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Illustration von Trump und Schwab (mit Globihose)
«Exzellenz, darf ich Ihre Füsse küssen?»

Globi am WEF

Die Bedeutung des Besuchs von Donald Trump am World Economic Forum würde ein bleibendes Denkmal rechtfertigen. Hier der erste, grobe Entwurf – in Reimen.

Von Constantin Seibt (Text), Davide Baroni (Illustration), 29.01.2018

1. Alarm für Globi!

Globi liegt in tiefem Schlaf
und träumt von dem, was er nicht darf;
doch mit dem ersten Tageslicht
weckt ihn schon die Bürgerpflicht!

Denn vom Berg ins Tal hinab
schickt ein Telegramm Herr Schwab,
darin steht: Ein Notfall +++ Stopp +++
sofort kommen +++ Hopp, hopp, hopp!

Globi schlüpft in seine Hose
und macht sich auf zu dem Davose-
r Treffen, wo immer, wenn die Kälte klirrt,
diese Welt verbessert wird.

Und schon sitzt er in dem Zug,
Schnee türmt sich vor dessen Bug,
und drinnen drängt sich Chef an Chef,
alle fahren an das WEF!

2. Professor Schwab

Ein paar Polizisten später
(die suchen nach dem Attentäter)
steht Globi im Kongresszentrum,
schaut sich nach dem Professor um.

Wie den Bär an seiner Pratze
erkennt man Schwab an seiner Glatze,
die vielgerunzelt niemals lacht,
weil der Planet viel Sorgen macht.

Da! Mit gestähltem Gang, fast munter,
schwebt Schwab die Wendeltreppe runter.
«Grääät to miiiit ju, Mister», sagt er schlicht,
weil man am WEF gern Englisch spricht.

Professor Schwab spricht mit dem Akzent,
den Globi aus dem Kino kennt:
«Kuhkamber» sagt er zu der Gurke
wie ein James-Bond-Superschurke!

3. Der Auftrag

Doch aller Witz Globi schnell vergeht,
hört er von Schwab die Realität:
Dass die Globalisierung in Gefahr
durch einen Mann mit falschem Haar!

Globi fühlt sich schwer erhitzt,
er zürnt und ärgert sich und schwitzt,
und sein Herz tut einen Bump:
Der Anti-Globi, der heisst Trump!

«Lisssen, Globi. Tis män is än iiwil liider»,
sagt der Professor immer wieder.
Er reicht Globi eine Pressemappe.
Viel Papier liegt in der Pappe.

Atomkrieg. Putin. Nazis. Lügen –
vieles ist an Trump zu rügen.
Die Figur und die Frisur
sind diesenfalls der Anfang nur.

«Was tun?» Globis Stimme klingt nun hart.
Schwab flüstert: «Duh jur bäst – nach Schweizerart!»
Globi schwört: «Ich schweige wie ein Doppelgrab!»
Gibt Schwab die Hand. Der leckt sie ab.

4. Globi lernt am WEF

Nun sehen wir, wie Globi irritiert
in die illustre Menge stiert.
May. Macron. Der Wirtschaftsverband.
Doch Globi sieht nur seine Hand.

Zum Thema «Ist Professor Schwab ein Ferkel?»
hilft Globi eine Dame namens Merkel:
«So wie den Tee der Brite, den Tang die Enten,
schlürft Schwab gern Handschweiss seiner Prominenten.»

«Ah, vielen Dank, Frau Kanzlerin!»,
sagt Globi ihr: «Ja, das macht Sinn!»
Und er fühlt sich froh und satt,
weil er nun die Erklärung hat.

Doch von Erkenntnis lebt kein Held,
Globi weiss: Er lebt von Geld.
Drum beginnt er, das Kongresshaus-Rauschen
nach Finanztipps abzulauschen.

In Burma investiert’s sich wundervoll!
Auch Bangkok ist jetzt wieder toll!!
Nach Nairobi soll man kommen!!!
Da hört man Helikopter brommen!!!!

5. Präsident Trump kommt

In Marine One, wie man es kennt,
sitzt der US-Präsident!
Wobei die beiden ähnlich sind,
denn auch der Rotor macht viel Wind.

Im Kongresshaus rundherung
herrscht nun plötzlich Aufregung.
Scheichs, Banker sowie Magnaten,
Staatschefs, Kellner, Potentaten,

Berater, Presse, Professoren,
alles, was mit Mund und Ohren
im Haus ist, fängt nun an zu tuscheln
und zum Eingang hinzuhuscheln.

Globi hört in der Menge: Trump ...
dieser Moron ... schrecklich plump ...
Impeachment ... Twitter ... ist marod ...
und das Wort kreist: «Vollidiot!»

Als das Tuscheln laut wie nie,
weicht es stiller Hysterie,
als Trump mit seinem Schwab als Schleppe
hinaufsteigt auf der grossen Treppe.

Überall erregtes Winken,
Handyheben, Blitzlichtblinken,
Trump hebt müde nur die Hand.
Globi zweifelt am Verstand.

Aha, das Schweizer Pressekorps
stellt Fragen: Wie gehts denn so?
Wie er seine Reise fand?
Und ist die Schweiz auch ein grosses Land?

Einen ganz besondren Trick
hat der Chef vom harten Blick,
der Zeitung für den kleinen Mann:
Er bittet Trump ums Autogramm.

Bundesrat Berset, der ein Sozi ist,
also ein Viertel Kommunist,
sagt, dass ihn ganz besonders freut,
dass Trump sich nahm noch Extrazeit.

Globi denkt bei sich benommen:
Der Kerl war grad noch unwillkommen –
und jetzt ist alles ganz im Lot:
Wer ist hier denn der Vollidiot?

6. Globi sagt seine Meinung

Globi wartet in den Kulissen,
um den Präsident zu dissen.
Denn dieser hält bald eine Rede
von der man sagt, sie würde blöde.

Doch zunächst, als WEF-Premiere,
gibts eine Blasmusik als Ehre.
Schwab lobt Trump als «ä strong liiider»,
für diesen gäbs das Für und Wider,

viel Missverständnisse, doch enorm
sei die Trump’sche Steuerreform.
Denn sie verbessere die Welt,
wenn man zu den Superreichen zählt.

Dann spricht Trump. Und er bekennt:
«Ich bin ein grosser Präsident!»
Ansonsten gibt es nicht viel Spass.
Die Rede bleibt ein wenig blass.

Trump geht zurück zum Helikopter,
doch dort steht Globi, der Disruptor.
Und sagt: «Herr Präsident, ganz ohne Fragen
werd ich ganz global die Meinung sagen!»

Trump blickt ihn an, ohne zu sprechen.
In Globi beginnt etwas zu brechen.
Er spürt die Macht. Ihr wisst es schon:
Die Macht der Macht. Und die der Tradition.

Und mit der Geste seiner stolzen Ahnen
streicht Freund Globi seine Fahnen;
als stolzer Schweizer sagt er: «Mit Verlaub!»
Und er wirft sich in den Staub.

7. Gemeinsame Zukunft in einer zersplitterten Welt

Professor Schwab wills auch nicht missen:
«Exzellenz, darf ich Ihre Füsse küssen?»
Gelangweilt hält sie Trump ihm hin,
und die Welt macht wieder Sinn.





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