illegalen Handel mit bedrohten Arten? Hier eine Liste mit Quellen und Links:

Der International Fund for Animal Welfare IFAW setzt sich seit 1969 weltweit für Tiere ein.
Rikkert Reijnen, Programmdirektor Wildtierkriminalität, sowie weitere Expertinnen und Experten gaben Auskunft.

Sie finden etliche Publikationen zur Trophäenjagd, zum Handel mit Wildtieren und Wildtierprodukten sowie zu verschiedenen Tierarten unter www.ifaw.org

Louise Reynolds, Executive Officer bei der International Ranger Federation, half, an detaillierte Informationen über den Kampf zwischen Wilderern und Rangern im Nationalpark Garamba zu kommen. Die IRF setzt sich weltweit für Ranger ein.

The Thin Green Line Foundation versorgt Ranger und deren Familien in armen Ländern und Konfliktzonen mit Nothilfe, Training, Ausrüstung.

Bei der Game Rangers Association of Africa erhält man einen guten Einblick in die alltäglichen Gefahren von Rangern.

Dank an die Vertreter der Association des Rangers Congolais, Mitglieder der Game Rangers Association of Africa.

Der World Wildlife Fund und seine Büros in Afrika bieten einen guten Überblick und Details über Elefanten, Nashörner und Wilderei.

Handel mit Drogen, Waffen, Menschen, Wildtieren: Einen guten Überblick über die Märkte der organisierten Kriminalität finden Sie im Bericht Transnational Crime and the Developing World von Global Financial Integrity.

United Nations Office on Drugs and Crime (Unodc), World Wildlife Crime Report. Detaillierter Bericht über den illegalen Handel mit Wildtieren, Wildtierprodukten, Fisch und Hölzern. Mit Fallstudien zu Elfenbein, Rhinozeroshorn, Reptilien, Gürteltieren, Papageien usw.

Die Environmental Investigation Agency recherchiert Wildtierkriminalität. In einer einjährigen Recherche entstand etwa der Bericht The Shuidong Connection: Exposing the global hub of the illegal ivory trade über chinesische Verbrechersyndikate.

Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, das Washingtoner Artenschutzabkommen mit Büro in Genf mit Informationen zum International Consortium on Combating Wildlife Crime.

Die Website des Magazins Jagen Weltweit gibt einen Überblick über Jagdreisen in der ganzen Welt und Tipps zur Jagd.

Die investigative NGO Elephant Action League des Italieners Andrea Crosta hat u. a. die Handelswege von Elfenbein recherchiert.

Gambling on Extinction, Dokumentarfilm USA, 2015

Der Vorschlag der Wissenschaftler der Universität Botswana: Live by the gun, die by the gun, South African Crime Quarterly.

Studie zur Auswirkung der Trophäenjagd: Economic and conservation significance of trophy hunting in sub-Saharan Africa.

Eine ausführliche Sammlung von Links, Dokumentarfilmen und Berichten über Wilderei, www.poachingfacts.com

Auch das WEF hat Informationen zum Thema zusammengetragen.

Was Elefanten sind I: Conserve elephants. They hold a scientific mirror up to humans, «The Economist».

Was Elefanten sind II: If you were an elephant, «The Guardian».

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