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Debatte

Was bedeutet unsere Irrationalität politisch?

Diskutieren Sie mit Autor Constantin Seibt.

15.01.2018

Muss sich etwas ändern, wenn die einzelnen Bürgerinnen und Bürger weit weniger rational sind, als die Architekten der modernen Demokratie ursprünglich annahmen? Und wenn ja – was? Braucht es neue Ideen für Parteien, Presse, Gesetzgebung, die Demokratie selbst?

Lesen Sie den Artikel «Demokratie unter Irrationalen» und diskutieren Sie mit Autor Constantin Seibt.

Da Sie schon hier sind – eine Warnung!

Wir von der Republik wollen Sie als Abonnentin gewinnen. Deshalb sagen wir Ihnen nur ungern, dass Lesen nicht ohne Risiko ist. Schopenhauer warnte, dass gleichsam mit fremdem Kopf denkt, wer liest. Und dadurch allmählich die Fähigkeit verliert, selber zu denken. Sein Schluss: «Solches aber ist der Fall sehr vieler Gelehrter: Sie haben sich dumm gelesen.» Deshalb versprechen wir Ihnen, falls Sie uns abonnieren, Ihnen so wenig wie möglich zu liefern: nur das Wesentliche. Und nur im Notfall mehr als drei Texte pro Tag.


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Was eine und auch die Republik (von Project R) kann, ist m.E. den Diskurs fördern. Ob dieser dann rational oder irrational geführt wird, ist doch dann das eigentlich Politische.

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So. Die ersten 48 Stunden der Debatte sind längst vorbei. Und damit auch meine offizielle Präsenz in diesem Forum. (Aber Sie sollten sich nicht zu unbeobachtet fühlen. Ich schlendere gelegentlich vorbei.)
Zusammenfassend habe ich von Ihnen folgendes gelernt:

  1. Die Länge des Artikels (50'000 Zeichen) war eine Zumutung. Sie haben zwar verblüffend höflich reagiert – das Furchterregendste war das Heben einer Augenbraue. Respekt dafür! Aber als Ex-Print-Zeitungsmensch sollte ich darüber nachdenken, wie man im Netz der Versuchung entgeht, ausufern wie das Delta des Mississippi.

  2. Ein ernsthaftes Versäumnis war das Weglassen von Links – nach drei durcharbeiteten Nächten vor in der Woche Start liefen Nerven und Zeit aus. Doch eigentlich stehen Links weit vorn im Konzept der Republik: wir wollen, dass Sie bei Interesse weiter lesen können. Und zentrale Thesen nach Möglichkeit überprüfen können. Kurz: Links sind etwas, was wir standardmässig machen müssen, wo immer es Sinn macht.

  3. Ich werde zukünftig beim Zitieren von Studien noch ein wenig skeptischer sein: Was ist das Sample, wurden Sie erfolgreich wiederholt?

  4. Was allerdings die Skepsis einiger Verlegerinnen betrifft, dass die Hirnforschung gerade Mode sei und also nicht allzu ernst zu nehmen – ich teile sie nicht: Ich fürchte, man sollte zur Kenntnis nehmen, was an neuen Erkenntnissen kommt: auch wenn einem das Ergebnis nicht besonders gut ins Denken und Wünschen passt.(Und ja, das Neue ist geld- und modegetrieben, aber das gilt ja für alle Entwicklungen von Kunst über Politik bis Technik.)

  5. Allerdings gab es ein paar Einwände, die mir zu Denken gaben. Vor allem folgende: Die meisten Studien, die ich las, wurden im amerikanischen Zweiparteiensystem gemacht. Lassen sich die politischen Köpfe und Emotionen in den USA dort mit denen in der Schweiz vergleichen, wo das System weit feiner verästelt ist? Und: Der Grossteil der psychologischen Studien in US-Elite-Universitäten wird an Psychologie-Studenten von US-Elite-Universitäten durchgeführt. Gelten die Ergebnisse generell? Oder nur für meist weisse, oft reiche, oft hochintelligente US-Psychologiestudenten?

  6. Technisch gab noch Geburtsmängel bei unserem Diskussionstool. (Es wurde Stunden vor dem Start fertig.) Die wichtigsten: die fehlende Zeilenschaltung, keine Möglichkeiten, Links einzubetten – und dann die verdeckten Antworten, die keine allgemeine Debatte, sondern nur Einzelgespräche wie beim Simultanschach zuliessen.

  7. Die Zeilenschaltung war 24 Stunden später da, die Links sind nur eine Frage von Tagen, die Dramaturgie – daran wird getüftelt. Es ist erfreulich, dass das System beim Start lief. Und aber weiterhin etwas läuft.

  8. Was ich bei der Lektüre zum Artikel gelernt zu haben glaube, war: Dass Menschen durchaus verschiedene, tendenziell festverankerte Wahrnehmungs-, Fühl- und Denkstile haben. Und dass eine Menge Entscheidungen vor der bewussten Wahrnehmung und vor dem Willen getroffen werden. Niemand denkt so frei, wie er denkt. Kurz: Man hat eine Menge blinder Flecken und ist auch weitgehend blind, wo sie sich befinden.

  9. Das ist gleich ein doppeltes publizistisches Problem. Zum ersten für jeden Journalisten, jede Journalistin: Im Journalismus muss man nicht zuletzt dem eigenen Blick, dem eigenen Herz vertrauen. Nur: Was tun, wenn man der eigenen Wahrnehmung nicht trauen kann? Zum zweiten: Für die Republik selbst. Eigentlich war es unser Ziel, das Magazin mit möglichst wenig Schlagseite zu konstruieren. Wir haben sehr verschiedene Leute und Temperamente an Bord geholt. Und darauf geachtet, die Redaktion ungefähr fifty-fifty nach Geschlechtern zu besetzten. Aber unter dem Strich ist das keine Garantie gegen Blindheit. Die Republik wird einen Bias haben. Nicht wegen eines absichtlichen Spinns, sondern wegen der Voreinstellung der Wahrnehmung. Er liegt im Blickwinkel, aber auch im Instinkt, was einem bemerkenswert, erfreulich, furchtbar, selbstverständlich, etc. vorkommt.

  10. Was tun? Persönlich bleibt einem wenig anderes übrig als sich trotzdem zu vertrauen – man hat ja niemand anderen. Aber es doch mit ein wenig mehr Bescheidenheit und weniger Rechthaberei zu tun. Als Redaktion hingegen haben wir wenigstens 17800 Verbündete – Sie. Sollten Sie das Gefühl haben, dass wir bei einzelnen Themen, Recherchen oder Fragen ungeheure Blind- und Blödheiten begehen, schreiben Sie uns. Wir werden dann versuchen, Ihnen zuzuhören.

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Beide grossen Artikel parallel beurteilend muss ich zum Schluss kommen, dass Zuckerberg ein Linker ist (im Frontalhirn ausgeheckter technischer Ersatz für menschliche Nähe), und dass die Diskussionsplattform der "Republik" mit ihren Likes und Dislikes genauso zu einer Filterblase führen muss wie bei Facebook. Noch freue ich mich über die gepflegte Diskussionskultur, doch ich hege die Befürchtung, dass viele Trolle den Start der "Republik" einfach noch nicht mitbekommen haben. @Constantin: Schon ok, dass eure ITler auch mal Pause machen müssen, aber seht zu, dass ihr gegen die Trolle heute schon gerüstet seid, bevor sie zuschlagen.

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Also: Es gäbe mindestens 2 Artikel daraus. Da ist etwas viel auf einmal drin. Im ersten Teil zuviel Determinismus. Fast schon etwas biologistisch. Dabei ist der Mensch das am wenigsten determinierte Wesen überhaupt, qua seiner ungeheuren komplexen, wie erwähnt ständig wandelbaren und plastischen Neuronenverbindungen. Auch Zwillingsstudien zeigen dies auf. Das ist in Fachkreisen nicht einfach Common Sense, es ist eine Interpretation. Psychologische Studien gehören deshalb auch zu den am schlechtest Replizierbaren, weil eben der Mensch so komplex ist und auch eine identische Operationalisierung noch nicht "Gleichheit" bedeutet. Es gibt auch sehr viele Studien, die die Intelligenz als einen zentralen Akteur sehen. Intelligenz erleichtert das logische Deneken massiv und was uns leicht fällt, tun wir gerne. Was wir gerne tun, machen wir häufig, was wir häufig tun, können wir besser, etc... Und sogar wenn die Logik nur auf Druck aktiviert wird im Gehirn: Die Heuristiken, also das schnelle Denken, sind erwiesenermassen durchschnittlich bezogen auf längere Sicht erstaunlich brauchbar, und das, was gemeinhin als vernünftig bezeichnet wird.
Dazu kommt etwas, das hier überhaupt nicht thematisiert wird (oder ich habs dann am Schluss überlesen, das der Artikel endlos ist): Die Praxis des vorwiegend in Heuristiken denkenden Individuums geschieht in sozialen Verbänden! Diese unendlich verschiedene Mischung der einzelnen "Cocktails" balanciert sich in der Interkation, im Zusammenleben zwangsläufig aus. Demokratie garantiert das am besten. Auch "Linke" und "Rechte" ist kein jeweils hermetischer abgeschlossener Block. "Ingroups" und "Outgroup-Bildung" sind zwar mächtige soziale Sortierer in uns und stark aus Emotionen (Angst, nicht dazuzu gehören, Freude, anerkannt zu werden,...) getrieben, und aktivieren sich sehr leicht, aber wir gehören eben unzähligen "Ingroups" gleichzeitig an. Wir müssen eh ständig switchen. Das muss uns also alles politisch nicht beunruhigen. Der Mensch ist das gleichzeitig gleich starke vernünftige wie unvernünftige "Tier" mit ungeheurer Lernfähigkeit. Sonst wäre er nicht an Punkt der Evolution gekommen, an dem er ist. Man sollt sich nicht durch den kurzen geschichtlichen Moment blenden lassen.

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Die Unlogik-Aufgaben im SRG-Artikel von Ihnen, Herr Seibt, beschäftigen mich nach wie vor sehr (genau wie all diese höchst seltsamen als wissenschaftlich benannten Studien) diese scheinbar von den Intelligentesten der Probandinnen am schlechtesten gelösten „Logik“-Aufgaben, wie gesagt: beschäftigt mich nach wie vor sehr. Und zwar aus den im folgenden dargelegten Gründen.

Es ist offensichtlich, dass bei jener Aufgabe genau das im Beitrag von Daniel Binswanger geschilderte Verwirrspiel des unauflösbaren Gegensatzes von dem Forschungsteam mit eingebaut worden war.

Diese Aufgabe muss bereits in der Aufgabenstellung reine Unlogik, also eine nicht als wahr zu lösende Ausgangslage, beinhaltet haben. Damit ist eine logisch richtige Lösung von Anfang an gar nicht möglich. Da Logik grundlegend, ja zwingend, auf den beiden Kategorien wahr und falsch beruht (so wie die ganze Computerprogrammierung auch - hier mit den beiden, einzigen, einzig eingebauten, Platzhaltern 1 und 0, oder eben wahr | falsch), kann eine als mathematische Logik präsentierte und überschriebene Aufgabe, die auf bereits falschen, also mathematisch unrichtigen, d.h. hier: unlogischen Prämissen beruht, eben grad keine Lösung im Sinne der Logik ergeben.

Alle diejenigen, die an der ganz offensichtlich integrierten Unlösbarkeit der gestellten Aufgabe gescheitert sind, haben damit die einzig da noch offene und mögliche, also irgendwie „wahre“ Lösung gefunden. -

Ich möchte wetten, dass diese „Logik“-Aufgaben in einer Computerprogrammierung gelöst werden mussten, welche keinen Button für „Diese Aufgabe ist in der gestellten Form mathematisch logisch nicht lösbar“ oder „Diese Aufgabe ist keine mathematisch lösbare Aufgabenstellung“, geschweige denn ein freies Kommentarfeld beinhaltet hatte. -

Diese Aufgabe so nicht lösen zu können, ist die einzige adäquate, richtige Lösungsvariante in diesen zwei Beispielen. Erkenntlich an den vorgegebenen Lösungen, die im Artikel als einziges Indiz aufgeführt sind. Die Aufgabenstellung selber fehlt ja.

Es täte mir sehr leid, wenn obige logischen Ausführungen nun ebenfalls als Totschlagsargument rüberkommen sollten.

Sie sind vielmehr der Versuch, faktisch die Art des Funktionierens mathematischer Logik aufzuzeigen und genau diese Logik damit wiederherzustellen.

Eine anstrengende Sache, die Logik, und sie deckt niemals das ganze Leben ab, natürlich nicht. Aber trotzdem, es lohnt, sie zurück vom Kopf wieder auf die Beine zu stellen.

Sonst kann unser Verstand nämlich tatsächlich nicht mehr funktionieren; oder nur noch in den aufgezeigten, sich selbst andauernd aufhebenden konstruierten und scheinbar unlösbaren Widersprüchen des „Ja ist Nein“ - bzw eben „wahr ist gleich falsch“, was einfach schlicht nicht stimmt - und was nicht nur im Alltagsempfinden und Alltagsdenken, sondern auch in der mathematischen Logik eine Falschaussage darstellt - und das wäre tatsächlich verheerend.

Danke.

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Zuerst Lob für Rationalität vor noch nicht allzu langer Zeit. Anschliessend noch zu Susan Greenfield.

https://m.srf.ch/news/schweiz/absti…initiative
(Quelle: Die Billagfinanzierte SRF übrigens.)

Argumentieren lohnt sich! Siehe:
http://www.sueddeutsche.de/politik/…-1.2884318

Susan Greenfield: Oxford, UK. Forscht primär zu Hirnveränderungen bei Alzheimer und aufgrund der Technologien des 21. Jh.

Wie einer der aktuellsten Buchtitel zeigt: offenbar auch mit einer guten Portion Humor.
http://www.susangreenfield.com/science/

Greenfield, Susan (2011). You and Me: The Neuroscience of Identity. London, UK: Notting Hill Editions. ISBN 978-1907903342.
Greenfield, Susan (2013). 2121: A Tale from the Next Century. London, UK: Head of Zeus.
Greenfield, Susan (2014). Mind Change: How 21st Century Technology is leaving its mark on the brain. London, UK: Random House.
Greenfield, Susan. A Day in the Life of the Brain: The Neuroscience of Consciousness from Dawn till Dusk.

von https://en.m.wikipedia.org/wiki/Sus…Greenfield

Von einer anderen Quelle noch folgender Auszug zu:
Reiseführer Gehirn, 1999. Susan A. Greenfield.
-> „Susan Greenfield führt Sie außerdem Schritt für Schritt durch die Entwicklung des Gehirns - [... ] Die Informationsverarbeitung im Gehirn, die wichtigen Prozesse des Lernens und das immer noch rätselhafte Phänomen des Gedächtnisses sind weitere Etappenziele. Philosophie und Naturwissenschaft kommen schließlich bei jenen großen Fragen zusammen, die wohl jeden Leser interessieren dürften: Wann und wie prägt sich die unverwechselbare Individualität eines Menschen aus? Wie kann die Ansammlung von Schaltkreisen aus Nervenzellen nicht nur ein individuelles Gehirn, sondern auch ein individuelles Bewußtsein hervorbringen? Die Antworten und Fakten, die die Autorin präsentiert und die auf den neuesten Ergebnissen der Hirnforschung aufbauen, machen dieses Buch zu einer erhellenden und abwechslungsreichen Lektüre.“

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Was war doch gleich die Frage? ;-)

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Lieber Herr Seibt, vielen Dank für Ihre Schreibausdauer, die mir doch rechte Leseausdauer abverlangt hat, aber die Ausdauer hat ein rechtes Lesevergnügen gebracht.

Die Quintessenz Ihres Artikels könnte man so paraphrasieren: Die öffentliche Meinung wird beherrscht von Hass bzw. Neid, Stolz und Gier einerseits und Furcht oder Angst bzw. Machtbedürfnis andererseits. Ungeachtet aller Aufklärung, hat in der Politik immer das alte Stammesdenken gewirkt und geherrscht, nur dass sich mit der Zeit die Stämme zu Nationen ausgeweitet haben. Der mit der Individualisierung einhergehende wachsende Egoismus wuchert zum Gruppenegoismus in allen sozialen Bereichen, vom Fussballclub, über die Facebookgruppe und die politische Partei bis zur Nation.

Die Gehirnwäsche bzw. suggestive Manipulation fängt schon mit dem ersten Atemzug an, nämlich dass nur WYSIATIS zählt, nur das Materielle. So wie es Goethe den Mephisto zum Kanzler des Kaisers sagen lässt:
Daran erkenn' ich den gelehrten Herrn!
Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern;
Was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar;
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr;
Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht;
Was ihr nicht münzt, das meint ihr, gelte nicht.

Aber WYSIATIS gibt keinen Sinn, und der Mensch braucht Sinn, das heisst Zusammenhang, um Mensch bleiben zu können. Wen wundert's dass da das Menschliche, Empathische, Altruistische, Gemeinschaftliche zunehmend in Frage gestellt wird - wie zum Beispiel die SRG - und auf der Strecke bleibt. Christian Morgenstern sagt es so:
Wer vom Ziel nicht weiß,
kann den Weg nicht haben,
wird im selben Kreis
all sein Leben traben;
kommt am Ende hin,
wo er hergerückt,
hat der Menge Sinn
nur noch mehr zerstückt.

Wir traben wirklich im Kreis, und der wird immer enger. "Ändert Euren Sinn!" hat einer schon vor rund 2000 Jahren gepredigt. Gewirkt hat es bis jetzt noch kaum. Aber wenn wir es jetzt nicht schaffen, haben wir ein echtes Problem. Ein Anderer hat gesagt: "Wehret den Anfängen!" Der Erhalt der SRG ist ein solches Wehren.

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Interessant reicht nicht. Langatmig auch nicht. Repetition von als sacrosankt hingenommenen Wissenschftlichkeit von welchen Experimenten auch immer dito.

  • Was hier profund gestellt werden müsste ist die Frage nach der Freiheit.
    Schelling hat dazu das meiner Ansicht nach beste Buch geschrieben. Freiheit ist nur im Modus der Abhängigkeit zu haben und vice versa etc

  • Dass es einen Instinkbereich im Menschen gibt, in dem Angst Wut und Lust über der Logik und dem kritischen denken virulent und sehr sehr schnell sind, ist kalter Kaffe.

  • Die Frage ist nicht die Frage nach der Moral, sondern nach dem Ethos. Was konstituiert das menschliche Gewissen?

  • Die Sonne ist so gross, wie sie uns erscheint. (Heraklit)

  • Ich meine, es ist wichtig, nicht von der frisierten Orange im weissen Haus auszugehen , um die Welt zu verstehen, sondern von Menschen wie Franz von Assisi, Hölderlin (mir ist nichts lieber als was alt ist wie die Welt) oder Simone Weil. Dann wird der sich selbst inszenierende Persuit of hapiness relativ schnell entzaubert.

  • Was ebenfalls fehlt ist eine Analyse der technischen Revolution, die uns in die Akzeleration hineintreibt, der soziale Anerkennung und das Bedürfnis nach Geborgenheit geopfert wird und immer mehr Menschen zu Einsamen, Neurotikern und Ausgebrannten macht.
    -Trotz dieser kritischen Punkte lege ich mir ein Probeabo zu. Ich wünschte mir von der Redaktion, dass sie nicht wie der Artikel in der Falle des links rechts Schemas hängen bleibt. Es bedarf nicht einer linken NZZ! Wir brauchen Aussichten und Einsichten, die jenseits der alten Glaubenssysteme und Grabenkriege in eine nicht referenziellen Welt hinein gedacht und mitgeteilt werden.

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Nachdem ich grad schreiben wollte, ich hielte den ganzen Artikel für einen Stunt, lese ich Ihr (wieder ziemlich langes) Fazit, sehr geehrter Herr Seibt.
Und bin selbstverständlich gleich wieder verunsichert.
Aber: nachdem dieser Artikel mich seit der - verspäteten - Lektüre nun zwei fast volle Tage und eine Nacht dazwischen nicht in Ruhe gelassen hat, habe ich nun ein wenig recherchiert. Noch nicht genug, werde in zweieinhalb Stunden im Zug weiterfahren.
Aber: Hirnforschung habe ich bisher keine gefunden zu den haarsträubendsten hier zitierten Amygdala-Geschichten. Gyrus conguli anterior erscheint mir im Gegensatz zur Amygdala erfunden (kann mich aber natürlich täuschen - steht auf meiner duckduck Liste für die Rückfahrt).
Die Abfrage: Who is Jonathan Apple? ergibt (nachdem spezifischer in Kombination mit Verhaltenspsychologie das Ergebnis lediglich, ohne Kohl, gewesen war: ‚„Ich bin langweilig.“ - so werden Sie zu einer interessanten Persönlichkeit!‘) also, Who is Jonathan Apple ergibt lediglich: medium-sized sweet apple; immerhin: American variety.
Und Jonathan Haidt und dessen Buch „The righteous Mind“ gibt es zwar. Aber ebenfalls nicht Hirnforschung, sondern ein historischer Überblick, Abriss über ethnologische, philosophische, soziologische etc etc Erkenntnisse über die Jahrhunderte. Mit einer zwar ähnlichen Erkenntnis wie in Ihrem Artikel präsentiert. Aber beim auch zweiten Blick nur ähnlich. - Und mit Hinweisen versehen offenbar, wie diesen Fallen - Intuition vor rationalem Denken - entgegengesteuert werden könne.
War das ein Test bezüglich der Kritikfähigkeit der Verlagetage, wie Sie uns nennen?
Wie gesagt, werde nachher noch ein wenig nachrecherchieren.
Wunderschönen Abend. Muss düsen. (Blume von Hawaii in Basel; mit Neuer Musik gemixt; ein Erlebnis.) Bye.

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Die Argumentation für die SRG fand ich die einleuchtendste und beste die ich bis dahin gehört habe. Auch wenn ich der Meinung bin, dass demokratische Freiheit nicht in Franken bemessen werden kann.

Nun zu persönlichen Überlegungen, wie ich damit umgehe: Wie im Artikel berichtet, scheint mir, dass das eigene Wertesystem eine überaus zentrale Bedeutung hat. Oft beobachte ich einen indirekten Austausch über Werte, wenn sich Leute kennenlernen (Bsp. Unterhaltung über Essgewohnheiten, Einkaufsverhalten,...).

Daraus ergibt sich für mich etwa folgendes:

  1. versuchen meinen Werten bewusst zu sein

  2. diese Werte ehrlich aussprechen (Bsp. Ehrlichkeit: Leute, die sich anders verhalten als sie predigen werte ich ab)

  3. Werte anderer herausfiltern / erfragen

  4. andere Werten über Empathie nachfühlen / die Brille des anderen aufsetzten (verstehen heisst nicht einverstanden sein)

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Voilà. Meine weiteren Recherchen.
Die einzige Forscherin, die aber nur in einer Überschrift genannt wird, Susan Greenfield, habe ich noch nicht gesucht. Als Besänftigung der female minds unter uns hatte ich das gelesen; dann aber die konkreten Angaben zu ihr vermisst.
Dafür den Artikel der NY-Times über Jonathan Haidts Righteous Mind jetzt zu Ende gelesen. Spannend. Korrekt, aber unvollständig zitiert. Ist vollständig viel weniger schwarz-weiss, als ich dem Republik-Artikel nach vermutet hätte - und behandelt primär Evolution, Hirnforschung wird einmal am Rand nur erwähnt. Apropos ist auch Psychologie nicht gleich Hirnforschung. Und Haidt lässt Optionen für Veränderung offen. Leute, ich brauch Hoffnung, um leben zu können.
http://www.nytimes.com/2012/03/25/b…haidt.html
Den Gyrus dafür gibts. In welcher Funktion habe ich noch nicht rausgefunden.
Wer sind die zitierten Hurnforscherinnen?
Lieber Constantin Seibt, ich hoffe, Sie verzeihen mein Misstrauen. Gleichzeitig setzen Sie ja genau darauf und schreiben unten selber, dass Sie zuhören wollen. Und, nach allem, was ich bisher, einem fantastischen Demokratie-Aufsatz vor ein paar Jahren zum Beispiel mal und in den Newsletters gelesen habe: das glaube ich Ihnen sogar, voll.
Voilà. Danke für die vielen Denkanstösse, dass ist ja genau das, was uns unsere Einstellungen immer mal wieder überprüfen hilft. Auch wenn wir nicht immer alles annehmen. Oder erst nach reiflicher Prüfung. Danke. Gute Nacht.

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Am meisten an diesem Essay liebe ich ja die Pointe, der Leserin zunächst dringlich nahezulegen, dass sie – wenn überhaupt – nur schwer Imstande ist, eine rationale Entscheidung zu treffen, um dann an die Eitelkeit (sprich: das schnelle Denken) der provozierten Leserin zu appellieren, die arge These zu wiederlegen (und das gekränkte rationale Ich zu retten) – da ja am Schluss viele rationale Gründe gegen die No-Billag-Initiative angeführt werden. Ganz mein Humor.

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Das Thema ist eine Zumutung und verdient daher großen Respekt. Wenn ich zu Ihrem Text, sehr geehrter Herr Seibt, ein paar Bemerkungen machen darf:

Als gelernter Sozial-und Geisteswissenschaftler verstehe ich die Neuro- und Kognitionswissenschaften nur begrenzt und stehe ihnen wohl auch daher etwas reserviert gegenüber. Aber ich sehe ein, dass das nichts nutzt. Folgt man dem deutschen Philosophieprofessor Thomas Metzinger, dann geschehen deren wissenschaftlichen Fortschritte nicht nur mit enormer Geschwindigkeit, sondern haben auch Substanz. Wenn sich aus der wissenschaftlichen Interpretation und der öffentlichen Diskussion der Ergebnisse das (Selbst-)Bild des Menschen verändern wird, dann ebenso die Annahmen über dessen Motive und Gründe für soziales Handeln und politische Entscheidungen. Möglicherweise werden wir daraus auch Schlüsse für die Gestaltung der politischen Institutionen demokratischer Verfassungsstaaten ziehen müssen.

Deshalb ist die öffentliche Debatte hier und anderswo wichtig. Ich würde mir aber wünschen, dass man dabei nicht der Versuchung erliegt, mit den begründeten Zweifeln an einer bestimmten, gewiss wirkungsmächtigen Vorstellung von Rationalität das Kind mit dem Bade auszuschütten, d.h. die Nützlichkeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse und politischen Errungenschaften der Aufklärung bzw. Neuzeit heutzutage generell ins Abseits zu stellen. Ich bin sicher, dass dies nicht Ihre Absicht ist. Ich habe aber Mühe damit, eine Debatte über Irrationalität, Demokratie und politische Institutionen der Aufklärung zu führen, wenn in einem Text zwar die Frage gestellt wird, ob der rationale Mensch nur auf dem Papier besteht und gleichzeitig überhaupt nicht erläutert wird, welches Grundverständnis von Rationalität bzw. rationaler Entscheidung zugrunde liegt. Es macht doch einen wesentlichen Unterschied, ob man darunter die Fähigkeit zur konsisteten Präferenzbildung und kostengünstigen Nutzenmaximierung versteht oder z.B. die Fähigkeit (und Bereitschaft), individuelle Präferenzen und Ziele auf ihre allgemeine Wünschbarkeit hin zu prüfen und zu bewerten.

Ob die Demokratie und ihre Institutionen von der beschriebenen menschlichen Irrationalität und der äußeren und inneren Manipulierbarkeit des menschlichen Verstands bedroht wird, darüber werde ich weiter nachdenken. Mir will momentan eher scheinen, dass die größte Gefahr für die westlichen Demokratien und die Aushöhlung ihrer Institutionen von der "Alternativlosigkeit" neoliberaler Wirtschaftspolitik ausgeht, durch deren Übernahme sich die sozialdemokratischen Parteien selbst zum reinen Reparaturbetrieb einer selbstzerstörerischen Wirtschaftsform degradiert haben.

Allerdings glaube ich nicht, dass die „Architekten der modernen Demokratien“ sich allzu großen Illusionen über die menschliche Rationalität hingegeben haben. Ihnen war durchaus bewusst, dass menschliche Entscheidungen sowohl durch Affekte als auch durch skrupellose Nutzenmaximierung bestimmt sein konnten. Die Bindung politischer Herrschaft an das Recht, an die staatliche Gewaltenteilung oder an die Garantie einer unabhängigen Berichterstattung ohne kommerzielle Interessen als Errungenschaft der Neuzeit zeigen das meiner Auffassung nach exemplarisch. Davon sollten wir keinen Millimeter abrücken.

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"Die Lüge ist das effizienteste Mittel, die Wirklichkeit zu verändern."
Die Lüge vermag die Wahrnehmung anderer zu verunsichern und ihre Befindlichkeit krankmachend zu verändern, aber die Wirklichkeit so effizient verändern?

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Gewichtiger Anfang der Woche, aber das Lesen hat sich gelohnt (zum Glück habe ich 2 h Arbeitsweg im ÖV). Danke!
Allerdings hätte mich folgender Aspekt im Sinne eines hoffentlich positiveren Ausblicks (mein Langsamhirn ist gerade sehr aktiv 😏😏) interessiert: das Gehirn entwickelt sich permanent und aufgrund unserer Eindrücke/ Erfahrungen/Handlungen stetig weiter. Wie viel der Ängste resp. des nicht wahrnehmen können ist wirklich genetisch und wie viel ‚gelernt‘?

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Sollte nicht schon bald über dieses Bewertungssystem der Likes nachgedacht werden. Für mich ist es so untauglich wie die Noten in der Schule!

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Lieber Constantin,Danke für Deinen spannenden, ausführlichen und besonders für die Ferien (bin ich grad) geeigneten Text Super geschrieben, mit ganz neuen Ein- und Aussichten und genau deswegen wertvoll, weil er zeigt, wie wichtig Journalismus, fundierte Berichterstattung und die laufende, permanente Erweiterung des Horizonts ist, nicht nur derjenige der Worte, nein, auch der Horizont des sich Gedankenmachens, des Auseinandersetzens, des Hinterfragens usw. :-) Thanks und weiter so

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Ich hatte gestern beim Bezahlen meines Jahresabos eigentlich gehofft, dass an dieser Stelle nicht auch noch für die SRG geworben wird: Leider wurde ich mit diesem Artikel enttäuscht.

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Ihr Text, lieber Herr Seibt, ist hyperbolisch: ich nehme nicht an, dass Sie wirklich sagen wollen, dass wir im "Gefängnis unserer eigenen Wahrnehmung" gefangen sind, sonst könnten wir kaum lernen - also nehme ich Ihre Aussagen cum grano salis. Bevor ich in die eigentliche Diskussion einsteige, eine zweite Vorbemerkung. Moden sollte man skeptisch begegnen, intellektuellen Moden zumal. Der Imperialismus der Hirnforschung geht auf wissenschaftspolitische Entscheidungen zurück, die Resultate sind auf den zweiten Blick gar nicht so eindeutig. Die Evidenz, die sie vorgaukeln, existiert nicht, was nicht bedeutet, dass diese Disziplinen nichts beitragen. Ein einziges Beispiel pro toto: Hirnscans sollen eindeutig zeigen, wer links und wer rechts ist. Aber sind "links" und "rechts" denn selber eindeutige Begriffe? Wo steht in dieser Skala jemand, der für Einwanderungsbegrenzung ist, weil er plausibel findet, dass umfangreiche Einwanderung den Sozialstaat gefährdet? Ende der Einleitung, Hauptteil. Der Hauptteil würde so lang wie Ihr Artikel werden, Herr Seibt. Da dies hier nicht zu leisten ist, muss ich mich auf Beispiele beschränken. Die Argumente, die Sie vorbringen, sind nur prima facie plausibel. Die Gründe, wieso die Arbeiter nicht mehr links stimmen, sind vielfältig - zu sagen, sie würden gegen Ihre Interessen stimmen, reduziert die Interessen dieser Bürger auf ihre ökonomischen Interessen. Arbeiter im ländlichen Amerika gehen z.B. jagen und fischen. Sie wollen keine Begrenzung dieser Tätigkeiten. Wenn nun linke Aktivistinnen von den Qualen der Fische beim Angeln reden, sehen sie das als Bedrohung ihres Lebensstils. Ich komme zum Schluss. Wir sollten die Ergebnisse der Kognitions- und Hirnforschung genauso kritisch rezipieren wie die Resultate aller anderen Wissenschaften. Die antike Rhetorik wir auch einzelne Autoren der klassischen Demokratietheorie haben immer darauf hingewiesen, dass der Raum des Politischen auch der Raum der Emotionen ist, dass es folglich immer auch darum geht, die Emotionen für die eigene Sache zu mobilisieren. Wer die Reden Franklin Delano Roosevelts hört, findet dort einen paradigmatischen Fall dafür. Die Linke hat dieses emotionale Reden verlernt, obwohl sie in ihrer eigenen Tradition glänzende Beispiele findet. Tradition ist aber nicht sexy, während es die Hirnforschung ohne Zweifel ist.

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Lieber Consti, danke für den polarisierenden Einstieg ins neue Projekt. Leider habe ich's im Text nicht bis zum Schluss geschafft, der IC von Bern kam in Zürich an. Muss ich nächstes Mal den langsamen Bummler statt des schnellen Zugs nehmen. Von mir nur ein paar kurze Einwürfe. Du schreibst mehrfach von einer Vorhersagequote von 70%, welche die Hypothesen zur Funktion des Hirns belegen sollen. Das tönt gut. Nun erreicht aber eine reine Zufallsaussage bei zwei Möglichkeiten bereits eine Vorhersagequote von 50 %. Das berühmte "Kopf oder Zahl"-Spiel. Eine perfekte Vorhersage würde 100 % bedeuten. Also sind 70 % Trefferquote näher beim reinen Raten als beim Wissen. Dann habe ich in einem Kommenatr gelesen, dass du zum Schluss zu Demut ratest. Das wäre bei der Interpretation von Hypothesen zum Funktionieren des Gehirn auch angebracht. Fakt ist, dass wir nicht die geringste Ahnung haben, wie sich ein Haufen Zellen selbst so organisieren kann, dass er einen Geist schafft. Wir wissen nicht einmal, ob die Funktion der Zellen als Erklärung ausreicht. Das passt mir als Wissenschaftler auch nicht. Doch halte ich es für wichtig, neben den tollen Erfolgen der Wissenschaft bei der Erklärung der Natur auch die ungeklärten Fragen präsent zu haben. Die Funktion des Gehirn gehört definitiv zu letzteren. Und Hypothesen dazu eignen sich kaum als Basis für die Konstruktion eines Staatswesens.

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Wunderbar! Darf ich all jenen ein Buch ans Herz legen, die erstens noch längere Texte vertragen und sich zweitens manchmal schwer tun mit den spezifischen Niederungen der Politik im schönen Zürich? Kurt Guggenheim hat in „Alles in allem“ die Zeit vor den Filterblasen beschrieben, als in Züri noch ein fast dörflicher Zusammenhalt bestand. Das Ergebnis ist grosse Kunst und verdiente weit bekannter zu sein. Gerade weil die soziale Segregation auch in der heilen Schweiz zunimmt, vom Vormarsch der Privatschulen bis hin zu versuchten Millionärsverboten in Genossenschaften durch sogenannte Liberale. Die natürlich Sinn machen: am Ende wär die linke Diskussionskultur noch ansteckend. Wo chiemte mer hi?

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Der Gedanke, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen, ist ebenso wahr wie auch naiv. Letztendlich kann aus der ausgezeichneten Analyse der politischen Situation keine hilfreiche und effektive Handlungsstrategie abgeleitet werden. Nicht zuletzt deshalb, weil es nichts gibt was in der Lage wäre den Begriff HILFREICH allgemeinverbindlich zu definieren. Der aus meiner Sicht einzige Lösungsansatz wurde vor weit über 2000 Jahren von Buddha gefunden: Das Leben ist Leiden. Die Ursache alles Leidens sind Gier und Verblendung. Gier und Verblendung können verschwinden durch die Praxis der täglichen Meditation, die unter anderem dazu führt, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen ... Man kann es aber auch ausdrücken mit den Worten von Sibylle Berg: Versuche kein Arschloch zu werden. Nicht an einfachen Lösungen zu glauben. Nicht feige zu werden. Mehr ist nicht drin.

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Was mir nach dem Lesen so duch den Kopf schwirrt: "Nun bloss aufpassen, dass die Republik nicht selbst zur Filterblase wird..."

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Vielen herzlichen Dank, lieber Herr Seibt, für Ihren langen sehr interessanten, nachdenkenswerten Artikel! Nach einem Jahr Seibt- Entzug las ich ihn arbeitsbedingt in Etappen aber mit viel Genuss wie damals im Tagi jeweils,; Nachteil des In -Etappen-Lesen, vielleicht hat mein nicht mehr ganz so neues Hirn Schon einiges wieder vergessen. Hier ein paarAnmerkungen und Fragen:

  • Bei 3/4 des Textes war ich sehr erstaunt darüber, wie sehr Sie in schwarz/ weiss - Überlegungen (Republikaner- Demokraten, Rechte- Linke... ) sich ausliessen. Wo bleibt die Mitte? es gibt meines Erachtens genügend Menschen, die je nach Sachfrage mal eher nach links und dann wieder rechts tendieren, wenn wir überhaupt wissen, was links und rechts ist....
    -wenn sich nun alle Parteien dieser neuropsychologischen Erkenntnisse ( wie auch die Werbung) bedienten, könnte dies nicht dazu führen, dass wir wieder ' freier' entscheiden würden? Alle würden dieselben Methoden benützen, uns zu manipulieren...

  • Die Studien der Hirnforschung wären sehr interessant und ich würde einige sehr gerne genauer durchlesen. Könnten Sie einen Link veröffentlichen?
    Doch wie frei sind eigentlich die Studienleiter, die Hirnforscher?
    Wie sehr können wir uns auf deren Ergebnisse verlassen? Hirn- scans sind sehr verschieden interpretierbar!

  • wie sicher sind Sie, dass Sie nicht genau nur die Studien in Ihrem Artikel verwendet haben, die Ihnen Ihre Meinung in Ihrem Artikel untermauern?

  • vielen lieben Dank für Ihre Schlussfolgerungen! Sie lassen einen nicht deprimiert die Hände in den Schoss legen sondern auf jene Weise weitermachen, wie man, egal wodurch konditioniert, antrainiert und angedacht und lebenserfahren, es bisher zu tun pflegte, vielleicht eine Spur aufmerksamer, verunsicherter, kritischer. DANKE!

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"Ein Meisterwerk", mein schnelles Denken
"Hm. Da könnten ein paar interessante Gedanken darunter sein. Vielleicht muss ich mal darüber nachdenken", mein langsames Denken.

Ein Monument, dieser Artikel. Leider kann ich mir jetzt nicht auch noch alle Kommentare durchlesen, das wäre zu viel.

Unsere Irrationalität bedeutet, dass Politik ein Affenzirkus ist. Das muss man akzeptieren. Man kann jedoch versuchen, oft über sich selbst und seine Meinung nachzudenken. Andere dazu anzuregen. Bildung unterstützen. Um sich Schritt für Schritt, unter Anleitung des Pressesprechers, in die richtige Richtung zu bewegen.

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ich habe den text erst heute gelesen und ich mag lange texte - danke!
nachdem ich viele diskussionsbeiträge gelesen habe, bin ich vor allem erstaunt über die vielen "pscheidchäschtli", die das forum nutzen um mit dem schnellen denken ihr wissen anzubringen. kritik ist gut und nötig, dagegen habe ich nichts einzuwenden, bei allzu "gescheitem" besteht allerdings die gefahr, dass für nicht so gescheite wie ich eine bin, das verstehen auf der strecke bleibt.
ich fand den artikel primär anregend und dass vieles, wenn nicht alles zu kurz kam, ist beim offenbar teilweise als zu lang empfundenen text nicht vermeidbar.

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Ja, wie gehe ich mit mir selber um angesichts dieser Faktenlage?
Ich denke, es ist sicher gut, ganz viel Verschiedenartiges zu lesen und darüber nachzudenken.
Das setzt das schnelle Denken vorübergehend auf die Auswechselbank und gibt dem langsamen Denken Trainingszeit.
Dann Zeit verbringen mit verschiedensten Menschen.
Das hilft, dass die Empathie nicht auf der Strecke bleibt.

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Diskutieren wollte ich nur über die Länge des Textes sowie die zahllos angeführten Hirnforscher und sonstigen Wissenschaftler, die zu recherchieren allein ein paar Tsge Urlaubs in Anspruch nähme. Am Ende bleibt aber die starke Einsicht, dass öffentlich-rechtliches Fernsehen wichtig ist, weil Mainstream. Auch wenn man niemals aufhören sollte, die Verwendung der eingezogenen Gebühren zu hinterfragen und die Besetzung der Gremien erst recht. Grüße aus Heidelberg, Glückwunsch zum starken Start und alles Gute weiterhin.

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Ein wunderbarer Start! Zu lange? Für mich nicht. Blendend das Argument, dass Mainstream nicht a priori schlecht und dumm ist sondern nützlich als gemeinsamer Nenner für eine fundierte Diskussion.
Darf ich noch meinen kleinen Senf zu einem Detail geben? Likes und Dislikes sind an sich problematisch. Wenn schon interessiert mich ihre Totalanzahl und nicht ihre Differenz. 100 mal gut plus 100 mal schlecht kann nicht dasselbe ergeben wie null Kommentar.

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Durchgelesen und Glücklich! Ein sehr, sehr guter Artikel. Was soll sich, oder muss sich ändern? Weniger Medienzerschlagungsinitiativen und mehr wieder relevante, problemlösende Initiativen... Wir haben noch nicht mal diese unsägliche „noBillag“ hinter uns, die ab zu lehnen ist, schon kommt das nächste Übel... Gute Nacht!

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Viele bedenkenswerte, teils mir neue Ideen und Untersuchungen zur politischen Kommunikation und ihren Irrationalitäten in den westlichen Demokratien, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los dass stillschweigend herrschaftsfreie Kommunikation vorausgesetzt wird. Mir fehlen gänzlich die politischen Theorien - über Macht und Gewalt, Legitimität und Herrschaft etc. Der Text kommt sehr leichtfüßig daher, für meinen Geschmack müsste ihm ein Text mit etwas mehr Schwere folgen. So halte ich es zum Beispiel für gar nicht zufällig, dass, so berichten mir meine Söhne und deren Freunde Mitte bis Ende 20, an vielen politikwissenschaftlichen Fakultäten wieder nach den Arbeiten von Hannah Arendt gefragt wird.

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Im Intro auf SRG zu verweisen, animierte mich, die lange Reise durch den reichhaltigen Essay zu machen. Denn Einstiege über "Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass..." sind für mich eher ein Grund zum Weiterblättern. Diese Durststrecke am Anfang hat sich aber gelohnt. Horizonterweiterung, Erkenntnisgewinne. Danke!

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10.000 Gedanken zu deinen 1.000 Gedanken - ich lasse es bei einem: toller Aufschlag! Ein ganz wichtiger Text, keine Sekunde langatmig und mit integrativem Potential...Glückwunsch!

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Wenn das schnelle Denken schon so clever ist
und langsames Denken grad nicht möglich ist,
dann können die bewusst gewählten Abkürzungen noch schneller sein.
Keine gründliche Navigation möglich? Dann Shortcuts:

1
Shortcut Beleidigungen zu Amusements:
Die Beleidigung (alle, immer, egal von wem) einordnen und dadurch amüsiert ertragen.
Konrad Lorenz beleidigte früher und grundsätzlicher als beispielsweise Kahnemann:
Wir seien das missing link zwischen den Primaten und dem Menschen.
https://en.wikiquote.org/wiki/Konrad_Lorenz
2
Shortcut vor dem Morgenessen:
"It is a good morning exercise for a research scientist to discard a pet hypothesis every day before breakfast. It keeps him young.“
Ein LIeblingsding, dass ich wegwarf, lässt mich nicht mehr stolpern.
Dito Lorenz. Derselbe Link.
3
Die Demuts-Falle überspringen:
Bernhard von Chartres sagte es, wer als demütig gelten will, wiederholt es seither: „Wir sind gleichsam Zwerge, die auf den Schultern von Riesen sitzen, um mehr und Entfernteres als diese sehen zu können – freilich nicht dank eigener scharfer Sehkraft oder Körpergröße, sondern weil die Größe der Riesen uns emporhebt.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Zwerg…von_Riesen
4
Shortcut Zwerge abschütteln:
Bin ich das? Oder welche flüsternden, schwadronierenden, drohenden Zwerge in mir muss ich ruhig stellen? Möglichst für immer?
5
Shortcut Echoblasen verlassen:
Maximal zwei Quellen für das Neue. Die Echos dafür-dagegen-dafür-dagegen: delete.
Stoppt den Blödsinn. Gibt Zeit. Vor allem dafür, zu erkennen, was der Krawall vernebelt.
6
Shortcut Widersprecher, Widerwärtige und Wahnsinnige:
Andersgläubiges nur zu abonnieren ist Selbstbetrug.
Das, was mich nicht bestätigt, ernsthaft lernen, wie, z.B. Kisuaheli.
Dem Zyniker präzis folgen, widerspruchslos, bis kurz vor die Hölle.
Compassion mit den Wahnsinnigen. Mitgefühl. Einige Minuten aushalten.
(Stellen Sie sich vor, Sie sind über siebzig. Sie wachen morgens auf.
Sie sind plump, ziemlich fett und haben fremde Haare angeklebt.
Und jetzt müssen Sie sich zu allererst und sofort einfallen lassen,
womit Sie sich über sich selbst beeindrucken können. Und das twittern.)
7
Shortcut neu rahmen und neu beenden:
Was irgendein schnelles Denken hinstellt, wie Sprungsteine,
hat fast immer ein Instant-Etikett, absichtsvoll einfach, süffig.
Das lässt sich immer und schnell und extrem wirkungsvoll reframen.
Was auch für alle Stories gilt, die der Mensch liebt und schluckt.
Und schon ist es passiert. Statt zu schlucken ist nahezu sofort eine andere Story erzählt.
Die muss weder schlüssiger, noch eleganter sein.
Hauptsache, sie wird sofort statt der absichtsvollen erzählt.
Und: es hilft sehr, wenn die einen faszinierenden Schluss hat.

Schnelles Denken geschieht ohnehin.
Schnelleres Denken durch Shortcuts macht das Leben erstaunlich übersichtlich.

-8

Pardon. Die Redaktionskonferenzen brauchten ein wenig länger als gedacht. Erste Zwischenbilanz des Echos:

  1. Pardon. Die Pferde waren ein Jahr im Stall, dann sind sie ein wenig wild über die Prärie galoppiert. Es war ein wenig viel in meinem Kopf. Ich werde mich in Zukunft kürzer halten.

  2. Die IT hat euch gehört: Links werden so bald als möglich in Foren möglich sein. Absätze auch. Aber die IT schläft im Moment, erschöpft von zwei durchgearbeiten Nächten vor dem Start.

  3. Ich habe drei saublöde Fehler gemacht 356 statt 365, eine falsche Abkürzung und dann habe ich den Mars auch noch als Exoplanet bezeichnet. Sie werden korrigiert werden, sobald einer der Programmierer aufwacht.
    (Verzeihen Sie die Fehler. Die Korrektoren haben bei mir so einiges zu tun. Nicht umsonst ist der einzige Einzeilerwitz, der mir je einfiel: Unter den Analphabeten ist der Legastheniker Köngi.)
    So, und damit zurück zur inhaltlichen Debatte.

83

Guter Artikel, Danke. Bitte mehr solche Inhalte.
Für mich ist er aber zu lange um ihn in einem Rutsch zu lesen. Bitte aber NICHT kürzen, sondern mit mehr Strukturierung wie Inhaltsverzeichnissen, Kurzfazits am Ende jedes Kapitels, Exkursen (zum Überspringen und später Nachlesen) oder mehrteiligen Artikeln arbeiten!

3

Ich finde die Texte bei der Republik sollte auch Quellenangaben enthalten. Es sind so viele Studien im Text genannt und es wäre sehr glaubwürdig und transparent diese auch in Zeiten des Internets anzugeben.

Ich glaube wenn man ein Bewusstsein für die im Artikel beschriebene Irrationalität schafft kann man viel erreichen. Die Evolutionstheorie wurde auch lange aus irrationalen Gründen nicht akzeptiert....

34

Ein ziemlich grosser Brocken, der die Frage aufkommen lässt, ob er sich nicht auch viel schlanker hätte schreiben lassen. Der letzte Drittel, in dem dargelegt wird, wie die Republikaner sich radikalisiert haben, und Linien zu No-Billag gezogen werden, ist brillant. Aber bis dahin schafft es wohl kein einziger No-Billag-Befürworter. Das verhindern wohl die Wirrnis des ersten Drittels und das fehlende Fachwissen über Genetik, das im zweiten Drittel zutage kommt und zu einem Narrativ führt, das die genetische Basis dieser neurologischen Unterschiede überhöht und dem letzten Drittel teilweise sogar widerspricht.
Was ist das Ziel dieses Artikels? Ist es eine umfassende Information? Dann müssten Quellenangaben weiterführen. Ist es die Umstimmung von No-Billag-Befürwortern? Dann müsste der Artikel doch Rücksicht nehmen auf deren neurologischen Zustand und einordnend erklären, statt in alle Richtungen zu gehen.
So, wie er jetzt ist, bringt dieser Artikel bloss oberflächliches Wissen zu geduldigen LeserInnen. Der Artikel will zuviel, ist zu lang und predigt zu den bereits Überzeugten. Es tut mir leid, dies als lebenslanger Seibt-Fan sagen zu müssen, aber er ist wenig mehr als intellektuelle Masturbation. Die Zeilenbeschränkung im Tagi hat Ihnen sehr gut getan und Ihr Talent zum Vorschein gebracht, Eloquenz, ein spannendes Narrativ und eine dichte Schreibweise zusammenzubringen. Nun, da Sie sie nicht mehr haben, verbinden Sie die Längen eines kommunistischen Manifest-Autoren mit der Recherchetiefe eines Zeitungsjournalisten. Vom Vokabular her zwar immer noch auf sehr hohem Niveau, aber inhaltlich und erzählerisch enttäuschend, verglichen mit Ihren Tagi-Artikeln.

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