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Debatte

Was bedeutet unsere Irrationalität politisch?

Diskutieren Sie mit Autor Constantin Seibt.

15.01.2018

Muss sich etwas ändern, wenn die einzelnen Bürgerinnen und Bürger weit weniger rational sind, als die Architekten der modernen Demokratie ursprünglich annahmen? Und wenn ja – was? Braucht es neue Ideen für Parteien, Presse, Gesetzgebung, die Demokratie selbst?

Lesen Sie den Artikel «Demokratie unter Irrationalen» und diskutieren Sie mit Autor Constantin Seibt.

Wenn Sie schon hier sind …

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Zuerst Lob für Rationalität vor noch nicht allzu langer Zeit. Anschliessend noch zu Susan Greenfield.

https://m.srf.ch/news/schweiz/absti…initiative
(Quelle: Die Billagfinanzierte SRF übrigens.)

Argumentieren lohnt sich! Siehe:
http://www.sueddeutsche.de/politik/…-1.2884318

Susan Greenfield: Oxford, UK. Forscht primär zu Hirnveränderungen bei Alzheimer und aufgrund der Technologien des 21. Jh.

Wie einer der aktuellsten Buchtitel zeigt: offenbar auch mit einer guten Portion Humor.
http://www.susangreenfield.com/science/

Greenfield, Susan (2011). You and Me: The Neuroscience of Identity. London, UK: Notting Hill Editions. ISBN 978-1907903342.
Greenfield, Susan (2013). 2121: A Tale from the Next Century. London, UK: Head of Zeus.
Greenfield, Susan (2014). Mind Change: How 21st Century Technology is leaving its mark on the brain. London, UK: Random House.
Greenfield, Susan. A Day in the Life of the Brain: The Neuroscience of Consciousness from Dawn till Dusk.

von https://en.m.wikipedia.org/wiki/Sus…Greenfield

Von einer anderen Quelle noch folgender Auszug zu:
Reiseführer Gehirn, 1999. Susan A. Greenfield.
-> „Susan Greenfield führt Sie außerdem Schritt für Schritt durch die Entwicklung des Gehirns - [... ] Die Informationsverarbeitung im Gehirn, die wichtigen Prozesse des Lernens und das immer noch rätselhafte Phänomen des Gedächtnisses sind weitere Etappenziele. Philosophie und Naturwissenschaft kommen schließlich bei jenen großen Fragen zusammen, die wohl jeden Leser interessieren dürften: Wann und wie prägt sich die unverwechselbare Individualität eines Menschen aus? Wie kann die Ansammlung von Schaltkreisen aus Nervenzellen nicht nur ein individuelles Gehirn, sondern auch ein individuelles Bewußtsein hervorbringen? Die Antworten und Fakten, die die Autorin präsentiert und die auf den neuesten Ergebnissen der Hirnforschung aufbauen, machen dieses Buch zu einer erhellenden und abwechslungsreichen Lektüre.“

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Also: Es gäbe mindestens 2 Artikel daraus. Da ist etwas viel auf einmal drin. Im ersten Teil zuviel Determinismus. Fast schon etwas biologistisch. Dabei ist der Mensch das am wenigsten determinierte Wesen überhaupt, qua seiner ungeheuren komplexen, wie erwähnt ständig wandelbaren und plastischen Neuronenverbindungen. Auch Zwillingsstudien zeigen dies auf. Das ist in Fachkreisen nicht einfach Common Sense, es ist eine Interpretation. Psychologische Studien gehören deshalb auch zu den am schlechtest Replizierbaren, weil eben der Mensch so komplex ist und auch eine identische Operationalisierung noch nicht "Gleichheit" bedeutet. Es gibt auch sehr viele Studien, die die Intelligenz als einen zentralen Akteur sehen. Intelligenz erleichtert das logische Deneken massiv und was uns leicht fällt, tun wir gerne. Was wir gerne tun, machen wir häufig, was wir häufig tun, können wir besser, etc... Und sogar wenn die Logik nur auf Druck aktiviert wird im Gehirn: Die Heuristiken, also das schnelle Denken, sind erwiesenermassen durchschnittlich bezogen auf längere Sicht erstaunlich brauchbar, und das, was gemeinhin als vernünftig bezeichnet wird.
Dazu kommt etwas, das hier überhaupt nicht thematisiert wird (oder ich habs dann am Schluss überlesen, das der Artikel endlos ist): Die Praxis des vorwiegend in Heuristiken denkenden Individuums geschieht in sozialen Verbänden! Diese unendlich verschiedene Mischung der einzelnen "Cocktails" balanciert sich in der Interkation, im Zusammenleben zwangsläufig aus. Demokratie garantiert das am besten. Auch "Linke" und "Rechte" ist kein jeweils hermetischer abgeschlossener Block. "Ingroups" und "Outgroup-Bildung" sind zwar mächtige soziale Sortierer in uns und stark aus Emotionen (Angst, nicht dazuzu gehören, Freude, anerkannt zu werden,...) getrieben, und aktivieren sich sehr leicht, aber wir gehören eben unzähligen "Ingroups" gleichzeitig an. Wir müssen eh ständig switchen. Das muss uns also alleS. P.olitisch nicht beunruhigen. Der Mensch ist das gleichzeitig gleich starke vernünftige wie unvernünftige "Tier" mit ungeheurer Lernfähigkeit. Sonst wäre er nicht an Punkt der Evolution gekommen, an dem er ist. Man sollt sich nicht durch den kurzen geschichtlichen Moment blenden lassen.

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Was war doch gleich die Frage? ;-)

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Voilà. Meine weiteren Recherchen.
Die einzige Forscherin, die aber nur in einer Überschrift genannt wird, Susan Greenfield, habe ich noch nicht gesucht. Als Besänftigung der female minds unter uns hatte ich das gelesen; dann aber die konkreten Angaben zu ihr vermisst.
Dafür den Artikel der NY-Times über Jonathan Haidts Righteous Mind jetzt zu Ende gelesen. Spannend. Korrekt, aber unvollständig zitiert. Ist vollständig viel weniger schwarz-weiss, als ich dem Republik-Artikel nach vermutet hätte - und behandelt primär Evolution, Hirnforschung wird einmal am Rand nur erwähnt. Apropos ist auch Psychologie nicht gleich Hirnforschung. Und Haidt lässt Optionen für Veränderung offen. Leute, ich brauch Hoffnung, um leben zu können.
http://www.nytimes.com/2012/03/25/b…haidt.html
Den Gyrus dafür gibts. In welcher Funktion habe ich noch nicht rausgefunden.
Wer sind die zitierten Hurnforscherinnen?
Lieber Constantin S., ich hoffe, Sie verzeihen mein Misstrauen. Gleichzeitig setzen Sie ja genau darauf und schreiben unten selber, dass Sie zuhören wollen. Und, nach allem, was ich bisher, einem fantastischen Demokratie-Aufsatz vor ein paar Jahren zum Beispiel mal und in den Newsletters gelesen habe: das glaube ich Ihnen sogar, voll.
Voilà. Danke für die vielen Denkanstösse, dass ist ja genau das, was uns unsere Einstellungen immer mal wieder überprüfen hilft. Auch wenn wir nicht immer alles annehmen. Oder erst nach reiflicher Prüfung. Danke. Gute Nacht.

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Nachdem ich grad schreiben wollte, ich hielte den ganzen Artikel für einen Stunt, lese ich Ihr (wieder ziemlich L.) Fazit, sehr geehrter Herr S.
Und bin selbstverständlich gleich wieder verunsichert.
Aber: nachdem dieser Artikel mich seit der - verspäteten - Lektüre nun zwei fast volle Tage und eine Nacht dazwischen nicht in Ruhe gelassen hat, habe ich nun ein wenig recherchiert. Noch nicht genug, werde in zweieinhalb Stunden im Zug weiterfahren.
Aber: Hirnforschung habe ich bisher keine gefunden zu den haarsträubendsten hier zitierten Amygdala-Geschichten. Gyrus conguli anterior erscheint mir im Gegensatz zur Amygdala erfunden (kann mich aber natürlich täuschen - steht auf meiner duckduck Liste für die Rückfahrt).
Die Abfrage: Who is Jonathan Apple? ergibt (nachdem spezifischer in Kombination mit Verhaltenspsychologie das Ergebnis lediglich, ohne Kohl, gewesen war: ‚„Ich bin langweilig.“ - so werden Sie zu einer interessanten Persönlichkeit!‘) also, Who is Jonathan Apple ergibt lediglich: medium-sized sweet apple; immerhin: American variety.
Und Jonathan Haidt und dessen Buch „The righteous Mind“ gibt es zwar. Aber ebenfalls nicht Hirnforschung, sondern ein historischer Überblick, Abriss über ethnologische, philosophische, soziologische etc etc Erkenntnisse über die Jahrhunderte. Mit einer zwar ähnlichen Erkenntnis wie in Ihrem Artikel präsentiert. Aber beim auch zweiten Blick nur ähnlich. - Und mit Hinweisen versehen offenbar, wie diesen Fallen - Intuition vor rationalem Denken - entgegengesteuert werden könne.
War das ein Test bezüglich der Kritikfähigkeit der Verlagetage, wie Sie uns nennen?
Wie gesagt, werde nachher noch ein wenig nachrecherchieren.
Wunderschönen Abend. Muss düsen. (Blume von Hawaii in Basel; mit Neuer Musik gemixt; ein Erlebnis.) Bye.

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Sie sind den Fragen nachgegangen, die ich mir auch gestellt habe. Vielen Dank für Ihre Recherchen!

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So. Die ersten 48 Stunden der Debatte sind längst vorbei. Und damit auch meine offizielle Präsenz in diesem Forum. (Aber Sie sollten sich nicht zu unbeobachtet fühlen. Ich schlendere gelegentlich vorbei.)
Zusammenfassend habe ich von Ihnen folgendes gelernt:

  1. Die Länge des Artikels (50'000 Zeichen) war eine Zumutung. Sie haben zwar verblüffend höflich reagiert – das Furchterregendste war das Heben einer Augenbraue. Respekt dafür! Aber als Ex-Print-Zeitungsmensch sollte ich darüber nachdenken, wie man im Netz der Versuchung entgeht, ausufern wie das Delta des Mississippi.

  2. Ein ernsthaftes Versäumnis war das Weglassen von Links – nach drei durcharbeiteten Nächten vor in der Woche Start liefen Nerven und Zeit aus. Doch eigentlich stehen Links weit vorn im Konzept der Republik: wir wollen, dass Sie bei Interesse weiter lesen können. Und zentrale Thesen nach Möglichkeit überprüfen können. Kurz: Links sind etwas, was wir standardmässig machen müssen, wo immer es Sinn macht.

  3. Ich werde zukünftig beim Zitieren von Studien noch ein wenig skeptischer sein: Was ist das Sample, wurden Sie erfolgreich wiederholt?

  4. Was allerdings die Skepsis einiger Verlegerinnen betrifft, dass die Hirnforschung gerade Mode sei und also nicht allzu ernst zu nehmen – ich teile sie nicht: Ich fürchte, man sollte zur Kenntnis nehmen, was an neuen Erkenntnissen kommt: auch wenn einem das Ergebnis nicht besonders gut ins Denken und Wünschen passt.(Und ja, das Neue ist geld- und modegetrieben, aber das gilt ja für alle Entwicklungen von Kunst über Politik bis Technik.)

  5. Allerdings gab es ein paar Einwände, die mir zu Denken gaben. Vor allem folgende: Die meisten Studien, die ich las, wurden im amerikanischen Zweiparteiensystem gemacht. Lassen sich die politischen Köpfe und Emotionen in den USA dort mit denen in der Schweiz vergleichen, wo das System weit feiner verästelt ist? Und: Der Grossteil der psychologischen Studien in US-Elite-Universitäten wird an Psychologie-Studenten von US-Elite-Universitäten durchgeführt. Gelten die Ergebnisse generell? Oder nur für meist weisse, oft reiche, oft hochintelligente US-Psychologiestudenten?

  6. Technisch gab noch Geburtsmängel bei unserem Diskussionstool. (Es wurde Stunden vor dem Start fertig.) Die wichtigsten: die fehlende Zeilenschaltung, keine Möglichkeiten, Links einzubetten – und dann die verdeckten Antworten, die keine allgemeine Debatte, sondern nur Einzelgespräche wie beim Simultanschach zuliessen.

  7. Die Zeilenschaltung war 24 Stunden später da, die Links sind nur eine Frage von Tagen, die Dramaturgie – daran wird getüftelt. Es ist erfreulich, dass das System beim Start lief. Und aber weiterhin etwas läuft.

  8. Was ich bei der Lektüre zum Artikel gelernt zu haben glaube, war: Dass Menschen durchaus verschiedene, tendenziell festverankerte Wahrnehmungs-, Fühl- und Denkstile haben. Und dass eine Menge Entscheidungen vor der bewussten Wahrnehmung und vor dem Willen getroffen werden. Niemand denkt so frei, wie er denkt. Kurz: Man hat eine Menge blinder Flecken und ist auch weitgehend blind, wo sie sich befinden.

  9. Das ist gleich ein doppelteS. P.ublizistischeS. P.roblem. Zum ersten für jeden Journalisten, jede Journalistin: Im Journalismus muss man nicht zuletzt dem eigenen Blick, dem eigenen Herz vertrauen. Nur: Was tun, wenn man der eigenen Wahrnehmung nicht trauen kann? Zum zweiten: Für die Republik selbst. Eigentlich war es unser Ziel, das Magazin mit möglichst wenig Schlagseite zu konstruieren. Wir haben sehr verschiedene Leute und Temperamente an Bord geholt. Und darauf geachtet, die Redaktion ungefähr fifty-fifty nach Geschlechtern zu besetzten. Aber unter dem Strich ist das keine Garantie gegen Blindheit. Die Republik wird einen Bias haben. Nicht wegen eines absichtlichen Spinns, sondern wegen der Voreinstellung der Wahrnehmung. Er liegt im Blickwinkel, aber auch im Instinkt, was einem bemerkenswert, erfreulich, furchtbar, selbstverständlich, etc. vorkommt.

  10. Was tun? Persönlich bleibt einem wenig anderes übrig als sich trotzdem zu vertrauen – man hat ja niemand anderen. Aber es doch mit ein wenig mehr Bescheidenheit und weniger Rechthaberei zu tun. Als Redaktion hingegen haben wir wenigstens 17800 Verbündete – Sie. Sollten Sie das Gefühl haben, dass wir bei einzelnen Themen, Recherchen oder Fragen ungeheure Blind- und Blödheiten begehen, schreiben Sie uns. Wir werden dann versuchen, Ihnen zuzuhören.

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Nein, ich finde nicht, dass Ihr Artikel zu lang war. Ist ja nicht Twitter, hier.

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Chapeau, Herr S. Eine reife Reaktion auf die Kritik der Republikanerinnen und Republikaner. Was die Moden angeht, so antworten sie auch auf meinen Vorwurf. Und hier sage ich, dass Sie, nicht ich recht haben: Die Hirnforschung ist keine intellektuelle Mode, wie ich geschrieben hatte. Wir müssen sie ernst nehmen, vorbehaltlos. Ihre Resultate sollen wir kritisch betrachten. Vor allem erfordert jedes Resultat eine Interpretation und hier liegt oft der Hund begraben. Aber jetzt Schluss, die Frage ist zumindest prinzipiell geklärt.

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So weit sich die Hirnforschung auf Naturwissenschaft und Medizin beschränkt, ist sie notwendig und sinnvoll. Es ist aber Mode geworden, dass die Hirnforscher über den Zaun grasen, um Gelder zu generieren. Ein typisches Beispiel ist der Hirnforscher Gerhard Roth, der mit seiner These „Der freie Wille ist eine Illusion“ viel Schaum geschlagen hat und weit bekannter wurde, als ihm das mit Hirnforschung möglich gewesen wäre.

Im Übrigen glauben wir einer "Studie" im Bereich Sozialwissenschaften dann, wenn sie das bestätigt, was wir schon vor der Lektüre der Studie geglaubt haben. Wenn eine Studie "zeigt", dass Menschen, die in der Kindheit geschlagen wurden, später unglücklich werden, glauben wir das gerne. Würde die Studie aber das Gegenteil "zeigen", wären wir zu Recht skeptisch oder glaubten es gar nicht. Aber wir sollten auch dann skeptisch sein, wenn die Studie unsere Meinung bestätigt.

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E. N.
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Die Argumentation für die SRG fand ich die einleuchtendste und beste die ich bis dahin gehört habe. Auch wenn ich der Meinung bin, dass demokratische Freiheit nicht in Franken bemessen werden kann.

Nun zu persönlichen Überlegungen, wie ich damit umgehe: Wie im Artikel berichtet, scheint mir, dass das eigene Wertesystem eine überaus zentrale Bedeutung hat. Oft beobachte ich einen indirekten Austausch über Werte, wenn sich Leute kennenlernen (Bsp. Unterhaltung über Essgewohnheiten, Einkaufsverhalten,...).

Daraus ergibt sich für mich etwa folgendes:

  1. versuchen meinen Werten bewusst zu sein

  2. diese Werte ehrlich aussprechen (Bsp. Ehrlichkeit: Leute, die sich anders verhalten als sie predigen werte ich ab)

  3. Werte anderer herausfiltern / erfragen

  4. andere Werten über Empathie nachfühlen / die Brille des anderen aufsetzten (verstehen heisst nicht einverstanden sein)

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P. S.
· editiert

Am meisten an diesem Essay liebe ich ja die Pointe, der Leserin zunächst dringlich nahezulegen, dass sie – wenn überhaupt – nur schwer Imstande ist, eine rationale Entscheidung zu treffen, um dann an die Eitelkeit (sprich: das schnelle Denken) der provozierten Leserin zu appellieren, die arge These zu wiederlegen (und das gekränkte rationale Ich zu retten) – da ja am Schluss viele rationale Gründe gegen die No-Billag-Initiative angeführt werden. Ganz mein Humor.

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Lieber Constantin,Danke für Deinen spannenden, ausführlichen und besonders für die Ferien (bin ich grad) geeigneten Text Super geschrieben, mit ganz neuen Ein- und Aussichten und genau deswegen wertvoll, weil er zeigt, wie wichtig Journalismus, fundierte Berichterstattung und die laufende, permanente Erweiterung des Horizonts ist, nicht nur derjenige der Worte, nein, auch der Horizont des sich Gedankenmachens, des Auseinandersetzens, des Hinterfragens usw. :-) Thanks und weiter so

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Lieber Herr S., vielen Dank für Ihre Schreibausdauer, die mir doch rechte Leseausdauer abverlangt hat, aber die Ausdauer hat ein rechtes Lesevergnügen gebracht.

Die Quintessenz Ihres Artikels könnte man so paraphrasieren: Die öffentliche Meinung wird beherrscht von Hass bzw. Neid, Stolz und Gier einerseits und Furcht oder Angst bzw. Machtbedürfnis andererseits. Ungeachtet aller Aufklärung, hat in der Politik immer das alte Stammesdenken gewirkt und geherrscht, nur dass sich mit der Zeit die Stämme zu Nationen ausgeweitet haben. Der mit der Individualisierung einhergehende wachsende Egoismus wuchert zum Gruppenegoismus in allen sozialen Bereichen, vom Fussballclub, über die Facebookgruppe und die politische Partei bis zur Nation.

Die Gehirnwäsche bzw. suggestive Manipulation fängt schon mit dem ersten Atemzug an, nämlich dass nur WYSIATIS zählt, nur das Materielle. So wie es Goethe den Mephisto zum Kanzler des Kaisers sagen lässt:
Daran erkenn' ich den gelehrten Herrn!
Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern;
Was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar;
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr;
Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht;
Was ihr nicht münzt, das meint ihr, gelte nicht.

Aber WYSIATIS gibt keinen Sinn, und der Mensch braucht Sinn, das heisst Zusammenhang, um Mensch bleiben zu können. Wen wundert's dass da das Menschliche, Empathische, Altruistische, Gemeinschaftliche zunehmend in Frage gestellt wird - wie zum Beispiel die SRG - und auf der Strecke bleibt. Christian Morgenstern sagt es so:
Wer vom Ziel nicht weiß,
kann den Weg nicht haben,
wird im selben Kreis
all sein Leben traben;
kommt am Ende hin,
wo er hergerückt,
hat der Menge Sinn
nur noch mehr zerstückt.

Wir traben wirklich im Kreis, und der wird immer enger. "Ändert Euren Sinn!" hat einer schon vor rund 2000 Jahren gepredigt. Gewirkt hat es bis jetzt noch kaum. Aber wenn wir es jetzt nicht schaffen, haben wir ein echteS. P.roblem. Ein Anderer hat gesagt: "Wehret den Anfängen!" Der Erhalt der SRG ist ein solches Wehren.

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Wunderbar! Darf ich all jenen ein Buch ans Herz legen, die erstens noch längere Texte vertragen und sich zweitens manchmal schwer tun mit den spezifischen Niederungen der Politik im schönen Zürich? Kurt Guggenheim hat in „Alles in allem“ die Zeit vor den Filterblasen beschrieben, als in Züri noch ein fast dörflicher Zusammenhalt bestand. Das Ergebnis ist grosse Kunst und verdiente weit bekannter zu sein. Gerade weil die soziale Segregation auch in der heilen Schweiz zunimmt, vom Vormarsch der Privatschulen bis hin zu versuchten Millionärsverboten in Genossenschaften durch sogenannte Liberale. Die natürlich Sinn machen: am Ende wär die linke Diskussionskultur noch ansteckend. Wo chiemte mer hi?

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Das Thema ist eine Zumutung und verdient daher großen Respekt. Wenn ich zu Ihrem Text, sehr geehrter Herr S., ein paar Bemerkungen machen darf:

Als gelernter Sozial-und Geisteswissenschaftler verstehe ich die Neuro- und Kognitionswissenschaften nur begrenzt und stehe ihnen wohl auch daher etwas reserviert gegenüber. Aber ich sehe ein, dass das nichts nutzt. Folgt man dem deutschen Philosophieprofessor Thomas Metzinger, dann geschehen deren wissenschaftlichen Fortschritte nicht nur mit enormer Geschwindigkeit, sondern haben auch Substanz. Wenn sich aus der wissenschaftlichen Interpretation und der öffentlichen Diskussion der Ergebnisse das (Selbst-)Bild des Menschen verändern wird, dann ebenso die Annahmen über dessen Motive und Gründe für soziales Handeln und politische Entscheidungen. Möglicherweise werden wir daraus auch Schlüsse für die Gestaltung der politischen Institutionen demokratischer Verfassungsstaaten ziehen müssen.

Deshalb ist die öffentliche Debatte hier und anderswo wichtig. Ich würde mir aber wünschen, dass man dabei nicht der Versuchung erliegt, mit den begründeten Zweifeln an einer bestimmten, gewiss wirkungsmächtigen Vorstellung von Rationalität das K. mit dem Bade auszuschütten, d.h. die Nützlichkeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse und politischen Errungenschaften der Aufklärung bzw. Neuzeit heutzutage generell ins Abseits zu stellen. Ich bin sicher, dass dies nicht Ihre Absicht ist. Ich habe aber Mühe damit, eine Debatte über Irrationalität, Demokratie und politische Institutionen der Aufklärung zu führen, wenn in einem Text zwar die Frage gestellt wird, ob der rationale Mensch nur auf dem Papier besteht und gleichzeitig überhaupt nicht erläutert wird, welches Grundverständnis von Rationalität bzw. rationaler Entscheidung zugrunde liegt. Es macht doch einen wesentlichen Unterschied, ob man darunter die Fähigkeit zur konsisteten Präferenzbildung und kostengünstigen Nutzenmaximierung versteht oder z.B. die Fähigkeit (und Bereitschaft), individuelle Präferenzen und Ziele auf ihre allgemeine Wünschbarkeit hin zu prüfen und zu bewerten.

Ob die Demokratie und ihre Institutionen von der beschriebenen menschlichen Irrationalität und der äußeren und inneren Manipulierbarkeit des menschlichen Verstands bedroht wird, darüber werde ich weiter nachdenken. Mir will momentan eher scheinen, dass die größte Gefahr für die westlichen Demokratien und die Aushöhlung ihrer Institutionen von der "Alternativlosigkeit" neoliberaler Wirtschaftspolitik ausgeht, durch deren Übernahme sich die sozialdemokratischen Parteien selbst zum reinen Reparaturbetrieb einer selbstzerstörerischen Wirtschaftsform degradiert haben.

Allerdings glaube ich nicht, dass die „Architekten der modernen Demokratien“ sich allzu großen Illusionen über die menschliche Rationalität hingegeben haben. Ihnen war durchaus bewusst, dass menschliche Entscheidungen sowohl durch Affekte als auch durch skrupellose Nutzenmaximierung bestimmt sein konnten. Die Bindung politischer Herrschaft an das Recht, an die staatliche Gewaltenteilung oder an die Garantie einer unabhängigen Berichterstattung ohne kommerzielle Interessen als Errungenschaft der Neuzeit zeigen das meiner Auffassung nach exemplarisch. Davon sollten wir keinen Millimeter abrücken.

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Jetzt habe ich auch nach zweimaligem Lesen nur Bahnhof verstanden. Habe ihnen aber trotzdem keinen Dislike verpasst, denn ich glaube, daS. P.roblem liegt bei mir ...

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Die Unlogik-Aufgaben im SRG-Artikel von Ihnen, Herr S., beschäftigen mich nach wie vor sehr (genau wie all diese höchst seltsamen als wissenschaftlich benannten Studien) diese scheinbar von den Intelligentesten der Probandinnen am schlechtesten gelösten „Logik“-Aufgaben, wie gesagt: beschäftigt mich nach wie vor sehr. Und zwar aus den im folgenden dargelegten Gründen.

Es ist offensichtlich, dass bei jener Aufgabe genau das im Beitrag von Daniel Binswanger geschilderte Verwirrspiel des unauflösbaren Gegensatzes von dem Forschungsteam mit eingebaut worden war.

Diese Aufgabe muss bereits in der Aufgabenstellung reine Unlogik, also eine nicht als wahr zu lösende Ausgangslage, beinhaltet haben. Damit ist eine logisch richtige Lösung von Anfang an gar nicht möglich. Da Logik grundlegend, ja zwingend, auf den beiden Kategorien wahr und falsch beruht (so wie die ganze Computerprogrammierung auch - hier mit den beiden, einzigen, einzig eingebauten, Platzhaltern 1 und 0, oder eben wahr | falsch), kann eine als mathematische Logik präsentierte und überschriebene Aufgabe, die auf bereits falschen, also mathematisch unrichtigen, d.h. hier: unlogischen Prämissen beruht, eben grad keine Lösung im Sinne der Logik ergeben.

Alle diejenigen, die an der ganz offensichtlich integrierten Unlösbarkeit der gestellten Aufgabe gescheitert sind, haben damit die einzig da noch offene und mögliche, also irgendwie „wahre“ Lösung gefunden. -

Ich möchte wetten, dass diese „Logik“-Aufgaben in einer Computerprogrammierung gelöst werden mussten, welche keinen Button für „Diese Aufgabe ist in der gestellten Form mathematisch logisch nicht lösbar“ oder „Diese Aufgabe ist keine mathematisch lösbare Aufgabenstellung“, geschweige denn ein freies Kommentarfeld beinhaltet hatte. -

Diese Aufgabe so nicht lösen zu können, ist die einzige adäquate, richtige Lösungsvariante in diesen zwei Beispielen. Erkenntlich an den vorgegebenen Lösungen, die im Artikel als einziges Indiz aufgeführt sind. Die Aufgabenstellung selber fehlt ja.

Es täte mir sehr leid, wenn obige logischen Ausführungen nun ebenfalls als Totschlagsargument rüberkommen sollten.

Sie sind vielmehr der Versuch, faktisch die Art des Funktionierens mathematischer Logik aufzuzeigen und genau diese Logik damit wiederherzustellen.

Eine anstrengende Sache, die Logik, und sie deckt niemals das ganze Leben ab, natürlich nicht. Aber trotzdem, es lohnt, sie zurück vom Kopf wieder auf die Beine zu stellen.

Sonst kann unser Verstand nämlich tatsächlich nicht mehr funktionieren; oder nur noch in den aufgezeigten, sich selbst andauernd aufhebenden konstruierten und scheinbar unlösbaren Widersprüchen des „Ja ist Nein“ - bzw eben „wahr ist gleich falsch“, was einfach schlicht nicht stimmt - und was nicht nur im Alltagsempfinden und Alltagsdenken, sondern auch in der mathematischen Logik eine Falschaussage darstellt - und das wäre tatsächlich verheerend.

Danke.

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Zitat: "auf den beiden Kategorien wahr und falsch beruht (so wie die ganze Computerprogrammierung auch "
Ich muss sie hier updaten:
Quantencomputer kennen weitere Zustände!

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M. L.
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Die Untersuchung und ihre Anwendung im Text ist kritikwürdig, aber auf einer nicht-logischen Ebene - und das ist nicht unwichtig.

Zunächst zur Logik (um sie aus dem Feld zu räumen - immer der beste und ausserdem ein guter Grund, sich mit ihr zu beschäftigen): Prämissen sind wesentlich Annahmen. Logische Folgerung ist immer und konstitutiv unabhängig von Wahrheit oder Falschheit der Prämissen zu beurteilen, denn Folgerung gilt immer unter Voraussetzung der materiellen Gültigkeit der Prämissen: Angenommen, dass (Prämisse) wahr ist, so folgt, dass (Konklusion), weil (Gesetz).

Diese Annahme kann auch treffen (und also Folgerungen prüfen), wer weiss, dass die Prämisse falsch ist. "Wenn Schweine fliegen können, können sie den Bauern auf die Kappe sch..." - Stimmt, können sie aber nicht.

Logisch (besser wäre: gültig - aber es gibt gleichzeitig keinen besseren Verwendungszweck für die normative Bedeutung von "logisch") richtig folgern kann man auch aus Falschem, nur ist das Ergebnis dann halt ebensowenig richtig. Der im Artikel angeführte Test zieht aus logischer Perspektive durchaus.

"die auf bereits falschen, also mathematisch unrichtigen, d.h. hier: unlogischen Prämissen beruht, eben grad keine Lösung im Sinne der Logik ergeben."

Dies ist - Vorsicht, Meta - Ihre eigene falsche Prämisse, aus welcher Sie aber gültig (logisch) folgern - das macht Ihr Ergebnis zwar nicht wahr (es ist falsch), bescheinigt Ihnen aber (vorbehaltlich weiterer Voraussetzungen wie Wiederholbarkeit, Anwendbarkeit auf andere Fälle etc.) dennoch Rationalität. Und genau so funktionierte der Test, den andere - im Gegensatz zu Ihnen - nicht bestanden haben. Es liegt also kein logischeS. P.roblem vor.

Ich habe aber gerade deswegen Fragezeichen zur Auslegung der Ergebnisse. Es ist nicht zulässig, politischen Menschen Irrationalität zu unterstellen, nur weil sie für die Wahrheit des von ihnen Fürwahrgehaltenen einstehen wollen und dies für wichtiger halten als logische Folgerung (bei unpolitischen Logikerinnen wäre das wohl anders zu beurteilen). Es ist doch, könnte man dem entgegenhalten (andere, nicht ich, würden sagen: müsste man entgegenhalten), geradezu konstitutiv für rational-politische (sapere aude!) Personen, dass sie sich nicht mit den Mechanismen logischer Folgerung, sondern mit der Kritik der diskuriv operativen Prämissen beschäftigen wollen - bis zu dem Punkt, an dem sie weitere Ableitungen aus bereits Widerlegtem verweigern.

Letztlich halte ich den Test für nicht trennscharf - aus solchen Fangfragen folgt wohl schlicht nicht viel.

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Es wäre am ehesten die Verwendung der Untersuchung im Text zu kritisieren, wie sie richtig bemerken. Untersuchungsgegenstand der Studie war nämlich nicht die Frage nach Rationalität oder Irrationalität politischen Handels bzw. politischer Entscheidungsfindung (Sonst wäre ihre zum Schluss geäusserte Kritik natürlich berechtigt), sondern beschäftigt sich mit dem Umgang mit wissenschaftlich erhärteten Fakten im öffentlichen Diskurs und der Frage nach der 'richtigen' Form wissenschaftlicher Kommunikation. Für diese Fragestellung ist es irrelevant, ob sich die Probanden nun willentlich der Aufgabestellung verweigert haben oder ob sie sich unbewusst von den Vorstellungen ihres Umfelds haben leiten lassen. Entscheidend ist, dass die Probanden so geantwortet haben, wie es aufgrund ihrer politischen Präferenz zu erwarten gewesen war, ungeachtet der Fakten (ob nun fiktiv, innerhalb der Untersuchung oder aufgrund vorher getroffenen Entscheidungen über 'richtig' und falsch'). Die spannende (und beunruhigende) Erkenntnis ist, dass dies besonders auf Personen mit grossem Verständnis für wissenschaftliches Arbeiten zutrifft (was nicht dasselbe ist wie 'rational-politische Personen'!). Kritik auch an der Studie selbst ist dennoch angebracht, denn die Fragen (Ist die Klimaerwärmung menschgemacht? Führen Waffenkontrollen zu weniger Gewalt? Sind Impfungen gefährlich? usw.) sind allesamt so gewählt, dass sie die Probanden liberal-demokratischer Gesinnung automatisch (nicht im Sinne der Studie, sondern tatsächlich) richtig beantworteten, wenn sie sich weniger an Fakten, denn am Mainstream der eigenen Bubble orientierten.

@Verena Rothen: Die Ergebnisse einer Studie, sofern nach wissenschaftlichen Standards gearbeitet wurde, verfälschen die Realität nicht. Es sind schlicht Rohdaten oder eben: Fakten. Die Auslegung oder Interpretation dieser Fakten ist eine andere Sache. Es handelt sich bei der Studie von Kahan (eigentlich sind es mehrere) um eine quantitative Untersuchung, sie wurde mit mehreren hundert Probanden durchgeführt. Für die Auswertung von Freitextfeldern sind solche Methoden nicht geeignet.

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@ M. L.: Genau, danke. Das ist präziser formuliert.
Mein Hauptkritikpunkt dabei war, ist, ja auch, dass - im Gegensatz zu uns hier - keine dritte Möglichkeit der Aufgabenverweigerung oder in das Resultat einfliessendes Kommentarfeld offensichtlich zur Verfügung stand. Und deshalb die Studienergebnisse selber Realität verfälschen.
Wie Sie sagen: aus solchen Fangfragen folgt nicht viel [nicht viel brauchbares jedenfalls; meine ergänzung].

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... und mit Hilfe dieser Ableitung ist das kurzfristig erschütterte Weltbild ('beschäftigt mich nach wie vor sehr‘) wieder zurechtgerückt - Gratulation! Die politische Realitat darf wieder ausgeblendet bleiben, denn die Intelligenten sind ja doch intelligent und Alles ist gut.

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Na ja. Ich halte logische Fangfragen (ohne dritte Möglichkeit, sich der Fragestellung zu verweigern) nicht für politische Realität. Oder umgekehrt, politische Realität davon ableitbar.
Im Übrigen auch fix festgelegte Hirnregionen nicht. Wo bleiben da nur schon die SwingWählerinnen und Wähler? Noch halte ich solche krassen ZweiGruppenZuordnungen für sinnvoll oder unumstössliche Realität.
Das erinnert eher an Tage, wo Hirnforschung auf männliche und weiblich Hirne ausgerichtet war, mit der physisch abgeleiteten Schlussfolgerung, dass Frauen im Gegensatz zu Männern die kleinere, schlechtere, falls überhaupt Denkfähigkeit hätten.
(Davor hatten Frauen, wie die Tiere auch, noch nicht mal ne Seele. Sehr real, nicht wahr.)
Heute die Demokratinnen als Gesamtgruppe weniger Empathie als die Republikanerinnen. (In unserer Familie, übertragen, schon mal eindeutig nicht.) Das alte entweder - oder. Ohne Flexibilität. Ohne Alternativen. Ohne Differenzierung.
Aber ja. Jeder und jedem die eigene Meinungsbildung. Interessant immerhin, darauf gestossen zu werden.

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Der Gedanke, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen, ist ebenso wahr wie auch naiv. Letztendlich kann aus der ausgezeichneten Analyse der politischen Situation keine hilfreiche und effektive Handlungsstrategie abgeleitet werden. Nicht zuletzt deshalb, weil es nichts gibt was in der Lage wäre den Begriff HILFREICH allgemeinverbindlich zu definieren. Der aus meiner Sicht einzige Lösungsansatz wurde vor weit über 2000 Jahren von Buddha gefunden: Das Leben ist Leiden. Die Ursache alles Leidens sind Gier und Verblendung. Gier und Verblendung können verschwinden durch die Praxis der täglichen Meditation, die unter anderem dazu führt, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen ... Man kann es aber auch ausdrücken mit den Worten von Sibylle Berg: Versuche kein Arschloch zu werden. Nicht an einfachen Lösungen zu glauben. Nicht feige zu werden. Mehr ist nicht drin.

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Durchgelesen und Glücklich! Ein sehr, sehr guter Artikel. Was soll sich, oder muss sich ändern? Weniger Medienzerschlagungsinitiativen und mehr wieder relevante, problemlösende Initiativen... Wir haben noch nicht mal diese unsägliche „noBillag“ hinter uns, die ab zu lehnen ist, schon kommt das nächste Übel... Gute Nacht!

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Sollte nicht schon bald über dieses Bewertungssystem der Likes nachgedacht werden. Für mich ist es so untauglich wie die Noten in der Schule!

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Seh ich auch so...
Weswegen dieselben Fehler machen wie Facebook und Co.?
Vielleicht reicht eine Art "Kommentar-Knigge", dem sich alle verpflichten?
Das "unliken" eines Statements ist zu einfach - eine ausformulierte Antwort überzeugt da doch viel mehr. Und vielleicht liessen sich so tatsächlich zu Konsens führende Diskussionen anregen, statt klassisch Pro und Contra aufeinander prallen zu lassen. Ich denke, dass gerade dieses Like-Unlike-Sstem das Bilden einer neuen Filterblase doch sehr begünstigt....

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Ich bemühe mich - wenn ich mir schon die Zeit für's Schreiben nehme - bewusst eine zum aktuell gefühlten Mainstream konträren Input zu erzeugen. Nur so, denke ich, entstehen Diskussionen, die bilden, fordern und erweitern.
Ich pflege auch Jouranlisten so zu behandeln wie diese öffentlich austeilen. Quit pro quo and the N. of the game!
Dass ich damit meistens eins auf die Kappe kriege ist normal, aber es ist die Sache wert.
Was es dann nicht mehr wert ist, ist dann, wenn Menschen glauben, ich sei meine Posts oder wäre deren Wertung gleichzusetzen.
Nein, ich bin NICHT meine Posts! Und ich bin weder Journalist, noch habe ich mit dem Medienzirkus zu tun und werde auch nicht dafür bezahlt!
Ich habe eine Familie, einen Beuf, eine Reputation, die mit diesem Forum hier, nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. Ein Fliegenfischer ist nicht seine Fliege!
Wenn ich aber - bisher hielt es sich noch in Grenzen - Dislikes im dreistelligen Bereich bekäme, färbte das ab - auf mich meine Familie, alles.
Und DAS ist es mir dann die Sache nicht mehr wert.
Genauso wenig kann ich oder sonst wer etwas mit gesichts- und kommentarlosen und damit als feige empfundene Dislikes anfangen, die zu begründen sich niemand traut. Sie nerven mich. Und damit bin ich klar mob- und erpressbar. Wer findet, ich hätte hier drin nichts verloren: Nur zu, gebt alles. Haut die Dislikes rein als gäbe es kein Morgen mehr. Anoynme, gesichts- und verantwortungslose Feiglinge die ihr seid :-)

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Ja, wie gehe ich mit mir selber um angesichts dieser Faktenlage?
Ich denke, es ist sicher gut, ganz viel Verschiedenartiges zu lesen und darüber nachzudenken.
Das setzt das schnelle Denken vorübergehend auf die Auswechselbank und gibt dem langsamen Denken Trainingszeit.
Dann Zeit verbringen mit verschiedensten Menschen.
Das hilft, dass die Empathie nicht auf der Strecke bleibt.

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"Ein Meisterwerk", mein schnelles Denken
"Hm. Da könnten ein paar interessante Gedanken darunter sein. Vielleicht muss ich mal darüber nachdenken", mein langsames Denken.

Ein Monument, dieser Artikel. Leider kann ich mir jetzt nicht auch noch alle Kommentare durchlesen, das wäre zu viel.

Unsere Irrationalität bedeutet, dasS. P.olitik ein Affenzirkus ist. Das muss man akzeptieren. Man kann jedoch versuchen, oft über sich selbst und seine Meinung nachzudenken. Andere dazu anzuregen. Bildung unterstützen. Um sich Schritt für Schritt, unter Anleitung deS. P.ressesprechers, in die richtige Richtung zu bewegen.

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ich habe den text erst heute gelesen und ich mag L. texte - danke!
nachdem ich viele diskussionsbeiträge gelesen habe, bin ich vor allem erstaunt über die vielen "pscheidchäschtli", die das forum nutzen um mit dem schnellen denken ihr wissen anzubringen. kritik ist gut und nötig, dagegen habe ich nichts einzuwenden, bei allzu "gescheitem" besteht allerdings die gefahr, dass für nicht so gescheite wie ich eine bin, das verstehen auf der strecke bleibt.
ich fand den artikel primär anregend und dass vieles, wenn nicht alles zu kurz kam, ist beim offenbar teilweise als zu lang empfundenen text nicht vermeidbar.

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Was mir nach dem Lesen so duch den Kopf schwirrt: "Nun bloss aufpassen, dass die Republik nicht selbst zur Filterblase wird..."

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Sie ist bereits eine.
Ich habe mich in allen drei Diskussion bemüht, bewusst andere Sichtweisen einzubringen. Nicht weil ich diesen selber 100% zustimmte, oder ich sie mit was auch immer verteidigen würde, sondern weil ich dachte, dass es dem vorwiegenden Mainstream der vorwiegend den Autoren zujubelnden Claqeuren etwaS. P.aroli und dem Format etwas Farbe verleihen könnte.
Resultat: Durchwegs kommentarlose Negativbewertungen!
Alternative Blinkwinkel, Kritik, ja alleine nur schon das Nachfragen, scheint bei gewissen Autoren und vor allem beim anwesenden Hofstaat nicht gut anzukommen!
Sollte sich hier lediglich ein sich selbst zujubelndes Mainstreamhäufchen bilden - ehrlich gesagt vermisse ich in jeder Diskussion sowohl Experten als auch mutige Querdenker - dann habe ich hier einfach ein Abo für etwas SmallTalk und Amusement gelöst. Das ist durchaus in Ordnung und findet garantiert seine Leser. Nur mein Ding ist das nicht.
Vielleicht ist auch den Machern noch nicht ganz klar, was das Ganze hier werden soll. Ich jedenfalls bin noch nicht auf meine Kosten gekommen. Zu flach, zu schal, zu undifferenziert, zu allgemein, zu flauschig, zu lieb ...
Aber vielleicht wird's ja noch. Mein Abo läuft ja noch ein paar Tage :-)

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Hat was...

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Ja hat was - wenn's mich nicht anspringt....Abo für ein paar Tage !

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Interessant reicht nicht. Langatmig auch nicht. Repetition von als sacrosankt hingenommenen Wissenschftlichkeit von welchen Experimenten auch immer dito.

  • Was hier profund gestellt werden müsste ist die Frage nach der Freiheit.
    Schelling hat dazu das meiner Ansicht nach beste Buch geschrieben. Freiheit ist nur im Modus der Abhängigkeit zu haben und vice versa etc

  • Dass es einen Instinkbereich im Menschen gibt, in dem Angst Wut und Lust über der Logik und dem kritischen denken virulent und sehr sehr schnell sind, ist kalter Kaffe.

  • Die Frage ist nicht die Frage nach der Moral, sondern nach dem Ethos. Was konstituiert das menschliche Gewissen?

  • Die Sonne ist so gross, wie sie uns erscheint. (Heraklit)

  • Ich meine, es ist wichtig, nicht von der frisierten Orange im weissen Haus auszugehen , um die Welt zu verstehen, sondern von Menschen wie Franz von Assisi, Hölderlin (mir ist nichts lieber als was alt ist wie die Welt) oder Simone Weil. Dann wird der sich selbst inszenierende Persuit of hapiness relativ schnell entzaubert.

  • Was ebenfalls fehlt ist eine Analyse der technischen Revolution, die uns in die Akzeleration hineintreibt, der soziale Anerkennung und das Bedürfnis nach Geborgenheit geopfert wird und immer mehr Menschen zu Einsamen, Neurotikern und Ausgebrannten macht.
    -Trotz dieser kritischen Punkte lege ich mir ein Probeabo zu. Ich wünschte mir von der Redaktion, dass sie nicht wie der Artikel in der Falle des links rechts Schemas hängen bleibt. Es bedarf nicht einer linken NZZ! Wir brauchen Aussichten und Einsichten, die jenseits der alten Glaubenssysteme und Grabenkriege in eine nicht referenziellen Welt hinein gedacht und mitgeteilt werden.

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Nur ganz kurz:
"Es bedarf nicht einer linken NZZ!"
Mit Ausrufezeichen. Da wird die NZZ kräftig in den Medienhimmel gehoben und zugleich deren Rechtsdrall bestätigt.
Kritischer Journalismus ist per se in der Oposition.
Dadurch das sich die öffentliche Meinung, die mit der NZZ wesentlich mitgebildet worden ist, mit der neoliberalen, kapitalgläubigen Haltung der "Alten Dame" deckt, ist der Bedarf einer "linken NZZ" bestätigt.
Oposition eben.

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Ja bitte Linard Bardil! - Eine gute Anregung an die Republik: die aufgeworfenen kritischen Fragen beleuchten, diskutieren, und in Bezug auf die Abhängigkeiten zu klären versuchen (um, dann vielleicht herauszufinden, dass der kleinste gemeinsame Nenner für die grosse Welt nichts taugt - dafür allenfalls unserer kleinen Welt etwas geistige Stabilität gibt) Ein hoffnungsvoller Ansatz.

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Lieber Linard
wegen solchen Briefen und Bewertungen - hab' auch ich ein Probeabo.....
Finde immer gut wenn andere das schreiben in etwa, was ich denke.
Mich selber äussern; da genüge ich mir nicht, obwohl ich eigentlich recht selbstbewusst und vor allem unabhängig bin.
Diffuse Angst vor Blamage - trotzdem.
Gruss an alle die mir aus dem Herzen reden.

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Zitat: "Finde immer gut wenn andere das schreiben in etwa, was ich denke" Hört ihr sie - den Sound der Filterblase ... ;-)

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Viele bedenkenswerte, teils mir neue Ideen und Untersuchungen zur politischen Kommunikation und ihren Irrationalitäten in den westlichen Demokratien, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los dass stillschweigend herrschaftsfreie Kommunikation vorausgesetzt wird. Mir fehlen gänzlich die politischen Theorien - über Macht und Gewalt, Legitimität und Herrschaft etc. Der Text kommt sehr leichtfüßig daher, für meinen Geschmack müsste ihm ein Text mit etwas mehr Schwere folgen. So halte ich es zum Beispiel für gar nicht zufällig, dass, so berichten mir meine Söhne und deren Freunde Mitte bis Ende 20, an vielen politikwissenschaftlichen Fakultäten wieder nach den Arbeiten von Hannah Arendt gefragt wird.

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Diskutieren wollte ich nur über die Länge des Textes sowie die zahllos angeführten Hirnforscher und sonstigen Wissenschaftler, die zu recherchieren allein ein paar Tsge Urlaubs in Anspruch nähme. Am Ende bleibt aber die starke Einsicht, dass öffentlich-rechtliches Fernsehen wichtig ist, weil Mainstream. Auch wenn man niemals aufhören sollte, die Verwendung der eingezogenen Gebühren zu hinterfragen und die Besetzung der Gremien erst recht. Grüße aus Heidelberg, Glückwunsch zum starken Start und alles Gute weiterhin.

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Lieber Consti, danke für den polarisierenden Einstieg ins neue Projekt. Leider habe ich's im Text nicht bis zum Schluss geschafft, der IC von Bern kam in Zürich an. Muss ich nächstes Mal den langsamen Bummler statt des schnellen Zugs nehmen. Von mir nur ein paar kurze Einwürfe. Du schreibst mehrfach von einer Vorhersagequote von 70%, welche die Hypothesen zur Funktion des Hirns belegen sollen. Das tönt gut. Nun erreicht aber eine reine Zufallsaussage bei zwei Möglichkeiten bereits eine Vorhersagequote von 50 %. Das berühmte "Kopf oder Zahl"-Spiel. Eine perfekte Vorhersage würde 100 % bedeuten. Also sind 70 % Trefferquote näher beim reinen Raten als beim Wissen. Dann habe ich in einem Kommenatr gelesen, dass du zum Schluss zu Demut ratest. Das wäre bei der Interpretation von Hypothesen zum Funktionieren des Gehirn auch angebracht. Fakt ist, dass wir nicht die geringste Ahnung haben, wie sich ein Haufen Zellen selbst so organisieren kann, dass er einen Geist schafft. Wir wissen nicht einmal, ob die Funktion der Zellen als Erklärung ausreicht. DaS. P.asst mir als Wissenschaftler auch nicht. Doch halte ich es für wichtig, neben den tollen Erfolgen der Wissenschaft bei der Erklärung der Natur auch die ungeklärten Fragen präsent zu haben. Die Funktion des Gehirn gehört definitiv zu letzteren. Und Hypothesen dazu eignen sich kaum als Basis für die Konstruktion eines Staatswesens.

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Einverstanden, das Wunder, dass Materie ein Bewusstsein hervorbringt, ist nicht entschlüsselt. Aber umgekehrt sind unsere Gefühle, Gedanken, Haltungen ja Materie und Chemie – das Material, mit dem wir gemalt sind. Und wie das Material am Ende das Werk vorbestimmt, (in Öl wird ein Portrait auch anders als in Aquarell), so finde ich es ziemlich plausibel, dass es vorbestimmte Bahnen und Grenzen unseres Bewusstseins gibt. Und dass es kein Unfug ist, das zur Kenntnis zu nehmen, wenn man schon so gebaut ist. Okay, man kann über die 70% debattieren – später kommt ein (an nur 90 Leuten) gemachter anderer Test auf 95% – aber dass wir nicht als Logik-, sondern als soziale Maschinen gebaut sind, halte ich für ziemlich breit belegt.
Auch, wenn man von so vielem noch so weniges weiss.

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Ein wunderbarer Start! Zu L.? Für mich nicht. Blendend das Argument, dass Mainstream nicht a priori schlecht und dumm ist sondern nützlich als gemeinsamer Nenner für eine fundierte Diskussion.
Darf ich noch meinen kleinen Senf zu einem Detail geben? Likes und Dislikes sind an sich problematisch. Wenn schon interessiert mich ihre Totalanzahl und nicht ihre Differenz. 100 mal gut plus 100 mal schlecht kann nicht dasselbe ergeben wie null Kommentar.

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Was eine und auch die Republik (von Project R) kann, ist m.E. den Diskurs fördern. Ob dieser dann rational oder irrational geführt wird, ist doch dann das eigentlich Politische.

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Danke! Ich fürchte zwar, dass jeder Diskurs rational und irrational gleichzeitig ist. Aber so schrecklich ist das auch nicht, gesetzt, er ist aufrichtig und höflich und man bemüht sich um Klarheit. Politik ist schliesslich nicht die Kunst des abstrakt Perfekten, sondern die Kunst des Möglichen.

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Die zentrale Frage hierbei ist wohl die nach dem Sinn und Zweck von R. Will man nur unterhalten? Ja klar, dann sind Irrationales, nicht Relevantes, Plausch und viel soziales Liebhaben ein Muss!
Hat man aber den Anspruch- wie z.B. im Senat - einer mehrheitsfährigen Lösung zuzuarbeiten, mit dem Ziel, den Worten auch eine konkrete Umsetzung folgen zu lassen, dann wäre wohl ein hehres Bemühen um mehr "trockene" Rationalität von Vorteil, resp. wäre es dann wohl sogar das Ziel, das anfangs Irrationale auf eine möglichst Rationale Ebene zu bringen, nicht?

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Vielen herzlichen Dank, lieber Herr S., für Ihren langen sehr interessanten, nachdenkenswerten Artikel! Nach einem Jahr S.- Entzug las ich ihn arbeitsbedingt in Etappen aber mit viel Genuss wie damals im Tagi jeweils,; Nachteil des In -Etappen-Lesen, vielleicht hat mein nicht mehr ganz so neues Hirn Schon einiges wieder vergessen. Hier ein paarAnmerkungen und Fragen:

  • Bei 3/4 des Textes war ich sehr erstaunt darüber, wie sehr Sie in schwarz/ weiss - Überlegungen (Republikaner- Demokraten, Rechte- Linke... ) sich ausliessen. Wo bleibt die Mitte? es gibt meines Erachtens genügend Menschen, die je nach Sachfrage mal eher nach links und dann wieder rechts tendieren, wenn wir überhaupt wissen, was links und rechts ist....
    -wenn sich nun alle Parteien dieser neuropsychologischen Erkenntnisse ( wie auch die Werbung) bedienten, könnte dies nicht dazu führen, dass wir wieder ' freier' entscheiden würden? Alle würden dieselben Methoden benützen, uns zu manipulieren...

  • Die Studien der Hirnforschung wären sehr interessant und ich würde einige sehr gerne genauer durchlesen. Könnten Sie einen Link veröffentlichen?
    Doch wie frei sind eigentlich die Studienleiter, die Hirnforscher?
    Wie sehr können wir uns auf deren Ergebnisse verlassen? Hirn- scans sind sehr verschieden interpretierbar!

  • wie sicher sind Sie, dass Sie nicht genau nur die Studien in Ihrem Artikel verwendet haben, die Ihnen Ihre Meinung in Ihrem Artikel untermauern?

  • vielen lieben Dank für Ihre Schlussfolgerungen! Sie lassen einen nicht deprimiert die Hände in den Schoss legen sondern auf jene Weise weitermachen, wie man, egal wodurch konditioniert, antrainiert und angedacht und lebenserfahren, es bisher zu tun pflegte, vielleicht eine Spur aufmerksamer, verunsicherter, kritischer. DANKE!

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Liebe Frau C. - danke für Ihre Fragen! Die über dem Niveau meiner Antworten sein werden:

  • Die Mitte? Die meisten Studien, die ich fand, kommen aus den USA. Und ich tippe, dass sie sich nicht zuletzt auf die zwei Lager konzentrierten, da die Hirnforschung noch jung ist ... und noch nicht bereit, die uneindeutigen Fälle, die Nuancen erkunden zu können. Sondern sich erst mal Schwarz-Weiss ins Neue tastet.

  • Meine Vermutung ist, dass bei perfekter Stimulierung nur mobilisiert würde. Besonders, da, falls die Forscher Recht haben, verschiedene Leute auf verschiedene Reize reagieren: etwa auf Chaos. In den USA gibt es den Ausdruck "Hundepfeife" dafür, rassistische Code-Wörter, die Liberale überhören, Rassisten aber als Erkennungszeichen sehen. (Und umgekehrt gibt es das auch, fast in jedem Lager, jeder Branche, jeder Gruppe.)

  • Mach mich noch dran. paar Links zu veröffentlichen. Braucht noch Zeit, bin noch mit viel Startfolgenorganisation beschäftigt. (War ein Versäumnis, es nicht von Anfang an zu tun!)

  • ehrlich gesagt bin ich mir sehr sicher, dass ich exakt die Studien genommen habe, die meine These untermauern. Schon als Illustration. (Ich hab zwar ziemlich breit gelesen, um mir sicher zu sein, dass ich nichts Riesiges übersehen habe, und überzeugt bin, hoffentlich richtig zu liegen - aber beim Schreiben ist die Zeit der Skrupel vorbei. Da braucht es Klarheit.
    Ich hoffe, Sie sind nicht zu desillusioniert! Herzlich.

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Lieber Herr S.
warum habe ich das Gefühl, wenn jemand mit Nachdruck betont "Ich bin kein Rassist", - es eigentlich ist.....? (Trump auf twitter)
Da kommt mir der Fragebogen zur Rekrutierung Zürcher Polizei in den Sinn:
Frage: "Sind sie ein Rassist" (....ein Ja - unmöglich ! - rassistische Frage...?)
Statt mich zu äussern - lebe ich's lieber, keiner zu sein.
Herzlichen Gruss

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Die Hirnforschung ist eigentlich nicht mehr so jung. Aber sie hat sich in den letzten 50 Jahren schon ein paar mal grausam geirrt ;-)

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Guter Artikel, Danke. Bitte mehr solche Inhalte.
Für mich ist er aber zu L. um ihn in einem Rutsch zu lesen. Bitte aber NICHT kürzen, sondern mit mehr Strukturierung wie Inhaltsverzeichnissen, Kurzfazits am Ende jedes Kapitels, Exkursen (zum Überspringen und später Nachlesen) oder mehrteiligen Artikeln arbeiten!

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In der Gefahr, dass das schon jemand erwähnt hat (aber ich komme nicht dazu, alle Kommentare hier zu lesen): Der Artikel ist zwar schon lang, aber hier hätte sich hervorragend ein Bogen zum Interview mit Elisabeth Wehling schlagen lassen. Sie widerspricht ja hier gemachten Aussagen und ich erwartete beim Lesen die längste Zeit ein Hinweis im Sinne von "andererseits - wie in Artikel xy zu lesen - gibt es die Theorie z".
Zitat daraus: "Die Forschung von Jonathan Haidt ist in der Wissenschaft umstritten. Seine Moral-Foundation-Theorie hat schon eine sehr reduzierte Sichtweise auf Ideologie."

Die leider trotz allem plausible These, dass wir politisch nicht gerade besonders rational entscheiden, macht die Beantwortung obenstehender Debatten-Fragen schwierig bzw. lässt mich gerade jegliche Ideen sofort wieder als überflüssig verwerfen.

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Dieser? Oder jene? Das ist wirklich verflixt! Am Ende sind es, ausser es geht um Zahlen, wahrscheinlich Stilfragen. Haidt oder Wehling – ich finde Haidt interessanter, weil er mir einen Hauch fremder ist – ich lerne was. Wehling zieht ein System, von dem ich alS. P.rofi mehr verstehe, ein wenig verdächtig schnurgerade durch.

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Ja, es muss sich etwas ändern. Wenn die Bürger weit weniger rational sind, als die Architekten der modernen Demokratie ursprünglich annahmen, dann müssen die Bürger eben rationaler werden. Die Menschen sind ja nicht in allen Lebensbereichen gleich rational oder irrational. Bei der Wahl einer Studienrichtung ist man wohl rationaler als bei der Wahl des Mittagsmenüs. Im Übrigen würde ich lieber von "Vernunft" reden statt von "Rationalität". Rationalität tönt nach egoistischen Optimierungsstrategien. Vernunft ist dagegen eher mit allgemein akzeptierbaren Regeln verbunden. Versteht man unter "Demokratie" nicht einfach die Diktatur der Mehrheit, sondern den Versuch, nach allgemein akzeptierbaren Regeln zu leben, dann ist Demokratie ohne vernünftige Bürger nicht möglich. Je vernünftiger die Bürger, desto demokratischer das Land.

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(unsichtbar)
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Spannender Text. Passend dazu auch: Why Facts Don’t Change Our Minds
https://www.newyorker.com/magazine/…-our-minds

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Danke! Spannender Link!

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Ich bestreite Ihre "Links-Rechts" Kategorien; ich denke, sie sind nur das Ergebnis "schnellen Denkens". Der "Liberal-Konservative", den Sie etwas herablassend als "rechts" einordnen, ist durchaus aufgeschlossen für Neues, ist auch fähig zur distanzierten, emotionsfreien Weltanalyse (die Sie offenbar nur dem "Linken" zurtrauen), aber er weiss, dass es gewisse "Magnetlinien" gibt, an denen ein gutes Leben ausgerichtet sein sollte. Der Nobelpreisträger F.A.Hayek hat das "spontane Ordnungen" genannt. Ich habe das Gefühl, dass es DAS ist, was den "Linken" verloren ge-gangen ist. Herzlichst DWT

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Ja, ich glaube von etwas Distanz sieht man die Unordnung im anderen Lager besser. Aus der eigenen Perspektive sieht die Welt dafür neuer aus, die eigenen Erkenntnisse solider, die gewählten Magnetlinien nach Kompass, kurz: Man lebt. Kurz: Ich bin so überzeugt, dass Sie Recht und Unrecht haben. Ebenfalls herzlich!

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Endlich gestartet. Jetzt muss sich das mal in Ruhe entwickeln und in Ruhe gelesen werden können.
Zum Thema «Denken» hier noch ein schöner Link:
https://www.kannichdenkenlernen.net/

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Gratulation für die erste Ausgabe! Qualität statt B**()-Niveau.
2 Fragenkomplexe:

  1. Warum soviel Bezug auf USA? Hier in Europa gibt's doch sicherlich auch neuropsychologische Studien von Progressiven und Konservativen. In den USA hat die Religion einen extrem höheren Stellenwert, ein framing, welches sich schwer justieren lässt.

  2. Angst, Ekel, Nachdenken über Tod, Dillemata, Scheitern als Normalität, Irrationales als ultima ratio, Absurdität Freiheit, Autorität und Revolte....kennen wir das nicht? Wir finden es in den Trümmern des 2. Weltkrieges: Existentialismus. Haben wir alles wieder vergessen?

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merci! das lesen hat sich ausbezahlt. die handlungsempfehlungen zum schluss (es helfen die institutionen sowie manieren, höflichkeit, fleiss und demut) bestätigen & helfen gegen die drohende ohnmacht!

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Thx! (Und Sie sagen es so viel kürzer als ich.)

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Wenn das schnelle Denken schon so clever ist
und langsames Denken grad nicht möglich ist,
dann können die bewusst gewählten Abkürzungen noch schneller sein.
Keine gründliche Navigation möglich? Dann Shortcuts:

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Shortcut Beleidigungen zu Amusements:
Die Beleidigung (alle, immer, egal von wem) einordnen und dadurch amüsiert ertragen.
Konrad Lorenz beleidigte früher und grundsätzlicher als beispielsweise Kahnemann:
Wir seien das missing link zwischen den Primaten und dem Menschen.
https://en.wikiquote.org/wiki/Konrad_Lorenz
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Shortcut vor dem Morgenessen:
"It is a good morning exercise for a research scientist to discard a pet hypothesis every day before breakfast. It keeps him young.“
Ein LIeblingsding, dass ich wegwarf, lässt mich nicht mehr stolpern.
Dito Lorenz. Derselbe Link.
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Die Demuts-Falle überspringen:
Bernhard von Chartres sagte es, wer als demütig gelten will, wiederholt es seither: „Wir sind gleichsam Zwerge, die auf den Schultern von Riesen sitzen, um mehr und Entfernteres als diese sehen zu können – freilich nicht dank eigener scharfer Sehkraft oder Körpergröße, sondern weil die Größe der Riesen uns emporhebt.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Zwerg…von_Riesen
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Shortcut Zwerge abschütteln:
Bin ich das? Oder welche flüsternden, schwadronierenden, drohenden Zwerge in mir muss ich ruhig stellen? Möglichst für immer?
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Shortcut Echoblasen verlassen:
Maximal zwei Quellen für das Neue. Die Echos dafür-dagegen-dafür-dagegen: delete.
Stoppt den Blödsinn. Gibt Zeit. Vor allem dafür, zu erkennen, was der Krawall vernebelt.
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Shortcut Widersprecher, Widerwärtige und Wahnsinnige:
Andersgläubiges nur zu abonnieren ist Selbstbetrug.
Das, was mich nicht bestätigt, ernsthaft lernen, wie, z.B. Kisuaheli.
Dem Zyniker präzis folgen, widerspruchslos, bis kurz vor die Hölle.
Compassion mit den Wahnsinnigen. Mitgefühl. Einige Minuten aushalten.
(Stellen Sie sich vor, Sie sind über siebzig. Sie wachen morgens auf.
Sie sind plump, ziemlich fett und haben fremde Haare angeklebt.
Und jetzt müssen Sie sich zu allererst und sofort einfallen lassen,
womit Sie sich über sich selbst beeindrucken können. Und das twittern.)
7
Shortcut neu rahmen und neu beenden:
Was irgendein schnelles Denken hinstellt, wie Sprungsteine,
hat fast immer ein Instant-Etikett, absichtsvoll einfach, süffig.
Das lässt sich immer und schnell und extrem wirkungsvoll reframen.
Was auch für alle Stories gilt, die der Mensch liebt und schluckt.
Und schon ist eS. P.assiert. Statt zu schlucken ist nahezu sofort eine andere Story erzählt.
Die muss weder schlüssiger, noch eleganter sein.
Hauptsache, sie wird sofort statt der absichtsvollen erzählt.
Und: es hilft sehr, wenn die einen faszinierenden Schluss hat.

Schnelles Denken geschieht ohnehin.
Schnelleres Denken durch Shortcuts macht das Leben erstaunlich übersichtlich.

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Peter! S., dich zu sehen, zur Abwechslung auf einer anderen Insel!
Um obiges zusammenzufassen:
Shortcut 1 (Sokrates): "Ich weiss, dass ich nichts weiss."
Shortcut 2 (Alfred E. Neumann): "Na und?"
Und dann gehts los.

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Es fällt mir schwer, ihren Kommentar zu verstehen. Ich glaube, wenn Ihre (sicherlich bemerkenswerten) Gedanken weniger “literarisch” formuliert wären, würden Sie von mehr Menschen verstanden werden.

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einige seiner 'pet hypotheses' hätte der herr lorenz ruhig denselben vorgeschlagenen weg gehen lassen können.

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Entschuldigung, ich bin 70 und habe nichts verstanden. Schreiben Sie für sich oder für Leser?

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Meine Hochachtung vor denen, die bereits am Montag um 07:30 parat waren, mit dem Autor zu diskutieren. Ich gebe zu, ich habe am Sonntag abend irgendwann gelesen, dass die Republik live ist und üblicherweise die aktuellen Artikel ab 07:00 online sind.

Ich selber bin erst am Dienstag ab 07:00 (genauer: 06:50) dazu gekommen zu lesen. Im Zug von Basel nach Bern und jetzt auf dem Weg von Bern kurz vor Olten. Und habe jetzt also gute 80min gebraucht, den Inhalt einmalig zu lesen. Um die ganze Tragweite zu verstehen werde ich das sicherlich nochmals machen, eventuell nicht im Zug.

Zum Text, bzw zum Inhalt: Ich versuche über meine "Filter Bubble" (das ist das, was Facebook, Google und andere, die uns mit personalisierten Suchergebnissen, personalisierten Werbeanzeigen etc beglücken) hinaus zu sehen. Das führt dazu, dass ich beispielsweise um den personalisierten Sachen zu entgegen auch gerne im "privaten Modus" der Browser unterwegs bin. Und sehr anregende, lebhafte Diskussionen mit einem Freund in Deutschland führe, der, für mich undenkbar, die AfD wählt und dies für sich begründen kann - wir sind, was diese Wahl angeht, wie die berühmten Demokraten und Republikaner, aber ansonsten mit unseren Ansichten gar nicht so weit voneinander entfernt. Und in der Schweiz zähle ich SVP, FDP, GLP und SP-Wähler zu meinen Freunden. So ganz können wir der Filterblase alle nicht entgehen, aber wir können uns bemühen, wir müssen uns bemühen. Bequem ist das nicht. Aber Sicherheit war noch nie bequem (und deshalb benutze ich, der ich in der IT beschäftigt bin, keine Fingerabdrucksensoren und Gesichtsidentifikation, unbequemer, langsamer, aber sicherer). Damit bin ich nicht typisch, und das ist gut so.

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Hochachtung vor Ihrer Disziplin! Als IT-Profi wissen Sie das: Bequemlichkeit ist die Falle, mit der man Menschen fängt.

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Toller Text, tolle Reibefläche, tolle Diskussion! Irrationalität hin oder her, ich denke (oder was auch immer), dass unsere Demokratie nur überlebt, wenn wir es schaffen aus ja-nein Schemata, rechts-linkS. P.olaritäten und like-unlike Mechanismen auszusteigen und gemeinsam einen mehrdimensionalen Entwurf einer Zukunft zu schaffen, in dem jeder und jede ein Plätzchen hat. Diskussionsforen wie dieses könnten ein Anfang sein, aber es braucht mehr: Soundung Boards zur Zukunft der Sozialwerke, Fischteiche für Bildungsfragen, Zukunftswerkstätten mit Migranten, Klagemauern für Abgehängte, etc. Das alles auch möglichst unmedial mit normalen Menschen aus Fleisch und Blut, die sich real begegnen und anschliessend gemeinsam anstossen. Und als Belohnung für die Teilnahme gibt es ein T-Shirt mit Aufdruck "Demokratie first", Mutter Helvetia oder zwei Schwinger im Sägemehl.

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So viel Physisches können wir auf der Republik nicht bieten, aber immerhin ein digitales Cheers!

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"Die Lüge ist das effizienteste Mittel, die Wirklichkeit zu verändern."
Die Lüge vermag die Wahrnehmung anderer zu verunsichern und ihre Befindlichkeit krankmachend zu verändern, aber die Wirklichkeit so effizient verändern?

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Das Gefährliche und das die Realität am intensivsten prägende Element sind nicht Lügen, sondern die von den Massenmedien völlig ungerechtfertigt beanspruchte Interpretations- und Deutungshoheit wo immer dann, wenn Fakten fehlen, trotzdem ganz klar gesagt wird, wie die Dinge zu verstehen sind.
Der diesbezügliche Hohn aller Dinge sind die sogenannten "Fakten"-checker. Wer Einblick erhalten hat, welche Leute mit welcher Ausbildung und Nichterfahrung Dinge an "Quellen" festmachen, die selber im Kreuzfeuer ernst zu nehmender Kritik standen, und die dann mit einer einfachen, an Arroganz kaum zu überbietenden "Is so" Platitüde an die Oeffentlichkeit gegangen sind ohne eine weitere diesbezüglich Diskussion zuzulassen, der wird auch verstehen, dass Medien nicht zu lügen brauchen um die öffentilche Meinung zu manipulieren.
Es reicht, Dinge die nicht verifiziert werden können, als nur auf eine ganz bestimmte Weise interpretierbar zu verkaufen. Das ist dann zwar nicht gelogen, aber trotzdem gut manipuliert.
Memento moris!

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Die Wirklichkeit ist das, was beim Zuhörer etwas bewirkt. Und wenn die Wirkung eintritt hat der Lügner schon gewonnen.

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oder noch kürzer gesagt: "Perception is Reality"

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C. B.
· editiert

Beide grossen Artikel parallel beurteilend muss ich zum Schluss kommen, dass Zuckerberg ein Linker ist (im Frontalhirn ausgeheckter technischer Ersatz für menschliche Nähe), und dass die Diskussionsplattform der "Republik" mit ihren Likes und Dislikes genauso zu einer Filterblase führen muss wie bei Facebook. Noch freue ich mich über die gepflegte Diskussionskultur, doch ich hege die Befürchtung, dass viele Trolle den Start der "Republik" einfach noch nicht mitbekommen haben. @Constantin: Schon ok, dass eure ITler auch mal Pause machen müssen, aber seht zu, dass ihr gegen die Trolle heute schon gerüstet seid, bevor sie zuschlagen.

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Ich teile Ihre Besorgnis über Trolls noch nicht. Bis jetzt haben wir noch keinen entfernt unanständigen Beitrag gesehen – vielleicht mit Ausnahme derer, die sich über die Länge gewisser Artikel beklagten. (Die über die Filterblase teile ich schon.) Unsere Philosophie gegenüber unseren Verlegerinnen und Verlegern ist Vertrauen. (Wie auch umgekehrt: bis gestern waren wir ja noch die Katze im Sack. Und auch jetzt ist erst die Schwanzspitze draussen.)

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Hm, ich dachte, das seien schon die Krallen. Endlich sehe ich auch die Zeichnungen - siehe mein Screenshot (Mail) in der Sache, so dass ich als Schnellleser sagen darf: rundum gelungen. Für jene, die es kürzer mögen: Wären zusätzliche Kurzfassungen eventuell sinnvoll?

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10.000 Gedanken zu deinen 1.000 Gedanken - ich lasse es bei einem: toller Aufschlag! Ein ganz wichtiger Text, keine Sekunde langatmig und mit integrativem Potential...Glückwunsch!

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Thx! Dabei habe ich das Tennis fast aufgegeben.

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vorschlag: boules, als ersatz für tennis. da kann man sich selbst so S. beim switchen zwischen schnell-denken und langsam-denken zugucken.

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Ihr Text, lieber Herr S., ist hyperbolisch: ich nehme nicht an, dass Sie wirklich sagen wollen, dass wir im "Gefängnis unserer eigenen Wahrnehmung" gefangen sind, sonst könnten wir kaum lernen - also nehme ich Ihre Aussagen cum grano salis. Bevor ich in die eigentliche Diskussion einsteige, eine zweite Vorbemerkung. Moden sollte man skeptisch begegnen, intellektuellen Moden zumal. Der Imperialismus der Hirnforschung geht auf wissenschaftspolitische Entscheidungen zurück, die Resultate sind auf den zweiten Blick gar nicht so eindeutig. Die Evidenz, die sie vorgaukeln, existiert nicht, was nicht bedeutet, dass diese Disziplinen nichts beitragen. Ein einziges Beispiel pro toto: Hirnscans sollen eindeutig zeigen, wer links und wer rechts ist. Aber sind "links" und "rechts" denn selber eindeutige Begriffe? Wo steht in dieser Skala jemand, der für Einwanderungsbegrenzung ist, weil er plausibel findet, dass umfangreiche Einwanderung den Sozialstaat gefährdet? Ende der Einleitung, Hauptteil. Der Hauptteil würde so lang wie Ihr Artikel werden, Herr S. Da dies hier nicht zu leisten ist, muss ich mich auf Beispiele beschränken. Die Argumente, die Sie vorbringen, sind nur prima facie plausibel. Die Gründe, wieso die Arbeiter nicht mehr links stimmen, sind vielfältig - zu sagen, sie würden gegen Ihre Interessen stimmen, reduziert die Interessen dieser Bürger auf ihre ökonomischen Interessen. Arbeiter im ländlichen Amerika gehen z.B. jagen und fischen. Sie wollen keine Begrenzung dieser Tätigkeiten. Wenn nun linke Aktivistinnen von den Qualen der Fische beim Angeln reden, sehen sie das als Bedrohung ihres Lebensstils. Ich komme zum Schluss. Wir sollten die Ergebnisse der Kognitions- und Hirnforschung genauso kritisch rezipieren wie die Resultate aller anderen Wissenschaften. Die antike Rhetorik wir auch einzelne Autoren der klassischen Demokratietheorie haben immer darauf hingewiesen, dass der Raum deS. P.olitischen auch der Raum der Emotionen ist, dass es folglich immer auch darum geht, die Emotionen für die eigene Sache zu mobilisieren. Wer die Reden Franklin Delano Roosevelts hört, findet dort einen paradigmatischen Fall dafür. Die Linke hat dieses emotionale Reden verlernt, obwohl sie in ihrer eigenen Tradition glänzende Beispiele findet. Tradition ist aber nicht sexy, während es die Hirnforschung ohne Zweifel ist.

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Ich frage mich gerade ob "emotionale Rede" und "Irrationalität" einander bedingen. Würde "emotinale Rede" noch Sinn machen, ja würde sie überhaupt existieren, wenn wir es fertig brächten, die Politik von jeglicher Irrationalität zu befreien?
Oder anderst herum: Ist die "emotionale Rede" nur deshalb so wichtig, weil die Politik vor allem im Irrationalen zu verorten ist?

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Emotionale Rede, lieber Herr Baron, ist wichtig, weil wir eben keine "ratternden Pflichtautomaten" (Nietzsche, Kant kritisierend) sind sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Die Frage lautet, wie Herr S. bzw. wie wir alle die Begriffe "Vernunft" und "Irrationalität" verwenden. Irrationalität ist nicht per se schlecht, da gehe ich mit J. K. einig - ist etwa Liebe schlecht, weil sie nicht rational (oder wenigstens nicht völlig rational) ist?

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Ein ziemlich grosser Brocken, der die Frage aufkommen lässt, ob er sich nicht auch viel schlanker hätte schreiben lassen. Der letzte Drittel, in dem dargelegt wird, wie die Republikaner sich radikalisiert haben, und Linien zu No-Billag gezogen werden, ist brillant. Aber bis dahin schafft es wohl kein einziger No-Billag-Befürworter. Das verhindern wohl die Wirrnis des ersten Drittels und das fehlende Fachwissen über Genetik, das im zweiten Drittel zutage kommt und zu einem Narrativ führt, das die genetische Basis dieser neurologischen Unterschiede überhöht und dem letzten Drittel teilweise sogar widerspricht.
Was ist das Ziel dieses Artikels? Ist es eine umfassende Information? Dann müssten Quellenangaben weiterführen. Ist es die Umstimmung von No-Billag-Befürwortern? Dann müsste der Artikel doch Rücksicht nehmen auf deren neurologischen Zustand und einordnend erklären, statt in alle Richtungen zu gehen.
So, wie er jetzt ist, bringt dieser Artikel bloss oberflächliches Wissen zu geduldigen LeserInnen. Der Artikel will zuviel, ist zu lang und predigt zu den bereits Überzeugten. Es tut mir leid, dies als lebenslanger S.-Fan sagen zu müssen, aber er ist wenig mehr als intellektuelle Masturbation. Die Zeilenbeschränkung im Tagi hat Ihnen sehr gut getan und Ihr Talent zum Vorschein gebracht, Eloquenz, ein spannendes Narrativ und eine dichte Schreibweise zusammenzubringen. Nun, da Sie sie nicht mehr haben, verbinden Sie die Längen eines kommunistischen Manifest-Autoren mit der Recherchetiefe eines Zeitungsjournalisten. Vom Vokabular her zwar immer noch auf sehr hohem Niveau, aber inhaltlich und erzählerisch enttäuschend, verglichen mit Ihren Tagi-Artikeln.

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Genau für die Länge bin ich dankbar. Nicht Kurzfutter, wie einer es genannt hat ist gefragt. Ungeduldige vielbeschäftigte Leser haben viele Zeitungen zur Verfügung. Leute die eintauchen möchten in ein Thema lesen Republick.

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Nun, was wollte ich? Schwer zu sagen. Anfangs sollte es ein kurzer Artikel zu No Billig werden, aber ehrlich gesagt, als ich darüber las, interessierten mich die Argumente nicht so sehr: mehr der absurde Ton der Debatte – und dann das, worüber ich in dem Jahr nachdachte, als ich aus dem Journalismus draussen war: die Grenzen des eigenen Gewerbes und Kopfes. Ich gebe zu, ich hab übertrieben mit dem Puzzleteile auflisten, aber es war ein langer Weg zurück vom Management zum Schreibtisch. Ich werd mich zukünftig knapper fassen.

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Ich hatte gestern beim Bezahlen meines Jahresabos eigentlich gehofft, dass an dieser Stelle nicht auch noch für die SRG geworben wird: Leider wurde ich mit diesem Artikel enttäuscht.

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168 Disklikes?
Was heisst das nun genau? Was will man damit ausdrücken? Gegen was richten sich diese Dislikes? Gegen die Formulierung? Gegen die SRG? Dagegen dass es unmöglich sein kann, dass jemand enttäuscht ist und der das dann auch noch so öffentlich sagt? Quel horreur!!
WAS??

P.S. 148 Dislikes und nur eine Handvoll Kommentare die aber auch keinen Aufschluss geben, was GENAU disliked wird. Mir kommt das wie Mobbing daher. Ziemlich unreif - ziemlich feige - echt!

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Haben Sie den Artikel wirklich gelesen? Auch, dass die SRG einen Mainstream schafft, der uns erlaubt, überhaupt noch eine gemeinsame Wirklichkeit zu haben, in der wir frei und demokratisch leben können? Wenn nicht, lesen Sie nochmals, langsam. So oft, bis Sie verstanden haben, warum Ihr Kommentar enttäuschend ist, nicht der Artikel.

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Die Unterstellung dass eine Person den Artikel gelesen oder nicht gelesen hat ist überflüssig und nicht nett. Genauso die Aufforderung an diese Person wie man zu lesen habe. Also arroganter geht es nimmer!
Dass der Arme Kerl 148 Dislikes garniert, während eine Oberlehrerin, die Erwachsene wie Kinder behandelt, dafür 41 Likes erhält, zeigt mir in aller Deutlichkeit, dass R vermutlich noch nicht auf dem Diskussionniveau angekommen ist, welches seinen Ansprüchen genügt.

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Nun, ich verstehe Herrn Moser schon. Ein umsubventioniertes Boutique-Medium wie die Republik ist die Antithese zur breiten, de facto steuerfinanzierten SRG. Wir haben uns über die Initiative lang Gedanken gemacht. Staatsbürgerliche, aber auch egoistische. Und sind zum Schluss gekommen, dass die ersteren wesentlich wichtiger sind als die zweiten. Sicher wäre die Annahme von No Billig für die Republik ein Bombengeschäft. Aber unser Unternehmen hat ja zwei Ziele: a) das Magazin "Republik" erfolgreich zu lancieren. Und b) das Schweizer Mediensystem zu stärken – denn eine funktionierende Demokratie braucht funktionierende Information. Und das Mediensystem wäre ohne die SRG schwer geschädigt. (Besonders, da die privaten Verleger ja in einer brutalen Fusions- und Abbaukrise stecken.) Und die Republik wird hoffentlich vieles erreichen können – aber eins wird unser Modell auch im allerunwahrscheinlichsten Fall nie hinkriegen: eine mediale Grundversorgung. Und um die geht es bei No Billag. (Es tut uns leid, Sie, Herrn Moser, schon Minuten nach Ihrem Kauf zu enttäuschen, aber das ist unsere Haltung. Wir hoffen, dass sich in dem Jahr andere Gemeinsamkeiten ergeben.) PS: Fall Sie uns überzeugen wollen, was wären Ihre besten Argumente?

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Im Intro auf SRG zu verweisen, animierte mich, die L. Reise durch den reichhaltigen Essay zu machen. Denn Einstiege über "Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass..." sind für mich eher ein Grund zum Weiterblättern. Diese Durststrecke am Anfang hat sich aber gelohnt. Horizonterweiterung, Erkenntnisgewinne. Danke!

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wenn du bei einstiegen über "amerikanische wissenschaftler haben herausgefunden, dass..." lieber weiterblätterst, marianne, dann blätter mal in dieseS. P.apier rein: http://bit.ly/2mDGQBi

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Frau Glünz, danke für die Geduld, trotzdem weiter zu lesen! Herr Wiegel, ja, das ist wirklich ein wenig frappierend, dass fast alle psychologischen Studien Psychologie-Studierende studieren.

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Der Artikel bestätigt, was ich lokalpolitisch während 5 Jahren beobachte, eindrücklich: Die Meinungsbildung erwchsener, besonnener Leute erfolgt über weite Strecken nicht basierend auf faktenbasiertem nüchternem Abwägen, sondern aus dem hohlen Bauch heraus. Die Zeit zur Meinungsbildung wird darauf verwendet, die oft a priori feststehende Meinung mit passenden Argumenten zu untermauern und Gleichdenkende zu finden.
Merci für diesen Artikel, der die zugrundeliegenden Forschungen so knapp wie möglich erörtert, die Relevanz der Erkenntnisse mit den möglichen Konsequenzen beleuchtet und sogar noch einige Fäden in die Aktualität zieht.
Die Lektüre empfand ich jedenfalls als eine gut investierte Stunde ...

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Gleichdenkende muss man wegen FB nicht mehr finden, sondern die sind auf wundersame Weise immer gleich auch da. Volle Harmonie wird im FB garantiert und die Gewissheit, dass das eigene "Denken" richtig sein muss, wenn alle mit mir übereinstimmem - ausser dem blöden Troll natürlich, der sicher von Putin finanziert wird :-)

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ich stimme dir weitgehend zu. nur die metapher vom "hohlen bauch" sollte im zeitalter des humanen microbioms mit vorsicht verwendet werden. nicht nur ist unser bauch alles andere als hohl, sondern – und das ist jetzt keine plattitüde – es stellt sich auch immer mehr heraus, daß unsere mini-mitbewohner uns gesundheitlich und persönlich mehr beeinflussen, als wir das noch vor 10 jahren für möglich gehalten haben (nein, ich rede hier keinem hype nach dem mund).

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Gewichtiger Anfang der Woche, aber das Lesen hat sich gelohnt (zum Glück habe ich 2 h Arbeitsweg im ÖV). Danke!
Allerdings hätte mich folgender Aspekt im Sinne eines hoffentlich positiveren Ausblicks (mein Langsamhirn ist gerade sehr aktiv 😏😏) interessiert: das Gehirn entwickelt sich permanent und aufgrund unserer Eindrücke/ Erfahrungen/Handlungen stetig weiter. Wie viel der Ängste resp. des nicht wahrnehmen können ist wirklich genetisch und wie viel ‚gelernt‘?

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Die Epigenetik untersucht u.a. Fragen inwiefern und ob überhaupt Erfahrung "vererbet" werden kann und wie das geschieht. Hier gibt es viel interessante Ansätze und Hinweise, aber noch nichts Konkretes worauf man sich berufen könnte. Die Hoffnung stirbt zuletzt - aber sie stirbt :-)

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Wieviel gelernt und wieviel genetisch bedingt ist, wird man wohl nie mit Sicherheit herausfinden können, denn man müsste dazu ja den selben Menschen zweimal leben lassen: einmal ohne soziale Bezüge, in denen er lernt und einmal mit denselben. Das ist nicht nur unmöglich, weil man bekanntlich nur einmal lebt, sondern auch, weil Menschen ohne jeden sozialen Bezug nicht leben können. Das arme "Versuchskarnickel" wäre tot, bevor man es untersuchen könnte. Das gilt übrigens auch, wenn man zweierlei Versuchskohorten wollte - diejenige ohne soziale Bezüge würde "den Abgang machen". Kommt dazu, dass nicht einmal eineiige Zwillinge in völlig identischen sozialen Bezügen aufwachsen, weshalb auch nicht beide das völlig Indentische lernen.

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Lieber Herr M., Sie haben einen ziemlichen Arbeitsweg und hoffentlich gute Bücher. Was die Konstruktion des Gehirns anbetrifft, ist glaube ich, nach allem, was ich gelesen habe, seit de Savanne nicht viel passiert: Wir sind noch immer an sie angepasst. (Vielleicht wird das Handy was ändern.) Was genetisch / gelernt betrifft... Ist meine Naseweisheit am Ende. Da weiss ich (wahrscheinlich nicht aus genetischen, sondern aus Lerngründen) zu wenig.

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ich befürchte, es wird sich heraustellen, daß der quotient "gelernt/genetisch bedingt" bei jede·r/m von uns ein klein wenig anders aussieht.

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Guter Titel, zu langer Artikel. Eher geeignet für eine Fersehdebatte. Danke.

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ausgerechnet für's fernsehn? frag ich mich...

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