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Debatte

Welche Auswirkungen wird die vierte industrielle Revolution haben?

Diskutieren Sie mit Autor Mark Dittli.

16.01.2018

Frühere industrielle Revolutionsphasen haben gezeigt: Arbeitsplätze sind verschwunden, doch stets sind rund um neue Technologien auch wieder neue Arbeitsplätze entstanden. Die Furcht, den Menschen könnte die Arbeit ausgehen, hat sich nie bewahrheitet. Wird sich dieses Muster auch in der gegenwärtigen vierten industriellen Revolution wiederholen? Oder wird es dieses Mal anders sein, weil erstmals nicht manuelle, sondern kognitive Arbeiten automatisiert werden können?

Lesen Sie den Artikel «Aufstieg der Maschinen››, und diskutieren Sie mit Autor Mark Dittli.

Sie haben in diesem Artikel viele Worte gelesen …

… aber die wichtigsten drei fehlten. Seit je beruht jede funktionierende Gemeinschaft auf diesen drei Worten. Liebende sagen sie zueinander. Gute Politiker sagen sie ihren Wählern, gute Priester ihrer Gemeinde, gute Eltern ihrem Kind. Sie lauten: Fürchte dich nicht! – Wir von der Republik glauben, dass auch im Journalismus gilt, was Franklin D. Roosevelt einst zur Politik sagte: «Wir haben nichts zu fürchten als die Furcht selbst.»


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Kennt ihr diesen Brief an CEO's vom CEO von BlackRock - dem aus Sicht Anlagen grössten Investor der Welt? Der Brief deckt mehr Themen ab, aber v.a. auch die Auswirkungen der vierten Revolution von Arbeit, wie ich sie nenne: https://www.blackrock.com/corporate…ceo-letter

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Es ist ein sehr interessanter Artikel der viele verschiedene Aspekte aus meiner Sicht korrekt berüksichtigt.
Allerdings wird hier fast ausschliesslich von Industriestaaten gesprochen, wenig über Schwellenländer. Doch welche Effekte haben die industriellen Revolutionen länderübergreifend auf die Entwicklungsländer? Nach meiner Meinung können hier ähnliche Schereneffekte bei jeder Industriellen Revolution von Industrieländern zu Entwicklungsländern auftreten. Im Artikel wird über die Effekte innerhalb eines Landes gesprochen, es gibt aber viele Länder die aufgrund der schlechteren Bildungsinstitutionen (und aus anderen Gründen) immer weniger vom Fortschritt profitieren können und dieser stärkt die Industriestaaten weiter. Dies sollte auch diskutiert werden!

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Werter Herr Baron

Gestern schrieben sie: „Wenn ich eine persönliche Anmerkung machen darf: Für mich ist es schwierig den Bezug ihrer Posts zum Thema und VorPosts zu finden. Es scheint mir, als würden Posts in ihnen den Reflex auslösen, alles was ihnen gerade so assoziativ einfällt, aufschreiben zu müssen. Das führt dann sehr weit und alle sind baff was sie so alles wissen.
Aber einer Diskussion ist das im Sinne von Erkenntnisgewinn oder Verständnis nicht unbedingt so förderlich.
Ich wünschte mir, dass sie etwas mehr beim Thema blieben, und mithelfen einen Punkt auch mal zu Ende zu bringen, statt ein konkretes Thema in den umfassensten Kosmos aller möglichen virtueller Kosmösser zu explodieren.“

Ich weiss nun nicht, weshalb sie ihre Ressentiments hegen und diesen unfreundlichen Ton pflegen. Wie dem auch sei, bei Verständnisschwierigkeiten stehe ich natürlich immer gerne zur Verfügung, denn nur so lerne ich weiter. Bisherige sichtbare Reaktionen und frühere feedbacks liessen jedoch nicht auf Unverständnis schliessen - im Gegenteil! Aber gerne helfe ich ihnen aus, wo immer ich kann. An welchen Stellen haben sie denn Mühe den Zusammenhang zu sehen?

Im Allgemeinen versuche ich wie alle anderen schlicht meinen eigenen Blickwinkel einzubringen, um mit einer zusätzlichen Perspektive Dinge nicht nur von einer anderen Seite zu beleuchten, sondern auch andere Zusammenhänge, ja womöglich auch andere Probleme sichtbar zu machen. Mit einem offenen und freien Geist und durch transversales und holistisches Denken outside the box Querverbindungen schlagend.

Und m.E. ist ein so inklusives und diverses Forum, wie jenes der Republik, gerade nicht der dedizierte Ort für monothematische Diskussionen einer exklusiven homogenen Gruppe ausgewiesener oder selbst-erkorener Expertinnen eines engen Spezialgebietes mit eifersüchtig wachenden gatekeepers. Dafür gibt es Fachzeitschriften und spezialisierte Foren und Panels mit offiziellen und qualifizierten Administratorinnen und Moderator*innen.

Wenn eine konstruktive Diskussion tatsächlich ihr Ziel sein sollte, so hoffe ich um ihretwillen, dass sie die Erfahrung machen werden, wie Grosszügigkeit und Respekt bei anderen viel eher Dialogbereitschaft und Kooperationswillen hervorrufen und daher weit zielführender sind als Arroganz und Polemik.

In diesem Sinne auf eine weitere konstruktive und sachliche Diskussion - grosszügig, respektvoll und wenn möglich stilvoll!

LG

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easy :-)
Danke fürs Feedback. Finde ich gut.

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Anonymous
KCN
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Vielen Dank für die 'Republik' und für den interessanten Artikel, der das Thema Digitalisierung im historischen Kontext sowie bezüglich Auswirkungen auf die Arbeitswelt gut darstellt. Ergänzend dazu folgende Überlegungen:
Digitalisierung findet bereits seit der dritten industriellen Revolution, und dem zunehmenden Einsatz von EDV bzw. IT statt. Wie richtig bemerkt, wurden die Technologien seither weiter entwickelt und entsprechend sind dadurch auch neue Nutzungsmöglichkeiten, beruflich wie privat, entstanden.
Neben besseren und neuen Technologien, wie bspw. 'intelligentere' Maschinen oder additive Verfahren (3D-Druck), ist meiner Meinung nach der wesentliche Faktor der vierten industriellen Revolution die Vernetzung und Kommunikation von Objekten (Internet der Dinge) und Subjekten (Menschen als Anwender von bspw. Smartphones). Daraus resultiert eine zeitlich und örtlich sofortige Verfügbarkeit von Daten, welche durch die 'Dinge' erfasst bzw. durch Menschen mehr oder weniger freiwillig zur Verfügung gestellt werden. Entsprechend sind Daten auch jene Ressource aus welchen vermehrt nicht nur grosse Internet-Unternehmen ihre Wertschöpfung generieren.
Neben der zunehmenden Digitalisierung aller Geschäftsprozesse findet vor allem auch eine Digitalisierung bzw. Dematerialisierung von Sach- oder Dienstleistungen statt. Was nicht als Letzte aktuell die Medienwirtschaft erfährt.
In einer Wirtschaft 4.0 in der alle und alles über das Internet verbunden ist, werden Daten zur bedeutendsten Ressource. Umso mehr stellen sich Fragen in Zusammenhang Urheberrecht/Datenschutz im Sinne von, wem gehören die Daten bzw. wer entscheidet wie die Daten genutzt werden und wie wird dies sicher gestellt. Aufgrund der technologischen Entwicklung (bspw. Blockchain bzw. deren Nachfolgetechnologien) werden neue Geschäftsmodelle (bspw. Transaktionen ohne Intermediäre) ermöglicht. Welcher Art diese auch sind, Daten werden immer die Basis für eine, nicht nur monetäre, Wertschöpfung sein. Hier wäre eine Analyse ähnlich Piketty, jedoch für Daten sowie Diskussion über die Besitz-/Nutzungsverhältnisse, bspw. im Rahmen einer möglichst gerechten Verteilung der Produktivitätsgewinne, interessant.

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Ein interessanter Artikel. Allerdings meine ich, dass im Video von "kurzgesagt" mit dem Titel <The Rise of the Machines – Why Automation is Different this Time> ein paar grundsätzliche Argumente präsentiert werden, weshalb diese industrielle Revolution nicht mit den vorangegangenen vergleichbar ist und die Erhöhung der Produktivität diesmal nicht oder viel weniger zu neuen Arbeitsplätzen führen wird, die ihren Artikel diesbezüglich ergänzen.

https://www.youtube.com/watch?v=WSK…yR&index=1

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Unsere Gegenwart würde ich als Zeitalter der POST-Solidarität bezeichnen. Nun schafft die Technolgie mit ihren Protokollen und ihrer grundsätzlich vernetzt kompatiblen Schnittstellen-Natur dem Zerfall unserer Solidarität einen Gegenpol:
Roboter und KI werden damit genau mit dem erfolgreich, was die Menschheit einmal gross werden liess: Zusammenarbeit, Respekt, Lösungsorientierung und Kollaboration in einem gleichberechtigten Miteinander im ständigen Austausch und permanenter Abstimmung.
Ja, technische Netzwerke sind, rein ethisch gesehen, die bessere Menschheit!
Denn Technik ist unter sich unglaublich solidarisch. Technik hat von Anfang an begriffen wie wichtig das ist. Jetzt fügt sie einfach noch Geschwindigkeit und 24x7 dazu.
Das sollte uns bei No-Billag, No-Bildung, No-Jugend, No-Rente, No-Grundeinkommen, No-Solidarität, No-YouNameIt - zu denken geben!

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Man darf die Auswirkungen, die intelligente Roboter haben, nicht überschätzen. Nehmen wir das Beispiel AlphaGo: Er schlägt Menschen und neuerdings auch sich selbst - und das in nur drei Tagen üben. Super Leistung. Aber werden wir deshalb kein Go mehr spielen? Nein. Denn wir spielen ja aus Spass.
Klar ist, dass AlphaGo ein schlechtes Beispiel ist. Nehmen wir also das fiktive Beispiel eines Roboters, der praktischerweise einen Maurer ersetzten soll. Der Roboter mauert nicht nur präziser, sondern auch viel schneller als der Mensch. Das geht zack-zack. Wie ist der aber nun gebaut: ist das mehr ein Laufband mit Armen, muss also irgendwie fixinstalliert werden auf der Baustelle oder ist das ein Roboter mit Beinen und Armen - ganz so wie in Starwars. Der fixinstallierte Roboter muss also irgendwie von Robotern aufgebaut und unterhalten werden, die sollten dann schon Arme und Beine haben - dann das Gelände einer Baustelle ist unwegsam und von Baustelle zu Baustelle anders. Für diese Art von Roboter stellen sich diverse einfache wie schwierige Probleme - so müssen sie auf sich ändernde Umweltbedingungen reagieren können (Wind, Regen etc). Laufen, umfallen, nicht gleich kaputtgehen - man muss sie reparieren, Verschleissteile ersetzen und so weiter. Die Frage der Energieversorgung ist auch nicht gelöst. Sie sind wohl relativ schwer, denn wenn sie einen Maurer ersetzen sollen, müssen sie schon ein paar Stunden laufen. Die Liste kann man beliebig ausbauen. Von Kommunikation habe noch nichts gesagt.
Es stellen sich so viele Probleme - alles lösbar, klar, aber das ist sicher nicht gratis: die Dinger würden sehr viel kosten, beim Kauf und im Unterhalt. Zudem gibt es schon eine relativ günstige Lösung für das Problem: einen Bioreaktor, den Menschen. Er verfügt sogar über selbstheilende Kräfte. Und hat Witz.
Neuronale Netzwerke und superintelligente Computer werden uns vor allem dabei helfen das Bigdata-Problem zu lösen - und sicher werden fixinstallierte Roboter immer neue Arbeiten in Fabriken übernehmen (ist aber nichts Neues). Dann gibt es sicher immer bessere Sprachassistenten, die das Callcenter noch schlechter machen werden. Einen Kundenberater ersetzen wird ebenfalls eine riesige Herausforderung. Einen Arzt unterstützen, aber ersetzen? Hochpräzise Operationen durchführen ist sehr nützlich, bessere Diagnosen auch - es war so oder so schon immer bedenklich, wie viel ein Arzt wissen müsste (und es nicht wissen kann). Aber kann ein Roboter den Hausarzt ersetzen..? Pflegeroboter stehen vor ähnlichen Problemen wie weiter oben beschrieben - werden sie je günstiger und so vielfältig einsetzbar sein wie eine rumänische Gastarbeiterin? Es kann durchaus bezweifelt werden, dass dies in den nächsten Jahrzehnten der Fall sein wird.

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Herr Krähenbühl, ich empfehle Ihnen die Webseite von Boston Dynamics zu besuchen. Die von Ihnen geschilderten Probleme sind bereits gelöst. Fakt ist, die Roboter v4 sind derzeit, verglichen mit Menschen, im Kindesalter. Fakt ist ebenso, sie werden langsam erwachsen. Und ich bin nicht erst seit heute überzeugt, dass wir dies in den kommenden 10 Jahren erleben werden (müssen). Auch als Nerd (ich habe schon 1976 die ersten Maschinenprogramme in Assembler geschrieben) fürchte ich die Zukunft, denn eines ist gewiss: Wozu sollten uns die dann intellektuell überlegenen Maschinen noch benötigen? Wie im Artikel erwähnt geht es diesmal um mehr als nur Hilfsroboter, es geht um die "Software". Die Hardware war Revolution 1..3.
Dass AlphaGo stärker spielt als der Mensch ist nicht von Belang, dass AlphaGo sich das Spielen jedoch selbst (!!!) beigebracht hat umso mehr.
Nehmen wir nun noch die aktuelle Entwicklung der Gentechnik hinzu (Stichwort CRISPR/Cas9) und wir haben vortrefflichen Stoff für den Untergang der Menschen. Böse Zungen könnten es auch schlicht als Evolution bezeichnen.

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Ich denke wir - wie ihr Beispiel zeigt - sind im Denken immer noch viel zu stark der Idee verhaftet, dass Robotor Menschen in einem 1:1 Szenario ablösen.
Um auf ihr Beispiel mit der Mauer zurückzukommen geht das nämlich so:
Eine Drohne vermisst das Grundstück, eine KI berechnet die ideal Mauer auf Grund der gewünschten Parameter, dann wird diese in einer Fabrik als vorgefertigte Komponenten gebaut (gedruckt?), mit einem selbstfahrenden Camion geliefert und mit dessen Roboterarm montiert. Gestrichen wird sie aus einem Kübel sich selbst organisierender Nanobots.
Was ich damit sagen will: Dass wir Menschen 1:1 ersetzen ist wohl nur so eine Uebergangsphase. Roboter und KI denken in viel grösseren Massstäben. Sie schaffen sich ihre eigene Umwelt, in denen sie dann optimal funktionieren können. Der Mensch muss sich darin dann ziemlich dünn machen oder ganz draussen bleiben.

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Ihr Einwand ist sicher richtig. Der Roboter als 1:1-Ersatz ist nur eine Hilfestellung, die von Ihnen beschrieben Einsatzgeräte sind viel wahrscheinlicher. Dennoch vergessen Sie, dass es eine Baugrube braucht, dass man keine Hochhäuser in Fabriken vordrucken kann, um danach bloss noch aufgestellt zu werden. Die Drohne kann keine geologischen Untersuchungen vornehmen, geschweige denn Bohrungen durchführen. Auch ihre Nanobots müssen bei Wind und Wetter funktionieren.. Und so weiter. Selbstfahrende LKWs sind noch das wahrscheinlichste. Was ich mit diesen kurzen Beispielen sagen will, die Welt ist hoch komplex. Ich bestreite kaum, dass eine Drohne nützliche Sachen machen kann, aber es braucht sehr viel mehr als von ihnen beschrieben, um den Menschen zu ersetzen. Was Sie sehen, ist eine Sciencefiction-Welt, die der Realität weit hinterher hinkt. Vielleicht ist vieles davon möglich, irgendwann in der Zukunft. Aber innert nützlicher Frist kommt das kaum.

Wenn wir uns am Beispiel der selbstfahrenden Autos orientieren - die Marktreife, also auch von Behörden zertifiziert, von diesen Autos ist in frühestens in 5 bis 10 Jahren zu erwarten. Das dauert. Und dann sind wir noch weit davon entfernt, dass der gesamte Verkehr selbstorganisiernd sein wird. Es müssen dann erst mal alle ein neues Auto haben - und all diese Autos müssten ein System haben, mit dem sie mit den anderen Verkehrsteilnehmern und -installationen kommunizieren können. Ob es das in fünf Jahren schon gibt, scheint mir höchst unwahrscheinlich.

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Genau deshalb braucht es neue Formen der Arbeit. Zum einen sollten auch wir Menschen uns als "lernende Systeme" sehen. Unser Bewusstsein bewusst nutzen. Es gibt noch so viele Potenziale, die wir nicht nutzen. Ich spreche dabei von Identitätsstiftung entlang einer neuen Haltung. Und dann und das ist äusserst bedeutend, weil sich die Arbeitswelt zu flexiblen Formen verändern wird, brauchen wir eine neue flexiblere, dezentrale Infrastruktur, sog. VillageOffices. Die Menschen dabei unterstützt, ihre multiplen Rollen unter einen Hut zu bringen, weil Arbeit und Leben besser vereinbaren können. Gleichzeitig hilft diese Infrastruktur Dörfer und Städten ihre Bevölkerung zu aktivieren und Fortschritt als etwas konkretes zu sehen: http://www.engagement-migros.ch/de/…-gemeinden

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ob bildungsfern abgelöschte Akkordarbeiter/-innen die auch in ihrem angestammten Job nichs Derartiges auf die Reihe brachten nun durch von der Technik erzwungene Arbeitslosikgeit zu intrinsisch motivierten Kreativ- und Intelligenzbestien mutieren, wage ich mal zu bezweifeln.
Ueberall wo KI und Roboter nicht können, werden Qualifikationen vorausgesetzt, denen viele Menschen kaum jemals werden entsprechen können, oder - solange sie im noch reichen Sozialstaat weich gepampert werden - auch wollen.

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Lieber Herr Dittli, besten Dank für Ihren Artikel, der den Zusammenhang von Industrialisierung und Arbeit für die industrialisierten Länder skizziert und darauf hinausläuft, dass jeder industrielle Entwicklungsschritt zu mehr Monopolisierung des Geldes und der Macht bei immer weniger Menschen geführt hat und dies nun auch wieder so zu sein scheint. Aber weil in unserer heutigen globalen Gesellschaft alles mit allem zusammenhängt, kommt man nicht wirklich weiter, wenn man nur einen einzelnen Aspekt herausnimmt. Nachfolgend seien ein paar andere, gleichzeitig zu bedenkende Aspekte skizziert.

Wenn immer weniger Menschen immer reicher werden und immer mehr Menschen immer ärmer, schafft das soziale Spannungen, die sich früher oder später auf irgendeine Weise lösen werden. Monopolisierung bedeutet Machtkonzentration und führt zwangsläufig zu immer mehr Zwang und immer weniger Freiheit. Der Mensch wird aber immer individueller und entwickelt ein immer stärkeres Bedürfnis nach Selbstbestimmung. Wo führt das hin?

Selbstbestimmung beinhaltet auch Bestimmung über Eigentum. Bestimmung über Sachen ist eine ganz andere Sache als Bestimmung über Land und über Unternehmen. Land ist nicht vermehrbar, Unternehmen sind Menschen. Wir müssen andere Eigentumsformen finden, müssen in unserem Recht unterscheiden zwischen Verfügungseigentum an Sachen und Nutzungseigentum an Land und Unternehmen bzw. Produktionsmitteln. Das römische Recht genügt den heutigen globalen Gegebenheiten nicht mehr, setzt sich aber auf der ganzen Welt immer mehr durch. Wo führt das hin?

Wenn man von Arbeit spricht, muss man auch von Gesundheit sprechen. Wie ist es denn zu verstehen und was bedeutet es, dass - zumindest in den industrialisierten Ländern - die Raten für Suizid (alleine oder begleitet), Depression, psychosomatische Krankheiten, Autoimmunkrankheiten (wie zum Beispiel Multiple Sklerose), Krebs und weitere und damit die Gesundheitskosten steigen? Wo führt das hin?

Wenn man von Arbeit spricht, muss man auch von Energie sprechen. Gerade durch die Maschinen steigt der Energiebedarf in Form von Elektrizität exponentiell an. Der Supercomputer der ETH im Tessin verbraucht soviel Strom wie eine mittlere Schweizer Stadt und produziert entsprechend viel Wärme. Die Rohstoffvorräte der Erde gehen zur Neige und brauchen immer mehr Energie, um erschlossen zu werden. Auch wenn einzelne immer reicher werden, so verarmt die Erde und Menschheit als Ganzes zusehends. Wo führt das hin?

Die Maschinenintelligenz vermag alles, was materiell, seriell, repetitiv und berechenbar ist, genauer, schneller, fehlerfreier ausführen als der Mensch und dabei "lernen", das heisst diese Tätigkeiten immer weiter optimieren. Aber das menschliche soziale Leben beruht auf Liebe, Empathie, Toleranz, Altruismus, Kreativität, auf dem menschlichen Gespräch, das, wenn es wirklich menschlich ist, unvorhersehbar ist, letztlich auf der "irrationalen" Gefühlslogik, die eine ganz andere Logik ist als die rationale der Maschinen. Wenn also auch Tätigkeiten, die ein Gespür für den anderen Menschen oder die Natur, die emotionale Intelligenz, Intuition erfordern, wie zum Beispiel Menschenpflege oder Landschaftspflege bzw. Landwirtschaft mechanisiert werden, wo führt das hin?

Das kalte, rationale Denken, die Grundlage des Maschinendenkens, kennt nur den Zweck, ist zweckrational und deshalb zwangsläufig egoistisch. Der Zweck heiligt die Mittel. Die Vision von Adam Smith, dass sich aus dem Ausgleich der Egoismen Altruismus ergäbe, hat sich als Illusion erwiesen, weil Egoismus nur weiteren Egoismus gebären kann, aber nie Altruismus. Adam Smith hat den Gott des Christentums durch den Gott des Marktes ersetzt, der Egoismus heisst. Altruismus kann nur aus dem Mitgefühl für den anderen Menschen und für die ganze Menschheit entstehen. Für eine heilsame Entwicklung kann es deshalb nur ein einziges Fortschrittskriterium geben, nämlich ob eine technische oder soziale Neuerung jetzt und in absehbarer Zukunft der ganzen Menschheit, jedem einzelnen Menschen auf der ganzen Welt dient.

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Im Wesentlichen stimme ich ihnen zu, dass der Fokus auf die Technologie unter Ausblendung grundlegender Aspekte reduktionistisch und damit unterkomplex ist (Technik-Determinismus bzw. Solutionismus). Es ist immer noch erstaunlich wieviele Hoffnungen, Zeit, Geld und Energie in den technischen Fortschritt investiert werden, während der moralische Fortschritt relativ unterbelichtet und -entwickelt bleibt - für mich persönlich ebenfalls das eigentliche Fortschritts-Kriterium.

Was jedoch ihre Einschätzung bzgl. Adam Smith anbelangt, kommt ihm zuviel der (Un-)Ehre zu, ist er doch neben dem "Wealth of Nations" auch der Autor von "The Theory of Moral Sentiments", in dem er die Prinzipien der Sympathie und Unparteilichkeit darlegt. Freilich stellen diese beiden Werke zusammen für heutige Interpreten ein sog. "Adam-Smith-Problem" dar. Doch sehen wir etwa mit der Verhaltensökonomie und Experimentellen Ökonomik, wie (Sozial-)Psychologie und Ökonomie wieder vermehrt als verkoppelte Systeme betrachtet werden - immerhin.

Zu ihren Pessimismus evozierenden Fragen "Wo führt das hin?" kann ich ihnen das kurze Buch "Four Futures" (2016) von Peter Frase empfehlen, in dem vier idealtypische Szenarien ausgemalt werden, die sich hinsichtlich der Parameter Verfügbarkeit der (Automaten-)Technologie, Verfügbarkeit sauberer Energie, Verteilung von Reichtum bzw. Eigentum unterscheiden. Als Einstieg und Zusammenfassung, siehe:
https://www.theguardian.com/books/2…iew-robots
https://lareviewofbooks.org/article…futures/#!

LG

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zusammengefasst: Wir bräuchten zuerst mal eine Ethik und Wertevorstellung 1.1 und keine technischen Revolution 4.0 :-)

Wenn ich eine persönliche Anmerkung machen darf:
Für mich ist es schwierig den Bezug ihrer Posts zum Thema und VorPosts zu finden. Es scheint mir, als würden Posts in ihnen den Reflex auslösen, alles was ihnen gerade so assoziativ einfällt, aufschreiben zu müssen. Das führt dann sehr weit und alle sind baff was sie so alles wissen.
Aber einer Diskussion ist das im Sinne von Erkenntnisgewinn oder Verständnis nicht unbedingt so förderlich.
Ich wünschte mir, dass sie etwas mehr beim Thema blieben, und mithelfen einen Punkt auch mal zu Ende zu bringen, statt ein konkretes Thema in den umfassensten Kosmos aller möglichen virtueller Kosmösser zu explodieren.

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Das Argument hier taugt nach mir nicht viel (sagt der Autor auch selber weiter unten), wird aber so oder abgewandelt in vielen Debatten und Texten zur Digitalisierung immer wieder gebracht: „Die Historie spricht eine deutliche Sprache: In keiner der drei früheren industriellen Revolutionsphasen haben sich die Befürchtungen grosser Arbeitsplatzverluste über längere Frist betrachtet bewahrheitet. Stets sind genügend neue Jobs entstanden, die die durch die Automatisierung obsolet gewordenen Stellen kompensiert haben.“ Ich denke aber, nur weil es bisher so war, muss das nicht zwingend heissen, dass es diesmal auch so ist. Das soll nicht heissen, dass die Digitalisierung schlecht ist, man darf sich nur nicht einfach zurücklehnen und nichts tun, weils ja eh gut kommt.

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Insbesondere dann wenn man arbeitsbedingt durch verschiedene Kontinente und Zeitzonen reist, fällt auf, dass sich diese Revolutionen als rein begriffliches Gebilde kaum als solche erkennen lassen, und diese für die wenigsten Menschen eine konkrete Bedeutung haben.
Revolutionen 1-3 im wörtlichen Sinne gibt es in der realen Welt so nicht. Das haben sich Schreiberlinge ausgedacht die sich ihre eigene Marketingwelt schaffen.
Im Meer der Zeit ist die Flut keine Welle.

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Ein schöner Artikel - danke dafür Herr Dittli.

Mich würde zum folgenden Absatz Literaturangaben interessieren:
"Jeder Arbeitsprozess, der definierten Regeln folgt und damit codierbar ist, kann von Maschinen übernommen werden. Weil sie innert Sekunden auf Millionen von Erfahrungswerten zugreifen können, sind selbstlernende Systeme etwa bereits heute treffsicherer in der Diagnose von Krankheitsbildern als Ärzte."

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Danke Ihnen, Herr Knechtl. Die Aussage, selbstlernende Systeme seien "treffsicherer in der Diagnose", ist natürlich sehr reduziert und sollte nicht als Absolutheit verstanden werden. Doch hier eine Quelle dazu: http://www.sciencemag.org/news/2017…rt-attacks

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Besten Dank für Ihre Antwort.

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ist ein toller artikel. auch wenn ich vieles schon weiss tut es gut sich wiedermal die geschichte der industriellen revolutionsphasen in erinnerung zu rufen und sich vorallem ueber das heute und morgen fragen zu stellen. danke auch fuer die angenehme sprache,

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Der Artikel ist eine sehr gute Zusammenfassung und bringt alle Leserinnen und Leser auf einen nüchtern Stand der Dinge, die sich bisher nicht näher mit dem Thema befasst haben.

Ich gebe den meisten Kommentarschreiber recht das die KI (noch) nicht die nächste Revolution auslösen wird, jedoch die Digitaliserung. Die steht nun auch in unserem Dienstleistungsland vor der Türe. Die klassischen kaufmännischen Berufe stehen vor einer grossen Automatisierung, ebenfalls in der Informatik verschwinden die Service-Jobs und ich denke die Welle mit über 1000 Digitalwährung wird auch auf dem Finanzsektor für grosse Veränderungen sorgen (theoretisch wird gar kein Konto mehr benötigt, gar keine Bank mehr für die Zahlungen).

Ein gutes Interview KI
https://www.brandeins.de/wissen/bra…nd-halten/

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Herr Dittli

Zwei kleine geschichtliche Bemerkungen. Zum Beginn der industriellen Revolution in England brauchte man zwar Maschinen und Fabriken, doch die waren technisch gesehen so einfach, dass sie keine grossen Investitionen darstellten, ein Jahreslohn eines durchschnittlichen Engländers genügte.
Zur sogenannten zweiten Welle gehörte neben Belgien und der Schweiz auch noch Frankreich! Es machte "im Schutz" Napoleons Kriege, und infolge dessen geschützt vor der englischen Konkurenz, den Rückstand gegenüber England wett.

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Hallo Frau Wick - danke für Ihre Bemerkungen. Mit Ihrem Hinweis, Frankreich habe auf dem Kontinent zu den ersten Ländern der industriellen Revolution gehört, bin ich allerdings nicht einverstanden. Frankreich lag in der industriellen lange zurück. Ihre Bemerkung, wonach die Maschinen keine grossen Investitionen darstellten, kann ich nicht überprüfen. Haben Sie dafür eine Quelle?

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Ein Beispiel dafür wie überraschend anders die neue Welt sein wird:
Aktuell kommen AI Projekte ins Trudeln, weil der Markt der hierfür primär verwendeten GRAFIK!-Prozessoren ausgetrocknet ist, weil diese zu horrenden Preisen für das Mining von Kryptowährungen aufgekauft werden.
Ganz generell wird auch der Zusammenhange zwischen seltenen Erden und flächendeckender Digitalisierung in Form von Robotik und viel mehr noch in Form von sogenannt "embedded" Systems noch viel zu wenig Beachtung geschenkt.

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Ich vermute dass sich das Muster auch ein viertes Mal wiederholt, denn ich sehe keinen grundsätzlichen Unterschied in der Qualität zwischen manuellen und kognitiven Tätigkeiten. Auf beiden Gebieten gibt es Bedarf für simple und für hochstehende Fertigkeiten. Ist nicht vieles von dem, was die besten derzeit operierenden Algorithmen täglich produzieren, der reine Schwachsinn? Somit kann ich mir nicht vorstellen, dass menschliche Hirne je überflüssig werden sollten.

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H. A.
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Damit uns der technologische Fortschritt auch wirklich die Vorteile und guten Zukunfsaussichten bringt, muss noch viel mehr über die Vermeidung der negativen Auswirkungen nachgedacht werden, wie sie einige angedeutet haben. Leider werden solche geäusserten Bedenken oft nicht vernunftsbezogen angegangen sondern im links/rechts oder kapitalistischen/antikapitalistischen Kontext beerdigt. Keynes zitierte Aussage "Technologischer Fortschritt führt zu einer Steigerung der Produktivität, des Wachstums und damit zu mehr Wohlstand in einer Volkswirtschaft" stimmt, sollte aber neu überdacht werden. Sie setzt Wachstum voraus. Scheinbar bis heute, das Allerheilmittel für Wohlstand. Es blendet aus, dass es auch Wachstum bei den Abnehmern (sprich Bevölkerung) voraussetzt, oder dass die gleiche Bevölkerung immer mehr konsumiert und vorallem, scheinbar unbegrenzte Ressourcen. Wo steht die Forschung bezüglich "den Wohlstand zu erhalten ohne Wachstum, und ohne auf lange Sicht unrealistische Resourcenannahmen vorauszusetzen" (kenne mich da zu wenig aus)?
Zudem wäre es an der Zeit, unter den Vorzeichen der neuen Entwicklung, dass über die schrittweise Kürzung der Arbeitszeiten nachgedacht werden sollte, und nicht wie heute noch, die Arbeitszeit eher verlängert wird. Ohne schwarz zu malen, auch wenn, wie erwähnt "nur" 10-30% der Menschen die Arbeit, ohne innere Vorbereitung, innerhalb kurzer Zeit verliert, birgt das einiges Gefahrenpotential, selbst dann, wenn das nicht mit Armut einhergeht. Man nimmt ihnen einen gewichtigen Anteil dessen, weshalb sie täglich aufstehen, einen wesentlichen Anteil am Sinn ihres Lebens ausmacht. Für Viele ist die Arbeit mehr als nur Broterwerb, auch wenn sie vor den Ferien das jeweils anders sehen. Es hinterlässt ein Vakuum, welches, wie wir in den Vorstädten anderer Länder beobachten können, viel destruktives Potential in sich birgt, das es zu vermeiden gilt. Das gilt insbesondere, wenn von solchen Veränderungen die jüngere Generation betroffen ist.

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Danke Herr A. für diese Klarifizierungen
Sie werden verstehen, dass ich keine Diskussion beginnen werde, ob die beiden Weltkriege "imperialistische Kriege um Weltmärkte" waren und ob die heutigen Kriege Auswuchs des "Geschäftsmodells des militärisch-industriellen Komplexes" sind. Let's not go there, ok?

Zu Ihren anderen Punkten, auch von Herrn Moser:
So einfach kann man nicht sagen, dass wir heute mehr arbeiten als je zuvor bzw. dass wir weniger Zeit haben als jemals zuvor. Das stimmt so nicht. Die durchschnittlich pro Person geleisteten Arbeitsstunden sind im historischen Verlauf jahrzehntelang gesunken. Nehmen wir Frankreich und Schweden als Proxy für Europa (da gehen die OECD-Datenreihen am weitesten zurück): Sie sind von über 2000 Stunden im Jahr 1950 auf aktuell 1600 (Schweden) bzw. weniger als 1500 Stunden (Frankreich) gesunken (Quelle: https://stats.oecd.org/Index.aspx?D…ode=ANHRS#). In den USA betrug die wöchentliche Arbeitszeit (Manufacturing) mehr als 60 Stunden. Vor 1930 waren es mehr als 50 Stunden, in der Nachkriegszeit fiel die Zahl der Wochenstunden kontinuierlich auf gut 40 Stunden (Quelle: https://eh.net/encyclopedia/hours-o…s-history/).
Was stimmt: In den meisten Ländern wurde seit den 1980er-Jahren ein Plafond erreicht und die geleisteten Arbeitsstunden sinken nicht mehr weiter.

Ein Punkt zum Konzept der "Wochenarbeitszeit pro Familie" von Herrn A.: Haushalts-Arbeiten waren vor 50 Jahren (typischerweise von Frauen verrichtet) ungleich zeitaufwendiger als heute. Waschmaschine, Tumbler, Geschirrspüler, Pampers, etc. etc. haben hier deutliche Zeitersparnisse ermöglicht. Die Tatsache, dass diese Haushaltsarbeiten nicht entlohnt wurden, bedeutet nicht, dass keine Arbeit geleistet wurde.

Bedenken Sie zudem die enorme Zunahme der Lebenserwartung in den letzten hundert Jahren: Bis 1920 lag die Lebenserwartung bei Geburt in der Schweiz sowohl für Männer wie auch für Frauen unter 60 Jahren. Für Frauen stieg die Lebenserwartung bei Geburt erst kurz vor 1950 über 70 Jahre, bei Männern war das erst kurz vor 1970 der Fall. Heute liegt sie knapp über (Frauen) respektive knapp unter (Männer) 80 Jahren. (Quelle: https://www.bfs.admin.ch/bfsstatic/…909/master).
Das gesetzliche Rentenalter blieb während all diesen Jahren nahezu unverändert. Wenn Sie also eine geleistete "Lebens-Arbeitszeit" betrachten, arbeiten wir heute eindeutig weniger als 1910, 1930, 1950 oder 1970.

Natürlich ist mir bewusst, dass unser heutiges Arbeitsumfeld viel Stress verursacht, dass der Leistungsdruck und die ständige Erreichbarkeit neue Krankheitsbilder verursacht. Diese Signale müssen ernst genommen werden. Aber nochmals: Die Behauptung, wir arbeiteten heute mehr als je zuvor, ist falsch.

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H. A.
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E. N.
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Lieber Herr Dittli besten Dank für Ihre Antwort. Gerne möchte ich darauf hinweisen, dass ich nicht gesagt haben wir würden mehr Studen arbeiten (Arbeitstage aber werden in der Tendenz intensiver). Was ich meine ist eine natürlich eher Subjektive (von vielen geäusserte Beobachtung mit der Zeit), wenn auch Soziologen dies bestimmt systematisch untersuchen. Das wir weniger Zeit haben als früher ist eine Hypothese, die so einfach wirklich nicht zu bestätigen ist. Zuerst wäre da die Frage wie man dies überhaupt messen könnte. Was bestimmt passt, ist das wir weniger freie Zeit haben (Hypothese). Bestimmt nicht weniger als immer aber bestimmt weniger als in den 80er Jahren. So oder so zeigen die von Ihnen verlinkten Statistiken jedoch deutlich, dass die Heilsversprechen der Technologisierung nicht eingehalten werden konnten. Dies hat jedoch auch, wie Sie im Artikel ja auch geschrieben haben, mit einer wohl nicht vorhandenen fairen Verteilung der gewonnenen Effizienz zu tun. Weiter weiss ich auch, dass es umstritten ist (oder tendenziell eher war) ob die Arbeitsbelastungen zunehmen. Es gibt Leute die sich ernsthaft damit befassen und darauf hinweisen, dass der Klimawandel auch lange umstritten war.
Nehmen wir aber an die Arbeitszeit hat sich seit 30 Jahren kaum verändert. Die Frage, die hier wichtig ist: welche Zeit wird gemessen? Bzw. Wie definiert man Arbeitszeit? Wenn ich mich nach dem Arbeiten vermehrt ausruhen muss, zählt dies nicht zu der Arbeitszeit, jedoch wird mir Freizeit genommen. Wichtig wäre hier beispielsweise zu wissen, wie die Stunden verrechnet werden, die aufgewendet werden E-Mails zu lesen und sich deshalb auch weiterhin Gedanken zur Arbeit zu machen. Die Statistiken geniesse ich also mit Vorsicht, da ich nicht glaube, dass neue Phänome der Arbeit genügend mitberücksichtigt wurden. Gerade wenn vermehrt Leute nicht über Arbeitszeit, sondern über das Erreichen von Zielen entlohnt werden habe ich grosse Fragezeichen wie man auf eine verlässliche Stundenangabe kommen möchte (es gibt auch die Tendenz Stunden nicht aufzuschreiben, damit das BGM nicht Alarm schlägt).

Somit möchte ich bezüglich der Arbeitszeit folgende Aussage in den Raum stellen: Wenn wir gleich viele Stunden arbeiten, aber einen intensiveren Arbeitstag haben (und uns zum Beispiel verstärkt erholen müssen), dann arbeiten wir mehr.

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E. N.
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Ich bin sehr dankbar um Ihren Kommentar Herr A., da es mir ebenfalls besonders erwähnenswert scheint. Trotz allen versprechen von einer besseren Zukunft haben die Leute heute so wenig Zeit wie noch nie. Weiter ist auch feststellbar, dass die Arbeitsbelastungen in den letzten Jahren zugenommen haben (zum Beispiel der Job-Stress-Index der Gesundheitsförderung Schweiz zeichnet ein kritisches Bild der aktuellen Situation). Viele Angestellte stehen unter starkem Druck und sind gestresst. Es scheint in der psychologischen Forschung eine Tendenz erkennbar zu sein, dass der Leistungsdruck auf die Angestellten stark zunehmen (befasse mich wissenschaftlich in meiner Bachelorarbeit damit). So scheint es auch nicht zu staunen die Prävalenzen psychologischer Störungen steigen. Unserem Wirtschaftssystem liegt ein Wachstumszwang zugrunde, der es unmöglich machen wird, dass wir plötzlich mehr Zeit haben werden. Das immer mehr zeigt sich im realen Leben.

Der technische Fortschritt ist stark durch den GLAUBEN einer Zukunft geprägt, in der wichtige gesellschaftliche Themen technisch gelöst werden können. Man kann diese Argumente in fast jeder politischen Debatte beobachten (prominentes Beispiel: Klimawandel). Weiter hat sich das Produktivitätsdogma (welches ebenfalls den technischen Wandel vorantreibt) dermassen tief in unsere Kultur eingeprägt, dass wir uns bis zum Gehtnichtmehr selbst vermessen und optimieren. Wir sind dabei uns als Menschen aufzugeben, bzw. es ist teilweise schon stark passiert und lassen uns von der Taktfrequenz der Maschinen leiten (Bsp. Finanzmärkte, Lichtsignale, Fitnessapps,...).

Wir haben fast alle handwerklichen Tätigkeiten abgeschafft, betätigen uns aber in der Freizeit kreativ und treiben Sport bis zum Kollaps. Die Erleichterung des Menschen schlechthin (Maschinen) hat uns vor Bildschirme verfrachtet, wobei wir unser Menschsein nicht zum Ausdruck bringen können und unsere Sinne verkümmern lassen.

Nicht die Maschinen beugen sich der Natur des Menschen, sondern der Mensch beugt sich der Logik der Maschinen.

Meiner Meinung nach sollten wir uns demokratisch für Alternativen stark machen.

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H. A.
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gelöscht

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gelöscht, weil kommentarlose Dislikes feige sind!

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Die meisten der neu geschaffenen Jobs erfordern hohe Ressourcen: nicht nur kognitive, sondern auch proaktive, lösungsorientierte und kreative. Der Mensch als Befehlsempfänger, der auf Abruf monotone Tätigkeiten verrichtet, wird in einer solchen Zukunft kaum mehr eine existenzsichernde Beschäftigung finden.

Für Bildungspolitiker, Lehrer und Medienpädagogen heisst es nun die Weichen so zu stellen, dass Schulabgänger in 10 Jahren in der Lage sind, sich diesem Kreativitätswettbewerb zu stellen. Doch noch immer wird die Medienpädagogik in der Bildungslandschaft als Dekor und nicht als essentielles Mittel zur Zukunftsbewältigung gesehen.

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Die historische Perspektive fand ich spannend. Ich fühle mich aber bestätigt, dass ich hier so viele inhaltlich kritische Voten sehe, insbes. was die KI heute wirklich kann. Die Republik hat versprochen, die relevanten und fundierten Informationen zu bringen. Dittli bringt hier eine schlecht belegt Aussage oder formuliert dabei zu reisserisch-missverständlich: "Man muss einem Computer heute nicht mehr abschliessend einprogrammieren, was eine Katze oder ein Stuhl ist. Er lernt es selbst." Es gibt bisher meines Wissens keinen Algorithmus, der /von sich aus/ lernen kann, was eine Katze ist. Es gibt zwar Algorithmen, die autonom eine Riesen-Bilderkollektion /gruppieren/ können. Die meisten der vom Algorithmus gefundenen Gruppen decken sich dann aber nicht mit menschlichen Begriffen wie "Katze" oder "Stuhl" sondern bleiben abstrakter Natur. Und selbst wenn eine "Katzen"-Gruppe identifiziert würde, der Algorithmus erkennt nicht "Das sind jetzt Katzen". Er erkennt nur, dass Bilder 159. 456, 753 etc. zur Gruppe XZY gehören und weitere, zukünftig präsentierte Bilder auch zu dieser Gruppe passen könnten. Der Begriff "Katze" oder die Aussage " Das sind alles Katzen!" wird dabei nicht generiert. Zum anderen gibt es Algorithmen, die in einer langen, vom Mensch aufgezwungenen (also auch nicht autonomen) Trainingsphase, bereits vom Menschen vorgruppierte Bilder verarbeiten und daraus das typisch Verbindende dieser Gruppe destillieren. Nachdem man dem Algorithmus also im Training Tausende Bilder von Katzen gezeigt hat (die wohlgemerkt Menschen mit herkömmlichem Hirnschmalz vorgängig in die Gruppe "Bilder mit Katzen drauf" sortieren mussten), nach diesem "visuellen Programmieren" kann der Algorithmus dann zukünftig präsentierte Bilder als wahrscheinlich auch dieser Gruppe zugehörig detektieren, weil es die antrainierte Mustererkennung nahelegt. In beiden Algorithmen Typen lernt der Algorithmus eben nicht autonom "Ich sehe eine Katze". Im ersten Fall kann er die identifizierte Gruppe nicht benennen; im zweiten Fall musste der Mensch vorgängig sagen: die Gruppe heisst "Katzen". Auch der zweite Algorithmus hat aber, obwohl er "Katze" ausspucken mag, keinen blassen Schimmer was eine Katze ist (ein Lebenwesen, hat Fell, ist Haustier, braucht Nahrung, bewegt sich....) noch was ein Stuhl ist (ein Möbel, bewegt sich aber trotz dieses Namens nicht selber, braucht keine Nahrung ausser etwas Politurauffrischung, Menschen sitzen drauf aber nicht auf die Katze...). Diese Projektionen von mitgemeintem Urteilsvermögen machen wir Menschen aber schnell, weil diese Leistungen für Erwachsene so mühelos sind.
Es Detail: die Bildbezeichnung für den Escher (1. Bild) lautet: "Ein Roboter ohne Aussenhülle, aufgehängt an einem Seil". Nur schon hier leider ein Fehler: Der Escher hat bisher keine "Aussenhülle". Der sieht wirklich so "blutt" aus, wenn er getestet wird. Und sein "Notfalleinsatz" muss bisher auf sauber ausgepützelten Testparcours stattfinden. Ich sehe extrem viel Potential, dass er sich auf einem realen Notfallgelände physisch verhedddert und selber gerettet werden muss...
Merci für's Lesen, Sorry für die Länge.

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Einspruch, lieber Herr D. Lange galt der Grundsatz des "Polanyi's Paradox" (we know more than we can tell). Wir erkennen eine Katze oder einen Stuhl, ohne genau zu wissen, weshalb wir diese eindeutige Identifikation machen können. Um bei meinem Go-Beispiel zu bleiben: Die weltbesten Go-Spieler können in der Regel nicht genau erklären, weshalb ein Spielzug für sie genial ist. Sie wissen es einfach irgendwie (auch hier: they know more than they can tell. Deshalb war Go für Computer auch so schwer zu knacken). Und deshalb galt lange die Maxime, dass selbstlernende Systeme nicht über das Polanyi's Paradox hinauskommen - weil ihnen keine eindeutigen Regeln einprogrammiert werden können. Doch mit dem Einsatz von grossen Datenmengen ist ein selbstlernendes System immer besser in der Lage, ein induktives "Reasoning" zu erlangen. Natürlich muss der Algorithmus, um beim Beispiel zu bleiben, eine grosse Anzahl von Bildern verarbeiten, auf dem ein Stuhl zu sehen ist - aber damit lernt er immer besser, was ein Stuhl ist. Und ist in der Lage, einen Stuhl auf einem Bild zu erkennen, wenn er nicht vier Beine und keine Rückenlehne hat.
Das sind bloss Anfänge, gewiss, doch ich bleibe bei meiner Aussage: Auf Gebieten wie Sprach- und Bilderkennung mit selbstlernenden Systemen sind allein in den letzten zwei Jahren riesige Fortschritte erzielt worden. Das ist weder reisserisch noch schlecht belegt.

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Klar gibt es Fortschritte. Aber: einem Algorithmus 10'000 vom Menschen vorsortierte Katzen-Bilder zu zeigen, damit er lernen kann "Aha, das sind Katzenbilder" (Training zur Mustererkennung) ist für mich ein bedeutender Unterschied zu autonomem (unassistiertem) Lernen und Entdecken "Das ist eine Katze!" /ohne/ dass es einem vorher 10'000 mal von aussen gesagt wurde. Ihre Formulierung "Er lernt es selbst" legt nach meinem Sprachgefühl letzteres nahe.

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Ich denke dass die Herren Dittli und D. aneinander vorbeireden. Jeder hat in seiner Welt recht. Das sollte man so stehen lassen.

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Das ist ja alles richtig.
Aber man muss halt schon auch eingestehen, dass ein Journalist eben Journalist und kein Experte ist. Ausserdem sind die meisten Leser mit Experten überfordert, und brauchen die von Journalisten produzierte Abstraktion, um sich dem Thema zu nähern.
Richtig weh tut es erst, wenn gewisse Leute nicht mehr zwischen Abstraktion und "Fakt" unterscheiden wollen, und dann Schlüsse ziehen, die nur in der Abstraktion funktionieren und mit der Realität so viel zu tun haben wie Star Wars mit Mondlandung.
Man könnte diese Diskrepanz zwischen Expertenmeinung und journalistischer Zusammenfassung entschärfen, wenn die Abstraktion mit Links auf die Expertenquellen verweise. Dann könnte jeder Leser selber wählen, wie tief er in die Materie eintauchen möchte.

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H. A.
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gelöscht

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Ich möchte mich dem Vorschlag von Herrn A. anschliessen - ein Abstract wäre toll!

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Danke für den Vorschlag. Ich werde ihn gerne in die Redaktion einbringen.

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Ja, unbedingt Abstract. Dazu die Möglichkeit, zwischen der ausführlichen und einer gekürzten Fassung zu wechseln. Nach (nicht vor!) jedem "ausführlichen" Abschnitt ein Link mit der Bezeichnung "Weniger". Klickt man, verschwinden alle ausführlichen Abschnitte, und an ihrer Stelle gibt es "Mehr"-Links. Ich habe ein ähnliches System kürzlich bei technischen Anleitungen gesehen, dort sind die ausführlichen Abschnitte eingerückt und mit dem hässlichen Titel TL/DR bezeichnet, was offenbar so was wie "too long, don't read" bedeutet.

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Exzellenter Vorschlag

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H. A.
· editiert

gelöscht

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Das ist schon in Ordnung. Eventuell könnte es helfen, wenn man gleich zu Beginn a) eine kurze Zusammenfassung hätte
b) einen kurzen Abriss in welchem Kontext dieser Artikel steht resp. was noch folgen wird.

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Genau das war meine Absicht: Eine Einführung zu diesem Thema zu geben. Was ist denn Ihrer Ansicht nach die wesentliche Problematik, die nicht thematisiert wird?

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Es geht weniger darum was "fehlt" - ein Artikel kann wohl niemals alles inkludieren - sondern was bei mir aneckt, ist ein Versuch ein seit Jahrzentes bestehendes Kontinuum an einer medial künstlichen Singularität festzumachen, die es weder in der Praxis noch der Theorie so gibt.
Dass Marketingblasen entstehen und ein Thema plötzlich in aller Munde ist, hat primär mit dem Medienzirkus und nur bedingt etwas mit der "Plötzlichkeit" zu tun, die man hier herbeireden möchte.

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Na ja. Irgendwo muss man halt mal anfangen.
Aber ich kann mitfühlen. Auch ich finde die Kommentare und der Austausch hier spannender als die oft risikolose Flachmalerei im Bemühen, es möglichst allen recht zu machen und nirgends anzuecken.
Auch mir fehlt hier etwas die Kante im Text.

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Werter Herr Baron - berücksichtigen Sie, dass nicht alle unsere Leserinnen und Leser die Möglichkeit hatten, sich seit 30 Jahren mit dem Thema KI zu beschäftigen.

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P. G.
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Guten Tag Herr Dittli

Danke für Ihren Artikel, der die Geschichte wieder einmal aufrollt.

»Am Ende werden sich die Auswirkungen der vierten industriellen Revolution wiederum an Verteilungsfragen entscheiden: Wie...« ...das Fazit.

Heisst das »Im Westen nichts Neues«? War es nicht immer so, dass der grosse Teil der erhöhten Produktivität an die Investoren floss und im Wettbewerb aufgerieben wurde. Doch, wir arbeiten weniger als vor 100 Jahren üblich war, die Arbeitsrechte möchte niemand zurückgeben, ganz leer sind die Arbeitnehmer also nicht ausgegangen. Aber der Zenit dieser Entwicklung scheint überschritten.

Wenn ich mir angucke, wie viele Arbeitskräfte kaum noch Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Geschäfts- und Privatleben ziehen, informellen Vorgaben und kollektivem Druck folgend, der Allzeitpräsenz der Mobilkultur ausgesetzt, wird mir »gschmuch«. Von Burnout, Depressionen usw. will ich gar nicht sprechen. Mit der stets geforderten Selbstverantwortung (für die ich durchaus bin, wenn Freiheit und Mittel zu eigenständigem Handeln gegeben sind) sehe ich viele Arbeitskräfte am Abgrund der Selbstausbeutung stehen.

Wenn weitere Produktionssteigerungen nun auch die Gutqualifizierten zu ersetzen beginnen, die Gewinne an Zeit und Kapital wieder vorwiegend in den Wettbewerb und an Aktionäre fliessen, was dann? Wohin bewegt sich diese Arbeitswelt? Wagen Sie sich auf die Äste Herr Dittli?

Danke und freundliche Grüsse
P.G.

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Lieber Herr G.
Nein, ich bin nicht der Meinung, dass es immer so war, dass der grosse Teil der Produktivitätsfortschritte an die Investoren floss und im Wettbewerb aufgerieben wurde. Der Wettbewerb des Marktes ist eine Konstante, der überhaupt den Anreiz gibt, Produktivitätsfortschritte zu erzielen. Im Verlauf der Historie gab es immer wieder Phasen, in denen die Produktivitätsfortschritte vor allem an die Investoren floss (z.B. die von mir beschriebene Phase der "Engels' Pause"), doch es gab immer auch Gegenbewegungen, in denen die Produktivitätsfortschritte mehr zu den Arbeitnehmenden flossen (z.B. zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, oder auch die drei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg).

Ich sehe die Entwicklung unserer Arbeitswelt auch nicht so pessimistisch. Ja, der Druck nimmt an vielen Orten zu, ja, Burnout etc. sind Themen, die uns beschäftigen. Trotzdem sind die Möglichkeiten, die sich bieten, heute so reich wie selten zuvor.

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Nach dem Lesen des Artikels und der Debatte dünkt mich, dass die Betrachtung zu sehr von der individuellen Seite - ein Roboter ersetzt (m)einen Arbeitsplatz - ausgeht.

Es schimmert in der Debatte zwar an einigen Stellen durch - das eigentliche Problem beim Ersatz von Individuen durch Technik, bzw. dem massiven Einsatz von "4.0"-Techniken an sich ist meines Erachtens viel mehr die dabei stattfindende Machtverschiebung und Machtkonzentration.

Ein plakatives Beispiel dazu: Vor 20 Jahren bestand die Kommunikation und Koordination in einer Schweizer Schulklassse in Gesprächen, Fotokopien, Zetteln und lokalen Telefonaten. Heute läuft das zu nahezu 100% über einen Gruppenchat unter der Kontrolle eines einzigen Grosskonzerns (Whatsapp = FaceBook). Das Problem dabei ist nicht, dass die Kommunikation elektronifiziert wurde. Sondern dass sie gleichzeitig monopolisiert wurde. Dasselbe gilt natürlich für industrielle Produktionsprozesse, die ohne Cloud-Infrastruktur der immer gleichen grossen Anbieter nicht mehr funktionieren.

Diese krasse Konzentration gesellschaftlich und wirtschaftlich notwendiger Werkzeuge unter der Regie weniger privater Grosskonzerne sind das Problem. Die Technik an sich könnte auch dezentral realisiert werden - aber das geschieht nicht, weil durch den Zusammenzug enorme Skalierungsgewinne für den Betreiber erzielt werden können. Die Kosten sind auch enorm, nur nicht für die Betreiber: fragile Infrastruktur, Überwachung und Manipulierbarkeit im grossen Stil, Verlust von Autonomie (auf allen Ebenen).

Statt sich jetzt eine Monopol- oder Zentralisierungssteuer zu wünschen, könnten gerade wir in der Schweiz den Spiess auch umdrehen: Ein Land mit Tradition und Erfahrung mit föderativen Strukturen sollte erkennen, dass auch Technik sehr wohl dezentral konzipiert und betrieben werden kann, anstatt digitalen Diktaturen zuzudienen. Dafür könnte die Schweiz Forschungsschwerpunkte setzen und finanzieren, Umsetzungen fördern - und meinetwegen "Föderation 4.0" nennen, wenn's denn sein muss...

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Ich habe meine Kommentare gelöscht. Ich kann mit kommentarlosen Bewertungen nichts anfangen. Das bringt niemanden vorwärts.
Mir geht es nicht darum ob positiv oder negativ.
Grundsätzlich empfinde ich kommentarlose Wertungen als arrogant und feige. Das ist mir zu einfach. Von R und seinem Pulikum erwarte ich mehr. Sorry to say.

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Schade! Gerade Ihre Meinung hätte ich gerne gelesen, denn mir waren andere Kommentare von Ihnen weiter zurück in der Diskussion aufgefallen. Leider konnte ich zwischen heute morgen und gerade jetzt den weiteren Verlauf der Debatte nicht verfolgen, und weiss daher nicht, was gesagt wurde und jetzt schon wieder weg ist. Grundsätzlich würde aber den Zustimmungs/Ablehnungszähler nicht so wichtig nehmen - ich glaube, stark empfundene Opposition oder Zustimmung würde zu einem Kommentar führen, Zählerclicken ist mehr ein mildes "ja, passt" bzw. "nein, eher nicht so". Ich frage mich auch gerade, ob der in einem Forum wie diesem überhaupt etwas bringt.

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Anonymous
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Es stimmt m.E. nicht, dass industrielle Revolutionen "gleichzeitig" mit der Zerstörung klassischer Arbeitsplätze neue, höherwertige Arbeitsplätze erschuf. Vielmehr lagen zwischen Zerstörung und Erneuerung oft Jahrzehnte des Elends für Viele, und allzuoft auch mindestens ein Krieg.

Will man es auch diesmal drauf ankommen lassen, oder ist die Menschheit fähig, aus der Geschichte zu lernen?

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Absolut - die Anpassungsprozesse von wegfallenden hin zu neuen Jobs verlaufen nicht gleichzeitig. Wir sprechen hier von Prozessen, die sich über Jahre oder Jahrzehnte erstrecken. Und natürlich fand keine der in meinem Text beschriebenen "industriellen Revolutionen" im luftleeren Raum statt. Auch können wir weder direkte Kausalitäten noch Schlüsse über alternative Geschichtsverläufe ziehen. Wie hätte z.B. in den frühen 1920er-Jahren, während der zweiten industriellen Revolution, der Arbeitsmarkt ausgesehen, wenn es keinen Ersten Weltkrieg, keine spanische Grippe und keine Revolution in Russland gegeben hätte?

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Zitat: "Es stimmt m.E. nicht, dass industrielle Revolutionen "gleichzeitig" mit der Zerstörung klassischer Arbeitsplätze neue, höherwertige Arbeitsplätze erschuf": können sie mir ein Beispiel nennen?

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Ich denke, worauf Herr W. den Fokus legen will, ist das ahistorisch verwendete Wort "gleichzeitig". Denn das "gleichzeitig" bezieht sich auf eine Bilanz, die einen Zeitraum von Jahrzehnten umfassen kann. So heisst es in der McKinsey-Studie (die den Artikel inspirierte): "that an equilibrium between the supply and demand of jobs in labor markets has always been reached historically, even if the transition period may be difficult" (S. 48).
Transitionsperioden der Umstruktierung (De-Agrikulturalisierung, De-Industrialisierung, usw.), gerade auch im Kontext der Geschichte allgemein, Kapitalismusgeschichte und Globalisierung (Stichwort "Offshoring"), gingen also immer auch einher mit Friktionen und Krisen ("Pauperisierung", "soziale Frage" etc.). So heisst es - als Beispiel - in derselben Studie: "that increasing structural unemployment of non-college US whites of the past two decades—driven by automation and offshoring in manufacturing, among other things—may have contributed to rising morbidity rates" (ebd.).
Gegenüber der globalen Betrachtung steht also die (sozial-)historische, lokale und sektorielle Betrachtung. Und beide müssen selbstredend zusammen gesehen werden. Denn von weit aussen oder hoch oben betrachtet und in reinen Zahlen formuliert sehen "Zeiten der Anpassung" wie von einer unsichtbaren Hand gesteuerte natürlich fliessende Evolutionen aus, werden aber in der rohen Wirklichkeit "down to earth" natürlich von vielen "dirty hands" angepackt.

LG

P.S.: Zum Nachlesen siehe den "Full Report" auf https://www.mckinsey.com/global-the…-and-wages

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Für mich die grösste Überraschung in der neuen Republik sind die anregenden, gesitteten Kommentare von anständigen und intelligenten Menschen, welche mit ihrem Namen zu ihrer Meinung stehen. Bravo! Sowas hätte man in Zeiten der "very stable genius"-Twitter-Trollen gar nicht mehr für möglich gehalten.

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Fasziniert hat mich, dass schon vor so langer Zeit über ein bedingungsloses Einkommen nachgedacht wurde, und bis heute nicht umgesetzt ist. Schade eigentlich, und eine verpasste Chance.

Die Arbeitsplätze wandeln sich, stellen sie fest. Das dabei schon heute Menschen aus dem System fallen, weil sie eben nicht in der Lage sind, zu studieren oder eine Lehre zu absolvieren, kehrt man geflissentlich unter den Tisch. Diese Menschen können dann in einer geschützten Werkstätte viel Steuergelder kosten, um ein paar Franken und ein wenig Anerkennung zu verdienen.

Ich denke, was wir jetzt machen sollten, ist eine Diskussion über die Arbeit im allgemeinen zu führen. Wenn es "uns" ja nicht mehr braucht, müssen und sollten wir uns neue Felder schaffen, die uns (hoffentlich) nicht nur Brot bescheren, sondern auch noch Freude machen.

Dann hätten wir etwas positives geschaffen. Falls je jemand auf die geniale Idee käme, dass es eigentlich gar kein Geld mehr braucht, wäre wohl auch die Armut binnen kürzester Zeit besiegt.

Dazu wird es - vermutlich - wie immer - nicht kommen. Schade eigentlich.

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Ich habe meine Antworten aus zwei Gründen gelöscht.

  1. wurde ich falsch zitiert, habe das angesprochen, man ist darauf nicht eingegangen.

  2. kann ich mit kommentarlosen Disklikes nichts anfangen. Ich empfinde diese als respektlos und feige, und frage mich, was man hier mit einem Monolog denn erreichen will.

  3. Zeigen mir die Likes hier in welche Richtung sich R entwickelt. Nicht mein Ding, sorry!

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Wow....
Zitat: "Was wir brauchen ist keine Diskussion über Einkommen, sondern eine darüber, warum es Menschen grundsätzlich nicht schaffen Kompetenzen aufzubauen, welche im Hier und Jetzt auch tatsächlich benötigt werden"

Jetzt stellt sich mir natürlich schon die Frage, ob die heutige Wirtschaftswelt denn die einzige Definitionsmacht darüber haben soll, welche Kompetenzen ein Mensch braucht und welche nicht.
Oder wie er für andere wertvoll sein kann.

Und übrigens: Schon alleine was an freiwilliger Haus- Betreuungs und Pflegearbeit geleistet wird, wäre schlicht nicht finanzierbar, wenn all die Menschen, die sie leisten, nur noch gegen Bezahlung arbeiten würden.

Und doch, wenn wir immer mehr die Arbeit für weniger Leistungsfähige abschaffen, müssen wir über Einkommen reden und früher oder später Alternativen finden.

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Die sog. «Robotersteuer» war bereits vor 40 Jahren, bei der Einführung der ersten Fertigungsroboter in der Autoindustrie, v.a. in Deutschland ein Thema. Und nach meiner Meinung hat man damals die grosse Chance verpasst, die Finanzierungsgrundlagen der Sozialwerke – wie AHV, Krankenkassen etc. – zu erweitern.
Die Idee ist ja bestechend: Ersetzt ein Roboter einen Arbeiter am Fliessband und arbeitet 7/24/365 dann sollte das Unternehmen weiterhin mind. die Sozialabgaben des ersetzten Arbeiters an den Staat bezahlen. Problem Finanzierung AHV etc. gelöst.
Aber nach welcher Grössenordnung sollten diese Abgaben berechnet werden? Eine Möglichkeit wäre die Leistung aller in einem Roboter/System verwendeten CPUs (Central Processor Unit) als Kenngrösse für die Berechnung.
Nicht nur braucht jedes System solche CPUs, mit der technischen Entwicklungen (immer schnellere Processoren, grössere Speicher) wäre eine kontinuierliche Anpassung des Multiplikators nach unten ohne Probleme möglich.
Der positive Effekt: Es würden sehr viel effizientere, für spezifische Anwendungen designte Processoren entwickelt, weil sie Kosten sparen würden.
Nach meiner Meinung bringt die vierte industrielle Revolution in erster Linie eine Beschleunigung bei der Umverteilung von Vermögen von unten nach oben (wir stecken ja mittendrin). Und die weitere Zunahme der Erdbevölkerung und des Ressourcenverbrauchs wird es nicht mehr möglich machen, dass schlussendlich die ganze Gesellschaft von der Entwicklung profitieren kann. Das geht eher in Richtung Brave New World und Blade Runner ...

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In der neuen Welt ERSETZEN "Roboter" weniger Arbeitsplätze in einem 1:1 Ablöse-Szenario, sondern schaffen völlig neue Arbeitswelten, die zum ersten mal überhaupt in dieser Form aufpoppen.
Oder wie wollen sie z.B. sich für einen Bruchteil von Sekunden selbst assemblierenden Nanobots besteuern?
Auch der Begriff "CPU" beginnt sich aufzulösen...
etc.
Die grosse Veränderung besteht vermutlich eben genau darin, dass Technologie nicht mehr wie bis anhin Arbeitskraft in einem 1:n Modell "ersetzt", so wie das bei der Mechanisierung und Automatisierung noch der Fall war, sondern "Arbeit" und vor allem die damit einhergehenden Schnittstellen ganz neu definiert.
Die 4. Revolution - sofern man den meiner Meinung nach völlig stupiden Begriff verwenden will - hat wenig mit den Vorgängern 1-3 zu tun. Damit lassen sich deren Erkenntnisse nur bedingt übertragen. Im Gegenteil, das Festhalten an den alten "Revolutionen" hindert uns das Neue richtig zu denken.

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Eine Roboter Stauer basieren auf verbauten Komponenten, würde wohl zu kuriosen Entwicklungen führen. Z.b. anzahl CPU Kerne, dann ginge man zurück zu einem und bastellt alles mit „Hyperthreading“ zusammen. Das wäre ein unnötiges Katz und Maus spiel, eins in der die Maus traditionell wesentlich agiler unterwegs ist.

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Das Modell der Robotersteuer scheitert spätestens dann wenn Roboter nicht mehr 1:1 einen Menschen ersetzen.

  • Welche Steuer würdest du zB für einen algorithmischen Anlageberater (Roboadvisor) erheben? Der ersetzt ja nicht nur den Anlageberater, und auch in traditionellen Banken arbeitet der Berater nicht alleine

  • oder nimm Google: wieviele „Fräuleins von der Telefonauskunft“ ersetzt eine Suchmaschine?

  • Welches Arbeitskraft-Äquivalent würdest du bei einer vollständig automatisierten Fabrik bestimmen? Eine Fabrik welche in ihre Produktion nur mit Roboter erstellen kann, zum Beispiel in der Chipherstellung oder der Nanotechnologie?

Einsatz von Robotern schlägt sich in der Produktivität und Rendite von Unternehmeb nieder, die werden heute schon besteuert.

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Eine der interessanten Fragen ist, wie sich das Gesamteinkommen auf die verschiedenen Produktionsfaktoren (traditionell sind das Arbeit und Kapital) verteilen wird; wieviel des BIP also als Löhne und wieviel als Gewinne und Zinsen ausbezahlt wird. Historisch waren die Anteile meines Wissens ziemlich konstant, mit dem Anteil der Arbeit bei über 60%. Es hängt von der Produktionsfunktion, d.h. dem Zusammenspiel von Kapital und Arbeit, deren Angebot und deren Substituierbarkeit ab, wie gross die Anteile sind. Wie im Beitrag erwähnt, ändert sich der Charakter des Kapitals mit der vierten industriellen Revolution (weniger Hardware, mehr Software). Was das für den Arbeits- und Kapitalanteil am BIP bedeuten wird, weiss ich nicht; wahrscheinlich gibt es schon Studien darüber. Problematisch wäre natürlich vor allem, falls der Arbeitsanteil sinken würde.

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Breits 1987-89 hatte ich mich mit KI befasst und habe die letzten zwei Jahre - beruflich bedingt - viele Seminare, Workshops und Meetups zum Thema besucht.
Fazit: Erstaunlicherweise hat sich in den letzten 30 Jahren grundlagenmässig überraschend wenig getan.
Zwar habe ich jetzt im Handy mehr CPU-Power (für KI und die EchtzeitVerarbeitung von Sensordaten) als man sich damals überhaupt kaufen konnte (wussten sie, dass heute vor allem Graphikchips KI-Aufgaben übernehmen?). Ansonsten aber sind viele grundlegenden Probleme der KI immer noch nicht gelöst:
z.B. bringen sie einer KI mal bei, etwas gezielt zu vergessen, oder versuchen sie nachzuvollziehen WARUM die KI so doof reagiert. Man kann KI - wenn überhaupt -
nur schlecht "reparieren". Zudem braucht man immer noch unglaublich grosse Datenmengen, viel Zeit und Rechenleistung um mit sehr kleiner Wahrscheinlichkeit das gewünschte Resulat zu erhalten. Rechliches lassen wir mal aussen vor, etc. etc.
Wenn man mal etwas im Thema drin ist, sind neue Roboter auch nichts anderes als die Webstühle von damals in neuen Anwendungsbereichen. Das ist für mich keine Revolution, sondern - sofern man das so sagen möchte - lokal begrenzter Imperialismus.
Auch die Arbeitsplatzdiskussion halte ich persönlich für absurd. Ablösung durch Roboter und KI ist zahlenmässig lächerlich im Vergleich zum zentraleuropäischen Arbeitsverlust durch Verlagerung in billigere Produktionsländer. Und gerade Roboter werden es sein, die uns Schweizern genau diese abgewanderten Arbeitspläze wieder zurück in die Schweiz holen (wobei natürlich klar ist, dass der entlassene Monteur von damals nicht RoboterCoder werden wird - dafür aber sein Kind).
Der Aufschwung der Schwellenländer - insbesondere von China - wird DER Haupttreiber und Impulsgeber sein und zwar unabhängig davon, wo wir bezüglich der Digitalisierung stehen.
Auch sollten wir und nicht davon blenden lassen dass gewisse Themen erst mit 10-15 Jahren Verspätung doch auch mal noch in der Geschäftsleitung angekommen sind. Das hat nichts mit Technolgie zu tun, sondern mit den Auswahlkriterien nach denen Führungskräfte selektiert werden.
Fazit:
Wer sich im DETAIL mit dem Thema befasst - sprich mit Leuten redet, die nicht nur verkaufen, oder sich zur Joberhaltung ein neues Qualifikationsfeld zusammenphantasieren, sondern an den Grundlagen- sprich auf der Bit und Bytes-Ebene arbeiten - empfindet das mediale Gequake wohl zwangsläufig als Mythenzoo der globalen Möglichkeiten ohne Realbezug.
Auf meinen Reisen letzthin (Singapur, Bankok) war zwar Digitalisierung der Grund aber nicht das AHA-Erlebnis. Die Panik kommt mit dem Bewusstsein um die Qualifikationsdichte in diesen Ländern im Vergleich zur zunehmenden Verblödung und Verweichlichung von Wohlstandeuropa.
Wenn wir uns in der Schweiz warm anziehen müssen, dann hat das ganz andere Gründe. Digitalisierung ist es nicht. Im Gegenteil! Sie ist eine Chance um uns vielleicht noch etwas Wohlstand in die nächste Runde zu retten!

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Mir geht es genauso. Vor über 30 Jahren hatte ich mich mit KI intensiv befasst, und es ist bis heute nichts Neues dazugekommen - ausser, dass die Maschinen sehr viel performanter geworden sind und heuristische Suchalgorithmen viel schneller abarbeiten. Auch Bildmustererkennung war vor 30 Jahren bekannt, aber damals noch völlig unrealistisch angesichts der verfügbarne Rechenleistung.

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Anonymous
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Wenn das Hauptproblem der Verlust von Arbeit ist, dann frage ich mich nach dem versteckten Sinn von Arbeit. Nehmen wir einmal an, dass diese vierte Revolution tatsächlich nichts mehr für den Menschen "übrig" lässt und die soziale Vernunft dazu führt, dass der daraus resultierende Wohlstand verteilt wird bzw. die Profite der Automatisierung und Robotisierung den ehemaligen Arbeitnehmern zugute kommen (Stichwort Grundeinkommen)....dann ist das grosse Problem der Zukunft die menschliche Langeweile und das Bedürfnis von 10 Milliarden Hirnen nach Zerstreuung und Ablenkung von der eigenen Unzulänglichkeit. Stellen Sie sich bloss einmal die Verdoppelung der Ferienzeit in der Schweiz vor und den daraus resultierenden Bedarf nach Freizeitaktivitäten, Reisezielen oder Zerstreuung.Wie soll die Erde das verkraften? Den ganzen Konsum aus Langeweile, den Massentourismus, die zig Methoden der Frustbewältigung.
Den Menschen an einem räumlich begrenzten Arbeitsplatz zu beschäftigen hat den Vorteil, dass er nur wenig Platz braucht, überschaubare Ressourcen vernichtet und zeitlich darin eingeschränkt ist, aggressiv oder depressiv zu werden.
Irgendwie läuft es für mich darauf hinaus, wie wir die riesigen Mengen an Menschenstunden, die hier frei werden, mit Sinn füllen können.

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Ich habe Mühe mit dem Begriff "Vierte Revolution". Sie nicht?

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Die Besteuerung von Produktionsmitteln ist an sich Unsinn. Unsere Vorfahren hätten mit demselben Argument Traktoren oder Webstühle besteuern können, da sie die Handarbeit in der Landwirtschaft oder in der Textilindustrie gefährdeten.
Letztlich stellt sich die Kardinalfragen: Was ist denn daran so schlimm, dass autonome System (stupide) Arbeit übernehmen? Was ist denn so schlimm an mehr Freizeit für alle? Die Seite des Geldes berührt nur die Frage der Verteilung der Produktivitätsgewinne. Hier muss auf lange Sicht eine vollständige und progressive Besteuerung die Grundlage für ein bedingungsloses Grundeinkommen schaffen, sonst haben wir am Schluss eine ganz üble Finanzoligarchie.

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Es ist eigentlich nicht schlimm mehr Freizeit zu haben. Ich könnte mich darüber nur freuen (zeitintensive Hobbies). Allerdings sollte ein grosser Teil der Freizeit nicht grösseren Konsum auslösen, da würde das Problem nur auf eine andere Schiene verlagert (begrenzte Resourcen, Umwelt etc.) Ich bin mir aber nicht sicher, ob alle damit umgehen können, wenn sie unvorbereitet auf sich selber zurückgeworfen werden, also nicht mehr zur Beschäftigung (Arbeit) angehalten werden. Auch wenn, das einfach erscheinen mag, ich denke, unsere Gesellschaft muss das zuerst lernen. Sonst könnte das Vakuum von populistischen Kräften vermehrt auch für problematische Zwecke genutzt werden. Um das zu lernen, braucht man Zeit, deshalb sollten die Arbeitszeiten für möglichst viele langsam gesenkt werden, aber im Moment ist eher das Gegenteil am laufen. Die einen müssen immer mehr arbeiten, während die anderen ganz aus dem Arbeitsprozess 'entsorgt' werden. Genau dies ist aber die Variante, welche über lange Sicht zu sozialer Unruhe führen wird. Ein moderates Umdenken, wäre von Nöten.

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Wir sollten auch nicht die Produktionsmittel, sondern den Energieverbrauch besteuern. Er ist es, der unsere Erde unbewohnbar machen wird. Mit einer Energiebesteuerung werden auch viele sinnlose Automatisierungen, gerade in der Landwirtschaft, unrentabel werden.

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Die Energiebesteuerung haben/kennen wir ja bereits.
Unter anderem hat sie dazu geführt, dass Arbeitsplätze (Schwerindustrie) in Länder ausgelagert wurden (z.B. China), welche diese eber gerade noch nicht erheben.
Klar könnte wir Bagger wieder durch Menschenkraft ersetzen. Aber wollen wir wirklich wieder in diese Arbeit zurück. Ich nicht. Sie?

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Könnten Sie erläutern, was Sie mit "sinnloser" Automatisierung in der Landwirtschaft meinen? Ich stand unter dem Eindruck, dass momentane Entwicklungen in Landwirtschaftlicher Automatisierung sehr erfreulich sind, da sie nicht nur ökonomisch sonder auch ökologisch sehr viel Sinn machen. Z.B. Aussicht auf gezielte statt flächendeckende Anwendung von umweltschädlichen Chemikalien wie Pestiziden. Siehe http://grantsaccess.ethz.ch/de/rese…/flourish/ https://www.sensefly.com/applicatio…lture.html

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Lieber Herr Dittli, ich zögere, dies zu schreiben, denn ich erhoffe mir viel von der Republik, tatsächlich einen positiven Impuls für den Journalismus (nicht nur in der Schweiz?). Nach dem langen Vorlauf sind die Erwartungen an das Projekt wahrscheinlich auch fast nicht zu erfüllen. Dennoch fasse ich mir ein Herz und sage aufrichtig: Nach den ersten Tagen tritt eine gewisse Ernüchterung ein. Alle Texte sind handwerklich auf hohem Niveau, sicher. Doch sie wirken oft altvertraut. Gerade Ihren Text habe ich so oder ähnlich schon mehrfach gelesen, teils selbst geschrieben. Von der Republik wünsche ich mir mehr überraschende Perspektiven und ungewöhnliche Denkanstösse zu den grossen Themen der Zeit - und weniger Geschichtsstunde. Mit den allerbesten Wünschen!

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Frau M., ich gebe Ihnen recht: Herr Dittli hat zwar einen Denkanstoss geliefert, aber er hat die Hintergründe der Automatisierung nicht wirklich verstanden und betrachtet sie primär als ökonomisches Phänomen. Dabei begleiten uns Automaten schon schon sehr viel länger; man nehme nur E.T.A. Hoffmann's Serapionsbrüder zur Hand. Die von mir weiter oben dargelegte Bedeutung der Russelschen Antinomie scheint er auch nicht zu kennen.

Trotzdem ist sein Artikel eine der besten, die ich zu diesem Thema gelesen habe. Die Republik macht ihr Versprechen durchaus wahr.

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Danke Herr F. für Ihre Anregungen. Ich habe das Thema tatsächlich primär aus der ökonomischen Perspektive betrachtet. Und Journalismus ist zwangsläufig immer eine reduzierte Erzählung. Das Thema Automatisierung füllt Bücher.

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Sehr gut geschrieben,vielen Dank, Herr Dittli! Historischer Kontext war für mich sehr interessant.
Wie steht es mit Entwicklung des Roboters in Sachen Moral, Glaube, Gefühlswelt, Empathie? Ist das nicht genügend 'Spielfeld' für uns Menschen, in dem wir uns künftig, wenn wir FAST nichts anderes mehr zu tun haben, abgesichert durch ein gesichertes Grundeinkommen, vermehrt einbringen und nützlich machen können?

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Lieber Herr Dittli

Besten Dank für diesen wunderbar erzählten und bebilderten Artikel! Und das Debatten-Angebot!

Sie zeigen schön auf, wie die Befürchtung, es würden durch die neuste Automatisierungswelle ein grosser Anteil an Arbeitsplätzen wegdigitalisiert, historisch nicht belegbar ist. Ebenfalls nehmen Sie der möglichen Kritik geschickt Wind aus den Segeln, indem Sie beschreiben, inwiefern die neuste Technologisierungswelle eben anders sei und man nicht unbedingt von den bisherigen drei Wellen auf die heutige Zeit schliessen könne. Das ist sicher so. Sie schreiben jedoch, heute sei alles schneller, und die bisherigen Wellen hätten sich über dreissig Jahre erstreckt. Dazu und zur zentralen Verteilungsthematik habe ich zwei Fragen an Sie:

  1. Mir fällt immer wieder auf, dass der Begriff der "Digitalisierung" und der sog. "vierten industriellen Revolution" schwammig verwendet wird. Was verstehen Sie genau darunter?

  2. Dass die Gewinne gerade in monopolanfälligen digitalen Geschäftsmodellen sehr ungleich verteilt werden, liegt auf der Hand. Und hier gilt es sicher ganz genau hinzuschauen. Beim von Ihnen aufgegriffenen Gegenrezept Robotersteuer werde ich jedoch jeweils nervös. Welche Art von Robotern soll genau besteuert werden, wenn selbst Robotikexperten um eine entsprechende Definition ringen? Und was spricht gegen die Optimierung der guten alten Steuerprogression, um Gewinne umzuverteilen?

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Liebe Frau Genner - vielen Dank für die Blumen. Sie sprechen zwei wichtige Fragen an.

Zunächst zu den Begriffen: Sie haben recht, die Begriffe "Digitalisierung" und "vierte industrielle Revolution" werden schwammig verwendet. Mir ist für beide keine abschliessend akzeptierte Definition bekannt. Klar ist: Sie sind nicht als synonym zu betrachten, denn die Digitalisierung - also die digitale Abbildung von physischen Objekten oder analogen Medien - begleitet uns bereits seit Jahrzehnten (die in meinem Text angesprochene dritte industrielle Revolution mit dem Aufstieg des Computers dreht sich ja auch bereits um die Digitalisierung). Die vierte industrielle Revolution ist auch (noch) kein anerkannter Begriff. Die früheren drei industriellen Revolutionen wurden jeweils erst ex post als solche bezeichnet. Im heutigen Kontext enthält der Begriff "vierte industrielle Revolution" Themen wie künstliche Intelligenz, selbstlernende und autonome Systeme (machine learning), fortgeschrittene Robotik, etc.

Zu Ihrer zweiten Frage: Sie sprechen zum einen ein wichtiges Thema an, auf das ich in meinem Text aus Platzgründen nicht eingegangen bin: Es gibt in der digitalen Welt in einigen Gebieten eine klare Tendenz zu Monopolen ("the winner takes all"), die es für Herausforderer enorm schwierig macht, die Marktführerin anzugreifen, weil diese dauerhafte Kostenvorteile besitzt (z.B. Google, Amazon). Das wird am Ende eine wettbewerbspolitische Frage sein, die sich nicht in einem simplen Links-Rechts-Schema beantworten lässt.

Der Begriff der Robotersteuer ist tatsächlich problematisch. Denn: Was ist ein Roboter? In diesem Zusammenhang sind natürlich auch selbstlernende Systeme und Algorithmen Roboter. Konkreter geht es dabei um die Frage der Besteuerung von menschlicher Arbeit versus maschineller Arbeit - also im weiteren Sinn von investiertem Kapital. Und klar: Natürlich ist auch die Steuerprogression ein taugliches Instrument zur Umverteilung.

Wichtig ist mir dabei aber die Feststellung, dass es nicht um Umverteilung um der Umverteilung willen geht. Sondern um die nüchterne Feststellung, dass Automatisierung (genauso wie übrigens die Globalisierung) für eine Volkswirtschaft erhebliche Vorteile in Form von Produktivitätsgewinnen liefert, dass sie aber eindeutig auch Verlierer produziert. Eine Gesellschaft, die diese Tatsache negiert und diese Verlierer nicht begleitet, wird sich früher oder später immer tiefer aufspalten.

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Herr Dittli, wieso geht es dieses mal schneller? Die Revolution hat (wenn man google als Massstab nimmt) 1998 begonnen und wird ja noch 10-15 Jahre dauern, bis sie voll durchschlägt. Das sind auch 30 Jahre.

Sind Sie der Meinung, dass es zu Zeiten der Dampfloks und Schwerindustrie weniger "the winner takes it all" gab? Damals war ein so gigantischer Investitionsbedarf, dass de-fakto Monopole entstanden. Das wurde damals auch kritisiert.

Ich sehe in der Entwicklung die logische Fortschreibung, wie der Mensch seine Probleme löst. Wir werden dank 3D Druck nicht mehr riesige Serien in China produzieren, sondern massgefertigte Produkte im Zielland. Wir werden anstrengende Denkaufgaben automatisieren und ohne menschliches zutun lösen und wir werden uns anpassen und unsere frei gewordene Zeit und Kapazität für heute noch nicht mal abstrakt vorstellbare Tätigkeiten einsetzen.

Die Digitalisierung/Robotrisierung/4. industrielle Revolution (oder wie auch immer) auf einen Klassenkampf zu reduzieren finde ich schade, denn es gäbe so viele spannende Aspekte, die es zu beleuchten gäbe, so zum Beispiel wie diese Entwicklung unser Staatsverständnis verändert, die Art der Zusammenarbeit, das Mobilitätsverhalten, ökonomische Prinzipien, die Globalisierung, das Gleichgeweicht der Mächte, Armut und Reichtum von ganzen Nationen, etc.

Ich freue mich auf die Fortsetzung des Artikels.

PS: Robotersteuer und Grundeinkommen sind simple Lösungen auf komplexe Fragestellungen und somit eigentlich Populismus.

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