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Debatte

USA-Serie: Was führte zur Wahl von Donald Trump – Rassismus oder Klassenkampf?

Diskutieren Sie mit den Reporterinnen Anja Conzett und Yvonne Kunz.

29.01.2018

Der Wahlsieg von Donald Trump hat Prognostikerinnen, Kommentatoren und Wissenschaftlerinnen in eine Krise gestürzt. Was ist die Erklärung dafür, dass die USA diesen Präsidenten gewählt haben? Heute dominieren zwei Erklärungsansätze: Rassismus oder Klassenkampf. War es ein Aufstand des weissen Amerikas? Oder waren es die zunehmenden Einkommensunterschiede, der Niedergang der Mittelschicht und der Aufstieg einer Kaste der Superreichen, die Trump ermöglicht haben?

Lesen Sie die fünfteilige USA-Reportage und diskutieren Sie mit den Autorinnen Yvonne Kunz und Anja Conzett.

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Auch ich hab es endlich gechafft.....
JA möglich. Auch der Knatsch der Ladys. Leider etwas viel Musikparfüm. Wirkt irgentwie trendi schicki. Eigentlich unnötig. Etwas viele Freaks vorgeführt unterwegs. Wenig 'normales' Fussvolk. Die gibt es nähmlich auch. Sind aber halt wenig sexi. Hab mich schon durch die Lektüren der beiden Bücher DIE ABWICKLUNG von Georg Packer und der HILLBILLY-ELEGIE von J.P.Vanc vorher mit dem Zustand des Landes befasst. Grossartige Lektüre! Auch die Romane von RICHARD RUSSO können helfen die Lage der US Nation zu verstehen.
Am Schluss der Hetzreise (auch TUI hetzt so durch Kontinente) hätte ich mit gewünscht die Ladys wären die ganze Zeit in Charleston geblieben. Hätten viel Benzin gespart und dort tiefer bohren können. Hätten Schicht um Schicht abgetragen. Zum Beispiel auch mit Menschen geredet die noch Arbeit haben. Vielleicht auch mit den BÖSEN - den Unternehmern. Mit den Reichen. Jenen die Trumpf hochfinanziert haben und nun kassieren.
Schickt sie doch bitte wieder los die Beiden. Auch um am persönlichen Knatsch auch noch ein bisschen weiter zu drehen. Den Konflikt aktiv suchen und dabei ständig im Auge behalten wie man sich doch zugeneigt ist. Das wärs doch? Oder sehe ich das zu romantisch? Streiten und sich trotzdem lieben. Tönt etwas kitschig ich weiss.

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Endlich habe ich es auch noch geschafft diese Reportage zu lesen. Vielen Dank für dieses sehr starke und persönliche Stück Journalismus! Es war zwar manchmal deprimierend aber hat für mich sehr spannend aufgezeigt was mit einem Land passieren kann wenn alle sich vollständig in ihre Blasen zurückziehen und was diese "the winner takes it all"-Gesellschaft mit Menschen, welche eben nichts oder nicht mehr viel haben, macht.

Sehr spannend fand ich auch den Konflikt der beiden Journalistinnen. Klasse oder Rasse, Identitätspolitik vs. das grosse Ganze finde ich sehr spannende Fragen. Ich bin hier eher im Team Anja zu verorten, habe ich doch auch bei uns manchmal das Gefühl, dass sich die zunehmende Fokussierung der Linken auf (meines Erachtens z.T. auch sehr theoretische) identitätspolitische Themen stark dazu beiträgt, dass auch Menschen in diesem Land ihre Sorgen nicht mehr geteilt fühlen. Aber vielleicht ist das wiederum nur die (falsche?) Sichtweise eines weissen heterosexuellen Mannes der - dessen bin ich mir voll bewusst - zu den Hauptprofiteuren in der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung zählt.

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Für all jene, die gerne mehr über die Menschen in den USA und den Bruch, der sich durch die Staaten zieht, lesen möchten, empfehle ich das Buch "A Book of American Martyrs" (2017) von Joyce Carol Oates.

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Liebe/r Anja, Yvonne und Reto: Ich habe eure Reportage gelesen wie ein gutes Buch -> jede einzelne Episode verschlungen, aber zwischen den einzelnen Teilen lange Pausen eingelegt, damit das Lesevergnügen nicht endet. Die Bilder laden zum Träumen ein und die Playlist - ein wunderbares Detail! Allen meinen Freunden hab ich von euch erzählt & dass sie es lesen müssen :) Danke! Vielleicht schreibt ihr ja irgendwann weiter dazu. Meine Hoffnung stirbt zuletzt.

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Beides. Die Welt fällt auseinander und die Menschen ziehen sich aus Angst zurück. Dadruch werden alle Gruppierungen stärker von einander abgegrenzt. Unsere Aufgabe ist es, Gegensteuer zu geben.

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Interessante Reportage, tolle Texte und Fotos. Ich bin sehr gerne mitgereist. Allerdings ging mir die Konfliktgeschichte der beiden Autorinnen mit der Zeit auf die Nerven. Ich fand das ganze etwas übertrieben. Es ist nicht immer schwarz oder weiss, entweder oder, Klasse oder Rasse. Es ist eben, wie so oft im Leben, beides. Über unterschiedlichen Ansichten sollte man doch wie erwachsene Menschen diskutieren können. Ich hab's nicht ganz verstanden. Ansonsten fand ich die Reportage mit den tollen Interviews und den wunderbaren Landschaftsbeschreibungen wirklich gut und lesenswert! Danke dafür!

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Mir hat eure Reportage auch sehr gut gefallen! Nicht nur weil sie mich völlig an die Orte versetzte, sondern auch weil so anschaulich wurde, wie viel schwieriger es ist mit den Menschen zu reden als über sie. Dadurch wurde die Frage wie man denn zusammen leben soll/ kann, wenn gewisse Gräben nicht überwunden werden können, eigentlich zum Wesentlichen, was es ja auch ist. Ich denke Hoffnung besteht, solange man sich diese Frage immer wieder auf's Neue stellt.

Was die Auseinandersetzung mit der Klasse anbetrifft: vor den Wahlen sagte mir eine ehemalige Schulfreundin aus Texas, Sanders hätte schon allein weil er bekennender Sozialist sei niemals eine Chance gewählt zu werden (weshalb sie Hillary wählte). Ich frage mich welche Chance eine Auseinandersetzung mit Klassen bei einer derartigen Sozialismus/Kommunismus-Phobie überhaupt haben kann?

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Die abgrundtiefe Naivität, die jahrzehntelange TV-Gehirnwäsche, die aus Europa importierte, konservative Religiosität, das desolate Schulsystem, FoxNews und alle politisch und rassistisch durchgefärbten Medien, Carthyismus, Vorurteil-geladener Journalismus basierend auf eingebenden Fragemustern, Sensationsjournalismus anstelle von sofortiger Gegendarstellungen bei Fakes, Raubtier-Kapitalismus (anti soziale Globalisierung)... das alles hat zu Trumps Wahl beigetragen

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Liebe Republik

Erstmal vielen Dank für die tolle Reportage und euer Magazin im Allgemeinen.

Ich würde mir aufgrund fehlenden theoretischen Wissens niemals eine fundierte oder relevante Analyse des Kerns des Problems anmassen. Aber ich habe vor schon fast zehn Jahren ein Jahr in den USA verbracht und mir seither immer wieder Gedanken zum Thema gemacht.

Mir fällt in letzter Zeit immer wieder auf, dass gängige Erklärungsversuche stets bei der Einzelperson ansetzen. Man versucht zu verstehen, warum die Einzelne Trump gewählt hat, oder versucht zu verstehen, inwiefern die Klasse oder Rasse eines einzelnen Menschen Auswirkungen auf sein Wahlverhalten und Denken hat.

Der plakativste Weg, das Leben in Amerika zu beschreiben, war für mich die Aussage: "Living in the US is great, until you break your leg. Then, you're fucked."
Das trifft den Nagel nahe des Kopfs. Man kann in Amerika, und das hat durchaus auch gute Seiten, tun und lassen, was man will. Man taucht in Subkulturen ab, die einen in einer eigenen Realität leben lassen.
Die meisten Amerikaner haben wohl immer noch das Gefühl, dass diese grosse "Freiheit", über sein eigenes Leben entscheiden zu können (d.h. die Möglichkeit, den "American Dream" verfolgen zu können), etwas Gutes sei.

Ich erlebe diese Möglichkeiten, gerade in der Schweiz, als weit weniger ausgeprägt. Und ich glaube, dass dieses subjektive Gefühl von Freiheit zwar für gewisse einzelne Menschen kurzfristig zu Glück führen kann, aber eine Gesellschaft im Kern kaputt macht. Wir haben in der Schweiz das unglaubliche Glück in einem System zu leben, das dies in der Form nicht zulässt und sollten meiner Meinung nach dazu Sorge tragen.

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anja + yvonne + reto,

bitte setzt in einem jahr, ungefähr, eure reise fort. oder wiederholt sie, in umgekehrter richtung, von west nach ost. von seattle über haverford nach fort lauderdale, vielleicht. und berichtet bitte wieder so genau darüber – gern noch ausführlicher, wenn ihr das aushaltet.

ob ihr euch in der zwischenzeit verändert habt, oder das bereiste land sich verändert, oder beides, werdet ihr daran festmachen können, ob ihr eine zweite USA reportage-reise wie eine fortsetzung oder wie eine wiederholung erlebt.

wer sich abends überlegt, "i did it my way" zu hören, sich dann aber doch für "brothers in arms" entscheidet, dem hör ich gern zu.

christoph

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Wie sieht die Schweiz in 10 Jahren aus?

Bislang erfolgte in der Schweiz die neoliberale Transformation abgemildert und zeitverzögert. Zumindest was die Auswirkungen auf die Reallöhne und Renten der Arbeitsbevölkerung betrifft. Zugleich gibt es zunehmend „Working Poor“ und Prekarisierung, aber dieser Prozess verläuft nicht in der Brutalität, Geschwindigkeit und dem Ausmass wie z.B. in Deutschland. Aber auch in der Schweiz hat sich in erheblichen Umfang neoliberales Denken strukturell verankert. So z.B. hinsichtlich der Privatisierungen von Gemeineigentum, im Bildungswesen, im Gesundheitssystem und in der Wissenschaft.

Schaut man z. B. auf Frankreich und Österreich, so findet dort durch die neuen Regierungen eine Akzeleration der neoliberalen Transformation statt.

Wird auch in der Schweiz der „Klassenkampf von oben“ härter?

Sind z.B. die No-Billag-Initiative und der Umgang mit den Mitarbeitern bei der SDA Anzeichen davon?

Bei kritischer Analyse zeigt das Beispiel USA, dass der Rassismus ein Mittel des „Klassenkampfs von oben“ ist. Untereinander verhält sich die Oberschicht keineswegs rassistisch und in ihren Unternehmen bekämpft sie Rassismus.

Aber ihre Politik ist rassistisch und spaltet die Klasse der Lohnarbeitenden. Die von Armut und Elend Betroffenen kämpfen gegeneinander. so dass dort keine Solidarisierung gegen den „Klassenkampf von oben“ und für eine Systemtransformation stattfindet.

Wer die Ursache der Zustände in den USA im „Rassismus“ sieht und sich gesellschaftlichen Fortschritt durch einen „Kampf gegen den Rassismus“ erhofft und propagiert, ist auf ein Framing hineingefallen und macht sich unbewusst – wie es früher hiess – zu einem „nützlichen Idioten“ der Herrschenden.

Ist diese neoliberale Transformation systemimmanent aufzuhalten? Durch wen und wie?

Von Daniel Binswanger wird in seinem Artikel „Die Pluto-Liberalen“ bei der Wirtschaftselite in Davos eine „Schizophrenie“ diagnostiziert.

Aber wird damit die Realität erfasst?

Denn Schizophrenie ist eine Störung, bei der die Betroffenen nicht zwischen Wahn und Realität unterscheiden können, weil sie ihren Wahn als Realität erleben.

Diese Eliten können jedoch sehr klar zwischen der Realität und dem, was sie verlautbaren, unterscheiden. Sie wissen, dass ihre Aussagen falsch sind. Es sind bewusste und gezielte Lügen. Der Adressat sind die Massen, denen Illusionen und ein falsches Bewusstsein vermittelt werden.

Diese Eliten sind Teil der herrschenden Klasse, einer kleinen Minderheit, die in der heutigen neoliberalen Ära ein „Raubrittertum“ praktiziert, sich skrupellos bereichert, während die arbeitenden Klassen immer mehr enteignet, übervorteilt und ärmer werden.

Zugleich will die herrschende Klasse die Systemloyalität aufrechterhalten, will einen wirklichkeitsfremden Optimismus verbreiten und mit Populismus das Verhalten der Massen beeinflussen.

Deshalb deuten die Leader und Propagandisten der herrschenden Klasse die Realität um. Und es werden Illusionen der Öffentlichkeit verkauft, wie z. B. jetzt beim WEF.

Solche Umdeutungen werden in Orwells „1984“ als „Doublespeak“ bezeichnet.
Aus Angriffskriegen werden „friedenserhaltende Missionen“, Ausplünderungen der Bevölkerung werden „Rettungsschirme“ genannt.

Aus der Demokratie wird „Postdemokratie“.

Die falschen Realitätsbeschreibungen der Eliten resultieren nicht aus einer schizophrenen Störung, sondern sind kalt-berechnender Betrug. Ein legaler Betrug.

„Schizophrenie“ ist daher ein völlig falsches Framing, welches die LeserInnen in die Irre leitet.

In den Zeiten der Postdemokratie tendieren die Medien dazu, Realitätsumdeutungen und Realitätsfalschdarstellungen im Interesse der Reichen und Mächtigen vorzunehmen mit dem Ziel der bewussten Fehlinformation und Irreführung der Bürger.

Daher die zunehmende Kritik an den Medien als „Lügen- bzw. Lückenmedien“.

Wir leben in einer Zeit, die immer mehr die Züge einer sozialen Dystopie annimmt, wie von Orwell in „1984“ beschreiben.

Die medial vermittelte Realität ist das eine, die tatsächliche Wirklichkeit das andere.

Wie die Diagnose einer „Schizophrenie“ ist auch „Rassismus“ ein falsches Framing.

„Klassenkampf von oben“, „neoliberale Transformation“, „zivilisatorischer Niedergang“, „Kapitalismus im Selbstdestruktionsstadium“ etc. sind realitätsadäquate Begriffe.

Aber diese finden sich nicht in den affirmativen Medien …

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"Was ist die Erklärung dafür, dass die USA diesen Präsidenten gewählt haben? Rassismus oder Klassenkampf?"

Beide Erklärungen sind falsch, weil niemand eine Wahl aus einem einzigen Grund gewinnt. Trump hat nicht nur mit seinen rassistischen Sprüchen gepunktet. Er hat es auch verstanden, Hoffnung zu wecken auf eine grossartige Zukunft und seine Gegner als Verlierer darzustellen. Stimmungsmache zahlt bei Wahlen mehr als die halbe Miete: Hillary Clinton hat zu wenige vom Hocker gerissen.

Bei der Zuspitzung auf schwarz/weiss gegen arm/reich geht die dritte Dimension verloren: Gewonnen hat - wie bisher immer - ein Mann. Und wie verorten wir einen vierten, den geographischen Gegensatz? Die meisten US-Staaten sind ländlich geprägt. Die Wahlmänner aus der Provinz haben dem Rüpel aus New York den Sieg gesichert. Die coole ex-Senatorin aus New York hat auf dem Land zu wenig gepunktet.

Die grosse Reportage fand ich dort stark, wo Menschen zu Wort kommen und Lebensumstände geschildert werden. Die emotionalen Diskussionen und der Knatsch zwischen Anja Conzett und Yvonne Kunz haben mich gelangweilt und auch etwas traurig gestimmt. Ich hätte gerne eine grosse Geschichte zum komplexen Debakel in den USA gelesen. Ein Team mit drei Leuten kann mehr Realität einfangen, als eine einzelne Journalistin. Doch dazu sollte die Chemie stimmen. So blieb es halt bei einer Sammlung von erhellenden Kurzgeschichten verbunden mit einem wenig geglückten psychologischen "road movie".

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Blattkritik "die Republik" von Ariane Tanner in gestriger Ausgabe "Republik"

Sehr geehrte Ariane Tanner, danke für Ihre «Blatt»-Kritik. Das meiste kann ich unterschreiben. Insbesondere vor den Kopf gestossen hat mich – und noch viele andere potentielle Leser – die Anmassung, wir hätten keine Zeit zur Aufschlüsselung des Zeitgeschehens, aber «die Republik» sei jetzt dafür da, uns die Arbeit abzunehmen. - Mit dieser arroganten Haltung hat die «Republik» einen gehörigen Teil möglicher «Mit-Verleger» vergrault.

Mein Versuch, die «Republik» kennenzulernen…
… glich dem Erstbesuch eines neugierig gemachten Gastes in einem gerade eröffneten Restaurant. Als Visitenkarte eines Lokals koste ich immer zuerst den ausgeschenkten Kaffee. Der «Republik»-Kafi waren die pompösen Einführungs-Worte der Macher – dieser Kaffee schmeckte schal und war zudem nur lauwarm.
Darauf vertiefte ich mich in das Gourmet-Menu der amerikanischen Reportagen, die mich mächtig interessierten. Befremdet hat mich allerdings das Beigemüse der anfänglichen Freundschaft der Autorinnen, die sich in offene Fehde verwandelt. Was soll das? Ein wenig «human touch» für die von der Story gestressten Leserschaft? (Schon wieder, die Leser nicht ernstnehmen, die wissen ja nichts.)
Ist das, was Amerika heute spaltet, nun Klassenkampf oder Rassismus? Spielt sich der Klassenkampf denn nicht innerhalb einer mehrrassigen Gesellschaft ab, die wenigstens in den «unteren Schichten» um ihre Existenz kämpfen muss? Einem wesentlichen Teil der in Amerika wohnenden Bevölkerungen ist der «american dream» längst geplatzt. Entsprechend gross ist die Kriminalität, weil die Schwarzen die gleichen Chancen anstreben wie die Weissen. Entsprechend fürchtet die weisse Unterschicht, dass sich die Farbigen ein grösseres Stück vom Kuchen abschneiden könnten. Nicht nur durch illegale Tätigkeiten und Verbrechen, sondern durch Angleichung des Wissens und oft auch Übertrumpfen der bisher zweituntersten Schicht. Aus dem untersten Gesellschaftsteil kommen plötzlich Anwälte, Ärzte, Hochschulprofessoren. Und der Gipfel: Ein Schwarzer wurde sogar acht Jahre lang Präsident!
Im Vergleich zu Indien, wo durch das Kastensystem noch ein wirklicher Klassenkampf besteht, den kaum je einer der unteren Schichten gewinnen könnte (ein Paria bleibt ein Leben lang Paria, weil er von Parias aufgezogen worden ist) schlüpfen in Amerika heute bisher Unterprivilegierte in obere Klassen, leben in von Wachen abgeschirmten Siedlungen reicher Leute, leisten sich einen Cadillac und essen in den vornehmsten Restaurants. Im Gegensatz zu Europa, wo ein Klassenkampf von unten nach oben existiert, auch wenn sich die Kampfformen heute weitestgehend verniedlicht haben, herrscht in den USA der Kastenkampf der zweituntersten Schicht z.B. arbeitsloser Kohlebergwerkkumpel gegen die in deren Augen «privilegierten» Farbigen.
Klassenkampf in den USA ist Rassismus. Und dass ein Donald Trump amerikanischer Präsident werden konnte, verdankt er seinen Medien, seinen Taschenspielertricks, den Armen angeblich ein besseres Leben zu verschaffen, und dabei selber tüchtig abzusahnen.

Fazit nach zwei Wochen

Jetzt habe ich kaum ein gutes Wort für die «Mit-Verleger», die bezahlten also, gefunden. Und dabei ist doch «die Republik» ein Lichtblick im sich wandelnden Spektrum des internationalen Medienwesens. Drum zum Schluss: Macht bitte weiter so. Lasst die streitenden Autorinnen ihre Fehde hinter verschlossenen Türen austragen, werdet zum verschworenen Team und nehmt uns gestressten Abonnenten ein bisschen mehr ernst. Ihr dürft uns die Leviten lesen, Ihr könnt Satire bringen wie die glob(i)alen Verse zum WEF. Ihr dürft uns Bauchweh machen, wenn Ihr unser Schweizer Wesen durchleuchtet und dabei nicht alles goldig und rosig findet. Herzlichst Bernhard Schindler

Bl

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Na, ja, ich weiss nicht, ob man sich für die Trump-Erklärgung in allzu hochstehende Theorien über weiss-schwarz oder soziale Unterschiede versteigen muss.

Es ist doch so ziemlich wie überall: Patrioten. In der Schweiz die SVP, in den USA die Kohlenarbeiter und die Waffenträger (in der Schweiz übrigens auch). Patrioten führen zu Nationalismus - America first - aber vorher kommt die Schweiz - ähem. Und sie wählen diejenigen Politiker, die ihnen nach dem Mund reden.

Also, liebe Anja Conzett und Yvonne Kunz: befrieden Sie sich wieder! Es ist villeicht einfacher, als viele denken. Übrigens: fantastisch, die Fotos - und interessante Interviewpartner!

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Habe diese Reportage-Serie sehr gerne gelesen und mich jeden Tag darauf gefreut. Ich wünschte mir dieses Thelma & Louise Road-Movie würde noch lange so weitergehen. Diese journalistische Tiefen-Dimension habe ich jedenfalls schon länger vermisst.

Da ich eben auch gerade 2 Jahre in den USA war und mich auch seit langem an ähnlichen Fragestellungen reibe, weiter unten einige Links, die für mich wichtig waren.

Und wieso eigentlich nur Klasse oder Rasse, wieso nicht beides und Sexismus sowie ein Klima der Hyperpolarisierung, aktive russische Propaganda, und statt uramerikanischem Optimismus Angst deklassiert zu werden - durch Technologie im Individuellen, durch China als Supermacht?

Klasse:
http://www.nytimes.com/imagepages/2…aphic.html
http://www.princeton.edu/~moll/dynamics.pdf
https://ergodicityeconomics.com/201…#more-1479
http://peterturchin.com/cliodynamic…ell-being/

Aber... Arme Leute wählen nicht; sie haben keinen "Sense of Agency".
https://medium.com/@datamapio/reno-…87e42ecea6
https://bostonreview.net/race-polit…mp-country

Rasse:
http://people.umass.edu/schaffne/sc…erence.pdf
https://www.propublica.org/article/…about-race
https://www.vox.com/policy-and-poli…ed-in-2016

Kaste:
https://www.citylab.com/equity/2018…em/551591/

Fake News/Hyper Partisanship
http://www.dartmouth.edu/~nyhan/fake-news-2016.pdf

Siehe auch:
http://www.people-press.org/interac…ison-2017/
http://www.people-press.org/2017/10…-and-left/
https://academic.oup.com/ijpor/arti…m=fulltext

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Vielen hat die Reportage gefallen, weil sie anschaulich ist, Erlebnisse vermittelt und durch die sprachliche Darstellung und Fotos die Leserinnen und Leser an der Reise teilnehmen lässt.

Meine Kritik daran ist, dass das Ganze deskriptiv und oberflächlich verbleibt und zu wenig zum Verstehen der Zusammenhänge beiträgt.

Wenn wir einen kranken Menschen treffen und dessen Symptome beschreiben, dann wissen wir nicht, was die Ursache ist, die diesen Krankheitsprozess hervorgerufen hat.

Daher bedarf es der Analyse, welche in der Medizin Diagnostik genannt wird. Die Diagnose ist Voraussetzung für eine effektive Therapie.

Es wird in der Reportage anschaulich dargestellt, wie krank die US-amerikanische Gesellschaft ist.

Als Krankheit begreift man die Symptome jedoch nur, wenn man die Gesellschaft als einen zusammenhängenden hocharbeitsteiligen Organismus (System) begreift. Wo das Tun der einen immer Konsequenzen für das Tun der anderen hat.

Eine Gesellschaft, die moralisch verfault, tut dies nicht nur an einer Stelle, sondern die moralische Fäulnis greift auf die gesamte Gesellschaft über.

Wir sehen in der Reportage nur Symptome: Abgehängte, überflüssige, exkludierte und prekarisierte Menschen.

Wir wissen, dass sie in großem Umfang psychotrope Substanzen konsumieren, Alkohol, Tabletten und illegale Drogen.

Wir können es uns denken, dass deren Lebenserwartung sinkt und die Suizidrate steigt.

Studien bestätigen dies: „Gesundheit: Das weiße Sterben“.
http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-…ettansicht

Wir können uns vorstellen, dass aufgrund dieser Umstände Menschen durchknallen und Amok laufen. Und vermuten einen Zusammenhang zur Zunahme von Aggressionen und Gewalt sowie zu den vielen Massakern.

Aber allein aus der Beobachtung und Deskription erhalten wir keine Antwort auf Fragen: Warum ist es so? Wie hat es sich entwickelt? Und dies im reichsten Land der Erde?

Um die Zusammenhänge zu verstehen, vorausgesetzt, man will dies überhaupt und nicht nur Erlebnisse und Unterhaltung konsumieren, braucht es die wissenschaftliche Analyse.

Wie kommt es, dass in einem technisch höchst entwickelten und so reichen Land wie den USA immer mehr Menschen im Prekariat, in Armut und Elend landen?

Das wäre m.E. die entscheidende Frage und nicht jene, warum diese deklassierten, abgehängten, exkludierten Menschen Trump wählen. Denn die Antwort darauf ist simpel: Weil sie sich von Trump eine Verbesserung ihrer Situation erhoffen.

Die Entwicklungen in den USA sind für uns deshalb so wichtig, weil in den USA der Kapitalismus am weitesten vorangeschritten ist und die Erfahrung zeigt, dass die Entwicklungen in den USA nach einer gewissen Zeit auch in Europa „ankommen“.

Wir sehen dies z.B. in Griechenland, aber auch im reichen Deutschland, wo ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung bereits prekarisiert ist. In Berlin ist davon bereits ein Viertel der Bürger betroffen. Selbst akademische Qualifikation schützt nicht vor Prekarisierung. Der Anteil der Akademiker macht bei den Hartz IV-Empfängern bereits 10% aus, Tendenz steigend.

Man hätte die Reportage übers Leben im Prekariat auch in Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Großbritannien etc. machen können. Oder in Berlin, dem Ruhrgebiet oder in Hamburg.

Prekarisierung scheint ein unaufhaltsamer Prozess in allen kapitalistischen Gesellschaften zu sein – trotz des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und der immensen Reichtumsproduktion.

So wie ein Mensch erkranken kann, so können auch Gesellschaften erkranken. Der große Wissenschaftler Alexander Mitscherlich sprach von der „Krankheit der Gesellschaft“.

Die prekarisierten, verarmten und verelendeten Menschen sind Symptome einer kranken Gesellschaft.

Klar, es ist ein Erlebnis, sich das Leben dieser Menschen im Prekariat anzusehen, besonders, wenn es unterhaltsam beschrieben wird und schöne Fotos sowie Popmusik dabei sind.

Aber ist diese Art von Journalismus das Konzept der „Republik“?

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Klasse/Rasse: beide sehr ähnliche Systeme im Dienste einer Oberschicht zur Unterdrückung und zur Spaltung (divide and conquer). Mir fehlte die Auseinandersetzung mit Geld/Macht und mit einem Wirtschaftssystem, das die meisten Menschen ausbeutet und nicht dient.

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Eure Arbeiten sind sehr gut. Für mich aber einfach zu lang. Ich bekomme so einen Artikel kaum in meinen Tag eingepasst.

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Viele faszinierende Begegnungen und interessante Beobachtungen, lesenswert. Mir persönlich war jedoch die Befindlichkeit der beiden insgesamt viel zu dominant - muss ich wirklich dauernd auf dem Laufenden sein, wie sich die Reporterin gerade fühlt? - und der Konflikt im Text zu didaktisch inszeniert . Vielleicht weckt die dramatische Ansage dieses Zerwürfnisses als Aufhänger zu Anfang die Neugier - auf Dauer dient diese Ebene in diesem Ausmass aber weder der Tiefe noch der Dichte des sonst so reichhaltigen Texts.

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Wie viele von euch hat mich die Reportage sehr bewegt. Ich habe eine etwas ausführlichere Diskussion der Serie bei der Medienwoche publiziert, welche viele der hier genannten Aspekte aufnimmt: https://medienwoche.ch/2018/02/01/d…reportage/

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Danke für diese sehr tiefe Reportage abseits der üblichen Betrachtung. Ich glaube „Race oder Class“ ist keine Frage: Es ist ein „einschliessendes oder“, also Race und Class. Es gibt sowohl zunehmenden Klassenkampf (die Elefantenkurve von B. Milanovic) als auch starken, tief verwurzelten Rassismus (ich habe in Detroit gelebt und war viel in den Südstaaten).
Aber diese Betrachtung ist mir noch zu einfach. Gesellschaften werden durch Geschichten zusammengehalten, die ihre gemeinsamen Werte begründen und sie so einen und die Energien der Einzelnen ausrichten. Die USA definierten sich über einige Geschichten, die lange Bestand hatten und von der Gesellschaft fortwährend verifiziert wurden: Vom Tellerwäscher zum Superreichen, von der Hoheit des weissen Mannes, vom Erfolg des strengen Glaubens und harten Arbeitens... Es funktionierte, weil die Welt in verschiedene Imperien eingeteilt war und somit jeder ganz natürlich in seiner kulturellen Blase lebte und darin froh werden konnte. Für Amerikaner, die früher in die Welt reisten, gab es Marriott, CNN, McDonalds, Coca-Cola etc. so dass man sich stets wie Zuhause fühlte. (Natürlich gab/gibt es auch nicht wenige US Bürger, welche die Welt kennenlernen wollten und im Ausland genau auf das verzichteten.)
Heute verwischen sich die Imperien mit ihren jeweils identitätsstiftenden Geschichten. Wir lernen von anderen Kulturen und deren Geschichten, über Migranten, die zu uns kommen, über Migranten, die von uns zu anderen gehen, über unsere Reisen, über Medien, über kulturelle Veranstaltungen etc. Wir erleben, wie sich immer mehr neue, rivalisierende identitätsstiftende Geschichten bilden, durch Realitäten (z.B. Klimawandel, Vermögensverteilung), durch Medien und ihre jeweiligen Eigner (z.B. Fox, Breitbart), durch Erfahrungen (z.B. viele streng Gläubige und hart Arbeitende sind gesellschaftlich abgestiegen), durch wirtschaftliche Interessen (z.B. Strukturwandel), durch technologische Entwicklungen (z.B. Kommunikation, künstliche Intelligenz) etc. Neue Geschichten entstehen auch aus einem neuen Imperium, der UN, getragen vom Konsens unter den Staaten. Diese Geschichten werden von den Staaten zunehmend übernommen, wenn auch in unterschiedlicher Geschwindigkeit: Menschenrechte, Arbeitsstandards, Umweltstandards, etc. Gute Geschichten, denn statt Kriege um die Deutungshoheit zu führen lösen wir heute viele Konflikte am Verhandlungstisch. Wir sind auf gutem Weg globale identitätsstiftende Geschichten zu etablieren – gegen viele Widerstände natürlich.
Auch die Wirtschaft hat sich dramatisch verändert. Mächtige Unternehmen konzentrieren sich auf wenige hochprofitable Aktivitäten und lagern alles andere an Lieferanten aus. So wurden in den G7 enorme Gewinne erwirtschaftet, die aber oftmals nicht in die gesellschaftliche Entwicklung investiert wurden. China hatte die Chance erkannt, und über diese weniger lukrativen Jobs eine Wirtschaft aufgebaut und weiterentwickelt – mit Vision, Strategie und harter Umsetzungsarbeit. Jetzt steht Amerika vor der drängenden Erfordernis eines lange verschlafenen, nun radikalen Strukturwandels – und da kommt vielen die Therapie, zurück in die Zeit, in der noch alles gut war (in unserer Erinnerung zumindest), gelegen. Aber das Morgen kommt unerbittlich, auch wenn wir uns das Gestern wünschen.
Schlussendlich hat auch die heute dominante Konsumhaltung tiefe Veränderungen gebracht. Heute konsumieren wir Politik. Viele Menschen wählen Abgeordnete und ziehen sich dann aus den laufenden politischen Diskussionen zurück, denn sie erwarten, dass der Abgeordnete ihre Interessen vertritt – und werden gegenüber der Politik immer mehr verbittert, da sie feststellen, dass die Abgeordneten andere Agenden verfolgen.
Ich sehe der Zukunft positiv entgegen. Viele junge Menschen glauben an die neuen globalen Geschichten und engagieren sich in Organisationen, welche die etablierten Organisationen ablösen. Es ist eine Zeit extremem Wandels, und Trump beschleunigt diesen – zum Wohl der Welt; ob zum Wohl der US Gesellschaft wird sich zeigen. Da glaube ich aber an den Pragmatismus der Amerikaner: Wenn sie bemerken, dass sie vom Zug der Zeit abspringen, werden sie ganz schnell wieder aufspringen - mit einem Zeitnachteil natürlich: die Kosten für die Trump-Ära.

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Das für mich Interessanteste an dieser Amerika-Reportage. Was diese Reise mit den beiden Autorinnen macht. Zwei Frauen, die sich mögen, verstreiten sich bis zur Sprachlosigkeit und erleben die Wirkung dieses gespaltenen Landes an sich selbst.

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Endlich kann ich mein Riesenkompliment für Reto Sterchi anbringen.Fotos und Text zusammen sind ein Guss. Ganz tolle Bilder!!

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TERRIFUCK OFF THE RECORD

OHNE DAS TOTALE CHAOS ZU ENTRÖMPELN, WISSEN WIR NIE, OB AM ARSCH AMERIKAS EIN AFRIKANISCHER ORDEN HÄNGT. DAFÜR MUSS MAN UNDER GROUND RAIL ROAD SCHON LESEN KÖNNEN. ES KANN ÜBERALL GO REGNEN KOMMEN, LIBANON DÄMONTRASTIV SINKEN, WENN KURZ MEHR KÄLTE KOMMT, WAR IRMA FAKE. MAKE AMERICA GREAT. IVAN, AM LIEBSTEN MAG ER DOG AN GROSSER SAUCE, IVAN KANN LANG FINDEN, WAS TOXISCH IN PINSELN AUS CHINA WAR, KOSCHR ÖDE REGELN GELTEN IM OSTEN MEHR. «CHO, CHO, DROCK OF SKI GÄH», WILL SEIN COACH IN DAVOS. GUT ZUREDEN KANN DER SCHWEIZER GUT, DIE SCHNELLSTE IST EHER, WONN ÜBERSEH ER, GANZ VON UEBERSEE. FAST SCHIFF ER IN DIE HOS, MEINT ER, NUR VOM SCHAUN, DAS SCHAFF NUR SIE. PRINZIPIELL ZIEHN IN EX-SOWJETUNION AFFINEN LÄNDERN ANDRE MITTEL MEHR. OB MAN REINMETALL ODER BROT SCHENK, OH, WAS KANN MÜTTERCHEN…, WIR GEBEN NUR STEP BY STEP AN OVA-MALTINA INS VISIER. DIE WADA, DENK SIE AU PINGELIG DA, ERWARTET KO REAKTION, AUCH IN ANDER REGION. MAN FRAGT, OB ACH, OB ACH, OB AUCH VOM IOC, OH MANN, ESS MANN EH, EINER EIER IM MAUSLOCH HAT. DAS SCHEINT IVAN IM ELAN… JA, FUCKING ATONAL DA; WO EIN BLONDES BÄRLI’N KOLNER TRIFFT, MEINT ES ECHT NIE, ES KENNE DIE BERLINER. WIRD DER CLEAN TON ERGO SIN LAUDE VER-FEHLT, WARTET ANDRE GANZ IM KERKER, KIM’S SOHN UN-GESEHN, DER SCHW…, AUF DIE TODESSTRAFE. WELL, SIND ALLE BLIND, BLOSS IGOR BAT SCHO VOR DER WENDE, IM HOHNE KERN DEN RASPUTIN ZU SEHN. TOLL, VERDAMMT, DEN RUSSEN SOLLSCH EH NIE ZIEHN LASSEN, BEVOR DER DIEBSTAHL IHN ZU GEGEBENER ZEIT REUIG GEMACHT HAT.

NASTOROVTESTOSTERONJE

© STONER

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Ich habe den Bericht von Anja Conzett und Yvonne Kunz sehr interessiert und mit zunehmendem Schrecken gelesen. Kurz zusammengefasst: Extremreisen durch Extremistenkreisen, hinreissend geschrieben mit einer Ehrlichkeit, die einem das Herz stocken lässt und die Unerreichbarkeit verrannter Menschen die Hoffnung auf ein gutes Ende für Freundschaften und für diese Welt raubt. Die Frage nach der Klasse oder Rasse erscheint mir müssig. Die tiefe Enttäuschung, in der die Reporterinnen zueinander geraten, scheint mir das Symptom einer Spaltung zu sein, die sie sich selber nicht erklären können. Dafür können weder die unterschiedliche Weltanschauung (die sich übrigens wenig unterscheidet) noch vermeintliche Verletzungen während der Reise der Grund sein, das ahnen sie ja beide. Vielmehr spiegelt es ein Scheitern, sich gegenseitig Geborgenheit in einer traumatisierten und zersplitterten Gesellschaft geben zu können. Kein Wunder, dass stattdessen oft Trost in reichlich Alkohol, Nachtbekanntschaften oder Ideologien gesucht wird.

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  1. Packende Reportage. Grosser Lesegenuss.

  2. Hervorragende Bilder von Reto Sterchi.

  3. Eine verwirrte und verirrte Gesellschaft.

  4. Ratlosigkeit.

  5. Ratlosigkeit.

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Die Amerika-Reportage von Yvonne Kunz und Anja Conzett ist ein Highlight der „Republik“. Thesen, Antithesen, aber keine Synthesen, denn Klasse und Rasse in den USA trennten auch die beiden Reporterinnen. Warum eigentlich? Klassenkampf und Rassismus sind sowohl als auch die Gründe für die tiefen Gräben. Die Berichte, Statements zum Staate Amerika, sind aufschlussreich und beunruhigend, besonders gut gefielen mir Anja Conzetts mitunter auch schräge Beobachtungen.

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Geschätztes Team auf Reportage,
starke, lange Stücke, fürwahr. Erhellend, vertiefend, brillant geschrieben, schlüssig fotografiert.
Die Interna gegen Schluss mochte und mag ich nicht. Wenn ich in ein Konzert gehe, erwarte ich Musik und keine Schilderungen, dass sich zwei der Interpretinnen halt kürzlich zerstritten haben und jede nun das Auseinanderdriften mit ins Spiel trägt. Das wird dann dissonant. Schade.

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Liebe Anja, liebe Yvonne
Danke für den spannenden Artikel, er war fesselnd trotz oder gerade seiner Länge.
Ich war selber 2016 in ähnlichen Regionen der USA unterwegs. Als ich damals die Leute über meine Reisepläne informierte, schaute ich mehrheitlich in fragende Gesichter - warum? Wieso will man dort hin? Doch gerade dieser befremdliche Süden der USA, ermöglichte ein Abtauchen in eine Realität von gesellschaftlicher Spaltung, die doch irgendwie zusammen auskommt. Wenn man sich darauf einlässt, gibt es kaum was spannenders. Ich bin damals nicht mit dem Ziel dorthin gereist, die Frage nach class or race zu beantworten. Doch schon nach kurzer Zeit stand diese Frage wie unausgesprochen über meiner Reise. Für mich ist die Antwort ganz klar zu beantworten: Its class and race und nich entweder oder. Nirgends ist der Neoliberalismus ausgeprägter und der Rassimus tiefer verwurzelt. Statt die Gräben weiter zu graben, versöhnt euch ihr hattet beide recht.

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Ganz kurz: Danke für die tolle Reportage. Danke für den Einblick in die Abgründe. Danke für die persönlichen Schilderungen. Und vor allem: danke für den tollen Soundtrack zur Reportage, die Spotify Playlist ist super!
Ich hätte gern noch mehr solch tolle Fotos gesehen, aber alles in allem will ich nur loben! Mehr davon bitte.

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ich mag diese reportage (auch die bilder) sehr und danke herzlichst für das viele herzblut. und natürlich würde ich mich über eine versöhnung freuen. wie viele menschen es dazu braucht? gleichviel wie zum streiten. aber statt sich auf das zu konzentrieren was trennt schaut, fördert und feiert man das was verbindet, was man gemeinsam hat. viel spass.

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Liebe Republik
Danke für diese eindringliche und beeindruckende Reportage, die gerade wegen der Transparenz der persönlichen emotionalen und intellektuellen Haltungen der Journalistinnen so besonders und wichtig war. Das Thema der Anerkennungskämpfe vs. Verteilungskämpfe ist ja gerade jetzt, angesichts der neuen politischen Verhältnisse und der Frage, wie kann es dazu kommen, dass mehr und mehr retro-nationalistische Parteien an die Macht kommen, eine der wichtigsten Debatten. Pathologischer Rassismus oder struktureller Rassismus? Ich würde meinen, Rassismus ist immer strukturell, ist immer Produkt von Machtverhältnissen, ob Kapitalismus oder Monarchie. Auch "pathologischer" Rassismus ist Produkt struktureller Verhältnisse. Daran angeschlossen die Debatte, die ja die Journalistinnen entzweit hat, ob die Kämpfe um Identitätspolitik den Klassenkampf vernebelt haben. Es ist kompliziert ... und es spiegelt die aktuelle Frage, wie definiert sich eine "Linke" heute, welches sind gesellschaftliche Utopien und neue Allianzen, die identitäre Grabenkämpfe überwinden, die ja gerade die "Rechten" für sich gewinnen. Der Blick in die USA ist weniger Exotismus, als ich vermutete, sondern ein reflektierter Blick auf sehr ähnliche Phänomene der gesellschaftlichen Spaltungen und manifestierten Ideologien, die das Miteinander sprechen heute so schwierig machen.

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Dank dieser ausgezeichneten Reportage konnten wir lernen: Nicht Trump ist das Problem. Es ist eine in viele Teile zersplitterte psychotische Gesellschaft, die ihren gemeinsamen Nenner verloren hat. Es ist deshalb nur konsequent, dass das Amt, das die gemeinsamen Grundüberzeugungen der USA personifizierte, inzwischen von einem psychisch kranken Menschen besetzt ist. Das bedeutet aber auch, ein Impeachmentverfahren gegen Trump, oder seine Abwahl in drei Jahren, würde nichts verändern und es gibt leider wenig Hoffnung, solange diese Zersplitterung anhält bzw. sogar noch zunimmt.

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Wohl auch deshalb habe ich mich auf die "Republik" gefreut. Ein Text, der mich teilhaben lässt. Der nicht mit Antworten daher kommt, sondern mit guten Fragen. Der die Schreibenden nicht versteckt, sondern zum Gegenüber werden lässt. Ein Text, der an vielen Stellen Zugang öffnet auf die Menschen, die sich da begegnet sind. Grosses Kino!
Und tolle Bilder!
Ein herzliches Danke!

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Nun, ich hätte viel zu sagen und ich versuche mich kürzer zu halten als die Episoden dauerten ...
Ich finde die Story fantastisch. Nicht weil ich sie inhaltlich und von der Länge her das "non plus altra" finde. Nein, um das geht es nicht ...
Das man sich in Amerika auseinanderleben kann ist nicht einzigartig. Das kann man immer und überall auf der Welt. Das Sie als Journalistinnen die Ich-Form benutzten ist Zeichen dafür, dass weder Geschichte noch Gegenwart keine sachliche und objektive Angelegenheit ist, sondern dass mein "Ich" immer teil vom "Wir" sind.
Der Fluch der heutigen Zeit und nicht nur der heutigen Zeit ist, dass wir Themen, welche wir personifizieren müssten an einen unpersönlichen Plural delegieren: Die Wirtschaft, die Gesellschaft, die Politik. Der unpersönliche Plural schafft Distanz, weil wir, oder eben ich, die Nähe der Thematik oder der Problematik nicht mehr verstehen und erfassen können. Und obwohl Distanz durchaus Nähe schaffen kann, schaffen wir es bei diesen komplexen Themen nicht. Und irgend wie ist das verständlich.
Amerikas Geschichte beginnt nicht in Amerika, sondern viel früher. Amerika heute ist ein Abbild unverarbeiteter Geschichte, welche in Europa beginnt und sich wie ein roter Faden bis heute durchzieht.
In den 80er Jahren habe ich in Amerika gearbeitet. Als Praktikant, zuoberst im Norden, im Staat Montana. Ich wohnte in einer kleinen Gemeinde mit ca. 1'000 Einwohnern mit über einem Dutzend verschiedenen Kirchen und Glaubensrichtungen. Das Dorf war umgeben von Indianderreservaten - entschuldigen Sie die Wortwahl, aber es hiess dazumal so (Indian Reservation).
Beginnen wir in Europa. Wir alle wissen - auch wir in der Schweiz - wie Menschen und ganze Familien zur Auswanderung gezwungen oder "motiviert" wurden. Der Frust, dass mich meine Heimat nicht mehr will und der Wille, etwas aus meinem Leben zu machen prägt Amerikas Generationen noch heute.
Als ich während meines Aufenthaltes in Amerika fragte, wer Amerika zuerst besiedelt hat, dann war die Antwort einstimmig: die ersten Emigranten. An den wenigsten Treffen der Urbevölkerung von Amerika sieht man Amerikaner, im besten Falle Touristen.
Diese Empfindung und permanenter Kampfbereitschaft hat sich bis heute in Amerika etabliert. Trump ist nur ein populäres "Opfer" davon. Auf die eine Seite hat man eine gewisse Offenheit gegenüber Emigranten entwickelt, auf die andere andere Seite ist bei vielen Menschen die Furcht "vererbte Furcht" geblieben, dass "neue Menschen" eine Gefahr sind.
Amerika leidet an einem grossen Trauma. Das Trauma manifestiert sich in Angst, Skepsis und Widerstand allem gegenüber was nicht so tickt, wie der Amerikaner selbst. Und das Trauma wird permanent bestätigt. Jene Sklaven welche man sich für das eigene Wohl und den eigenen Wohlstand mitgebracht hat, teilen dieselben Geschichten wie die ersten Europäer, welche Amerika betreten haben. Und weil die Sklaven selbst und ihre Nachfahren selbst, denselben Inhalt ihrer Geschichte auf die ersten Europäer übertragen, wird sich der Konflikt betreffend "Rassen" nicht lösen.
Die einzige Möglichkeit - auch wenn der Begriff "kollektives Trauma" umstritten ist, wäre, genau dieses Trauma anzugehen. Und das kann mit der eigenen Geschichte beginnen, ja muss mit der eigenen Geschichte beginnen. Und erst dann wird es möglich sein, eine offene Kultur, ein offenes Land wie es Amerika für sich proklamiert, zu gestalten.
Den Menschen in Amerika sind die Europäer suspekt. Letztlich aber nicht wegen dem heutigen Europa. Europa ist ihnen suspekt, weil das Urgefühl von vertrieben geworden zu sein nie aufgearbeitet worden ist. Und umgekehrt ist es das permanent schlechte Gewissen der Europäer, letztlich für viele ihrer Einwohner ausser Stande war, für sie zu sorgen.

Es ist daher mutig vom Ich zu sprechen. Das "Wir" delegiert immer, dem "Ich" gegenüber muss ich selbst Verantwortung übernehmen. Meinem "Ich" habe ich nichts entgegen zu halten, weder im Guten noch im Schlechten.

Das letztlich ist Journalismus, welcher einerseits informiert, aber auch personifiziert. Guter Journalismus muss betroffen machen, muss aufwühlen, muss Fragen hinterlassen. Und auch wenn ich zum Schluss komme, dass mir das heutige Amerika stink, nicht weil ich es nicht liebe, sondern weil ich es enorm schade finde, dass man seit Generation nicht an Themen arbeitet, welche für ein Weiterkommen fundamental wären....

In diesem Sinne, abgesehen von den zum Teil sensationellen Bildern, macht weiter so. Es muss ja im nächsten ähnlichen Beitrag nicht unbedingt auf eine Trennung von Freundschaften hinaus laufen...

Dieser Umstand wünschte ich Ihnen, dass Sie den noch einmal genau reflektieren...als Journalisten ist man sich ja Recherchen gewohnt, das kann man auch für das eigene Leben adaptieren ...

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Die Beiträge beider Autorinnen haben Klasse u n d Rasse!

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Das hat sicher weh getan. Sich so zu zerstreiten, über Intellektuelles, passiert nicht Vielen. Aber gut so, sonst hätte ich diese wunderschöne Reportageserie nie zu lesen bekommen. Bisschen herzlos, dieser Kommentar, zugegeben. Das Besondere dieser Geschichte ist dass der Schluss von Anfang an offen ist - es gibt kein happy end, keine Auflösung und keine Erklärung, sondern zwei Denkangebote. Danke den beiden sehr furchtlosen Reporterinnen dafür.
Vor knapp 40 Jahren habe ich countryside america ca. ein Jahr lang mit dem Fahrrad bereist und es so sehr aus der Nähe kennen gelernt, auch von Nordost nach Südwest reisend (den tiefen Süden habe ich damals schon wegen meines losen Mundwerks gemieden). Die verblüffende Mischung aus extremer Gewaltbereitschaft, überzeugter Provinzialität ("Washington geht mich nichts an und soll sich nicht einmischen") und überschäumender, selbstloser Gastfreundschaft hat sich offenbar nicht gross verändert. Hinzugekommen ist die Frömmelei und die Möglichkeit, Info zur Welt nach Geschmack im Netz zu bestellen. Wenn man einer Bevölkerung, die mehrheitlich die Evolution abstreitet und eigentlich die Aufklärung schon verloren hat solche Filter anbietet ist zu erwarten, dass die Gesellschaft in extrem viele Fraktionen zersplittert. Die Superreichen sind nur eine davon, die vielen Fraktionen von Rassisten, Linken, Anarchisten und und und ergänzen das Bild. Der dream ist weg, die Zukunft wurde entfernt, sowohl gesellschaftlich wie persönlich. Trotz relativen Wohlstands ein mentaler Zustand wie im Gazastreifen - gefühlt wird täglich ums Überleben gekämpft. Schöne Antwort von Herrn Trump im Wahlkampf: ja, er sehe sich irgendwie auch als Opfer, er opfere seine Zeit und wer wisse schon was morgen sei. Nein, einen Ausweg sehe ich nicht. Das Schlussbild der Reportage trifft es genau - die Realität verschwindet im Nebel.

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Zur Zeit läuft im Kino: 3 billboards outside Ebbing. Kann ich sehr empfehlen: und: heute Nacht habe ich eure Reportagen nochmals genauer gelesen. Und sehr viel mehr verstanden. Besten Dank für die ausgezeichneten Texte with lots of emotions. Ich hoffe, ihr versöhnt euch😍

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Ein lehrreicher Reisebericht. Die vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten, die in dieser Reportage porträtiert wurden, geben einen Einblick in das Denken der US-amerikanischen Bevölkerung. Es war spannend, die Denkweisen der Interwievten zu verfolgen und selber darüber nachzudenken.
Eine schöne Idee, die beiden unterschiedlichen Blickwinkel tagebuch-artig aufzuzeigen. Die Umstände, die zu diesem Entscheid geführt haben, interessieren mich gänzlich wenig. Mir persönlich war der Beitrag leider nicht tiefgründig genug. Meinungsverschiedenheiten gibt es überall, aber gerade wenn man sich gemeinsam für eine längere Reise entscheidet, sollte man über diesen Dingen stehen und wie erwachsene Menschen diskutieren können. Nach diesem ganzen 5-Teiler fehlt mir die Reflektion über die unterschiedlichen Ansichten und eine Analyse der politischen Sichtweisen.

5

Ich bin am Fünfteiler von Anja Conzett und Yvonne Kunz trotz epischer Längen drangeblieben. Auch die für einen journalistischen Text gewöhnungsbedürftige Breite, die eigene Befindlichkeiten der Autorinnen einnehmen, schreckte mich nicht ab. Die Qualitäten dieser Grossreportage wiegen das alles auf. Auch den Umstand, dass am Ende keine schlüssige Erkenntnis steht. So sind halt wir Leser gefragt: Ist es der Klassenkampf oder der Rassismus, der Trump zum Präsidenten machte?
Mir scheint, dass die Autorinnen sich in diese Alternative verrannt - und darob zerstritten - haben. Ihr Zerwürfnis ist im Text deshalb so penetrant anwesend, weil es sich zunehmend in den Mittelpunkt der Expedition und damit vor die journalistische Sichtweise schob. Sie wussten zu Beginn der Reise schon zuviel: dass Klasse, dass Rasse, dass Identität der Schlüssel zum Verstehen ist. Dabei könnte es auch andere Erklärungen geben: Bildungsmisere, Medienversagen, zerrüttete politische Kultur zum Beispiel. Und - für sozial- und kulturwissenschaftlich denkende Beobachterinnen wohl ein No-go - auch die Person des Donald Trump kann als Grund für das Desaster gesehen werden: TV-Star, Superreicher, Flegel, Anti-Politiker, Schlitzohr, Simpel - eine für grosse Massen von Wählerinnen und Wählern anscheinend attraktive Affiche.
Die Ansprüche an theoretische Schlüssigkeit, mit denen Anja Conzett und Yvonne Kunz ins Feld zogen beim Versuch, das Phänomen Trump vor Ort zu erkunden, waren wohl zu hoch gesteckt. Ihr Projekt ist daran gescheitert.
Der Misserfolg ehrt die beiden, weil sie ihn erstens niemals zu verschleiern versuchten und weil er zweitens eine aufschlussreiche Reportage nicht verhindert, sondern ermöglicht hat. Die beiden Journalistinnen haben gelitten. Ihre Leserinnen und Leser haben den Profit davon. "Wieviele braucht es, um Frieden zu schliessen?" fragen die verkrachten Autorinnen. Ich würde sagen, zusammen mit ein paar bereicherten Lesern sollte das möglich sein.

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Vielen Dank für diese Reportage – «politischer Roadtrip» trifft es auf den Kopf - und genau deswegen hat sie mir auch sehr gefallen. Hier in Kurzform, die wichtigsten Gründe, ohne gross Bezug auf die vielen anderen Kommentare zu nehmen:

  • Die Geschichten sind spannend, vielfältig, exemplarisch, beschreibend, machtkritisch, scharfsinnig und erlauben sowohl den Schreiberinnen wie auch uns Lesenden eine ver-tiefte Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Themen, Menschen und Positionen – mich hat es auf jeden Fall sehr angeregt, z.B. über die Frage (noch) mehr nachzudenken «class» or «race» - muss ich mich wirklich entscheiden?

  • Die bewusste Entscheidung zwei Perspektiven (Yvonne und Anja) transparent zu ma-chen passt für mich sehr gut zum Thema. Erlaubt es mir als Leserin zwei Standpunkte mitzubekommen.

  • Durch die vielen Begegnungen, Interviews etc. auf der Reise bekomme ich gleichzeitig viele andere Standpunkte mit. Kann mich nicht in meine homogene Denkwelt zurückziehen, sondern sehe mich angeregt, darüber nachzudenken

  • Auch die bewusste Entscheidung das «Ich» zu wählen ist stimmig. Es ist für mich illusorisch anzunehmen, dass Journalismus jemals objektiv, neutral sein kann.

  • Die Einbindung von Songs mit Links auf Spotify ist genial (die Auswahl der Musik auch), so kann online Journalismus –durch die Verknüpfung zweier Medien- voll ausgeschöpft werden und nimmt mich als Leserin zusätzlich mit auf die Reise

  • Der Text hat mich als Leserin mitgenommen, das ist auch das, was ich in Texten suche

  • Die Fotos begleiten diese Reise sehr stimmig.
    Eine thematische Ergänzung: Wo ist «gender» als Erklärungsfolie zu verorten– neben «race» und «class» bzw. (intersektional) verschränkt mit den anderen beiden? Ihr macht ja auch solche Querbezüge, inszeniert mit euren Erlebnissen ja auch, dass «gender» eben auch eine Rolle spielt. Ich finde es super und wichtig in Reportagen Schwerpunkte zu setzen und bewusst auf Aspekte zu verzichten, deshalb ist mein «Einwand» eher eine Anregung für eine weitere Reportage…Denn: Trumps Rhetorik baut auch auf «Sexismus» auf und Hillary Clinton wurde nicht gewählt, auch weil sie eine Frau ist. «Gender» spielt eine grosse Rolle, zeigt m.U. auch die erstarkende Frauenbewegung in den USA und anderswo). Zudem scheinen mir auch ein Teil der hier in der Debatte aufgeführten Kommentare (die ich teilweise als Angriff auf zwei Frauen deute) Phänomene wie «mansplaining» oder generell männliche Dominanz zu reproduzieren.

3

Die USA-Reportage hat mich sehr berührt, insbesondere die mutige Darstellung des Zerwürfnisses, das diese Reportage begleitete. Wenn zwei solche sprachmächtigen Frauen sprachlos werden, das alarmiert mich. Aus meiner Sicht waren die Autorinnen mit ihrem Bericht im Auge des Hurrikans, der bereits über einige politischen Landschaften tobt. Wenn ich daran denke, dass sich in Grossbritannien wegen der Brexit-Abstimmungen tiefen Gräben innerhalb von Familien oder im Freundeskreis aufgetan haben, dass in den USA dasselbe passiert ist zwischen Leuten republikanischer und demokratischer Überzeugung, sodass heute Funkstille zwischen Menschen herrscht, die sich einmal sehr nahestanden, dann beschäftigt mich das ausserordentlich. Und natürlich hätte ich mir sehr gewünscht, dass uns die beiden so sympathischen Autorinnen schon eine Antwort wüssten! Jedenfalls bin ich überzeugt, dass diese USA-Reportage, gerade weil sie das Zerwürfnis thematisierte, das aus ihrer Diskussion mit Herzblut resultierte, eine aktuelle Verständigungsproblematik beschreibt, der wir gegenüber stehen. Was, so frage ich mich, würde zum Beispiel bei uns losgehen, wenn hier in der Schweiz die Positionen zur EU klarer bezogen würden?
Ich fände es wertvoll, wenn die Republik an dieser Thematik - wie kann Verständigung in der politischen Debatte gelingen, gerade wenn so viel Herzblut im Spiel ist? - dranbliebe. Vielen Dank für diese aussergewöhnliche USA-Serie!

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